﻿Topfstein

Torf

Gegenstände, z. B. eine Lichtflamme, doppelt
sieht. Eine charakteristische Eigenschaft des
Steines ist auch, daß er durch Reiben stark
elektrisch wird. Die brasilianischen gelben
Steine lassen sich durch einen Glühprozeß
in rosarote verwandeln, ohne an Glanz und
Feuer einzubüßen. Man setzt sie entweder
mit Asche in einen Tiegel, den man zum
Rotglühen bringt, oder wickelt sie einfach
in Feuerschwamm, umwindet das Bällchen
mit Draht und zündet es an. Je tiefer das
Gelb war, desto heller wird das Rot. Die
sächsischen gelben Steine brennen sich nicht
rot, sondern verlieren hierbei die Farbe gänz-
lich. — Zoll: S. Edelsteine.

Topfstein (Lavezstein), ein dem gemei-
nen Talkstein verwandtes Mineral von grün-
lichgrauer Farbe und Fettglanz, welches sehr
weich und milde, aber doch zähe und nicht
leicht zu zerstoßen ist, besteht aus Chlorit mit
beigemengtem Talk, Serpentin, Glimmer, As-
best und anderen Mineralien. Als ein Stoff,
der mit Messern und auf Drehbänken sehr be-
quem bearbeitet werden kann, dann im Feuer
erhärtet und äußerst feuerfest erscheint, ist
er ein für verschiedene Zwecke sehr brauch-
bares Material. Man fertigt daraus Koch-
töpfe und anderes Geschirr, Kamine, Ofen-
platten, Gestellsteine zu Schmelzöfen und
feuerfeste Anlagen überhaupt. Die Küchen-
geschirre saugen wohl von den Speiseflüssig-
keiten etwas ein, können aber durch Aus-
glühen immer wieder gereinigt werden. Das
Mineral findet sich in großen Massen in den
Tiroler Alpen, in Graubünden, Wallis, am
Montblanc, am Corner See, auf Korsika, in
•Schweden und Grönland. Alle Töpfe und
Lampen der grönländischen Eskimos sind
daraus gefertigt. — T. ist zollfrei, Waren
daraus s. Tarif Nr. 691 ff.

Topinambur (Jerusalemartischocke,
Erdartischocke, knollige Sonnen-
blume, Saukartoffel, Pferdekartoffel,
Erdbirne, frz. Hölianthe tuböreux, Pomme
de terre Topinambour, engl. Girosoe) nennt
man die Knollen einer mit der Sonnen-
blum e verwandten Pf lanze aus Mexiko, Heli-
anthus tuberosus, welche auf leichterem
Boden gedeiht. T. bildet ein wenig wertvolles,
wäßriges, fad süß schmeckendes Gemüse und
wird hauptsächlich zu Viehfutter, besonders
für Schweine, im südwestlichen Deutschland,
in Frankreich und Österreich, in Belgien mehr
zur Spiritusbereitung angebaut. Man legt die
Knollen in Reihen oder Stufen, 8—12 hl oder
700—1000 kg pro ha, 45—60 cm weit aus und
kann sie, da sie von Frost nicht leiden, über
Winter im Land lassen. Die Pflanze bedarf
nur geringer Pflege und Düngung, ist aber
-da, wo sie gebaut wurde, sehr schwer wieder
auszurotten und muß daher auf gesonderte
Flächen beschränkt werden. Man erntet 80
bis 200 dz Knollen und 40—160 dz Kraut
und Blätter, welche ebenfalls als Viehfutter
dienen und zum halben Werte wie Heu
geschätzt werden. Deutschland baut auf ca.
2200 ha etwa 400000 dz Knollen, deren Preis
-etwas geringer als derjenige der Kartoffeln

ist. Die T. kommt nur im Lokalhandel vor.
— Zoll: S. Tarif Nr. 24. 33.

Torf (frz. Tourbe, engl. Turf) ist das Pro-
dukt der Vermoderung von Pflanzen und
Pflanzenteilen, die dritte und j'üngste Form
der fossilen Brennstoffe, über deren Bildung
keine Zweifel bestehen, da sie noch fort-
während vor sich geht. Der T. findet sich
hauptsächlich in Niederungen, doch auch auf
Hochebnen und flachen Stellen der Gebirge,
und zwar in allen Ländern des mittleren und
nördlichen Europa. Er entsteht überall da,
wo Moose, Sumpfgräser, Schilfe und Heide-
kräuter gedeihen, und das Wasser keinen
genügenden Abfluß hat, sondern stagniert.
In Wäldern liegende Torfmoore enthalten be-
deutende Mengen organischer Stoffe in Form
von Blättern und Nadeln, welche Wind und
Wasser ihnen zuführen. Viele Torfmoore sind
das Erzeugnis einer bestimmten Moosgat-
tung (Sphagnum), welche auf nassen Stel-
len dichte Rasen bildet und, nach unten ab-
sterbend, nach oben sich immer verj'üngend,
mit der Zeit so viel Moder unter sich sammelt,
daß das Moor sich beträchtlich über die be-
nachbarten Landflächen erhebt und daher als
Hochmoor bezeichnet wird. Solche Moore
liefern in der Regel einen sehr guten Brenn-
stoff. Die Reste von reinen Wasserpflanzen
sammeln sich natürlich am Grunde als
Schlamm an, welcher, in Formen gestrichen
und getrocknet, den Bagger- oder Streich-
torf gibt. Stichtorf (Wiesentorf) dagegen
ist die zutage liegende, nur mit Pflanzenwuchs
bedeckte Masse, welche im feuchten Zustande
mit besonderen Schaufeln abgestochen wird.
Je nach dem Alter sind diese Massen von
verschiedener Beschaffenheit: Rasentorf,
als die j'üngste Bildung, aus wenig veränder-
ten, noch gut erkennbaren Pflanzenresten,
ist von gelbbrauner Farbe und lockerer,
leichter Konsistenz. Fasertorf besteht aus
brauner, schon strukturlos gewordener Masse,
welche mehr oder weniger mit Fasern durch-
setzt ist. Pechtorf, dunkler und kompakter
als Faserstoff, ist der älteste und schwerste
und zeigt kaum noch erkennbare Pflanzen-
reste. Ähnlich beschaffen ist der trocken
gewordene Baggertorf. Im allgemeinen hält
man den T. für um so besser, je schwärzer
und schwerer, also je älter er ist. Doch ist
dieses Merkmal trügerisch, da solche T.
häufig sehr viel erdige Teile enthalten und
40—50 o/o Asche hinterlassen. Ein guter
schwarzer T. soll nicht mehr als 5—10 Ge-
wichtsprozent Unverbrennliches enthalten,
der lockere hellere nur 4—5%. Im allge-
meinen ist der Heizwert des T. geringer als
derjenige der Braunkohle. Er bildet das
billigste und manchmal das einzig verfügbare
Brennmaterial. In Holland z. B. würden
einige Landstriche ohne ihn gar nicht be-
wohnbar sein. Obwohl sein Gebrauch mit
Unbequemlichkeiten verbunden ist, weist
doch der zunehmende Holzmangel immer
mehr auf die Verwertung des Torfes hin,
der dadurch neben der Braunkohle und
Steinkohle beständig an Wichtigkeit gewinnt.