﻿Zuckercouleur

Zuckerrüben

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rüben wurden auf 448 000 ha geerntet und in
448 Fabriken verarbeitet. Der Zuckerkonsum
betrug pro Kopf der Bevölkerung 12,3 kg
gegen 33 kg in England. — Zoll: S. Tarif
Nr. 176/7.

Zuckercouleur (Karamel, lat. Tinctura
sacchari tosti, Saccharum tostum, frz. und engl.
Couleur), eine dunkelbraune, dicke Flüssigkeit,
besteht aus Zucker (Rohr- oder Traubenzucker),
der in der Hitze geschmolzen und dann noch
weiter bis etwas über 200° C erhitzt worden ist.
Flierbei verwandelt er sich unter Verlust von
Wasser in eine dunkelbraune, glasige Masse,
die in Wasser mit dunkelbraunen, bei stär-
kerer Verdünnung mit allen Nuancen bis zu
Goldgelb löslich ist. Z. wird in großen Massen
erzeugt und in Fässern von 6—8 Ztr. in den
Handel gebracht. Die beste Couleur ent-
steht, wenn guter Meliszucker mit wenig
Wasser in einem geräumigen Kessel ge-
schmolzen und dann bei steigender Erhitzung
unter fortwährendem Umrühren braun ge-
brannt wird. Sie bildet mit alkoholischen
wie wässerigen Flüssigkeiten klare Mischun-
gen und ist zum Färben feiner Spirituosen
geeignet. Für gewöhnlich verwendet man zu
den Couleuren (Rum-, Biercouleur) wohl-
feilere Zuckerstoffe, nämlich Stärkezucker, und
für Essigcouleur besonders Stärkesirup.
Bei der Karamelisierung solcher unreineren
Stoffe wird meist ein Zusatz von 4°/o kristal-
lisierter Soda oder kohlensaurem Ammoniak
gemacht, welchen man vor dem Einträgen des
Zuckerstoffes in dem Kesselwasser löst. Eine
gute Rumcouleur darf sich mit 80 prozentigem
Spiritus nicht trüben. — Zoll: 40 M.

Zuckerrüben (Zuckerrunkel, frz. Bette-
rave sacchariföre, Betterave blanche ä sucre,
Blanche de silesie, engl. Sugar beet-rave) ist
eine durch Kultur gewonnene Abart (Beta
vulgaris rapacea saccharif era) derRun-
kelrübe (Dickwurz, Mangold, Beiß-
kohl, römischer Spinat, Burgunder-
rübe, Rungkraut), welche als Gemüse- und
Futterpflanze, Garten- und Feldpflanze, in der
Hauptform Mangold, B. vulgaris var.
Cicla, mit den Abarten Schnittkohl und
rote Rübe, und B. vulgaris var. rapa-
cea, Futter- und Zuckerrunkel, angebaut wird.
— Die Vervollkommnung der Rübe zu den
Zwecken der Zuckerfabrikation gelang erst
in Quedlinburg vom Jahre 1824 an, und seit-
dem kennt man die Z. als besondere Art in
mehreren Varietäten. Von letzteren sind fol-
gende als die besten anzuführen: die bim-
förmige, schlesische weiße Z., mit festem
Fleisch und grünem Kopf, welche am besten
auf trockenem, leichten Boden fortkommt, die
für schweren Boden geeignete Quedlin-
burg er Z. mit spindelförmiger Gestalt und
rosafarbigem Kopf, die kleinere, weiße, weiß-
und festfleischige Imperial- oder Knauer-
sche Z. mit stumpfem Kopf und schlank
bimförmiger Gestalt, ferner die sibirische
Z., die mährische oder Castelnaudory,
die französische oder belgische (Vilmo-
rins Z.), die tellerförmige Wiener, die
Czabayer Imperial, die Wanzlebener,

die Schlanstädter, die Bestahornsche
und die olivenförmige Erfurter (Büchner-
sche). — Gute Z. müssen einen möglichst
großen Gehalt von Zucker, der bis zu 18 und
20°/o ansteigen kann, haben, hingegen mög-
lichst wenig Nichtzucker, d. h. Eiweißstoffe,
Salze und andere die Fabrikation störende Sub-
stanzen enthalten. Weitere Anforderungen an
gute Zuckerrüben sind, daß sie hauptsächlich
im Boden wachsen, weil der an dem Lichte
grün werdende Kopf nicht auf Zucker ver-
arbeitet werden kann. Auch sollen sie mög-
lichst glatt sein, keine Verästelungen, wenig
und feine Seitenwurzeln treiben, im Fleisch
dicht, hart und weiß sein, damit sie beim
Zerkleinern möglichst wenig Abfall geben.
Diesen Anforderungen entsprechen die erst-
genannten Arten am besten. Die Zucht von
Samen guter Z. ist sehr lohnend und wird
von Handelsgärtnern und auch von einzelnen
Landwirten im Großen betrieben. — Der Anbau
der Z. setzt die Vereinigung geeigneten Bodens,
günstigen Klimas, leichten Bezugs und guter
Arbeitskräfte voraus. Auch ist die Nähe einer
Zuckerfabrik und zur Verwertung der Abfälle
die Einführung von Viehzucht erforderlich.
In Deutschland bildet die Magdeburger Ebene
das Hauptgebiet. Nächst diesem ist der Anbau
noch bedeutend in Schlesien und um Braun-
schweig, ferner in Anhalt, der Umgegend von
Leipzig (Markranstädt, Lützen) und Döbeln;
in Österreich besonders in Böhmen und
Mähren, und in Frankreich in den Nord-
departements, mit Lille als Zentrum. Neuer-
dings beteiligen sich auch Belgien, Holland,
Schweden, Rußland, England und Amerika
am Rübenbau. Die Z. wird vorzugsweise
direkt ausgesät, und zwar auf vorher sehr
sorgfältig bearbeiteten und gut, wenngleich
nicht zu reichlich durchdüngten Boden. Von
den Düngemitteln sind Phosphorsäure und
Kali in erster Linie zu berücksichtigen. Man
ackert kleine Beete oder Kämme und sät
auf diese, also reihenförmig, mittels be-
sonderer Maschinen oder mit der Hand je
3—4, selten bis'8 Samen an eine Stelle. Zur
besseren Keimung läßt man den Samen oft
vorher quellen oder mischt ihn mit feinem
Sande. 1 hl „Samen“ wiegt im Durchschnitt
25 kg. — Für den Fabrikanten kommt es
darauf an, die Z. möglichst oft bauen zu
können, die Bedingungen ihres Wachstums
also vollständig zu beherrschen. Es ist jetzt
gelungen, bis Vs des Areals unbedenklich mit
Z. zu bebauen; hingegen empfiehlt es sich
im Großen nicht, darüber hinaus zu gehen,
weil dann die zahlreichen Feinde der Pflanzen
zu sehr überhandnehmen und den Anbau
eine Zeitlang unmöglich machen. Hinsicht-
lich der Düngung und Bearbeitung gibt es
keine Schwierigkeiten mehr. Der Rübenbauer
braucht am meisten Handelsdünger und die
besten Ackergerätschaften, verwendet am
meisten Sorgfalt mit Jäten, Verpflanzen, Be-
hacken, Behäufeln usw. auf seine Felder
und führt unter großem Kostenaufwand einen
unablässigen Krieg gegen die Feinde aus der
Tier- und Pflanzenwelt. Unkraut (Melden,