﻿Zitronensaft

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Zitronenöl

Oktober) und die kleine rundliche Bastard-
Z. (Hauptschnitt September, Nachernten bis
Dezember). Der Hauptschnitt, für den man
die Früchte mit besonders reiner und glatter
Schale auswählt, dient fast nur für den Export.
Diese Früchte werden der größeren Haltbar-
keit wegen, und weil sie auf dem Transporte
noch nachreifen, grün von den Bäumen ge-
nommen und zur Versendung, meist mit
Papier umwickelt, in Kisten zu 400—700 Stück
regelmäßig eingeschichtet. Für den Winter-
versand in kältere Gegenden packt man eine
größere Zahl Kisten in Fässer und stopft die
Zwischenräume mit warmhaltendem Material
aus. Die Z. bedürfen einer Aufbewahrung
in trockenen, kühlen Kellern und häufiger
Besichtigung, damit alle angegangenen und
fleckig gewordenen Stücke sogleich entfernt
werden können. Zweckmäßig ist es unter
Umständen auch, die Früchte einzeln, so daß
sie sich nicht berühren, in Kochsalz ein-
zubetten, nachdem vorher die Anhaftungs-
stelle des Stiels mit geschmolzenem Paraffin
überzogen worden war. — Für die Zusammen-
setzung der reifen Zitronen gibt König fol-
gende Zahlen an: 82,64% Wasser, 0,74%
Stickstoffsubstanz, 5,39% Zitronensäure, 0,37%
Invertzucker, 10,30% stickstoffreie Extrakt-
stoffe, Rohfaser und Kerne, und 0,56% Asche.
— Die beim Hauptschnitt auf den Bäumen
zurückbleibenden und alle sonst für den Ex-
port nicht geeigneten Früchte werden an
Ort und Stelle auf Zitronenöl und Zitronen-
säure verarbeitet. Die Preßrückstände finden
als Ziegenfutter Verwendung. — Die Zitrone
wird in großen Mengen für die Zwecke des
Haushalts, der Küche und Konditoreien, zur
Herstellung von Limonaden, Punsch usw.
verwendet. — Zoll: S. Tarif Nr. 51. 56.

Zitronensaft (lat. Succus citri, frz. Jus de
citrons, engl. Lemon-juice) wird durch Aus-
pressen der geschälten und ihrer bitter
schmeckenden Kerne beraubten Zitronen dar-
gestellt. Man überläßt die ablaufende trübe
Flüssigkeit meist einer freiwilligen Gärung
zur Zerstörung der geringen Zuckermengen,
filtriert dann, ev. nach Zusatz von Alkohol
oder Specksteinpulver, und macht die in
kleine Flaschen gefüllte Substanz schließlich
durch Erhitzen keimfrei. Der auf diese Weise
erhaltene Z. ist eine farblose, bis schwach
gelbliche Flüssigkeit von stark saurem Ge-
schmack und charakteristischem, aber nicht
an Zitronenöl erinnerndem Aroma. Er hat
im entgeisteten Zustande ein spez. Gew. von
ungefähr 1,033—1,041 und enthält in 100 ccm
5—7 g Zitronensäure, 0—1 g Zucker, 0,4 bis
0,6 g Asche, 0,02—0,03 g Phosphorsäure
und 0,04—0,07 g Stickstoff. Der Z. nimmt
unter den Fruchtsäften des Handels insofern
eine gewisse Ausnahmestellung ein, als er
nicht nur zu Genußzwecken (Limonade), son-
dern gleichzeitig als eine Art Heilmittel (zu
Z.-Kuren) Anwendung findet. Schon seit
altersher wird er von den Schiffern als eine
Panazee gegen den gefürchteten Skorbut ge-
schätzt und besonders in letzter Zeit infolge
der Bekämpfung des Alkoholmißbrauchs in

Merck's Warenlexikon. 5. Auf!.

steigendem Maße in den Verkehr gebracht.
Allerdings war bis vor kurzer Zeit ein großer
Teil des im Handel befindlichen Z. verfälscht
oder gar völlig künstlich hergestellt. Ein-
fache Auflösungen von Zitronensäure in
Wasser wurden vielfach als Natursäfte ver-
kauft, und verschiedene Fabriken stellten
sogar zur Täuschung der kontrollierenden
Nahrungsmittelchemiker auf Grund chemi-
scher Analyse komplizierte Kunstprodukte
her. Heutzutage kann der Käufer im allge-
meinen, dank der intensiven Bekämpfung der
Falsifikate, annehmen, daß er als Z. auch ein
Naturprodukt enthält. Zusätze von Konser-
vierungsmitteln, wie Salizylsäure, Ameisen-
säure und Benzoesäure, die zur Erhöhung der
Plaltbarkeit bisweilen gemacht werden, sind
auf der Etikette deutlich anzugeben. Als
geeignetstes Konservierungsmittel ist der Al-
kohol zu bezeichnen, der auch in § 22 der
Anleitung zur Gesundheitspflege an Kauf-
fahrteischiffen erlaubt wird und in Höhe
von 8—10 Vol. % ohne Deklaration benutzt
werden darf. Ein durch geringe Mengen
Zucker, welche zur Konservierung nicht aus-
reichen, versüßter Z. hat im allgemeinen
als verdächtig zu gelten. Hingegen bildet der
aus 40 T. Z. und 64 T. Zucker eingekochte
Zitronensirup ein reelles Handelsprodukt.
-— Zoll: Zitronensaft: S. Tarif Nr. 59. Zitronen-
saft mit Zucker versetzt: S. Nr. 213.

Zitronenholz nennt man 1. das Holz des
Zitronenbaumes, ein sehr dichtes und
weißes Holz, welches nicht in unseren Handel
kommt, und 2. ein gelbes Holz von unbekann-
ter Abstammung mit schwachem, zitronen-
artigem Geruch. Das letztere ist sehr fein,
dicht und ziemlich schwer, nimmt eine schöne
Politur an und stammt aus Westindien. —
Zoll : S. Tarif Nr. 74 ff. 615 ff.

Zitronenöl (Limonenöl, lat. Oleum citri,
Oleum limonis, Oleum de cedro, frz. Essence
de citron, engl. Lemon oil) wird auf Sizilien,
sowie im südlichen Teile von Kalabrien aus
den Fruchtschalen der Zitrone oder Li-
mone (Citrus limonum R.) gewonnen. Zu
seiner Darstellung wird die vom Fruchtfleisch
befreite Schale der in 4 Teile zerschnittenen
Zitrone zusammengefaltet und gegen einen
Schwamm gepreßt. Die ölhaltigen Zellen
platzen und geben ihr Öl an den Schwamm
ab, der von Zeit zu Zeit ausgepreßt wird.
Nach dem Absetzen des Wassers klärt man
das obenschwimmende öl durch Filtrieren.
Die ausgepreßten Schalen werden dann noch
mit Wasser destilliert, da sich nicht alles öl
auspressen läßt. Das so gewonnene, destil-
lierte Z. wird, mit gepreßtem vermischt,
als geringere Sorte in den Handel gebracht.
Im halbreifen Zustande, November und De-
zember, sind die Zitronen am ölreichsten.
Das durch Pressen gewonnene Z. ist eine
hellgelbe Flüssigkeit von dem angenehmen
Geruch der frischen Zitronen und aromati-
schem, hinterher etwas bitterem Geschmack.
Bei längerem Stehen scheidet es häufig
einen gelblichweißen Bodensatz ab. Das
spez. Gew. schwankt zwischen 0,858—0,861.

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