﻿Zinnverbindungen

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Zirbelnüsse

zinnen von Kupfer, Eisen und Blei (Weiß-
blech, Stecknadeln), zum Löten, in Form von
Stanniol (Zinnfolie) zum Umhüllen von
Schnupf- und Kautabak und Nahrungsmitteln
(Schokolade), zum Belegen von Spiegeln und
zur Herstellung von Salzen und Legierungen
(s. Bronze, Letternmetall). Ein Urteil über
die Menge des im Jahre 1902 verbrauchten
Zinns gewähren folgende Zahlen: Ausfuhr
aus Hinterindien 52 000 t, aus Australien
3500 t, von Banka 15 000 t, Billiton 3900 t,
aus Bolivia 9000 t, Produktion Englands
4500 t. — Zoll: Zinn und Zinnlegierungen,
sowie Waren daraus: S. Tarif Nr. 860/3.
Siehe auch Unterabschnitt 17 H.

Zinnverbindungen. Das Zinn bildet zwei
Reihen von Verbindungen: Oxydul- oderStan-
noverbindungen und Oxyd- oder Stanniverbin-
dungen (Zinnsäure-Verbindungen). — Zinn-
chlorid (Zinntetrachlorid, früher zwei-
fach Chlorzinn genannt, lat. Stannum
bichloratum, frz. Deutochlorure d’ötain, engl.
Perchloride of tin) wird durch Auflösen von
Zinn in heißem Königswasser oder durch
Einleiten von Chlor in eine Zinnchlorürlösung
in Form weißer Kristalle mit 5 Molekülen
Kristallwasser erhalten, aber meist in wäß-
riger Lösung in den Handel gebracht. Wasser-
freies Z. wird fabrikmäßig durch Erhitzen
von trockenem Zinnchlorür oder von metal-
lischem Zinn im Chlorstrome und nachfol-
gende Destillation dargestellt. Es bildet eine
farblose, an der Luft rauchende Flüssigkeit,
welche bei 114° siedet und beim Vermischen
mit der dreifachen Menge Wasser das oben
erwähnte wasserhaltige kristallisierte Salz, die
sog. Zinnbutter, Butyrum Stanni liefert.
Das Z. findet Anwendung in der Färberei als
Beize und als Avivierungsmittel, ferner zum
Beschweren von Seide und zur Darstellung
von Florentinerlack, Karmin- und anderen
Farblacken. — Durch Fällung von Z. mit
Ammoniumchlorid oder Natriumchlorid erhält
man neutral reagierende Doppelsalze, das
Ammonium-Z. (Pinksalz) und das Na-
trium-Z. (krist. Chlorzinn), welche als Bei-
zen in der Färberei Anwendung finden. —
Zinnchlorür (Zinndichlorid, Einfach
Chlorzinn, lat. Stannum chloratum seu mu-
riaticum, frz. Protochlorure d'etain, engl. Tin-
salt) entsteht beim Erwärmen von feinen
Zinndrehspänen mit 25 proz. Salzsäure und
Eindampfen bis zur Kristallisation in Gestalt
farbloser, meist etwas feuchter Kristalle,
welche 2 Moleküle Kristallwasser enthalten.
Bei vorsichtigem Erwärmen auf 100° wird
es wasserfrei, schmilzt bei 250° und destilliert
bei 606°. Z. löst sich in salzsaurem Wasser
und in Alkohol und wird durch viel Wasser
unter Abscheidung eines basischen Salzes zer-
setzt. Es muß daher, vor der Einwirkung von
Luft und Feuchtigkeit geschützt, vorsichtig
aufbewahrt werden. Z. findet beschränkte
medizinische Anwendung, wird aber unter
dem Namen Zinnsalz in großen Mengen
als Beizmittel in der Färberei, zum Redu-
zieren von Indigo, zur Darstellung von Gold-
purpur (s. d.) und zum Avivieren benutzt.

Im Handel findet es sich meist als I2V2 proz.
(einfach Chlorzinn) oder als 25 proz.
(doppelt Chlorzinn) wäßrige Lösung. Eine
gesättigte Lösung in Salzsäure wird als Bet-
tendorfs Reagens zum Nachweise von
Arsen, mit welchem es sich braun färbt, an-
gewandt. Unter Zusatz von etwas Salpeter-
säure hergestellte Zinnchloridlösungen bilden
die sog. Zinnkompositionen (Rosirsalz,
Barwood-, Blauholz-, Gelb-, Schar-
lach-Komposition, Bancrofts Beize). —
Zinnoxyd (Zinndioxyd, Zinnsäure, lat.
Stannum oxydatum, frz. Oxyde d’ötain, engl.
Calcined tin) entsteht beim Schmelzen von
Zinn an der Luft, wobei sich das Metall in
ein graues Pulver verwandelt. Durch Schläm-
men läßt sich das letztere in unverändertes
Metall und weißes Oxyd scheiden, welches
als sog. Zinnasche ein ausgezeichnetes
Schleif- und Poliermittel, namentlich für Stahl
ist. Außerdem erhält man das Z. durch Be-
handlung von Zinn mit Salpetersäure und
durch Ausfällen von Zinnsalzlösung durch
Alkali. Das gelblich- bis grauweiße amorphe
Pulver wird häufig mit Schwerspat und Gips
verfälscht. Diese Zusätze lassen sich daran
erkennen, daß das Z. beim Schmelzen mit
Ätznatron in wasserlösliches Zinnsaures Na-
tron (Natriumstannat) übergeht. Das letz-
tere findet als Grundier- oder Präparier-
salz Anwendung als Beize zur Herstellung
von Farblacken auf der Faser, das Oxyd selbst
zur Fabrikation undurchsichtiger Milchgläser,
weißer Kacheln und Emails. — Zinnsulfid
bildet das sog. Musivgold (s. d.) — Zoll:
Zinnverbindungen sind zollfrei, ausgenom-
men Zinnoxyd, ds. s. Tarif Nr. 301.

Zinnober, das wichtigste Quecksilbererz
(s. Quecksilbersulfid) mit 86,3 °/o Quecksilber
und 13,7% Schwefel, findet sich auf Lagern
und Gängen im Schiefer-, Übergangs- und
Flötzgebirge und ist an seiner Farbe und an-
hängenden Metalltröpfchen leicht kenntlich.
Er kommt kristallisiert in Rhomboedern und
sechsseitigen Prismen, ferner in Platten und
derben, kleinkörnigen bis dichten Massen vor,
ist spaltbar, in Kristallen halbdurchsichtig und
metallglänzend und besitzt eine koschenille-
oder scharlachrote Farbe. Die reinsten Stücke
von schönster Färbung werden, ausgesucht, als
Berg-Z. in den Handel gebracht, die übrigen,
sog. Stück-Z. ein- bis 3mal gemahlen und
nach Güte und Nuance sortiert. Als Farbe
wird jetzt meist künstlicher Z. (s. Quecksilber-
sulfid) benutzt, während der natürliche zur
Darstellung von Quecksilber dient. — Zoll:
S. Tarif Nr. 327.

Zirbelnüsse (Arvennüsse, Pinien, lat.
Semen seu Nuces pinearum seu cembrae, frz.
Noix de pignon, engl. Pine kemels), die drei-
kantigen, unter den Schuppen der Zapfen
sitzenden Samen der Arve (Pinus Cembra),
einer in den Alpen, Karpaten und Sibirien
wachsenden Konifere, werden namentlich in
Sibirien in großen Massen längs der Ufer des
Ob gesammelt und unter dem Namen Schi-
schisch als Nahrungsmittel verwendet. Ge-