﻿Zucker

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Zucker

von Zobel verschenkt der Kaiser von Ruß-
land. Sonst dienen sie auch zu Kragen und
Mützen, bei uns gewöhnlich nur zu Garni-
turen für Damenpelze. — Der amerika-
nische Zobel (Mustela canadensis) ist
ein Tier von derselben Größe und Lebensart,
aber gröber von Haar. Das Fell ist mehr
rötlichbraun, zeigt aber sonst alle Nuancen
von gelblich bis dunkelbraun. Die schönsten
amerikanischen Z. kommen von den Küsten-
ländern der Hudsonsbai und der Labrador-
küste und werden wegen ihrer mäßigen Preise
in allen Ländern, auch in Rußland, am meisten
aber in England, verbraucht. — Die Schweife
der Zobel sind ebenfalls wertvoll und dienen
zu Besätzen für Damenpelze, sowie zu
Herrenmützen usw. Das Färben der Z.,
um sie dunkler zu machen, sowie anderer
Felle, um sie den Zobeln ähnlicher zu ge-
stalten, wurde früher in großer Ausdehnung
betrieben, und noch heute nennen sich alte
Rauchwarenfärber Zobelfärber. Der Fang der
Zobeltiere geschieht durchgängig in Fallen.
— Zoll: S. Tarif Nr. 155. 563 ff.

Zucker (lat. Saccharum, frz. Sucre, engl.
Sugar). Unter diesem Namen faßt man in
der Chemie eine Anzahl von Kohlenhydraten
zusammen, welche in Wasser löslich und kri-
stallisierbar sind und, mit vereinzelten Aus-
nahmen, einen mehr oder weniger süßen
Geschmack besitzen. Ihrer Konstitution nach
kann man folgende Gruppen von Zucker-
arten unterscheiden: Monosaccharide oder
Glykosen besitzen die Fähigkeit, alkalische
Metallsalzlösungen (Fehlingsche Lösung) zu
reduzieren und sich mit Alkalien gelb zu
färben. Sie drehen die Ebene des polarisierten
Lichtes und werden durch Hefe vergoren.
Weil ihr Molekül eine Kette von 6 Kohlen-
stoffatomen enthält, werden sie auch als
Hexosen bezeichnet. Zu den Hexosen ge-
hören von bekannteren Zuckerarten der
Traubenzucker, Fruchtzucker, die Galaktose
und Sorbose. Die Zucker der 2. Gruppe, die
Disaccharide oder Saccharosen kann
man auffassen als unter Austritt von 1 Molekül
Wasser zustande gekommene Verbindungen
von 2 Glykose-Moleküien, in welche sie beim
Erwärmen mit verdünnten Säuren unter Auf-
nahme von Wasser, Hydrolyse, wieder zer-
fallen. Rohrzucker liefert hierbei je ein Mol.
Traubenzucker und Fruchtzucker; Milchzucker
je ein Mol. Traubenzucker und Galaktose;
Maltose gibt 2 Mol. Traubenzucker. Auch die
Saccharosen drehen die Polarisationsebene,
zeigen aber die übrigen Eigenschaften der
Glykosen: Reduktion und Vergärung vielfach
erst nach der Hydrolyse. Von der 3. Gruppe
der Zuckerarten, den Polysacchariden be-
sitzt nur die Raffinose eine gewisse Bedeu-
tung. Sie zerfällt bei der Hydrolyse in je ein
Mol. Traubenzucker, Fruchtzucker und Ga-
laktose. Die wichtigeren Zuckerarten sind
unter ihrem eigenen Namen besprochen wor-
den. An dieser Stelle ist daher nur diejenige
Zuckerart zu behandeln, welche im alltäg-
lichen Leben als Zucker schlechthin bezeichnet
wird, der Rohrzucker oder die Saccha-

rose. Der R. ist im Pflanzenreiche außer-
ordentlich verbreitet und wird wahrscheinlich
unter dem Einflüsse des Lichtes in den Blät-
tern erzeugt und von hier nach den Reserve-
organen weiter befördert. Größere Mengen
enthalten hauptsächlich die Stengel einiger
Gramineen: Mais (7—9%), Zuckerhirse
(Sorghum saccharatum) ca. 15%, Zucker-
rohr zirka 20%; ferner der Saft verschie-
dener Bäume, wie Birke, Ahorn; die
Nelctarien von Kaktus-, Fuchsien- und
Kleeblüten, verschiedene Früchte:
Mandeln, Feigen, Ananas, Äpfel, Kir-
schen, und von Wurzeln besonders Rüben
und Mohrrüben. Zur Gewinnung des Z.
werden die hierzu geeigneten, d. h. besonders
zuckerreichen Pflanzen, durch Pressen oder
durch Ausziehen mit Wasser oder Alkohol
ihres Z. beraubt, und die erhaltenen Lösungen,
nach mehr oder minder umständlicher Rei-
nigung zur Kristallisation gebracht. Am ein-
fachsten ist die Gewinnung aus Zuckerrohr,
welches im Safte 14—20 % Zucker enthält.
Der ausgepreßte Saft wird mit wenig Kalk
aufgekocht, nach dem Filtrieren in Vakuum-
apparaten eingedampft, und der auskristalli-
sierte Zucker durch Zentrifugieren von dem
Sirup oder der Melasse befreit. Er kommt
dann als gelblicher oder bräunlicher Kolo-
nialzucker direkt in den Handel, oder wird
durch Raffinieren (Umkristallisieren) in Hut-
oder Brot-Z. oder in englischen Kristall-
zucker übergeführt. Neuerdings wird auch das
Diffusionsverfahren angewandt. — Die
Gewinnung des Z. aus der Rübe ist wesentlich
umständlicher, da der Rübensaft weit mehr
fremde Bestandteile enthält, welche die Kri-
stallisation verhindern und daher entfernt
werden müssen. Die gewaschenen Rüben
werden in der Schnitzelmaschine in feine
Stückchen zerteilt und dann in großen eisernen
Zylindern der Diffusion mit warmem Wasser
unterworfen. Der so gewonnene Saft ist reiner
als der früher durch Auslaugen von Brei
(Mazeration) erhaltene, da eine Reihe kol-
loidaler Stoffe wie Eiweißstoffe und Gummi
schwieriger diffundieren als Zucker und Salze
und daher in den Schnitzeln Zurückbleiben.
Zur Entfernung der meisten in Lösung ge-
gangenen Nichtzuckerstoffe wird der Diffu-
sionssaft in den Scheidepfannen mit IV2
bis 3% gebranntem oder gelöschtem Kalk
erwärmt, wobei sich ein Teil der Verunreini-
gungen flockig abscheidet, und darauf zur
Ausfällung des gelösten Kalks mit Kohlen-
säure gesättigt (saturiert). Der erforderliche
Kalk und die Kohlensäure wird von den
Zuckerfabriken durch Glühen von Kalkstein
in eigenen Kalköfen erzeugt Nach Ent-
fernung des Niederschlages inFilterpressen
wird der nun hellfarbige Säft entweder durch
Knochenkohlebatterien, oder neuerdings meist
durch nochmalige schwache Scheidesaturation
mit Kalk und Kohlensäure, oder endlich durch
Behandlung mit schwefliger Säure weiter ge-
reinigt und dann in Vakuumapparaten zum
Dicksaft eingedampft. Der letztere mit etwa
24° B wird dann nach nochmaliger Filtra-