﻿Zündhölzer

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Zündhölzer

Ackersenf usw.), Rost der Blätter, Herzfäule,
Fäulnis durch den Wurzeltöter, Schwärze oder
Rußtau, Blattdürre und eine der Kartoffel-
krankheit ähnliche Erkrankung, welche fast
alle durch Pilze veranlaßt werden, ferner Aas-
käfer, schwarze Moosknopfkäfer, Rübennema-
toden (nach Manchen die Ursache der Rüben-
müdigkeit), Saatschnellkäfer, neblige Schild-
käfer, Kohl-, Wintersaat- und Ypsilon-Eule,
Runkelfliege und Engerlinge sind die wesent-
lichsten Feinde, welche die Z. bedrohen. Der
Zuckergehalt wird außerdem wesentlich durch
die Witterung bedingt und kann deshalb nach
Jahrgängen bedeutenden Schwankungen unter-
liegen. Die Blätter kommen als Ertrag meist
gar nicht in Betracht. Die Ernte findet so
spät als möglich statt, die Aufbewahrung jetzt
nur noch in Erdmieten. — Zur Samenzucht
werden, wie bei allen ähnlichen Gewächsen,
die schönsten, am gleichmäßigsten gewach-
senen, unverletzten, aber nicht über 1 kg
schweren Rüben bestimmt, bei der Ernte
sofort ausgeschieden und dadurch zum Über-
wintern hergerichtet, daß man die Blatt-
roselten ausdreht oder ohne Verletzung der
Herzknospe 5 cm über dem Kopfe abschneidet.
Die Rüben kommen dann im Keller in ein
Sandbett und werden im Frühjahr auf ihren
Zuckergehalt geprüft, indem man mit Hilfe
besonderer Maschinen eine Portion Rübenbrei
herausbohrt und der polarimetrischen Unter-
suchung unterwirft. Die zuckerreichsten Rüben
werden nun ausgelesen und nach Verschlie-
ßung des Bohrlochs mit Erde im April in
gartenmäßig bearbeitetes, besonderes Acker-
land mit einem Flächenraume bis zu 1 qm
für jede Pflanze ausgepflanzt. Die weitere
Behandlung im Felde besteht im Reinhalten,
Lockern, Behäufeln und Anbinden der Sten-
geltriebe. Der Same wird geerntet, sobald
die Fruchtknäule gebräunt erscheinen. Man
schneidet mit hoher Stoppel und läßt auf
dieser die Nachreife und das Trocknen vor
sich gehen. Die Gewinnung erfolgt schließ-
lich bei Winterkälte durch Ausdreschen.
Bei sehr wertvollen Sorten pflückt man den
Samen mit der Hand und erzielt als Ertrag
5—10 Doppelzentner. —■ Die Z. sind nur
selten Gegenstand des Verkaufs für Händler,
da die Fabrikanten sich den Bedarf durch
Akkorde mit den Landwirten sichern und
diesen die Abfälle zurückgewähren, zum Teil
auch selbst Viehzucht betreiben. Soweit die
Fabriken Aktienunternehmen sind, sucht man
die Landwirte auch mit Aktien zu beteiligen
und gibt dann etwas ermäßigte Verkaufs-
preise. Für den Handel kommt hauptsächlich
der Samen in Betracht, soweit nicht wiederum
Selbstzucht stattfindet. Zum Teil liefern die
Handelsgärtner das Saatgut und dann meist
nur von den besten Sorten, für welche die
höchsten Preise gelten, die größten Mengen
werden aber von besonderen Rübensamen-
züchtereien in den Verkehr gebracht. — Zoll:
Z. zollfrei; getrocknete (gedarrte) 1 M.;
Zuckerrübensamen 1 M.

Zündhölzer (Streichhölzer). Dieses in
ungeheuren Mengen verbrauchte Mittel zur

Feuererzeugung ist erst seit etwa 80 Jahren
bekannt. Bis dahin verschaffte man sich Feuer
mit Hilfe von Stahl, Feuerstein und Schwamm
oder seit 1805 mittels des sog. Tunkfeuer-
zeugs, indem man an einem Ende mit
Schwefel und chlorsaurem Kali versehene
Hölzchen auf mit konz. Schwefelsäure ge-
tränkten Asbest tupfte. 1832 wurden von ver-
schiedenen Fabrikanten, in Deutschland von
dem Württemberger Kämmerer, die ersten
Phosphorzündhölzer in den Handel ge-
bracht, welche sich an jeder Fläche entzün-
deten und trotz wiederholter Verbote allge-
meine Verbreitung fanden. Die Hölzchen
werden in waldreichen Gegenden, im Schwarz-
und Böhmerwald, Erzgebirge, Riesengebirge
und Elsaß, ferner in Österreich und Schweden
aus weichen Hölzern, Pappel, Esche, Fichte
und Tanne meist mit Maschinen geschnitten
und dann in besonderen Fabriken mit den
Zündköpfen versehen. Man taucht sie zu
diesem Zwecke mit einem Ende in geschmol-
zenen Schwefel oder bei den besseren Sorten
in Stearin oder Paraffin und nach dem Trock-
nen des Überzuges in die eigentliche Zünd-
masse, ein Gemisch von feinzerteilten Phos-
phorstückchen und Leim, Gummi, Dextrin
oder anderen Bindemitteln. Vielfach enthält
die Zündmasse neben dem Phosphor noch
andere Oxydationsmittel, wie Braunstem, Sal-
peter, Mennige oder Bleisuperoxyd. Die hohe
Giftigkeit der Phosphorzündhölzer und die
mit ihrer Herstellung verbundenen gesund-
heitlichen Gefahren haben schon frühzeitig
Versuche zum Ersatz des Phosphors veran-
laßt, die zur Erfindung der sog. Sicher-
heitszündhölzer führten. Obgleich eine
deutsche Erfindung, gelangten diese doch erst
zu Ansehen, als sie auf dem Umwege über
Schweden, als sog. Schwedische Z. zu uns
kamen. Die Sicherheitszündhölzer enthalten
keinen giftigen (weißen) Phosphor. Ihr Zünd-
kopf besteht aus einem Gemenge von vor-
wiegend chlorsaurem Kalium und etwas
Schwefel, Schwefelantimon, chromsaurem Ka-
lium oder Mennige mit Bindemitteln (Dex-
trin usw.). Sie entzünden sich nur an beson-
deren Reibflächen, welche mit Schwefelanti-
mon, rotem (ungiftigem) Phosphor und Gummi
präpariert sind. Zur Verhinderung des lästi-
gen Nachglimmens werden die Holzdrähte
meist mit phosphorsaurem Ammonium im-
prägniert. Da die außerordentlich bequeme
Handhabung der Phosphorhölzer ihre Ver-
drängung verhinderte, ist im Hinblick auf die
zahllosen Opfer der Phosphornekrose durch
Reichsgesetz bestimmt worden, daß weißen
Phosphor enthaltende Z. vom 1. I- 1907 in
Deutschland weder hergestellt, noch in Ver-
kehr gebracht werden dürfen. Vom 1. 1. 1908
an ist auch die Einfuhr aus dem Ausland
verboten. Als Ersatz sind bereits jetzt ver-
schiedene brauchbare Z. im Handel, welche
sich an jeder Reibfläche entzünden lassen und
hauptsächlich eine ungiftige Modifikation des
Phosphors, den sog. hellroten Phosphor, oder
auch Phosphortrisulfid oder Sulfophosphit ent-
halten. Hingegen haben sich die nach dem