﻿Weidenrinde

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Wein

Material der Korbwarenindustrie; 2. die Pur-
purweide, S. purpurea, gleichfalls an
Ufern wachsend, liefert ein gutes Flechtwerk;
3. Mandelweide, S. amygdalina, wird
bis zu 3 m hoch und eignet sich daher gut
zur Herstellung von Faßreifen. — Als Zier-
pflanze, namentlich für Friedhöfe, benutzt
man die aus dem Orient stammende Trauer-
weide, S. babylonica L. — Außer zu den
genannten Zwecken dient das Weidenholz
noch zu Bundstöcken für Böttcher, zu
Schnitznutzholz, Faschinen und zu
Brennmaterial, das Laub als Futtermittel,
die Rinde als Gerbmaterial und zur Ge-
winnung des Salizins, der Bast als Binde-
material für Gärtner und die Kohle zur
Schießpulverfabrikation. — Zoll: S. Tarif
Nr. 84.

Weidenrinde (lat. Cortex salicis, frz. Ecorce
de saule, engl. Willow bark). Die Rinde
verschiedener Weidenarten bildet, außer
als Gerbmaterial, auch einen Handelsartikel
für medizinische Zwecke und wird teils ganz,
teils im fein zerschnittenen Zustande verkauft.
Charakteristische Bestandteile der W. sind
Gerbsäure und Salizin (s. d.). Diejenigen
Rinden, die reich an letzterem sind, zeigen
auf der Innenfläche eine goldgelbe bis bräun-
lichrote Farbe, welche durch Befeuchten mit
konzentrierter Schwefelsäure in Blutrot über-
geht, und werden namentlich, wie die Rinden
von Salix helix, S. purpurea und S. rubra,
zur Bereitung des Salizins verwendet. Die an
Salizin armen W., S. fragilis, S. alba und
pentandra, haben eine gelblichweiße Innen-
fläche und werden durch Befeuchten mit kon-
zentrierter Schwefelsäure auf der Innenfläche
oder auf dem Querschnitte gar nicht oder nur
in kaum merklichem Grade rot gefärbt. Sie
besitzen einen etwas höheren Gerbsäuregehalt.
Man erhält die W. in Form bandartiger
Streifen, die zu Bündeln zusammengebunden
sind. Verwendet wird die W., ähnlich der
Chinarinde, auch zu Bädern. — Zoll: W. ist
zollfrei.

Weihrauch (lat. Olibanum, frz. Oliban ou
Encens, engl. Gum olibanum). Dieses aro-
matische Gummiharz stammt von ver-
schiedenen Arten Boswellia, Bäumen oder
baumartigen Sträuchern aus der Familie der
Burseraceen. Es schwitzt teils freiwillig aus,
teils fließt es aus künstlich gemachten Ein-
schnitten und erhärtet an der Luft. Stamm-
pflanzen sind Boswellia serrata, B. flori-
bunda, B. papyrifera u. a. Die Ware
kommt von der südlich von Abessinien liegen-
den ostafrikanischen Küstenstrecke, der So-
maliküste, über das Rote Meer und Ägypten
oder aus Ostindien über Bombay in den
Handel. Ostindien selbst produziert jedoch
keinen W. Man unterscheidet, wie in allen
solchen Fällen, eine Primasorte in einzelnen
Körnern oder Tränen, und eine geringere,
dunklere, mehr verklebte und mit fremden
Körpern verunreinigte Sekundasorte. Die
Körner sind durchscheinend, weiß bestäubt,
gelblich, rötlich oder bräunlich gefärbt und
leicht zerdrückbar und geben beim Kauen

und Verreiben mit Wasser eine milchige
Flüssigkeit. Beim Erhitzen bläht sich der
W. auf und stößt weiße, scharf balsamische
Dämpfe aus. Entzündet verbrennt er mit
leuchtender, rußender Flamme. Er enthält
3—8°/o eines aus Pinen, Dipenten und
Phellandren bestehenden ätherischen Öls,
ferner 62—69°/o Harz mit Boswelliasäure,
26—28°/o Olibanoresen und Gummi. Eine
Unterschiebung von sog. wildem W. (Fich-
tenharz) erkennt man daran, daß die Essig-
säurelösung mit Schwefelsäure rot wird. Diese
Nachahmung kommt unter dem Namen
Waldweihrauch, Waldrauch (Olibanum
silvestre) namentlich von Tirol und Steier-
mark aus in den Handel. Der W. dient als
Zusatz zu Räuchermitteln, namentlich für
katholische Kirchen, und als Bestandteil von
Räucherkerzchen und Räucherpulvern, sowie
in den Apotheken bei der Bereitung von Pfla-
stern und Salben und in weingeistiger Lösung
zu Einreibungen. — Zoll: W. ist zollfrei.

Wein ist das am längsten der Menschheit
bekannte berauschende Genußmittel, welches
durch alkoholische Gärung aus dem Safte
der Weintraube dargestellt wird. Der
Weinstock oder die Weinrebe (Vitis
vinifera, frz. Cep ou Vigne, engl. Vine)
wird bereits seit den ältesten Zeiten kulti-
viert, so daß seine eigentliche Heimat nicht
genau bekannt ist. Während man sie früher
in den Kaukasus verlegte, wird neuerdings
angenommen, daß alle in den verschiedenen
Ländern kultivierten Sorten von einheimi-
schen wilden Reben abstammen. Sicher ist
die beste rheinische Sorte, der Riesling, durch
Kultur aus einer noch jetzt am Oberrhein
vorkommenden wilden Rebe entstanden.
Manche Reben lassen sich selbst auf mäßige
Entfernungen nicht verpflanzen, während an-
derseits die aus Spanien und Südfrankreich
eingeführten Gutedel- und Muskateller bei
uns gut f ortkommen. Auch ist die Ver-
pflanzung portugiesischer Reben nach den
Kanarischen und Azorischen Inseln und nach
dem Kaplande gelungen. Die in Kalifornien
gezogene Rebe ist hingegen eine veredelte
Spielart der dort heimischen Vitis Lab rusca.
— Die Fortpflanzung der Weinrebe erfolgt
durch Ableger oder Stecklinge, die Verede-
lung durch Pfropfen oder Reisern. Der Wein-
stock gedeiht nur in den gemäßigten Zonen,
nicht unter den Tropen, bedarf jedoch einer
mittleren Jahrestemperatur von —j— 9,50 R,
welche sich aus einem Wintermittel von -f- 0,5
und einem Sommermittel von —180 R zu-
sammensetzt. Da das sonst milde englische
Klima diese Bedingungen nicht erfüllt, ist
der W. dort nur eine Glashauspflanze. Für
die Güte des erzielten Produktes sind neben
den klimatischen Verhältnissen, besonders der
Regenverteilung, vor allem die Bodenbeschaf-
fenheit und Bearbeitung, sowie die Düngung
ausschlaggebend. In erster Linie ist ein ge-
wisser Gehalt an Phosphorsäure und Kalium
erforderlich, welche nötigenfalls in Form von
Stallmist oder künstlichem Dünger zugeführt
werden müssen. — Von den zahlreichen Krank-