﻿Zement

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Zerium

schließlich im Bleichholländer gebleicht. Eine
wesentliche Verbesserung bedeutete das von
A. Mitscherlich u. a. ausgearbeitete Sul-
fit-Zellulose-Verfahren, welches auf der
Behandlung des in Scheiben geschnittenen
Holzes mit einer sauren Kalziumsulfitlösung
beruht. Die erforderliche Sulfitlauge wird von
den Z.-Fabriken selbst durch Einwirkung von
schwefliger Säure auf Kalziumkarbonat und
Wasser in auffallenden, turmartigen Anlagen
hergestellt und dann in die verbleiten Koch-
apparate geleitet, in welchen sich das bereits
vorher gedämpfte Holz befindet. Man erhitzt
bei etwa 3 Atm. Druck längere Zeit (1 bis
2 Tage) auf 108—118° und wäscht dann mit
Wasser aus. Neuerdings hat man auch mit
Erfolg versucht, Z. mit Hilfe der Elektro-
lyse zu gewinnen, indem man das Holz in
Kochsalzlösung bringt und den elektrischen
Strom hindurchleitet. — Neben dem Holz
hat nur noch das Espartogras eine gewisse
Bedeutung für die Z.-Fabrikation, für welche
es meist mit einem Gemisch von Magnesia
und wäßriger schwefliger Säure unter Druck
gekocht wird. — Die reine Z. zeigt unter
dem Mikroskope noch die pflanzliche Struktur
und im polarisierten Lichte Doppelbrechung.
Sie löst sich nur in konz. Säuren und Chlor-
zinklösung, worauf die Herstellung von künst-
lichem Pergamentpapier (s. d.) beruht, und
besonders leicht in Schweizers Reagens
(Kupferoxydammoniak). Aus der letzteren Lö-
sung wird sie durch Wasser, Säuren und Salze
in strukturloser Form ausgefällt. Z. bildet
das wichtigste Material zur Herstellung billi-
gerer Papiere. — Zoll: S. Tarif Nr. 650.

Zement. Unter dem Namen Z. versteht
man teils Wassermörtel überhaupt, teils
Stoffe, welche als Zuschläge dem gewöhn-
lichen Luftmörtel die Eigenschaft verleihen,
unter Wasser steinartig zu erhärten. Wenn
ein Kalk wenigstens 8°/o Ton enthalt, also
zur Klasse der Mergelkalke gehört, so verhält
er sich beim Brennen und Löschen anders,
als gewöhnlicher Kalkstein. Er bildet eine
erdig-graue Masse, die sich mit Wasser wenig
oder gar nicht erhitzt, und wird als hydrau-
lischer Kalk bezeichnet. Am besten sind
hydraulische Kalke mit einem Tongehalte von
20—30°/o. Als vorzügliche Zuschläge,
welche gewöhnlichen Kalk in hydraulischen
verwandeln, werden seit langer Zeit verschie-
dene Tonerdesilikate benutzt, welche vulkani-
schen Ursprungs und daher von Natur bereits
aufgeschlossen sind. Die wichtigsten dieser,
auch natürliche Z. genannten, Mineralien
sind die römische Puzzolanerde, der neapo-
litanische Pausilippotuff, die Santorin-
erde und der rheinische Tr aß. Zu den
künstlichen, durch einen Brennprozeß erhal-
tenen Z., gehören in erster Linie die hydrau-
lischen Kalke und der Roman-Z. Zu ihrer
Darstellung werden natürliche tonhaltige
Kalke, wie sie sich z. B. am Themseufer
finden, bis zur Austreibung der Kohlensäure,
aber nicht bis zur Sinterung gebrannt,
so daß sie noch freien Kalk enthalten. Die
gebrannte Masse wird beim Roman-Z. ge-

mahlen und als ein bräunliches Pulver in
den Verkehr gebracht, während sie bei den
übrigen hydraulischen Kalken durch bloße
Behandlung mit Wasser zerfällt. Der wich-
tigste Z., der englische Portland-Z., der
übrigens zurzeit auch in gleicher Güte von
deutschen Fabriken hergestellt wird, unter-
scheidet sich von den vorstehenden dadurch,
daß man natürliche oder künstliche Gemische
von Ton, Kalkstein oder Kreide bis zur
Sinterung erhitzt. Gewöhnlich wird das ge-
schlämmte Gemisch zu Ziegeln geformt, letz-
tere getrocknet und bis zur anfangenden
hellen Weißglut gebrannt. Bei zu schwacher
Hitze ist das Tonsilikat nicht genügend
aufgeschlossen, bei Überhitzung hingegen teil-
weise geschmolzen (totgebrannt). Die Steine,
welche noch porös sein müssen, werden fein
gemahlen und geben dann ein grünlichgraues
Pulver, welches beim Übergießen mit Salz-
säure gallertartige Kieselsäure abscheidet.
Außer den bereits genannten Stoffen ver-
wendet man zur Fabrikation des Portland-Z.
eine Reihe von Zuschlägen, welche teils vor,
teils nach dem Brennen hinzugesetzt werden,
wie Diabas, Eisenerz, Ziegelmehl und mit be-
sonders gutem Erfolge Hochofenschlacke. —■
Der Z. dient zu Wasserbauten, zum Ausklei-
den von Bassins, zur Herstellung von Trögen,
Röhren, Ornamenten und Fußbodenplatten.
Seine Verwendung beruht darauf, daß sich
der Kalk mit dem durch das Brennen auf-
geschlossenen Tone unter der Einwirkung
des Wassers zu einem unlöslichen Kalkton-
erdedoppelsilikat vereinigt. Nach der Dauer
des Festwerdens unterscheidet man den ge-
wöhnlichen, langsam bindenden, welcher
etwa 1/2 Stunde gebraucht, und schnell bin-
denden. Z. muß bis zum völligen Abbinden
unter Wasser bleiben. Der Versand erfolgt in
möglichst dichten Fässern, da er an feuchter
Luft rasch verdirbt. — Zollfrei.

Zephyrgarne nennt man die vielfädigen,
locker gezwirnten, weichen Kammgarne,
welche, in allen gangbaren Farben gefärbt,
zur Wollstickerei (Tapisserie) häufige Ver-
wendung finden. Die sächsischen Kammgarn-
spinnereien liefern größtenteils das Garn, das
hauptsächlich in Berlin, Leipzig, Hamburg,
Altona und anderen Orten gefärbt wird. —
Zoll: S. Tarif Nr. 413 ff.

Zerate (von Cera, Wachs) ist die pharma-
zeutische Bezeichnung für Wachspflaster oder
Wachspomaden. Sie werden durch Zusam-
menschmelzen von Wachs, Fetten, Ölen und
Harzen in solcher Konsistenz erhalten, daß
sie bei gewöhnlicher Temperatur starr sind,
aber schon durch die Handwärme salben-
ähnlich erweichen. — Zoll: als Arzneiware
zubereitete: 40 M., als kosmetische Mittel:
S. Tarif Nr. 356 und 358.

Zeresin. Diesen Namen führt im Handel
der gereinigte Ozokerit, s. Erdwachs. —
Zoll: S. Tarif Nr. 249.

Zerium, ein vierwertiges metallisches Ele-
ment vom Atomgewicht 139—139,5, welches
sich in verschiedenen seltenen Mineralien,
dem Zerit, Gadolinit, Orthit und vor