﻿Vanadinsäure

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Vanille

oil, fängt erst bei 218° an zu verdampfen
und läßt sich erst bei 263° entzünden. Die
schwerste Sorte, das Valvolin cylinder
oil, vom spez. Gew. 0,893, beginnt bei 288°
zu verdampfen, und die Entzündungstempe-
ratur liegt bei 360°. — Zoll: S. Tarif Nr. 239.

Vanadinsäure ist die Sauerstoffverbindung
eines seltenen, dem Phosphor nahestehenden
Elementes Vanadin vom Atomgewichte 51,2,
welches sich in der Natur als Vanadinbleierz
oder Vanadinit vorfindet, hauptsächlich aber
spurenweise in manchen Tonen und Eisen-
erzen vorkommt und neuerdings auch aus
der Thomasschlacke dargestellt wird. Die
durch Schmelzen der Vanadinerze mit Sal-
peter, oder durch Auflösen in Salzsäure,
Fällen mit Chlorammonium und nachfolgen-
des Glühen erhaltene V. ist eine orangerote
Masse, die in der Glühhitze schmilzt und dann
kristallinisch erstarrt. Sie löst sich nur wenig
in (1000 Teilen) Wasser mit gelber Farbe.
Hauptsächlich in Form ihres Ammoniumsalzes
(s. Ammoniumvanadinat) findet sie technische
Anwendung zur Erzeugung von Anilinschwarz,
sowie als photographischer Entwickler. Mit
Gerbsäure geben die Salze eine, schon von
Berzelius hergestellte, wasserfeste, aber ver-
gilbende Tinte und färben Glasflüsse schön
rot. Auch im Schwefelsäurekontaktverfahren
wird V. an Stelle des Platins, obwohl sie
diesem an Wirksamkeit nachsteht, in steigen-
den Mengen verbraucht. — Zollfrei.

Vanille (lat. Vanilla, frz. Vanille, engl.
Vanille) ist die Kapselfrucht einer Or-
chidee, Vanilla planifolia und ver-
wandter Arten, die ihre ursprüngliche Heimat
in den feuchten und heißen Wäldern der
ostmexikanischen Küstenländer hat. Die
Pflanze treibt zahlreiche Luftwurzeln, dick-
fleischige, ovale Blätter, gelblichgrüne geruch-
lose Blüten und schotenartige, dreiteilige,
gelbe Kapseln, welche 15—25 cm lang, bis
1 cm breit und nach den Enden verschmälert
sind. Sie enthalten eine scharf klebrige Milch,
später ein balsamisches Mus, in welchem die
zahlreichen kleinen Samen liegen. Die V.
wird jetzt auch an der Westküste der Kor-
dilleren, in ganz Westindien, auf Mauritius,
Bourbon, Java, in den deutschen afrikanischen
Kolonien usw. angebaut. Man verwendet zur
Weiterpflanzung meist Stecklinge und Setz-
ranken, welche auf völlig gesäubertem Boden
an dazu geeignete Bäume gesteckt und beim
Weiterwachsen mehrfach angeheftet werden,
bis sie fest an den Stamm gewurzelt sind.
Vom 3. Jahre an liefern die Pflanzen Schoten
und bleiben bis zum 40. Jahre ertragsfähig.
Die Befruchtung erfolgt in der Wildnis durch
besondere Insekten, in den Kulturen durch
künstliche Übertragung des Pollens auf die
weiblichen Teile. Man erntet die Früchte
von April bis Juni vor völliger Reife, legt die
Schoten zuerst an die Sonne und dann zum
„Schwitzen“ in wollene Tücher, welche so
lange in der Sonne liegen bleiben, bis eine
braune oder grauschwarze Farbe erzielt ist.
Darauf werden die Schoten auf Tafeln aus-
gebreitet oder an luftig schattigen Orten

aufgehängt, oder auch zur künstlichen Trock-
nung über Kohlenfeuer auf hängenden, schau-
kelnd erhaltenen Horden, eingeschlagen in
wollene Tücher, angebracht. Die getrocknete
Ware wird sorgfältig nach der Länge sortiert,
zu 50 Stück zusammengebunden und in Blech-
kisten verpackt. Die Länge bedingt die Quali-
tätsgrade. An Stelle dieses sog. mexikani-
schen oder trocknen Verfahrens wendet
man neuerdings vielfach das Heißwasser-
verfahren an, indem man die Früchte zur
Abtötung 15—20 Sekunden lang in siedendes
Wasser taucht, dann in Haufen geschichtet
einem Schwitzvorgange überläßt und schließ-
lich in Wolltüchern an der Sonne trocknet.
—■ Die V. enthält nach König 28,39% Wasser,
3,71% Stickstoffsubstanz, 0,62 % ätherisches
Öl, 8,19% Fett und Wachs, 7,72% Zucker,
28,78% stickstoffreie Extraktstoffe, 17,43%
Rohfaser und 4,78% Asche. Ihr Aroma wird
durch einen 1,16—2,75% betragenden Gehalt
an Vanillin (s. d.) bedingt. Bei längerem
Lagern überzieht sich dieV.mit nadelförmigen
Kristallen von Vanillin („Kristallisierte V.“),
auf welche im Handel viel Gewicht gelegt
wird, doch ist das Kristallisieren nicht immer
als Beweis für höhere Güte anzusehen, da
auch unkristallisierte Ware gleich gut sein
kann. Die Kennzeichen guter V., abge-
sehen von der Länge, sind vielmehr Bieg-
samkeit, ohne brüchig zu werden, Unver-
Ietztheit, besonders der etwas umgebogenen
Spitzen, reichliche Füllung, Dünnschaligkeit,
geringe Runzelung, gute Farbe und etwas
Fettglanz, ohne auf Papier Flecken zu geben.
Die V. leidet leicht durch Zerbrechen, Ver-
letzungen, Austrocknen oder Schimmelbildung
und muß deshalb in Stanniol verpackt, her-
metisch verschlossen und in trockenen Räu-
men, und zwar in Glas oder Blech aufbewahrt
werden. Die beste Ware kommt von Bourbon
und Reunion. Java V. ist hartschaliger und
geringwertiger als die amerikanische und
Bourbon V. In Mexiko wird die V. oft mit
Acajouöl bestrichen, wodurch sie an Güte
verliert. Derart fettig gemachte V. gibt
braune Flecken auf Papier. — Verfälscht wird

V.	durch Auffrischen bereits mit Spiritus
ausgezogener Schoten mit Perubalsam und
Acajouöl oder mit Benzoetinktur und Be-
streuen mit Glas- oder Benzoesäurepulver, so-
wie durch Zumischen schlechter Schoten und
ähnlich aussehender Früchte. ■— Die künst-
liche Darstellung des Vanillins, welches zu den
meisten Zwecken die V. vollkommen ersetzen
kann, hat den Preis zwar wesentlich ermäßigt,
doch ist die Verwendung des Vanillins an
Stelle der Vanillefrüchte für manche Zwecke
unmöglich, so daß die Vanille ihren Preis
auch jetzt noch hält. Als billige Ware ist
seit mehreren Jahren die Tahiti-Vanille
im Plandel. — Von anderen Vanillearten ist
noch die Pompona Vanille (s. Vanillon) von
wildwachsenden Vanillesträuchern aus
Brasilien und Guyana zu nennen. Die Schoten
derselben sind kurz und dick und enthalten
wenig Fruchtmus. Auch ist das Aroma
schwach und nicht so fein, wie bei der echten