﻿Wein

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Weinsäure

Wasser auf das zweckmäßige Maß von ca.
0,6 °/o erniedrigt, darauf Rohrzucker hinzusetzt
und nun die Gärung einleitet. Durch die Be-
stimmung des Weingesetzes, daß das Galli-
sieren nur erfolgen darf, „um den Wein zu
verbessern, ohne seine Menge erheblich
zu vermehren“, wird übermäßige Streckung
verhindert. Nicht zulässig ist der Zusatz von
Glyzerin (das sog. Scheelisieren), ferner
die bereits erwähnte gewerbsmäßige Her-
stellung von Tresterwein (Petiotisieren)
und Hefenwein und die in Frankreich übliche
Mouillage der Rotweine (Zusatz von Wasser
und Alkohol). Der Zusatz von Alkohol darf
l°/o nicht übersteigen, und das Gipsen ist
durch die Bestimmung beschränkt, daß Rot-
wein nicht mehr Schwefelsäure enthalten darf,
als 2 g neutralem Kaliumsulfat pro 1 1 ent-
spricht. Verboten ist ferner durch das Wein-
gesetz vom 24. Mai 1901 der Zusatz von
Alaun, Baryumverbindungen, Salizylsäure,
unreinem Stärkezucker, Teerfarbstoffen und
einer Reihe anderer Verbindungen, bez. deren
man das Gesetz selbst einsehen möge. Als
Naturwein darf nur ein unverdünnter, nicht
gallisierter W. bezeichnet werden. Die Her-
stellung von Kunstwein ist überhaupt, auch
unter Deklaration untersagt. — Im Handel
unterscheidet man der Farbe nach weiße
und rote W., daneben noch hellrote Schie-
ler und rötliche Bleichert. Junger W. heißt
grüner, abgelagerter Firnewein. Die fein-
sten Qualitäten einer Sorte werden als Aus-
lese oder Kabinettweine bezeichnet. Die
gewöhnlichen oder völlig vergorenen
W., zu denen die Rhein- und Moselweine,
ferner die meisten österreichischen und un-
garischen Landweine gehören, enthalten meist
weniger als 0,1 °/o Zucker. Zuckerarm nennt
man W. mit weniger, zuckerreich solchen
mit mehr als 0,5°/o Zucker. Süßweine,
deren Herstellung unter „Tokaier“ näher be-
schrieben ist, besitzen deutlich süßen Ge-
schmack, Süd weine (s. Xeres, Portwein usw.)
gleichzeitig hohen Alkoholgehalt. Aus-
bruch- oder Sektweine werden aus ge-
schrumpften, edelfaulen Beeren hergestellt.
(S. Tokaier.) Schaumweine (s. d.) sind
reich an Kohlensäure. —- Die deutschen W.
umfassen die Rheinweine, völlig vergorene,
bukettreiche Weißweine, als deren edelste
Sorten Johannisberger, Steinberger, Rüdes-
heimer u. a. gelten. Unter den Franken-
weinen nimmt der Würzburger Steinwein,
unter den Pfälzer- und Haardtweinen die
Wormser Liebfrauenmilch den ersten Rang
ein. Die Moselweine, leichtere und säuer-
liche, in neuerer Zeit sehr beliebte Weine,
umfassen von bekannteren Sorten den Braune-
berger, Zeltinger und Pisporter. Geringere
Bedeutung haben die Nahe-, Ahr- und Neckar-
weine, die Elsässer und die norddeutschen W.
Zu den meist völlig vergorenen österreichi-
schen W. gehören die vorzüglichen nieder-
österreichischen Sorten, die weißen Kloster
Neuburger, Mödlinger und der rote Vöslauer,
ferner mährische, böhmische und tiroler W.
Ungarn ist berühmt wegen seiner süßen W.

(s. Tokaier). Frankreich liefert die vor-
trefflichen roten und weißen Bordeauxweine,
rote und weiße Burgunder und Muskateller.
Die spanischen und portugiesischen
Dessertweine, Xeres, Malaga, Portwein, Ma-
deira sind unter ihrem eigenen Namen be-
sprochen. Aus Italien und Griechen-
land werden hauptsächlich süße W., La-
crymae Christi, Marsala, Samos ausgeführt.
In neuerer Zeit scheinen auch W. aus dem
Kaplande, Kalifornien und Australien Be-
deutung zu erlangen. Das Hauptweinland
ist Frankreich, welches im Jahre 1906 volle
52 Millionen hl, 1907 sogar 66 Millionen hl,
und zwar 40 hl pro ha produzierte. Dem-
gegenüber stellte sich der Ertrag in Deutsch-
land nur auf 1,6 Millionen hl, d. s. 13,6 hl
pro ha. — Zoll: S. Tarif Nr. 180/81.

Weinbeeröl (Kognaköl, Oenantäther,
lat. Aether oenanthicus, Oleum vitis vinifera,
frz. Ether oenanthique, engl. Oenanthic
ether) wird aus abgepreßter Weinhefe
(Drusen, Geläger) hergestellt, indem man
diese mit Wasser und etwas verdünnter
Schwefelsäure zu einem dünnen Brei anrührt
und der Destillation im Wasserdampfstrome
unterwirft. Das übergegangene Produkt wird
nochmals rektifiziert und bildet nun ein farb-
loses oder gelbliches, zuweilen durch Kupfer-
gehalt auch grünes öl von starkem und be-
betäubendem Weingeruch. Es verleiht Spiri-
tus in stärkster Verdünnung den Geruch und
Geschmack des Kognaks, zu dessen Nach-
machung es Verwendung findet. Da aus
5000 kg Weinhefe nur 2 kg W. erhalten
werden, ist es sehr teuer, 90—200 M. pro
1 kg, und wird bisweilen durch sog. künst-
liches W. ersetzt. Der gebräuchlichste Roh-
stoff zur Darstellung des letzteren ist das
Kokosöl, welches nach dem Verseifen beim
Destillieren mit Schwefelsäure und Alkohol
ein nach W. riechendes Produkt liefert.
Außerdem wird der durch Oxydation von
Rautenöl dargestellte Pelargonsäure^
äthylester als Kognakessenz benutzt. Die
künstlichen W. sind bereits zu 12—15 M.
pro 1 kg im Handel zu haben. — Zoll: S.
Tarif Nr. 347.

Weinsäure (Weinsteinsäure, Racem-
säure, Tartersäure, lat. Acidum tartari-
cum, frz. Acide tartarique, engl. Tartaric acid).
Obgleich diese organische Säure zu den ver-
breitetsten Säuren des Pflanzenreichs ge-
hört und sich in vielen Früchten und Blättern
teils frei, teils an Kalk oder Kali gebunden,
vorfindet, so wird sie doch nur aus dem
Weinstein im Großen abgeschieden, da man
aus diesem nicht allein die größte Ausbeute,
sondern wegen der Abwesenheit anderer or-
ganischer Säuren die W. auch am leichtesten
rein erhält. Zu ihrer Gewinnung erhitzt man
den Weinstein mit Wasser, neutralisiert mit
Kreide, fügt Chlorkalzium hinzu und zersetzt
den abfiltrierten weinsauren Kalk durch eine
genau hinreichende Menge Schwefelsäure.
Die Lösung der freigewordenen W. wird von
dem gleichzeitig entstandenen Gips getrennt,
zur Kristallisation verdampft und durch mehr-