﻿Wolf st rapp

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Wollengame

einen schönen blauen Farbstoff (blauer
Karmin) und wolframsaures Wolfram-
oxydnatron (Wöhlers Wolframbronze)
schöne goldgelbe Schüppchen, welche sich
wie Goldbronze verwenden lassen. — Zollfrei.

Wolfstrapp (Schwarzer Andorn, lat.
Herba ballotae lanatae seu marubii nigri,
frz. und engl. Ballote), ein in Sibirien hei-
misches Kraut aus der Familie der Labiaten,
besitzt graugrüne, handförmige Blätter mit
viereckigem Stengel, die mit einem weiß-
wolligen Überzüge versehen sind. Das Kraut,
welches als hauptsächlichste Bestandteile
Gerbstoff und einen Bitterstoff Ballotin ent-
hält, wird als Mittel gegen Fieber und Asthma
verwendet. — Zollfrei.

Wolle (frz. Laine, engl. Wool), das Haar
der Schafe, bildet das am längsten bekannte
und noch heute wichtigste Material zur Her-
stellung von Kleidungsstoffen. Nachdem
früher bei uns die W. der gewöhnlichen
Landschafe auf Tuche verarbeitet worden
war, wurden vor mehr als 100 Jahren die
edlen spanischen oder eigentlich maurischen,
aus Afrika stammenden Merinos eingeführt,
deren beste Vertreter die feinste Elektoral-
wolle liefern und als Eskurials zu bezeich-
nen sind. Sie werden nur im Stalle gehalten,
während die aus ihnen entstandenen Ne-
grettis mit dichterem, kräftigem und nicht
ganz so feinem Vließ auch Weidevieh sind.
Durch sorgfältige Kreuzung und Züchtung
hat man in Deutschland, namentlich in
Sachsen und Preußen, Rassen erzielt, deren
Wolle besser, weicher und zarter als die-
jenige der spanischen Merinos ist. — Die
Beschaffenheit der Wolle hängt außer von
der Rasse vor allem von Klima, Boden,
Pflege und Nahrung ab. Die früher übliche
Unterscheidung in kurze und lange W.
hat bei dem heutigen fortgeschrittenen Stande
der Spinnereitechnik nicht mehr ihre alte
Bedeutung und ist daher meist durch die
Begriffe weich und hart ersetzt, denn hier-
von hängt die Verwendung als Streich- oder
Kammwolle ab, weil harte W. nicht verfilz-
bar ist. Weitere Merkmale der Einteilung
sind Feinheitsgrad, Kräuselung, Glanz, Elasti-
zität, Festigkeit, Gleichförmigkeit und Ge-
schmeidigkeit. Besonders wichtig ist die
Gleichmäßigkeit, welche voraussetzt, daß
nicht nur die Vließe verschiedener Tiere, son-
dern auch die von verschiedenen Körperstellen
eines Tieres herrührenden Haare nicht zu
abweichend beschaffen sind. Schließlich soll
auch das einzelne Haar an allen Stellen mög-
lichst gleich dick („treu“) sein. Ein un-
gleichmäßig dickes und gekräuseltes, sog.
„zweiwüchsiges“, Haar ist weniger wert-
voll. Die beste W. sitzt auf den Schulter-
blättern, sowie an den Seiten des Leibes und
den Keulen. Unter „Stapel“ versteht man
den Bau des Vließes und die Faserlänge (kurz-
oder langstapelig). Nach der Herkunft unter-
scheidet man Rittergutswolle von mehr
oder weniger veredelten und Bauernwolle
von gewöhnlichen Landschafen. Die erstere
wird meist wieder in hochfein, fein und

mittelfein eingeteilt. Die meisten Schafe
werden nur einmal im Jahre, um Pfingsten,
geschoren und liefern die sog. Ein Schur-
wolle. Langwollige Schafe werden hingegen
zweimal geschoren, und zwar Ende März
(Winterwolle) und Ende September (Som-
merwolle). Ferner werden getrennt gehal-
ten: die feine seidenartige Lammwolle von
einjährigen Schafen, die von Weißgerbern
gelieferte Gerberwolle, die meist mit Kalk
verunreinigt, aber zum Spinnen noch gut
brauchbar ist, und endlich, als schlechteste,
die Sterblingswolle von krepierten Scha-
fen. —- Die W. kommt meist gewaschen
auf den Markt, und zwar wird in Deutsch-
land gewöhnlich die sog. Rücken- oder Pelz-
wäsche am lebenden Tier bei warmer trockner
Witterung in weichem Fluß- oder Teichwasser
vorgenommen, während man in Spanien viel-
fach das abgetrennte Vließ wäscht. Zur Er-
leichterung des Waschens finden bisweilen
Seifenwurzel oder Quillayarinde Anwendung,
wodurch die W. 20—70% an Gewicht verliert.
Der Abgang besteht aus Staub, Schmutz und
dem sog. Wollschweiß, einer in Wasser
löslichen natürlichen Kaliseife. Die weitere
Verarbeitung der W. nach dem Scheren
besteht dann in einem Kochen mit Soda und
Seife, sowie in einer Behandlung mit Tetra-
chlorkohlenstoff, wodurch das Wollfett ent-
fernt wird, und schließlich bisweilen in einem
Bleichprozeß mit schwefliger Säure. Das sog.
Karbonisieren, d. h. eine Erwärmung mit
Salzsäure, Chlorsäure, Aluminiumchlorid, be-
zweckt die Zerstörung pflanzlicher Verunreini-
gungen. — Die reine Wollenfaser erscheint
unter dem Mikroskope in Form sehr dicker
Fäden mit rundem Querschnitt und dach-
ziegelförmigen Hautschuppen, aber ohne inne-
ren Hohlraum und kann daher von anderen
Faserstoffen leicht unterschieden werden. Zur
quantitativen Bestimmung pflanzlicher Bei-
mengungen, besonders der Baumwolle, be-
dient man sich der vom Bundesrate vorge-
schriebenen Methode, welche auf der Löslich-
keit der Baumwolle in Natronlauge beruht. —
Zoll: Wolle (Schafwolle): S. Tarif Nr. 114.
413. 416.

Wollengarne zerfallen in die zwei Haupt-
klassen des Streichgarns (frz. Fil de la
laine cardöe, engl. Cardet wool-garn) und
Kammgarns (frz. Fil de laine peignöe, engl.
Combed wool-garn). Zu Streichgarn ver-
wendet man kurze, stark gekräuselte, zu
Kammgarn möglichst lange, schlichte oder nur
schwach gekräuselte Wolle. Hiernach und
infolge der verschiedenen Behandlung er-
scheint das Streichgarn im Faden weich, rauh
und wollig und dient zur Herstellung tuch-
artiger, gewalkter Stoffe, während das Kamm-
garn glatt, dichter von Körper ist und zu
glatten Zeugen gebraucht wird. Für Streich-
garn wird die gereinigte, auf Maschinen ge-
lockerte und mit Öl gefettete Wolle durch1
Krempel zunächst in wattenartige Tafeln und
dann in schmale Bänder verwandelt, welche
sogleich zu losen, runden Fäden zusammen-
gerollt werden. Diese Lunte kommt auf die