﻿Ziegel

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Zimt

zähe geworden ist, gemahlen werden. Das
Pulver wird dann in Fässer oder in die be-
kannten kleinen zylinderförmigen Papierpa-
kete verpackt. Diese setzt man in Keller-
räumen mehrere Wochen der Einwirkung
feuchter Luft aus, worauf der Inhalt eine
dunkelschwarzbraune, zähe, bröcklige, zuwei-
len auch etwas schmierige Masse bildet. In
dieser Form gelangt der Z. zum Verkauf.
Der durch kochendes Wasser erhaltene Auf-
guß ist gewöhnlich etwas trübe, schmeckt
bitterlich süß und besitzt eine stark dunkel-
braune Farbe. Den Z. benutzt man entweder
allein zur Herstellung eines Getränkes, oder
aber als Zusatz zu Bohnenkaffee, dessen Ge-
schmack und Aroma er weniger verändert, als
andere Surrogate, z. B. Rüben, Eicheln usw.
Trotz seiner Billigkeit wird der Z. doch häufig
verfälscht, hauptsächlich mit anderen geröste-
ten Wurzeln, wie Möhren, Löwenzahn, Zucker-
rüben. Letztere bilden als Rübenschnitzel der
Zuckerfabriken das häufigste Verfälschungs-
mittel und können mikroskopisch nachge-
wiesen werden. Erdige Beimischungen, Sand
usw. lassen sich durch die Aschenbestimmung
erkennen. Guter Z. hat 6—7°/o Asche. Be-
sondere gesetzliche Bestimmungen über Z.
bestehen zurzeit in Deutschland und Öster-
reich noch nicht, während in Belgien folgende
Normen für die Z. festgelegt sind: Zichorie
darf, bei 100° getrocknet, nicht mehr als
15% an Gewicht verlieren, ferner in pulver-
förmigem Zustande nicht mehr als 10%, im
gekörnten Zustand nicht mehr als 8% Asche
hinterlassen und höchstens 2% Fett- oder
Zuckerzusatz erhalten haben. — Zoll: Zichorien-
wurzel: S. Tarif Nr. 26. 33. 62. Zichorien-
samen: S. Tarif Nr. 21.

Ziegel (Backsteine, Mauersteine), die
einfachsten Tonwaren, werden aus dem häufig
vorkommenden Lehm, der bereits die zweck-
mäßigste Mischung von Ton, Sand, Eisen-
oxyd und mitunter auch Kalk enthält, dar-
gestellt. Lehmsorten, welche nicht mager,
sondern durch hohen Tongehalt zu fett sind,
erhalten einen Zusatz von Sand, um das
Verziehen beim Brennen zu verhindern. Der
gegrabene Lehm bleibt eine Zeitlang, am
besten einen Winter hindurch, im Freien
liegen, wodurch er bildsamer wird, und wird
dann eingesumpft und durch Treten mit den
Füßen von Steinen und Kalknieren befreit.
Der Ersatz dieser primitiven Methode durch
Maschinenarbeit (sog. Tonscheider) be-
deutet eine wesentliche Vereinfachung, liefert
aber ein unreineres Material. Der Lehm wird
dann mit der Hand oder ebenfalls mit Ma-
schinen zu Ziegeln geformt, letztere werden
lufttrocken gemacht und in Ringöfen ge-
brannt. Sie sind dann porös und wasserdurch-
lässig, haften an der Zunge und besitzen erdi-
gen Bruch. Auch lassen sie die Luft passieren.
Die mehr oder weniger rote Farbe rührt von
einem Gehalte an Eisenoxyd her. Bei zu
hoher Temperatur des Brennofens schmelzen
die Z. oberflächlich und erhalten eine glatte,
glasartige Haut von grüner, gelber oder brau-
ner Farbe. Derartige sog. Klinker oder

Glasköpfe saugen kein Wasser ein und sind
für gewöhnliche Bauten unbrauchbar, weil
sie den Mörtel nicht binden. Sie können aber
zu Wasserbauten benutzt werden. Zur Her-
stellung von Dachziegeln muß der Ton
besonders sorgfältig vorbereitet werden. Ver-
blendsteine nennt man eine gewisse Sorte
gut gearbeiteter Ziegel mit glatter Oberfläche,
welche zu Rohbau ohne Abputz verwendet
werden. Außerdem werden glasierte Z. her-
gestellt. Zu Isolierungszwecken stellt
man auch Ziegel unter Verwendung von
Korkabfällen her. — Zur Ermittelung des
Gebrauchswerts der Z. bestimmt man ihre
Druckfestigkeit, ihr spez. Gew., die Porosität,
Frostbeständigkeit und das Wasseraufsau-
gungsvermögen. Außerdem prüft man die
Steine auf das Vorhandensein wasserlöslicher
Salze, sowie von Kalziumkarbonat, Gips und
Schwefelkies. — Zoll: Nicht glasierte Z. zoll-
frei, glasierte s. Tarif Nr. 636. 699. 713/715.
717/8. 751.

Zimt (Zimmt, Zimtkassia, Zimtrinde,
Kaneel, lat. Cinnamomum, frz. Cannelle,
engl. Cinnamom) ist ein wichtiges Gewürz,
welches auch medizinische Bedeutung besitzt.
Es besteht aus den Z.-Rinden verschiedener,
in den Tropen wachsender Bäume, welche
alle der Familie der Lorbeergewächse
oder Laurineen entstammen und besonders
der Gattung Cinnamomum angehören. Die
Zimtbäume haben aromatische, immergrüne
Blätter, Rispenblüten und einsamige, vom Peri-
gon becherförmig umhüllte Früchte. Die beiden,
wichtigsten Zimtsorten sind der chinesische
und der Ceylonzimt. — Der chinesische
Z., Zimtkassia (lat. Cortex cinnamomi chi-
nensis, cinnamomi cassiae, Cassia lignea, frz.
Casse de chine, Cannelle de Chine, engl.
Cassia bark) stammt von Cinnamomum
Cassia (Nees) Blume. Der Baum ist im
südlichen China und in Kotschinchina hei-
misch und wird in den chinesischen Pro-
vinzen Kwangsi und Kwangtung, sowie auch
in Kotschinchina und auf Ceylon, den Sunda-
inseln und an der Küste von Malabar kulti-
viert. Er hat ganzrandige, unterseits weich-
haarige, dreinervige Blätter und gelblichweiße
Blütenstände. Man läßt die Bäumchen sechs
Jahre alt werden und schält die Rinde von
den etwa 2 cm dicken Zweigen im März,
April und Mai, indem man die Blätter und
kleineren Zweige entfernt, zwei Längsschnitte
macht, hierauf in 45—50 cm Entfernung
Querschnitte anbringt und schließlich die
Rinde mit einem Hornmesser ablöst. Die
noch frischen Rindenstreifen werden von dem
Korke oberflächlich durch Abkratzen befreit
und nach dem Trocknen in Bündel zusammen-
gebunden. In das Innere derselben wird her-
kömmlicherweise der beim Schälen erhaltene
Abfall, die sog. Chips, verteilt. Der chine-
sische Z. bildet einseitig gerollte Röhren oder
Halbröhren von 50 cm Länge, 0,5—3 cm
Durchmesser und 1—3 mm Dicke. Die Stücke
enthalten teilweise noch Korkreste, sind rot-
braun und haben korkartig glatten Bruch.

1 Der Geschmack ist gewürzhaft, zugleich aber