﻿Veilchen-Wurzel

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Verbandstoffe

•fum£e violette). — Zoll: Veilchenblüten sind
zollfrei. Veilchensirup s. Tarif Nr. 213. Veil-
chenblütenessenz, Veilchenpomade, Veilchen-
öl Nr. 355/6.

Veilchenwurzel (Iriswurzel, lat. Rhizoma
iridis florentinae, frz. Racine d’iris ou violette,
engl. Iris root) nennt man den veilchenartig
duftenden Wurzelstock zweier Schwertli-
liengewächse, Iris florentina und Iris
pallida, welche im südlichen Europa hei-
misch sind und in Oberitalien und Südfrank-
reich vielfach angebaut werden. Auch aus
Mogador in Marokko kommt V. in den Handel.
Der horizontal in der Erde liegende Wurzel-
stock ist ästig, knollig gegliedert, hin- und
hergebogen, der Hauptkörper etwa daumen-
dick, die Außenseite gelblich, das Innere eine
weiße, harte und schwere, mehlige Masse.
Frisch gegraben hat die Wurzel einen un-
angenehmen Geruch und bitteren Geschmack.
Geschält und getrocknet riecht sie hingegen
angenehm und schmeckt nicht mehr bitter.
Die Droge wird in beträchtlichen Mengen
meist in naturellem Zustande bezogen, in
Deutschland dann mundiert, d. h. geschält
und geputzt, sortiert und weiter für den Ver-
kauf vorbereitet. Die längsten schlanken
Stücke werden als Anhängsel für zahnende
Kinder zurecht geschnitten oder gefeilt, da-
mit diese zur Erleichterung des Zahnens daran
kauen (Rhizoma iridis tornata s. mundata
pro infantibus). Andere Stücke werden teils
gröber oder feiner geschnitten oder zu
Kügelchen (Globulis) zum Einlegen in Fon-
tanelle gedreht, oder endlich aufs feinste ge-
pulvert. Die geschnittene Ware gebraucht
man zur Bereitung von Räucherpulvern und
von Räucheressenz, das Pulver als Zusatz
zu Zahnpulvern, feinen Toiletteseifen, Poma-
den und Schnupftabak, sowie endlich zum
Bestreuen von Pillen. Die wichtigsten Han-
delssorten sind Florentiner, die beste, aus
schönen großen und weißen Wurzeln be-
stehende Ware; Veroneser, kleinere, we-
niger aromatische Stücke und Mogador,
welche den vorigen ähnelt. — Außer den
Wurzeln findet auch der alkoholische Auszug
(Veilchenwurzel-Tinktur oder -Essenz)
in der Parfümerie ausgedehnte Verwendung.
Die Wurzel enthält Weichharz, Gerbstoff und
viel Stärkemehl, ferner ein Glukosid Iridin
und 0,1—0,2% ätherisches Öl (Veilchen-
wurzelöl, lat. Oleum iridis, frz. Essence
d'iris, engl. Oil of iris), das sich nebst dem
Iriskampfer mit Wasser abdestillieren läßt.
Das Irisöl bildet eine feste, auf dem Wasser
schwimmende Masse und enthält neben Myri-
stinsäure und ihrem Methylester hauptsäch-
lich Ölsäurealdehyd und als Träger des Ge-
ruchs Iron, eine ketonartige Verbindung. —
Zoll: Veilchenwurzel zollfrei; Veilchenwurzel-
Tinktur s. Tarif Nr. 356; Veilchenwurzelöl
'30 M.

Veratrin (lat. Veratrinum, frz. Vöratrine,
engl. Veratrine), eine scharfe, sehr giftige,
stickstoffhaltige organische Base (Alkaloid),
findet sich neben Sabadillin in den Saba-
dillsamen, hingegen nicht, wie man früher

annahm, in der weißen Nieswurz, die nur
Jervin enthält. Gewöhnlich erhält man das
V. als weißes, unter der Lupe kristallinisch er-
scheinendes Pulver. Es ist an sich geruchlos,
bewirkt aber, in Form des kleinsten Stäub-
chens in die Nase gebracht, äußerst heftiges
und lang anhaltendes Niesen und muß daher
sehr vorsichtig aufbewahrt und verarbeitet
werden. In kaltem Wasser ist das V. fast
unlöslich', in heißem nur sehr wenig, da-
gegen leicht in Alkohol und in Äther lös-
lich. Man verwendet das V., besonders mit
Fett verrieben, in der Medizin als örtliches
Reizmittel. -— Zollfrei.

Verbandstoffe. Die medizinischen Ver-
bandmaterialien zerfallen in aseptische oder
sterile, antiseptische und nicht aseptische.
Unter aseptischen oder sterilen versteht
man diejenigen Stoffe, welche durch ein be-
sonderes Verfahren, meist durch überhitzten
strömenden Wasserdampf unter Druck, selbst
keimfrei gemacht sind, dabei aber keine
keimtötenden Bestandteile enthalten. Unter
antiseptischen versteht man alle diejenigen
Stoffe, welche, mit keimtötenden Chemikalien
imprägniert, in der Chirurgie und medizi-
nischen Praxis verwendet werden. Die haupt-
sächlichsten Antiseptika sind: Jodoform, Subli-
mat, Salizylsäure, Karbolsäure, Borsäure und
neuerdings Kollargol, ein wasserlösliches Sil-
berpräparat. Nicht aseptisch sind alle übrigen
zur Verwendung kommenden Stoffe. Die
medizinische Verbandwatte (Dr. von
Brun’s Scharpie-Baumwolle) bildet blendend
weiße, geruch- und geschmacklose, vollständig
neutrale, sehr hygroskopische Tafeln oder
Vliese aus zarten, ziemlich parallel verlaufen-
den, bis 3 cm langen, knötchenfreien Baum-
wollfasem, die leicht, ohne Geruch und unter
Hinterlassung einer weißen Asche, verbrennen.
Auf Wasser geworfen, saugt sie sich schnell
voll und sinkt dann unter. Zur Herstellung
der medizinischen Verbandwatte wird die
Baumwolle, wie sie nach der Ernte aus
Amerika und Ägypten zu uns kommt, nur zu
einem sehr geringen Teil benutzt, die weitaus
größte Menge liefern die Abgänge aus den
Spinnereien, die Kämmlinge oder Peigneusen.
Die Rohbaumwolle muß zunächst entfettet
und gebleicht werden und hat zu diesem
Zwecke mehrere chemische Prozesse durchzu-
machen. Das Entfetten geschieht durch
Kochen in einer Harzseifenlösung, darauf in
einer Sodalauge und Spülen in reichlichem
Wasser. Die Bleiche geschieht in schwacher
Chlorkalk- oder Chlornatronlösung, durch
welche die Baumwolle gezogen wird. Dann
setzt man sie zur Zerstörung der unterchlori-
gen Säure durch Kohlensäure einige Zeit der
Luft aus und befreit sie endlich in schwachem.
Salzsäurebad vom Kalk. Die Baumwolle kann
dann direkt gespült und getrocknet werden,
wird aber häufig vorher mit Antichlor (unter-
schwefligsaurem Natron) und einer geringen
Menge Stearinseife behandelt. Aus letzterer
macht die noch vorhandene Salzsäure Stearin-
säure frei, welche in dieser kleinen Menge das
so beliebte Knirschen verursacht. Neuerdings