﻿Walkerde

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Wasser

Waldwolle s. Tarif Nr. 28. 470. Waldwoll-
extrakt Nr. 386. Waldwollöl: 30 M.

Walkerde (Walkererde, frz. Terre ä fou-
lon, engl. Füllers earth) ist ein sehr fetter,
sich seifenartig anfühlender Ton von weiß-
licher, gelblicher oder grauer Farbe, der sich
in Wasser unter Ausstößen von Bläschen zu
einem zarten Pulver zerrühren läßt. Die W.
saugt begierig Fette ein und wird daher als
Entfettungsmittel beim Tuchwalken, zur An-
fertigung von Fleckkugeln u. dgl. benutzt.
Sie findet sich meist als Verwitterungsprodukt
des Diorits bei Roßwein in Sachsen, Riegers-
dorf in Schlesien, Vaels bei Aachen, Mohren-
berg bei Weilburg, Cilly in Steiermark und
in England. — Zollfrei.

Walrat (lat. Cetaceum, Sperma ceti, frz.
Blanc de baieine, engl. Sperm) nennt man
eine eigentümliche fettige Substanz, welche
von dem zur Familie der Wale gehörigen
Physeter macrocephalus, Kaschelot
oder Pottfisch, von den Seefahrern Sperm-
wal genannt, abstammt. Die Tiere finden
sich fast überall im Ozean, ihre eigentliche
Heimat ist jedoch das südliche Polarmeer.
Ein volles Drittel der Körperlänge des Tieres
nimmt der ungeheure und unförmliche Kopf
ein. In mehreren großen, muldenförmigen
Vertiefungen der Schädeldecke, die durch
Speck und Haut geschlossen sind, sowie in
einem, vom Kopf bis zum Schwanz laufen-
den, röhrigen, sich allmählich verjüngenden
Kanal und in einigen kleineren Körperhöhlen
befinden sich beträchtliche Ansammlungen
eines hellen Öles, welches sich beim Erkalten
trübt und eine bräunlichgelbe, kristallinische
Masse absondert. Der durch Abtropfenlassen
und Abpressen gewonnene flüssige Anteil
wird mit Natronlauge behandelt und durch
Schütteln mit Wasser gewaschen und bildet
das käufliche Walratöl oder Spermazeti-
öl von gelblicher Farbe und tranigem Ge-
ruch. Man benutzt es zur Seifensiederei und
im gereinigten Zustande als Schmieröl für
kleinere Maschinen. — Der feste Stoff, das
Walrat, wird ebenfalls durch Schmelzen, Be-
handeln mit Lauge und Waschen mit Wasser
gut gereinigt und entfärbt und bildet dann eine
schneeweiße, perlmutterartig glänzende, fettig
anzufühlende Masse von blätterigem Gefüge.
Sein spez. Gew. ist 0,940—0,960. Bei einer
Temperatur von ca. 50° wird es dünnflüssig.
Da reines W. keine Fettflecke erzeugt, kann
ein Zusatz von Talg leicht erkannt werden.
Ein Zusatz von Stearin macht das W. härter
und kleinblätteriger. In chemischer Hinsicht
sind W. und Walratöl als Wachse anzu-
sprechen, und zwar besteht das erstere haupt-
sächlich aus Zetin (Palmitinsäure-Zetylester).
Die Verwendung des W. zu Kerzen (s. d.) ist
seit dem Aufkommen von Stearin und Paraffin
sehr zurückgegangen, doch gelten Walrat-
kerzen als Normalkerzen zur Prüfung der
Lichtstärke des Leuchtgases. Medizinisch wird
W. verwendet zu Zeraten und Pomaden, ge-
pulvert und mit Zucker gemischt als Mittel
gegen Husten und Heiserkeit. Ferner wird es
als Zusatz von verschiedenen Wäscheglanz-

mitteln und zu Appreturzwecken gebraucht. —
Zoll: W. s. Tarif Nr. 142. W.-Öl als Tran
Nr. 131. W.-Kerzen Nr. 252.

Wandkraut (Glaskraut, Peterskraut,
lat. Herba parietariae, frz. Herbe de paridtaire,
engl. Wall pellitery) stammt von Parietaria
officinalis L. aus der Familie der Urtica-
ceen und ist in Mitteleuropa heimisch, wo
es wild auf Mauern und Schutthaufen wächst.
Die Blätter sind eilanzettförmig bis rund und
kurz behaart, der Geschmack ist herb und
salzig. In der Volksmedizin verwendet man
das W. als harntreibendes Mittel, wegen der
rauhen Beschaffenheit auch zum Abpolieren
von Glas. —• Zollfrei.

Warang (Wilia), der Bast eines ostindi-
schen, zur Familie der Büttneriaceen ge-
hörigen Baumes, Kydia calycina (Roxb.),
wird als Ersatz für Lindenbast empfohlen.
Als Spinnstoff eignen sich die Fasern weniger,
sie sind glatt, schwach glänzend, gelblich,
0,9—1,3 m lang und 0,07—0,1 mm dick. —
Zollfrei.

Waschmittel. Neben den gewöhnlichen,
aus Soda, Wasserglas und etwas Seife zu-
sammengemischten Seifenpulvern (s. Seife)
finden sich im Handel noch eine Reihe an-
derer Präparate, welche teils fettlösende, teils
bleichende Stoffe enthalten. Zu den ersteren
gehört das Ozonal, eine aus 9 Teilen Pe-
troleum und 1 Teil in Alkohol gelöster Seife
hergestellte feste Gallerte. Unter den anderen
sind in erster Linie die natriumsuperoxyd-
haltigen W. zu erwähnen. S u p e r o 1, ein reines,
in Pastillenform gepreßtes Natriumsuperoxyd,
ist wegen seiner gefährlichen Eigenschaften
wieder aus dem Handel zurückgezogen. Ding
an sich besteht aus einem Gemisch von
Natriumsuperpxyd mit Seifenpulver, Stearin-
säure und indifferenten Mineralstoffen, und
Machs allein aus einer ähnlichen Mischung
mit Paraffin. Obwohl von diesen neueren
Präparaten bei vorsichtigem Gebrauche eine
direkt zerstörende Wirkung nicht zu be-
fürchten ist, werden sie doch wegen des ent-
stehenden freien Ätznatrons mit der Zeit die
Gewebe angreifen. In letzter Zeit kommen W.
in den Verkehr, welche wie Peroborin und
Persil Natriummetaperborat enthalten und
wie freies Wasserstoffsuperoxyd bleichend
wirken. — Zoll: S. Tarif Nr. 254/56.

Wasser. Obwohl einer der unentbehr-
lichsten Stoffe für Industrie und Haushalt
und vielfach als freies, gemeinsames Besitz-
tum aller Menschen angesehen, bildet das
W. doch vielfach auch einen wichtigen Han-
delsartikel und ist daher an dieser Stelle
einer kurzen Besprechung zu unterziehen.
Chemisch reines W., d. h. eine Verbindung
von 1 Gewichtsteil Wasserstoff und 8 Ge-
wichtsteilen Sauerstoff, findet sich in der
Natur nicht vor, sondern kann nur auf che-
mischem Wege, u. a. durch Verbrennen von
Wasserstoff in Sauerstoff, hergestellt werden;
fabrikmäßig erzeugt man es durch Destilla-
tion des natürlich vorkommenden Wassers.
Von letzterem stellt das R e g e n - und S c h n e e-
wasser die reinste Form dar, weil es nur