﻿Zitronensäure

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Zitronensäure

Z. ist rechtsdrehend und löst sich in absolutem
Alkohol, Äther, Chloroform, Benzol und Amyl-
alkohol in jedem Verhältnis. In 90°/o Alkohol
ist es wegen der wachsartigen und schleimigen
Bestandteile meist nicht klar löslich. Den
Hauptbestandteil des Z. bildet das Rechts-
Limonen, während der Geruch durch die
Aldehyde Zitral und Zitronellal bedingt wird.
Das gepreßte Z. wird am häufigsten durch
Verschneiden mit destilliertem Z. verfälscht.
Der Nachweis dieser Verfälschung ist nur
durch den Geruch ausführbar. Pomeranzen-
schalenöl und Terpentinöl lassen sich durch
das verschiedene optische Drehungsvermögen
erkennen. Zusätze von Spiritus und fetten
Ölen verraten sich durch das spez. Gew.
Ersterer setzt es herab, letztere erhöhen es.
Das Z. ist eines der beliebtesten Gewürzöle
zum Backen und findet auch in der Par-
fümerie, sowie in der Likör- und Limonaden-
fabrikation ausgedehnte Verwendung. Die
Aufbewahrung des Z. erfordert ganz besondere
Sorgfalt, da es durch Zutritt von Licht und
Luft sehr schnell verdirbt und einen dicken,
schmierigen Bodensatz abscheidet. Man be-
wahre es infolgedessen in kleinen, ganz ange-
füllten Flaschen, vor Licht geschützt, auf. —
Zoll : 30 M.

Zitronensäure (Citronensäure, lat. Aci-
dum citricum, frz. Acide citrique, engl. Citric
acid) wurde zuerst von Scheele im Jahre
1784 in Kristallform dargestellt. Sie findet
sich frei und an Basen gebunden, oft zugleich
mit anderen organischen Säuren, sehr ver-
breitet in der Natur. Frei kommt sie haupt-
sächlich in Früchten vor, besonders reich-
lich in den noch nicht völlig reifen Zitronen,
in den Johannis- und Preißelbeeren usf.
An Kalium und Kalzium gebunden findet sie
sich in den Tabakblättern, im Schöllkraut, in
den Knollen der Kartoffel, in den Runkel-
rüben, in der Rinde der Kastanie, in den
Eicheln und in den Samen der Erbsen, Boh-
nen, Wicken. Außerdem ist Z. ein normaler
Bestandteil der Kuhmilch (0.2°/o). Zur Dar-
stellung der Z. für den Handel dient aus-
schließlich der Saft der unreifen Zitronen,
welcher nur zum kleinsten Teile am Pro-
duktionsorte selbst direkt auf Z. verarbeitet
wird. Meist gelangt er in konzentriertem Zu-
stande oder in Gestalt von trockenem Kal-
ziumzitrat in den Handel, um dann in Eng-
land, Frankreich und Deutschland weiter auf
Z. verarbeitet zu werden. Zur Darstellung
des Kaliziumzitrats wird der auf die eine oder
andere Weise geklärte Saft in mit Blei aus-
gekleideten Bottichen zum Kochen erhitzt
und so lange mit geschlämmter Kreide und
schließlich Kalkmilch versetzt, bis kein Auf-
brausen mehr stattfindet. Die freie Z. ver-
bindet sich dabei mit dem Kalk zu Kalzium-
zitrat, welches in siedendem Wasser sehr
schwer, in kaltem jedoch wesentlich leichter
löslich ist. Das Kalziumzitrat wird noch
heiß auf ein Seihtuch gebracht, mit kochen-
dem Wasser ausgewaschen und mit so viel
verdünnter Schwefelsäure versetzt, als nötig
ist, um den zitronensauren Kalk in schwefel-

sauren zu verwandeln. Die von dem ausge-
schiedenen schwefelsauren Kalk getrennte
Zitronensäurelösung wird zur Kristallisation
eingedampft, und die abgeschiedene Kristall-
masse durch Auflösen, Entfärben mit Tier-
kohle und nochmaliges Umkristallisieren ge-
reinigt. Auch synthetisch ist die Z. schon auf
verschiedenen Wegen hergestellt worden, und
schließlich wird sie fabrikmäßig auf zymotech-
nischem Wege nach einem Patent von Charles
Wehmer in Mühlhausen und Thann im Elsaß
gewonnen. Zu ihrer Darstellung dienen 3 bis
30°/oige Zuckerlösungen, welche mit Pilzen
(Citromyces Pfefferianus et glaber) geimpft
werden und bei der Gärung in Z. übergehen. —
Die Z. ist eine dreiatomige Säure und wird
chemisch als Oxytrikarballylsäure be-
zeichnet. Sie bildet färb- und geruchlose, sehr
sauer schmeckende, rhombische Prismen,
welche an warmer Luft oberflächlich etwas
verwittern und in Wasser, sowie Weingeist
leicht löslich sind. Charakteristisch ist das
Verhalten der Z. und ihrer Salze gegen Kalk-
wasser. Fügt man zu einer wäßrigen Zitronen-
säurelösung Kalkwasser bis zur alkalischen
Reaktion, so tritt in der Kälte keine Trübung
ein. Wird diese Flüssigkeit aber gekocht, so
trübt sie sich infolge der Abscheidung von Kal-
ziumzitrat, welches sich beim Erkalten im ver-
schlossenen Gefäß vollständig wieder auflöst.
Die zitronensauren Salze verhalten sich gegen
Kalkwasser in gleicher Weise. •— Im Handel
unterscheidet man zwischen kristallisierter
Z. (Acidum citricum cristallisatum), reiner
Z. (Acidum citricum purum) und reinster
bleifreier Z. (Acidum citricum purissimum).
Letztere ist das Präparat des D. A. B. IV. In-
folge ihrer Bereitungsweise kann die käuf-
liche Z. außer Blei auch noch Schwefelsäure
und Kalksalze enthalten. Ferner wird sic oft
mit der billigeren Weinsäure verfälscht. Auf
Blei prüft man mit Schwefelwasserstoffwasser,
das man zu einer wäßrigen, mit Ammoniak bis
zur schwachsauren Reaktion abgestumpften
Zitronensäurelösung hinzusetzt. Färbt sich
hierbei die Flüssigkeit dunkel, so ist Blei vor-
handen. Schwefelsäure erkennt man an dem
weißen Niederschlag, der in einer wäßrigen
Lösung von Z. durch Chlorbaryum, Kalk-
salze an der weißen Trübung, welche in der
wäßrigen Lösung durch oxalsaures Ammoni-
um hervorgerufen wird. Zum Nachweis von
Weinsäure wird eine Mischung aus X g Z.
und 10 ccm Schwefelsäure, welche in einem
mit Schwefelsäure gereinigten Mörser bereitet
worden ist, in einem Probierrohr eine Stunde
lang im Wasserbade erwärmt (auf 80—90°).
Bei Anwesenheit von Weinsäure färbt sich die
Mischung braun. Weinsäure kann auch durch
essigsaures Kalium erkannt werden, dessen
konzentrierte Lösung man mit der zu prüfen-
den konzentrierten Zitronensäurelösung mischt
und dann mit dem dreifachen Volumen Alko-
hol versetzt. Falls Weinsäure vorhanden ist,
entsteht beim Schütteln ein fein kristallinischer
Niederschlag von saurem weinsaurem Kali.
Auch auf optischem Wege läßt sich die
Gegenwart von Weinsäure erkennen. — Die