﻿Tusche

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Ultramarin

Umgekehrt wie beim Ruß ist ferner die beste
Sorte zugleich auch die schwerste. Die Tusche
wird durch das Ablagern besser, und sehr
alte wird in China so hoch geschätzt, daß sie
sogar häufig ein Ehrengeschenk der Manda-
rine an den Kaiser bildet. Die europäischen
Bereitungsweisen stimmen mit den chinesi-
schen völlig überein, nur scheinen die Roh-
materialien der Asiaten bessere zu sein.
Deutsche Fabriken stellen auch flüssige T.
dar, die sich für den Gebrauch leichter ver-
wenden lassen. — Als T. werden auch andere
Wasserfarben (rot, gelb, blau, grün, violett
usw.) bezeichnet, welche meist mineralischen
Ursprunges sind, wie Zinnober, Minium, eng-
lisch Rot (Eisenoxyd), Chromblei, Antimon-
gelb, Hell- und Dunkelocker, Sienaerde, Ber-
liner und Pariser Blau, Ultramarin, Kobalt

(Smalte und Eschel), Grün aus Gelb und
Blau, Violett aus Rot und Blau, Umbra, Grüner
Erde, und die Gemische der Modefarben.
Organisch sind Karmin, Safflor, die Lack-
farben oder farbigen Holzecxirakte, Indigo,
Sepia, Gummigutt usw. Sie werden sämtlich
mit Gummi-Tragant oder Dextrin angerieben
und in Formen getrocknet. Um die Farben
zum Gebrauch leicht zur Hand zu haben,
packt man sie in die bekannten Tusch- oder
Farbenkästen. — Zoll: S. Tarif Nr. 336.

Tusseh (Tussahseide) nennt man die
naturbraune Seide einer ostindischen Art
von Seidenraupe. In Ostindien daraus ge-
fertigte Gewebe kommen nach England und
werden auch in Deutschland unter dem Namen
ostindische Bastseide feilgeboten. — Zoll:
S. Seide.

u.

Ule, eine Kautschukart Mexikos, wird
aus dem Milchsäfte eines zu den Artocar-
peen gehörigen Baumes, Castilloa ela-
stica, gewonnen. — Zollfrei.

Ulmenrinde (Rüsterrinde, lat. Cortex
ulmi, frz. Ecorce d’orme, engl. Elm bark)
stammt sowohl von der in Europa, Asien
und Amerika verbreiteten Ulme, Ulmus
campestris, als auch von Ulmus fulva in
Amerika, aus der Gattung der Ulmaceen. Die
Rinde der europäischen Ulmen wird ihres Gerb-
stoffgehaltes wegen zu Bädern benutzt und
kommt in rotbraunen Stücken, von der oberen
Rindenschicht befreit, in den Handel. Die
Rinde der amerikanischen Art ist wichtiger.
Sie enthält gleichfalls Gerbstoff und Schleim
und kommt in gelblichen bis rotbraunen Bän-
dern in den Handel, die meist wieder in Bündel
geschnürt sind. Sie wird äußerlich als er-
weichendes Mittel, innerlich gegen Durchfall
verwendet. — Zollfrei.

Ultramarin (frz. Outremer, engl. Ultra-
marine, Lazuline). Die Nachbildung des
natürlichen Ultramarins, des Lapis La-
zuli der Alten (s. Lasurstein), gelang Christian
Gmelin im Jahre 1822 durch Zusammenschmel-
zen von Tonerde mit kieseisäure-, natron-
und schwefelhaltigen Stoffen. Die Grundlage
dieses im Prinzip noch heute ausgeübten
Verfahrens bildet reiner Porzellanton (Kaolin),
Glaubersalz und Kohle (Sulfat-U.) oder Kao-
lin, Soda, Schwefel und Kohle (Soda-U.).
Sämtliche Stoffe müssen völlig wasserfrei, auf
das feinste pulverisiert und innig gemischt
sein. Als Kohle wird Holzkohle oder gut
gesiebte Steinkohle verwandt. Die Mischung,
deren Zusammensetzung je nach der ge-
wünschten Nuance schwankt, wird als ein
gleichmäßig graues Pulver in feuerfeste Ton-
tiegel eingefüllt und mäßig festgedrückt. Die
Tiegel werden zu Hunderten unter allmählich
gesteigerter Temperatur bis zum Entweichen
von Schwefeldämpfen mäßig, danach bis zur

schwachen Weißglut erhitzt. Nach 8—10
Stunden läßt man den Ofen abkühlen und
entleert die Tiegel. Der gesinterte Inhalt wird
mit Wasser ausgelaugt, gemahlen und ge-
trocknet und bildet dann ein grünes Pulver,
den grünen U., der als Anstrichfarbe be-
schränkte Anwendung findet. Zur Überfüh-
rung in blauen U. wird die Masse mit einigen
Prozent Schwefel gemischt, nochmals bei
schwacher Rotglut geröstet, darauf mit Wasser
geschlämmt oder durch Erhitzen mit Natrium-
sulfidlösung vom freien Schwefel befreit und
schließlich getrocknet und gesiebt. Um helle,
rein blaue Töne zu erhalten, wird das Blau
noch mehrere Stunden auf Farbmühlen ge-
mahlen. Durch Verwendung kieselsäure-
reicherer Mischungen erhält man den sog.
alaunfesten U., der durch Behandlung mit
Chlor und Wasserdampf oder mit Luft und
Salzsäure oder mit Salmiak in violetten
und roten U. übergeführt werden kann. —
Der U. bildet ein zartes, feurig blaues, in
Wasser, Alkohol und Alkalien unlösliches
und gesundheitlich völlig unschädliches Pul-
ver. Er ist als Wasser-, Kalk- und Ölfarbe zu
verwenden und zeichnet sich durch eine hohe
Widerstandsfähigkeit gegen Luft, Licht und
Schwefelwasserstoff aus. Hingegen wird er
durch Säuren und saure Salze unter Entwick-
lung von Schwefelwasserstoff entfärbt. Nur
die kieselsäurereicheren Sorten sind gegen
Alaun beständig. Im Hinblick auf seine Schön-
heit und Billigkeit findet U. die ausgedehnteste
Verwendung als Malerfarbe, zu Anstrichen, in
der Fabrikation von Tapeten und Buntpapier,
im Zeugdruck, zum Bläuen von Papier, Zucker
und Wäsche. Als Verfälschung sind Zusätze
von Kreide, Gips und Ton anzusehen, während
Mischungen mit Zinkweiß reelle Malerfarben
darstellen. Mit Bleifarben darf U. seines
Schwefelgehaltes wegen nicht gemischt wer-
den, da sonst leicht Nachdunkeln der An-
striche eintritt. Auch kann aus dem gleichen
Grunde bleihaltiger Firnis nicht zum An-