﻿Tschuchiakabi

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T ürkisch-Rotgarn

mit braunen. Keimkörpern und charakteristi-
schem Geruch nach Bierhefe. Die weiße
Wintertrüffel hat ungeadertes weißes
Fleisch mit roten Keimkörpern, die weiße
Sommertrüffel marmoriertes weißes, später
ockerfarbiges und grauliches Fleisch, die ita-
lienische oder Sommertrüffel endlich
glatte, unregelmäßige Knollen von graugelber
bis ockeriger Farbe und knoblauchartigem
oder käsigem Geruch. Im allgemeinen erntet
man die Wintertrüffeln im November bis
Februar, die Sommertrüffeln von Juli und
September an. Die T. werden, getrocknet in
Fässer oder in Papier verpackt oder in Wein
gekocht und dann in Öl eingemacht, in den
Handel gebracht. Frische T. halten sich
in Sand oder Erde in guten Kellern länger
als 14 Tage. Hinsichtlich ihres Nährwertes
gilt das unter „Pilze“ Gesagte. Als Ver-
fälschungen hat man Beimischungen von
Bovistscheiben beobachtet, die aber an ihrem
weißen Rand und ihrem blauschwarzen, nicht
marmoriertem Fleische kenntlich sind. Weiter
werden beschädigte T. mit brauner Erde ein-
gerieben oder durch Eindrücken von Steinen
beschwert. — Zoll: S. Tarif Nr. 33. 35/6.

Tschuchiakabi, eine aus Japan stammende
Droge, besteht aus der Kapselfrucht einer
Orchidee und wird als wirksameres Ersatz-
mittel für Kubeben und Kopaivabalsam emp-
fohlen. — Zollfrei.

Tuben nennt man aus Zinn oder dessen
Legierungen hergestellte, röhrenförmige Be-
hälter, meist mit Schraubenverschluß, die
zur Aufnahme von Farben, Pasten, Salben
usw. dienen. Dadurch, daß man die Tube
durch den Deckel wieder fest von der Luft
abschließen kann, eignen sie sich namentlich
für solche Produkte, die leicht verdunsten,
verharzen oder sonstwie verderben. — Zoll:
S. Tarif Nr. 863.

Tuberosenöl (lat. Oleum tuberosae, frz.
Huile de tuberöse, engl. Tuberose oil). Unter
diesem Namen kommt ein durch Mazeration
der Tuberosenblüten mit Olivenöl ge-
wonnenes Produkt in den Handel. Die aus
Ostindien stammende Tuberose (Polianthes
tuberosa), eine Pflanze aus der Familie der
Liliaceen, enthält in den Blüten, die den-
jenigen der Lilien ähnlich sind, ein sehr feines
Aroma, welches in der Parfümerie zur Her-
stellung verschiedener Extraits mitverwendet
wird. —- Zoll: S. Tarif Nr. 355.

Tuberkulin (lat. Tuberculinum), das von
Koch als Mittel gegen die Tuberkulose in
die Medizin eingeführte Mittel, besteht aus
dem Glyzerinextrakt der Reinkulturen ab-
getöteter Tuberkelbazillen und kommt als
eine klare, braune Flüssigkeit von aromati-
schem Geruch und alkalischer Reaktion in
amtlich versiegelten Fläschchen zum Verkauf.
Da es die Tuberkulose vielfach zu verschlech-
tern scheint, wird es bei Menschen kaum
noch angewandt, findet aber ausgedehnte
Anwendung zur Prüfung von Kühen auf
Tuberkulose. T. darf von den Apotheken
zu Heilzwecken nur auf ärztliche Verordnung
abgegeben werden. — Zollfrei.

Tuchrot, ein im Jahre 1879 in den Handel
gebrachter Teerfarbstoff zum Färben von
Wolle, findet sich in zwei Arten G und B.
Erstere, ein rotbraunes, in Wasser ziemlich
schwer lösliches Pulver, besteht aus dem
Natronsalze der Amidoazotoluolbetanaphthol-
monosulfosäure, die andere Sorte B, ein
dunkelbraunes, in Wasser mit fuchsinroter
Farbe lösliches Pulver, besteht aus dem
Natronsalze der Amidoazotoluolazobetanaph-
tholdisulfosäure. — Zollfrei.

Türkis, ein Schmuckstein dritten Ranges
von weicher Beschaffenheit (Härte 6), ist un-
kristallinisch und undurchsichtig, nur schwach
und etwas wachsig glänzend, aber doch beliebt
wegen seiner schönen himmelblauen, mitunter
grünblauen Färbung und wird des angenehmen
Kontrastes halber gern neben Diamanten und
Perlen verwendet. Er besteht aus wasser-
haltiger phosphorsaurer Tonerde mit einem
kleinen Gehalt an phosphorsaurem Kupfer
und Eisen, welcher die Färbung verursacht.
Das Mineral zeigt keine Spur von Kristalli-
sation, sondern bildet derbe, nierenförmige
Stücke von verschiedener Größe. Geringere
Sorten finden sich auch in Deutschland, z. B.
in Schlesien und im Vogtlande, auf schmalen
Klüften im Kieselschiefer, sind aber als
Schmuckstein wenig geeignet. Die echten
orientalischen T. kommen vielmehr über Ruß-
land aus Persien, hauptsächlich Nischapur im
Osten des Landes. Die dortigen Minen sind
Krongut und werden an den Meistbietenden
verpachtet. Der Stein war schon im Alter-
tum ein beliebter Schmuck und kam damals
auch aus Ägypten, wo er in einer Ufer-
gegend des Roten Meeres, im Vorgebirge
des Sinai, aus festem Sandsteinfels gebrochen
wurde. Der T. wird stets nur en cabochon
geschliffen. — Ein ebenfalls unter dem
Namen T. gehender Stoff, welcher im Aus-
sehen dem echten ähnlich, aber von ganz
anderer Art und Herkunft ist, der sog. Zahn-
türkis, besteht aus versteinertem Elfenbein
(Mammutzähne), welches durch einge-
drungene Kupfer- oder Eisensalze blaugrün
gefärbt ist. Diese Stücke finden sich am
schönsten auf den Kupfererzlagern Sibiriens,
von wo sie in den Handel kommen. Sie
werden ebenfalls zu Schmuck verarbeitet,
sind aber viel billiger als echte T., weil
ihre Farbe nicht haltbar ist, sondern sich
mit der Zeit in ein unschönes Grün ver-
wandelt und überdies bei Kerzenlicht nur
einen unreinen blaugrauen Ton zeigt. Durch
das Mikroskop ist die Knochenstruktur deut-
lich zu erkennen, so daß diese Ware von der
echten leicht unterschieden werden kann. —
Zoll: S. Edelsteine.

Türkisch-Rotgarn nennt man Baumwoll-
garn, das durch einen besonderen Färbe-
prozeß eine schöne feurig rote, höchst halt-
bare Farbe erhalten hat. Derartige Rotgarne
konnten früher nur aus dem Orient bezogen
werden, weil man den Färbeprozeß nicht
kannte. Im vorigen Jahrhundert gelang es
jedoch durch Heranziehung orientalischer
Färber, das Verfahren nach dem Abendlande,