﻿Witherit

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Wolfram

von basischen Verbindungen, welche zum
Unterschiede von den entsprechenden Anti-
monverbindungen in Weinsäure unlöslich sind.
— Wismutchlorür entsteht beim Auflösen
von Wismut in Königswasser oder beim Über-
leiten von Chlor über erhitztes Wismut als
eine weiße, an der Luft zerfließliche Kristall-
masse, welche bei 220° schmilzt und bei 447°
siedet. Aus der konz. salzsauren Lösung wird
durch Wasser unlösliches Wismutoxy-
chlorür gefällt, welches als weiße Maler-
farbe Verwendung findet. — Wismutnitrat
wird durch Auflösen von Wismut in heißer
konz. Salpetersäure und Eindampfen der fil-
trierten Lösung bis zur Kristallisation dar-
gestellt. Es bildet farblose Kristalle, welche
5 Moleküle Kristallwasser enthalten und bei
73° schmelzen. Bei 80° gehen sie in das
basische Salz über und zersetzen sich bei
260°. — Durch Einträgen in siedendes Wasser
erhält man basisches Wismutnitrat (lat.
Bismutum subnitricum, frz. Sousazotate
de bismuthe, engl. Subnitrate of bismuth),
welches abfiltriert, ausgewaschen und vor-
sichtig bei 30° unter Abschluß von Schwefel-
wasserstoff getrocknet wird. Das schnee-
weiße, lockere, kristallinische Pulver ist völlig
geruchlos, unlöslich in Wasser, Alkohol und
Glyzerin, hingegen leicht löslich in verdünnten
Säuren. Es findet ausgedehnte medizinische
Anwendung als Streupulver bei der Wund-
behandlung, zum Einblasen in den Kehlkopf
und zum Desodorisieren jauchiger Wunden,
sowie innerlich gegen Dysenterie, Darm- und
Magenleiden. In der Technik dient es unter
dem Namen Wismutweiß, Perlweiß,
Spanischweiß und Schminkweiß als
Schminkmittel, gibt auch ein gutes, die Farben
nicht beeinträchtigendes Flußmittel für Por-
zellan-, Glas- und Emailmalerei und wird
außerdem zur Erzeugung von Irisfarben auf
Porzellan benutzt. — Das beim Verbrennen
von Wismut oder beim Glühen seiner Verbin-
dungen erhaltene gelbe Wismutoxyd findet
an Stelle des Bleioxyds zur Herstellung op-
tischer Gläser, das Karbonat, Zitrat, Al-
bum i na t und andere Verbindungen medi-
zinische Verwendung. — Das basisch-gerb-
saure Wismut, Wismutsubgallat (lat.
Bismutum subgallicum, frz. Gallate ba-
sique de bismuthe, engl. Subgallate of bis,
muth) hatte unter dem Namen Dermatol
eine Zeitlang eine größere Bedeutung als
Verbandmittel. — Zollfrei.

Witherit, neben dem Schwerspat das wich-
tigste Baryummineral, erscheint in den
reinsten Varietäten farblos oder weiß, meist
jedoch durch Beimengungen grau oder gelb-
lich und bildet kugelige, trauben- oder nieren-
förmige Aggregate, seltener größere, deut-
liche Kristalle des rhombischen Systems. Der

W.	besteht aus kohlensaurem Baryum
(Baryumkarbonat) mit 77,7% Baryumoxyd
und 22,3 % Kohlensäure und findet sich haupt-
sächlich bei Peggau in Steiermark, Leogang
bei Salzburg und Aiston in Cumberland. Er
ist das geeignetste Material zur Bereitung
von Blanc fixe und anderen Barytverbin-

dungen und wird im feingemahlenen Zu-
stande auch als Gift für Ratten und Mäuse
verwandt. Die Versendung geschieht in Fäs-
sern von 300 kg. — Zollfrei.

Wodnjika, ein serbisches Nationalgetränk
von zweifelhaftem Genußwerte, wird in der
Weise hergestellt, daß man ein Gemisch von
Wacholderbeeren, Senf und Meerrettich mit
Wasser bei höherer Temperatur einem Gä-
rungs- und Säuerungsprozeß überläßt. Das
stark nach Wacholder riechende und sauer
schmeckende Produkt enthält nach König in
100 ccm 0,83 g Alkohol, 0,98 g Extrakt,
0,4 g Essigsäure und 0,05 g Zucker. Bei
feineren Sorten setzt man der Maische wohl
auch geröstete Birnen oder Mostbirnen, Äpfel,
Quitten, Zitronen oder Orangen zu. — Zoll:
S. Tarif Nr. 185.

Wolfram (frz. Wolfram, engl. Wolframium),
ein dem Uran und Molybdän verwandtes
metallisches Element, findet sich in der Natur
nicht gediegen, sondern nur als Wolframit
(Wolfram), eine isomorphe Mischung von
wolframsaurem Eisen- und Manganoxydul,
ferner als Scheelit (Tungstein), wolfram-
saures Kalzium, undScheelbleierz (wolfram-
saures Blei). Die wichtigsten Lagerstätten
sind auf den Zinnerzgruben von Zinnwald und
Altenberg in Sachsen, sowie von Monroe in
Connecticut. Zur Darstellung des Metalles
wird der Wolframit zunächst zur Entfernung
von Schwefel und Arsen geröstet und dann
entweder mit Salzsäure ausgezogen, wobei
die Wolframsäure (Wolframtrioxyd) als ein
gelbes Pulver zurückbleibt, oder aber mit
Soda geschmolzen, und aus dem mit Wasser
gelösten Natriumwolframat die Wolframsäure
mit Salzsäure gefällt. Australischer Scheelit
gibt bei einfacher Behandlung mit Salzsäure
ebenfalls Wolframsäure. Die getrocknete
Wolframsäure wird durch Glühen mit Kohle
oder im Wasserstrom zu metallischem W.
reduziert. Das letztere bildet ein stahlgrau
glänzendes, sehr hartes und schweres Pulver
vom spez. Gew. 19 und dem Atomgewicht 184.
Es ist sehr spröde und für sich allein kaum
schmelzbar. Das W. findet vielfache tech-
nische Anwendung zur Herstellung außer-
ordentlich harter Eisen- und Stahlsorten
(Wolframstahl), welche für Werkzeuge und
Panzerplatten viel gebraucht werden. Auch ver-
wendet man den W.-Stahl wegen seiner Eigen-
schaft, den Magnetismus länger zu halten,
in der Telegraphie als Magnet. Reines W.
dient als Glühfaden in elektrischen Glüh-
lampen. — Von den Verbindungen des W.
wird das durch Auflösen von Wolframsäure
in Natronlauge dargestellte wolframsaure
Natrium in wäßriger Lösung zum Impräg-
nieren von dünnen Geweben, Ballkleidern,
Vorhängen und Theaterdekorationen benutzt,
um diese unentflammbar zu machen. Weiter
dient es zum Beschweren von Seide und
als Ersatz von Zinnbeize in der Färberei.
Wolframsaures Zink und Baryum sind
gut deckende weiße Anstrichfarben. Wolf-
ramdioxyd bildet das schöne Wolfram-
braun, wolframsaures Wolframoxyd