﻿Wachstuch

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Waldwolle

Analyse setzt die Bestimmung der Säurezahl
<19—21), der Esterzahl (73—76) und der
Verseifungszahl (ca. 95) voraus. Das Ver-
hältnis zwischen Säure- und Esterzahl, die sog.
Verhältniszahl beträgt meist 3,6—3,8. —
Das W. findet vielfache Verwendung zu
feineren Kerzen, Wachsstöcken, Pflastern,
Salben und Pomaden, Figuren, Blumen und
Appreturen. — Wachspapier ist mit ge-
schmolzenem W. getränktes Papier. — Vor-
wachs (Propolis) ist ein in Alkohol lös-
liches Harz, das von den Bienen zum Be-
festigen der Waben in den Stöcken erzeugt
wird. — Zoll: S. Tarif Nr. 141. 247. Wachs-
blumen Nr. 253. Wachsfackeln Nr. 252.
Wachsfiguren, Wachsfrüchte, Wachsköpfe
Nr. 253. Wachskitt Nr. 247. Wachsstumpfe
Nr. 247. 249. Wachspapier Nr. 664. Wachs-
kerzen Nr. 252. Zündkerzchen aus Wachs
Nr. 368.

Wachstuch. Während das alte W. oder die
Wachsleinwand wächserne Überzüge hatte,
sind die heutigen Stoffe leichtere oder schwe-
rere Baumwoll-, Leinen-, Werg- oder Jute-
gewebe, die mit einer biegsamen farbigen Fir-
nisschicht überzogen, oft auch lackiert werden.
Zu ihrer Herstellung werden die Gewebe in
Rahmen eingespannt und zunächst mit einer
Leim- oder Kleisterschicht grundiert, um die
Poren des Gewebes zu schließen. Die auf
diesen Untergrund aufgetragene erste Schicht
von Firnisfarbe wird nach dem völligen Aus-
trocknen mit Bimsstein eben geschliffen, und
ebenso mit jeder folgenden verfahren. Wie-
viel Schichten aufzutragen sind, hängt von
der Art und Stärke der Ware ab. Zum Schluß
folgt ein Glanzfirnis oder eine Lackierung.
Die einfarbigen Waren sind meist schwarz
oder sonst dunkelfarbig und sehen in den
feinen Sorten wie lackiertes Leder aus, an
dessen Stelle sie häufig benutzt werden. Das
meiste W. wird gedruckt oder sonst farbig
figuriert und dient dann zu Fußboden- und
Wandtapeten, Möbeldecken, zum Ausschlagen
von Wagen und ähnlichen Zwecken. — Zoll:
S. Tarif Nr. 504.

Wässer nennt man Flüssigkeiten, welche
zum Heilgebrauche oder zu kosmeti-
schen Zwecken bestimmt sind. Die letzteren
zerfallen hauptsächlich in Zahn- und Mund-
wässer, Kopfwässer und wohlriechende Wäs-
ser. 1. Wässer zum Heilgebrauche, z. B.
Bittermandelwasser, Kirschlorbeerwasser, Fen-
chelwasser, sind Auszüge der betreffenden
Drogen, die bei der Destillation der äthe-
rischen öle als Nebenprodukte gewonnen
werden. S. die betr. Artikel. — 2. Kos-
metische W., wohlriechende W. Die
Zahn- und Mundwässer sind Mischungen
bzw. Auflösungen von Myrrhen-, Katechu-,
Ratanhiatinktur, denen Thymol, Borsäure,
Salizylsäure und aromatische Stoffe, wie äthe-
rische öle zugesetzt werden. — Kopfwässer
sind meist Auflösungen oder Auszüge von
Chinarinde, Perubalsam, gereinigtem Honig,
Bayrumöl, Borax, unter Zusatz von Franz-
branntwein, Glyzerin, Rosenwasser usw. (z. B.

Eau de Quinine). — Wohlriechende W.
zum Parfümieren und Zerstäuben sind Auf-
lösungen von ätherischen Ölen und anderen
Riechstoffen in verdünntem Weingeist, z. B.
Kölnisches Wasser, Eau de Cologne. — Diese
W. können entweder Weingeist- oder äther-
haltig sein oder auch nur Wasserauszüge
darstellen. — Zoll: S. Tarif Nr. 356/57. 386.

Waid (Färberwaid, falscher Indigo,
Färberscharte, frz. Vouöde, engl. Woad),
eine zu den Cruciferen gehörige 2jährige
Pflanze, Isatis tinctoria L., wurde früher
zur Gewinnung des Indigos in großen Massen
angebaut. Schon im 13. Jahrhundert hatten
Erfurt, Gotha und Arnstadt die Gerechtsame
zum W.-Handel, und 300 thüringische Dörfer
widmeten sich ihrem Anbau. Durch die Kon-
kurrenz des Indigos gingen die Kulturen immer
mehr zurück, und im Jahre 1906 hat auch
die letzte Waidmühle Thüringens im Dorfe
Pferdingsleben ihren Betrieb eingestellt.

Waldmeister (Sternleberkraut, lat.
Herba asperulae s. matrisilvae, frz. Asperule,
engl. Wood ward) ist das Kraut von Aspe-
rula odorata L., einer in Mitteleuropa und
Mittelasien weitverbreiteten, in schattigen,
feuchten Waldungen wildbewachsenden Ru-
biacee. Der W. wird bis zu 40 cm hoch, der
Stengel ist vierkantig, die Blätter sind lan-
zettlich und stehen quirlständig zu 6—9 um
den Stengel. Die Blüten sind weiß und an
der Spitze des Stengels zu Dolden angeordnet.
Das Kraut wird getrocknet im Drogenhandel
als blutreinigender Tee und als Genuß mittel
verwendet. Frisch vor der Blüte gesammelter
W. wird viel zur Bereitung des Maitranks und
der Maitrankessenz gebraucht. Der Träger
des Aromas ist das Kumarin (s. d.). — Zoll:
S. Tarif Nr. 34.

Waldwolle (frz. Laine vögdtale, engl. Wool
of pine), ein aus den grün eingesammelten
Kiefern- und Föhrennadeln gewonnener
Faserstoff, bildet in gröberer Sorte Polster-
material für Möbel, Matratzen u. dgl., in
feinerer einen Spinnstoff, der allerdings bei
der Kürze der Fasern (bis 50 mm) nicht für
sich, sondern in Vermischung mit Wolle oder
Baumwolle versponnen wird. Die daraus ge-
fertigten Watten und Gewebe werden als eine
Art Gesundheitsflanell besonders für Rheu-
matismusleidende empfohlen, da sie den Kör-
per gleichmäßig warm halten und Feuchtig-
keit abwehren sollen. Das Ausbringen der
Fasern aus den Nadeln geschieht durch
Kochen mit Dampf und durch Schlagmaschi-
nen. Die sich bei der Behandlung mit Dampf
ergebende Flüssigkeit bildet eingedickt das
Waldwollextrakt, richtiger F ichtennadel-
extrakt (s. d.), eine schwarzbraune aroma-
tisch-harzig riechende und bitter schmeckende
Masse, die zu stärkenden Bädern gebraucht
wird. Die abdestillierten flüchtigen Öle liefern
das Waldwollöl oder Kiefernadelöl, ein
gelblichgrünes öl, welches zu Einreibungen
gebraucht wird, sich übrigens von Terpentinöl
nur durch wenige Eigenschaften, namentlich
den feineren Geruch unterscheidet. — Zoll: