﻿Zibeben

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Zichorie

allem im Monazit vorfindet. Von den Ver-
bindungen des Z., welche meist als Neben-
produkte bei der Gewinnung des Thoriums
aus Monazitsand erlangt werden, besitzen das
Oxalat, das Nitrat und Sulfat gewisse Bedeu-
tung. Zerooxalat wird bisweilen bei Ma-
gen- und Darmkatarrh angewandt, Zero ni-
trat findet sich in Menge von 1 °/o in der zum
Imprägnieren von Glühstrümpfen (s. d.) be-
nutzten Thoriumsalzlösung, und Zerosulfat
ist als Bestandteil photographischer Blitz-
lichtpulver aufgefunden worden. — Zollfrei.

Zibeben nennt man eine besondere Sorte
von großen Rosinen, die jedoch nicht von
dem gewöhnlichen Weinstocke, sondern
von Vitis Rumphii abstammen und sich
durch ihre länglich ovale Form von den ge-
wöhnlichen Rosinen unterscheiden. Vergl.
ferner Rosinen. — Zoll: S. Tarif Nr. 52/3.

Zibet (lat. Zibethum, frz. Civette, engl.
Civet) ist eine salbenartige, gelbliche oder
bräunliche Fettsubstanz von starkem, mo-
schusartigen Gerüche, welche bei zwei Arten
von Zibetkatzen in einem besonderen Beu-
tel unter dem After erzeugt und von den
wildlebenden Tieren zeitweilig ausgeworfen
wird. Die afrikanische (Viverra Ci-
vetta) und die asiatische (V. Zibetha)
Zibetkatze haben durch ihren Körperbau,
eine streifige Zeichnung und besonders durch
einen dick behaarten, langen Schwanz eine
gewisse Ähnlichkeit mit wilden Katzen, nur
ist der Kopf ganz anders, und die vorge-
streckte Schnauze gleicht fast der eines Wind-
hundes. Die Z. gehören zu einer besonderen
Familie nächtlich schleichender Raubtiere
und schlafen bei Tage. Die afrikanische Art
soll hauptsächlich im Westen, in Ober- und
Nieder-Guinea heimisch sein und wird schon
seit alten Zeiten in Abessinien, Nubien, Ägyp-
ten und in der Euphratebene in Gefangen-
schaft gehalten. In gleicher Weise wird die
asiatische Art aus Ostindien als Haustier
gehalten und mit Fleisch, namentlich Ge-
flügel gefüttert. Das asiatische Z. gilt für
feiner als das afrikanische. Am feinsten soll
das von den Molukken sein. Die Handels-
ware wird nur von gefangenen Tieren durch
wöchentliches Ausdrücken der Beutel ge-
wonnen und in Zinn- oder Blechbüchsen,
afrikanisches auch in Büffelhörnern versandt.
Verwendung findet Zibet in der Parfümerie,
sowie als Köder zum Fischfang und zum
Fangen von Raubzeug, früher war es ein auch
medizinisch beliebtes Mittel. — Zollfrei.

Zichorie (Cichorie, wilde Z., gemeine
Wegwarte, Feldz., Handleuchte, Hin-
dei, Hindlüfte, H indsläuf er, Schwei ne-
brunst, Sonnenbrand, Sonnenwende,
Sonnenwirbel, Wartekraut, Wasser-
wart, Wegweiß, Wegläufer, Weglug,
Weglungen, Wegwurz, Wendel, frz. Chi-
coröe amere, commune, sauvage, engl. Inty-
bus chicory, Wild chicory und Succory). Die

Z., Cichorium Intybus L., ist eine aus-
dauernde, zu den Kompositen gehörige
Pflanze, welche in ganz Europa häufig an
Wegen und Rainen wild wächst, aber auch

vielfach als Futterpflanze und wegen der
Wurzeln angebaut wird. Die unteren Blätter
des sperrigästigen Krautes sind gestielt und
fiederspaltig, die oberen lanzettlich und
sitzend, die Blütenköpfe, welche sich erst im
zweiten Jahre entwickeln, traubig und die
Blumenkrone blau, selten rötlich oder weiß.
Die Wurzel der wildwachsenden Pflanze
ist zylindrisch, einfach, 15—30 cm lang, 6 bis
8 mm stark, außen braun und der Länge nach
runzlig. Die 1 Imm dicke, weiße, schwammige
Rinde ist strahlenförmig von dunkleren Strei-
fen durchzogen, welche die charakteristischen
Milchsaftschläuche enthalten. Außer die-
sen finden sich in der Rinde noch Siebröhren.
Die Gefäße des Holzes bestehen aus kurzen,
quergetüpfelten Gliedern. Die Wurzel der
kultivierten Pflanze ist sehr fleischig, 5 cm
dick, bis 70 cm lang und treibt gegen die
Spitze einfache, gerade, 7—14 mm dicke Äste,
welche schmutzig weiß und quergestreift sind.
Die Rinde ist 6—10 mm dick. Beide Wurzel-
arten milchen, wenn man sie im frischen
Zustande anschneidet, schmecken bitter und
enthalten keine Stärke, sondern Inulin. In Eng-
land dient die Z. als Weidepflanze für Mast-
hammel, in Griechenland ißt man die Blätter
als Gemüse oder als Salat. Als Viehfutter
ist die Z. besonders gegen Hautkrankheiten
diätetisch wirksam, darf aber den Kühen nur
in kleinen Gaben gegeben werden, da sie der
Milch und der Butter einen bitteren Ge-
schmack verleiht. In großem Maßstabe wird
die Wurzel als Kaffeesurrogat (Zichorien-
kaffee) verwendet. — Der Zichorienkaffee
(Cichorienkaffee, deutscher Kaffee, frz. Caf6
de chicoröe, Chicoröe en grains, Mignonette,
engl. Chicory powder, Succory powder) ist
das älteste im großen dargestellte Kaffee-
surrogat, welches hauptsächlich zur Zeit der
Kontinentalsperre aufkam. Früher war die
Fabrikation des Z. Geheimnis der Holländer,
jetzt hat sich besonders in Deutschland und
Frankreich, eine schwunghafte Industrie dar-
aus entwickelt. Obschon in neuerer Zeit der
Zichorie von anderen Surrogaten große Kon-
kurrenz gemacht worden ist, steht sie doch
noch an der Spitze der Kaffeesurogate und
wird in so ausgedehntem Maße verwendet,
daß der Bedarf durch die wild wachsende
Pflanze nicht gedeckt werden kann. Infolge-
dessen wird die Wurzel vielfach angebaut.
Der Anbau in Deutschland wird am aus-
gebreitetsten in der Gegend von Magdeburg
betrieben; auch bei Braunschweig, Heringen,
Hannover, am Rhein, in Baden, in Württem-
berg und in Schlesien findet man Zichorien-
kulturen. Die Zichorie verlangt Lehm- oder
leichten, aber kalkhaltigen Ton- und Ton-
mergelboden und reichliche Düngung. Zur
Herstellung des Zichorienkaffees werden die
Wurzeln in Scheiben oder kleine viereckige
Stückchen zerschnitten und hierauf im Darr-
ofen getrocknet. Das Rösten geschieht ge-
wöhnlich unter Zusatz von 1—2°/o Fett in
großen, den Kaffeetrommeln ähnlichen Blech-
zylindern. Die geröstete Wurzel muß sofort,
bevor sie durch Anziehen von Feuchtigkeit