﻿Vanillin

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Veilchenblüten

Vanille. Man verwendet sie daher zu Par-
fümeriezwecken usw. — Medizinisch wird die
V. selten verordnet, und zwar fast nur bei
hysterischen Leiden und Menstruationserkran-
kungen. Bisweilen sind angebliche Vergif-
tungen durch V. bekannt geworden, so z. B.
nach Genuß von Vanilleeis, doch dürfte dies
wohl mehr auf eine Zersetzung anderer Be-
standteile des Eises selbst zurückzuführen
sein. Immerhin führt der übermäßige Ge-
nuß von Vanille Kopfschmerzen und Übel-
keit herbei. Auch hat sich bei Menschen, die
mit dem Einpacken und Sortieren von Vanille
fortgesetzt zu tun haben, mehrfach eine Art
Krätzekrankheit gezeigt. — Vanilletinktur
(lat. Tinctura Vanillae, frz. Teinture de Va-
nille, engl. Tincture of Vanille) ist ein Aus-
zug mittels Weingeist und wird als Parfüm
und als Speisezusatz verwendet. — Zoll: Va-
nille s. Tarif Nr. 67. Vanilletinktur Nr. 212.

Vanillin (lat. Vanillinum), der Bestand-
teil der Vanillefrüchte, dem diese haupt-
sächlich, wenngleich nicht allein, ihren
feinen Geruch und Geschmack verdanken,
wird neuerdings auf künstlichem Wege dar-
gestellt. Man bereitet es entweder aus dem
Kambialsafte der Nadelhölzer durch
Oxydation des in ihm enthaltenen Konife-
rins mittels Kaliumbichromat und verdünnter
Schwefelsäure oder aus dem Eugenol des
N elkenöles, dem Harz des Ölbaumes und
dem Guajakol des Buchenholzteeres
durch Behandeln mit Chloroform und Ätz-
natron. V. entsteht so als ein feinkristallinisches
weißes Pulver, welches sich schwer in kaltem,
leicht in heißem Wasser, sowie auch in Al-
kohol und Äther löst. Es schmilzt bei 80 bis
81° C und läßt sich, vorsichtig erhitzt, subli-
mieren und in schönen, sternförmig grup-
pierten Kristallnadeln erhalten. In chemi-
scher Hinsicht ist V. als Methyl-protokate-
chualdehyd aufzufassen. Im Kleinhandel
wird das V. gewöhnlich schon mit einer
gewissen Menge Zucker vermischt zum Ver-
kauf gebracht (Vanillinzucker). Trotz sei-
nes feinen und starken Vanillegeruches kann
es die Vanille doch nur zum Teil ersetzen,
da außer dem V. und der Vanillinsäure
auch noch ein aromatisches Harz an dem
charakteristischen Geruch und Geschmack der
Vanille Anteil haben. Die Vanillinsäure
läßt sich ebenfalls künstlich herstellen, be-
sitzt jedoch nur einen schwachen Geruch.
— Zoll: V. s. Tarif Nr. 354.

Vanillon nennt man eine besondere, von
der gewöhnlichen Vanille stark abweichende
Sorte aus Britisch-Guyana. Die Fruchtkap-
seln sind viel kürzer, bedeutend dicker, brei-
ter und fleischiger als die der gewöhnlichen
Vanille, der Länge nach gerunzelt, an bei-
den Enden verschmälert, umgebogen und
mit einer Narbe versehen. Um das Auf-
springen zu vermeiden, werden sie meist mit
Fäden spiralig umwickelt. Diese Sorte soll
von Vanilla pompona abstammen. Der
Geruch ist bei weitem nicht so fein, wie der-
jenige der echten Vanille, und erinnert mehr
an Heliotrop und Kumarin. Sie wird daher

auch nicht zu Konditoreizwecken, sondern nur
in der Parfümerie benutzt. — Zoll: S. Vanille.

Vaselin (Vaseline, lat. Adeps petrolei,
Unguentum paraffini, frz. Vaseline, engl. Va-
selin), eine weiche, geruchlose, sich fettig
anfühlende Masse von Salbenkonsistenz, wird
aus den Destillationsrückständen des ameri-
kanischen Petroleums gewonnen und teils
mit gelblicher Farbe (halb gereinigt), teils
vollständig weiß in den Handel gebracht. V.,
dessen Schmelzpunkt zwischen 35 und 45°
liegt, wird wegen seiner milden Beschaffenheit,
und weil es nie ranzig werden kann, meist
anstatt des Schweinefettes zu Salben benutzt.
Das V. besteht aus dem Paraffin ähnlichen
Kohlenwasserstoffen und wird auch aus Roh-
ozokerit unter Zusatz von flüssigem Paraffinöl,
dargestellt. — Das lediglich aus flüssigen
Kohlenwasserstoffen bestehende Vaselinöl
(Virginia) dient als Rostschutz und Schmier-
mittel. — Zoll: S. Tarif Nr. 258.

Vasogen (lat. Vaselinum oxygenatum),
eine neue Salbengrundlage, soll nach An-
gabe der Fabrikanten ein durch Behandlung
von Vaselin mit komprimiertem Sauerstoff
unter Erhitzen im Autoklaven hergestelltes
Sauerstoffderivat des Vaselins sein. Nach an-
deren Angaben werden analoge Präparate
durch Mischen von Paraffinöl mit Rizinus-
disulfosäure oder mit ölsaurem Ammonium
erhalten. Da der Name V. geschützt ist, wer-
den Nachbildungen als Vasolimente be-
zeichnet und zur Herstellung von Mischun-
gen mit Jod, Jodoform, Kreosot und anderen
Medikamenten benutzt. Vasol und Vaso-
sapon sind ebenfalls andere Namen für
gleichartige Salbengrundlagen. — Zoll: S.
Tarif Nr. 258. 388/9.

Vateriafett, ein Pflanzenfett von der
Butterbohne, Vateria indica L. aus Ost-
indien, ist wie die meisten dortigen Pflanzen-
fette in frischem Zustande grünlich und
weich, bleicht an der Luft und ist an Kon-
sistenz dem Schöpstalg ähnlich. Man ver-
wendet es in. der Kerzen- und Seifenfabrika-
tion. — Zoll: S. Tarif Nr. 171.

Veilchenblüten (lat. Flores violarum, frz.
Fleurs de violette, engl. Violet flowers). Die
entkelchten und vorsichtig getrockneten Blü-
ten des wohlriechenden Veilchens (Viola
odorata) sind als Brusttee in Gebrauch,
offizineil ist auch der aus frischen Blüten
bereitete Veilchensirup (lat. Sirupus vio-
larum, frz. Sirop de violette, engl. Sirop of
violet), welcher durch Digerieren mit heißem
Wasser und Kochen des Auszuges mit Zucker
erhalten wird. Er bildet einen schön blauen
Sirup, der gegen Hustenreiz kleiner Kinder
verwendet wird, und auch als empfindliches
chemisches Reagens dient, weil die Farbe
durch Säuren in Rot, durch Alkalien in Grün
umgewandelt wird. — Als Parfümerieartikel
hat man Veilchenblütenessenz (frz. Extrait
de violette, engl. Extract of violet), einen wein-
geistigen Auszug aus der Veilchenpomade,
und Veilchenöl, ein durch Mazeration von
öl mit frischen Veilchenblüten hergestelltes
Produkt (Pomade violette und Huile par-