﻿Zimt

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Zimtöl

Zoll aufhörte. Jetzt wird in Ceylon der Anbau
des Z. durch Kaffeeplantagen mehr und mehr
verdrängt, da man auch anderwärts viel Z.
gewinnt. Die Bezugsorte für Z. sind London,
Hamburg und Bremen. Der Import von Cassia
lignea in Hamburg betrug 1906 ungefähr
13500 Kisten. Der Hamburger Marktpreis
war 44 M. pro 50 kg. Für Ceylon-Z. verliert
der Londoner Markt mit seinen Qualitäts-
auktionen immer mehr an Bedeutung, und
der Verkehr verschiebt sich zugunsten Ham-
burgs, das 1905 annähernd 7700 Ballen im-
portierte, während London nur gegen 3050
Ballen Zufuhr aufwies. Deutschland ist in
Ceylon der größte Abnehmer; ein Drittel des
Gesamtexports geht nach deutschen Häfen.
Im Jahre 1902 wurden von Ceylon ca. 2,5
Millionen englische Pfund ausgeführt. —
Verfälschungen des unzerkleinerten Z. sind
selten, häufig hingegen solche des käuflichen
Zimtpulvers. Dieses wird im großen am häu-
figsten mit Rinden fremder Lauraceen, mit
destillierter Rinde, Matta oder Chips, im
Kleinhandel mit Mehl, Ölkuchen, Mandelkleie,
Sand, Bolus oder Ocker verfälscht. Der Zu-
satz von minderwertigen Zimtrinden ist schwer
nachweisbar, am besten noch durch den Ge-
ruch und Geschmack. Fremde Rinden lassen
sich mit Hilfe des Mikroskopes gewöhnlich
unschwer erkennen, da die Zimtrinde be-
sonders charakteristische Gewebeteile besitzt.
Chips, Zimtrindenabfall, der Holzbestandteile
enthält, verrät sich durch große getüpfelte
Gefäße, mit rundlichen bzw. ovalen Tüpfeln
oder mit Hoftüpfeln. Auch Sandelholz und
Zigarrenkistenholz lassen sich leicht mittels
des Mikroskopes an den getüpfelten Gefäßen
erkennen. Zimtmatta, aus gemahlener Hirse-
kleie und einem mineralischen Farbstoff, ist
an den gezacktrandigen Oberhautzellen auf-
zufinden. Ebenso ist der Nachweis von
Mandelkleie, Mehl und Ölkuchenmehl mittels
des Mikroskopes leicht zu führen, weil Zimt
charakteristische Stärkekömer besitzt, die nur
schwer mit anderen Stärkekörnem verwech-
selt werden können. Ist zur Herstellung von
Zimtpulver destillierte (extrahierte) Rinde ver-
wendet worden, so sind die Stärkekömehen
teilweise verkleistert. Außerdem gibt die Öl-
bestimmung weiteren Aufschluß. Für den
Laien bietet auch die Färbung des Wassers
beim Kochen mit Z. (destillierter Z. färbt
dieses nicht) und das Gefühl der Trockenheit
(destillierter Z. fühlt sich feucht an) einen ge-
wissen Anhalt, ob destillierter Z. vorliegt.
Mineralische Stoffe erkennt man bei der
Aschenbestimmung. Nach den „Vereinbarun-
gen“ der deutschen Nahrungsmittelchemiker
muß guter, marktfähiger Z. mindestens 1%
ätherisches Öl besitzen. Der höchste zulässige
Aschengehalt lufttrockener Ware ist 5% und
für den in XOproz. Salzsäure unlöslichen Teil
der Asche 2%. Zusätze von wilden Zimt-
rinden, sowie von sehr schleimreichen und
kaum nach Z. schmeckenden Kultur-Rinden
sind unstatthaft. Aus Zimtbruch hergestelltes
Zimtpulver muß als solches deklariert sein.
Grenzzahlen für dieses sind: Asche höchstens

7°/o, in lOproz. Salzsäure unlöslicher Teil der
Asche 3,5°/o. — Die Verwendung des Z.
ist außerordentlich mannigfaltig. In großen
Mengen wird er zu Schokoladen und Likören,
ferner in der Küche, in Konditoreien, zu
Parfümerien und zur Destillation von Zimtöl
benutzt. Pharmazeutisch findet er als die
Eßlust und Verdauung anregendes Mittel, in
Form der offiz. Zimttinktur, als geschmack-
verbessernder Zusatz zu Eisenpräparaten und
zum Bestreuen von Pillen Anwendung. —
Zoll: S. Tarif Nr. 67.

Zimtbliiten (Zimtnägelein, lat. Flores
cassiae, Clavelli cinnamomi, frz. Clous de
cassia, engl. Cassia buds) sind die nach dem
Verblühen gesammelten und getrockneten
Blüten einer Cinnamomumart (Cinnamo-
mum cassia Bl.). Sie haben eine keulen-
förmige Gestalt, sind %—IV2 cm lang, zum
Teil gestielt, schwarzbraun, runzlig und hart.
Jedes Stück besteht aus dem becherförmigen
Unterteil des Kelches, welcher nach unten
zu stielartig verschmälert ist und nach oben
in den sechsteiligen Saum ausläuft, der den
Fruchtknoten einhüllt. Die Z. schmecken und
riechen nach Zimt und enthalten 1,5—2%
ätherisches Öl. Sie kommen aus China in
Kisten von 30 kg über London und Hamburg
in den Handel. Die Zufuhren in Hamburg
umfaßten 1906 ungefähr 1500 Kisten. Die
Z. finden als Küchengewürz eine untergeord-
nete Verwendung, in der Heilkunde werden
sie kaum noch benutzt. — Zoll: S. Tarif
Nr. 67.

Zimtöl. Man unterscheidet drei Sorten
von Z., das chinesische Z., das Ceylon-Z.
und das Zimtblätteröl. 1. Das offizinelle
Öl des D. A. B. ist das chinesische Z. (Kas-
siaöl, Zimtblütenöl, gewöhnliches Z.,
lat. Oleum cinnamomi, Oleum cassiae, frz.
Essence de cassia, engl. Cassia oil), welches
im südlichen China aus den Blättern und
Rindenabfällen des chinesischen Zimt-
strauches, Cinnamomum cassia Bl.,
durch Destillation mit Wasserdämpfen ge-
wonnen wird und in bleiernen Kanistern von
7,5 kg Inhalt von Hongkong und Kanton aus
in den Handel kommt. Es bildet eine gelbe
oder bräunliche Flüssigkeit von angenehmem
Zimtgeruch und anfangs süßem, hinterher
brennendem Geschmack. Das spez. Gew.
schwankt zwischen 1,055—1,070. In Alkohol
und Äther ist das Z. leicht löslich. Der Haupt-
bestandteil des chinesischen Z. ist der Zimt-
aldehyd (75 °/o); außerdem finden sich noch
Essigsäurezimtester und etwas freie Zimtsäure.
Verfälschungen kommen häufig vor, nament-
lich mit fetten Ölen, Zedernöl, Kolophonium
und Mineralölen. Zedernöl und fette Öle er-
kennt man an der Erniedrigung des spez.
Gew. und der Unlöslichkeit in 80proz. Al-
kohol. Mit Kolophonium versetztes Öl ist
dunkel gefärbt und dickflüssig. Auch hinter-
läßt es beim Verdunsten auf dem Wasser-
bade mehr als 10% Rückstand, welcher
hart und spröde wird. Nelkenölhaltiges Z.
wird durch eine grüne oder blaue Färbung
angezeigt, welche eine Lösung von 4 Tropfen