﻿Watte

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Weiden

wahrt werden. Es gibt leicht ein Atom Sauer-
stoff ab und wirkt daher desinfizierend, oxy-
dierend und bleichend. Man benutzt es in
der Medizin äußerlich als Verbandmittel, zum
Gurgeln und zu Einspritzungen gegen Tripper,
innerlich bisweilen gegen Diphtherie. In der
Technik dient es als Bleichmittel für Elfen-
bein, Schwämme und Gespinste, sowie unter
verschiedenen Namen, wie Aurdoline, Gold-
Feen-Wasser, Golden-Hair-Wash, zum Ent-
färben und Blondmachen dunkler Haare.
Pyrozon ist eine zur Entfernung von Leber-
flecken empfohlene Lösung von 50% W. in
Äther. — Zoll: S. Tarif Nr. 292.

Watte (lat. Gossypium seu Watta, frz. Ouate,
engl. Wad, Wadding) wird größtenteils aus
aufgelockerter und geschlagener Baumwolle
auf der Wattenmaschine, einer Baumwoll-
Reißkrempel mit entsprechender Einrichtung,
welche die Ware in der bekannten Tafelform
abliefert, hergestellt. Zur Erhöhung des Zu-
sammenhaltes erhält sie dann noch auf beiden
Seiten einen Überzug mit einer dünnen Leim-
oder Gummilösung. Neuerdings wird auch
wollene W. gefertigt und namentlich zum
Auflegen bei Rheumatismus gebraucht. Diese
hat etwas mehr Filzung und ist auf den Ober-
flächen nicht gummiert. S. auch Verband-
stoffe. ■— Zoll: S. Tarif Nr. 511/12.

Wau (Färbe rwau, Färberreseda, Gelb-
kraut, lat. Herba luteolae, frz. Gaude, engl.
Weid), eine 60—100 cm hohe Resedaart,
Reseda luteola, mit blaßgelben Blüten an
langen Ähren, vierteiligem Kelch und drei-
bis sechskantiger, oben offener, einfächeriger
Fruchtkapsel, kommt wild an Wegerän-
dem und auf Äckern vor und wird noch
an einigen Orten in der Provence und in
Deutschland wegen des in den Blättern und
anderen Teilen der Pflanze enthaltenen gel-
ben Farbstoffes angebaut. Doch haben die
amerikanische Querzitronrinde und die bil-
ligen gelben Teerfarben den Anbau stark
beeinträchtigt. — Die Pflanze liebt feucht-
warmes Klima, trockenen kräftigen Boden,
alte Düngung, tiefe Bearbeitung, fleißiges
Jäten und Behacken mit Verdünnen. Man
mischt den feinen Samen mit Sand und sät
4—6 kg (1 hl wiegt 64 kg) im Juli und August
oder im Frühjahr 30—45 cm weit in Reihen.
Die Ernte erfolgt durch Ausraufen oder durch
Schnitt. — Der unter dem Namen Schütt-
gelb im Handel vorkommende Farbstoff ist
hergestellt aus einer Abkochung des Wau
oder der Gelbbeeren und ähnlicher gelber
Pflanzenfarbstoffe mit Alaun und Vermischen
mit geschlämmter Kreide oder Tonerde. Man
gebraucht Schüttgelb als Anstreicherfarbe
und zum Färben von Lederzeug. Oft wird im
Handel an Stelle von diesem Schüttgelb eine
billige Sorte des gelben Chromgelbs ab-
gegeben (s. d.). — Zoll: W. s. Tarif Nr. 32.
Schüttgelb Nr. 332.

Wegerich (Wegetritt, Spitzwegerich,
lat. Herba plantaginis, frz. Plantain, engl.
Plantage leaves). Die Blätter der über ganz
Europa verbreiteten Plantagineen, Plan-
tago jnajor, media und lanceolata kom-

men im Drogenhandel als hustenlindernder
Tee, sowie gegen Ruhrerkrankungen vor. Sie
sind lanzettförmig oder breit oval und ent-
halten als wichtigste Bestandteile Gerbsäure,
Bitterstoff und Schleim. Beliebt sind die
Spitzwegerichbonbons, welche aus dem
frischen Safte des Krautes hergestellt werden.
— Zoll: W. ist zollfrei. Bonbons s. Tarif
Nr. 202.

Weichselrohre nennt man die Stämmchen
des Mahalebkirschbaumes (Prunus Maha-
leb), der strauchartig auf dürren, sonnigen
Höhen im südlichen Europa, namentlich in
Niederösterreich, doch auch noch etwas nörd-
licher wächst. Von seinem Vorkommen bei
dem Orte St. Lucie auf den Vogesen führt
das Holz auch den Namen Lucienholz.
Als Baum gezogen liefert die Pflanze ein
beliebtes Nutzholz. Die jungen Stämmchen
liefern die ihres Wohlgeruchs wegen gesuch-
ten W., die zu Zigarrenspitzen, Pfeifenrohren
und Spazierstöcken benutzt werden. In der
Türkei, in Ungarn und auch in Deutschöster-
reich, namentlich in der Gegend von Baden
bei Wien, werden die Stämmchen in großen
Baumschulen gezogen und, da sie von den
Rauchliebhabern immer ganz knotenfrei und
ohne Schnittspuren gewünscht werden, an den
Stellen, wo sich Zweigknospen bilden wollen,
sorgfältig mit Tuch umwickelt. Übrigens be?
sitzen die türkischen und ungarischen W. ein
schwächeres Aroma als die übrigen Sorten.
Der angenehme Geruch des Holzes rührt von
seinem Gehalte an Kumarin her, mit wel-
chem auch die unechten Rohre aus Kirschen-
holz parfümiert werden. — Zoll: S. Tarif
Nr. 622. 631 ff.

Weichharze nennt man eine Abteilung der
Harze, welche meist in Weichharze,
Gummiharze, fossile und echte Harze
unterschieden werden. Zu den W, rechnet
man die natürlichen Balsame: Storax
u. a.; zu den Gummiharzen: Ammonia-
cum, Asa foetida, Galbanum, Myrrhe,
Gummigutt; zu den fossilen Harzen:
Bernstein und die echten Kopale; zu
den echten Harzen: Benzoe, Elemi,
Fichtenharz usw. Alle Harze sind pflanz-
liche Ausscheidungsprodukte, meist tropischer
Pflanzen. Sie sind unlöslich in Wasser, lösen
sich hingegen in ätherischen und fetten ölen,
Kohlenwasserstoffen, Äther und z. T. in Al-
kohol. Manche, wie z. B. Gummigutt, ge-
ben mit Wasser Emulsionen. Näheres s.
in den betreffenden Artikeln. — Zoll: S. Tarif
Nr. 97.

Weiden (Korbweiden, frz. Säule, engl.
Willow). Die zahlreichen Bäume und Sträu-
cher der Gattung Salix gehören zu den
wichtigsten Holzarten der Forstkultur und
werden auch vielfach von Landwirten und
Gärtnern gezogen. Der Anbau ist, gut be-
trieben, sehr rentabel, und der Verbrauch in
beständiger Zunahme begriffen. Als ver-
breitetste Arten, welche sowohl in Europa
als auch in Asien fortkommen, sind zu
nennen: 1. die Korbweide, Salix vimi-
nalis L., meist an Ufern angebaut, das