﻿Tumenol

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Tusche

zunächst nach Frankreich, zu verpflanzen,
und seitdem hat der Bezug von Garnen aus
der Türkei aufgehört. Das Eigentümliche
der Färberei besteht in der Verwendung fetter
Öle, namentlich des Tournantöls, oder
besser noch des Türkischrotöls, mit denen
man nebst anderen Befestigungsmitteln, wie
Alaun und Galläpfelabsud, die Garne oder
Gewebe zur Aufnahme des Farbstoffes präpa-
riert. Sie werden dann im Krappbade aus-
gefärbt und schließlich, da sie nunmehr braun-
rot aussehen, aviviert, d. h. erst mit Seife
und Soda und dann mit Zinnsalz behandelt,
welches der Farbe einen scharlachroten
Schein verleiht. Die Färbeprozesse waren
früher verwickelter, als bei irgendeiner anderen
Färberei und umfaßten mit Inbegriff der
mehrfachen Waschungen und Trocknungen
16—20 Operationen, die einen Zeitaufwand
von Wochen in Anspruch nahmen. Neuer-
dings ist es besonders durch Verwendung
des künstlichen Alizarins gelungen, den Prozeß
wesentlich abzukürzen. Obschon auch fertige
Gewebe in dieser Farbe hergestellt werden,
macht doch das Garn den Hauptartikel aus,
der in allen Baumwollindustrie treibenden
Ländern erzeugt wird. — Zoll: S. Tarif
Nr. 439 ff.

Tumenol. Mit diesem Namen bezeichnet
man einige Nachahmungen des Ichthyols,
welche aus gewissen Destillationsprodukten
bituminöser Gesteine durch Behandlung mit
konz. Schwefelsäure dargestellt werden. Das
rohe T. (Tumenolum venale), ein Gemisch
von Tumenolsulfon und Tumenolsulfosäure,
bildet eine dem Ichthyol ähnliche, zähe
braune Masse. Es läßt sich durch Behandlung
mit Natronlauge in Tumenolsulfon (T.-Öl),
ein dickes dunkelgelbes, in Wasser unlös-
liches, in Äther, Benzin und Benzol lösliches
Öl, und in Tumenolsulfosäure, Turne-
nolpulver (Acidum sulfotumenolicum), ein
wasserlösliches, bitter schmeckendes Pulver
zerlegen. T. wird wie die entsprechenden
Ichthyolpräparate bei Hautkrankheiten an-
gewandt. — Zoll: S. Tarif Nr. 388.

Tupeloholz (Tupelowurzel), ein aus Flo-
rida kommendes, sehr leichtes und weiches
Holz von gelblichweißer Farbe, findet in der
Chirurgie Anwendung, indem man daraus
Stäbchen schnitzt oder drechselt, die in
Wunden stark quellen und wie Laminaria digi-
tata als Quellmeißel dienen. Das T. stammt
von Nyssa grandidentata und Nyssa
aquatica, während verwandte Arten, wie
N. uniflora und multiflora, unbrauchbar sind.
— Zoll: S. Tarif Nr. 72.

Turmalin (Schörl), ein Mineral, das sich
durch seine verschiedenartige Färbung aus-
zeichnet, besteht aus Kieselsäure, Tonerde,
Kalk, Borsäure, Kali, Lithion, Manganoxyd
und Magnesia, findet sich in verschiedenen
Felsarten und bildet drei-, sechs- und mehr-
seitige, säulenförmige Kristalle. Die letzteren
sind meist schwarz, doch auch farblos und
wasserhell (Achroit), blau (Indigolith), rot
(Siberit), gelb, grün oder braun. Der Stein
hat die Härte 7—71/2, ist bald durchsichtig,

bald opak und wird im letzteren Falle auch
Schörl genannt. Nur die durchsichtigen und
schön gefärbten T. kommen als Schmucksteine
in Betracht und führen dann die Namen der-
jenigen Edelsteine, denen sie ähnlich sehen.
So heißt der Indigolith, der sich in Brasilien
im Sande von Flüssen findet, brasilianischer
Saphir, der grüne brasilianischer Smaragd, der
rote aus Sibirien orientalischer Rubin. Rote
Steine finden sich auch auf Ceylon, in Birma,
in den Vereinigten Staaten und in Peru. Die
roten und grünen, durchsichtigen Steine ge-
langen am häufigsten zur Verwendung als
Ringsteine und körmen je nach Größe und
Schönheit bedeutende Werte repräsentieren.
Die schwarzen und braunen, in einigen Gegen-
den Böhmens, Bayerns und Tirols häufigen T.
sind keine Schmucksteine, haben aber eine ge-
wisse physikalische Bedeutung, da sie wegen
ihrer doppelten Lichtbrechung zu den Nicol-
schen Prismen der Polarisationsapparate ver-
wendet werden. Endlich haben alle T. die
seltene Eigenschaft, daß sie durch bloßes
Erwärmen elektrisch werden, also leichte
Körper abwechselnd anziehen und wieder ab-
stoßen. •— Zoll: S. Edelsteine.

TurpethWurzel (lat. Radix turpethi, frz.
Racine de turbith, engl. Turbith root) stammt
von einem Windengewächs (Ipomoea
Turpethum) und hat, wie die zu derselben
Familie gehörende Jalape und Skammonium,
purgierende Wirkung. Die braunen, holzigen
Wurzeln kommen aus Persien, Indien und
Australien in den Handel und finden nament-
lich in Süd- und Westeuropa Verwendung. —
Zollfrei.

Tusche (lat. Atramentum indicum, frz.
Encre de chine, engl. China ink, Indian ink).
Diese schwarze Wasserfarbe, die in Europa,
besonders in Nürnberg häufig nachgemacht
wird, bildet in China und Japan seit undenk-
lichen Zeiten die gewöhnliche Schreibtinte,
wie auch die Buchdruckfarbe. So viel bekannt
ist, besteht sie aus Ruß und Leim, in den
feineren Sorten mit etwas Kampfer oder
Moschus parfümiert. Als Ausgangsmaterial
wird Lampenschwarz verwendet, und zwar soll
Schweinefett den feinsten Ruß geben. Der
Leim muß ausschließlich von Büffeln ge-
nommen werden. Vor allem hängt die Fein-
heit der T. von der Sorgfalt ab, mit welcher
der Ruß gebrannt, gesiebt und gebeutelt wird.
Der Ruß wird in den geschmolzenen Leim
so lange eingetragen, bis eine weiche Paste
entsteht, welche stark geknetet und erhitzt,
dann mehrere Tage sich selbst überlassen und
schließlich in hölzerne Formen gepreßt oder
einfach gerollt wird. Die Japaner bereiten
ihre T. in derselben Weise, doch ist die chi-
nesische, wahrscheinlich wegen der sorgsame-
ren Rußbereitung, weit besser. Die Feinheits-
grade sind aber auch bei der chinesischen
Ware sehr verschieden. Die feinste soll einen
Stich ins Bräunliche haben, während ganz
schwarze, bläuliche oder graue für nicht so
gut gelten. Beim Anschlägen sollen die
Stücke einen hellen, scharfen Ton geben, da
es dumpfklingenden an Gleichmäßigkeit fehlt.