﻿Wermutwein

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Wild

flüssig. — Zoll: Wermut ist zollfrei. Wermut-
öl, ätherisches: 30 M. Wermutlikör: S. Tarif
Nr. 178/9.

Wermutwein (Bitterwein, Vino Ver-
mouth, Vermouth di Torino) nennt man
ein besonders in Italien, Frankreich, Ungarn
und Slavonien hergestelltes alkoholisches Ge-
tränk, welches im Prinzip einen mit Wermut
aromatisierten Naturwein darstellt und nach
verschiedenen, seit alten Zeiten überlieferten
Verfahren bereitet wird. In der slavonischen
Landschaft Syrmien übergießt man ein Ge-
misch von frischen Trauben, Wermutkraut,
Senfmehl und anderen Gewürzen so lange
mit Most, bis er klar abfließt und erhält
so den Tropfwermut; wenn er aus kon-
densiertem Most gewonnen wurde, auch
gekochter oder süßer W. genannt. Der
übrige ungarische W. wird so erzeugt, daß
man in ein Faß abwechselnd Lagen reifer
blauer Trauben, sowie von Wermut, Zimt,
Nelken, Pomeranzen- und Zitronenschalen
und Senfmehl einfüllt, mit Rotwein vollgießt
und sechs Wochen liegen läßt. Bisweilen
setzt man auch Rosinen und Johannisbrot
hinzu oder hängt einen mit sämtlichen In-
gredienzien gefüllten Beutel in den Most
hinein. Die italienischen Sorten werden meist
stark gespritet und enthalten dann bis zu
16 Vol. o/o Alkohol. In neuerer Zeit kamen
nun unter der Bezeichnung W. zahlreiche
Produkte in den Handel, welche Wein über-
haupt nicht oder doch nur in verschwindenden
Mengen enthielten, vielmehr im wesentlichen
aus aromatisiertem und verdünntem Spiritus
bestanden. Infolge der intensiven Kontrolle
werden diese Erzeugnisse jetzt nicht mehr
als W., sondern nur noch als Wermutlikör
vertrieben. W. ist lediglich ein aromatisierter,
allenfalls gezuckerter und gespriteter Natur-
wein. — Zoll: S. Tarif Nr. 184.

Westrumit, ein nach seinem Erfinder van
Westrum benanntes Präparat zur Straßen-
besprengung und Staubbindung, besteht aus
einer Emulsion etwa gleicher Teile schwach
ammoniakalischen Wassers mit Mineralölen.
Es soll mit Sprengwagen aufgetragen werden
und in ähnlicher Weise, wie in Amerika die
Besprengung mit Petroleum, einen wider-
standsfähigen, staubfreien Straßenbelag bil-
den. Im Hinblick auf die ziemlich leichte
Entmischung verstopft W. nach einiger Zeit
die Öffnungen des Sprengwagens und darf
deshalb nicht in zu großen Mengen eingefüllt
werden. Von zwei Produkten ähnlicher Be-
stimmungerwies sich'Antistoff als eine durch
Kaliseife vermittelte Emulsion von Teerölen,
während Standutin ein fein verteiltes Ge-
misch von Petroleumrückständen mit Wasser
und Kleber oder Mehlkleister war. Neuer-
dings wird zur Staubbindung auch die Sulfit-
lauge von der Zellulosefabrikation heran-
gezogen. — Zoll: S. Tarif Nr. 239.

Whisky, ein in, England sehr beliebter
Trinkbranntwein, wird in der Weise her-
gestellt, daß man Gerste über einem Torf-
feuer mälzt, oder Roggen mit Malz maischt
und die vergorene Maische der Destillation

unterwirft. Das „low vines“ genannte Destillat
wird nochmals destilliert und liefert einen
Vorlauf „four shots“, darauf den eigentlichen
Whisky „clean spirit“ und einen Nachlauf
„faints“. Der Vorlauf und Nachlauf werden
einer neuen Maische wieder zugesetzt. Zur
Entfernung eines in jungem Whisky auf-
tretenden unangenehmen Beigeschmacks ist
ein längeres Lagern, besonders in Sherry-
fässern, üblich. Hierbei nehmen die nicht-
flüchtigen Säuren ab. Der Alkoholgehalt be-
trägt 46—62 Vol. o/o. Im übrigen sind in
100 ccm enthalten: 0,0807 g Extrakt, 0,072 g
Propylalkohol, 0,057 g Butylalkohol, 0,0685 g
Amylalkohol, 0,0161 g flüchtige Säuren,
0,0107 g Kapronsäure, 0,002 g Kaprylsäure,
0,1676 g Ester, 0,0018 g Furfurol, 0,0115 g
sonstige Aldehyde — Zoll: S. Tarif Nr. 178/9.

Wicken (lat. Vicia, frz. Vesce, engl. Vetch),
zur Familie der Schmetterlingsblütler
gehörige Pflanzen, werden in mehreren Arten,
besonders als Saatwicke oder gemeine
Futterwicke (Heide-, Feld-, Korn-, Roß-
wicke, St. Christophskraut), V. sativa L., und
platterbsenartige W. (Küchen-W., frühe
W., kleine Frühlings-W.), V. lathyroides L.,
als Grünfutter und zur Gewinnung von Heu
und Samen im großen angebaut. Für den
Handel kommt jedoch nur der Samen in
Betracht. Die W. lohnt und verträgt die
stärkste Düngung und hat deshalb auch für
die Fruchtfolge hohen Wert. Der Anbau der
gemeinen W. ist ziemlich sicher, der Ertrag
groß. 1 hl Samen wiegt 76—84 kg, von denen
jedes 9000 bis 30 000 Körner enthält. Zur
Saat braucht man 1,5—4 hl und erntet pro ha
100—220 dz Grünfutter, 20—45 dz Heu, 10
bis 18 dz Körner, 12—26 dz Stroh. Das Mehl
der roten Sommer- und der kanadischen W.
wird auch zuweilen mit Weizenmehl vermischt
und so in Frankreich als Nahrungsmittel für
Menschen verwendet. — Zoll: S. Tarif Nr. 12.

Wild (Wildbret, Wildpret, Wilpert)
umfaßt alle zur menschlichen Nahrung ge-
eigneten jagdbaren Tiere, besonders Edel-
oder Rot-, Reh- und Damwild, Gemsen, Renn-
tiere, Antilopen, Gazellen, Schwarzwild, Wild-
schweine, Hasen und Kaninchen, Auer-, Birk-,
Hasel-, Schneehühner, Fasanen, Schnepfen,
Enten, Rebhühner, Bekasinen, Drosseln,
Wachteln und Krammetsvögel. DasW. nimmt
mit zunehmender Kultur, obschon es vielfach
gehegt wird und in den meisten Ländern
Schonzeit hat, immer mehr ab und muß
daher für die Großstädte aus immer größeren
Entfernungen bezogen werden. Selbst Ame-
rika liefert in ziemlicher Menge W. nach
Europa. Hirsche, Rehe, Wildschweine und
Fasanen werden in Deutschland fast nur noch
aus Wildparks geliefert und hier bei großen
Jagden zum Verkauf geschossen. Feldjagden
für kleines W. werden meistens durch Treiben
abgeschossen. Das W. wird sowohl direkt
an Privatpersonen und Gastwirte, wie an De-
taillisten und Großhändler verkauft. Die letz-
teren müssen sich aber sichere Bezugsquellen
verschaffen und mit den Forstbeamten be-
stimmte Lieferungsbestimmungen festsetzen.