﻿Wollkraut

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Wurmsamenöl

Feinspinnmaschine oder passiert vorher erst
eine Vorspinnmaschine. — In der Kamm-
garnspinnerei wird die Wolle nach analoger
Vorbereitung gestreckt und dupliert und hier-
auf der Kämmaschine übergeben, welche die
kurzen Fasern als Kämmling ausscheidet, wäh-
rend die langen Fasern den Zug bilden. Die
Kämmlinge kommen mit zur Streichwolle. Je
nach der Bestimmung der Garne unterscheidet
man Kettengarn und Schußgarn. —
Wird lange Wolle nicht gekämmt, sondern
nur gekratzt, im übrigen aber wie Kamm-
wolle weiter behandelt, so entsteht das Halb-
kammgarn, welches als Stick-, Tapisse-
rie- und Strumpfwirkergarn vielfach Ver-
wendung findet. Es ist billiger als Kamm-
garn, und da lange und kurze Fasern neben-
einander liegen, weniger glatt und fest. —
Zoll: S. Tarif Nr. 417/26. Wollengespinst-
waren: S. Nr. 427/37.

Wollkraut (lat. Folia s. Herba verbasci,
frz. Feuilles de molfene, engl. Mull ein leaves)
nennt man die weichen, wolligen Blätter von
Verbascum Thapsus L., einer Pflanze aus
der Familie der Scrophulariaceen, welche
in Europa und Mittelasien heimisch ist. Man
sammelt außer den Blättern auch noch die
Blüten, Königskerzenblüten (s. d.). Die
Blätter enthalten Schleim und Bitterstoff und
werden als Brusttee verwendet. — Zollfrei.

Wollscharlach, ein seit 1884 im Handel
befindlicher Teerfarbstoff, besteht aus dem
Natronsalz der Xylidinazoalphanaphtoldisulfo-
säure. Man erhält es als braunrotes, in
Wasser mit gelbroter Farbe lösliches Pulver,
welches Wolle im saueren Bade gelblichrot
färbt. — Zollfrei.

Wollschwarz, ein 1885 entdeckter Teer-
farbstoff, besteht aus dem Natronsalze des
Amidoazobenzoldisulfosäureazoparatolylbeta-
naphtylamins. Es ist ein blauschwarzes, in
Wasser mit violetter Farbe lösliches Pulver,
welches Wolle im saueren Bade blauschwarz
färbt. — Zollfrei.

Wollstaub, in Staubform verwandelte ver-
schiedenartig gefärbte Wolle, dient zum Ve-
loutieren von Tapeten. — Zollfrei.

Worcestershire Sauce. Zur Herstellung
dieser bekannten Speisewürze verwendet man
ein Gemisch von 7,0 g Piment, 3,5 g Ge-
würznelken, 3,5 g schwarzer Pfeffer, 3,5 g
Ingwer, 30,0 g Curry Powder, 3,5 g Paprika,
60,0 g Senfsamen, 60,0 g Schalotten, 60,0 g
Salz, 40,0 g Zucker, 120,0 g Tamarinden,
570,0 g Sherry, 1140,0 g Weinessig. Die
frisch zerkleinerten Gewürze werden eine
Stunde lang mit dem Essig gelinde gekocht,
darauf gibt man den Wein sowie ev. etwas
Karamel hinzu, läßt eine Woche stehen,
seiht die Flüssigkeit durch und füllt sie auf
Flaschen. — Zoll: S. Tarif Nr. 216.

Wundklee (Tannen-, Katzenklee, Be-
rufs-, Brust-, Katzenkraut, Woll-
blume), die bekannte Papilionacee An-
thyllis vulneraria, wächst wild auf Kalk-
und Mergelboden und wird neuerdings zur
Kultur als Futterpflanze empfohlen. Er ist
unempfindlich gegen Kälte und Frost, ver-

Merck’s Warenlexikon. 5. Aufl.

langt aber gute Bodenvorbereitung und wird
besonders da gebaut, wo Rotklee nicht mehr
sicher fortkommt. Der W. ist ausdauernd,
wird bis 60 cm hoch, hat liegende und auf-
steigende Stengel, langgestielte, länglich eiför-
mige untere, gefiederte unpaarige Stengel-
blätter und hellgelbe Blüten in Köpfen. Er
blüht im Mai bis August und ist ein gutes
Weidefutter. Der Same ist länglich oval,
glänzend gelbrot bis braunrot mit grünlicher
Feder und vertieftem, schwarzbraunumränder-
tem Nabel. Man braucht pro Hektar 15
bis 18 kg. — Zollfrei.

Wundkraut (Goldrute, lat. Herba virgau-
reae s. solidaginis, frz. Plante fleurie de Soli-
dago ou Bagnette d’Or, engl. Golden rod),
das Kraut von Solidago Virgaureae, ist
in Europa heimisch und wird während der
Blütezeit gesammelt. Die Zweige mit den
goldgelben Blüten verwendet man gegen
Rheumatismus als schweißtreibendes Mittel,
sowie auch bei Blasen- und Nierenleiden. Der
Geschmack ist scharf und bitter. — Zollfrei.

Wurmsamen (Zitwersamen, richtiger
Zitwerblüten, lat. Semen, richtiger Flo-
res cinae, frz. Semences de cina, engl. Worm-
seed). Das bekannte Wurmmittel besteht
nicht aus den Samen, sondern aus den ge-
schlossenen Blütenköpfchen einer Art Arte-
misia maritima, der Artemisia Cina
Berg, welche nicht näher bekannt ist. Es
wird unter dem Namen levantischer oder
persischer W. aus dem südlichen Rußland
zu uns eingeführt und soll von wandernden
Kirgisen auf den Steppen gesammelt werden.
Die Blüten haben einen starken, unangenehm
aromatischen Geruch und bitterlich-aromati-
schen Geschmack und bestehen aus sehr
kleinen, an beiden Enden verschmälerten,
schwach glänzenden Blütenkörbchen von gelb-
lichgrüner, später mehr bräunlich werdender
Farbe. Die ziegeldachartig angeordneten
Blättchen des Hüllkelches sind am Rücken
gekielt und tragen dort mit der Lupe erkenn-
bare Harzdrüsen. Als wirksamer Stoff ist
neben ätherischem Öl, ein grünes Weichharz
und eine eigentümliche kristallisierbare Sub-
stanz, das Santonin (s. d.) vorhanden, wel-
ches jetzt in einer Fabrik in Taschkend, also
an Ort und Stelle selbst dargestellt wird. Die
Versendung erfolgt meist in Ballen von 40 bis
80 kg oder in Filzsäcken bis 150 kg. W. ist
ein ausgezeichnetes Mittel gegen Spul- und
Madenwürmer und wird in Pulverform oder
als Sirup angewandt. Der Verbrauch von
Wurmsamen hat in letzter Zeit etwas nach-
gelassen, da man jetzt mehr das Santonin
direkt als Wurmmittel verschreibt. — Das
Wurmkonfekt der Konditoren besteht aus
überzuckerten Blütenköpfchen (lat. Confectio
cinae s. Flores cinae conditi, frz. Semences
de cina candö, engl. Condied wormseed).
— Zoll: Wurmsamen ist zollfrei. W. ver-
zuckert: S. Tarif Nr. 202.

Wurmsamenöl (Zitwersamenöl, lat.
Oleum cinae aethereum, frz. Essence de se-
mences de cina, engl. Oil of wormseed), das
im Wurmsamen enthaltene ätherische Öl, kann

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