﻿Wintergrün

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Wismutverbindungen

Der Handel mit W. wird durch die Landes-
gesetze gewissen Beschränkungen unter-
worfen. Insbesondere darf W. zur Verhinde-
rung der Wilddieberei während der Schonzeit
überhaupt nicht verkauft werden, selbst wenn
es aus Gegenden ohne Schonzeit kommt.
Bis zu gewisser Grenze kann dann W. aller-
dings mit Bescheinigung des Ursprungsortes
bezogen werden, doch nur für bestimmte
Abnehmer, nicht für allgemeinen Verkauf.
Die Hauptzeit für Wildbret ist vom Sep-
tember bis zum Frühjahr. Die Versendung
geschieht mit der Bahn, am besten im Winter
bei Frostkälte. Tritt milde Witterung ein, so
muß der Absatz rasch erfolgen. Die Jahres-
ausbeute, soweit sie die Feldjagden betrifft,
ist abhängig von der Witterung. Es gibt
gute und schlechte Jahrgänge für Hasen,
Feldhühner und Schnepfen, während Hoch-
wild in der Regel nach bestimmtem Satze
abgeschossen wird. Schwarzwild gibt es noch
bis zur gebotenen Vernichtung im Überfluß
in den Reichslanden und angrenzenden Ge-
bieten der Ardennen; Hochwild, Auerwild und
Fasanen besonders zahlreich in Böhmen, in
Deutschland hingegen nur in den sehr wald-
reichen Distrikten. Frankreich, Italien und
England sind wildarm, Schweden, Rußland
und Österreich ziemlich wildreich. W. wird
stückweise, nur Federwild paarweise oder zu
vier und mehr Stück, verkauft und meist ohne
Verpackung versendet. Es muß, nachdem
es ausgenommen worden ist, im Balg oder
abgehäutet, Federwild stets im Federschmuck
an der Luft aufbewahrt werden. Ausgelöste
Fleischstücke von Reh und Hirsch lassen sich
längere Zeit in saurer Milch aufbewahren,
hingegen muß zerschossenes Federwild und
Wassergeflügel rasch verbraucht werden. In
Eisräumen hält sich alles W. sehr lange. —
Zoll: S. Tarif Nr. 111/2.

Wintergrün (Immergrün, lat. Herba vin-
cae pervincae, frz. Feuilles de pervenche,
engl. Evergreen) ist das Kraut von Vinca
ma j or und minor. Die zur Familie der Apo-
cynaceen gehörende Pflanze ist über Mittel-
europa und Asien verbreitet, wächst an
trockenen, schattigen Standorten und ist ein
immergrünes Kraut. Die Blätter sind ellip-
tisch, hart und glänzend, auf der Unterseite
heller grün als auf der oberen Seite. Man
verwendet das Kraut als Aufguß zu Gurgel-
wässem. — Unter dem Namen Wintergrün
kommt auch aus Amerika eine Droge, ame-
rikanisches Wintergrün (s. unter Gaul-
theriaöl). — Zoll: Wintergrün ist zollfrei.

Wismut (lat. Bismutum, frz. Bismuthe, engl.
Bismuth), ein dem Arsen und Antimon ver-
wandtes, metallisches Element vom Atom-
gewicht 208—209, findet sich in der Natur
hauptsächlich gediegen, seltener in Verbin-
dung mit Schwefel als Wismutglanz, mit
Tellur als Tetradymit und mit Sauerstoff
als Wismutocker. Meist kommt es in Ge-
sellschaft von Kobalt-, Nickel-, Blei- und
Silbererzen vor und enthält neben den Be-
standteilen der letzteren oft auch noch kleine
Mengen Arsen, Eisen, Zinn und Kupfer bei-

gemengt. Bis zum Jahre 1876 kamen seit
der Erschöpfung der englischen Lager nur die
sächsischen W.-Vorräte in Betracht. Neuer-
dings verarbeiten die sächsischen Blaufarben-
werke in Oberschlema und Pfannenstiel haupt-
sächlich kupferhaltige W.-Erze aus Australien
und arsenfreie, aber Kupfer und Antimon
enthaltende Erze aus Bolivia und Peru, von
denen die letzteren bis zu 94°/o W. enthalten.
Die Erze werden vor der Verhüttung in
schräg liegenden Röhren erhitzt, um das sehr
leicht schmelzbare gediegen W. auszusaigern.
Darauf werden sie mit Kohle, Eisen und
einem Flußmittel (Schlacke) zusammen-
geschmolzen, wobei das Eisen den Schwefel
bindet und mit den übrigen Verunreinigungen
in die Schlacke geht. Das in flüssigem Zu-
stande abgelassene sog. technische oder
Rohwismut kann, sobald die Summe seiner
Verunreinigungen nicht mehr als 5°/o beträgt,
für die meisten Zwecke benutzt werden. An-
dernfalls unterwirft man es einer Reinigung,
indem man das gröblich zerstoßene Metall
mit einem Gemisch von Kali- und Natron-
salpeter oder mit Soda und Kaliumchlorat
schmilzt und die ausgegossene Schmelze zu-
nächst mechanisch und darauf durch Be-
handlung mit verd. Salzsäure von der Schlacke
befreit. Um aus diesem gereinigten W.
(Bismutum depuratum) das reine Metall
(B. purum) zu gewinnen, löst man in Salpeter-
säure, trägt die Lösung in Ammoniak ein
und reduziert das ausgefällte Hydroxyd durch
Kochen mit Traubenzucker oder durch Glühen
mit Kohle. — W. ist ein rötlich-silberweißes,
großblättrig kristallisierendes Metall vom spez.
Gew. 9,900. Es schmilzt bei 268° und ver-
dampft bei Weißglühhitze (ca. 1300°). Wegen
seiner Brüchigkeit und Sprödigkeit läßt es
sich, wie das ähnliche Antimon, im Eisen-
mörser pulverisieren. Bei gewöhnlicher Tem-
peratur verändert es sich an trockner Luft
nicht, verbrennt aber beim Erhitzen zu weißem
Oxyd. An feuchter Luft wird es blind und
durch Schwefelwasserstoff gebräunt. Das W.
löst sich nicht in Salzsäure, hingegen leicht
in Salpetersäure und in heißer konz. Schwefel-
säure unter Entwicklung von schwefliger
Säure. — Das metallische W. findet haupt-
sächlich in Form seiner Legierungen,
welche meist sehr niedrige Schmelzpunkte
zeigen, technische Verwendung. Eine Legie-
rung von 50 T. W., 30 Blei und 20 Zinn,
das sog. Rosesche Metall, schmilzt bei 92°,
nach Zusatz von 2 T. Quecksilber sogar
schon bei 55°. Newtons Metall mit 8 W.,
5 Blei und 3 Zinn schmilzt bei 94,5°, Wood’s
Metall mit 15 W., 8 Blei, 4 Zinn und 3 Kad-
mium bei 60°. Derartige Legierungen dienen
zum Abklatschen (Klischees) von Holzschnitten
zu Stereotypplatten, Druckformen für Zeug-
druck und zu Münzabgüssen, ferner als Schnell-
lot für Klempner, Zinngießer und Orgel-
bauer, als Metallkitte und zur Herstellung
von Sicherheitsverschlüssen für Dampfkessel.
— Zollfrei.

Wismutverbindungen. Die Lösungen der
W.-Salze geben mit viel Wasser Niederschläge