﻿Torfstreu

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Tragant

Namentlich haben viele technische Betriebe
unter Einrichtung zweckmäßiger Feuerungs-
anlagen die Torffeuerung eingeführt. Man
benutzt ihn beim Ziegelbrennen, in Glas-
hütten und Porzellanfabriken und sonst, wo
Flammenfeuer gebraucht werden, auch beim
Ausschmelzen und Frischen des Eisens und
selbst zum Heizen des Lokomotivkessels. In
der Regel wird die Rohmasse für solche Ver-
wendungen erst durch Verkohlen oder
Pressen vorbereitet. Das erstere ist nur
anwendbar für alten, festen T., das zweite für
die mehr schwammigen Varietäten. Das Ver-
kohlen oder Verkoken in Öfen, Meilern oder
Gruben liefert eine Kohle (Torfkoks), die
ein gutes, rein und geruchlos brennendes
Feuerungsmaterial abgibt. Ihre Darstellung
wird besonders in den mächtigen Torfmooren
Irlands, sowie in Holland betrieben, wäh-
rend in Deutschland die Fabrikation von
Preßtorf vorherrscht. Zur völligen Ent-
wässerung wird die Masse erst auf Maschinen
zerkleinert, die Fasern zerrissen und gespalten
und dann in besondere Torfpressen gebracht.
In neuester Zeit fertigt man aus Fasertorf
auch Pappe von sehr guter Beschaffenheit,
aber brauner Farbe, sowie Torfstreu. — Zoll:
T. und Torfkohlen sind zollfrei. Vgl. Pappe.

Torfstreu (Moosstreu) ist ein aus Torf-
gegenden in den Handel gebrachtes Fabrikat,
welches aus den oberen Schichten dargestellt
wird und an Stelle des Strohes als Streu-
material in Stallungen Anwendung findet.
Die T. hat den großen Vorzug, den unan-
genehmen Geruch der Exkremente zu binden,
sich mit Jaucheteilen zu sättigen und bei
Anwendung von Stroh als Oberstreu in Stal-
lungen wesentliche Ersparnisse und bessere
Gewinnung der wertvollen Teile der Exkre-
mente und des Urins der Tiere zu sichern.
Auch die Frage der Reinhaltung der Städte
kann durch die T. vielfach besser gelöst
werden, besonders dann, wenn die umliegen-
den Ackerfelder der Lockerung oder eines
Materials zur Erhaltung der Feuchtigkeit be-
dürfen (Sandgruppe und bündig krustierende
Bodenarten). Ferner hat man in neuerer
Zeit die Torfstreu als Faserstoff (Torf-
wolle) sowohl zu Spinnzwecken, als auch
zur Papierfabrikation zur Verwendung ge-
bracht. — Die bei der Zerkleinerung ab-
fallenden pulverförmigen Teile finden als
Torfmull in der Verbandstoffabrikation
Verwendung. Torfmull besitzt eine große
Aufsaugefähigkeit und wird sowohl aus diesem
Grunde als auch der gleichzeitigen desinfi-
zierenden Wirkung halber als Unterlagsstoff
für Wöchnerinnen und als Einlage der
Hygieabinden benutzt. — Zoll: Torfstreu ist
zollfrei. Torfwolle s. Tarif Nr. 28. 470.

Tormentillwurzel (Blutwurzel, Ruhr-
wurzel, lat. Rhizoma tormentillae, frz. Ra-
cine de tormentille, engl. Tormentille root)
ist der ausdauernde Wurzelstock von Poten-
tilla Tormentilla, einer krautartigen
Pflanze aus der Familie der Rosaceen, mit
3—5 zählig gefingerten Blättern und vierblätt-
rigen gelben Blüten, welche bei uns häufig

auf Wiesen, feuchten Triften, in Laub- und
Nadelwäldern wächst. Die verdickte Wur-
zel ist unförmlich walzig oder fast knollig,
höckerig, getrocknet sehr hart und fest, bis
6V2 cm lang und 2 cm dick, äußerlich rot-
braun, innen heller und von weißlichen Ge-
fäßbündeln durchzogen. Die zahlreichen dün-
nen Wurzelfasern sind an der Handelsware
abgeschnitten. Der stark zusammenziehende
Geschmack beruht auf einem reichlichen Ge-
halt an Gerbstoff, neben welchem ein Farb-
stoff, Tormentillrot, Chinovasäure und
Ellagsäure vorhanden sind. T. dient als
adstringierendes Mittel in Pulver- oder Ex-
traktform. — Zollfrei.

Toril, ein nach geheimgehaltener Methode
hergestelltes Nährpräparat, bildet eine
sirupöse Flüssigkeit von dunkelbrauner Farbe
und folgender Zusammensetzung: Wasser
27,55%, Albumosen 12,75%, Peptone und
Fleischbasen 33,16%, Asche 26,35% mit 4,50%
Phosphorsäure und 16,03% Kochsalz. Außer-
dem sind geringe Mengen Ammoniak und
unlösliches Protein vorhanden. — Zoll: 30 M..

Tournantöl, ein saures Öl aus gegorenen
Preßrückständen von Oliven, wird in der Fär-
berei des Türkischrotgarns gebraucht. — Zoll:
S. Tarif Nr. 166/7.

Tragant (lat. Tragacantha s. Gummi traga-
canthae, frz. Gomme adragante, engl. Traga-
canth) ist der erhärtete Schleimsaft ver-
schiedener Arten von Astragalus (Papi-
linaceae) niedriger, stark verästelter, sehr
dorniger Sträucher mit holzigen Stämmchen
und Ästen, die in der Levante und ganz Klein-
asien, Persien und Syrien wild wachsen. Als
echter Tragantstrauch gilt Astragalus
verus, in Kleinasien, Armenien und dem nörd-
lichen Persien. Daneben benutzt man Astra-
galusgummiferusin Kleinasien und Syrien,
Astragalus creticus in Griechenland und
auf Kreta und noch einige andere. Das
Gummi bildet sich in dem Holze aus um-
gewandelten Zellen der Markröhre und Mark-
strahlen und enthält daher unter dem Mikro-
skope wahrnehmbare Zellreste und Stärke-
körnchen. Beim Eintritt der feuchten Jahres-
zeit schwillt die Masse durch Aufnahme von
Wasser bedeutend an und wird infolge des er-
zeugten Druckes durch Risse und Spalten ins
Freie gepreßt. Zur Erleichterung des Aus-
trittes macht man auch wohl Einschnitte oder
Stiche in die untersten Teile des Stämmchens.
Die Einsammlung geschieht im Juni. Die
Masse erhärtet bei gutem Wetter in 3—4
Tagen und nimmt diejenige Form an, welche
der zu Gebote stehenden Austrittsöffnung ent-
spricht. Man hat daher band- oder blätterartige
Stücke, wurm- oder nudelförmig gewundene
Körper und klumpige Massen. Der aus An-
zapfungen erhaltene T. soll stets besser sein
als der freiwillig ausgeflossene. — Nach der
Flerkunft unterscheidet man: Smyrnaer oder
Blättertragant, von Astragalus verus, aus
dem Innern Kleinasiens, die beste und teuerste
Sorte, in großen flachen, gewellten Stücken,
Moreatragant oder Vermizell, von Astra-
galus creticus, wurm-, faden- oder nudel-