﻿Viktoriablau

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Vogelbeeren

unterhalb weißgelbliche Wolle. Es wird von
den Gebirgsindianern Perus und Chiles gejagt
und liefert nebst der Wolle zugleich ein
wohlschmeckendes Fleisch. Die ungeregelte
Jagd hat den Wildbestand schon sehr ge-
lichtet, die Wolle wird daher immer seltener
und teurer und dürfte in Europa kaum mehr
Vorkommen. Man verwendete den Stoff zu
feinen Modeartikeln, Handschuhen u. dgl.,
doch immer nur in Untermischung, nament-
lich auch zur Verfeinerung der Oberfläche
von Filzhüten. — Das sog. Vigognegarn
führt nur einen erborgten Namen, denn es
besteht lediglich aus feiner Schafwolle und
Baumwolle in sehr wechselnden Mischungs-
verhältnissen. — Zoll: Vigognegarn aus Wolle
und Baumwolle s. Tarif Nr. 413 ff. 438 ff.

Viktoriablau. Diesen Namen führen zwei im
Jahre 1883 entdeckte Teerfarbstoffe. Das
Viktoriablau B (V. BS) ist die Chlorwasser-
stoffverbindung des Tolyltetramethyltriamido-
alphanaphtyldiphenylkarbinols und erscheint
in bronzeglänzenden Kristallkörnern, die in
kaltem Wasser schwer, leichter in heißem
Wasser und in Alkohol mit rein blauer Farbe
löslich sind. Der Farbstoff färbt Seide und
Wolle im saueren Bade, sowie gebeizte
und ungeheizte Baumwolle auch im essig-
sauren Bade blau. Viktoriablau 4R hat
eine ganz analoge Zusammensetzung, nur mit
dem Unterschiede, daß anstatt der Tetra-
methyl- die Pentamethylverbindung vorhanden
ist. Man erhält den Farbstoff als bronze-
glänzendes Pulver, welches in heißem Wasser
mit blau violetter Farbe löslich ist. Es färbt
wie V. B, nur mit mehr violetter Nuance.
■—• Zollfrei.

Viktoriagelb, ein dem Safransurrogat ganz
nahe verwandter Teerfarbstoff, besteht
hauptsächlich aus dem Kalisalze des Dinitro-
orthokresols mit nur wenig Dinitroparakresol,
welches letztere der Hauptbestandteil des
Safransurrogates ist. Das V. verpufft bei Be-
rührung mit einem glühenden Körper ebenso,
wie das Safransurrogat. — Zollfrei.

Viktoriagrün. Diesen Namen führt gleich-
zeitig das Malachitgrün (s. d.) und ein die-
sem nahestehender Farbstoff, der als Vikto-
riagrün 3B oder Neu-Solidgrün 3B be-
zeichnet wird. Das letztere besteht aus der
Zinkchloridverbindung des Tetramethyldia-
midochlortriphenylkarbinols und erscheint als
metallisch grünglänzendes, in heißem Wasser
mit grünblauer Farbe lösliches Pulver. Dieser
Farbstoff färbt Seide und Wolle, sowie mit
Brechweinstein und Tannin gebeizte Baum-
wolle blaugrün. — Zollfrei.

Viktoriaorange ist ebenso wie das Viktoria-
gelb nur eine Abart des Safransurrogates oder
Dinitrokresolkaliums. — Zollfrei.

Viktoriasprudel in Ober-Lahnstein ent-
hält nach der 1893 von R. Fresenius ausge-
führten Analyse in 1000 Gewichtsteilen: Bi-
karbonate des Natriums 1,4035 g, Lithiums
0,0191 g, Ammoniums 0,0084 g, Kalziums
0,5084 g, Strontiums 0,0005 g, Magnesiums
0,3886 g, Eisenoxyduls 0,0175 g, Mangan-
oxyduls 0,0012 g, Chlornatrium 1,3116 g,

Bromnatrium 0,0016 g, Jodnatrium 0,00001 g,
Sulfate des Kaliums 0,0516 g, Natriums
0,8157 g, arsensaures Natrium Spur, phosphor-
saures Natrium 0,0009 g, borsaures Natrium
0,0059 g, salpetersaures Natrium 0,0043 g,
Kieselsäure 0,0218 g, freie Kohlensäure 1,5151g.

Viehsalz. Als Zusatz zum Viehfutter ver-
wendet man Gemische von gewöhnlichem
Kochsalz mit Heu, Wermutkraut oder anderen
Futtermitteln, oder auch Kochsalz, welches
zur Vermeidung der Salzsteuer mit rotem
Eisenoxyd denaturiert ist. — Zoll: S. Tarif
Nr. 280.

Violanilin ist ein dem Indulin und Echt-
blau R sehr ähnlicher Farbstoff. —• Zollfrei.

Violett. Diesen Namen führen verschie-
dene Teerfarben, die durch nachgesetzte
Buchstaben und Zahlen unterschieden werden.
Violett 5 B ist ebenso wie das Methylviolett
6 B und 6 B extra, sowie das Pariser Violett
6 B dem Benzylviolett (s. d.) nahe verwandt.

—	Violett 6B (Kristallviolett) besteht
aus der Chlorwasserstoffverbindung des Hexa-
methylpararosanilins, erscheint in metallisch
grünglänzenden Kristallen, die in Wasser mit
violetter Farbe löslich sind, und wird zum
Färben von Seide und Wolle verwendet. Auch
färbt es mit Tannin und Brechweinstein ge-
beizte Baumwolle. Die Farbstoffe Violett R,
RR und 5 R, sowie Rotviolett 5R extra
sind nur Abarten von Hofmanns Violett (s. d.).

—	Violett 6B (Kristallviolett) besteht
Violet de Methylaniline sind Abarten
des Methylviolett B; Violet impdrial
rouge und Violet phenylique wahrschein-
lich mit Regina violett identisch. Violet so-
lide ist Gallocyanin. Andere violette Teer-
farbstoffe sind das Lauthsche Violett (s.d.)
und das Azoviolett. — Zollfrei.

Violettschwarz, ein seit 1887 bekannter
Teerf arbstoff, besteht aus dem Natronsalze
des Paraphenylendiamindisazoalphanaphthol-
monosulfosäurealphanaphthylamins. Der Farb-
stoff erscheint als bronzegelbes, in Wasser mit
braunroter Farbe lösliches Pulver, welches
Wolle und Baumwolle violettschwarz färbt.

—	Zollfrei.

Viridin, ein im Jahre 1877 entdeckter Teer-
farbstoff, ein dunkelgrünes, in Wasser mit
grüner Farbe lösliches Pulver, besteht aus
dem Natronsalze der Diphenyldiamidotriphe-
nylkarbinolsulfosäure. Dieser Farbstoff, sowie
das ihm ganz ähnliche Alkaligrün scheint
jetzt nicht mehr im Handel zu sein. — Zollfrei.

Vogelbeeren (Ebereschenbeeren, lat.
Fructus sorbi, frz. Fruits de sorbier, engl.
Birds berries), die Früchte der in Europa
und Nordasien heimischen Eberesche, Sor-
bus Aucuparia L., sind rote fleischige
Beeren, in deren Fächern die Samen liegen.
Die Hauptbestandteile sind roter Farbstoff
und Äpfelsäure, sowie eine besondere Zucker-
art: Sorbose. Man verwendet die V. frisch
zur Bereitung eines Saftes, Ebereschen-
mus (lat. Roob s. Succus sorborum), das
als Abführmittel und zur Herstellung von
Branntwein gebraucht wird. Die getrockneten
Beeren dienen als Vogelfutter. — Zollfrei.