﻿Zimt

538

Zimt

etwas adstringierend und schleimig. Auf dem
Querschnitt zeigt die Rinde unter dem Mikro-
skop flache Korkzellen, die Mittelrinde große
Schleimzellen und schwach verdickte Stein-
zellen, welche keinen geschlossenen
Sklerenchymring bilden, sowie spindel-
förmige Bastfasern. Das Parenchym der
Mittel- und Innenrinde, in dem zahlreiche
Zellen zu öl- bzw. Schleimzellen umgewandelt
sind, enthält meist reichlich Stärke und auch
Oxalatnadeln. Die Innenrinde weist neben
Bastfasern auch langgestreckte Steinzellen
auf. Der wichtigste Bestandteil der Zimt-
rinde ist das ätherische öl (s. d.), welches
zu ungefähr 2°/o darin enthalten ist. Der
chinesische Zimt ist die offizinelle Sorte. Er
kommt als fein, mittel, ordinär, kurz und
lang in Rohrmatten oder Kisten in den Han-
del, oder als Cassia vera in Bruchstücken
starker Äste mit viel Kork und dunklem Bast.
— Der Ceylonzimt, echter Z. oder Kaneel
(lat. Cortex cinnamomi ceylanici, cinnamomi
acuti, frz. Canelle fine, engl. Ceylon cinnamom)
von Cinnamomum ceylanicum Breyne,
bzw. Laurus cinnamomum L., ist auf
Ceylon heimisch und wird daselbst, sowie
fast überall in den Tropen kultiviert. Der
beste Ceylonzimt gedeiht um Kolombo, Ne-
gumbo und Matura auf etwa 14 Meilen Fläche
im sandigen Tonboden mit viel Humus. Der
kleine Baum, welcher in der Kultur strauchig
gehalten wird, hat ganzrandige, in der Jugend
rote, später grüne, 3—7nervige, lederartige
Blätter und weiße Blütenstände, welche un-
angenehm riechen. Im Mai und Juni, sowie
im November und Dezember wird die Rinde
von den lt/s—2 Jahr alten, buschartig ent-
wickelten Wurzelschößlingen gesammelt, indem
man diese entlaubt, mit kreisförmigen, bis

1	m entfernten Einschnitten versieht, die
Rinde der Länge nach aufschlitzt und in
einem Stück abzieht. Darm schabt man
die äußeren, bitterlich zusammenziehend
schmeckenden Partien sorgfältig ab, steckt
8—10 Röhren ineinander, schneidet sie zu
Stücken von bestimmter Länge und trocknet
sie im Schatten. Die sich dann leicht rollen-
den Rindenstücke packt man in Bündel (Far-
delen) zu 10—15 kg Gewicht und diese
zum Versand zu dreien zu einem Ballen, wel-
cher mit Kongotuch, Fellen oder doppelter
Leinwand umpackt wird. Die Rindenabfälle
werden teils in die Bündel gesteckt, teils
bilden sie als „Bruch“ oder „Chips“ einen
besonderen Handelsartikel. Der Ceylonzimt
stellt zweiseitig gerollte Röhren dar, welche
zu 8—10 ineinandergesteckt sind und bis

2	cm Durchmesser haben. Die Dicke der
Stücke beträgt gegen 0,5 mm. Die Rinde ist
außen glatt, gelblichbraun, längsstreifig,
innen etwas dunkler und besitzt kurzfase-
rigen Bruch. Der Geschmack ist sehr ge-
würzhaft, nicht adstringierend und nicht
schleimig. Der anatomische Bau gleicht dem
des chinesischen Zimts, doch fehlen stets
der Kork und die Mittelrinde. Nach außen
ist die Rinde durch einen geschlossenen
Sklerenchymring begrenzt. Auf der Oberseite

zeigt sie zarte Längsstreifung, die Unter-
fläche ist dunkelbraun und feinwarzig. Auf
dem faserigen Bruche erkennt man zahlreiche
weiße Bastbündel. Der Z. von Ceylon (Plan-
tagen-Kaneel) bildet die feinste Handels-
sorte. Der in botanischer Hinsicht zu ihm
gehörende Java-Z. ist wenig aromatisch und
etwas dunkler, aber sonst kaum von ihm zu
unterscheiden. Er gilt als zweite Qualität
und wird besonders nach Holland versandt.
— Die Culilawanrinde (Culilawanzimt)
von Cinnamomum Culilawan wird auf
den Molukken kultiviert. — Der Malabar-
zimt, Holzzimt, Holzkassia (lat. Cassia
lignea) stammt teils aus ostindischen Varie-
täten des Ceylonzimtes, teils von dem nach
den Philippinen und den Sundainseln ver-
pflanzten chinesischen Zimtbaum und stellt
die geringste Sorte Z. dar. Er besteht, da
er auch von älteren Stämmen und Zweigen
gewonnen wird, gewöhnlich aus stärkeren
Röhren und bräunlichen, plattenförmigen
Stücken von ebenem Querbruch. Der Geruch
ist schwach zimtartig, der Geschmack schlei-
mig. M. wird in Kisten bis zu 30 kg in 1/2 kg
Bündeln verpackt. Die verwandten Sorten:
Tellicherry-, Cayenne- und Brasil-Z.
kommen nur selten in dendeutschenHandel.—
Der Nelkenzimt (Nelkenrinde, Nelken-
kassia, schwarzer Z. (lat. Cassia caryophyl-
lata, frz. Canelle giroflöe, Canelle de Brasil,
engl. Clove bark, Clove cinnamom) ist die
Rinde einer brasilianischen Lauracee,
Dicypellium cary ophy llatum Nees,
und kommt in 60 cm langen, 3 cm dicken,
übereinandergerollten Röhren in den Handel.
Die Rinde ist bis 2 mm dick, dunkelrotbraun,
an der Außenseite schilferig oder mit schwarz-
braunen Blättchen bedeckt, an der Innenseite
fein längsstreifig. Sie riecht und schmeckt
nach Nelken und Zimt, diente früher als Ge-
würz und zu Parfümerien, wird aber jetzt nur
noch selten gebraucht. — Der weiße Z.
(weißer Kaneel, weiße Kaneelrinde,
falsche Winterrinde, lat. Cortex canellae
albae, frz. Canelle blanche, engl. White canelle)
stammt von einem auf den Antillen einheimi-
schen Baum oder Strauch, Canella alba M.,
dessen Äste die von der Borke befreite Rinde
liefern. Sie findet sich in Röhren oder rinnen-
förmigen Stücken von 2—4 mm Dicke, ist
außen blaßrötlich, uneben, stellenweise mit
einem hellbräunlichen Kork bedeckt und
innen gelblichweiß. Der weiße Z. hat einen
aromatischen, zimtähnlichen Geruch und bit-
terlichen, scharf aromatischen Geschmack;
in Amerika wird er als Küchengewurz be-
nutzt, medizinisch findet er nur noch selten
Anwendung. — Der Zimt ist schon seit vielen
Jahrhunderten Handelsobjekt. Von 1340 an
wurde er aus Ceylon bekannt und zuerst von
den Portugiesen, dann von den Holländern
und zuletzt von den Engländern, monopo-
listisch, in den Handel gebracht. Die Hol-
länder verbrannten zeitweise den Überfluß,
um die Preise hochzuhalten, die Engländer
erschwerten die Ausfuhr durch hohen Zoll,
bis 1833 das Monopol und von 1853 ab der