﻿Zaunröbenwurzel	534	Zellulose

Zusatz von Azeton, Äther, Benzin und Benzol.
Beim Verdunsten des Lösungsmittels bleibt
auf den damit behandelten Gegenständen ein
dünner Überzug von Zelluloid zurück, welcher
die Einwirkung der Luft verhindert. — Zoll:
S. Tarif Nr. 343.

Zaunrübenwurzel (Gichtrübe, lat. Radix
bryoniae s. vitis albae, frz. Racine de bryone
blanche, engl. Bryony root), im getrockneten
Zustande ein Artikel des Drogenhandels,
stammt von Bryonia alba und dioica,
klimmenden Pflanzen aus der Familie der
Cucurbitaceen, von welchen die erstere
häufiger im östlichen, die letztere mehr im
westlichen Deutschland vorkommt. Die
großen rübenartigen Wurzeln, welche sich
meist in Gestalt von Querscheiben im Handel
vorfinden, sind auf der Fläche weißlichgelb,
konzentrisch gewulstet und durch Markstrah-
len radial gestreift. Die weißgelbliche Rinde
zeigt zahlreiche Ringwulste. Die Droge ist
geruchlos, aber von unangenehm bitterem Ge-
schmack. Man benutzt sie als purgierendes
Mittel bei Rheumatismus usw. Der wirksame
Stoff heißt Bryonin. — Zollfrei.

Zedernholz. Das echte Holz der Libanon-
zeder ist längst außer Verkehr gekommen,
und der Baum selbst auf den Gebirgen von
Syrien und Kleinasien zur Seltenheit ge-
worden. Die jetzige Bezeichnung umfaßt
verschiedene, einigermaßen ähnliche, wohl-
riechende und weiche Hölzer, welche meist
in weiße und rote unterschieden werden.
Eines der ersteren, das sog. spanische Z.,
stammt von einem baumartigen Wacholder,
Juniperus oxycedrus, der in den Mittel-
meerländern nicht selten ist, und auch zwei
amerikanische Nadelhölzer, Cupressus thu-
joides und Taxodium distichum, liefern
weißes Z. Das in größeren Massen zu Blei-
stiften verarbeitete rote Z.-Bleistiftholz
(Red cedar) stammt von zwei amerikanischen
Wacholderbäumen, Juniperus virginiana
und bermudiana. Hierzu kommt das braun-
rötliche, wohlriechende Kuba-Z., welches
vorzugsweise Zuckerkistenholz genannt
wird und von einem westindischen Laubbaume,
Cedrela odorata, gewonnen wird. — Aus
den Spänen, welche bei der Bleistiftfabri-
kation in großer Menge abfallen, destilliert
man noch eine große Menge Öl. Eine ge-
ringwertigere Sorte dieses Öls, die nur aus
den leichter siedenden Anteilen von weniger
feinem Geruch besteht, kommt aus den
Trockenkammern der amerikanischen Blei-
stiftfabrikanten. Das Zedernholzöl (Ze-
dernöl, lat. Oleum ligni cedri, frz. Essence
de cödre, engl. Cedar oil) ist ein blaßgelbes,
dickflüssiges ätherisches öl vom spez. Gew.
0,960. Man benutzt es als Zusatz zu Seifen-
parfüm, sowie zur Verfälschung von Zimt-
kassiaöl und Nelkenöl und parfümiert damit
auch die aus inländischen Hölzern gefertigten
und etwas naturfarben gebeizten Zigarren-
kisten. — Zoll: Zedernholz s. Tarif Nr. 78.
615 ff. Zedernholzöl: 30 M.

Zedrobalsam heißt der aus der Zirbel-
kiefer (Arve) gewonnene dünnflüssige Ter-

pentin, der durch den Zusatz karpatischer
näher bezeichnet wird. — Zollfrei.

Zelloidin nennt man die aus Kollodium
dargestellte, ganz reine Nitrozellulose, welche
in Form gelatineartiger Tafeln zum Verkauf
gelangt und in wäßriger Lösung wie Kollo-
dium, vor allem zur Herstellung des in der
Photographie gebrauchten Z.-Papiers benutzt
wird. Vor gewöhnlichem Kollodiumpapier ist
es dadurch ausgezeichnet, daß es aus Jod-
silber kein freies Jod abscheidet. — Zoll:
S. Tarif Nr. 381.

Zelluloid (Zellhorn, Trocadero), eine
aus Nitrozellulose und Kampfer bestehende
Masse, der man je nach Bedarf verschie-
dene weiße oder bunte Farbstoffe zusetzt,
ist sehr hart, fest und dabei elastisch und
nimmt eine sehr schöne Politur an. In
Wasser unlöslich, ist es auch an der Luft
unveränderlich, wird aber bei 125° C so
weich und plastisch, daß es sich in jede
beliebige Form bringen läßt und zur Her-
stellung der verschiedenen Gegenstände,
Armbänder, Broschen, Kämme, Billardbälle,
Manschetten, Halskragen, Schirmgriffe,
Pferdegeschirre usw. benutzt werden kann.
Sehr gut gelungen sind die Imitationen von
Korallen. Zur Fabrikation des Z. löst man
Dinitrozellulose in geschmolzenem Kampfer,
indem man mittels einer hydraulischen Presse
einen starken Druck bei einer durch Dampf
erzeugten Temperatur bis zu 130° C ausübt.
Die frisch aus den Apparaten kommende
Masse ist nach dem Erkalten durchschei-
nend und homartig und wird erst durch
Zusatz verschiedener pulverförmiger Sub-
stanzen undurchsichtig. Die aus Z. gefertigten
Gegenstände haben den Übelstand, daß sie
sich bei Annäherung einer Flamme sehr
leicht entzünden und dann schnell verbrennen,
sowie daß sie einen schwachen Kampfer-
geruch besitzen. Zur Vermeidung des letz-
teren hat man zahlreiche Ersatzstoffe für
Kampfer in Vorschlag gebracht. — Zoll:
Zelluloid und Waren daraus, s. Tarif
Nr. 639/640.

Zellulose (Cellulose, Zellstoff) im che-
mischen Sinne nennt man die Substanz von
der Zusammensetzung der Kohlenhydrate,
speziell der Stärke, welche entweder für
sich allein oder im Gemenge mit anderen
Stoffen die Wandung der Pflanzenzellen bildet.
In reinem Zustande und geringerer Menge
findet sie sich in den jungen, zarten Organen,
reichlicher in älteren, harten Pflanzenteilen,
wie den Stämmen der Bäume, dem Stroh
und den Steinfrüchten. Zur fabrikmäßigen
Darstellung der Z. geht man meist von dem
Holze aus, welches aber mit erheblichen
Mengen Lignin inkrustiert ist und daher
einer chemischen Behandlung unterworfen
werden muß. Nach dem älteren, sog. Na-
tronverfahren, wird das von der Rinde
befreite und in Scheiben geschnittene Holz
in schmiedeeisernen Kesseln bei 6—10 Atm.
Druck 2—3 Stunden lang mit 8 proz. Natron-
lauge gekocht, darauf nach dem Ablassen der
braunen Lauge mit Wasser gewaschen und