﻿Wasser

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Wasserfenchel

etwa 3 Vol. °/o fremder gasförmiger Bestand-
teile (Sauerstoff, Stickstoff, Kohlensäure) aus
der Atmosphäre auf genommen hat. Fluß-
und Quellwasser enthält wechselnde Men-
gen von Mineralstoffen, hauptsächlich Kalk-
und Magnesiasalze, welche es auf seinem
Wege durch die Bodenschichten aufgelöst
hat. Wässer mit hohem Gehalte an diesen
Stoffen, sog. harte W., sind für viele Zwecke
der Technik weniger geeignet als weiche W.
Die Mineralwässer, welche sich durch
große Mengen gelöster fester und gasförmiger
Beimengungen auszeichnen, sind in einem
besonderen Aufsatze besprochen. Das reine
W. ist in allen drei Aggregatszuständen, als
Dampf, flüssiges W. und Eis oder Schnee
bekannt. In flüssigem Zustande ist es in
dünneren Schichten farblos, in dickeren hin-
gegen blau. Seine größte Dichte hat es bei
+ 4°C und dehnt sich sowohl beim Er-
wärmen, wie beim Abkühlen aus. Das Ge-
wicht eines Kubikzentimeters Wasser bei -f-4°
wird als 1 g bezeichnet. In chemischer Hin-
sicht ist das W. eine neutrale Verbindung
von Wasserstoff und Sauerstoff, welche durch
Elektrolyse und Reduktion in ihre Kompo-
nenten zerlegt werden kann. Als Handels-
produkt kommen nur Trinkwasser und destil-
liertes W. in Frage. 1. Trinkwasser. Die
Beschaffung einwandfreien Trinkwassers ge-
hört zu den wichtigsten hygienischen Auf-
gaben der Behörden, und zwar hauptsächlich
der kommunalen Behörden. Als grundlegende
Anforderungen an ein gutes Trinkwasser kön-
nen folgende angeführt werden: W. soll klar,
farblos und geruchlos sein und keinen fremd-
artigen Beigeschmack besitzen. Die Tempe-
ratur muß für unsere Verhältnisse etwa der
mittleren Jahrestemperatur entsprechen, mög-
lichst beständig sein und möglichst unter 12°
liegen. Das Wasser darf innerhalb 24 Stun-
den keinen nennenswerten Bodensatz liefern.
Im Hinblick auf die meisten Verwendungs-
zwecke ist eine zu hohe Härte unerwünscht.
Die wichtigste Forderung ist aber, daß es
nicht durch Zuflüsse menschlicher oder tieri-
scher Abfallstoffe verunreinigt wird und mög-
lichst wenig Bakterien enthält. Der letzten
Anforderung entspricht ohne weiteres meist
nur das Grundwasser, welches neuerdings
von den meisten Gemeinden zur Wasserver-
sorgung herangezogen wird. Reines Grund-
wasser aus nicht verunreinigten Boden-
schichten enthält bei tadelloser Anlage im
allgemeinen weniger als 50 Keime in 1 ccm
und ist vielfach sogar völlig keimfrei. Das
von einigen Großstädten herangezogene Ober-
flächenwasser aus Flüssen und Talsperren
muß durch Filtrationsanlagen vorerst keim-
frei gemacht werden. In beiden Fällen ist
bei eisenhaltigem W. eine Entfernung des
Eisens durch Lüftungsanlagen erforderlich.
Zur völligen Klärung des W., welche für ge-
wisse pharmazeutische und technische Zwecke
(Fabrikation photographischer Trockenplatten)
unentbehrlich ist, bedient man sich besonderer
Filtrierapparate nach Berkefeld (mit Infu-
sorienerde), oder der mit feinen Asbestnädel-

chen (Mikrolithen) gefüllten Beyerschen
Mikromembranfilter, oder der aus un-
glasiertem Porzellan hergestellten Chamber-
landschen Filterkerzen und anderer Ein-
richtungen. Im Hinblick auf die bleilösenden
Eigenschaften vieler Wässer sind Leitungs-
röhren aus Blei zu vermeiden. Aus der Tat-
sache, daß Trinkwasser ein Handelsartikel
und ein Nahrungsmittel ist, folgt in Überein-
stimmung mit dem aufsehenerregenden Pro-
zeß in Gelsenkirchen, daß ein Zusatz von
unfiltriertem Flußwasser eine strafbare Ver-
fälschung darstellt. 2. Destilliertes W. (lat.
Aqua destillata, Aqua stillatitia, frz.
Eau destillüe, engl. Destilled water) muß
von den gewöhnlichen Verunreinigungen des
Trinkwassers, Salzen und Gasen, praktisch
frei sein. Zu seiner Herstellung versetzt man
das W. zur Bindung von Ammoniak mit
etwas Alaun und destilliert, indem man die
entstehenden Dämpfe zunächst 10 Minuten
lang, ohne zu kühlen, entweichen läßt. Nach
Anstellung des Kühlwassers prüft man das
Destillat so lange mit Silbernitrat, bis es
völlig chlorfrei ist, und fängt erst dann auf.
Um das spätere Abspalten von Chlor aus
etwa vorhandenem Magnesiumchlorid zu ver-
hindern, ist es zweckmäßig, etwas Natrium-
phosphat in die Destillierblase zu schütten.
Zur Beseitigung eines anhaftenden Geruchs
filtriert man schließlich über Holzkohle.
Reines destilliertes W. muß ohne Rückstand
verdampfen. Es darf mit Neßlers Reagens
keine Gelbfärbung (Ammoniak), mit Silber-
nitrat kein Opaleszenz (Chlor) und mit Kalk-
wasser keine Trübung zeigen (Kohlensäure).
Beim Erhitzen von 100 ccm W. mit 1 ccm
Schwefelsäure und 0,3 ccm Kaliumperman-
ganatlösung (1:1000) muß die rote Farbe
bestehen bleiben, da sonst zuviel organische
Stoffe vorhanden sind. Das destillierte W.
wird in großen Glasballons verschickt und
muß gut verschlossen und vor Sonnenlicht
geschützt kühl aufbewahrt werden. Es findet
in der Chemie und Pharmazie ausgedehnte
Anwendung als Lösungsmittel.

Wasserblau. Diesen Namen führen meh-
rere seit 1862 bekannte Teerfarbstoffe,
die bei der Einwirkung von konzentrierter
Schwefelsäure auf die verschiedenen Sorten
von Anilinblau entstehen. Hierdurch werden
die nur in Alkohol, aber nicht in Wasser
löslichen Anilinblaus in Sulfosäuren umge-
wandelt, die man durch Sättigen mit Natron,
Kalk oder Ammoniak in die wasserlöslichen
Blaus überführt. Die als Wasserblau 0 und
6B, Opalblau, Baumwollenblau, China-
blau, Bleu marine bezeichneten Farben
bilden blaue glänzende Stücke oder Pulver,
die gebeizte Baumwolle und Seide grünlich-
blau färben. — Zollfrei.

Wasserfenchel (Roßfenchel, Pferde-
fenchel, Pferdekümmel, lat. Fructus phel-
landrii seu foeniculi aquatici, frz. Fruits de
phellandrie, engl. Water fennel seeds), die
getrockneten Früchte einer in Sümpfen und
Gräben wachsenden Umbellifere, Oenan-
the Phellandrium, bestehen aus länglichen,