﻿Weizen

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Wermut

Jahresringen geführten Schnitt als schmale,
nicht sehr auffallend sichtbare Flammen er-
scheinen. Das W. eignet sich sehr gut beim
Maschinenbau zu Rollen und Kämmen, zu
Werkzeugheften und Hobelgestellen. Als Bau-
holz für den Hochbau ist es weniger gut zu
verwenden, dagegen ganz ausgezeichnet für
Wasserbauten. Auch zu Tischlerarbeiten be-
nutzt man es zuweilen. — Zoll: S. Tarif
Nr. 74 ff. 615 ff.

Weizen (lat. Triticum, frz. Froment, engl.
Wheat) bildet die Hauptbrotfrucht der west-
europäischen Länder und wird in allen fünf
Erdteilen angebaut. Die zahlreichen Arten
lassen sich in die beiden Hauptabteilungen,
NackterW. mit zäher Ährenspindel und be-
spelzter W. mit brüchiger Ährenspindel ein-
teilen. Zu der ersteren gehört der gewöhn-
liche oder gemeine W. (Kolben- und
Grannen-W.), Triticum vulgare muticum,
und der englische W. (Triticum turgi-
dum), die verbreitetsten und am meisten an-
gebauten Sorten, ferner der Bart-, Glas-,
Hart- oder Gerstenweizen, Triticum
durum mit harten, glasigen Körnern und der
polnische W. (Gommer, astrachanisches,
sibirisches, wallachisches Korn, ägyptischer,
langkömiger, lothringer W.), Triticumpolo-
nicum, der in Deutschland seltener, fast nur
zu Suppen, häufiger in Osteuropa verbraucht
wird und Körner von der Länge des Roggens
besitzt. Bespelzte Sorten sind der Spelz oder
Dinkel (Dünkel, Dinkelkorn, Korallen- oder
Krullweizen, Quäl- oder Zweikorn), Triticum
Spelta, ferner der Emmer (Ammer, Amel-
korn, Gerstendinkel oder Sommerspelz), T.
amylaceum, und das Einkorn (deutscher
Reis, Peterskorn, Schwalmweizen), T. mono-
coccum. Die bespelzten W. besitzen nur
lokale Bedeutung, besonders in Süddeutsch-
land, der unreife Spelz liefert Grünkern
(s. d.). Der W. verlangt ton- und humus-
reiche, nicht zu kalkarme Böden und wird
fast nur noch nach gut gedüngten Vor-
früchten als Sommer- und, hauptsächlich, als
Winterfrucht angebaut. Die Vegetationszeit
des ersteren umfaßt 140, diejenige des letz-
teren 300 Tage, die Temperatur soll —22°
nicht unterschreiten, die mittlere Winter-
temperatur 3,75°, die mittlere Sommertempe-
ratur 14° betragen. Er gedeiht bis zum 60.,
vereinzelt sogar bis zum 64. Gr. n. Br. In
Nordafrika geht er bis zur Wüste und findet
sich außerdem im Kapland, Australien, Chile
und Paraguay. Ausgeschlossen ist der hohe
Norden und die Tropenzone der Ebene. In
den Alpen steigt er bis zu 1400, im Himalaja
und in Mexiko bis 2000 m Meereshöhe. Die
Saatzeit ist vom September bis Weihnachten,
je nach Klima und Witterung, für Sommer-
W. von Anfang April an. Man sät breit-
würfig und in Reihen, 100—260 kg pro ha.
1 hl wiegt je nach der Sorte 72—82 kg. Die
Ernte erfolgt nach dem Roggenschnitt, und
zwar zur Verhinderung des Ausfallens im Zu-
stand der Gelbreife, in welchem die Körner
sich noch über dem Fingernagel biegen
lassen, im Innern aber nicht mehr milchig

sind. Man erntet 10—16, auch 24—32 hl
Körner, je nach der Bodenart, und 13—47 dz
Stroh pro ha. — Der W. enthält nach König
im Durchschnitt 13,37 °/o Wasser, 12,03 °/o
Stickstoffsubstanz, 1,85 °/o Fett, 68,67 °/o stick-
stoffreie Extraktstoffe, 2,31 °/o Rohfaser und
1,77 o/o Asche, doch ist die Zusammensetzung
nach Art, Boden und Klima mannigfachen
Schwankungen unterworfen. Insbesondere
scheint der W. südlicher Gegenden reicher
an Stickstoffsubstanzen zu sein, und der
kleberreichste, südrussische (Taganrok-)
W. enthält sogar bis zu 16,75 °/o Protein. Im
allgemeinen übertrifft der Prote'ingehalt des
Sommer-W. denjenigen des Winter-W. um
2 o/o. Außerdem begünstigen regenreiche
Sommer und Stickstoffdüngung den Eiweiß-
gehalt. In physikalischer Hinsicht erscheinen
die proteinreichen Körner härter und glasiger,
die stärkereicheren weicher und mehliger. Die
Stickstoffsubstanzen setzen sich aus Pflanzen-
albumin, Glutenkasei'n und Kleberprotem zu-
sammen. Die stickstoffreien Stoffe bestehen
neben geringen Mengen Zucker, Gummi und
Dextrin nahezu völlig aus Stärke, das Fett
enthält Phytosterin und Spuren Lezithin. —
Der W. bildet das wichtigste Brotgetreide.
Außerdem dient er zur Herstellung von
Stärke und, besonders in seinen glasigen
Sorten, von Teigwaren. — Zoll: S. Tarif
Nr. 2.

Wermut (bitte rer Beifuß, Magenkraut,
lat. Herba absinthii, frz. Absinthe, engl.Worm-
wood), das mit den blühenden Spitzen getrock-
nete Kraut von Artemisia Absinthium
L., einer in Mittel- und Südeuropa, Nord-
afrika und Mittelasien auf steinigen Anhöhen
wachsenden, wie auch in Gärten gezogenen
Komposite mit holzigem Stengel und aus-
dauernder Wurzel. Die Pflanze wird 6—12 dm
hoch und besitzt sehr zerschlitzte, graufilzige
Blätter und gelbe, überhängende Blüten-
köpfe. Das Kraut hat, frisch wie getrocknet,
einen eigentümlichen, stark würzhaften Ge-
ruch und intensiv bitteren Geschmack. Es
enthält einen Bitterstoff, das Absinthiin,
verschiedene Salze und ätherisches öl, das
den Geruch der Pflanze hat, scharf aromatisch
ist und weniger bitter schmeckt. Das Kraut
wird in Thüringen, am Harz und in Südfrank-
reich angebaut und zum offizineilen Ge-
brauch dem Deutschen Arzneibuche gemäß
in der Blüte gesammelt und getrocknet. Es
wird als magenstärkendes Mittel in Form von
Aufgüssen, zur Herstellung von Extrakt und
Tinktur, sowie in der Likörfabrikation zu Bitter-
schnäpsen angewandt. Auch das öl, das durch
Destillation des frisch getrockneten Krautes
mit Wasser oder direktem Dampf gewonnen
wird, findet zu dem gleichen Zwecke, haupt-
sächlich aber in der Likörfabrikation zur Her-
stellung des Absinthlikörs Verwendung. —
Es gibt' deutsches und französisches Wermut-
öl (lat. Oleum absinthii, frz. Essence d’ab-
sinthe, engl. Oil of wormwood). Das feinste
französische Wermutöl ist dickflüssig und
dunkelgrün, wird aber mit der Zeit braun.
Die anderen Sorten sind etwas weniger dick-