<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Canada und die Hudsons'bay-Company</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>August</forname>
            <surname>Herkenrath</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>87595751X</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>
        <pb n="1" />
        I

GH&amp;lt;Ji
        <pb n="2" />
        Canada
und  die
H  udsons’bay=Company.

IN  AUGUR  AL-DISSERTATION

zur  Erlangung  der  Doktorwürde
bei  der
hohen  philosophischen  Fakultät  der
Rheinischen  Friedrich-Wilhelms-Universitätzu  Bonn
vorgelegt  und  mit  den  beigefügten  Thesen  verteidigt
am  18.  Juli  1904.

von

Aug.^erkenrath.

aus  Düsseldorf.

«yoVs

Öüchdruckerci  Seb.  Foppen,  Bonn  a.  Rh
        <pb n="3" />
        Opponenten:
Prof.  Dr.  A.  Heyer.
Dr.  phil.  R.  Keller.
Dr.  phil.  P.  Ites
        <pb n="4" />
        Meinen  Eltern  gewidmet-
        <pb n="5" />
        $
%■

■
        <pb n="6" />
        Einleitung.
Die  Blütezeit  dev  portugiesischen  Seemacht  und  ihres
Handels  mit  den  Küstenlandschaften  Afrikas  und  Asiens,
welche  u  ns  der  Geschichtsforscher  Barros  schildert  und
der  Dichter  Camoes  in  herrlichen  Versen  preist,  nahm
ein  jähes  Ende,  als  Portugal  sich  (1580)  der  spanischen
Herrschaft  unterwerfen  musste.  Den  Niederlanden  gelang
es  in  dieser  Zeit,  nach  vieljährigen  Kämpfen  diese  Herrschaft ­
  abzuschütteln.  Platte  Philipp  II.  sie  in  seiner  verfehlten ­
  Politik  vom  Weltmärkte  Lissabon  ausgeschlossen,
so  suchten  sie  nun,  gleich  den  Engländern  und  unbekümmert ­
  um  Papst  und  Demarkationslinie,  ihren  Plandel
  auf  Fahrten  durch  alle  Meere  zu  fördern.  Da  aber
die  Erzeugnisse  der  Monsumländer  Asiens  am  begehrenswertesten ­
  waren,  so  litt  namentlich  Portugal  mehr  und
mehr  unter  diesem  mächtigen  Wettbewerb.  Während  der
ersten  Jahrzehnte  des  17.  Jahrhunderts  vollzog  sich  dieser ­
  Uebergang  rasch  und  traten  Holland  und  England
in  Asien  fast  überall  das  portugiesische  Erbe  an,  und
als  endlich,  im  Jahre  1640,  Portugal  seine  Unabhängigkeit ­
  wiedererlangte,  war  es  vom  Welthandel  verdrängt
und  geriet  mehr  und  mehr  in  materielle  Abhängigkeit
von  England.
Aber  in  Europa  kam  damals  die  Gährung  der  politischen, ­
  religiösen  und  rechtlichen  Gegensätze,  die  ein  Jahr-'
hundert  lang  mit  Mühe  niedergehalten  worden  war,  endlich ­
  im  dreissigjährigen  Kriege  zum  Ausbruch.  Holland
        <pb n="7" />
        6  —

und  besonders  England  wurden  zwar  weniger  in  die  Kämpfe ­
  dieser  Zeit  verwickelt,  doch  immerhin  so  sehr  in  Mitleidenschaft ­
  gezogen,  dass  sie  für  den  auswärtigen  Handel ­
  nicht  in  der  nötigen  Weise  Sorge  tragen  konnten.
Oft  eigneten  sich  auch  die  entdeckten  Gebiete  noch  wenig ­
  zur  Kolonisation.  Das  Mutterland  wollte  aber  aus
dem  Seehandel  Nutzen  ziehen,  und  einzelne  Privatleute
waren  nicht  stark  genug,  um  einen  umfangreichen  Aussenhandel
  in  die  Hand  zu  nehmen.  —  Dies  waren  etwa
die  wesentlichsten  Momente,  die  zur  Gründung  von  Handelsgesellschaften ­
  führten,  die,  vom  Herrscher  des  Landes ­
  mit  den  nötigen  Rechten,  —  oft  politischer  Natur,
—  und  Machtbefugnissen  ausgerüstet,  sich  zu  mächtigen
Korporationen  organisierten  und  den  Handel  mit  Energie ­
  und  Erfolg  betrieben.
Naturgemäss  waren  diese  Gesellschaften  in  gewissem
Sinne  nur  ein  Notbehelf  des  Staates,  Einrichtungen,  die
nicht  für  die  Ewigkeit  bestimmt  waren.  Ihre  Aufgaben
vergrößerten  sich  schnell  und  wuchsen  ihnen  über  den
Kopf;  Angriffen  mit  Waffengewalt  waren  sie  selten  gewachsen. ­
  Dazu  kam,  dass  diese  Privatorganisationen  in
vieler  Hinsicht  mit  den  Interessen  des  Staates  kollidierten: ­
  Der  Staat  wollte  Gewinn  vom  Handel  haben  und
die  fremden  Gebiete  kolonisieren  Dagegen  lag  es  in  der
Natur  der  Sache,  dass  das  Monopol,  das  die  Gesellschaften ­
  gewöhnlich  erhielten,  meist  nur  dazu  diente,  ihre  wenigen ­
  Mitglieder  zu  bereichern,  und  da  sie  vielfach  auch
noch  Territorialrechte  in  ihren  privilegierten  Gebieten  hatten, ­
  so  wären  sie  der  Koloniebildung  die  doch  im  Interesse ­
  der  Regierung  lag,  feindlich  gesinnt  und  suchten
sie  nach  Kräften  zu  verhindern.
Bei 1  dieser  Sachlage  war  ein  Konflikt  der  Handelskompagnieen
  mit  der  Landesregierung  eine  notwendige  Folge; ­
  und  da  sie  nur  von  dieser  ihre  Macht  besassen,  so
        <pb n="8" />
        —  7  —

war  ihre  beschränkte  Lebensdauer  vorauszusehen.  —  In
der  Tat  lösten  sich  die  meisten  Handelskompagnieen  mit
der  Zeit  auf  oder  wurden  unbedeutendere  Privatgenosstenschaften.

Nur  die  Hudsonsbay-  Company  hat  sich  behauptet,  und
besteht  —  wenigstens  als  Gesellschaft  —  noch  heute.
Sie  hat  einen  hervorragenden  Anteil  an  der  Geschichte
Canadas.  Viele  Seen  und  Flüsse  dieses  Landes  tragen
Namen  ihrer  bedeutenderen  Männer,  und  es  waren  Pelzjäger ­
  und  Händler,  die  das  kolossale  Gebiet  zwischen
der  Hudsonsbay  und  dem  Stillen  Ozean  zuerst  durchstreiften ­
  und  erforschten.
Die  Geschichte  dieser  Company,  ihren  Handel  und  ihre
Bedeutung  für  Canada  näher  zu  betrachten  ist  die  Aufgabe ­
  der  nachfolgenden  Arbeit.
        <pb n="9" />
        —  8  —

*  V  orbemerkungen.
1.  Geographie  Canadas.  l )
Die  Hudsonsbay  -  Company  verdankt  ihr  langes  Leben
grösstenteils  den  geographischen  Verhältnissen  des  Landes, ­
  in  dem  sie  ihren  Handel  betrieb.  Es  ist  daher  eine
notwendige  Vorbedingung,  die  Geographie  des  Landes
kurz  zu  betrachten. 1 )
Britisch  -  Nord  -  Amerika  liegt  ungefähr  in  denselben
Breiten,  wie  der  Rumpf  von  Europa,  aber  sein  Klima
ist  ein  ganz  anderes.  Als  Ursache  dieser  Verschiedenheit
muss  man  die  äussere  Gestaltung  des  Landes  und  die
Lage  zu  den  Meereströmmungen  ansehn.
Canada  erscheint  in  grossen  Umrissen  ungefähr  als  ein
Trapez,  in  dessen  östliche  Hälfte  die  Hudsonsbay  tief
einschneidet,  während  die  westliche  Hälfte  an  der  Meerseite ­
  von  d  en  Rocky  Mountains  flankiert  wird.
Von  den  Rocky  Mountains  im  Westen  und  den  Appalachen ­
  im  Osten  senkt  sich  das  Land  allmählich  allseitig ­
  ziemlich  gleichmässig  bis  zu  dem  seichten  Hudsonsbaybecken;
  dieses  bildet  daher  in  gewissem  Sinne  ein
Zentralgebiet,  um  das  sich  die  Gebirgsysteme  gruppieren.
Von  hier  aus  betrachtet  man  auch  am  besten  die  geologischen ­
  Verhältnisse:
Der  Kern  des  nordamerikanischen  Kontinents  ist  ein
ungeheures  Areal  von  azoischen  Felsen,  die  „laurentische
  Formation,”  die  sich  in  Gestalt  eines  V  um  die
Hudsonsbay  ausbreitet.  Die  äusserste  Grenze  dieses  Gebiets ­
  führt  ungefähr  durch  die  grossen  Seen  westlich
und  südlich  der  Hudsonsbay.  Es  ist  ein  Plateau,  kaum
600  m  über  d  em  Meere,  mit  abrasierten,  verwitterten  Bergen, ­
  dicht  bewaldet  und  übersät  mit  Seen  und  Flussläufen.  *
*)  Nach  S.  E.  Dawson:  »Canada  and  Neu-  Foundland,«  London
1897,  und  anderen  kleineren  Quellen.
        <pb n="10" />
        —  9  —

Dieser  breite  Gürtel  von  totem  Urgestein  wird  nur  an
wenigen  Stellen  —  am  westlichen  Ufer  der  Hudsonsbay
und  am  St.  Lawrencestrom  —von  andern  Formationen  unterbrochen ­
  ;  hier  treten  kambro  -  silurische  Schichten  zutage. ­

Westlich  von  der  laurentischen  Formation  breitet  sich
die  grosse  Kreideebene  bis  zu  den  Rocky  -  Mountains  aus.
Nach  Norden  zu  setzt  sie  sich  fort  durch  das  Tal  des
Mackenzieriver,  wird  aber  hier  eingeengt  von  devonischen
Schichten,  die  von  rechts  und  links  an  den  Fluss  treten.
Die  Rocky  Mountains  umfassen  alle  Formationen  von
der  archäischen  bis  zum  Tertiär;  das  mittlere  Plateau
besteht  aber  vorwiegend  aus  archäischen  Schichten,  besonders ­
  Gneissen.
In  hohem  Masse  charakteristisch  für  Canada  ist  das
System  seiner  Wasserwege.  Mit  Recht  sagt  Dawson  in
seiner  Geographie  von  Canada  und  Newfoundland  :„The
history  of  Canada  is  explicable  only  by  its  waterways.” 2 )
Die  Natur  hat  das  Land  mit  Seen  und  Flüssen  reichlich
gesegnet.  Von  beiden  Seiten  greifen  die  Meeresbuchten ­
  tief  in  das  Innere  ein,  der  St.  Lawrencestrom  und
die  Hudsonsbay  von  Osten,  die  Fjorde  Britisch  Columbias
von  Westen.  Die  regelmässigen  Sommerregen  lassen  überdies ­
  keine  Dürre  aufkommen;  es  ist  ein  Land,  reich  an
Grasebenen  und  besonders  an  Wäldern.
Wenn  es  sich  auch  von  allen  Seiten  zur  Hudsonsbay
senkt,  so  kann  man  doch  vier  gesonderte  Becken  unterscheiden. ­
  Die  Wasserscheiden  sind  aber  so  wenig  markiert, ­
  dass  die  Flusssysteme  oft  ineinander  übergreifen
und  durch  ein  verwickeltes  Netz  von  Seen  und  Wasserrinnen ­
  miteinander  in  Verbindung  stehen.
Das  St.  Lawrencebecken  umfasst  das  grösste  Netz  von
Süsswasserseen  der  Erde.  Der  St.  Lawrencestrom,  der

2 )  Dawson,  Seite  26.
        <pb n="11" />
        -  10  -
von  den  fünf  grossen  südcanadischen  Seen  und  mächtigen ­
  Nebenflüssen,  dem  Ottawa  und  Saguenay,  gespeist
wird,  führt  dem  Meere  gewaltige  Fluten  zu.
Das  Hudsonsbaybeoken  ist  naturgemäss  das  grösste.  Es
ist  durch  keine  höhere  Erhebung  von  den  anliegenden
Becken  getrennt.  Die  Flüsse  münden  von  allen  Seiten
strahlenförmig  in  die  Bay,  und  die  Flussläufe  stehn  merkwürdigerweise ­
  alle  nahezu  rechtwinkelig  zu  den  Küsten.
Das  Winnipeg  -  Nebenbecken,  das  der  Bay  die  grösste
Wasserzufuhr  bringt,  ist  auch  nur  durch  niedrige  Wasserscheiden ­
  von  den  drei  andern  Senkungen  getrennt.  Der
Winnipegsee  nimmt  den  Saskatchewan,  Redriver  und  Winnipegriver ­
  in  sich  auf  und  ergiesst  deren  Fluten  durch
den  mächtigen  Nelsonriver  in  die  Hudsonsbay.
Das  Land  zwischen  Winnipeglake  und  Lake  Superior
ist  ein  wildes  Gebiet,  ein  Durcheinander  von  Strömen,
Seen,  Wäldern,  Morästen  und  Schluchten.  Es  bildet  die
Wasserscheide  von  vier  Stromgebieten.  Von  hier  fliessen
  die  Gewässer  zur  Hudsonsbay,  zum  Lake  Superior,
zum  Mississippi  und  zum  Winnipegsee  ab,  aber  alle  stehen ­
  untereinander  wieder  dtirch  verwickelte  Kanäle  in
Verbindung.
Das  Mackenzieriverbecken  führt  sein  Wasser  nach  dem
Eismeer  ab.
Der  Mackenzie  hat  zwei  Quellflüsse,  den  Peace-  und
Athabascariver,  welche  in  den  Athabascalake  fliessen.  Von
diesem  See  strömt  der  Slaveriver  in  den  Great-  Slavelake.
Der  Ausfluss  dieses  mächtigen  Sees  heisst  Mackenzieriver ­
  nach  dem  Forscher,  der  ihn  zuerst  befuhr  und  bis
zur  Mündung  verfolgte.  (1789)  Von  links  empfängt  der
Mackenzie  den  wildströmenden  Liard,  von  rechts  den  Ausfluss ­
  des  grossen  Bärensees.
Die  Verbindung  zwischen  den  beiden  letzten  Becken
wird  durch  den  Churchillriver  mit  seinen  unzähligen  Seen
hergestellt.
        <pb n="12" />
        Die  bedeutendsten  Flüsse,  die  in  den  Stillen  Ozean
münden,  sind  der  Skeena,  Fraser  und  Columbia.
Der  Yukon,  der  sich  in  die  Beringstrasse  ergiesst,  ist
der  Hauptfluss  Alaskas;  aber  seine  Quellflüsse  und  ein
Teil  seines  Oberlaufes  gehören  noch  dem  Gebiet  von
Britisch-  Nord  -  Armerika  an.
Die  Schiffahrt  auf  diesem  ungeheuren  Wasserstrassennetz
  ist  nur  möglich  in  den  leichten  Rindencanoes  der
Indianer,  die  man  beim  Passieren  der  Stromschnellen  oder
anderer  Hindernisse  die  der  Schiffahrt  begegnen,  aus
dem  Wasser  lieben  und  über  Land  tragen  kann.  Der
Vorteil  der  ausserordentlich  zahlreichen  und  verwickelten ­
  Wasserkanäle  des  Innern  wird  aber  benachteiligt  durch
die  Rauheit  des  Klimas.
Das  Klima  von  Canada  ist  ein  kontinentales,  kalt  im
Winter,  warm  im  Sommer.  Die  Rauheit  des  Winters,  wird
noch  vergrössert  durch  die  kalte  Strömung,  die  aus  der
Davisstrasse  kommend,  der  Ostseite  des  Landes  entlangstreicht. ­

Die  Westküste  wird  zwar  erwärmt  durch  eine  warme
Meeresströmung;  aber  hier  steigen  unmittelbar  aus  dem
Meere  die  Rocky  Mountains  auf,  die  wie  eine  Mauer  den
Einfluss  des  Meeres  vom  Binnenlande  abhalten.  Doch
reichen  im  westlichen  Teile  des  Kontinents  die  Isothermen ­
  viel  weiter  nach  Norden.  Die  mittlere  Sommertemperatur ­
  ist  bei  Montreal  und  Battleford  etwa  dieselbe
wie  in  Nordspanien  und  der  Lombardei;  aber  die  entsprechenden ­
  Wintertemperaturen  sind  etwa  gleich  der  von
Riga  und  Stockholm.
Der  Frühling  fängt  in  Edmonton  und  Toronto  ungefähr
gleichzeitig  an,obwohl  Edmonton  etwa  io°  nördlicher  liegt.
Die  Flüsse  sind  wegen  des  Eisganges  fast  ein  halbes ­
  Jahr  nicht  schiffbar.  Dawson  stellt  darüber  folgende
Tabelle  auf  : 3 )
s )  Dawson,  Seite  509.
        <pb n="13" />
        —  12  —

Schiffbarwerden  der  Flüsse,  beobachtet  von  1883-89:
frühstes  spätestes
Ort.  geogr.  Breite  Datum  Datum

Toronto

&amp;lt;*3°  38'

20.  März

25.  April

Charlottetown
(Pr.  Edward  Jnsel.)

46°  13’

30.  „

22.  „

Fort  Murray  (Äthab-River.)


36°  40’

9.  April

4.  Mai

Winnipeg  (früher  Ft.
Garry)

490  52’

14.  „

28.  April

Montreal

45°  30’

22.  „

5.  Mai

Quebec

46°  48’

23.  „

30.  April

Ft.  Simpson

61°  52’

1.  Mai

14.  Mai

Die  kälteste  u  nd  unwirtlichste  Gegend  ist  die  Region
der  Hudsonsbay.  Die  Hudsonsbay  ist  ein  ungeheures
schiffbares  Binnen  -  Randmeer,  mehr  als  eine  Million  qkm.
gross.Durch  die  Hudsonsstrasse  steht  sie  mit  dem  Atlantischen ­
  Ozean,  durch  den  Fox-Kanal  und  die  schmale  Furyund
  Heklastrasse  mit  dem  Eismeer  in  Verbindung.  Die
Bai  ist  sehr  seicht,  nur  an  wenigen  Stellen  über  200  m
tief.  Die  Jamesbay  ist  nur  bis  Charlton  -  Island  von  grösseren ­
  Seeschiffen  befahrbar,  das  Wasser  ist  brackig  und
der  Grund  schlammig.  Auch  die  Südküste  der  eigentlichen ­
  Hudsonsbay  zeigt  keinen  Hafen,  nur  Churchill  kann
von  grösseren  Schiffen  angelaufen  werden.  Hier  ist  ein
brauchbarer  Hafen  zwischen  hohen  Felsen  und  in  dem
breiten  und  tiefen  Aestuarium  des  Churchillriver,  gedeckt
gegen  alle  Winde.
Als  Handelszentrum  liegt  aber  York-Factory  besser,
denn  von  hier  gehen  die  Wasserstrassen  ins  Innere,  auch
ist  in  der  Nähe  ein  guter  Ankerplatz  bei  Five  -  Fathoms-Hole
  zu  finden.
Die  Gezeiten  steigen  in  der  Hudsonsstrasse  bei  Springfluten ­
  bis  12  m.  und  höher  sie  wandern  sehr  schnell,
z.  B.  in  der  Ungavabucht  5-9  klm,  in  der  Stunde.  Dieser ­
  Umstand  hindert  das  Zufrieren  der  Strasse.  Aber
die  Schiffahrt  ist  im  Winter  doch  unmöglich,  wenn  das
        <pb n="14" />
        —  13  —

Schiff  nicht  gegen  Eispressungen  geschützt  ist.
Im  Frühsommer  kommt  das  Eis  durch  den  Fox  -  Kanal
in  die  Hudsonsstrasse  und  wird  hier  durch  die  Gezeiten ­
  hin-  und  hergetrieben.  Von  Osten  her  führt  der  arktische ­
  Strom  ebenfalls  Eis  in  die  Strasse.  Es  bildet  sich
auch  wohl  Packeis,  das  dann  eine  Zeitlang  den  Weg  versperrt. ­
  Westlich  vom  Fox-Kanal  trifft  man  aber  keine
Eisberge  mehr  an.
Die  Kapitäne  der  Hudsonsbay  -  Company  pflegten  nie
vor  dem  15.  Juli  von  England  abzufahren  und  nicht  später ­
  als  Ende  September  aus  der  Bai  zurückzukehren.  Die
Schiffahrt  ist  also  durchschnittlich  nur  2Y2  Monate  sicher,
doch  können  gut  ausgerüstete  Schiffe  vom  15.  Juni  bis
zum  i.  November  die  Fahrt  wagen.
Die  Küsten  der  Bai  sind  grösstenteils  trostlos  öde;  die
Ostküste  bildet  Labrador,  das  Dawson  schildert  : 4 )  „The
country  seems  unfinished,  as  if  it  had  been  left  as  a
specimen  to  show  what  other  countries  may  have  been
at  the  termination  of  the  glacial  epoch,  when  the  rivers
had  not  worn  down  their  beds,  and  valleys  and  basins
had  not  been  formed.”  Das  Land  ist  eine  öde  Steinwüste,
die  nur  südlich  vom  56°  bewaldet  ist.
Die  Südküste  der  Hudsonsbay  ist  ein  wildes  Gebiet
von  Urwald  und  nackten  Felsstrecken.  Im  Westen  breiten ­
  sich  die  Barren-Grounds  (Oedland)  aus,  begrenzt
von  der  Bai,  dem  Churchillriver,  den  Ostenden  der  drei
grossen  nordkanadischen  Seen  und  dem  Eismeer,  eine  felsige, ­
  baumlose  Sumpfgegend,  voll  von  seichten  Seen  und
seeartigen  fliessenden  Gewässern.  Der  Winter  ist  hier
kälter,  als  sonst  irgendwo  auf  dem  Kontinent,  und  in
dem  kurzen  Sommer,  der  niemals  ganz  den  spärlich  mit
Moos  und  Gestrüpp  bewachsenen  Boden  auftaut,  bele-4

 )  Dawson  S.  637.
        <pb n="15" />
        —  14

ben  fast  nur  Myriaden  von  Mücken  und  andern  Insekten
diese  Gegend.
Aber  südlich  und  westlich  der  Barren  -  Grounds  ist  das
Land  mit  herrlichem  Urwald  bedeckt.  Die  nördliche  Baumgrenze ­
  erstreckt  sich  etwa  vom  56.  Parallel  in  Labrador ­
  über  Fort  Churchill  zum  Athabascalake  und  von  da
in  nordöstlicher  Richtung  bis  zur  Mündung  des  Mackenzie. ­
  Die  hauptsächlichsten  Bäume  sind:  Nadelhölzer,  Pappeln ­
  und  Birken.  Die  herrlichen  Wälder  sind  heute  der
grösste  Reichtum  Canadas,  und  der  Ertrag  der  Holzausfuhr ­
  übersteigt  noch  bei  weitem  den  der  Landwirtschaft.
In  früheren  Zeiten,  als  die  Kultur  des  Bodens  noch
nicht  begonnen  hatte,  als  Jagd-  und  Pelztiere  in  überreichlicher ­
  Zahl  noch  die  Wälder  bevölkerten  und  unübersehbare ­
  Herden  von  Büffeln  die  Prärieen  durchstreiften, ­
  war  Canada  das  Land  des  Pelzhandels.
Zum  Betrieb  dieses  Plandels  war  auch  die  Hudsonsbay
  -  Company  gegründet;  es  ist  daher  notwendig,  kurz
die  wichtigsten  Pelztiere  Canadas  zu  beschreiben.
        <pb n="16" />
        2.  Uebersicht  über  die  wichtigeren  Pelztiere  der  Dominion  of  Canada.

Wissenschaftliche.

deutsche,

englische  und  lranzösische

Bezeichnungen*)

Felis  concolor,  L.

der  Puma

puma,  cougar

puma,  couguar,  lion
d’Ameriqüe

F.  lynx,  L.
Canis  lupus,  L.

der  Luchs

lynx

lynx,  loup-cenvier

Var.  occidentalis,

amerikan.  Wolf

wolf

loup

C.  1.  Var.  lycaon  (ater)

schwarzer  ,,

black  wolf

loup  noir

C.  L.  V.  albus

weisser  ,,

white  wolf

C.  latrans,  Say.

Präriewolf

prairie-wolf

Canis  vulpes,  L.

der  Fuchs

fox

renard

C.  v.  var.  fulvus  Desm.

Rotfuchs

red  fox

renard  ordinäire

C.  v.  var  decussatus,  Geoffr.

Kreuz  fuchs

cross  fox

renard  croläe

Scuwarz-  oder

black-orsilver

r.  argente,  ou  r.  noir

,,  ,,  ,,  argentatus,  Geoffr.

Silberfuchs

fox

,,  ,,  ,,  macrourus,  Gmel-Präriefuchs



prairie  fox

„  „  „  cinero-argentatus,  Ervl.

Kittfuchs

kitfox

r.  tricolor  d'  Amerique

„  „  ,,  lagopus,  L.

Polar-Stein-  oder
Blaufuchs.

arctic-,  white-,
blue  f.

r.  bleu  ou  isatis.

*)  Da  die  französischen  Canadier  einigen  der  nordamerikanischen  Pelztiere  zuerst  den  Namen  gaben,  und  diese
Namen  sich  vielfach  erhalten  haben,  so  schien  es  angemessen,  auch  die  französische  Bezeichnung  anzufübren,  soweit
sie  im  Gebrauch  ist.
        <pb n="17" />
        Mustela  canadensis,  Erxl.

canad.Marder  Pekan

märten,  pekan

matre  pekan

M.  erminea,  L.

Hermelin

ermine

hermine

(Putoreus  ermineus  Ow.)
M.  lutreola,  L.

Nörz,  Mink

mink

vison,  mink

(P.  vison,  Gapper)
M.  vulgaris,  Briss.

Wiesel

weasel

belette

(P.  Vulgaris,  Rieh.)
Gulo  luscus,  L.

Wolverene

wolverine

volverenne

Taxidea  ainericana,  Baird

amerikan.  Dachs

american.  badger

carcajou

(Meies  labradorius,  Meyer,)
Mephitis  varians,  Gray,

Stinktier

skunk

böte  puante,  enfant  du  diable

Lutra  canadensis,  Sabine

Otter

otter

loutre  d’  Amerique.

Lutra  marina,  Stell.

Seeotter

seaotter

loutre  de  mer,  enhydre

(Enhydra  marina  Cuv.
Procyon  lotor,  L.

Waschbär

racoon

raton

Ursus,  L.

der  Bär

bear

ours

U.  americanus,  Pall.

schw.  Bär  (Baribal)

black  bear

„  noir

U.  cinereus,  Desm.

grauer  Bär  (Grizzly)

grizzly

(U.  ferox,  Geoffr.
U.  maritimus,  Desm.

Eisbär

polar  bear

ours  blanc

Sciurus,  L.

Eichhörnchen.

squirrel

ecureuil

Sc-  cinereus,  L.

Katzeneichhorn

e  gris

Tamias  striatus,  L.

gestreiftes  E.

striped  squ.

e.  suisse

Pteromys  volucella,  Cuv.

|  fliegendes  E.

flying  squ.

e.  volant
        <pb n="18" />
        Spermophilus  Hoodi,  Rieh.

Ziesel

spermophile

souslik

Arctomys  monax,  L.

Monax

monax,  woodschuck

monax

Myodes  torquatus,  Keys  &amp;amp;  Blas
(U.  groenlandicus,  Wagn.)

Lemming

lemming

lemming

Castor  über,  L.

Biber

beaver

castor

Fiber  zibethicus  Cuv.

Moschusratte

musk-rat,  musquash

rat  musque
porc-epic,  urson

Hystrix  dorsata,  L.
(Erethizon  dorsatus,  Cuv.

Urson

porcupine

Lepus,  L.

der  Hase

hare

lievre

L.  variabilis,  L.

Polarhase

polar-hare

lievre  variable

L.  campestris

Präriehase

prairie-hare

L.  cuniculus,  L.

Kaninchen

rabbit

lapin

Bos  americanus,  L.

Büffel,  Bison

buffalo

bison,boeuf  sauvage

(Bison  „  Gmel.)
Ovibos  moschatus,  Blainv

Moschusochs

musk-ox

boeuf-musque
mouflon  d’Amerique

Ovis  Montana,  Cuv.

Dickhornschaf

bighorn

Capra  americana,  Blainv.

Rocky-Mountain
Ziege

RockyMountaingoat.


Antilocapra  americana,  Ow.

gabelhörn.  Antilope

pronghorned  antelope

cerf  de  Virginie

Cervus  virginianus,  Gmel.

virgin.  Hirsch

Virginia  deer

C.  macrotis,  Say

grossohriger  Hirsch

mule-deer

cerf  de  Cannada,

C.  canadensis,  Briss.

Wapiti,  Elk

wapiti,  elk

elan  d’  Amerique

C.  alces,  L.

Elentier

moose-deer

orignal

Rangifer  caribou,  H.  Sm.

Caribou,  Rentier

coribou,  reindeer

caribou,  rhenne.
        <pb n="19" />
        —  18  -

Der  Puma,  der  in  Canada  immer  ein  verhältnismässig
seltenes  Tier  gewesen  ist,  kommt  nur  noch  in  den  Wäldern ­
  Süd  -  Quebecs  und  in  den  Rocky  -  Mountains  vor.
Der  Luchs  wird  zwar  auch  nicht  sehr  häufig  gesehen,
er  ist  aber  fast  in  ganz  Canada  verbreitet.  Sein  Pelz
steht  ziemlich  hoch  im  Preise.
Den  grauen  Wolf  findet  man  jetzt  nur  noch  in  den
unwirtlichen  Gegenden  Quebecs  und  Qntarios,  sowie  in
dem  Felsengebirge;  der  schwarze  ist  zwischen  dem  Mackenzie ­
  und  dem  Stillen  Ozean  anzutreffen,  der  weisse
bewohnt  die  Inseln  und  die  Barren  -  Grounds  im  Norden. ­
  Der  Wolfspelz  ist  wenig  geschätzt  und  kann  eigentlich ­
  nur  zu  Fuss-  und  Schlittendecken  verarbeitet  werden.
Von  den  vielen  Fuchsarten  Canadas  liefert  der  schwarze ­
  Fuchs,  den  man  nur  ganz  selten  in  den  waldreichen
Gegenden  antrifft,  ein  äusserst  teures,  kostbares  Pelzwerk.
Nächst  ihm  ist  der  Blaufuchs  am  meisten  gesucht,  der
in  den  nördlichen  Regionen  haust.  Die  anderen  Fuchsarten ­
  haben  weniger  preiswürdige  Felle.
So  weit  die  Wälder  reichen,  findet  man  den  Pekan,
den  Marder,  das  Wiesel,  das  Hermelin,  den  Mink,  das
Stinktier  und  den  Otter.  Das  Gebiet  des  Waschbären
ist  etwas  beschränkter;  er  tritt  auf  in  den  östlichen  und
westlichen  Gebirgsregionen,  nicht  aber  im  hohen  Norden
und  in  der  Prärie.  &amp;lt;
Marder-  und  Hermelinpelze  sind  sehr  geschätzt,  auch
das  Stinktier  hat  ein  weiches  und  sehr  schönes  Fell.  Beim
Waschbären  (Schupp)  unterscheidet  man  drei  Sorten;  die
schwarzblauen  sind  die  teuersten,  um  die  Hälfte  billiger ­
  sind  die  schwarzbraunen  und  gelbbraunen
Die  Wolverene  ist  in  in  den  Seeprovinzen  verschwunden ­
  und  selten  in  Quebec  und  Ontario,  aber  noch  häufig
in  den  Wäldern  des  Nordwestens  und  Britisch  -  Columbias. ­
  Ihr  Pelz  ist  sehr  gesucht.
        <pb n="20" />
        —  19  —

An  der  Pacifischen  Küste,  besonders  in  den  Fjorden
Britisch-Columbias  lebt  der  Seeotter;  er  hat  einen  sehr
kostbaren  Pelz,  mit  dunkelbraunen,  glänzendem  Haar.
Von  den  Bären  ist  der  bekannteste  der  schwarze,  sein
Fell  ist  dünnledrig  und  von  schöner,  glänzender  Farbe.
Der  'Grizzlybär  ist  sehr  selten  geworden,  man  trifft  ihn
nur  noch  hier  und  da  in  den  Rocky  -  Mountains  an.  Das
Eisbärfell  ist  nicht  sehr  gesucht,  man  verwendet  es  nur
zu  Decken  und  Teppichen.
Eichhörnchen  sind  im  ganzen  Lande  äusserst  zahlreich
vorhanden.  Audubon  zählt  nicht  weniger  als  20  Arten
auf.  Sie  werden  viel  gejagt,  ihr  Fell  ist  aber  nur  mässig
  gut,  und  findet  allenfalls  zu  Besätzen  und  Unterfuttern ­
  Verwendung.
Das  eigentliche  charakteristische  Tier  für  Canada  ist
der  Biber.  Er  ist  überall  vorhanden,  wo  Wasser  und
Bäume  sind.  Allerdings  hat  gegen  früher  seine  Zahl  bedeutend ­
  abgenommen,  er  ist  aber  noch  nicht  selten  geworden ­
  und  liefert  noch  immer  ein  sehr  gesuchtes  und
feines  Pelzwerk.  Ausserdem  wird  von  ihm  noch,  heute
allerdings  weniger,  das  Bibergeil,  oder  Castoreum  benutzt,
das  bei  verschiedenen  Krankheiten  ein  beruhigendes  oder
krampfstillendes  Mittel  sein  sollte.  Es  ist  eine  grüngelbe, ­
  schleimige  Masse,  die  sich  in  Drüsenbeuteln  am  After
befindet.
Als  ein  „diminutif  du  Casfor”  bezeichnet  schon  Charlevoix
 5 )  mit  Recht  die  Moschusratte.  Sie  gleicht  allerdings
in  Aussehen  und  Gewohnheiten  sehr  dem  Biber.  Sie  liefert ­
  den  Moschus,  wie  der  Biber  das  Castoreum,  ;und
ihr  Fell  ist  ein  beliebtes  Pelzwerk  trotz  des  Moschusgeruches. ­
  Es  ist  weich,  dauerhaft  und  trägt  sich  leicht.
Das  canadische  Stachelschwein,  oder  der  Urson,  kommt
vor  vom  Atlantischen  Ozean  bis  zum  Makenzie.  Das  Fell

«-)  Charlevoix  »Journal  d’un  vogage,“  .  .  etc,  V,  Bd.  S.  157
        <pb n="21" />
        —  20  —
ist  nach  Entfernung  des  Stacheln  wohl  brauchbar,  die
Stacheln  werden  von  den  Indianern  zum  Schmucke  ihrer
Mokassins,  Jägertaschen  und  dergl.  benutzt.
Hasen  und  Kaninchen  sind  sehr  zahlreich  vertreten,
gewöhnlich  finden  aber  nur  die  schönen  weissen  Hasenfelle, ­
  als  Unterfutter  Verwendung.
Der  Büffel  oder  Bison  ist  jetzt  fast  ganz  ausgerottet.
Nur  im  Mackenzietale  finden  sich  noch  einige  wenige
wild  lebende  Tiere.  Dawson  sagt  darüber  : 6 )  „Die  Indianer ­
  hatten  den  Büffel  zu  ihrem  Lebensunterhalt  nötig,
und  wenn  sie  allein  ihn  gejagt  hätten,so  wäre  er  jetzt  noch
zahlreich  vorhanden;  aber  als  die  Eisenbahn  die  Ebenen ­
  durchkreuzte,  brachte  der  weisse  Mann  alle  möglichen ­
  Zerstörungswerkzeuge  der  Zivilisation  mit  und  ruhte
nicht  eher,  bis  der  letzte  angreifbare  Büffel  getötet  war.
In  den  Prärien  bleichen  die  Knochen  der  hingeschlachteten ­
  Tiere  und  werden  jetzt  als  Dungmittel  verkauft.”
Das  Büffelfell  giebt  prächtige  Decken,  das  Leder  ist
geschmeidig  und  doch  stark,  —  der  Iesuit  Charlevoix
behauptet  sogar: 7 )  „Les  Sauvages  en  font  des  Boucliers
qui  sont  trös-legers,  et  que  les  bales  de  fusil  ne  percent
pas  aisement.”
Der  Moschusochse  ist  ein  Tier  der  kalten  Zone;  er  wagt
sich  nicht  weiter  südlich,  als  bis  zum  59.  Parallel,  und
bewohnt  hauptsächlich  die  Barren  -  Grounds  und  die  arktischen ­
  Inseln,  besonders  Nord-  und  Nordost  -  Grönland.
Er  wird  heute  mehr  gejagt  als  früher,  aber  sein  Fell
ist  nicht  viel  wert,  obwohl  sich  Ieremie 8 )  zu  der  Behauptung ­
  versteigt:  „Ces  A.nimaux  ont  de  tres  -  belle  laine;
elle  est  plus  longue,  que  celle  des  Moutons  de  Barbarie.
I’en  avois'  ^.pporte  en  France  en  1708,  dont  je  m’ötois
fait  faire  des  Bas,  qui  etoient  plus  beaux  que  des  Bas
de  soye  .  .  .  '
6 )  Dawson  S.  59.
7 )  Charlevoix  V.,  S.  193.
8 )  Charlevoix  V.  S.  194.
        <pb n="22" />
        —  21

In  den  Rocky-Mountains  trifft  man  die  Rocky-M.-  Ziege
und  das  Rocky-  Mountainschaf  oder  Dickhorn  an,  in  den
Prärieebenen  die  gabelhörnige  Antilope.
Der  virginische  Hirsch  wird  noch  gejagt  in  den  mehr
südlichen  Wäldern  von  Neu-Braunschweig,  Quebec  und
Qntario,  seltener  in  Columbia.  Hauptsächlich  in  Centralcanada
  bis  in  die  Küstenketten  von  Britisch  -  Columbia
findet  man  den  grossohrigen  Hirsch.
Der  amerikanische  Elk  oder  Wapitihirsch  ist  im  Osten ­
  schon  ganz  ausgerottet  und  kommt  nur  noch  in  Britisch ­
  -  Columbia  vor.
Am  weitesten  verbreitet  ist  das  Elen,  dessen  französische ­
  Bezeichnung  „orignal”  in  Canada  wohl  fast  ebenso ­
  bekannt  ist  wie  die  englische  „morosedeer.”  Es  wird
in  Neu  -  Schottland  und  Neu-Braunschweig,  im  Mackenzietale ­
  und  im  nördlichen  Columbiadistrikt  gejagt.
Das  Wald  -  Cafibü  ist  in  Neu  -  Schottland  jetzt  fast  ganz
ausgestorben,  aber  von  da  bis  in  die  Wälder  des  Felsengebirges ­
  noch  häufig  anzutreffen.  Das  Barren  -  Ground  -
Caribu  bewohnt  in  starken  Herden  die  nördlichen  baumlosen ­
  Ebenen  der  Barren  -  Grounds  und  Labradors.  Es
ist  ungefähr  identisch  mit  dem  Rentier  von  Lappland.
Hirschleder  war  immer  ein  gesuchter  Artikel  Canadas.
  Die  Indianer  verfertigten  daraus  ihre  Jagdhemden,
Leggins  und  Mokassins.
Ausser  diesen  Pelztieren  ist  Canada  auch  noch  sehr
reich  an  jagdbaren  Vögeln.  Auf  den  zahllosen  Seen  sieht
man  Enten,  Gänse,  Schwäne,  Möven,  Schnepfen,  Reiher
u.  a.  m.  Man  nimmt  an,  dass  alljährlich  in  dem  Gürtel
um  die  Hudsonsbay  an  80000  Gänse  geschossen  werden.
Die  weiten  Ebenen  sind  die  Heimat  vieler  Hühnervögel: ­
  Rebhühner,  Haselhühner,  Tauben,  die  früher  in
ungeheuren  Schwärmen  das  Land  bevölkerten,  sind  jetzt
seltener  geworden.
        <pb n="23" />
        22  —

Der  Schwan  liefert  übrigens,  ebenso  wie  die  Gans  einen ­
  prächtigen  Pelz  zu  Verbrämungen  und  Boas.
Die  Seen  beherbergen  ausserdem  mannigfaltige  Fischsorten, ­
  besonders  Weissfische,  Salme  und  Forellen.  Im
grossen  Sklaven  -  See  wurden  einmal  in  einem  Jahre  75  000
Weissfische  gefangen.
Canada  ist  also  ausserordentlich  reich  an  Wild  von
allen  Sorten,  und  es  lässt  sich  wohl  verstehen,  dass  die
Ureinwohner  des  Landes  ihr  Jägerleben  nicht  aufgeben
wollten  und  sich  ihr  Paradies  als  die  „ewigen  Jagdgründe” ­
  dachten.
3.  Die  Vorgeschichte.  9 )
Die  Ureinwohner  haben  den  Namen  Indianer  behalten,
den  ihnen  die  ersten  Entdecker  Amerikas,  in  der  Meinung, ­
  einen  Teil  von  Indien  gefunden  zu  haben,  beilegten:
Die  Tat  des  Columbus  hatte  anregend  gewirkt:  nicht
nur  spanische  und  portugiesische,  sondern  auch  französische ­
  und  englische  Schiffe  durchkreuzten  bald  den  Ozean. ­
  Canadas  Küste  wurde  1497  von  John  Cabot,  oder
Giovanni  Cabotto,  einem  Genuesen  in  englischen  Diensten, ­
  entdeckt,  oder  richtiger:  wiederentdeckt,  denn  die
Normannen  haben  sie  ja  bereits  besucht.  Die  Fahrten
der  Gebrüter  Corte  Real  in  diese  Gegenden  fallen  etwas ­
  später.  Dann  lief  Verrazano  die  Küsten  an,  und  portugiesische ­
  Fischer  von  Aveiro  uns  Basken  begannen  den
Fischfang  bei  Labrador  und  Neu-Fundland.
Die  alte  Bezeichnung  dieses  Landes  als  „Ilha  de  Bacalhaos”
  (Kabeljauinsel)  ist  wahrscheinlich  auf  Cabot
zurückzuführen. 10 )
°)  Hauptquellen:  Dawson,  Charlevoix,  Hesse-Wartegg,  Hisloire  des
Voyages,  Nederkorn-Dissertation  Bo.  1899.  u.  a.
10 )  Näheres  darüber  bei  Nederkorn  »Entdeckungs-Besiedelungs-  und
Entwicklungsgeschichte  Canadas«  eLc.  Dissertation,  Bonn  1899,  Seite  17
        <pb n="24" />
        23  —

1576  entdeckte  der  Engländer  Frobisher  die  nach  ihm
benannte  Bai  und  hielt  sie  für  die  nordwestliche  Durchfahrt. ­

Das  Problem  der  Nordwestpassage  regte  nun  eine ­
  Expedition  nach  der  andern  an  und  fand  erst  im
vorigen  Jahrhundert  seine  abschliessende  Lösung.
1585  entdeckte  Davis  die  nach  ihm  benannte  Strasse.
Von  den  nun  folgenden  Expeditionen  verdient  vor  allen
Dingen  die  Fahrt  Henry  Hudson's  genannt  zu  werden,
der  im  Jahre  1610  in  die'  Hudsonsstrasse  einfuhr  und
die  Bai  entdeckte.  In  der  Jamesbay  fror  er  ein  und
überstand  den  harten  Winter,  wurde  aber  auf  der  Rückfahrt ­
  von  seinen  meuterischen  Matrosen  in  einem  Boote
ausgesetzt  und  nie  wieder  gesehen.
Die  Nachforschungen  des  nach  ihm  1612  ausgesandten ­
  Sir  Thomas  Button  blieben  ohne  Erfolg.  Dieser  Seefahrer ­
  entdeckte  aber  weitere  Strecken  der  Bai  und  überwinterte ­
  da,  wo  heute  York  -  Factory  liegt;  den  grossen
Fluss  daselbst  nannte  er  Nelsonriver  nach  einem  seiner
Offiziere,  der  dort  begraben  wurde.
1615  durchforschten  Baffin  und  Bylot  den  nördlichen
Teil  der  Bai.  I
1631  befuhr  Fox  den  nach  ihm  benannten  Kanal,  und
James  überwinterte  in  der  Bai,  die  von  ihm  den  Namen
empfing.  Die  gehoffte  Nordwestpassage  wurde  aber  nicht
gefunden,  und  so  liess  man  denn  das  Problem  für  lange
Zeit  liegen.
Aber  unterdessen  war  in  Canada  dem  Entdeckungswerk ­
  die  Besiedelung  der  Küsten  gefolgt.
Die  Franzosen  waren  hier  die  Bahnbrechenden  gewesen. ­
  Schon  seit  1504  hatten  bretagnische  Fischer  die  ertragreichen ­
  Bänke  von  Neufundland  aufgesucht-.
1523  wurde  Verrazano  im  Dienste  des  französischen  Königs ­
  dorthin  ausgesandt.
        <pb n="25" />
        —  24  —
1534  fuhr  Jacques  Cartier  in  den  St.  Lawrencestrom
ein,  —  er  fand  in  dem  Indianerdorf  Hochelaga  (bei
Montreal)  ein  Volk,  das  die  Sonne  verehrte.  Die  Be-.wohner
  waren  vom  Stamme  der  Iroquois  -  Huronen.  Cartier ­
  erhandelte  schöne  Felle  von  den  Indianern  und  kehrte ­
  nach  Frankreich  zurück.
Hier  trat  man  also  zum  ersten  Mal  in  nähere  Beziehhung
  zu  den  Ureinwohnern  des  Landes  und  lehnte  allmählich ­
  ihre  Sitten  und  Gebräuche  kennen.  Sie  standen
noch  auf  einer  sehr  primitiven  Kulturstufe,  als  Jäger  durchstreiften ­
  sie  noch  in  zügelloser  Freiheit  ihre  herrlichen
Urwälder;  aber  gerade  zu  jener  Zeit  hatten  die  östlichen ­
  Stämme  bereits  begonnen,  sich  politisch  zu  organisieren. ­

Dies  waren  die  Iroquois  -  Huronen,  die  in  mancher  Beziehung ­
  weiter  fortgeschritten  waren,  als  ihre  Nachbarstämme. ­
  In  der  Kriegführung  zeigten  sie  mehr  Intelligenz ­
  und  waren  auch  in  der  Agrikultur  ihren  Nachbarn
überlegen.  Sic  hatten  die  Konfoederation  der  fünf  Nationen ­
  gebildet  und  wohnten  am  St.  Lawrencestrom  bis
zum  Ontario  -  Huron-  und  Eriesee.
Heute  sind  diese  Stämme,  die  sich  im  Kampf  mit  den
Weissen  und  untereinander  aufrieben,  in  alle  Winde  zerstreut. ­

Die  andern  Völker  aber,  die  mehr  nördlich  und  landeinwärts ­
  ansässig  waren,  haben  im  wesentlichen  bis  heute ­
  ihre  Wohnsitze  behalten.  Die  grosse  Völkergruppe  der
Algonkins  breitet  sich  noch  heute  vom  Atlantischen  Ozean ­
  bis  zu  den  Rocky-  Mountains  aus.  Unter  ihnen  sind
in  West-Quebec  und  Ontario  die  Ojibway’s  in  Manitoba ­
  die  Crees  am  stärksten  an  Kopfzahl.  Am  oberen
Saskatchewan,  Missouri  und  Mississippi  haben  die  kriegerischen-Blackfeet ­
  und  Sioux  ihre  Jagdgründe.
Die  nordwestlichen  Gebiete  Canadas  bewohnen  die  Chippewyans.
        <pb n="26" />
        25

Im  höchsten  Norden  endlich  breiten  sich  die  Eskimos ­
  von  der  nördlichen  Küste  Labradors  und  der  Hudsonsbay
  über  die  arktischen  Küsten  und  Inseln  aus.  Ihre
Sprache  ist  von  Alaska  bis  Groenland  dieselbe.  Sie  sind
ein  gutes,  friedliebendes  Volk,  stehn  aber  mit  den  südlich ­
  von  ihnen  wohnenden  Indianerstämmen  in  Feindschaft.
Im  Jahre  1534  traten  also  die  östlichen  Iroquois-Huronen
  zum  ersten  Mal  zu  den  Weissen  in  Handelsbeziehungen, ­
  und  seitdem  besuchten  Fischer  und  Pelzhändler
öfter  die  Küsten.  Tiadöussac  am  Saguenay  wurde  der
Hauptort  der  Zusammenkünfte  der  Händler  von  St.  Malo ­
  u  nd  Rouen.
Damit  war  a  ber  noch  nicht  der  Grund  zur  Kolonisierung ­
  des  Landes  gelegt.  Die  Kraft  der  europäischen
Staaten  erschöpfte  sich  zur  selben  Zeit  in  Religionskriegen, ­
  und  erst  mit  dem  Regierungsantritt  Heinrichs  IV.
fing  der  französische  Staat  an,  sich  mehr  für  diese  fernen ­
  Gebiete  zu  interessieren.
1598  erhielt  der  Marquis  de  la  Roche  von  Heinrich  IV.
ein  Patent,  das  ihm  das  Gouvernement  über  die  Länder ­
  „Hochelaga,  Canada,  Terresneuves  und  Labrador  und
den  Fluss  der  grossen  Bai  von  Norrembegne”  zusprach. 1  11 )
Der  Sieur  de  Monts  zu  St.  Malo  arbeitete  einen  Entwurf ­
  zu  einer  Pelzhandelskompagnie  aus  und  gewann  dazu ­
  viele  Kaufleute  aus  St.  Malo,  la  Rochelle,  Havre  und
andern  Seestädten.  Der  Entwurf  wurde  Heinrich  IV.  1603
vorgelegt  und  von  ihm  genehmigt.  Ein  Patent  ernannte
de  Monts  zum  Admiral  und  Generallieutenant  dieses  Gebiets ­
  von  Amerika  und  gab  ihm  das  alleinige  Privileg
des  Pelzhandels  und  Fischfangs.  Er  gründete  1605  die
erste  europäische  Niederlassung,  Port  Royal,  in  Neu-1
  *)  Fitzgerald  »An  Examination«  etc.  S.  36.
Wahrscheinlich  die  Fundybay  und  der  St.  Johnsfluss.  So  scheint  es
nach  dem  Atlas  von  Ortelius.
        <pb n="27" />
        —  26  —

Schottland  und  kehrte  mit  einer  reichen  Ladung  von  Pelzwerk ­
  nach  Frankreich  zurück.
Mit  de  Monts  war  p  nter  andern  Edelherrn  und  Kaufleuten ­
  Samuel  de  Champlain  in  Amerika  gelandet.  Er
wurde  der  eigentliche  Pionier  der  Kolonisation.  Die  von
ihm  gegründeten  Niederlassungen  (z.B.  Quebec  i6o8)wuchsen
  rasch  an,  und  seine  Reisen  ins  Innere  klärten  Europa ­
  über  das  Land  mehr  und  mehr  auf.
Aber  fast  gleichzeitig  begannen  die  Engländer,  südlich
von  den  französischen  Gebieten,  die  Kolonisation  von  Virginia. ­
  1606  erhielten  zwei  Gesellschaften,  die  London-  und
die  Plymouthcompany,  Freibriefe  für  das  Land,  von  denen ­
  die  erstere  1607  Jamestown  gründete.  Bald  darauf
begannen  auch  schon  die  Kämpfe  der  beiden  Rivalen,
die  erst  150  Jahre  später  im  Frieden  von  Paris  ihren
Abschluss  fanden.
1613  wurde  Port  Royal  von  den  Engländern  zerstört,
1628  Canada  erobert  und  Champlain  gefangen,  aber  1631,
im  Frieden  von  St.  Germain,  wieder  alles  den  Franzosen
zurückgegeben.
Auch  gegen  die  Indianer  hatten  die  Franzosen  zu  kämpfen. ­

Die  grauenvollen  Indianerkriege  entstanden  teils  durch
das  Bündnis  mit  den  Algonkins,  durch  das  die  Franzosen ­
  in  die  Kämpfe  mit  den  Irokesen  verwickelt  wurden, ­
  teils  auch  durch  direkte  Feindseligkeiten  von  beiden ­
  Seiten.
Die  Kolonisten  lernten  allmählich  den  Kampf  nach  Art
der  Wilden  führen;  daher  entstanden  auch  zuerst  jene
„coureurs  des  bois,”  die  Waldläufer,  die  das  Jagdleben
in  der  Wildnis  dem  Ackerbau  in  den  Niederlassungen
vorzogen.  Wenn  ihr  gesetzloses  Treiben  auch  den  ruhigen ­
  Fortgang  der  Kolonie  hinderte,  so  waren  doch  auch
nicht  die  Vorteile  zu  verkennen,  die  das  Leben  dieser
        <pb n="28" />
        —  2?  —

Leute  mit  sich  brachte.  Sie  machten  weite  Streifzüge
durch  die  Wälder,  und  wurden  so  die  Vorläufer  der  spätem ­
  kühnen  Entdeckungsreisenden  der  Franzosen;  auch
als  Pfadfinder  und  Dolmetscher  leisteten  sie  sehr  wesentliche ­
  Dienste  besonders  für  die  Pelzhändler.
Mit  dem  Fortschritt  der  Kolonisation  ging  ein  Aufschwung ­
  des  Pelzhandels  Hand  in  Hand.
1627  gründete  sich  eine  Kompagnie:  „la  Compagnie
de  la  Nouvelle  France,”  der  ein  Patent  zuerkannt  wurde
mit  dem  Titel:  „Acte  pour  l’^tablissement  de  la  Compagnie ­
  des  cent  Associes  pour  le  commerce  du  Canada,
contenant  les  articles  acordes  ä  la  dite  Compagnie  par
M.  le  Cardinal  Richelieu,  le  29.  Avril  1627.” 12 )
Das  Innere  wurde  von  Jahr  zu  Jahr  mehr  aufgeschlossen. ­
  Champlain  entdeckte  auf  seinen  Streifzügen  zwei  der
grossen  canadischen  Seenf  Er  fuhr  den  Ottawa  aufwärts,
machte  zum  ersten  Mal  die  Reise  von  Mattawa  zum  Lake
Nipissing,  von  da  zur  Georgiabay,  und  kehrte  durch  den
Simcoe  -  Lake,  Trentriver  und  Ontariosee  zurück.
Mit  dem  Anfang  der  sechziger  Jahre  nehmen  die  Entdeckungsfahrten ­
  einen  grossartigen  Charakter  an.
1660  waren  Groseilliers  und  Radisson  am  Lake  Nepigon,
  1665  war  Lake  Superior  in  seiner  ganzen  Ausdehnung ­
  entdeckt,  1669  erforschten  Dollier  und  Jolliet
den  Lake  Erie,  1673  erreichten  Pere  Marquette  und  Louis ­
  Iolliet  durch  den  Foxriver  den  Mississippi,  fuhren  hinab ­
  bis  zum  Arkansas  und  kehrten  durch  den  des  Plaines
  und  die  Chicagoportage  zurück.
Diese  Fahrten  der  Franzosen  waren  mit  dem  ritterlich
kühnen  Geiste  unternommen,  den  dieses  Volk  stets  beseelte, ­
  der  aber  keine  Nationaleigentümlichkeit  der  Engländer ­
  war.  Dagegen  fehlte  den  Franzosen  bei  ihren  Unternehmungen ­
  der  kühl  berechnende  Verstand,  sie  woll12 ­

 )  Fitzgerald.  S.  37.
        <pb n="29" />
        —  28  —

ten  Ruhm  erwerben,  ein  Nützlichkeitsprinzip  war  selten
die  Triebfeder  zu  einer  ihrer  Expeditionen.
Darum  lenkte  sich  ihr  Blick  auch  nur  nach  dem  Westen ­
  hin,  nach  dem  Mississippi,  in  das  unbekannte  Innere ­
  des  grossen  Landes  zog  es  die  verwegenen  Canadier ­
  :  hier  war  Ruhm  zu  gewinnen,  hier  musste  man  den
Engländern  zuvorkommen.
Und  in  der  Tat  war  es  bald  nahe  daran,  dass  sich
Virginia  und  Neuengland  auf  einen  verhältnismässig
schmalen  Streifen  an  der  Küste  beschränken  mussten.
Der  Norden  aber,  die  öden  Hudsonsbayländer  schienen ­
  keine  Expedition  zu  verlohnen.
        <pb n="30" />
        —  29  —

Die  Hudsonsbay-Company.
1.  Erste  Anfänge.
(1667-1670.)
Die  Hudsonsbay  war  bisher  nur  von  Entdeckern  und
einzelnen  Fischern  befahren  worden.
Nachdem  mit  Fox  und  James  die  Versuche,  die  Nordwestpassage ­
  zu  entdecken,  für  eine  Zeitlang  zur  Ruhe
gekommen  waren,  hörte  man  in  Europa  nichts  mehr  von
der  öden,  von  eisigen  Ufern  umgebenen  Bai.  An  eine
Ansiedlung  in  diesen  Gegenden  dachte  niemand,  und  das
ist  ganz  natürlich.  Es  musste  ein  spekulativer  Kopf  sein,
der  es  ausfindig  machen  konnte,  aus  diesen  Gebieten
Nutzen  zu  ziehen.
Aber  solche  Männer  gab  es  damals  in  der  französischen ­
  Kolonie  genug,  das  zeigt  schon  der  Umfang  des
Pelzhandels  und  die  Energie  in  der  Ausführung  der  Entdeckungen. ­
  1627  war  die  „Compagnie  des  cent  Associes”
gegründet  worden,  1663  wurde  ihr  Recht  der  Krone  abgetreten, ­
  doch  1665  empfing  die  neue  Genossenschaft  „La
compagnie  des  Indes  Occidentales”  ihr  Patent.
Trotz  des  Monopols  der  Gesellschaften,  gab  es  aber
auch  Privathändler,  die,  wenn  der  Gouverneur  der  Kolonie ­
  nicht  streng  war,  mehr  Aussicht  hatten,  sich  zu
bereichern,  als  die  Aktionäre  der  Kompagnien,  denn  sie
wagten  die  gefährliche  Reise  ins  Innere  und  brachten
zahlreiche  und  bessere  Pelzwaren  mit,  als  die  Kompagnien, ­
  die  sich  nicht  über  die  Ansiedlungen  hinauswagten,
sondern  hier  die  Indianer  erwarteten  und  dann  einen
bequemen,  aber  auch  weniger  ertragreichen  Tauschhandel ­
  trieben.
Einer  der  unternehmendsten  Pelzhändler  war  Medard
Chouart,  nach  seinem  kleinen  Gütchen  in  Frankreich  „des
        <pb n="31" />
        —  30

G  r  o  s  e  i  11  i  e  r  s 18 )”  genannt.
Mit  16.  Jahren  war  er  1641  aus  Frankreich  ausgegewandert,
  um  in  den  neuen  Kolonien  sein  Glück  zu
suchen.  Er  erwarb  sich  durch  den  Pelzhandel  schnell
einen  gewissen  Wohlstand  und  fand  in  dem  ausgewanderten
  Hugenotten  Pierre  Radisson,  dessen  Schwester  er
heiratete,  einen  vortrefflichen  Compagnon.
Diese  beiden  Männer  sollten  für  den  Pelzhandel  Amerikas ­
  eine  wohl  nie  geahnte  Bedeutung  erlangen.
Groseilliers  war  der  Sohn  eines  Matrosen,  ungebildet,
aber  verwegen  und  energisch  in  der  Ausführung  seiner
weitschauenden  Pläne.  Radisson,  der  Schwiegersohn  eines ­
  angesehenen  englischen  Herrn,  des  Sir  John  Kirke, ­
  war  nicht  ohne  feinere  Bildung  und  Formen,  ein
geborener  Diplomat.  Diese  beiden  wurden  bald  die  angesehensten ­
  Leute  in  Trois-Riviferes  (Three  -  Rivers),  wo  sie
sich  niedergelassen  hatten.  Es  war  ihnen  klar,  dass  dieser ­
  Handel  grossartiger  betrieben  werden,  neue  Gebiete ­
  im  Innern  des  Landes  aufgeschlossen  und  Posten  erbaut ­
  werden  mussten.  1659  begannen  sie  daher  einen
kühnen  Streifzug  in  das  Innere  des  Landes.  Sie  besuchten ­
  die  Westküsten  des  Michigan-  und  Superior-  Lake,
überwinterten  bei  den  Sioux,  in  dem  heutigen  Minnesota ­
  und  erfuhren  auf  ihrem  Weitermarsch  von  einer
Bande  Assiniboines,  es  gäbe  im  Norden  ein  grosses  Wasser, ­
  das  sich  bis  zum  Eismeer  erstrecke.  Im  August  1660
kehrten  sie  mit  60  fellbeladenen  Canoes  zurück.
Die  Reise  erregte  Aufsehen,  und  Groseilliers  machte
sich  alsbald  von  neuem  auf  den  Weg,  begleitet  von  einigen ­
  Coureurs  des  bois  und  zwei  Jesuiten.  Die  Expedition ­
  brachte  wieder  reichen  Ertrag,  und  Groseilliers  13  *  *
13 )  WiHson  bemerkt  S.  12  zu  dem  Namen  sehr  richtig:  da  verschiedene ­
  Schreibweisen  existierten,  sei  es  wohl  am  besten,  sich  der
Bedeutung  des  Wortes  und  seiner  Orthographie  anzuschliessen,  le
groseiller  heisst  nämlich  »der  Johannis-  oder  Stachelbeerstrauch.«
        <pb n="32" />
        —  31  -

erfuhr  Neues  von  jenem  Wasser  im  Norden  und  von
einem  bequemen  Landweg  dahin  vom  Lake  Superior  aus.
Eine  dritte  Reise,  1662,  war  wieder  sehr  erfolgreich.
Groseilliers  und  Radisson  wussten  wohl,  dass  dieses
nördliche  grosse  Wasser  die  Hudsonsbay  sei,  und  es  war
in  ihrem  Kopfe  allmählich  ein  unternehmender  Plan  gereift: ­
  Wenn  man  an  der  Bay  Handelsposten  gründete
und  die  Indianer  dahin  kommen  liess,  so  war  ein  viel
reichlicherer  Ertrag  zu  erwarten,  als  die  Gebiete  in  der
Nähe  der  Ansiedlungen  ihn  liefern  konnten.  Ausserdem
lag  die  Bay  geschützt  gegen  äussere  Angriffe  und  war
auf  dem  Seewege  von  Canada  aus  zu  erreichen,  sodass
man  nicht  die  gefährliche  und  lange  Reise  ins  Innere
zu  machen  brauchte,  sondern  zur  See  auf  zeitlich  kürzerem ­
  Wege  sich  reichlicheren  Erfolg  versprechen  durfte.
Nachdem  die  beiden  Pelzhändler  sich  diesen  Plan  überlegt ­
  hatten,  Hessen  sie  ihn  nicht  mehr  los  und  setzten
alles  daran,  ihn  durchzuführen.
Aber  1663  kam  ein  neuer  Gouverneur  nach  Canada,
der  mit  Strenge  gegen  die  Privathändler  vorging  und
das  Monopol,  das  vom  König  einzelnen  Gesellschaften
ausgeteilt  wurde,  aufrecht  erhielt.
Als  daher  Groseilliers  mit  seinem  Vorschlag  vor  die
„Cent  Associes”  trat,  empfingen  diese  den  Privathändler
sehr  misstrauisch  und  wollten  von  seinen  Plänen  nichts
wissen. 11 )  Die  Dienste,  die  er  ihnen  als  Zwischenhändler
anbot,  schlugen  sie  ebenfalls  aus,  wahrscheinlich,  um  ein
für  allemal  mit  diesen  Privathändlern  aufzuräumen.  Sie
wollten  ganz  a  tlein,  ohne  Zwischenpersonen  und  ohne
in  die  Wildnis  reisen  zu  müssen,  mit  den  Indianern  Handel ­
  treiben.
Diese  kurzsichtige  Politik  war  nicht  nach  dem  Sinne
Groseilliers,’  aber  was  sollte  er  jetzt  tun!  Mit  seinem  ll

ll )  Willson  I,  17  ff.,  Historie  des  V.  XIV,  638.
        <pb n="33" />
        32  —

Privatgeschäft  hatte  es  ein  Ende,  und  die  privilegierten ­
  Händler  hatten  seine  Dienste  zurückgewiesen.  —  Er
beschloss,  dennoch,  sein  Vorhaben  durchzuführen,  auch
wenn  er  zu  den  Feinden  seines  Vaterlandes  übergehen
müsste.  Die  Engländer  mussten  ihm  helfen.  Er  reiste
nach  Boston  und  trug  hier  sein  Projekt  vor:  Englische
Schiffe  sollten  in  die  Bay  fahren,  und  Plandelshäuser
erbauen,  dann  würden  sie  hier,  im  Zentrum  des  Pelzhandels, ­
  ein  ergiebiges  Geschäft  machen.
Die  junge  Puritanerkok)nie,  die  sich  erst  mit  Mühe
gegen  ihre  äussern  Feinde  aufrecht  erhalten  konnte,  war
noch  nicht  imstande,  so  weitgehende  Unternehmungen
auszuführen.  Diese  Engländer  zeigten  aber  doch  das  grösste ­
  Verständnis  für  Groseilliers  Pläne  und  rieten  ihm,nach
England  zu  reisen  und  dem  Könige  seine  Dienste  anzubieten. ­
  Ein  tüchtiger  Seemann,  Zachary  Gillam,  der  ein
kleines  Schiff,  die  „Nonsuch,”  besass  und  mit  diesem
Reisen  zwischen  der  Kolonie  und  dem  Mutterlande  unternahm, ­
  erbot  sich,  Groseilliers  in  jeder  Weise  behülflich
  zu  sein.
Nach  einer  Rücksprache  mit  Radisson  wurde  beschlossen, ­
  nach  Europa  zu  fahren,  aber  dort  zuerst  in  Paris
den  Versuch  zu  machen,  Freunde  für  das  Hudsonsbay-Projekt
  zu  erwerben.
Die  Reise  nach  Paris  war  ergebnislos;  hier  hatte  man
für  solche  Handelspläne  nur  ein  hochmütiges  Achselzukken.

Aber  die  Engländer  hatten  die  beiden  Händler  nicht
aus  dem  Auge  verloren.  Ein  Colonel  Carr  aus  Boston
kam  in  Paris  an,  vermittelte  zwischen  ihnen  und  dem
englischen  Gesandten,  und  die  schliessliche  Folge  war,
dass  Groseilliers  ein  Empfehlungsschreiben  an  den  Prinzen ­
  Rupert  in  London  erhielt  und  sich  dahin  auf  den
Weg  machte.  Radisson  blieb  vorläufig  in  Paris  zurück.
        <pb n="34" />
        —  33  -

In  der  ganzen  Entwickelung  der  Geschichte  des  Hudsonsbay-Projekts
  zeigt  sich  wieder  der  wenig  praktische
Blick  de£  Franzosen  in  Handelsgeschäften  und  die  richtige ­
  Beurteilung  der  Sachlage  von  seiten  der  Engländer.
Im  vorliegenden  Falle  hatte  der  englische  Gesandte
aber  ganz  besonders  klug  gehandelt,  als  er  Groseilliers
dem  Prinzen  Rupert  empfahl.
Wenn  irgend  einer,  so  war  der  Prinz  Rupert  der  geeignete ­
  Mann,  ein  solches  Unternehmen  in  die  richtigen
Bahnen  zu  leiten.
PrinzRuprechtvonderPfalz,  genannt  der  „Cavalier,”der
  dritte  Sohn  des  unglücklichen  FriedrichV.von  der
Pfalz,  des  „Winterkönigs,”  und  der  Elisabeth  Stuart,  einer
Schwester  Karls  I.  von  England,  ist  unzweifelhaft  eine
der  glänzendsten  Erscheinungen  seiner  Zeit.  Eine  tollgeniale ­
  Natur,  ein  Mann  von  seltner,  vielseitiger  Begabung, ­
  hatte  er  für  alles  Interesse,  was  Geist  und  Mut
erforderte.
Seine  Jugenderziehung  hatte  er  in  den  Niederlanden
genossen,  wo  er  in  Leyden  studierte  und  sich  für  das
Kriegshandwerk  vorbereitete.  Im  dreissigjährigen  Kriege
erwarb  er  sich  den  Ruf  eines  verwegenen  Reiterführers.
Sein  Ruhm  wuchs,  als  er  1641,  auf  Drängen,  seines
Oheims  Karl  I.,  nach  England  reiste.  Schon  1635  hatte
er  den  englischen  Hof  besucht  und  sich  dort  rasch  alle
Herzen  gewonnen.  Oxford  hatte  ihn  damals  zum  „master
of  arts”  promoviert.  In  dem  Bürgerkriege  in  England  erntete ­
  er  neue  Lorbeern  und  fand  erst  an  dem  unbesiegbaren ­
  Cromwell  seinen  Meister.  1645  musste  er  die  Stadt
Bristol  übergeben  —  „I  have  no  stomach  for  sieges”
soll  er  d  amals  geäussert  haben. 45 )  Das  konnte  ihm  der
König  nicht  verzeihen,  es  kam  zu  einem  Zerwürfnisse
zwischen  ihm  und  seinem  Neffen.  Prinz  Ruprecht  reis-16

 )  Willson  I  S.  27,
        <pb n="35" />
        —  34  —

te  darauf  nach  Frankreich,  machte  den  niederländischen
Feldzug  von  1647  mit  und  führte  dann  ein  wildes  Korsarenleben, ­
  von  dessen  Prisenerlös  Karl  II.  den  Kampf
weiter  führen  konnte.  1659/60  nahm  er  im  kaiserlichen
Dienst  am  nordischen  Kriege  teil.  Die  Restauration  führte ­
  ihn  wieder  nach  England.  Hier  wurde  er  mit  diplomatischen ­
  Sendungen  betraut  und  lebte  seinen  technischen ­
  Lieblingsbeschäftigungen.  Er  machte  verschiedene
Erfindungen,  z.  B.  eine  neue  Mischung  des  Schiesspulvers, ­
  eine  Art  Repetiergeschütz,  Verbesserungen  an  hydraulischen ­
  Maschinen  und  im  Gebrauche  der  Schiffsquadranten, ­
  sowie  .das  nach  ihm  benannte  Prinzenmetall. ­
  Auch  als  Maler  und  Kupferstecher  war  er  gross.
1663  wurde  er  Mitglied  der  Royal  Society,  1665  kämpfte
er  rühmlich  gegen  de  Ruyter  zu  See.  Später  lebte  er
mehr  zurückgezogen  in  seinem  Laboratorium  und  beschäftigte ­
  sich  mit  seinen  technischen  Aufgaben,  fühlte  sich
aber  noch  immer  angezogen  durch  alle  neue  Unternehmungen, ­
  wenn  sie  nur  Kühnheit  und  Klugheit  verrieten.
Im  Mai  1667  erhielt  der  Prinz  den  Brief  des  englischen
Gesandten  aus  Paris.  Das  Projekt  des  Franzosen  interessierte ­
  ihn  ausserordentlich,  er  empfing  Groseilliers  sehr
freundlich  und  besprach  mit  ihm,  einigen  hohen  Herrn
und  Londoner  Kaufleuten  das  Unternehmen.
Man  kam  zu  dem  Entschlüsse  :  Gillam  und  Groseilliers
sollten  zur  Bai  fahren  und  zunächst  einmal  versuchen,
ob  das  Geschäft  sich  rentiere.
Am  3.  Juni  1668  segelte  die  „Nonsuch,”  das  Schiff  Gillams
  ab.  Die  Reise  verlief  ohne  Unterbrechung.  In  der
Jamesbay  landeten  die  Männer  bei  einem  Fluss,  den  sie
Rupertsriver  nannten  und  erbauten  ein  Blockhaus,  den
ersten  Handelsposten,  und  nannten  ihn  Fort  Charles.
Einige  Indianer,  die  äusserst  erstaunt  waren,  weisse
Männer  anzutreffen,  wurden  reichlich  beschenkt.  Der  dar-
        <pb n="36" />
        —  35  —

auf  beginnende  Pelzhandel  war  sehr  einträglich.  Der  grimmige ­
  Winter  wurde  gut  überstanden,  denn  man  hatte
sich  genügend  verproviantiert  und  alle  nötigen  Vorkehrungen ­
  getroffen.  Im  Juni  des  nächsten  Jahres  segelte
Gillam  mit  reicher  Ladung  nach  London  zurück.  Groseilliers
  blieb  in  Fort  Charles  und  betierb  den  Tauschhandel ­
  weiter,  den  er  als  langjähriger  Waldläufer  wohl
verstand.
Gillam  wurde  in  London  mjt  Jubel  empfangen.  Man
sandte  ihn  sofort  zurück  und  mit  ihm  fuhr  auch  Radisson
über.
Die  Gesellschaft  der  Kaufleute  in  London  war  erstaunt
über  den  bedeutenden  Erfolg  der  ersten  Reise.  Man  sah,
dass  das  Geschäft  sich  rentierte,  und  nun  war  nur  noch
ein  Schritt  weiter  zu  machen.  Der  Pelzhandel  musste
im  Grossen  betrieben  werden,  also  war  das  nächste  Ziel
die  Gründung  einer  Aktiengesellschaft  und  die  Erlangung
eines  königlichen  Freibriefs  für  den  Handel.
Der  unermüdliche  Prinz  Rupert  nahm  die  Sache  in
die  Hand  und  erwirkte  den  17  Aktionären  von  Karl  II.
das  Patent,  das  die  Rechte  und  Pflichten  der  Korporation ­
  festsetzte. 16 )
Dieser  Freibrief  (Charter)  ist  ein  langes  Schriftstück,
voll  von  schwülstigen  Redensarten  und  Wiederholungen;
er  trägt  das  Datum  vom  2.  Mai  1670.  Mit  diesem  Tage
trat,  also  die  Hudsonsbay  -  Company  ins  Leben  und  hat
16 )  Nachdem  die  Anfangsgeschichte  der  Hndsonsbay  Company  beschrieben ­
  ist,  bedarf  es  wohl  keines  Beweises  mehr,  um  darzutun,
dass  es  unrichtig  i.t,  wenn  Nederkorn  in  seiner  Dissertation  (D.  Geogr.
Bl.  Bd.  XXII  Heft  2  Seite  1  17)  behauptet:  »was  dieee  Unternehmungen ­
  (Button  James,  Gillam  u.  a.)  veranlasst  hatte,  war  die  Auffindung ­
  der  Nordwestpassage  gewesen«  und  wenn  es  im  »Dictiodary
ot  National  Biogrophv«  [London  1897]  im  49.  Bd.  S.  414(15  heisst:
»In  conjunction  with  the  Duke  of  Albemarie  and  others  he  (Rupert)
took  up  a  shame  for  di-scovering  the  supposed  passage  throngh  the
great  Lakes  of  Canada  to  the  South-Sea  and  despatched  in  Iune
1668  two  Ships  to  Hudsons-Bay  for  that  purpose.«  etc.
        <pb n="37" />
        —  36  -

200  Jahre  lang,  trotz  aller  inneren  und  äusseren  Feinde
ihre  Machtbefugnisse  ausgeübt.
Der  Charter 17 )  setzt  etwa  folgendes  fest:  „Karl  II,  durch
Gottes  Gnade  König  von  England,  Schottland,  Frankreich ­
  und  Irland,  defensor  fidei  etc.
Einen  Gruss  zuvor  allen,  denen  dies  Schreiben  zu  Händen ­
  kommt!
Sintemal  unser  herzlich  geliebter  Vetter,  Prinz  Rupert,
Pfalzgraf  bei  Rhein,  Herzog  von  Baiern  und  Cumberland
  etc.;  Christopher  Duke  of  Albemarle,  William  Earl
of  Craven,  Henry  Lord  Arlington,  Anthony  Lord  Ashley,
Sir  John  Robinson  und  Sir  Robert  Vyner,  Knights  und
Baronets;  Sir  Peter  Colleton,  Baronet;  Sir  Edward  Hungerford, ­
  Knight  of  the  Bath,;  Sir  Paul  Neele,  Knight;
Sir  John  Griffith  und  Sir  Philip  Carteret,  Knights;  James ­
  Hayes,  John  Kirke,  Francis  Millington,  William  Prettyman,
  John  Fenn,  Esquires;  und  John  Portman,  Bürger
und  Goldschmied  von  London;  auf  ihre  eignen  Kosten
und  Auslagen  eine  Expedition  zur  Hudsonsbay  unternommen ­
  haben  im  Nordwestteile  von  Amerika  zur  Entdeckung
einer  neuen  Passage  in  die  Südsee  und  zur  Betreibung
eines  Handels  in  Pelzen,  Mineralien  und  andern  bemerkenswerten ­
  Waren,  und  da  sie  zum  Zwecke  dieses  Unternehmens ­
  bereits  Entdeckungen  gemacht  haben,  die  einen ­
  günstigen  Fortgang  ihres  Vorhabens  erhoffen  lassen, ­
  sodass  dadurch  wahrscheinlich  grosser  Nutzen  entsteht ­
  für  uns  und  unser  Reich.  —
Und  da  ferner  die  besagten  Unternehmer  zur  Fortsetzung ­
  ihres  Vorhabens  uns  alleruntertänigst  ersucht  haben, ­
  sie  zu  inkorporieren  und  ihnen,  sowie  ihren  Nachfolgern ­
  den  ganzen  Handel  zu  privilegieren  in  all  den
17 )  Der  genaue  Wortlaut  findet  sich  in  einer  Anlage  zu  dem  Werke
Willsons,  besser  aber  in  einer  Anlage,  die  Martin  seinem  Buche,,  The
Hudsons-Bay-Terittories  and  Vancouver  Isld«,  London  1849«  beifügt.
        <pb n="38" />
        37  —

Meeren,  Strassen,  Baien,  Seen,  Flüssen,  Bächen  und  Sunden, ­
  welche  Ausdehnung  sie  auch  haben  mögen,  die  gelegen ­
  sind  innerhalb  der  Strassen,  gemeiniglich  Hudsonsstrassen ­
  genannt,  zusammen  mit  all  den  Ländern,  Gebieten
und  Territorien  an  den  Küsten  und  Grenzen  der  genannten ­
  Meere,  Strassen,  Baie,  Seen,  Flüsse,  Bäche  und
Sunde,  die  noch  nicht  bis  jetzt  definitiv  im  Besitze  eines
unserer  Untertanen  sind  oder  im  Besitze  der  Untertanen
irgend  eines  andern  christlichen  Fürsten  oder  Staats.  —
So  machen  wir  nun  bekannt,  —  in  dem  Wunsche,  alle
Unternehmungen  zu  fördern,  die  zum  öffentlichen  Wohle
des  Volkes  dienen,  und  auch  das  vorliegende  Unternehmen ­
  zu  unterstützen  —  dass  wir  in  unserer  ganz  besondern
  Gnade  geben,  garantieren,  ratifizieren  und  festsetzen, ­
  und  durch  diesen  Charter  uns,  unsern  Erben  und
Nachfolgern  geben,  garantieren  ratifizieren  und  festsetzen
unserm  Vetter  und  —-  (folgen  die  Namen)  dass  sie  und
andere,  die  zu  der  besagten  Genossenschaft  zugelassen
werden,  —  eine  politische  Korporation  sein  sollen  unter
dem  Namen  „The  Governor  and  Company  of  Adventurers
  of  England,  trading  into  Hudsonsbay.”
In  dem  Charter  wird  nun  in  ähnlicher  schwülstiger
Sprache  weiter  festgesetzt:  Aller  Landbesitz  alle  Renten,
Privilegien,  Freiheiten  Iurisdiktionen  und  Gerechtsamen
der  Company  sollen  erblich  sein,  die  Gesellschaft  hat
das  Recht,  über  ihr  Land  zu  verfügen  und  es  zu  veräussern.
  Vor  Gericht  wird  sie  angesehen  wie  alle  andern ­
  lehnspflichtigen  Untertanen  des  Reiches,  sie  hat  ein
gemeinsames  Siegel,  das  sie  aber  nach  Bedarf  ändern
kann.
Ein  Mann  der  Company  wird  zum  Gouverneur,  ein
anderer  zum  Vice-Gouverneur  gewählt.  Sieben  Mitglieder ­
  bilden  den  engeren  Ausschuss,  „das  Committee.”
Der  Ausschuss  hat  die  Geschäfte  zu  leiten.  Diese  Ord-
        <pb n="39" />
        —  38  _

nung  soll  niemals  durchbrochen,  auch  mit  den  Privilegien ­
  und  Machtbefugnissen  nie  eine  Aenderung  vorgenommen ­
  werden.
Der  erste  Gouverneur  ist  Prinz  Rupert,  der  Ausschuss
besteht  aus:  Sir  Robinson,  Sir  Vyner,  Colleton,  Hayes,
Kirke,  Millington  und  Portman.
Im  November  jeden  Jahres  findet  eine  Generalversammlung ­
  statt,  welche  den  neuen  Gouverneur,  Vicegouverneur
  und  das  Committee  für  ein  -Jahr  wählt.  Im  Falle
der  Gouverneur  stirbt,  oder  sein  Amt  schlecht  verwaltet, ­
  kann  die  Gesellschaft  ihn  absetzen  und  einen  neuen ­
  wählen.
Die  Ausbeutung  aller  Fischereien  und  Minen,  die  etwa ­
  noch  entdeckt  werden,  wird  schon  im  Voraus  garantiert. ­

Das  ganze  Land  soll  angesehen  sein  wie  eine  der  andern ­
  englischen  Pflanzstätten  oder  Kolonien  in  Amerika
unter  dem  Namen  von  „Rupertsland.”
Die  Company  und  ihre  Nachfolger  sind  die  wahren
und  absoluten  Herrn  und  Eigentümer  des  Landes.
So  oft  der  König  das  Land  betritt,  sollen  ihm  „two
elks  and  two  black  beavers”  zum  Präsent  gemacht  werden. ­

Alle  Einzelgesetze  und  Einrichtungen  bestimmt  die  Company ­
  selber,  jedoch  so,  dass  sie  nicht  mit  den  Gesetzen
und  Gebräuchen  des  englischen  Staates  kollidieren.
Dieselben  Privilegien  der  Company  erstrecken  sich  auf
alle  die  Länder,  die  sie:  noch  von  der  Bai  aus  zu  Wasser
oder  zu  Lande  entdecken  wird,  wenn  sie  noch  nicht  im
Besitze  irgend  einer  andern  christlichen  Macht  sind.
Andern  Personen  ist  es  verboten,  die  Gebiete  der  Company ­
  zu  betreten  oder  dort  Handel  zu  treiben,  wenn  sie
nicht  die  specielle  Erlaubnis  der  Company  haben.  Niemals ­
  aber  soll  ohne  Zustimmung  der  Company  irgend
        <pb n="40" />
        —  39  -

einer  andern  Gesellschaft  ein  Privileg  verliehen  werden,
das  den  Bestimmungen  der  Company  zuwiderläuft.
Jedes  Mitglied  hat  eine  Stimme,  wenn  es  ioo  Pfd.
subscribiert  hat,  für  jedes  weitere  ioo  Pfd.  entsprechend
mehr  Vota.
Die  Gesellschaft  hat  das  Recht,  Gouverneure  und  Offiziere ­
  zu  ernennen,  welche  die  Forts  und  Plätze  eventuell ­
  mit  Waffengewalt  zu  verteidigen  haben.  Sie  hat
die  Gerichtsbarkeit  über  ihre  Leute.
Sie  hat  das  Recht,  Kriegsschiffe  auszusenden,  Forts
zu  errichten,  Soldaten  zu  unterhalten  und  Krieg  anzusagen,
  oder  Frieden  zu  schliessen  mit  jedem  nicht  christlichen ­
  Volk.
Alle  Personen,  die  ihre  privilegierten  Länder  oder  Meere ­
  betreten  oder  befahren,  darf  sie  gefangen  nehmen  und
nach  England  schicken,  wo  über  ihr  Vergehen  abgeurteilt ­
  wird.
Um  Unredlichkeiten  unter  den  eignen  Leuten  vorzubeugen, ­
  hat  jeder  einzelne,  der  im  Dienste  der  Company
steht,  sich  eidlich  zu  verpflichten,  seine  Schuldigkeit  zu
tun.
Zum  Schluss  wird  die  Genossenschaft  dem  Wohlwollen
aller  derer  empfohlen,  die  einmal  rechtlich  oder  geschäftlich ­
  mit  ihr  zu  verhandeln  haben.
Die  Rechtskräftigkeit  dieses  Charter  ist  später  vielfach
angegriffen  worden;  aber  die  Company  hat  sich  stets
dieser  Angriffe  zu  erwehren  gewusst.  Ihr  kam  dabei  jedenfalls ­
  zu  statten,  dass  von  Anfang  an  Personen  von
höchster  Stellung  unter  ihren  Aktionären  waren  und  während ­
  der  langen  Zeit  ihres  Bestehens  hat  sie  nach  Möglichkeit ­
  dafür  gesorgt,  dass  sie  dieses  Hinterhaltes  nicht
verlustig  ging.
Ein  bedeutender  Uebelstand  in  ihren  Bestimmungen
war  die  ungenügende  Festlegung  der  geographischen  Ver-
        <pb n="41" />
        —  40  —

hältnisse,  die  von  einer  völligen  Unkenntnis  auf  diesem
Gebiete  zeugte.
Ihre  Territorien  waren  nur  bezeichnet  als  die  Länder,
„wliich  are  not  now  actually  possessed  by  any  of  our
subjects,  or  by  the  subjects  of  any  other  Christian  Prince
or  State.”
Dass  diese  Bestimmung  völlig  ungenügend  war,  lehrten ­
  die  Ansprüche  der  Franzosen  auf  die  Hudsonsbayländer.
  Man  hat  nun  „Rupertsland”  immer  als  den  Distrikt ­
  angesehen,  dessen  Wasser  in  die  Hudsonsbay  fliessen,
  aber  ajuch  diese  Bestimmung  brachte  Schwierigkeiten ­
  mit  sich,  wie  sich  später  zeigen  wird.
Merkwürdig  ist,  dass  an  der  Spitze  des  Charter  der
Satz  steht:  „for  the  :  discovery  of  a  new  passage  into
the  South  -  Sea,”  Wahrscheinlich  ist  dieser  Passus  auf
Verwenden  des  Prinzen  Rupert  eingefügt  worden,  denn
zugleich  mit  der  Fahrt  in  die  Hudsonsbay  tauchte  auch
wieder  das  Problem  der  Nordwestpassage  auf,  und  da
der  Prinz  einen  Plan  niemals  einseitig  überlegte,  so  wollte ­
  er  womöglich  die  beiden  Unternehmungen  des  Pelzhandels ­
  und  der  Fmtdeckung  der  Durchfahrt  miteinander ­
  verbinden.  Aber  das  waren  zwei  sehr  verschiedene
L r nternehmungen,  die  sich  sc  hwer  vereinigen  liessen,  wie
die  Zukunft  lehren  sollte.
Von  einer  englischen  Handelskompagnie  konnte  man  nicht
erwarten,  dass  sie  neben  dem  Streben  nach  materiellem
Besitz  sich  auch  noch  um  das  Entdeckungswerk  bekümmern ­
  sollte,  das  doch  mehr  ideale  Ziele  erforderte.
Tatsächlich  war  der  Hudsonsbay  -  Company  später  auch
kaum  eine  Bestimmung  ihres  Charter  so  unbequem
wie  diese;  und  es  scheint,  dass  sie  nur  dann,  wenn  es
ihre  Politik  erforderte,  oder  wenn  zufällig  mit  einer  Entdeckungsfahrt ­
  Handelsinteressen  verbunden  waren,die  Forderungen ­
  dieses  Statuts  erfüllte.  Sie  war  ihrem  ganzen
        <pb n="42" />
        Wesen  nach  nichts  anderes,  als  eben  eine  Handelsgesellschaft, ­
  und  das  ist  sie  geblieben  bis  auf  die  heutige
Zeit.

2.  Die  Rivalität  mit  den  Franzosen.
(1670—1714.)
Als  Ludwig  XIV.  1661  die  Regierung  seines  Landes
selbst  übernahm,  stellte  er  Jean  Baptiste  Colbert  an  die
Spitze  der  Verwaltung,  unter  dessen  Aegide  die  Kolonien ­
  einen  bedeutenden  Aufschwung  nahmen.  In  jene
Zeit  fallen  die  Fahrten  Pöre  Marquettes  und  Iolliets;  der
Westen  Canadas  wurden  weiter  erschlossen.  Handeltreibende ­
  Indianer  kamen  in  grosser  Zahl  nach  Quebec  und
unter  ihnen  erzählten  einige  auch  von  den  weissen  Männern ­
  und  Schiffen  in  der  Hudsonsbay.
Der  Gouverneur  Talon,  ein  äusserst  tatkräftiger  Mann,
benachrichtigte  sofort  Colbert  von  dieser  Wahrnehmung
und  vermutete  sehr  richtig,  dass  Groseilliers  die  Engländer ­
  in  die  Bai  geführt'  hätte.  Er  beschloss  auch  sogleich,
einige  Leute  zu  Lande  dorthin  zu  senden,  um  den  Tatbestand ­
  zu  untersuchen.
Die  Franzosen  betrachteten  die  Hudsonsbaygebiete  als
ihr  Eigentum,  das  geht  aus  verschieden  Tatsachen  hervor.
1627  war  der  „Compagnie  des  Cent  Associes”  das  Land
bis  zum  „Cercle  Arctique”  zugesichert  worden.  Aber  damit ­
  war  doch  nur  ein  unbegrenztes  Gebiet  bezeichnet,
dessen  Ausnutzung  in  praxi  in  der  damaligen  Zeit  ein
Ding  der  Unmöglichkeit  war.
Man  hat  auch  für  das  Recht  der  Franzosen  angeführt, 18 )
dass  alle  französische  Karten  jener  Zeit  auch  noch  das
ganze  Gebiet  der  Hudsonsbay  als  „Nouvelle  France”  bezeichnen ­
  und  endlich,  das  Charlevoix  im  I.  Buche  (S.

18 )  Fitzgerald,  Seite  38  ff.
        <pb n="43" />
        —  42  —

476/77)  seiner  Histoire  de  la  Nouvelle  France  von  der
englischen  Besitzergreifung  der  Bai  sagt:  „mais  on  regarda
  en  France  et  en  Canada  ces  entreprises  comme  des
usurpations.”
Aber  solange  der  Beweis  nicht  erbracht  ist,  dass  die
Hudsonsbay  von  den  Franzosen  offiziell  mit  Beschlag  belegt ­
  und  die  Ceremonie  der  Besitznahme  ausgeführt  war,
kann  man  das  strittige  Land  noch  nicht  als  französisches
Eigentum  ansehen,  denn  die  Behauptungen,  dass  der  Sieur
Bourdon  1656  zur  See  die  Bai  befahren  habe, 19 )  um  sie
für  Frankreich  in  Besitz  zu  nehmen,  und  noch  früher
La  Couture  und  Dablon 20 )  zu  Lande,  beruhen  auf  sagenhaften ­
  Nachrichten,  die  nirgends  eine  genügende  Bestätigung ­
  finden.  Wahrscheinlich  ist,  dass  vor  1670  ein
Franzose  die  Bai  noch  nicht  gesehen  hat. 21 )
Jedenfalls  betrachteten  die  Franzosen  aber  diese  Gebiete ­
  als  ihr  Eigentum,  und  neben  Handelserwägungen  mussten ­
  politische  und  strategische  Gründe  ihnen  sagen,  dass
sie  diese  englische  Besitzergreifung  nicht  zulassen  dürften. ­

Eine  Deputation  von  Wilden 22 )  aus  der  Gegend  des
Saguenay,  die,  wie  es  in  der  „Histoire  des  voyages”  heisst,
„venoient  djemander  des  Missionaires,”  bot  willkommenen ­
  Anlass,  den  Jesuitenpater  Albanei  mit  zwei  Begleitern ­
  abzusenden.  Er  sollte  den  Saguenay  aufwärts  fahren ­
  und  versuchen,  die  Bai  auf  dem  Landwege  zu  erreichen. ­

Im  August  1671  reiste  die  Expedition  von  Quebec  ab,
überwinterte  am  Lake  St.  John,  und  fuhr  im  Frühjahr
1672  den  Ashuapmoushuan  aufwärts  zum  Lake  Mistas-19
 )  Hist,  des  voyages,  XIV,638.
so )  Charlevoix  III  39/40.
21 )  Siehe  darüber  auch  Nederkorn  (D,  Geogr.  Bl.  Bd.  XXV.  Heft  2
S.  118.)
3S )  So  berichtet  wenigstens  die  Histoire  des  Voyages  XIV,  641
        <pb n="44" />
        —  43  —

sini  und  von  hier  durch  den  Ruperts  -  River  oder  Nemiscau,
  wie  die  Franzosen  ihn  später  nannten,  zur  Bai.
Unterdessen  war  der  Pelzhandel  der  Company  weiter
gediehen.
Biberpelz  war  von  Anfang  an  ihr  Hauptartikel  gewesen, ­
  denn  das  Land  hatte  Ueberfluss  an  diesen  Tieren,
zudem  hatte  Karl  I.  1638  bekannt  gemacht,  zu  Hüten
dürfte  nur  noch  Biberstoff  gebraucht  werden.  „Diese  Bekanntmachung ­
  war  das  Todesurteil  für  unzählige  Biber,
die  dem  Handel  geopfert  wurden,”  bemerkt  Willson  hierzu. ­
  23 )
1671,  im  November,  machte  die  Company  zum  ersten
Mal  bekannt,  dass  sie  „3000  weights  of  Bcaver-Skins”
verkaufen  wolle.’
Der  Ertrag  war  sehr  gut,  und  die  Schiffe  wurden  sofort ­
  wieder  zur  Bai  zurückgesandt,  wo  ein  von  der  Company ­
  ernannter  Gouverneur  (Bailey)  auf  Fort  Charles  die
Geschäfte  leitete.
Groseilliers  und  Radisson  standen  ihm  mit  ihren  Erfahrungen ­
  zur  Seite,  aber  das  Verhältnis  zwischen  ihnen
und  dem  Gouverneur,  das  von  Anfang  an  kein  gutes
gewesen  zu  sein  scheint,  verschlechterte  sich  mit  der  Zeit
noch  mehl  ;  die  französischen  Händler,  die  ein  freies
Leben  gewöhnt  waren,  konnten  sich  wohl  mit  der  engen
Zucht  und  Beaufsichtigung  des  Engländers  nicht  befreunden. ­
  Die  Ankunft  Albanels,  die  wie  es  scheint  als  Mache ­
  der  beiden  Franzosen  ausgelegt  wurde,  führte  zu
offenem  Konflikt,  sodass  die  Händler  gekränkt  das  Fort
verliessen  und  zu  Lande  nach  Canada  zurückkehrten.
Albanel  wurde  übrigens,  wie  berichtet  wird,  von  Bailey ­
  freundlich  aufgenommen  und  scheint  auf  einem  Schiffe ­
  der  Company  nach  ■  Europa  zurückgekehrt  zu  sein.
23 )  Willson  I  59;  This  proclamation  was  the  death  Warrant  of
beavers  innumerable,  sacrificed  to  the  demands  of  the  trade.«
        <pb n="45" />
        —  44  —

Seine  Reise  hatte  keine  weitere  Bedeutung,  sie  ist  nur
insofern  bemerkenswert,  als  es  die  erste  uns  bekannte
Expedition  ist,  die  zu  Lande  von  Canada  zur  Hudsonsbay
  gemacht  wurde.
Der  neue  Gouverneur,  Lyddal,  der  1672  von  London
aus  in  Fort  Charles  ankam,  liess  neue  Gebäude  erbauen
und  auf  Charlton  -  Island  ein  Depot  errichten.
Groseilliers  war  nach  Trois-Riviüres  zurückgekehrt
und  lebte  hier  untätig.  Radisson  dagegen  entwickelte  jetzt
eine  bedeutende  Tatkraft.  Er  reiste  zunächst  wieder  nach
Paris,  aber  hier  betrachtete  man  den  Ueberläufer  mit
unverhohlenem  Misstrauen.  In  England,  wohin  er  sich
nun  wandte,  gelang  es  ihm  auch  nicht,  das  Vertrauen  der
Company  wieder  zu  erwerben,  wenn  der  Prinz  Rupert
ihn  auch  freundlich  empfing.
Nun  reiste  er  wieder  nach  Frankreich  zurück  und  warb
hier  für  den  Plan,  den  canadischen  Handel  bis  zur  Hudsonsbay
  auszudehnen  und  so  die  Engländer  kalt  zu  stellen. ­
 24 )
Radisson,  der  zuerst  wie  ein  tatkräftiger  Kaufmann  auftritt,
  gebildet  und  sogar  vornehm  durch  seine  Verwandtschaft ­
  mit  dem  Sir  Kirke,  einem  Aktionär  der  Company,
gewinnt  jetzt  allmählich  ganz  das  Ansehen  eines  Halbwilden, ­
  eines  durchtriebenen  Abenteurers,  dem  alle  Mittel ­
  gerecht  sind,  um  nur  zu  seinem  Ziele  zu  kommen.
Um  diese  Zeit  kam  ein  Herr  la  Chesnaye  nach  Paris,
das  Haupt  der  „Compagnie  du  Nord,”  die  sich  in  Canada
gebildet  hatte,  „qui  entreprit  de  chasser  les  Anglois  de
la  Baied’  Hudson”  heisst  es  in  der  Histoire  des  Voyages.
Seine  Projekte  stimmten  sehr  mit  denen  Radissons  zusammen, ­
  und  er  war  erfreut,  diesen  Mann  in  Paris  zu
treffen.
La  Chesnaye  erwarb  endlich  auch  Colberts  Interesse

J4 )  Hist,  des  V.  XIV  642  ff.,  Willson  I  83  ff.
        <pb n="46" />
        —  45  —

für  sein  Vorhaben, 28 )  und  das  einzige,  was  ihm  noch
fehlte,  war  Geld.
Dieses  lieferten  diesmal  merkwürdigerweise  die  Jesuiten, ­
  nachdem  Radisson  wahrscheinlich  seine  Verstellungskünste ­
  bei  ihnen  angewandt  hatte.
Nach  diesen  Vorbereitungen  reiste  Radisson  wieder  ab
und  kam  im  September  1681  in  Quebec  an.
La  Chesnaye  rüstete  heimlich  zwei  Schiffe  aus)  da  der
neue  Gouverneur  nichts  von  einem  Angriffe  auf  die  Engländer ­
  wissen  wollte,  solange  der  Hof  nicht  selbst  dazu ­
  riete.  Groseilliers  und  Radisson  übernahmen  das  Kommando ­
  und  fuhren  im  kommenden  Frühling  nach  derBai  ab.
Um  das  merkwürdige  Verhalten  Colberts  und  des  Gouverneurs ­
  in  dieser  Sache  zu  erklären,  ist  es  nötig,  einen
kurzen  Blick  auf  die  Politik  der  beiden  Staaten  zu  werfen. ­
  Karl  II.  war  seit  1670  in  eine  schimpfliche  Abhängigkeit ­
  von  Frankreich  geraten.  Er  hatte  seine  Freundschaft ­
  mit  Holland  an  Ludwig  XIV.  für  eine  Geldsumme
verkauft,  und  war  so  ein  Pensionär  des  französischen
Königs  geworden.  Dadurch  entstand  ein  merkwürdiges
Verhältnis  zwischen  den  beiden  Souveränen.  Karl  war
durch  das  Bündnis  mit  Ludwig  gezwungen,  nichts  Feindseliges ­
  gegen  Frankreich  zu  unternehmen,  Ludwig  hatte
dagegen  die  Hände  freier,  wenn  ihm  auch  die  Freundschaft ­
  Englands  sehr  am  Herzen  lag.
Es  ist  daher  wohl  anzunehmen,  dass  Ludwig  einen  Angriff ­
  a  uf  die  Company  von  seiten  der  Canadier  ganz
gern  gesehen  hätte,  und  es  hat  fast  den  Anschein,  als
wenn  der  Nachfolger  des  damaligen  Gouverneurs  von
Canada  darauf  bezügliche  geheime  Instruktionen  erhalten
hätte.
Groseilliers  und  Radisson  landeten  in  der  Mündung
des  Nelsonriver.  Hier  blieb  Groseilliers  zur  Erbauung
,s )  Willson  I.  91;  »Seignely  listened  with  interest  and  reqnested
time  to  reflect  on  the  matter.
        <pb n="47" />
        2e )  Hist,  des  Voyages  S.  642  ff.  Willeon  I.  98  ff

46  —

eines  Forts,  zurück,  Radisson  begab  sich  ins  Innere,  um
mit  «den  Indianern  Handel  zu  treiben.  Die  Geschichte,
die  nun  folgt,  ist  ein  richtiger  Roman  des  wilden  Westens, ­
  mit  Indianerlist,  Ueberfällen  und  sonstigen  Abenteuern ­
  genügend  ausgestattet. 26 )
Radisson  traf  auf  seiner  Fahrt  ins  Innere  zu  seinem
Erstaunen,  den  Sohn  des  Kapitäns  Gillam  an,  der  eben
im  Nelsonriver  Anker  geworfen  hatte  und  sich  nun  damit ­
  beschäftigte,  am  Ufer  ein  Fort  zu  errichten.  Auf
dem  Rückmärsche  begegnete  er  einem  grossen  Schiffe
der  Company,  dem  „Prince  Rupert,”  das  in  der  Mündung
des  Nelsonriver  gelandet  war,  um  hier,  in  der  Nähe  des
französischen  Postens,,  ein  Fort  zu  erbauen.  Der  Kapitän ­
  des  „Prince  Rupert”  war  der  alte  Gillam,  mit  ihm
war  an  Bord  der  Gouverneur  des  neu  zu  errichtenden
Forts,  Bridgar,  Radisson  schloss  mit  ihm  einen  Vertrag,
beide  bauten  nun  ihre  Handelsposten,  ohne  sich  zu  belästigen. ­
  Die  Company  nannte  den  ihrigen  Fort  Nelson,
Radisson  den  französischen  Fort  Bourbon.
Sobald  Radisson  seine  Leute  unter  Dach  und  Fach
gebracht  hatte,  begann  er  seine  Intrigen.  Bei  Besuchen
auf  dem  „Prince  Rupert”  merkte  er  wohl,  dass  man
ihn  argwöhnisch  beobachtete  und  nicht  das  Beste  gegen ­
  ihn  im  Schilde  führte.  Das  war  ihm  Anlass  genug,
sobald  als  möglich  gegen  die  Engländer  vorzugehn.  Der
Untergang  des  „Prince  Rupert”,  der  vom  Eise  zerdrückt
wurde,  bot  die  passende  Gelegenheit.  Das  englische  Detachement ­
  wurde  überfallen  und  das  Fort  genommen.
Ebenso  gelang  es  Radisson,  sich  des  jungen  Gillam  und
seiner  Leute  zu  bemächtigen.  Da  auch  die  beiden  französischen ­
  Schiffe  im  Eisgänge  zerstört  wurden,  fuhren
Groseilliers  und  Radisson  im  Frühjahr  des  nächsten  Jahres ­
  auf  dem  Schiffe  des  jungen  Gillam  nach  Quebec  zurück.
        <pb n="48" />
        -  47£-Sie

  nahmen  die  beiden  Gillams  und  Bridgar  ais  Gefangene ­
  mit,  die  englische  Mannschaft  wurde  auf  einer  Barke ­
  ausgesetzt.  In  Fort  Bourbon  blieb  der  Sohn  Groseilliers’
  zurück.  Der  Empfang  in  Quebec  war  aber  durcD
aus  kein  freundlicher.
Der  Gouveneur  befahl,  die  Gefangenen  sofort  in  Freiheit ­
  zu  setzen  und  das  Schiff  nach  Neuengland  zurückzusenden. ­
  Die  beiden  Abenteurer,  die  auf  eigene  Faust
die  Engländer  bekriegten  und  womöglich  die  Franzosen
in  einen  Krieg  mit  England  stürzen  konnten,  hatten  eine
Bestrafung  zu  gewärtigen,zudem  war  La  Chesnaye  um  seine ­
  Schiffe  gekommen.  Jedenfalls  wurde  der  Boden  für
die  beiden  in  Canada  zu  heiss,  und  sie  machten  sich
eiligst  davon  nach  Europa.
Noch  eher  war  Bridgar  in  England  angelangt,  sodass
man  da  den  ganzen  Sachverhalt  erfuhr  und  zugleich  hörte,
dass  Radisson  in  Paris  sei.  Wenn  Radisson  sein  Wesen
noch  weiter  trieb,  so  drohten  für  die  Company  die  schwersten ­
  Gefahren.  Er  musste  unschädlich  gemacht  werden.
Wie  das  a  m  besten  zu  erreichen  war,  wussten  die  findigen ­
  Engländer  wohl:  Man  liess  den  englischen  Gesandten ­
  in  Paris,  Lord  Preston,  sagen,  er  möge  Radisson
veranlassen,  wieder  in  die  Dienste  der  Company  zu  treten.
Dies  geschah  auch.
Godey,  der  Attache  Prestons  suchte  den  „Bushranger”
auf  und  gibt  von  ihm  folgende  Schilderung: 27 )  „Radisson ­
  sah  aus  wie  ein  Wilder,  nicht  wie  ein  Christenmensch.
Sein  schwarzes  Haar  hing  in  wilden  Strähnen  über  seinen
blossen  Nacken  und  seine  Schultern.  Seine  Gesichtsfarbe ­
  war  dunkel  und  trug  die  Spuren  eines  strengen  Klimas. ­
  Eine  dicke  Narbe  von  dem  Tomahawk  eines  betrunkenen ­
  Indianers  verunstaltete  seine  linke  Backe.  Er
hatte  einen  Rock  von  Marderfellen  an  und  trug  an  den

,7 )  Nach  Willson  I,  184.
        <pb n="49" />
        s8 )  Hist,  des  V.  644,  Willson  I,  644  ff.

-  48  —

Müssen  hirschlederne  Mokassins-,  In  seinem  Gürtel  stak
Sin  langes  Messer,”  u.  s.  w.
Nach  einem  Zögern,  erklärte  der  Abenteurer  sich  bereit, ­
  den  Engländern  zu  folgen  und  fuhr  nach  London.
Hier  wurde  er  von  der  Company  und  dem  Hof  freundlich ­
  aufgenommen  und  legte  sogleich  einen  Plan  auseinander ­
  zur  Wiedereroberung  des  Forts  Bourbon.
Im  Mai  1684  ging  eine  Expedition  von  drei  Schiffen
unter  dem  Befehle  von  Phipps  zur  Bai  ab,  Radison  war
auch  an  Bord.
Man  fand  Fort  Bourbon  in  gutem  Zustande,  und  Radisson
  brachte  es  fertig,  den  jungen  Chouart,  der  dort
mit  geringer  Mannschaft  zurückgeblieben  war,  zu  überreden, ­
  das  Fort  den  Engländern  zu  übergeben.  Viele  tausend ­
  Felle  wurden  dabei  erbeutet.
Der  Platz  wurde  umgetauft  in  „Fort  Nelson”  und  die
englische  Flagge  gehisst. 28 )
Bei  seiner  Rückkehr  nach  London  erlebte  Radisson
einen  ehrenvollen  Empfang.  Da  er  aber  mit  dem  Gouverneur ­
  wieder  Differenzen  gehabt  hatte,  fand  ,  man  es
für  gut,  ihm  nicht  wieder  eine  Stelle  im  Dienste  der
Company  zu  übertragen.  Er  erhielt  eine  jährliche  Pension, ­
  die  er  bis  an  sein  Lebensende,  1702,  genoss.
Der  Handel  und  der  Reichtum  der  Company  waren
inzwischen  bedeutend  gewachsen.  In  den  letzten  Jahren
war  die  Anzahl  der  Forts  schon  auf  fünf  gestiegen:  Fort
Nelson,  Fort  Severne,  Fort  Albany,  Moose  -  Factory,  und
Fort  Rupert,  das  alte  Fort  Charles.
Das  Kapital  der  Company  war  ursprünglich  10  500  Pf.
Gemäss  den  17  Teilhabern  war  die  ganze  Summe  in  34
Aktien  a  300  Pf.  einegteilt,  ausser  dem  besonderen  Anteil ­
  des  Prinzen  Rupert.
Zuerst  nahm  man  als  Tauschmittel  für  die  Indianer
        <pb n="50" />
        49  —

Glaskugeln  und  a  llerlei  Flitterkram  mit,  aber  Radisson
machte  darauf  aufmerksam,  dass  Waffen,  Kleidungsstücke
und  andere  Gebrauchsgegenstände  für  die  nordischen
Wilden  viel  mehr  Anziehendes  hätten.  Daher  bestand  die
nächste  Ladung,  die  zur  Bai  abging  aus:  500  Vogelflinten ­
  und  entsprechend  Pulver  und  Blei,  500  kupfernen ­
  Kesseln,  30  Gros  Messern,  2000  Beilen.
Mit  der  Zeit  gewann  man  natürlich  immer  grössere
Fertigkeit  im  Handel  mit  den  Indianern.
Nachdem  in  den  ersten  Jahren  die  Kosten  für  die
Schiffe  und  Forts  bestritten  waren,  konnte,  die  Company
auf  einen  jährlichen  Gewinn  von  2000/0  blicken.
Zuerst  setzte  sich  ihre  Mannschaft  nicht  aus  den  besten ­
  Elementen  zusammen.  Meist  waren  es  Abenteurer,
die  vom  fernen  Westen  wohl  gehört,  ihn  aber  nicht  gesehen ­
  hatten.  Man  nahm  eben  aus  Geiz  diejenigen,  die
am  billigsten  bezahlt  werden  konnten.
Die  schlechten  Erfahrungen  aber,  die  mit  diesen  Leuten ­
  gemacht  wurden,  nötigten  die  Company  bald,  etwas
tiefer  in  den  Geldbeutel  zu  greifen,  um  zuverlässigere
Mannschaften  zu  erhalten.  Damit  war  aber  noch  keine
entscheidende  Wendung  /um  besseren  geschaffen.  Der
Gehalt,  den  die  Offiziere  und  Diener  der  Company  erhielten, ­
  war  knapp,  und  es  lag  für  sie  die  Versuchung
zu  nahe,  sich  im  geheimen  durch  Schmuggel  zu  bereichern. ­

1682  starb  Prinz  Rupert,  und  die  Company  wählte  den
Duke  of  York  zum  Gouverneur.  Dieser  wurde  aber  schon
1685  unter  dem  Namen  Jakob  II.  König  von  England.
Nach  ihm  wurde  Lord  Churchill,  der  spätere  Herzog  von
Marlborough,  zum  Haupt  der  Korporation  gewählt.  Das
ist  charakteristisch,  denn  des  Herzogs  Geiz  und  schmutzige
Gewinnsucht  sind  ja  fast  ebenso  bekannt  wie  seine  Tapferkeit ­
  und  seine  Feldherrngaben.  Die  Company  hatte
        <pb n="51" />
        —  50  —

natürlich  an  dem  angesehenen  und  einflussreichen  Staatsmann ­
  einen  bedeutenden  Schutz.
Durch  den  Regierungsantritt  Jakobs  II.  hatte  sich  die
politische  Lage  noch  zu  Ungunsten  der  Hudsonsbay-Company
  geändert.Denn  Jakob  hatte  wenig  Sinn  für  die  politische
Interessen  des  britischen  Reichs;  er  folgte  nur  seinen
persönlichen  Gefühlen  und  religiösen  Vorurteilen  und  ging
ganz  auf  die  Pläne  Ludwigs  XIV.  ein,  den  er  bewunderte ­
  als  den  mächtigsten  und  allerchristlichsten  König.
So  konnte  sich  denn  Ludwig  den  Engländern  gegenüber
jetzt  noch  mehr  erlauben,  und  als  er  von  der  Eroberung
des  Forts  Bourbon  hörte,  hielt  er  seine  Entrüstung  darüber ­
  vor  dem  englischen  Gesandten  nicht  zurück.
Bemerkenswert  ist  auch,  dass  zur  selben  Zeit  in  Canada
  ein  neuer  Gouverneur,  der  Marquis  de  Denonville,
eingesetzt  wurde,  der  sehr  wahrscheinlich  geheime  Instruktionen ­
  von  seiner  Regierung  erhielt,  rücksichtsloser
gegen  die  Engländer  aufzutreten,  denn  nur  so  lassen  sich
die  spätem  Ereignisse  erklären.
Unterdessen  hatten  die  Franzosen  in  Canada  fortgesetzt ­
  einen  regen  Unternehmungsgeist  gezeigt,  und  ihr
Selbstgefühl  war  noch  gestiegen.  1682  durchstreiften  Hennepin, ­
  Duluth  und  Lasalle  die  ganze  Gegend  des  oberen
Mississippi.  Im  Jahre  darauf  folgte  Lasalle  dem  mächtigen ­
  Strome  bis  zur  Mündung.  Die  Franzosen  gründeten
Detroit  und  St.  Louis,  die  Pelzhändler  rückten  ihre  Forts
und  Handelsposten  immer  weiter  nach  Westen  vor  bis
zum  Lake  Winnipeg  und  nach  Süden  den  Ohio  und  Mississippi ­
  entlang.
Die  Erbitterung  gegen  die  Engländer  war  im  Wachsen, ­
  und  es  fehlte  nicht  an  Männern,  die  danach  brannten, ­
  die  Forts  der  Hudsonsbay  durch  einen  kühnen  Handstreich ­
  wegzunehmen,  sobald  sie  die  Erlaubnis  dazu ­
  hätten.  Als  im  Jahre  1685  ein  Schiff  der  Company  mit
        <pb n="52" />
        —  51  —

der  ganzen  Ladung  von  den  Franzosen  weggenommen
wurde,  ohne  dass  Jakob  II.  es  wagte,  sich  darüber  zu
beschweren,  liess  sich  der  Kampfeseifer  der  Canadier  nicht
mehr  zügeln.
Ein  alter  Soldat,  der  Kapitän  Chevalier  de  Troyes,  trat
vor  den  Marquis  de  Denoville  und  bat  um  Vollmacht,
die  Engländer  von  der  Bai  zu  jagen.  —  Sie  wurde  ihm
gewährt.  i T '
Der  alte  Haudegen  kannte  seine  Leute.  Er  suchte  sich
80  verwegene  Burschen  aus  und  wählte  sich  zu  Leunants
  die  drei  Söhne  eines  Edelmanns  Charles  Le  Moine.
Der  älteste,  ein  Sieur  d’  Iberville,  begann  mit  diesem
Zuge  seine  kriegerische  Laufbahn,  die  ihn  noch  zu  rühmlichen ­
  Kämpfen  und  hohe  Ehren  führen  sollte.  Trotz
seiner  25  Jahre  spielt  er  auch  schon  bei  diesem  Kampfe ­
  die  Hauptrolle.
Im  April  1686  zog  das  kleine  Heer  den  Ottawa  aufwärts.
Vom  Lake  Temiscamingue  gings  durch  mehrere  Portagen
nordwärts  zum  Abitibbilake  und  von  hier  den  gleichnamigen ­
  Fluss  hinab  bis  zur  Jamesbai.
Das  nächstliegende  Fort  war  Moose  -  Factory.  Bei  Nacht
schlich  man  sich  heran  und  überrumpelte  die  ahnungslose ­
  Besatzung.  Den  einzigen  wachsamen  Posten  machte
Iberville  nieder.  Bei  der  Eroberung  des  Forts  wurden
12  Kanonen  erbeutet.
Da  man  erfuhr,  dass  am  Tage  vorher  ein  Boot  von
Moose  -  Factory  nach  Ruperts  Fort  gesegelt  sei,  so  setzte
Iberville  mit  9  Mann  in  zwei  Canoes  ihm  nach.  Das
Boot  wurde  eingeholt  und  mit  dem  Gouverneur  Bridgar
genommen.  Dann  brach  der  kecke  Offizier  nach  Fort
Rupert  auf  und  nahm  es  ein,  da  es  fast  ohne  Verteidiger
war.  Sein  Bruder,  St.  Helene,  hatte  unterdessen  ein  Schiff
der  Company  weggenommen.  Er  vereinigte  sich  mit  Iber-
        <pb n="53" />
        —  52  -

ville,  und  die  ganze  Macht  rückte  nun  zu  Lande  und  zu
Wasser  gegen  Fort  Albany.
Der  Kommandant  Sargeant  war  aber  von  Indianern
benachrichtigt  worden  und  verteidigte  sich  bestmöglich,
doch  der  überlegenen  feindlichen  Artillerie  und  einer
Meuterei  unter  seiner  Mannschaft  zeigte  er  sich  schliesslich ­
  doch  nicht  gewachsen  und  kapitulierte.
Jetzt  waren  noch  zwei  Forts  in  der  Hand  der  Engländer,
Severne  und  Nelson.  Aber  diese  lagen  zu  weit  entfernt,
sodass  eine  Expedition  dahin  zu  Lande  schwerlich  zu
einem  günstigen  Ergebnis  geführt  hätte.
De  Troyes  kehrte  also  nach  Quebec  zurück  und  wurde
hier  mit  grossem  Jubel  empfangen.
So  endete  der  erste  Kampf  um  den  Besitz  der  Bai,
dem  noch  viele  andere  in  fast  ununterbrochener  Reihe
folgen  sollten.
Das  Vorgehen  der  Franzosen  erregte  in  England  den
grössten  Unwillen  und  Schrecken.  Der  Herzog  von  Marlborough
  wandte  sich  persönlich 29 )  an  den  König  Jakob,
und  diesem  lag  auch  daran,  mit  Ludwig  XIV.  über  die
Hudsonsbayfrage  ins  Reine  zu  kommen.
Es  begannen  nun  lange  diplomatische  Verhandlungen,
es  wurden  von  beiden  Seiten  Kommissionen  ernannt,  aber
man  kam  nicht  zum  Ziele.  Im  November  1686  versuchte ­
  man  sich  auf  einen  unmöglichen  Kompromiss  zu  einigen. ­
  Nord-  Amerika  sollte  neutral  sein,  zwischen  den
Untertanen,  Friede  und  Einigkeit  herrschen  und  so,  wie
die  Grenzen  der  Teritorien  und  die  Privilegien  der  Be-*

 9 )  Willson  1  Dü.  »Lord  Churchill  ....  personally  presented  a
Petition  .  .  .  .  to  the  King«  etc.
        <pb n="54" />
        -  53  —

wohner  augenblicklich  seien,  sollten  sie  bestehen  bleiben. 30 )
Einsichtige  Männer  beiderseits  erklärten  sofort,  der  Vertrag ­
  berge  nur  neue  Feindseligkeiten  in  sich,  und  so
war  es  auch.  Es  kam  schon  zu  neuen  Streitigkeiten,  ehe
das  Uebereinkommen  allgemein  bekannt  war.
Die  Engländer  machten  zunächst  einen  Versuch,  Albany ­
  wiederzunehmen.  Iberville  dagegen,  der  an  der  Bai
zurückgeblieben  war,  vereitelte  dies.  Dann  machte  er  eine
Expedition  die  Küste  entlang  und  nahm  bei  Fort  Severn
den  Gouverneur  gefangen.  Zurückgekehrt  fand  er  in  der
Nähe  von  Albany  zwei  englische  Schiffe  im  Eise  festgefroren. ­
  Es  gelang  ihm,  sich  des  grössten  Teiles  der
Mannschaft  zu  bemächtigen,  als  sie  ausser  Bord  war  und
dann  die  Schiffe  wegzunehmen.  Mit  dem  einen,  der  „Harnp-'shire”
  und  den  Gefangenen  fuhr  er  nach  Quebec  und
Hess  einen  seiner  Brüder  mit  36  Mann  zur  Deckung  der
eroberten  Forts  zurück.
Ehe  die  Hudsonsbayfrage  endgültig  diplomatisch  geregelt ­
  werden  konnte,  folgten  in  Europa  neue  Verwicklungen, ­
  die  bedeutsam  auch  auf  die  amerikanischen  Kolonien. ­
  zurückwirkten.  1  !
1689  war  König  Jakob  II.  vertrieben  worden,  und  Wilhelm ­
  III.  von  Oranien  bestieg  den  Tron  von  England.
Sofort  trat  ein  völliger  Umschwung  in  der  englischen
Politik  ein.  Wilhelm  III.  war  ein  erbitterter  Feind  Frankreichs ­
  und  dazu  ein  Staatsmann,  der  wusste,  was  er  tat.
Er  erklärte  im  Bunde  mit  den  meisten  andern  europäischen ­
  Grossmächten  Ludwig  XIV.  den  Krieg.  In  den
30 )  Willson  I  S.  175  führt  einzelne  Punkte  des  Vertrages  an;  ein
Passus  setzte  fe.d:  »firm  peace,  Union  and  concord,  and  good  understanding
  betiveen  the  Subjekts.*
Der  4.  Artikel  hiess:  »It  has  been  agreed,  that  each  of  the  said
kings  shall  hold  the  domains,  rights,  pre-emiuenees  in  the  seas,  straits
and  other  waters  of  America  which,  and  in  the  same  extent,  of  light
belongs  to  them;  and  in  the  same  manner  which  they  enjov  at  present.«
Histoire  des  Voyages  XIV  S.  647.,  Willson  1.  177  ff.
        <pb n="55" />
        54  -i-Gründen

  für  diese  Kriegserklärung  war  unter  anderm
der  angeführt,  dass  die  Franzosen  die  Forts  der
Fludsonsbay-  Company  geplündert  und  verbrannt  hätten. 31 )
Charakteristisch  für  die  Krämerpolitik  der  Company  in
diesen  Zeiten  der  politischen  Wirrnisse  ist,  dass  sie  dem
vertriebenen  König  Jakob  und  dessen  Erben  noch  den
Anteil  seiner  Aktie  auszahlen  liess.  „John  Stanion”  hiess
in  den  Büchern  der  Company  dieser  auswärtige  Teilhaber. ­
  Erst  1746,  als  Karl  Eduard,  ein  Enkel  Jakobs,
in  der  Schlacht  bei  Culloden  geschlagen  war,  hielt  man
es  für  gut,  den  Erben  des  vertriebenen  Königs  die  Dividende ­
  zu  entziehen  und  John  Stanion  als  „deceased”
zu  bezeichnen. 32 )
Gleich  beim  Regierungsantritt  Wilhelms  III.  beklagte
sich  die  Company,  dass  die  Franzosen  ihr  mitten  im  Frieden ­
  sieben  Schiffe  und  sechs  Forts  weggenommen  hätten. ­
  Eine  grosse  Menge  Tauschwaren  gar  nicht  eingerechnet, ­
  beliefe  sich  der  Gesamtschaden  auf  38  332  Pf.i5,S.
Zugleich  schien  eine  Bestätigung  des  Charter  durch  Parlamentsbeschluss ­
  notwendig  zu  sein,  da  jetzt  nicht  mehr
ein  Stuart  am  Ruder  war.  Merkwürdig  ist  es  nun,  dass
die  Bestätigung  nur  auf  sieben  Jahre  erlangt  wurde.  Flier
versuchten  nachher  die  Gegner  mit  ihren  Angriffen  einzusetzen, ­
  indem  sie  behaupteten,  es  sei  der  Company  selber ­
  wohl  bewusst  gewesen,  dass  der  Charter  auf  un-81
 )  But  that  the  Kreuch  King  should  invade  our  Caribee  Islands
and  possess  himself  of  our  terittories  of  the  Province  of  New-York
and  Hudsons-Bay  in  hostile  mariner  seizing  our  forts  burning  our  subjects’
  house-.  and  enriching  his  people  with  the  spoil  of  our  goods
and  merchandises,  detaining  some  of  our  subjects  under  the  hardships
of  imprisonment,  causing  (others  to  be  inhumanly  killed,  and  driving
the  rest  to  sea  in  a  small  vessel  without  food  our  necessaries  to
Support  them,  are  actions  not  even  becoming  an  enemv;  and  vet  he
was  so  far  from  declaring  himself  so,  that  at  tliatvery  time  he  was  negotiating
  here  in  England,  by  his  Ministers,  a  treaty  of  neutraiity  and
good  correspondenoe  in  America-«  (Willsou,  I.  S.  183:)
“)  Willson  I.  S.  329.
        <pb n="56" />
        —  55  —
sicherer  Grundlage  fusse,  darum  hätte  sie  die  Bestätigung ­
  nur  vorläufig  auf  sieben  Jahre  erlangt. 33 )
Jedenfalls  zögerte  aber  das  Parlament  nicht,  alle  Rechte ­
  von  neuem  zu  bekräftigen. 34 )
Nachdem  die  Company  ihren  englischen  Feinden  gegenüber ­
  ihre  Position  behauptet  hatte,  wurde  beschlossen, ­
  den  Grundstock  zu  verdreifachen,  da  die  Magazine,
Niederlassungen  und  Schiffe  bereits  einen  viel  grösseren
Wert  repräsentierten  als  das  vorhandene  Kapital,  und  der
Handel  selbst,  trotz  der  Verluste  durch  die  Franzosen,
bedeutend  gewachsen  war.  Die  Aktien  wurden  also  umgeschrieben: ­
  315  Aktien  ä  100  Pf.  machten  nun  den  verdreifachen ­
  Stock  von  31500  Pf.  aus.  Die  Dividenden  hatten,
trotz  der  Verluste  durch  die  Franzosen,  im  Jahre  1688  noch
500/0  :und  1689  25%  betragen,  1690  konnten  auch,trotz  der
Vergrösserung  des  Betriebsfonds,  noch  250/0  bezahlt  werden. ­
 36 )
Innerlich  war  die  Company  wieder  gesichert,  aber  ihre
äussere  Lage  hatte  sich  seit  der  offiziellen  Kriegserklärung ­
  an  Frankreich  sehr  verschlechtert.  Denn  sie  litt,
wie  alle  Handelsgesellschaften,  an  einer  grossen  Schwäche, ­
  dem  Unvermögen,  sich  gegen  Feinde  im  Kriegsfälle ­
  genügend  verteidigen  zu  können.  Was  nützten  ihr
die  starken  Befestigungen  der  Forts  und  ihre  KriegsS3 ­
 )  Fitzgerald  S.  98  ff.
84 )  Willson  (I  S.  184)  sucht  den  Verdacht  zu  entkräften,  indem
er  auf  die  Frage:  »Why  was  this  confirmation  limited  to  but  seven
years?“  einfach  die  Tatsache  konstatiert:  »The  Company  itself  asked
for  no  longer  period.“  Dann  aber  bleibt  noch  die  F'rage  offen  »Warum
verlangte  die  Company  nicht  mellt?  Am  einfachsten  scheint  darauf
die  Antwort:  Weil  sie  voraussah,  dass  sie  mit  ihrem  Verlangen,  den
Charter  »for  ever"  *  *)  bestätigt  zu  erhalten,  nicht  durchdringen
würde  und  daher  klug  ihren  Gegnern  diese  Konzession  machte,  in  der
Hoffnung,  dass  nach  sieben  Jahren  die  Verhältnisse  für  sie  günstiger
lägen,  und  dass  es  dann  leichter  wäre,  nach  zeitweiliger  Bestätigung
eine  immerwährende  zu  erhalten.
*  Martin  (S.  45)  ist  es  kühn  zu  behaupten,  das  »for  seven  vears“  bedeute ­
  soviel  wie  »for  ever“,  und  so  der  Schwierigkeit  aus  dem
Wege  zu  gehen.
® 5 )  Martin,  S.  55.
        <pb n="57" />
        —  56  —

schiffe!  Ihren  Söldnern  war  die  Sache,  der  sie  dienten,
gleichgültig,  und  es  war  natürlich,  dass  sie  bei  einem
Ernstfälle  ihr  Leben  nicht  für  das  Interesse  des  Handels
wagten.
Ganz  anders  war  es  bei  den  Franzosen,  die  mit  frischer ­
  Begeisterung  für  das  Wohl  Canadas  und  die  gloire
ihrer  Nation  in  den  Streit  zogen.
Sie  hatten  aber  auch  mit  einem  grossen  Nachteil  zu
kämpfen.  In  Canada  besassen  sie  nicht  genügend  Schiffe,
um  nach  einer  Eroberung  der  Bai  den  Handel  daselbst
und  damit  überhaupt  den  Besitz  dieser  Gebiete  dauernd
festzuhalten,  denn  die  Forts  wollten  mit  Lebensmitteln
versorgt  sein,  und  das  war  auf  dem  Landwege  fast  unmöglich. ­

Der  Gouverneur  Denonville  bat  daher  den  Hof  mehrfach ­
  um  Vergrösserung  der  Flotte.  Frankreich  sandte  endlich ­
  den  Admiral  'Last  mit  nicht  weniger  als  14  Schiffen.
Er  fuhr  in  die  Bai  ein  und  legte  sich  vor  Nelson.  Hier
hatte  man  aber  schon  von  weitem  seine  Ankunft  bemerkt, ­
  alle  tragbare  Habe  in  die  Wälder  geflüchtet  und
das  Fort  in  Brand  gesteckt.  Tast  kehrte  unverrichteter
Sache  zurück,  und  die  Engländer  bauten  das  Fort  fester ­
  auf  als  zuvor.
Nur  eine  canadische  Flotte,  die  beständig  zur  Hand
war,  konnte  die  Engländer  dauernd  niederhalten.  Iberville,
  der  zu  diesem  Zwecke  unablässig'-  tätig  war,  reiste ­
  endlich  selber  nach  Frankreich.  Er  wurde  sehr  gnädig
aufgenommen  und  erhielt  zu  seiner  Freude  zwei  Schiffe,
mit  denen  er  die  Bai  bezwingen  sollte.
Die  Company  hatte  unterdessen  (1693)  mit  leichter
Mühe  Fort  Albany  wiedergenommen,  weil  es  ganz  ohne
Unterstützung  geblieben  war  und  nur  noch  drei  Mann
als  Besatzung  hatte.  Auch  zwei  ihrer  einst  eroberten  Schiffe ­
  waren  ihr  dabei  wieder  in  die  Hände  gefallen.
        <pb n="58" />
        —  51  —

im  Spätherbst  des  folgenden  Jahres  kam  Iberville  vor
Nelson  an  und  nahm  es  ein,  bei  dem  Kampfe  musste  aber
einer  seiner  Brüder  sein  Leben  lassen.  Er  kehrte,  nach
Zurücklassung  einer  Besatzung  nach  Quebec  zurück.
Aber  nicht  lange  hiess  der  Posten  wieder  „Fort  Bourbon.” ­
  Im  Jahre  1696  kam  eine  englische  Flotte  von  vier
Schiffen  an,  die  den  Platz  wiedereroberte.
Sobald  die  Nachricht  hiervon  in  Paris  ankam,  beschloss
man  ein  grösseres  Geschwader  unter  Ibervilles  Kommando ­
  zu  stellen.  Vier  Schiffe  wurden  ausgerüstet,  die  im
August  1697  den  französischen  Hafen  verliessen.  In  Placentia
  auf  Neu-Fundland  übernahm  Iberville  das  Kommando ­
  und  brach  sofort  nach  der  Bai  auf.
Fast  gleichzeitig  war  ein  englisches  Geschwader  von
vier  Schiffen  von  Plymouth  abgefahren  und  nur  40  Stunden ­
  vor  den  Franzosen  in  der  Hudsonstrasse  angelangt.
Die  Meerenge  war  in  diesem  Jahre  besonders  stark  vom
Eise  belagert.  Die  Fahrzeuge  hatten  einen  gefahrvollen
Kampf  mit  den  Eisbergen  zu  bestehen,  bald  wurden  sie
von  einander  getrennt,  und  von  beiden  Seiten  verschwand
ein  Schiff  in  den  Fluten.
Iberville  gelang  es,  auf  seinem  gutsegelnden  „Pelican”
die  Engländer  zu  überholen  und  vor  ihnen,  am  4.  September, ­
  bei  Nelson  anzukommen.  Bei  Tagesanbruch  tauchten ­
  am  Horizonte  drei  Schiffe  auf,  die  der  französische
Kapitän  bald  als  feindliche  erkannte.  In  seiner  tollkühnen
Art  beschloss  er  sofort,  die  dreifach  überlegenen  Engländer ­
  anzugreifen.
Durch  treffliches  Manövrieren  wusste  er  einem  konzentrischen ­
  Angriffe  zu  entgehen,  und  nach  vierstündiger ­
  Kanonade  gelang  es  ihm,  das  grösste  Schiff  zum  Sinken ­
  zu  bringen.  Dann  warf  er  sich  auf  das  zweite,  das
die  Flagge  strich,  während  das  dritte  mit  Mühe  entkam. ­
 36 )

S6 )  Dawson,  S.  628,  Histoire  des  Voyages  S.  652,  Willson  I  201.
        <pb n="59" />
        -  58  —

Die  Früchte  dieses  glänzenden  Sieges  wurden  leider
zum  Teil  durch  einen  heftigen  Sturm,  der  in  der  Nacht
folgte,  vernichtet.  Der  „Pelican”  wurde  als  Wrack  ans
Ufer  geschleudert.  Iberville  rettete  aber  sich  und  die
Mannschaft,  und  im  Laufe  des  Tages  kamen  seine  beiden ­
  übrigen  Schiffe  an,  die  dem  Eise  der  Hudsonsstrasse
und  dem  Sturm  entgangen  waren.
Nach  Landung  der  Mannschaften  begann  der  Angriff
auf  das  Fort,  das  diesmal  gut  verteidigt  wurde.  Erst
nach  heftigem  Kampfe  und  mehrfachen  Aufforderungen
kapitulierte  der  Kommandant.  Iberville  liess  eine  Besatzung ­
  von  50  Mann  unter  einem  seiner  Brüder  zurück,
(später  wurde  Ieremie  Kommandant)  und  fuhr  wieder
zurück  nach  Quebec.
Die  Kämpfe  um  den  Besitz  der  Bai  kamen  zu  einem
vorläufigen  Abschluss  durch  den  Frieden  von  Ryswyk,
(1697)  gemäss  d  em  bestimmt  wurde,  die  Eroberungen
des  Krieges  sollten  beiderseits  herausgegeben  werden.  Für
die  Hudsonsbayländer  wurde  aber  die  Klausel  gemacht:
Was  die  Franzosen  während  des  Friedens  erobert  hätten,
sollte  ihnen  bleiben. 87 )
Eine  Kommission  sollte  über  das  Einzelne  noch  entscheiden. ­
  In  praxi  blieben  die  Dinge  aber  so,  wie  sie
waren,  d.  h.  die  Franzosen  und  Engländer  behielten  das,
was  gerade  in  ihrer  Hand  war.  Also  blieb  den  Engländern ­
  nur  noch  Fort  Albany.
Dennoch  setzte  die  Company  ihren  Handel,  wenn  auch
nicht  so  gewinnreich  wie  bisher,  fort.  Sie  war  damals
in  einer  verzweifelten  Lage,  denn  auch  ihre  englischen
Feinde  agitierten  wieder  gegen  sie.
87 )  Willson  gibt  I,  234  den  Wortlaut  des  betreffenden  Artikels  an:
But  the  possession  of  those  places,  which  were  taken  by  the  French,
during  the  peace,  that  preceded  this  present  war,  and  were  retaken
by  the  Engltsh  during  the  war,  shall  be  left  to  the  French,  by  virtue
of  the  foregoing  artiqle.«
        <pb n="60" />
        Die  Rauchwarenhändler,  die  sich  über  das  Monopol  und
die  teuren  Preise  der  Company  beklagten,  sandten  eine
Petition  an  das  Parlament,  die  sich  gegen  die  Wiedererneuerung ­
  der  Privilegien  des  1790  auf  sieben  Jahre
bestätigten  Charter  aussprach.
Diese  Eingabe  blieb  aber  unerledigt  liegen,  weil  das
Parlament  damals  Wichtigeres  zu  tun  hatte.  Sehr  wahrscheinlich ­
  haben  auch  die  Staatsmänner,  die  selbst  einen ­
  Anteil  an  dem  Pelzhandel  genossen,  dafür  gesorgt,
dass  sie  nicht  geschädigt  wurden.
,  Der  grimmigste  Feind  der  Company,  Iberville,  war  jetzt
am  Mississippi  tätig,  um  hier  den  französischen  Handel
noch  mehr  zu  heben  und  den  englischen  völlig  zu  unterbinden. ­
  Die  Company  hatte  also  Ruhe  vor  ihm,  auch
als  später  in  Europa  der  Krieg  von  neuem  ausbrach.
Diese  Zeit  des  Friedens  benutzte  sie  dazu,  um  durch
verschiedene  reformatorische  Massregeln  ihre  Verhältnisse
zu  bessern.
Sie  hatte  jetzt  schon  bedeutend  mit  der  Konkurrenz
der  Franzosen  zu  rechnen,  Die  Coureurs  des  bois  fingen ­
  gewöhnlich  die  Indianer  schon  in  den  Wäldern  ab,
ehe  sie  zur  Bai  gelangten,  und  erhandelten  von  ihnen  die
besten  Felle.  Schon  damals  .  war  das  Biberfell  —-  der
Castor,  —  die  Münzeinheit  a  uf  welche  die  andern  Pelzaxten
  reduziert  wurden.  In  diesen  schlechten  Zeiten  mussten ­
  die  Indianer  für  eine  Flinte  12  Castors  bezahlen,
während  früher  6  genügt  hatten.
Die  Company  erstrebte  nun  eine  möglichst  coulante
Bedienung  der  Indianer  und  feste  Preise,  denn  nur  dadurch ­
  konnte  sie  sich  diese  Kunden  gegenüber  den  Coureurs ­
  des  bois,  die  forderten,  was  sie  wollten,  erhalten.
Aber  das  ganze  System  der  Company  war  nicht  recht
geschaffen  dazu,  den  Handel  zu  heben.:  Die  Gouverneure ­
  und  Offiziere  erhielten  nur  ihren  Gehalt,  und  es
        <pb n="61" />
        ,■  ir  ihnen  im  übrigen  gleichgültig,  ob  gute  Geschäfte
g.  macht  wurden.  Da  sie  in  der  Wildnis  unkontrolliert
waren,  so  benutzten  sie  sehr  oft  ihr  Amt  dazu,  sich  selbst
zu  bereichern.
Das  Leben  in  der  Wildnis  ohne  jede  sittliche  oder
religiöse  Autoritäten,  war  ganz  dazu  angetan,  die  Mannschaft ­
  der  Company  verwildern  und  verrohen  zu  lassen.
Dem  sollte  nun  eine  blutige  Disziplin  steuern:  Auspeitschungen ­
  und  andere  entehrende  Strafen  waren  gar  nicht
ungewöhnlich.  Dadurch  entstanden  aber  auch  nicht  selten ­
  Meutereien,  sodass  das  Leben  in  den  ersten  Zeiten
der  Company  durchaus  keinen  erfreulichen  Anblick  bietet. ­

Wenn  die  einzelnen  so  wenig  Interesse  an  dem  Wohle
des  Ganzen  hatten,  so  ist  es  auch  gar  nicht  verwunderlich,
dass  keine  Entdeckungsfahrten  unternommen  und  der  Handel ­
  ähnlich  ausgebreitet  wurde,  wie  bei  den  Canadiern,
die  zu  ihrem  eignen  Vorteil  die  Wälder  durchstreiften.
Nur  selten  liessen  sich  Freiwillige  dazu  bewegen,  eine
grössere  Expedition  ins  Landesinnere  vorzunehmen.
1691  machte  Henry  Kelsey  eine  Reise  nach  dem  Westen; ­
  sah  zum  ersten  Male  die  Büffel  auf  der  Prärie  und
den  Grizzlybären,  aber  er  kehrte  zurück,  ohne  dass  sein
Beispiel  aufmunternd  gewirkt  hätte.
Die  Franzosen  breiteten  dagegen  ihre  Streifzüge  unter
der  Tätigkeit  Ibervilles  immer  weiter  ins  Innere  aus.  Es
bildete  sich  die  Compagnie  de  l’Ouest,  und  die  Coureurs
  des  bois  brachten  aus  den  westlichen  Prärien  zum
ersten  Male  selber  Büffelfelle  heim.  Durch  dieses  energische ­
  Vorgehen  der  Franzosen  wurden  die  Engländer
in  Fort  Albany  fast  ganz;  kalt  gestellt.  Man  sah  in  Canada
  allmählich  ein:  Zur  See  konnte  man  die  Bai  nicht
beherrschen,  weil  es  an  einer  Flotte  mangelte,  aber  zu
Lande  konnte  man  dem  englischen  Handel  den  Lebens-
        <pb n="62" />
        61  -

nerv  abschneiden.  Darum  geschah,  ausser  einem  vergeblichen ­
  Versuch,  auch  Fort  Albany  zu  nehmen,  zur  See
nichts,  um  den  Besitz  der  Bai  für  Frankreich  zu  sichern.
Ieremie  in  Port  Nelson  sah  sich  bald  völlig  ohne  Unterstützung ­
  gelassen.  Die  Indianer  der  Umgegend  wollten
mit  ihm  Handel  treiben,  er  war  aber  nicht  imstande  dazu,
da  ihm  die  nötigen  Tauschwaren  fehlten.  Die  roten  Leute ­
  waren  aber  schon  so  sehr  an  die  europäischen  Hülfsmittel,
  besonders  an  die  Waffen  gewöhnt,  dass  sie  ohne
diese  sich  keinen  Lebensunterhalt  verschaffen  konnten.
Die  Hungersnot  trieb  sie  schliesslich  zur  Verzweiflung;
sie  überfielen  einen  Teil  der  Besatzung  bei  einem  Jagdausfluge ­
  und  machten  die  weissen  Männer  fast  ohne  Ausnahme ­
  nieder.  Dann  belagerten  sie  dass  Fort,  aber  viele
Wilden  starben  vor  Hunger.  Ieremie  überstand  die  Gefahren, ­
  obwohl  er  bis  zum  Utrechter  Frieden  (1713)  ohne
Unterstützung  blieb. 38 )
Bis  zu  dieser  Zeit  führte  auch  die  Company  ein  sehr
zweifelhaftes  Dasein.  Das  einzige  Fort,  das  sie  besetzt
hielt,  gehörte  nach  den  Festsetzungen  des  Ryswyker  Friedens ­
  den  Franzosen.  Die  Kommissionen,  welche  die  Einzelheiten ­
  festsetzten  sollten,  nahmen  sich  Zeit,  die  Sache
zu  regeln.
Der  spanisceh  Erbfolgekrieg  setzte  den  Unterhandlungen
ein  Ziel,  und  der  günstige  Verlauf  dieses  Krieges,  den
für  England  der  frühere  Gouverneur  der  Hudsonsbay  -
Company,  der  Herzog  von  Marlborough  führte,  rettete  die
Bai  für  England.
Die  Company  erlebte  die  Freude,  dass  ihre  Petitionen
an  die  Königin  Anna  Erfolg  hatten.  Ihre  Ansprüche  wurden ­
  aufs  neue  anerkannt  und  im  Frieden  von  Utrecht
bestätigt.
Es  wurde  festgesetzt,  dass  die  Hudsonsbay  -  Länder

8S )  Histoire  des  Voyages  XIV,  658/59,  Willson  I  230  ff.
        <pb n="63" />
        —  62  —

wieder  an  England  fallen  sollten. 39 )  Eine  Kommission
sollte  die  Grenzen  nach  der  Südseite  hin  noch  genauer
bestimmen  und  über  die  Entschädigung  schlüssig  werden,
die  die  Company  beanspruchte.  Sie  berechnete  ihre  Verluste ­
  seit  1682  auf  100543  Pf.  13,S  9  d.
Im  Juli  1714  landete  Kapitän  Knight  bei  Port  Nelson ­
  und  nahm  von  neuem  Besitz  von  der  Bai.  Die  Forts
wurden  ihm  laut  Vertrag  imzerstört  überliefert.
Es  waren  damals  sieben  Hauptplätze:  Fort  Rupert,
Moose  Factory,  Fort  Albany,  New-Severn,  Fort  York
(Nelson  oder  Bourbon)  Fort  Churchill  (1688  gegründet)
und  East  -  Main.
3.  Eine  Zeit  des  Stillstandes.
(1714-1783.)
Nachdem  Frankreich  offiziell  die  Ansprüche  der  Hudsonsbay
  -  Company  anerkannt  hatte,  stand  die  Gesellschaft ­
  endlich  auf  sicherm  unumstrittenen  Boden.  Sie  besass
  jetzt  unwiderruflich  die  Gebiete  der  Bai  als  ihrEigentum
  und  hatte  damit  eine  feste  Operationsbasis,  von
der  aus  sie  ihre  Macht  nach  Westen  hin  ausbreiten  konnte. ­

Dies  geschah  aber  nicht.
Sie  liess  sich  in  keine  gewagten  Spekulationen  ein.
Ein  solider,  in  jeder  Beziehung  geordneter  Handel  war
ihr  Ideal;  sie  war  ihrem  ganzen  Wesen  nach  konservativ
und  blieb  es  auch,  denn  ihre  spätem  Errungenschaften
hat  sie  sich,  mehr  der  Not  gehorchend,  als  dem  eignen
Triebe,  erkämpft.
Willson  1.  250:
»These  negotiations  finally  resulted  in  a  treaty  signed  on  the  3l  st
of  March  (O.  S.),  1713,  by  whirh  the  whole  of  Hudson’s  Bay  was
ceded  to  Great  Britain  without  any  distinct  definition  of  bonndaries,
too  the  determing  of  which  commissioners  were  to  be  appointed.«
        <pb n="64" />
        —  63

Dieser  Konservativismus  hatte  seine  bedeutenden  Mängel ­
  und  Fehler,  besonders  der  Fortschrittspolitik  gegenüber, ­
  wie  sie  die  französischen  Händler  und  nach  ihnen
später  die  englischen  Canadier  betrieben.
In  der  „Histoire  des  Voyages” 40 )  wird  das  Werk  eines
Engländers  Ellis  zitiert,  der  die  Company  in  folgender  Weise ­
  tadelt:  „Par  une  Politique  inconcevable,  et  fort  nuisible
  aux  interdts  de  la  Nation,  eile  (la  Compangnie)
dücourage  elle-meme  ses  Comptoirs,  jusqu’  ä  mettre
toutj  en  usage  pour  les  empficher  d’  ötendre  leur  Commerce.”
Er  führt  aus:  „Während  die  Franzosen  tief  ins  Innere
ihre  Handelshäuser  ausbreiten,  und  die  für  die  Company
bestimmten  Waren  abfangen,  bleiben  die  Engländer  an
der  Bai  und  warten,  bis  die  Indianer  zu  ihnen  kommen.
Die  Engländer  bezahlen  ausserdem  schlechter  als  die  Franzosen. ­
  (Das  kam  aber  wohl  daher,  weil  die  Engländer
nur  noch  die  schlechtem  Felle  von  den  Indianern  erhielten.) ­
  Sie  nehmen  ohne  Wahl,  wie  es  kommt,  während
die  Franzosen  sich  nur  die  leichtesten,  besten  und  gut
transportierbaren  Felle  aussuchen.  Endlich  ist  es  ein  Fehler, ­
  dass  die  Hudsonsbay-Gompany  das  Monopol  des  Pelzhandels ­
  hat,  denn  der  grosse  Vorteil,  den  die  wenigen
daran  Beteiligten  aus  dem  Geschäft  ziehen,  kann  für  den
Gesamthandel  nur  schädlich  sein.”
Diese  Mängel  waren  auch  den  Aktionären  der  Company ­
  sehr  wohl  bekannt,  ihre  einsichtigen  Männer  drangen ­
  auch  unablässig  darauf,  eine  unternehmendere  Politik ­
  einzuschlagen,  aber,  wie  schon  bemerkt,  der  Fehler
lag  in  dem  System,  das  gerade  dem  ausübenden  Teil
im  wilden  Westen  keinen  Anteil  am  Gewinn  des  Handels
zuliess.  Nur  die  Aktionäre  in  London  heimsten  das  ein,
was  ihre  Diener  in  Amerika  mit  Mühe  und  oft  unter
Lebensgefahr  erlangten.  Erst  ganz  allmählich  konnte  sich

40 )  Histoire  des  V.  XIV  S.  660  ff.
        <pb n="65" />
        —  64  —
die  Company  unter  dem  Druck  der  Verhältnisse  dazu
verstehn,  in  dieser  Einrichtung  Aenderungen  vorzunehmen.
Dass  die  vorsichtige  Politik  auch  ihre  guten  Seiten
hatte,  zeigte  sich  1720,  im  „Südseejahr.”
Damals  hatte  ein  wildes  Spekulationsfieber  alle  Welt
ergriffen:  In  Frankreich  schmiedete  John  Law  seine  berüchtigten ­
  Projekte  und  in  England  tat  sich  die  Südseecompany ­
  auf.
Eine  Anzahl  Kaufleute  erhielt  ein  Monopol  für  den
Handel  der  Südsee.  Sie  sorgten  für  die  Verbreitung  der
absurdesten  Gerüchte  über  den  Reichtum  der  Südseeländer ­
  und  den  Gewinn  des  Handels  in  diesen,  Gebieten; ­
  ihre  Aktien  wuchsen  täglich,  und  als  sich  schliesslich
die  Südseecompany  bereit  erklärte,  die  Staatsschuld,  im
Werte  von  30  Millionen  Pf.  auf  sich  zu  nehmen,  da  stieg
ihr  Kredit  ins  Unglaubliche,  und  man  drängte  sich  geradezu ­
  von  allen  Seiten  herbei,  um  Aktien  zu  erhalten.
Es  war  kein  Zweifel:  Das  Kreditgeschäft  brachte  viel
ein.  Auch  die  Hudsonsbay  -  Company  sah  das  schliesslich ­
  ein,  und  nun  fing  man  auch  hier  an,  zu  spekulieren. 41 )
Es  wurde  vorgeschlagen,  den  Grundstock  aufs  neue
zu  verdreifachen  und  in  945  Aktien  ä  100  Pf.  zu  teilen.
Dies  ward  mit  Beifall  aufgenommen  und  auch  ausgeführt.
Bis  dahin  war  die  Massregel  nicht  zu  tadeln,  jetzt
ging  man  a  ber  weiter.  Es  wurde  vorgeschlagen,  den
Wert  des  Grundkapitals  auf  378000  Pf.  anzugeben,  und
in  3780  Aktien  ä  100  Pf.  einzuteilen.  Um  das  Einlaufen
des  Geldes  zu  sichern,bestimmte  man,keiner  solle  zum  Gouverneur ­
  der  Company,  oder  in  den  Ausschuss  gewählt
werden  können,  der  nicht  mindestens  18  Aktien  angekauft
und  keiner  solle  eine  Stimme  haben,  wenn  er  nicht  9
Aktien  besitze.  Das  widersprach  aber  einem  Statut  des
Charter,  das  ausdrücklich  bestimmte,  jeder,  der  100  Pf.
eingezahlt  habe,  sollte  eine  Stimme  haben.
41 )  Robson  Appendix  I  S.  43  ff.,  Willson  1  262  ff.
        <pb n="66" />
        —  65  —

Wie  Robson  bemerkt 42 ),  gab  die  Company  als  Grund
der  Vergrösserung  des  Stocks  an  „for  making  it  more
diffusive  amongst  his  majestys  subjects,  and  more  a  national ­
  interest,”  aber  das  ist  unwahr.  Robson  selber  sagt
dazu:  „Die  Company  hatte  nur  90  Proprietors  und  hat
niemals  den  Stock  zu  öffentlichem  Verkauf  ausgegeben.”
Ihr  Hauptbjestreben  bei  dem  grossen  Manöver  war  wohl,
zu  bezwecken,  dass  bei  einem  so  grossen  Kapital  ihre
Dividenden  kleiner  aussehn  möchten,  dann  konnte  sie
am  besten  dem  Vorwurfe  begegnen,  der  ihr  vielfach  gemacht ­
  wurde:  Es  sei  ein  Unding,  dass  ein  so  kolossales!
Land  einer  Gesellschaft  mit  sehr  geringem  Betriebsfond
gehöre,  deren  Mitglieder  nur  darauf  ausgingen,  sich  selbst
zu  bereichern.  Ein  grosses  Grundkapital  war  ja  überdies ­
  an  sich  schon  ein  nicht  zu  unterschätzender  Vorteil.
Jedenfalls  wurde  der  Vorschlag  angenommen,  aber
man  hatte  kaum  die  Ausführung  begonnen,  da  kam  die
Nachricht  von  dem  grossen  Krach  der  Südseecompany,
und  die  Hudsonsbay  -  Company  wurde  schnell  zur  Vernunft ­
  gebracht.  Man  stellte  die  Subskription  sogleich  ein
und  riss  das  Siegel  von  der  Urkunde.
Aber  ein  dauerndes  Resultat  blieb.  Weil  die  neuen  Einzahlungen ­
  schon  begonnen  hatten,  war  das  Totalkapital
der  Company  im  Anfang  des  Jahres  1721  auf  mehr  als
100000  Pf.  angewachsen,  und  einem  jeden  Aktionär  wurde
doch  das  dreifache  seiner  Einzahlung  kreditiert.
Die  Company  war  einem  ziemlich  sichern  Verderben
entgangen,  denn  ihre  Feinde,  besonders  die  Gilde  der
Rauchwarenhändler,  hätten  sicherlich  Beweise  gefordert,
und  eine  Aufhebung  des  Charter  würde  den  völligen  Hereinfall ­
  der  Gesellschaft  begleitet  haben.
Die  Company  hatte  schon  Mühe  genug,  sich  ihrer  Feinde ­
  zu  erwehren.  Schon  öfter  hatte  man  sie  angegrif-42

 )  Robson  S.  46.
        <pb n="67" />
        —  66  —

fen,  weil  sie  es  unterlasse,  für  die  Entdeckung  der  Nordwestpassage ­
  tätig  zu  sein.  Der  neue  Gouverneur  der  Hudsonsbay,
  James  Knight,  ein  feuriger  alter  Seemann  von
nahezu  80  Jahren,  war  fest  überzeugt,  dass  es  eine  solche ­
  Passage  gäbe  und  drang  mit  allem  Nachdruck  darauf, ­
  eine  Expedition  zu  ihrer  Aufsuchung  auszusenden. 43 )
Der  Eifer  Knights,  für  das  Entdeckungswerk  kam  der
Company  durchaus  nicht  gelegen,  sie  suchte  ihm  seine
Projekte  auszureden,  er  aber  liess  nicht  nach  und  drang
auch  schliesslich  durch,  besonders  da  man  von  Indianern
viel  von  bedeutenden  Kupferminen  im  Norden  gehört
hatte.  Robson  behauptet  sogar,  die  Company  habe  erst
nachgegeben,als  Knight  ihr  mit  einer  Anklageschrift  an  die
Krone  gedroht  habe.  Es  wurden  zwei  Schiffe  ausgerüstet, ­
  deren  Oberkommando  der  greise  Gouverneur  selbst
übernahm.  1719  lief  die  Expedition  aus,  aber  auf  ihre
Rückkehr  wartete  man  vergebens.  Erst  fast  ein  halbes
Jahrhundert  später  entdeckte  man  auf  Marble  -  Island
Trümmer,  die  das  traurige  Schicksal  der  Forschet"  enthüllten. ­

Der  Ausgang  dieser  Expedition  war  nicht  dazu  angetan, ­
  aufmunternd  zu  wirken.  Er  hatte  nur  den  einen  Vorteil ­
  für  die  Company,  dass  jetzt  für  lange  Zeit  keiner
mehr  wagen  konnte,  ihr  den  Vorwurf  zu  machen,  dass
sie  das  Entdeckungswerk  vernachlässige,  waren  doch  ihr
Gouverneur  und  ein  grosser  Teil  der  Mannschaft  zur
Ereichung  dieses  Zweckes  in  den  Tod  gegangen.  Es  sollte ­
  denn  attch  lange  dauern,  bis  noch  einmal  an  der  Bai
ein  Forscher  erstand.  In  regelmässiger  Tätigkeit  ohne
Fortschritt  und  ohne  Rückschritt  ging  der  Handel  seinen
ruhigen  Gang.
Mit  den  Indianerstämmen  lebte  die  Company  immer
in  Frieden,  wenn  es  auch  zu  jenen  Zeiten  noch  erlaubt

43 )  Fitzgerald  S.  106  ff.  Robson  App.  I  S.  36.  Willson  I  267.
        <pb n="68" />
        —  67  —

war,  „Feuerwasser’’  an  die  Wilden  zu  verhandeln.  Die
Folgen  beim  Genuss  dieses  Getränkes  waren  gewöhnlich
Schlägereien  unter  den  roten  Leuten,  die  gar  nicht  selten ­
  mit  Mord  und  Totschlag  endeten.
Auch  die  Eskimos  waren  Kunden  der  Company.  Von
ihnen  wurde  hauptsächlich  Fischbein,  Oel  und  Elfenbein
(Zähne  von  Seesäugetieren)  erhandelt.
In  dieser  Zeit  (1727)  wurde  auch  ein  Versuch  gemacht,
den  Handel  der  Franzosen  lahmzulegen.
Burnett,  der  englische  Gouverneur  in  New-York,  verbot ­
  nämlich  den  Handel  mit  den  Franzosen,  da  diese
sich  ihre  Tauschwaren  aus  Neuengland  verschafften.  Die
Massregel  hatte  in  der  Tat  fine  Zeitlang  Erfolg;  im  grossen
und  ganzen  konnte  sie  aber  nicht  den  unternehmenden
Geist  der  Canadier  zurückhalten.Iberville  war  zwar  1707  m
Havana  gestorben,  aber  sein  Heimatland  brachte  noch
viele  tatkräftige  Entdecker  und  Eroberer  hervor.
•1731  begann  Pierre  Gaultier  de  Varennes  de  la  Vsrendrye
  seine  Fahrten.  Er  war  1685  in  Trois  Riviöres  geboren,
hatte  den  spanischen  Erbfolgekrieg  mitgemacht  und  war
bei  Malplaquet  schwer  verwundet  worden.  Er  kehrte  darauf ­
  nach  Amerika  zurück  und  setzte  sein  tatenreiches
Leben  fort;  seine  vier  Söhne  bestimmte  er  dazu,  ihn
auf  seinen  Reisen  zu  begleiten.  Im  Herbst  1731  kreuzte
er  Rainy  Lake  und  erbaute  Fort  St.  Pierre.  Er  fuhr
den  Assiniboine  aufwärts  und  erreichte  den  Missouri.  1743
sah  er  als  erster  Europäer  die  östlichen  Ausläufer,  der
Rocky  Mountains.  1748  fuhr  er  den  Saskatchewan  aufwärts ­
  und  gründete  Forts  in  dem  ganzen  Winnipeg-  und
Saskatchewangebiet.
Nach  seinem  Tode,  1749,  setzten  seine  Söhne  die  Reisen
fort,  aber  der  Gouverneur  Bijot  war  ihnen  nicht  wohlgesinnt ­
  und  nahm  ihnen  das  Pelzhandelsprivileg,  das  einer
Clique  von  Günstlingen  des  Gouverneurs  gegeben  wurde.
        <pb n="69" />
        —  68  —

Doch  unterbrach  dies  nicht  den  Forschungseifer.  Legardeur
  gründete  1781  Fort  La  Ionquiere  am  Fusse  der
Rocky  Mountains,  vermutlich  am  südlichen  Saskatchewan.
In  den  fünfziger  Jahren  des  18.  Jahrhunderts  war  schon
das  ganze  Präriegebiet  des  Saskatchewan  und  oberen  Missouri ­
  ein  Land  des  französischen  Pelzhandels.  Da  kam
der  Krieg  mit  England,  der  dem  weiteren  Vordringen
ein  Ziel  setzte.
Zur  selben  Zeit  tauchte  im  fernen  Nordwesten  ein  neuer ­
  Rivale  auf,  mit  dem  die  Company  aber  erst  ein  Jahrhundert ­
  später  kollidieren  sollte,  die  Russen.
Als  Peter  der  Grosse  England  bereiste  und  alle  Einrichtungen ­
  mit  klugem  und  praktischem  Blicke  beobachtete, ­
  fiel  ihm  nicht  zum  wenigsten  die  Hudsonsbay-Company ­
  auf,  und  er  beschloss,  eine  ähnliche  russische  Pelzkompagnie ­
  ins  Leben  zu  rufen.  Von  Kamtschatka  sollten ­
  die  Schiffe  ausfahren  und  die  sibirischen  Küsten  besuchen. ­
  Die  Fahrten  Berings  und  die  Erreichung  der
Nordwestküste  Amerikas  breiteten  den  Handel  der  russischen ­
  Gesellschaft  weiter  aus  und  machten  zugleich  wieder
die  Erinnerungen  an  die  Nordwestpassage  lebendig.
In  England  wies  Arthur  Dobbs  von  neuem  auf  das  Problem ­
  hin,  und  machte  öffentlich  der  Company  Vorwürfe,
dass  sie  so  wenig  auf  die  Entdeckung  des  Seeweges  bedacht ­
  sei.  Die  Company  rüstete  schliesslich,  mehr  um
der  öffentlichen  Meinung  willen,  als  um  sich  wirklich
ernstlich  mit  der  Aufgabe  zu  befassen,  zwei  Schiffe  aus,
die  1737  bis  62°  15 1  nordwärts  segelten  und  eine  nur
geringe  Gezeitenbewegung,  die  von  Norden  kam,  beobachteten. ­
  Damit  war  Dobbs  nicht  zufrieden.  Er  fand  in  dem
Kapitän  Cristopher  Middleton  einen  Mann,  den  er  bestimmte, ­
  aufs  neue  einen  Versuch  zu  unternehmen.
Middleton  war  nach  Differenzen,  die  er  mit  der  Company ­
  gehabt,  aus  ihrem  Dienste  ausgetreten.  Es  ist  daher
        <pb n="70" />
        —  69  —

nicht  zu  verwundern,  dass  der  Rat  der  Company,  der  von
der  Nutzlosigkeit  dieser  Forschungen  fest  überzeugt  war,
weil  er  eben  die  Sache  nur  mit  praktischen  Augen  betrachtete, ­
  dem  Unternehmen  Middletons  gegenüber  sich
feindselig  zeigte,  besonders  da  ihm  zugemutet  wurde,  den
Forscher  in  einem  der  Hudsonsbayhäfen  überwintern  zu
lassen  und  alles  Nötige  für  ihn  zu  tun.  Er  erklärte,  nicht
zulassen  zu  wollen,  dass  Middleton  einen  der  Häfen  betrete ­
  und  gab  erst  auf  strikten  Befehl  der  Regierung  nach.
Später  machten  die  Feinde  der  Company  sich  diesen
Fall  zu  nutze  und  legten  die  Sachlage  so  aus,  dass  die
Company  überhaupt  immer  das  Entdeckungswerk  geradezu ­
  gehindert  hätte,  aus  Furcht,  die  berühmte  Nordwestpassage ­
  würde  wirklich  gefunden,  und  es  möchte  dann
eine  grosse  Bevölkerung  der  Bai  mit  fremden  Schiffen
und  eine  Beeinträchtigung  des  Handels  entstehen. 14 )  Das
klingt  nach  dem  eben  Därgelegten  nicht  ganz  wahrscheinlich, ­
  aber  Tatsache  ist  jedenfalls,  dass  die  Company  ihr
Gebiet  mit  peinlicher  Sorgfalt  vor  der  Welt  abschloss
und  nur  sehr  ungern  das  Betrten  ihres  Landes  einem
Unbefugten  gestattete.
Middleton  entdeckte  Wagerriver,  die  Repulsebay  und
die  Frozen-Strait  und  kehrte  dann  unverrichteter  Sache
zurück,  zum  grossen  Aerger  Dobbs’,  der  in  Wager-Inlet
die  gefundene  Nordwestpassage  erblickte.  Eine  von  ihm
zum  Beweise  dieser  Ansicht  ausgeführte  Expedition  führte
natürlich  zu  keinem  Ergebnis.
Nun  hatte  die  Company  wieder  für  einige  Zeit  Ruhe, ­
  denn  auch  die  Verwicklungen  in  Europa  machten
sich  nicht,  wie  vor  dreissig  Jahren  bis  zur  Hudsonsbay
fühlbar.
Als  1740  der  Krieg  von  neuem  ausbrach,  bereitete  man
14 1  Fitzgerald  (S.  113)  erzählt  sogar  von  einer  Bestechungssumme
von  500  Pf.  die  Middleton  angeboten  worden  sei,  damit  die  Fahrt
nicht  geschähe.
        <pb n="71" />
        —  70  —

sich  an  der  Bai  sorgfältig  auf  einen  feindlichen  Angriff
vor.  Dem  Gouverneur  wurde  eingeschärft, 45 )  die  Kanonen ­
  immer  geladen  zu  halten,  die  Soldaten  zu  drillen,
und  wenn  der  Feind  zu  stark  sei,  die  Geschütze  zu  vernageln, ­
  die  Gebäude  in  die  Luft  zu  sprengen  und  den
bestmöglichen  Rückzug  zur  Factory  einzuschlagen.
Die  Schiffe  der  Company  erhielten  Kaperbriefe  und
der  ,,Prince  Rupert”  war  eifrigst  hinter  den  französischen
Fahrzeugen  her.  Doch  die  Franzosen  legten  sich  vor  die
Hudsonsstrasse,  um  ihn  abzufangen,  und  erst,  als  nach
der  Eroberung  von  Louisbourg  durch  die  Engländer  alle
französischen  Schiffe  hier  nötig  waren,  konnte  der  „Prince
  Rupert”  wieder  frei  aus-  und  einfahren.
Mehr  Sorge  als  die  Franzosen  bereitete  der  Company
ihre  englischen  Feinde.  1743  hatte  das  Parlament  20  000  Pf.
ausgesetzt  zur  Auffindung  der  Nordwestpassage.  Es  bildete ­
  sich  darauf  die  North-West-Association,  die  zwei
Schiffe  zur  Entdeckung  des  Seeweges  ausrüstete.  Am  10.
Mai  1746  fuhr  die  Expedition  ab  und  überwinterte:  bei
York  -  Fort.
Ueber  ihren  Aufenthalt  daselbst  berichten  einige  Nachrichten ­
  übereinstimmend, 46 )  die  Hudsonsbay  -  Company  habe ­
  der  Expedition  alle  möglichen  Schwierigkeiten  in  den
Weg  gelegt,  andere  wissen  aber  auch  von  grosser  Zuvorkommenheit ­
  zu  erzählen.
Wahrscheinlich  ist  beides  falsch;  jedenfalls  ist  es  charakteristisch, ­
  dass  eine  Beschwerde,  die  Dobbs  1748  an
das  Parlament  richtete,  zurückgewiesen  wurde.
Aber  die  Feinde  Hessen  mit  ihren  Angriffen  nicht  nach.
Sie  hoben  die  Unfähigkeit  der  Company  hervor,  sich
im  Ernstfälle  gegen  die  Franzosen  verteidigen  zu  können, 47 )
betonten  die  lähmenden  Einflüsse  des  Monopols  auf  den
46 )  Willson  I  S.  82+125.
46 )  Willson  I.  S.  333  fr.
47 )  Willson  II.  S.  2  ff.
        <pb n="72" />
        —  71  —
Handel  und  zogen  das  Facit:  die  erste  Bedingung  zur
Hebung  des  Pelzhandels  sei,  der  Company  ihren  Charter ­
  zu  nehmen.
Das  Parlament  sah  sich  schliesslich  genötigt,  die  Sache
ernster  zu  untersuchen  und  beschloss,  ein  „Committee  of
Inquiry”  zu  wählen,  welches  das  Tun  und  Treiben  der
Company  genau  untersuchen  und  über  ihre  angemassten
Rechte  ein  Gutachten  abgeben  sollte.
Im  April  1749  wurde  die  Sache  vor  dem  Parlament
verhandelt.
Der  Versuch  der  Gegner,  den  Charter  so  auszulegen,
dass  die  Hauptpflicht  der  Company  die  Aufsuchung  der
Nordwestpassage  sei,  weil  die  darauf  bezügliche  Bestimmung ­
  an  der  Spitze  des  Charter  stehe  —  misslang,  da
es  ja  doch  in  der  Sache  selbst  lag,  dass  der  Sinn  ein
ganz  anderer  sei.
Es  wurden  nun  über  die  Existenz  und  den  Nutzen  der
Nodwestpassage  und  den  Betrieb  des  Handels  an  der
Bai  viele  Gutachten  abgegebn.  Das  schliessliche  Ergebnis
war  die  Entscheidung  des  „Committee  of  Inquiry”:  der
Charter  sei  unangreifbar.
Die  Lords  of  Trade  and  Plantations  verlangten  nun
genauere  Angaben  der  Grenzen  von  Rupertsland.
Die  Company  antwortete  sogleich:  Soweit  Land  vorhanden ­
  sei,  erstrecke  sich  die  Grenze  nach  Norden,  Osten
und  Westen,  die  Südgrenze  sei  aber  noch  nie  genau
festgelegt  worden.
Damit  gab  man  sich  zufrieden.  —  Die  Company  hatte
über  ihre  Gegner  triumphiert.
Zum  zweitenmal  parierte  sie  einen  Schachzug  ihrer  Feinde, ­
  als  1752  ein  Gesuch  einiger  Kaufleute  bei  den  Lords
of  Trade  and  Plantations  einlief:  Die  Kaufleute  wünschten
Land  an  der  Ostküste  von  Labrador  zu  erhalten,  —
wahrscheinlich  für  Niederlassungen  zur  Betreibung  des
Fischfangs.
        <pb n="73" />
        72  —

Die  Company  wurde  davon  benachrichtigt  und  erklärte
sofort,  jenes  Land  sei  bereits  ihr  Eigentum,  denn  es  sei
in  dem  Charter  mit  einbegriffen.  Diesen  Ansprüchen  wurde ­
  auch  Recht  gegeben.  Wenn  man  von  diesen  Errungenschaften ­
  absieht,  hat  die  Company  die  Zeit  der  Ruhe
seit  1714  schlecht  ausgenützt.  Entdeckungsfahrten  machte
sie  lediglich  dann,  wenn  die  Regierung  eine  drohende
Haltung  einnahm.  Im  übrigen  baute  sie  nur  einige  neue
Forts  und  rüstete  die  alten  besser  aus.  1718  wurde  Fort
Prince-of-Wales  (oder  Churchill)  am  Churchillriver  erbaut, ­
  1730  ein  anderes  am  Mooseriver,  1720  Heuley-House
  am  Albanyriver.  Die  beiden  letzteren  lagen  wenigstens
eine  Strecke  weit  von  der  Küste  entfernt,  es  war  somit
der  erste  zaghafte  Anfang  gemacht,  den  Handel  weiter
ins  Innere  auszudehnen
Fort  Churchill  wurde  1734  von  Ingenieuren,  die  unter
Marlborough  gedient  hatten,  aus  Steinen  aufgebaut  und
erhielt  eine  Befestigung,  der  an  Stärke  kaum  eine  andere
auf  dem  Kontinent  gleich  kam.  Eine  starke  W  allmauer ­
  zog  sich  um  die  Häuser  im  Inneren  in  Form  eines 1
Quadrats,  dessen  vier  Ecken  in  vier  Bastionen  ausliefen,
die  zwei  bis  sechs  Kanonen  bargen.  Innerhalb  der  Bastione
  lagen  die  Magazine  und  Handelshäuser,  die  den
geschütztesten  Platz  haben  mussten;  auf  dem  freien  Raum,
in  der  Mitte  zwischen  den  Wallmauern  stand  das  Wohnhaus ­
  und  das  Kontor.  Zum  Schutze  des  Tores  war  noch
ein  Ravelin  angebracht.  Aehnliche  feste  Plätze  waren  aber
selten  und  auch  nur  in  jenen  frühesten  Zeiten  üblich.
Später  genügte  eine  Palisadenumzäumung  um  drei  bis
vier  Blockhäuser  im  Innern,  um  das  Ganze  ein  „Fort”
zu  nennen.
Ausser  diesem  Ausbau  der  Forts  wurde  nicht  viel  getan,
um  den  Handel  zu  heben,  obwohl  die  Anzeichen  sich
drohend  mehrten,  dass  eine  gründliche  Reform  nötig  sei.
        <pb n="74" />
        —  73  —

Trotz  scharfer  Kontrolle  konnte  die  Company  sich  nicht
vor  geheimen  Privathandel  und  Schmuggel  ihrer  Leute ­
  schützen.  Unter  andern  benutzte  auch  der  Kapitän
Coats,  einer  der  besten  Kenner  der  Hudsonsbay,
wie  sein  Buch  über  die  geographischen  und  nautischen ­
  Verhältnisse  der  Bai, 48 )  beweist,  seinen  Dienst
in  der  Company  dazu,  um  nebenbei  sich  selbst  zu  bereichern. ­
  Als  der  Betrug  entdeckt  wurde,  entleibte  er  sich.
Es  dauerte  aber  fast  noch  zwei  Jahrzehnte,  bis  die  Gesellschaft ­
  sich  entschliessen  konnte,  gegen  diese  innern
Uebel  Massregeln  zu  treffen.
Die  Kriege  in  Europa  und  Canadas  Kämpfe  mit  den
südlichen  englischen  Kolonien  Hessen  sich  in  ihren  Wirkungen ­
  nicht  bis  zur  Hudsonsbay  verspüren.Auch  als  1759
vor  Quebecs  Toren  die  ehernen  Würfel  rollten  und  derSieg
desGeneralsWolfe  Englands  Vorherrschaft  inNordarmerika
erkämpfte,  wurde  man  an  der  Bai  von  diesem  Wirken
der  Weltgeschichte  nichts  gewahr.
Als  die  Nachrichten  darüber  in  London  eintrafen,  dachten ­
  die  Aktionäre  nur  an  ihren  eignen  Vorteil.  Sie  sandten
mehrere  Gesuche  an  das  Parlament,  in  denen  sie  darauf
hinwiesen,  dass  die  Entschädigungen,  die  sie  seit  dem
Utrechter  Frieden  von  den  Franzosen  erwarteten,  noch
nicht  bezahlt  seien.  Aber  die  Petitionen  blieben  unerledigt ­
  liegen;  damals  hatte  England  wahrscheinlich  an
wichtigere  nationale  Interessen  zu  denken.
Die  Bestimmungen  des  Pariser  Friedens,  (1763)  gemäss ­
  denen  Canada  an  England  fiel,  machten  sich  in
ihren  Wirkungen  aber  doch  bald  fühlbar.  Die  französischen
Forts  wurden  von  ihren  Besatzungen  verlassen,  und  die
erstaunten  Indianer,  die  hier  Handel  treiben  wollten,  wandten ­
  sich  zur  Hudsonsbay.  Die  Coureurs  des  bois  fühl-48
 )  J.  Bnrrow,  Geography  of  Hudsons  -  Bay:  being  the  remarks  of
Captain  W.  Coats.  Hakluyt-Soc.  London  1860.
        <pb n="75" />
        —  74  —

ten  auch,  dass  ihre  schönen  Tage  nun  gezählt  seien;
sie  konnten  aber  ihr  Vagabundenleben  nicht  aufgeben
und  schlossen  sich  daher  zum  grössten  Teil  den  Indianerstämmen ­
  an,  sodass  die  „Halfbreeds”  an  Zahl  mehr  und
mehr  wuchsen.
Die  Wilden  konnten  sich  auch  nicht  sogleich  in  den
Umschwung  der  Dinge  schicken.  Besonders  die  Irokesen
zeigten  sich  noch  nach  wie  vor  den  Engländern  feindlich
gesinnt.  Die  Waldläufer  taten  das  ihre  dazu,  um  sie  aufzuwiegeln, ­
  und  die  Eroberung  von  Detroit  und  Michillimakinac,
  durch  den  Indianerhäuptling  Pontiac,  zeigte,
wie  gefährlich  die  Roten  werden  konnten.
1765  waren  die  Zustände  schon  wieder  in  genügender
Ordnung,  und  sofort  machten  sich  nun  die  Montrealer
Kaufleute  daran,  den  canadischen  Pelzhandel  wieder  aufzunehmen. ­

1767  machte  Thomas  Currey  eine  Reise  ins  Innere,
gelangte  bis  zum  Cedar-Lake  und  kehrte,  mit  reicher
Beute  beladen,  zurück;  James  Finley  streifte  noch  weiter ­
  nordwärts  und  hatte  auch  guten  Erfolg.
1775  endlich  verliess  der  unerschrockene  Alexander  Henry ­
  die  Saults  St.  Marie  mit  52  Mann  und  drang  nach
Nordwesten  vor.  Er  hatte  im  Kriege  gegen  Pontiac  eine
rühmliche  Rolle  gespielt;  Gefahren  und  Abenteuer  waren
ihm  zum  Bedürfnis  geworden.
Die  Hudsonsbay  -  Company  erfreute  sich  nicht  lange
eines  Aufschwungs  in  ihrem  Handel.  Schon  wieder  machte ­
  sich  eine  Konkurrenz  fühlbar,  diesmal  aber  von  Seiten ­
  ihrer  eignen  Landleute.  Dazu  kam,  dass  die  Missstimmung ­
  in  London  allmählich  überhand  nahm.
Die  Company  tat  allerdings  auch  alles  andere  eher,
als  sich  populär  machen.  Das  geheimnisvolle,  eisstarrende ­
  Land,  in  dem  ihre  Niederlassungen  waren,  das  von
keinem  Menschen  ohne  ihre  Erlaubnis  betreten  werden
        <pb n="76" />
        durfte,  die  Schiffe,  die  man  nur  einmal  im  Jahre  sah,
die  oft  barbarische  Strenge  im  Dienst,  endlich  der  plötzliche ­
  Tod  des  Kapitän  Coats  —  das  waren  alles  Momente ­
  die  zu  vielen  bösen  Gerüchten  Anlass  gaben.
„Shoking  narratives”  über  Vorkommnisse  in  der  Bai
gingen  bald  von  Mund  zu  Mund,  und  schliesslich  wurden
ihre  eignen  Seeleute  von  der  Missstimmung  ergriffen.
Als  im  Jahre  1768  ihre  Schiffe  in  der  Themse  lagen,
erzwang  sich  eine  Anzahl  Meuterer  den  Eintritt,  verübte ­
  Excesse  an  Bord  und  forderte  eine  Steigerung  des
Soldes  auf  40  S.  pro  Monat.  Durch  Eingreifen  der  Regierung ­
  und  Nachgiebigkeit  von  seiten  der  Company  wurde ­
  der  Streik  wieder  beigelegt,  aber  noch  immer  hatte
sie  mit  dem  „clandestine  trade”  zu  kämpfen.
Ein  Kapitän  Horner  musste  aus  dem  Dienst  entlassen
werden,  da  mit  seiner  Kenntnis  Unterschlagungen  gemacht
worden  waren.
Die  Aktionäre  wussten  wohl,  dass  das  einzige  Mittel
gegen  das  Uebel  war,  den  ausübenden  Händlern  in  Amerika ­
  auch  einen  Anteil  am  Handel  zu  gönnen,  aber  dazu ­
  konnten  sie  sich  in  ihrer  egoitischen  Krämerpolitik
nicht  entschliessen.  Immerhin  machten  sie  einen  Anfang
mit  der  Reform,  denn  nach  längeren  Beratungen  wurde
endlich  festgesetzt,  den  Chieffaktors  und  Kapitänen  ihr
Gehalt  auf  130  Pf.  pro  Jahr  zu  erhöhen  und  ihnen  zugleich
eine  Gratifikation  für  jeden  Ballen  Felle,  den  sie  unverletzt ­
  nach  London  gelangen  Hessen,  zuzusagen.
Um  weitern  Verlusten  durch  Unglücksfälle  oder  Meutereien ­
  vorzubeugen,  versicherte  die  Company  ihre  drei
Schiffe  zu  2000  Pf.  und  die  Ladung  in  den  Magazinen,
zu  3  000  Pf.
Diese  Beschlüsse  hatten,  so  ungenügend  sie  auch  waren,
vorläufig  eine  ganz  gute  Wirkung  auf  den  Fortgang  des
Handels.
        <pb n="77" />
        -  76  -

Das  Jahr  1768  war  auch  noch  in  anderer  Hinsicht  für
die  Company  beachtenswert.  Die  Indianer,  die  nach  Fort
Churchill  kamen,  brachten  wieder  Nachrichten  von  dem
grossen  Kupferminenfluss  im  Norden  und  zeigten  zugleich
Kupferstücke  vor,  die  sie  dort  gefunden  hatten.  Die  Sache
schien  doch  einer  nähern  Erwägung  wert  zu  sein,  und
Gouverneur  Norton  wurde  beim  Committee  vorstellig,  eine
Expedition  zu  Lande  nach  dem  Flusse  zu  gestatten,  man
konnte  ja  zugleich  damit  die  Erforschung  der  Nordwestpassage
  verbinden.
Der  Council  beschloss  denn  auch,  einen  erfahrnen  Mann,
mit  allen  nötigen  Instrumenten  und  Vorräten  ausgerüstet, ­
  dorthin  zu  schicken.
Norton  fand  einen  solchen  Mann  in  Samuei  Hearne.
Dieser  unerschrockene  und  energische  Forscher  reiste
1769/  mit  allem  Nötigen  versehen,  von  Churchill  ab,  begleitet ­
  von  indianischen  Führern.  Die  roten  Männer  waren
aber  nicht  zuverlässig;  nach  kurzer  Reise  verliessen  sie
Hearne,  nachdem  sie  ihm  seine  Instrumente  gestohlen
hatten,  sodass  er  wieder  zurückkehren  musste.  Im  Jahre
1770,  im  Februar,  reiste  er  aber  von  neuem  ab,  vorsichtiger ­
  und  besser  ausgerüstet  als  das  letzte  Mal.  Der
Weg  wurde  bald  äusserst  schwierig,  als  die  Sumpf-  und
Felsöden  der  Barren-Grounds  kamen,  und  eine  grimmige
Kälte  sich  einstellte.  Der  Kampf  gegen  Frost  und  Hungersnot ­
  war  oft  kaum  noch  zu  ertragen.  Endlich  sah
sich  Hearne  abermals  genötigt,  wieder  zurückzukehren,
als  ein  Missgeschick  ihm  den  Quadranten  zerstört  hatte.
Nach  fast  zehnmonatlicher  Abwesenheit  kam  er  in  Churchill ­
  wieder  an.  Aber  trotz  der  ausgestandenen  Gefahren
und  Nöte  beschloss  er  mit  eiserner  Energie  von  neuem
die  Abfahrt.  Diesmal  war  er  nur  ungenügend  ausgerüstet;
aber  es  gelang  ihm  tatsächlich,  am  14.  Juli  1771  den
Coppermineriver  und  das  Eismeer  zu  erreichen.  Er  war
        <pb n="78" />
        —  77  —

der  erste  weisse  Mann,  der  die  arktische  Küste  Nordamerikas ­
  sah.  Im  Namen  der  Hudsonsbay  -  Company  nahm
er  Besitz  von  dem  Lande  und  kehrte  dann  nach  Churchill ­
  zurück.  —  Durch  seine  Reise  war  die  Entdeckung
der  Nordwestpassage  sehr  illusorisch  gemacht  worden,
denn  man  wusste  jetzt,  dass  zwischen  n6°  W,  67°  N
und  Fort  Churchill  sich  ein  weites  ödes  Landgebiet  erstreckte, ­
  und  nördlich  von  67°N  war  kaum  eine  fahrbare ­
  Strasse  zu  erhoffen.
Vom  Jahre  1769  ist  noch  zu  erwähnen,  dass  Astronomen ­
  auf  Fort  Churchill  den  Venusdurchgang  beobachteten ­
  und  von  der  Company  nach  Kräften  unterstützt  wurden. ­

Nach  den  Reformen  vom  Jahre  1768  kam  wirklich
ein  etwas  unternehmenderer  Geist  in  den  Handelsbetrieb.
Die  Mannschaften  waren  auch  zuverlässiger  geworden.
Man  hatte  seit  1712  angefangen,  Schotten  und  Orkneyinsulaner ­
  zum  Dienst  zu  verwenden  und  fand  diese  Leute ­
  sehr  brauchbar.  Sie  wurden  von  dem  Schiffskapitän  gewöhnlich ­
  für  fünf  Jahre  angeworben  und  bekamen  jährlich ­
  einen  Lohn  von  6  Pf.  Die  Strenge  des  Dienstes
wurde  ihnen  vorher  nachdrücklich  eingeschärft.  Sie  durften ­
  nicht  das  kleinste  Fell  unterschlagen,  darauf  standen
die  schwersten  Strafen;  bei  der  genauen  Kontrolle  war
eine  Unterschlagung  auch  fast  unmöglich.  Wenn  die  Indianer ­
  kamen,  durfte  kein  Mensch  vor  die  Tür  gelassen
werden,  damit  keine  privaten  Handelszusammenkünfte
stattfanden.  Bei  jedem  Spaziergang  musste  man  beim  Gouverneur ­
  um  Urlaub  einkommen.
Der  Gouverneur  jeder  Faktorei  hatte  noch  einen  Unterhändler, ­
  den  „second  öder  unterfactor.”Diese  beiden
mit  dem  Wundarzt  (surgeon)  und  dem  Bootsmeister  (master ­
  of  the  sloop)  machten  den  „Council”  aus,  der  über
alles  Wichtigere  vorher  beriet.  Die  Gouverneure  wurden
        <pb n="79" />
        für  drei  oder  fünf  Jahre  verpflichtet.  Ihr  Gehalt  stieg
von  50  Pf.  bis  150  Pf.  pro  Jahr,  wurde  aber  durch  die
Prämien  beim  Handel  oft  verdreh  und  vervierfacht.
Der  etwas  regsamere  Geist  der  Company  zeigte  sich
vornehmlich  darin,  dass  sie  nun  endlich  begann,  ihren
Handel  auch  ins  Innere  auszubreiten  und  weiter  von  der
Bai  entfernt  Posten  zu  errichten.
Es  war  aber  auch  die  höchste  Zeit,  wenn  nicht  gar
schon  zu  spät,  denn  die  Canadier  hatten  bereits  bedeutende ­
  Erfolge  aufzuweisen,  und  ihr  Handel  hatte  einen
solchen  Umfang  angenommen,  dass  die  Company  es  mit
ihm  nicht  aufnehmen  konnte.  1774  wurde  Hearne  ausgesandt; ­
  er  wandte  sich  zum  Winnipegsee  und  erbaute
am  untern  Saskatschewan  Cumberland-House.  Das  war
aber  auch  fast  das  einzige  Unternehmen  der  Company.
Ein  ganz  anderes  Leben  herrschte  bei  den  Canadiern.
1775  fing  der  Montrealer  Joseph  Frobisher  an  der  Portage
  la  Traite  (jetzt:  Frog-Portage)  einen  grossen  indianischen ­
  Convoi  ab,  der  für  die  Hudsonsbay-Company
bestimmt  war,  und  heimste  den  Erlös  ein.  Sein  Bruder
ging  noch  über  die  bisher  entdeckten  Gebiete  hinaus
und  erreichte  Isle  ä  la  Crosse.  1779  drang  Peter  Pond
bis  zum  Elkriver  (jetzt  Athabascariver)  vor  und  überwinterte ­
  zum  ersten  Male  mit  seinen  Vorräten  im  Indianerlande. ­

Die  Konkurrenz  wurde  von  Jahr  zu  Jahr  stärker,  und
die  Preise  stiegen.  1775  Hess  sich  die  Company  auf  den
Inlandposten  bezahlen:
Für  eine  Flinte  20  Biberfelle
„  eine  Decke  8-10  „
„  eine  Axt  8  „
„  V2  Pint  (-ca  1/4  Liter)  Pulver  1  Biberfell
„  10  Kugeln  1  Biberfell.
        <pb n="80" />
        —  79  —

Die  lange  Friedenszeit  war  vorüber,  das  wurde  man
bald  gewahr,  a|ls  der  Handel  der  Montrealer  immer  rapider ­
  wuchs  und  die  Waldläufer  und  Halfbreeds  wieder
das  Land  durchschwärmten.  Spirituosen  wurden  an  die
Indianer  verschenkt,  und  man  hörte  von  Mordtaten  und
Ueberfällen.  1781  brachen  zudem  unter  den  Wilden  die
Blattern  aus,  und  zwar  in  einer  so  fürchterlichen  Weise,
dass  man  den  Untergang  aller  Indianer  fürchtete.
Dazu  kam  1782  noch  einmal  ein  Feind,  den  man  seit
siebzig  Jahren  völlig  vergessen  hatte,  die  Franzosen.
1776  hatten  die  Vereinigten  Staaten  sich  unabhängig
erklärt  und  1778  die  Franzosen  mit  ihnen  ein  Bündnis
gegen  England  geschlossen.
In  der  Bai  wusste  man  wohl,  dass  die  Amerikaner  und
Franzosen  nur  mit  Mühe  den  Kampf  aufrecht  erhalten
konnten  und  dachte  daher  an  keine  Gefahr.  Aber  die
Company  sollte  sich  in  ihrer  Sicherheit  getäuscht  haben.
Am  1.  August  1782  tauchten  plötzlich  vor  Churchill
drei  grosse  Schiffe  auf,  die  man  als  französische  erkannte. ­
  Das  Fort  war  nur  von  50  Mann  besetzt,  die  unmöglich
lange  die  weitläufigen  Befestigungen  verteidigen  konnten.
Als  daher  der  Gouverneur  Hearne  sah,  wie  400  Mann
landeten  und  gegen  das  Fort  anrückten,  schien  es  ihm
das  beste  zu  sein,  einen  jedenfalls  schweren,  wenn  nicht
aussichtlosen  Kampf  zu  vermeiden  und  zu  kapitulieren.
Der  Kommandant  des  französischen  Geschwaders  war
der  später  so  berühmt  gewordene  Admiral  La  Perouse.
Er  ordnete  an,  die  Befestigungen  zu  zerstören  und  nahm
mit,  was  er  gebrauchen  konnte.  Unter  anderm  fand  sich
eine  Beschreibung  der  Expedition  Hearnes,  von  der  in
Europa  bisher  kaum  etwas  bekannt  war.  Der  Verfasser
bat,  das  Werk  behalten  zu  dürfen,  und  La  Perouse  gab
es  ihm  auch  zurück,  aber  unter  der  Bedingung,  dass
es  sobald  als  möglich  veröffentlicht  würde.Es  erschien  aber
        <pb n="81" />
        —  80  —

erst  1795  im  Druck.  Daraus  schlossen  die  Feinde  der
Company  wieder,  dies  sei  geschehenem  das  Entdeckungswerk ­
  möglichst  zu  hindern. 49 )
Aber  dieser  Einwurf  passt  hier  wenig,  denn  wenn  der
Company  daran  lag,  nach  Möglichkeit  Entdeckungen  zu
verhindern,  so  war  dafür  die  Veröffentlichung  von  Hearnes
  Werk  eine  gute  Massregel,  da  es  ja  die  schauerlichsten ­
  Eisöden  beschrieb  und  die  Auffindung  der  Nordwestpassage ­
  als  ziemlich  aussichtslos  hinstellen  musste.
Höchstens  konnte  der  unerschrockene  Mut  des  Verfassers ­
  aufmunternd  und  nacheifernd  wirken.
Nachdem  Fort  Churchill,  soweit  es  seine  Festigkeit  zuliess,
  zerstört  war,  —  die  dicken  Wälle  spotteten  aber
der  Anstrengung  der  Franzosen  —  rückte  La  Perouse
vor  York  Faktory.
Auch  dieser  Platz  kapitulierte  schmählich,  obwohl  60
Mann  ihn  verteidigten,  und  Geschütz,  Munition  und  Lebensmittel ­
  in  Menge  vorhanden  waren.
Der  französische  Admiral  nahm  auch  hier  alles  Brauchbare ­
  mit,  und  nachdem  er  vergeblich  Jagd  auf  die  Schiffe
der  Company  gemacht  hatte,  verliess  er  wieder  die  Bai.
Der  Schaden,  den  er  angerichtet  hatte,  war  nicht  unbeträchtlich. ­
  Der  grösste  Teil  des  Polzvorrates  und  der
Tauschwaren,  dazu  eine  Menge  Utensilien,  die  sich  seit
siebzig  Jahren  in  York-Faktory  angesammelt  hatten,waren
verloren.
Dies  war  das  letzte  Mal,  dass  die  Franzosen  die  Bai
besuchten;  ein  anderes,  ein  neues  Zeitalter  brach  an.  In
Montreal  bereitete  sich  unterdessen  ein  Werk  vor,  das
für  die  Company  gefährlicher  werden  sollte,  als  die  Feinde ­
  ihres  Vaterlandes  gewesen  waren.
Ein  Zeitalter  war  vergangen,  im  Verlauf  dessen  alle
Vor-  und  Nachteile  dieser  Handelsgesellschaft  offenbar
geworden  waren.

49 j  Fitzgerald,  S.  109.
        <pb n="82" />
        —  81  —

Es  ist  wahr,  wenn  der  englische  Staat  von  der  Hudsonsbay
  aus  den  Pelzhandel  betreiben  wollte,  so  musste
er  diese  Aufgabe  einer  Gesellschaft  übertragen;  denn  zur
Kolonisation  eignete  sich  das  Land  nicht,  und  Privatleute ­
  konnten  weder  die  Kosten  eines  so  gross  angelegten ­
  Geschäftsbetriebes  erschwingen,  noch  militärisch  äussern
  Feinden  gegenüber  stark  genug  sein.  Eine  einheitliche ­
  Bedienung  der  Indianer  konnte  auch  nur  von  einer
Korporation  von  Kaufleuten  erreicht  werden.
Diese  Korporation  musste  aber  nicht  notwendigerweise ­
  die  Mängel  der  Hudsonsbay  -Company  haben.
Die  Schwäche  ihrer  militärischen  Machtmittel  und  die
Abneigung  gegen  Entdeckungen  und  Kolonisierung  waren ­
  allerdings  vorauszusehen,  aber  die  egoistische,  engherzige ­
  Politik,  die  nicht  an  die  Interessen  des  Staates,
sondern  nur  an  den  eignen  Vorteil  dachte,  und  die  daraus ­
  resultierende  kurzsichtige  Organisation,  die  gerade
dem  ausübenden  Teile  das  Interesse  am  Handel  verleiden ­
  musste,  waren  Fehler,  die  allein  den  Aktionären
der  Hudsonsbay  -Company  zur  Last  gelegt  werden  müssen. ­

Der  Geiz  dieser  Kaufleute  hinderte  sie,  einzusehen,  dass
sie  durch  diese  Organisation  die  Tatkraft  ihrer  Untergebenen ­
  und  damit  den  Fortgang  des  Handels  hemmten, ­
  dass  sie  dadurch  der  Company  geradezu  die  Lebensader ­
  unterbanden  und  sie  zu  einer  toten  Maschine
in  der  Hand  ihrer  Aktionäre  machten.
4,  Die  Gründling  der  North-West-Company
und  ihr  Kampf  mit  der  Hudsonsbay-Company,
bis  zur  Einigung.
(1783  —  1821.)
Die  Montrealer  Pelzhändler'  schritten  rastlos  in  ihrem
Entdeckungs-  und  Handelswerk  fort.
        <pb n="83" />
        —  82

1777  hatte  Peter  Pond  die  Portage  La  Loche  gekreuzt
und  einen  Handelsposten  am  Athabascariver  errichtet.
Von  hier  aus  sandte  er  Leroux  und  Grant 50 )  zum  Great-Slaveriver
  und  -Lake,  wo  sie  die  Posten  erbauten,  die
jetzt  bekannt  sind  unter  den  Namen:  Fort  Resolution  und
Fort  Providence.
Konkurrenzstreitigkeiten  untereinander  und  andere  Mängel, ­
  die  der  Privathandel  mit  sich  brachte,  legten  den
Montrealern  sehr  bald  nahe,  dass  nur  ihre  Vereinigung
zu  einer  Gesellschaft  dem  Handel  einen  gedeihlichen  Fortgang ­
  sichern  würde.  Im  Winter  1783/84  kam  diese  Einigung ­
  zustande  unter  dem  Namen  der  „Northwest-Company”
  unter  der  Führung  der  Gebrüder  Frobisher  und
des  Kaufmanns  Simon  Mac  Tavish.
Ganz  ohne  Kampf  trat  diese  Gesellschaft  nicht  ins  Leben. ­
  Einige  Händler,  die  man  ausgeschlossen  hatte,  und
solche,  die  mit  ihren  Anteil  nicht  zufrieden  waren,  gründeten ­
  eine  andere  Company  unter  der  Leitung  der  reichen ­
  Kaufleute  Gregory  und  Mac  Leod,  sowie  des  jungen,
unternehmenden  Mac  Kenzie. 51 )
Nachdem  sich  die  beiden  Korporationen  nicht  ohne
Blutvergiessen  einige  Jahre  hart  bekämpft  hatten,  kam
1787  die  Einigung  zustande,  und  die  North-West-Compa»
ny  trat  mit  ihrer  ganzen  jungen  Kraft  ins  Leben.
Ihre  Organisation  war  vortrefflich;  Mackenzie  schreibt
darüber  etwa  Folgendes:  Die  Gesellschaft  war  zunächst
nur  auf  Kredit  und  geborgtes  Geld  gegründet,  wenn  auch
einzelne  der  Teilnehmer  Privatkapital  besassen.  Man  wusste
wohl,  dass  das  Geschäft  bald  soviel  abwerfen  würde,  um
die  Company  auf  gesicherten  Boden  zu  stellen.
20  Aktien  waren  ungleich  an  die  einzelnen  Mitglieder
verteilt.  Einen  Teil  besassen  die  Agenten  in  Montreal,
50 )  Dawson  S.  551.
51 )  Das  Folgende  nach  Mackenzie  S.  13  ff.
        <pb n="84" />
        83  —
einen  andern  die  Handeltreibenden  im  Landesinnern.
(The  winterers.)
Der  Versammlungsort  für  beide  war  Grand  Portage  am
Lake  Superior.  Die  Agenten  mussten  auf  ihre  eignen
Kosten  die  notwendigen  Tauschwaren  von  London  kommen ­
  lassen,  in  Montreal  aufstapeln  und  nach  Grand  Portage ­
  befördern,  hier  die  Felle  in  Empfang  nehmen  und
nach  Montreal  schaffen,  sowie  dafür  sorgen,  dass  sie
in  London  teuer  verkauft  wurden.  Für  alle  daraus  erwachsenden ­
  Kosten  erhielten  sie  eine  Entschädigung.
Die  im  Lande  zurückbleibenden,  die  hier  mit  den  Indianern ­
  Handel  trieben,  hatten  ihr  Kapital  in  den  Händen
der  Agenten.  Einige  von  ihnen,  die  lange  im  Dienst  waren, ­
  oder  sich  bedeutender  Erfolge  rühmen  konnten,  erhielten ­
  zwei  Aktien.  Sie  konnten  sich  dann  mit  einer
vom  Dienst  zurückziehen,  die  andere  Aktie  erhielt  ein
von  ihnen  ernannter  und  von  der  Majorität  der  Aktionäre ­
  bestätigter  jüngerer  Mann,  der  noch  keine  hatte.
So  konnten  allmählich  die  jungen  Leute,  die  in  den  Dienst
eintraten,  fortschreiten  bis  zum  Charakter  und  Gewinnanteil ­
  von  Partnern.
Durch  diese  praktische  Organisation  wurde  ein  Wetteifer ­
  unter  den  einzelnen  angeregt,  der  natürlich  dem
Ganzen  ausserordentlich  förderlich  war.
Im  Jahre  1788  war  der  Wert  der  Felle,  Waren,  Etablissements ­
  etc.  40000,  zehn  Jahre  später  bereits  150000  Pf.
Wie  langsam,  trotz  des  rapiden  Handelsaufschwungs
der  ganze  Betrieb  vor  sich  ging,  zeigt  eine  Tabelle,  die
Makenzie  angibt.
Die  Angaben  für  die  anzukaufenden  Tauschwaren  wurden ­
  nach  London  geschickt:  am  25.  Oktober  1796;
die  Waren  wurden  eingeschifft  und  fuhren  ab  von
London:  im  März  1797,  kamen  in  Montreal  an:  Juni  1797,
wurden  aufgestapelt,  im  Veilaufc  des  Winters  neu  verpackt ­
  und  abgesandt:  im  Mai  1798,  kamen  im  Innern
        <pb n="85" />
        —  84  —

an  und  wurden  eingetauscht  für  Felle  im  Winter  1798/99,
die  Felle  kamen  nach  Montreal  im  Sept.  1799,  wurden
eingeschifft  nach  London,  verkauft  im  März  und  April,
die  Bezahlung  dafür  lief  ein  im  Mai  oder  Juni  1800.
Die  Anzahl  der  Felle  war  aber  folgende:

106  000  Biberfelle
32  000  Marderfelle
17  000  Bisamrattenfelle
6  000  Luchsfelle
4  600  Otterfelle
4  000  Kittfuchsfelle
3  800  Wolfsfelle
2  000  Bärenfelle

1800  Minkfelle
1652  Fischhäute
1500  Fuchsfelle
1200  gegerbte  Hirschfelle
750  ungegerbte
700  Elkfelle
700  Wolverenefelle
500  Büffelfelle
100  Waschbärfelle.

Die  Zahl  der  Angestellten  war  damals:  50  Clerks,  71
Interpreters  and  Clerks  1220  Canoemen,  35  Guides.
In  Mackenzie  hatte  die  North-West-Company  einen  der
kühnsten  und  grössten  Forschungsreisenden,  dessen  Name
mit  Recht  für  ewige  Zeiten  der  gewaltigste  Strom  des
Nordwestgebietes  trägt.
Im  Jahre  1789  führte  er  sein  längst  geplantes  Unternehmen ­
  aus,  eine  Reise  zum  fernen  Norden  und  zum
Pacifischen  Ozean.  Am  3.  Juni  1789  fuhr  er  von  Fort
Chippewyan  ab,  den  Slaveriver  abwärts  und  erreichte  nach
bedeutenden  Schwierigkeiten  am  12.  Juli  einen  der  Mündungsarme ­
  des  nach  ihm  benannten  Stromes  bei  69°N.
Weiter  vorzudringen  war  ihm  wegen  des  Eises  nicht
möglich.  Am  12.  September  kam  er  wieder  an  seinem
Ausgangspunkte  an.
Drei  Jahre  später,  am  10.  Oktober  1792,  machte  er
sich  auf  zu  seiner  zweiten  Reise,  dem  Versuch,  zum
Pacifischen  Ozean  vorzudringen.  Er  fuhr  den  Peaceriver
aufwärts  in  dessen  Nebenfluss,  den  Parsnipriver.  Die
        <pb n="86" />
        85  —

Ueberschreitung  einer  schmalen  Wasserscheide  brachte
ihn  in  den  Fraserriver;  diesem  folgte  er  und  erblickte  am
23.  Juli  1793  den  Grossen  Ozean.  Drei  Jahre  vor  ihm
hatte  bereits  Vancouver  die  pacifische  Küste  in  dieser
Gegend  erreicht,  und  wiederum  drei  Jahre  früher  (1787)
hatte  La  Perouse  die  noch  nördlicher  liegenden  Landstrecken ­
  untersucht.
1781  schickten  die  Russen  Schiffe  aus  unter  Schelekoff
und  Golikoff,  welche  die  Küsten  von  Alaska  für  Russland ­
  in  Besitz  nahmen  und  einen  ausgiebigen  Pelzhandel ­
  betrieben.  1798  bildete  sich  die  russisch-amerikanische
Pelzkompagnie,  die  gewaltig  anwuchs  und  bedeutende
Reichtümer  erlangte.  So  drängte  sich  in  den  achtziger
und  neunziger  Jahren  des  18.  Jahrhunderts  eine  Entdekkung
  und  Unternehmung  an  die  andere;  schon  bekam
man  eine  Ahnung  von  der  wahren  Gestalt  Britisch-Nordamerikas.
  Von  allen  Seiten  wurde  seine  Erforschung  und
Ausnutzung  in  Angriff  genommen,  und  die  Hudsonsbay-Company
  sah  tatlos  zu,  wie  das  Land,  das  doch  eigentlich ­
  ihr  Eigentum  war,  von  fremden  Reisenden  ausgenutzt
wurde.
Jetzt  war  es  zu  spät,  das  Versäumte  nachzuholen,  aber
sie  wollte  nun  doch  wenigstens  noch  da  mitsuchen,  wo
noch  etwas  zu  finden  war.  Aber  ihre  Versuche  fielen
ziemlich  spärlich  (aus.  In  ihrem  Dienst  machte  Turnet
1791  eine  Reise  zum  Athabascäriver  und  -Lake,  1795
Thompson  in  dieselbe  Gegend.  Später  nahm  er  sich  die
Rocky  Mountains  und  den  Nordwesten  zum  Ziel,erforschte
hier  weite  Strecken  Landes  und  gab  Karten  des  Gebietes ­
  heraus.  Nach  ihm  sind  besonders  Fraser  und  Stewart ­
  als  erfolgreiche  Entdecker  hervorzuheben.
Diese  Anstrengungen  waren  auch  nötig  gegenüber  der
aufstrebenden  North-West-Company,  die  selbst  durch  innere ­
  Streitigkeiten  nicht  am  Fortschreiten  gehindert  wurde.
        <pb n="87" />
        —  86  -
VJ98  trat  Mackenzie  wegen  Differenzen  mit  Simon  Mac
Tavish  aus  der  Korporation  aus  und  ging  nach  England,
wo  er  ein  Werk  über  seine  Reisen  veröffentlichte.  1801
kehrte  er  jedoch  wieder  zurück  nach  Canada  und  gründete
eine  neue  Gesellschaft,  die  „X  -  Y  -  Company,”  die  aber
nicht  feindselig  mit  der  alten  North-West-Company  zusammenstiess.
  1801  wurden  in  London  371  139  Pf.  11  S.  4d  für
die  Felle  eingelöst.
Die  Hudsonsbay  -  Company  fühlte  sich  zu  schwach,  um
diesem  starken  Rivalen  gegenüber  entschiedener  aufzutreten. ­
  Dazu  kam,  dass  in  Europa  die  Napoleonischen
Eroberungskriege  begonnen  hatten,  sodass  sie  keinen
Markt  für  ihre  Waren  fand.  1802  sah  man  sich  schon
genötigt,  eine  Anleihe  von  20  000  Pf.  an  der  Bank  von
England  zu  machen.
Die  Nordwester  verloren  allmählich  jede  Achtung  vor
der  „Chartered  Company.”  Wozu  hatte  sie  den  Charter,
wenn  sie  dessen  Rechte  nicht  ausnutzte!.  Der  Charter
hatte  eben  gar  keine  Rechtskraft,  so  musste  es  scheinen.
Das  sollte  ein  verwegner  Streich  beweisen:  Im  Frühjahr ­
  1803  fuhr  ein  Schiff  der  North-West-Company  in
die  Bai  ein.  Eine  andre  Expedition,  die  zu  Lande  vorgegangen ­
  war,  setzte  mit  unglaublicher  Keckheit  nach
Charltonisland  über  und  gründete  dort,  sowie  am  Mooseriver, ­
  Handelsposten.
Das  Erstaunen  der  Hudsonsbay-Company  war  grenzenlos; ­
  sie  wagte  aber  nicht  einmal,  gegen  diesen  Einbruch
in  ihr  allereigenstes  Gebiet  vorzugehn,  sondern  hielt  es
für  das  beste,  ruhig  abzuwarten,  bis  die  Eindringlinge
wieder  abzögen,  und  das  mussten  sie  ja  tun,  denn  sie
konnten  sich  unmöglich  in  den  Landstrichen  der  Bai  halten, ­
  die  nur  geringe  Ausbeute  aufwiesen  und  deren  Bewohner ­
  eine  bessere  und  ehrlichere  Bezahlung  gewohnt
waren.  —  Das  geschah  denn  auch:  Die  Nordwester ­
  verliessen  nach  kurzem  Aufenthalt  wieder  die
        <pb n="88" />
        erbauten  Forts  und  suchten  sich  im  Westen  besere
  Jagdgründe  aus.  ,
Mackenzie  war  wieder  nach  London  zurückgekehrt,
um  hier  für  einen  grossartigen  Plan  zu  werben.  Er
suchte  die  Erlaubnis  zur  Gründung  einer  Gesellschaft
britischer  Kaufleute  und  Fischer  zu  erlangen,  die  den
Pelzhandel  des  Innern  mit  der  Fischerei  von  Ozean  zu
Ozean  verbinden  sollten.  Die  Hudsonsbay-  Company  sollte ­
  selbst  die  Konzession  zu  dieser  Gesellschaft  geben, ­
  dazu  suchte  er  die  Regierung  zu  bewegen.  Das
gelang  ihm  aber  nicht.  Die  Ausführung  des  Planes
hätte  entweder  den  Untergang  der  Hudsonsbay-Company
herbeigeführt,  oder  eine  ähnliche  Einigung,  wie  sie  achtzehn ­
  Jahre  später  zustande  kam.
Der  Tod  Mac  Tavishs  (1804)  vereinigte  die  North-West-Gompany
  wieder  mit  der  X-Y-Company  und  nun
wurde  sie  stärker  als  je.  In  London  setzte  sie,  gleich  ihrer
Rivalin,  einige  ihrer  Mitglieder  als  Agenten  ein,  und  nun
war  auch  ihre  Position  im  Mutterlande  gesichert.
Privathändler  gab  es  in  Britisch-Nord-Amerika  nicht
mehr,  —  jetzt  standen  sich  zwei  Handelsgesellschaften
einander  gegenüber.  Die  eine  jung,  kräftig,  trotzend  auf
ihre  Macht  und  den  Ruhm  ihrer  Erfolge,  die  andere  alt
und  ehrwürdig,  sich  stützend  auf  ein  altes  verbrieftes
Recht,  aber  mit  der  Zeit  nicht  fortgeschritten  und,  verknöchert ­
  in  einem  System,  das  nicht  dazu  angetan  war,
zu  kühnen  Taten  zu  treiben.
Die  Mannschaften  beider  Teile  hatten  ja  keinen  Grund,
einander  feindlich  gesinnt  zu  sein;  seit  Jahren  pflegten
sie  sich  zu  unterstützen  und  zu  helfen,  wo  sie  sich  in
der  Wildnis  trafen,  aber  die  führenden  Händler  gerieten ­
  durch  das  Zusammenstossen  ihrer  Interessen  in  Differenzen, ­
  und  dieser  Kriegszustand  unter  den  Aktionären
musste  bald  auch  auf  die  Untergebnen  einwirken.
        <pb n="89" />
        88

1800  begannen  schon  ernstere  Feindseligkeiten,  als  ein
junger  Nordwester,  der  in  den  Dienst  der  Hudsonsbay-Company
  treten  wollte,  von  einem  andern  Nordwester
ermordet  wurde.
In  dem  nun  beginnenden  Kampfe  der  beiden  Rivalen
hatte  die  Hudsonsbay  -  Company  einen  Vorzug:  auf
ihrer  Seite  war  das  Recht,  wenigstens  zum  grossem  Teile. ­
  Auch  durch  ihr  Benehmen  zeigte  sie  unzweifelhaft,
dass  sie,  was  Führung  des  Geschäftes  und  der  Leute
anbelangte,  unbedingt  den  Vorzug  verdiente.
So  beobachteten  die  Nordwester  z.  B.  keine  Schonzeit, ­
  es  wurde  erlegt,  was  vor  das  Rohr  lief,  ohne  Rücksicht ­
  auf  die  Jahreszeit  und  das  Alter  der  Tiere.  Dadurch
entstand  natürlich  bald  die  Gefahr,  einzelne  Tierarten
möchten  aussterben.  Dagegen  beobachtete  die  Hudsonsbay-Company
  nach  Möglichkeit  die  Regel,  nur  im  Winter ­
  zu  jagen,  schon  aus  dem  Grunde,  weil  dann  die  Felle
eine  bessere  Oualität  hatten.
Die  Mannschaft  der  Nordwester  war  bunt  zusammengewürfelt ­
  aus  allen  möglichen  zweifelhaften  Existenzen;
einige  ihrer  Oberhändler  waren  die  reinsten  Banditen,
wie  sich  später  zeigen  wird.
Die  Art,  wie  die  gegenseitige  Uebervorteilung  getrieben ­
  wurde,  wird  verschieden  geschildert. 52  53 )
Willson  erzählt  unter  anderm:  Im  Herbst  1806  befand
sich  ein  gewisser  John  Crear  (von  der  Hudsonsbay-Company)
  bei  Big-Fall  am  Winnipeg-Lake.  Sein  Haus  wurde
52 )  Ballantyne  sucht  (in  seinem  Buche  „Hudsonsbay“  —  S:  94  ff.)
die  Ereignisse  etwas  ins  Harmlose,  fast  Humoristische  zu  ziehen  ;  das
ist  aber  auf  jeden  Fall  verfehlt.
Beckles  Willson  (Buch  II,  106  ff.)  ist  der  Hudsonsbav-Company  etwas
freundlich  gesinnt  und  sucht  ihre  Fehler  zu  vertuschen,  da  er  aber
für  seine  Berichte  Bestätigungen  bringt  und  die  Nordwester  sich  naturgemäss
  weniger  um  Recht  und  Gerechtigkeit  kümmerten,  als  ihre
Gegner,  so  dürfte  es  verfehlt  sein,  seine  Geschichte  an  dieser  Stelle
als  einseitig  gefärbt  anzusehen,  und  man  kann  ihm  hier  wohl  im
grossen  und  ganzen  Glauben  schenken.
        <pb n="90" />
        —  89  —

zweimal  von  dem  Nordwester  Mac  Donell  geplündert  und
der  Kommandant  misshandelt.
In  demselben  Jahre  wurde  Fidler  von  Churchill  mit
18  Mann  abgeschickt,um  einen  Posten  bei  Isle  a  la  Crosse
zu  gründen.  Hier  hatte  er  zuerst  Erfolg,  dann  aber  kam
Mac  Donell  mit  seinen  Leuten  und  gebrauchte  List  und
Gewalt,  um  sich  des  Handels  allein  zu  bemächtigen.  Er
bestahl  die  Leute  der  Hudsonsbay-Company  und  liess
sie,  wenn  sie  sich  vor  die  Tür  wagten,  gefangen  nehmen
und  derartig  misshandeln,  dass  sie  den  Dienst  aufsagten ­
  und  Fidler  seinen  Posten  aufgeben  musste.  Im  Mai
1806  wurde  das  Haus  eines  gewissen  Corrigal  in  der
Nähe  von  Albany  von  Nordwestern  überfallen  und  Völlig ­
  ausgeplündert.  Corrigal  wurde  mit  dem  Tode  bedroht,
wenn  er  Widerstand  leisten  würde.  Ebenso  wurde  ein
Posten  bei  Red-Lake  ausgeräubert.
Am  Reindeerlake  hatte  die  Hudsonsbay-Company  einen
Posten  in  der  Nähq  des  Hauses  der  Nordwester.  Das
wurde  ihr  verderblich,  denn  ihre  Leute  wurden  bei  einer
Ausfahrt  überfallen  und  ihrer  ganzen  Jagdbeute  beraubt.
Hind, 53 )  schildert  jene  Zeiten:  „Das  Land  war  nun
ein  Schauplatz  der  Fehden  und  des  Blutvergiessens,  dazu
kam  die  Zerstörung  des  Eigentums,  die  Demoralisation
der  Indianer  und  der  Ruin  des  Pelzhandels.  Infolge  dieser ­
  Streitigkeiten  litt  die  Company  so,  dass  sie  seit  1800
nur  noch  40/0  Dividenden  bezahlen  konnte,  von  1808  bis
1815  überhaupt  nichts,  und  von  da  bis  1821  wieder  4°/o.”
Die  Aktien  fielen,  und  einzelne  Partner  schieden  bereits
aus,  die  Continentalsperre,  die  Napoleon  über  England
verhängt  hatte,  dauerte  fort,  und  1809  sah  sich  die  Gesellschaft ­
  schliesslich  genötigt,eine  Petition  an  die  „Chancellors ­
  of  exchequer”  zu  richten  zur  Liebersendung  an
die  „Lords  of  Treasury”  und  um  Verringerung  des  Zolls

53 )  Hind,  Assiniboine  and  Sas  katchewan-Expedition  Bd.  II.  S.  207.
        <pb n="91" />
        —  90  —

zu  bitten  bis  zur  Aufhebung  der  Kontinentalsperre.
Da  dieses  Gesuch  abschlägig  beschieden  wurde,  suchten ­
  die  Aktionäre  um  eine  Anleihe  von  60  ooo  Pf.  nach.
Darauf  erklärte  die  Regierung,  es  gäbe  keinen  Fonds,
aus  dem  eine  solche  Anleihe,  ohne  spezielle  Autorisierung
  des  Parlaments,  gemacht  werden  könne.  Sie  war
aber  schliesslich  bereit,  zwölf  Monate  lang  das  Aufspeichern ­
  der  Felle  ohne  Zoll  gestatten  zu  wollen.
Von  der  Regierung  kam  also  keine  nennenswerte  Unterstützung; ­
  man  musste  sich  selber  helfen.  Dazu  wurden ­
  denn  auch  verzweifelte  Anstrengungen  gemacht.
Die  Reform  des  Handelssystems,  zu  der  man  sich  in
frühem  guten  Tagen  nicht  verstehn  konnte,  erfolgte  jetzt
endlich  unter  dem  Drucke  der  Not:  Zur  Hebung  des
Unternehmungsgeistes  wurde  1810  nach  den  Regeln  der
North-West-Company  eingeführt,  auch  den  Oberoffizieren
in  Amerika  einen  Anteil  am  Gewinn  zu  gestatten.
Dann  suchte  man  der  unglaublichen  Gesetzlosigkeit  und
den  Räubereien  zu  steuern.  Hier  schien  nur  eine  geregelte ­
  Gerichtspflege  helfen  zu  können.  Ueber  diese  Angelegenheit ­
  fanden  Verhandlungen  zwischen  den  Häuptern
der  Gesellschaften  statt,  und  der  Gouverneur  der  Hudsonsbay-Company,
  Richardson,  schlug  vor,  an  der  Thunderbay
  (Lake  Superior)  einen  Militärposten  zu  errichten.
Aber  diese  Massregeln,  die  zur  Verbesserung  der  Lage ­
  dienen  sollten,  nützten  nichts.  Das  letzte  Projekt  schlug
gerade  zum  Schaden  der  Company  aus,  denn  auch  die
„Grand-Juries”  in  Quebec  beschäftigten  sich  mit  der  Frage. ­
  Nach  längeren  Verhandlungen  mit  der  britischen  Regierung ­
  ging  die  „Canada  Iurisdiction-Act”  durch,  welche
den  Gerichtshöfen  von  Ober-  und  Untercanada  die  Iurisdiktion
  zusprach.
Das  war  eine  Niederlage  der  Company,  denn  diese
Gerichtshöfe  standen  unter  dem  Einflüsse  der  Nordwes-
        <pb n="92" />
        —  9i  —
ter,  das  zeigt  sich  schon  gleich  bei  dem  ersten  Fall,
der  verhandelt  wurde.  Ein  Mann  der  Hudsonsbay-Company,
  der  in  der  äussersten  Notwehr  einen  Nordwester
niedergeschossen  hatte,  wurde  von  dem  canadischen  Gerichtshof ­
  als  Mörder  verurteilt.
Die  Anstrengungen  der  Company  schienen  also  zu  spät
zu  kommen.  Der  Geldmängel  wurde  drohender,  die  Erfolge ­
  der  Gegner  mehrten  sich,  die  canadische  Regierung
stand  auf  ihre  Seite,  und  das  Mutterland  wünschte  womöglich ­
  einen  Sieg  der  Nordwester,  damit  endlich  wieder ­
  geordnete  Verhältnisse  in  der  englischen  Kolonie  eintreten
  könnten.
In  diesen  Zeiten  der  Not  kam  aber  eine  nicht  geahnte
Hilfe  durch  Thomas  Douglas,  Earl  of  Selkirk.
Dieser  schottische  Edelmann,  ein  Philanthrop  im  wahren ­
  Sinne  des  Wortes,  hatte  es  sich  zur  Aufgabe  gemacht,
seine  Reichtümer  zur  Besserung  der  schlechten  Verhältnisse, ­
  in  denen  seine  Landsleute  vielfach  lebten,  anzuwenden. ­
  Zu  diesem  Zwecke  richtete  er  im  Anfänge  des
19.  Jahrhunderts  eine  Kolonie  auf  Prince-Edwards-Island
ein.  Bei  der  Fahrt  dahin  besichtigte  er  auch  Montreal
und  lernte  Canada  kennen:  Die  Gegenden  am  Redriver
und  Assiniboine  erschienen  ihm  zum  Ackerbau  sehr  geeignet; ­
  er  beschloss  daher,  hier  auch  eine  Kolonie  zu
gründen  ünd  benachrichtigte  davon  die  Regierung.
Die  Verhältnisse  des  Landes  und  der  Streit  der  beiden
Handelsgesellschaften  waren  ihm  wohl  bekannt;  und  es
ist  bewunderungswürdig,  mit  welcher  Umsicht  er  sich
dieser  Verhältnisse  zur  Ausführung  seines  Vorhabens  bediente. ­

Bei  den  widerstreitenden  Interessen  musste  er  für  einen ­
  der  beiden  Gegner  Partei  ergreifen  und  zwar  für
den;  auf  dessen  Seite  das  grössere  Recht  war.
        <pb n="93" />
        —  92  —

Er  schickte  daher  eine  Abschrift  des  Charter  der  Hudsonsbay
  -Company  an  verschiedene  der  höchsten  juristischen ­
  Autoritäten,  um  sich  seine  Rechtskraft  bestätigen
zu  lassen.  Diese  Bestätigung  erhielt  er  auch;  Es  wurde  geurteilt ­
  :  Der  Company  gehört  alles  Gebiet,  das  die  Flüsse ­
  durchströmen,  die  sich  in  die  Hudsonsbay  ergiessen,
als  erbliches  Eigentum,  sie  hat  also  das  Recht,  Land
zu  verpachten,  und  kein  andrer  darf  sich  erlauben,  in
ihrem  Gebiet  zu  fischen,  zu  jagen  oder  Ansiedlungen
anzulegen.  Die  Zivil-  und  Kriminaljurisdiktion  der  Company ­
  besteht  auch  zu  Recht,  obwohl  sie  dem  „Governor ­
  land  Council”  von  Canada  zugeschrieben  worden  ist.
Die  Canada-Iurisdiction-Act  kann  sich  demnach  nicht  auf
die  Gebiete  der  Hudsonsbay-Company  erstrecken.  Hier
hat  die  Company  allein  das  Recht,  Konstabler  und  andere ­
  Offiziere  zur  Aufrechterhaltung  des  Friedens  zu  ernennen, ­
  und  diese  haben  dieselben  Rechte  und  Pflichten
wie  die  entsprechenden  Offiziere  in  England,  soweit  sich
die  dortigen  Verhältnisse  auf  die  amerikanischen  anwenwenden
  lassen. 54 )
Nachdem  so  dem  Grafen  die  Rechtskraft  des  Charter
genügend  bestätigt  schien,  kaufte  er  sich  in  der  Company
ein  und  erstand  Aktien  im  Werte  von  einigen  tausend
Pfund.  Dann  teilte  er  dem  Council  sein  Vorhaben  mit,
den  Plan  nämlich,  Land  von  der  Company  zur  Errichtung ­
  einer  Kolonie  zu  pachten.
Der  Rat  war  geteilter  Ansicht.  In  erregten  Debatten
wurde  erwogen,  dass,  sobald  die  Colonisation  anfinge,
die  Jagd  'und  damit  der  Pelzhandel  zurückgehen  müsse
und  nur  neue  Rivalen  herangezogen  würden.  —  Andrerseits ­
  aber  war  hier  eine  Gelegenheit  geboten,die  nahe-54

 )  Dass  ander*  juristische  Autoritäten  anderer  Ansicht  über  die
Rechtmässigkeit  des  Charter  waren,  zeigt  das  Werk  Fitzgeralds  „An
examination  of  the  Charter  and  Proceedings  of  the  H.  B.  C,“  besonders ­
  in  Chapter  III.
        <pb n="94" />
        -  93  -

zu  erschöpften  Kassen  wieder  zu  füllen,  und  wenn  die
Kolonisation  Schaden  brachte,  so  konnten  zunächst  nur
die  Nordwester  davon  betroffen  werden.  Ausserdem  war
es  aber  auch  leicht  möglich,  dass  die  Anstrengungen
Selkirks  misslangen,  und  dann  hatte  die  Hudsonsbay-Company
  allein  den  Nutzen  davon.
So  wurde  denn  endlich  beschlossen,  dem  Grafen  i  r6000
Quadratmeilen  des  privilegierten  Landes  zu  verpachten,
aber  unter  der  vorsichtigen  Bedingung,  dass  er  im  Dienste ­
  der  Company  für  den  Pelzhandel  tätig  sein  und  die
Kolonie  mit  solchen  Leuten  ausrüsten  sollte,  wie  sie  zum
Handel  zu  gebrauchen  seien.  J
Sobald  das  Unternehmen  bekannt  wurde,  fehlte  es  nicht
an  Versuchen,  das  hochherzige  Werk  zu  stören  und  zu
verdächtigen.  Man  redete  von  der  Unfruchtbarkeit  und
Wildheit  des  Landes  und  den  Greueln  der  Eingeborenen
und  frage  den  Grafen  spöttisch,  warum  er  nicht  lieber
in  die  Wüste  Sahara  ginge,  die  doch  viel  näher  bei
England  liege.
Vor  allem  erkannte  die  North-West-Company  die  drohende ­
  Gefahr  und  suchte  ihr  zu  begegnen.
Zwei  ihrer  Agenten  kauften  sich  in  der  Hudsonsbay-Company
  ein  und  legten  nun  gemeinsam  mit  vier  andern ­
  gegen  den  Beschluss,  dem  Earl  of  Selkirk  Land
zu  verpachten,  Protest  ein.  Aber  dieses  Veto  erreichte
nicht  genügend  Stimmen.
Graf  Douglas  erhielt  seine  Urkunde,  welche  als  Nordgrenze ­
  des  Landes  52 0 3o’N.  und  als  Westgrenze  io2°3oW.
festsetzte;  die  Ostgrenze  war  durch  den  Winnipegsee  und
den  Redriver  gegeben,  die  Südgrenze  durch  die  Vereinigten ­
  Staaten.
Im  Herbst  1811  kam  der  erste  Zug  von  Orkneymen,
Irländern  und  Hochschotten  in  York-Factory  an,  unter
Führung  von  Miles  Mac  Donnel,  der  zum  ersten  Gou-
        <pb n="95" />
        —  94  —

verneur  der  Kolonie  ernannt  worden  war.
Das  Werk  begann  unter  wenig  günstigen  Auspizien.
Die  Auswandrer  wurden  stromauf  gesandt  nach  Sealcreek,
wo  ein  Obdach  für  sie  eingerichtet  wurde.  Sie  waren
aber  mit  ihrem  Lose  durchaus  nicht  zufrieden,  dazu  kam
die  schlechte  Behandlung  durch  die  Leute  der  Hudsonsbay-Company.
  Es  brach  eine  Meuterei  aus,  die  nicht  ohne
Blut  gedämpft  werden  konnte.
Die  Gegenpartei  ruhte  nicht.
Die  Nordwester,  an  der  Spitze  Simon  Maq-Gillivray
suchten  in  jeder  Weise  das  Werk  des  Grafen  zu  verdächtigen: ­
  Es  geschähe  nur,  um  die  Nord-West-Company  völlig ­
  kalt  zu  stellen  und  ihren  Handel  zu  zerstören.  Auch
die  Montrealer  wurden  aufgestachelt,  und  was  in  ihrer
Gewalt  lag,  taten  sie,  um  der  Kolonisation  entgegen  zu
wirken:  „They  looked  around  them,”  sagt  Willson, 65 „and
saro  that  a  fierce  and  terrible  weapon  lay  ready  to  their
hand.  —  This  weapon  was  called  the  Bois-Brule.”
Die  Bois-Brulös,  oder  Halfbreeds  waren  an  Zahl  gewaltig ­
  angewachsen.  Sie  bildeten  schon  fast  eine  Nation ­
  für  sich.  Meistens  waren  ihre  Väter  französische
Voyageurs  gewesen,  aber  es  gab  auch  schon  viele
„Orkney-Halfbreeds.”  Die  Nordwester  hatten  fast  alle  diese ­
  Halfbreeds  in  ihrem  Dienst,  während  die  Hudsonsbay-Company
  nur  schottische  und  englische  Mannschaften ­
  besass.  Unter  diesen  Halbwilden  ragte  besonders  Cuthbert
  Grant  hervor,  ein  Mann  von  Tatkraft,  nicht  ohne
Bildung,  einer  der  kühnsten  und  skrupellosesten  Agenten ­
  der  Nordwester.
Mac  Gillivray  zögerte  nicht,  dem  Grafen  Selkirk  zu
erklären,  dass  er  alles  mögliche  tun  würde,  um  sein  Vorhaben ­
  zu  verhindern.  —  Thomas  Douglas  traf  aber  seine
Anordnungen  mit  grosser  Umsicht  und  Energie:  Durch

5B )  Willson  II,  151.
        <pb n="96" />
        -  95  —
den  hohem  Lohn,  den  er  zahlte,  erwarb  er  sich  tüchtige ­
  und  zuverlässige  Leute,  u.  a.  einen  tatkräftigen  Mann,
der  mit  den  Verhältnissen  des  Landes  wohl  vertraut  war:
Colin  Robertson.  Ihm  übergab  er  die  Verwaltung  des
Pelzhandelsgeschäftes.
Robertson  beschloss,  zunächst  die  Gebiete  westlich  vom
Athabascariver  zu  besuchen,  wohin  bisher  noch  kein  Mann
der  Hudsonsbay-Company  vorgedrungen  war.  Er  hatte
auf  seiner  ersten  Reise,  grossen  Erfolg,  da  er  aussergewöhnlich
  gut  bezahlte  Das  war  der  Anfang  eines  neuen ­
  Aufschwungs  im  Handel  der  Hudsonsbay-Company.
Aber  ihre  Gegner  waren  auch  nicht  lässig  geblieben.
Sie  hatten  in  jener  Zeit  ihre  Posten  schon  über  den.
grössten  Teil  der  pacifischen  Küsten  ausgedehnt,  von  Kalifornien ­
  bis  Neu-Archangel,  wo  die  Russen  sich  etabliert ­
  hatten.  Hier  waren  über  300  Canadier  im  Dienste
der  North-West-Company  tätig,  und  drei  oder  vier  Schiffe
fuhren  alljährlich  über  Kap  Horn  nach  London.
1810  verkaufte  ihr  John  Jakob  Astor,  seiner  Zeit  einer
der  reichsten  Männer  der  Welt,  seine  Besitzungen,  u.a.
Astoria,  das  spätere  Fort  George  (jetzt  wieder  Astoria).
Astor  war  ein  Deutscher,  in  der  Pfalz  geboren,  .1783
nach  Amerika  ausgewandert.  Mit  konsequenter  Energie
und  genialen  Spekulationen  hatte  er  durch  den  Pelzhandel
sich  immense  Reichtümer  erworben.  Er  ging  mit  dem
Plane  um,  von  St.  Louis  aus  den  Missouri  aufwärts  bis
zum  Columbia  Handelsposten  zu  erbauen,  hier  eine  Kolonie ­
  zu  gründen  und  eine  geregelte  Schiffsverbindung
von  dort  über.Kap-Horn  nach  Europa  zu  unterhalten.
Infolge  des  Krieges  der  Briten  mit  Amerika  sah  er
sein  Unternehmen  gefährdet  und  verkaufte  seine  Besitzungen ­
  an  die  North-West-Company.
Dieser  Krieg  wirkte  auch  noch  anderweitig  auf  die
North-West-Company  ein.
        <pb n="97" />
        —  96  —

Grand  Portage  fiel,  als  die  Grenzen  geregelt  wurden,
den  Vereinigten  Staaten  anheim,  und  die  Nordwester  mussten ­
  sich  einen  neuen  Stapelplatz  suchen.  Sie  gründeten
daher  Fort  William,  am  Kaministiquia-River.  Dieser  weitläufig ­
  angelegte  Ort  wurde  nun  ihr  Hauptversammlungsplatz. ­
  Von  hier  gingen  auch  die  Anschläge  gegen  die
Redriver-Kolonie  aus.
Im  Frühling  1812  begannen  die  Auswanderer  ihren
Marsch  nach  dem  Redrivertal,  wo  sie  im  August  anlangten. ­
  Aber  kaum  waren  sic  dort  eingetroffen,  als  eine
Bande  Iialfbrecds  erschien,  die  ihnen  erklärte,  sie  sollten ­
  nach  Pembina  gehn,  wenn  sie  ungeschoren  bleiben
wollten.  Hier  verbrachten  sie  auch  den  Winter,  kehrten
aber  im  kommenden  Frühling  nach  dem  Norden  zurück,
erbauten  einige  Häuser  und  begannen  mit  der  Bestellung ­
  des  Feldes.  Den  Winter  brachten  sie  wieder  in
Pembina  zu.
1813  schickte  der  Graf  neue  Emigranten  aus  Irland
und  Schottland.  Bei  der  Ueberfahrt  brach  Fieber  aus  und
eine  Meuterei,  die  aber  noch  im  Entstehen  erstickt  werden ­
  konnte.  Im  August  kamen  die  Leute  in  Churchill
an.  Im  Herbst  des  nächsten  Jahres  erreichten  sie  Fort
Douglas,  das  spätere  Fort  Carry, 56 )  das  am  Zusammenfluss ­
  von  Assiniboine-  und  Redriver  erbaut  war.
Da  inzwischen  neue  Feindseligkeiten  mit  den  Nordwestern ­
  vorgekommen  waren,  so  unterstützte  man  die  Auswandrer ­
  und  gab  ihnen  Waffen,  damit  sie  sich  gegen
ihre  Feinde  verteidigen  könnten.
Durch  diese  Massregeln  wurden  die  Nordwester  noch
mehr  erbittert.  Sie  beschlossen,  wenn  irgend  möglich,  die
Kolonie  zu  zerstören.
Ein  gewisser  Cameron  trieb  sich  in  der  Ansiedlung
umher,  wiegelte  die  Kolonisten  auf  und  erzählte  ihnen,
56 )  Jetzt  die  Stadt  Winnipeg.
        <pb n="98" />
        —  97  —

wie  gut  sie  es  unter  der  North-West-Company  hatten,
wenn  sie  sich  gegen  die  Wilden  schützen  wollten,  SeLkirk
  sei  ein  Betrüger,  und  mit  ihnen  würde  nur  ein  böses ­
  Spiel  getrieben.
Es  gelang  ihm  tatsächlich,  einzelne  und  allmählich  mehrere ­
  der  Kolonisten  an  sich  zu  ziehen,  Unter  irgend  einem
Vorwände  wurde  Spencer,  der  Sheriff  der  Ansiedlung
gefangen  genommen  und  nach  Montreal  gebracht.  1814/15
waren  bereits  die  meisten  Auswandrer  ihrem  Wohltäter
und  der  Hudsonsbay-Company  untreu  geworden.
Nun  begannen  die  Halfbreeds  ihr  Werk  unter  Führung ­
  Cuthbert  Grants.  Es  wurde  ihnen  leicht  gemacht.
Die  Unzufriedenen  unter  den  Kolonisten  plünderten  das
Fort  und  lieferten  neun  Kanonen  an  die  Halfbreeds  aus.
Dadurch  wurde  es  diesen  wilden  Banden  nicht  schwer,
Fort  Douglas  mit  der  gewonnenen  Artillerie  zu  bezwingen.
Der  Gouverneur  Mac  Donnell  musste  kapitulieren.  Dann
wurden  die  Häuser  der  Ansiedlung  niedergebrannt  und
die  Kolonisten  vertrieben.  Der  gefangene  Gouverneur  wurde ­
  nach  Montreal  gebracht.
Hier  herrschte  über  die  Zerstörung  der  Ansiedlung  die
grösste  Freude.  Die  Anführer  der  Räuberbanden  wurden
belohnt  und  gefeiert.
Es  ist  fast  unglaublich,  dass  in  einer  englischen  Kolonie ­
  unter  den  Untertanen  der  Krone  derartige  Gesetzlosigkeiten ­
  geschehen  konnten,  und  dass  die  eigentlichen
Frevler  sogar  noch  von  der  Regierung  der  Kolonie  unterstützt ­
  wurden;  aber  der  Höhepunkt  dieses  Unwesens
war  noch  nicht,  gekommen.
Der  Earl  of  Selkirk  liess  sich  durch  das  Missgeschick
nicht  abschrecken.  Er  sandte  einen  neuen  Zug  Auswandrer ­
  nach  dem  Redriver  unter  Führung  eines  tüchtigen
Offiziers  der  Hudsonsbay-Company,  dem  zugleich  die
Oberaufsicht  über  alle  Posten  von  Rupertsland  übertra-
        <pb n="99" />
        —  98

gen  wurde:  Robert  Semple.  Dann  reiste  er  selber  nach
Canada,  um  für  den  Fortgang  des  Werkes  tätig  zu  sein.
In  Montreal  erfuhr  er  die  ganze  Sachlage.  Sofort  schickte ­
  er  einen  Boten  zum  Redriver,  der  seine  baldige  Hülfe ­
  melden  sollte.  Indianer,  im  Dienste  der  Nordwester,
fingen  aber  den  Mann  ab  und  plünderten  ihn  aus.  Die
Bitte  um  militärische  Unterstützung,  die  Selkirk  an  den
Gouverneur  von  Canada  richtete,  wurde  rundweg  abgeschlagen. ­

Der  Graf  war  aber  ein  Mann  von  nicht  gewöhnlicher
Energie  und  trotz  seines  idealen  Strebens  sehr  praktisch
veranlagt.  —  Zu  jener  Zeit  waren  noch  einzelne  britische
Regimenter  vom  letzten  Kriege  her  in  Canada  stationiert.
Der  Graf  besuchte  ihre  Offiziere,  besah  sich  die  Mannschaften, ­
  und  es  gelang  ihm,  über  ioo  Mann  und  vier
Offiziere  zu  gewinnen,  mit  ihm  zum  Redriver  aufzubrechen.
Dort  sollte  ihnen  ausser  dem  Solde  Land  angewiesen
werden,  wenn  sie  behülflich  wären,  die  Kolonie  wieder
neu  zu  gründen.  Sollten  sie  nicht  dort  bleiben  wollen,
so  war  ihnen  frei  gestellt,  nach  Erreichung  des  Zweckes,
über  York-Factory  auf  einem  der  Schiffe  der  Company
nach  Europa  zurückzukehren.
Mit  dieser  Streitmacht  brach  Graf  Douglas  im  Spätsommer ­
  1816  auf.
Inzwischen  war  am  Red-River  viel  geschehen,  das  ein
schleuniges  Eingreifen  nötig  machte.
Mit  den  neu  angekommenen  Emigranten  waren  auch
die  vertriebenen  zurückgekehrt,  und  unter  Semples  und
Colin  Robertsons  energischer  Leitung  wurde  die  Kolonisation ­
  wieder  in  Angriff  genommen.
Aber  ganz  in  der  Nähe  von  Douglas  lag  das  Fort
Gibraltar,  der  Hauptstützpunkt  der  Nordwester  unter  Cameron.
  Hier  wurden  neue  Pläne  geschmiedet,  zur  Zerstörung ­
  der  Kolonie.  Zugleich  waren  die  Indianer  durch
        <pb n="100" />
        99  —

die  Raub-  und  Plünderungszüge  der  Weissen  in  Aufruhr
gebracht,  und  es  war  eine  allgemeine  Unsicherheit  im
Lande.
Nur  ein  energischer  Streich,  um  ein  Exempel  zu  statuieren, ­
  konnte  den  Ansiedlern  vor  den  Nordwestern  Achtung ­
  verschaffen  und  ihnen  somit  eine  Gewähr  des  Friedens ­
  geben.
Robertson  zögerte  nicht,  sobald  die  Gelegenheit  sich
bot,  diesen  Streich  zu  führen.
Es  gelang  ihm,  Fort  Gibraltar  zu  überrumpeln  und
ohne  Blutvergiessen  einzunehmen.  Cameron  wurde  dabei
gefangen,  aber  auf  das  Versprechen  hin,  sich  weiter  ruhig
verhalten  zu  wollen,  wieder  freigelassen.
Darauf  trat  denn  auch  eine  gewisse  Ruhe  in  der  Umgegend ­
  ein,  und  Semple  begab  sich  nach  dem  Westen,
Robertson  auf  Fort  Douglas  zurücklassend.
Bald  zeigte  es  sich  aber,  dass  wieder  neues  im  Werke
sei:  Robertson  erhielt  dunkle  Nachrichten,  dass  Cameron
^inen  Ueberfall  vorbereite.  Er  beschloss  sofort,  dem  zuvorzukommen, ­
  nahm  den  Nordwester  von  neuem  gefangen ­
  und  liess  ihn  über  York-Factory  nach  England  bringen. ­

Gibraltar  wurde  besetzt.  Dann  wandte  er  sich  südlich
und  nahm  die  Posten  der  Nordwester  am  Redriver  bis
Pembina  weg.  Es  gelang  ihm  indessen  nicht,  auch  den
Westen  zu  säubern,  denn  Fort  Qu’appelle  wurde  mit  genügenden ­
  Streitkräften  erfolgreich  verteidigt.  Das  Misslingen ­
  dieses  Angriffs  wurde  verderblich.
Der  Kommandant  von  Qu’appelle,  Mac  Donnel,  (der
Name  kehrt  auf  beiden  Seiten  öfters  wieder)  blieb  nach
seinem  erfolgreichen  Widerstand  gegen  Robertson  nicht
untätig.  Er  fing  einen  grossen  Convoi  der  Hudsonsbay-Company
  mit  allen  Fellen  und  Vorräten  ab  und  nahm  die
zwei  Führer  gefangen.  Dann  rüstete  er  ein  Heer  von
        <pb n="101" />
        —  100  —

Halfbreeds  aus,  das  sich  täglich  verstärkte.  Mit  diesem
rückte  er  langsam  gegen  den  Redriver  vor,  die  Posten
der  Company  plündernd.  Er  trug  nichts  Geringeres  im
Sinne,  als  mit  Hülfe  dieser  starken  Streitmacht  das  ganze
Redriversettlement  zu  zerstören.
Im  Juni  1816  kehrte  Semple  nach  Fort  Douglas  zurück,
da  ihm  die  bedrohlichen  Rüstungen  der  Gegner  gemeldet
worden  waren.
Die  Umgegend  von  Douglas  wurde  bald  unsicher.  Verdächtige ­
  Gestalten  trieben  sich  umher,  und  schliesslich
gewahrte  man  einen  grossen  Zug,  der  seine  Richtung
nach  dem  Fort  'nahm.  Semple  ging  den  Feinden  mit
zwanzig  Mann  entgegen  und  fragte,  was  sie  wollten.  „Unser ­
  Fort,”  war  die  in  drohendem  Tone  gegebene  Antwort; ­
  zugleich  drängten  sich  die  Halfbreeds  und  Indianer ­
  in  ihrer  Kriegsbemalung  von  allen  Seiten  heran.
Es  folgte  ein  Wortwechsel,  und  ein  vielleicht  zufällig
abgegebener  Schuss  war  das  Signal  zum  Angriff.  Ehe
eine  Verteidigung  möglich  war,  lagen  Semple  und  seine«
Leute  erschossen  am  Boden.
Ein  panischer  Schrecken  ergriff  nach  dieser  Untat
das  Fort.  Es  folgte  die  Kapitulation,  die  den  200  Ansiedlern ­
  freien  Abzug  gewährte,  nachdem  sie  vorher  rein
ausgeplündert  waren.  Die  Anführer  wurden  gefangen  genommen ­
  und  nach  Fort  William  gebracht.  —
Bei  Sault  St.  Marie  empfing  Lord  Sclkirk  die  erste
Nachricht  von  dem  Unglück.  Er  war  tief  erbittert  über
die  räuberischen  Gegner  und  brach  sofort  gegen  Fort
William  auf.  Hier  lagerte  er  vor  den  Toren  und  forderte
durch  einen  Unterhändler  Freigabe  der  Gefangenen  vom
Redriver.  Mac  Gillivray,  der  den  Posten  kommandierte, ­
  gab  nach  und  liess  die  Gefangenen  frei.
Damit  war  der  Graf  aber  noch  nicht  zufrieden,  denn
er  sah,  dass  hier  Versprechungen  und  Verträge  nichts
        <pb n="102" />
        —  101

nützten.  Er  bemächtigte  sich  also  zuerst  der  Führer  und
dann  ohne  Blutvergiessen  des  grossen  Forts,  das  den
Mittelpunkt  des  ganzen  Handels  der  Nordwester  bildete.
Hier  verbrachte  er  den  Winter.
Mac  Gillivray  und  die  andern  gefangenen  Nordwester
wurden  nach  York-Factory  gesandt  und  kehrten  von  hier
nach  Montreal  zurück,  wo  eine  grosse  Erbitterung  gegen
Selkirk  entstand.  Allgemein  sympathisierte  man  mit  den
Nordwestern,  und  das  Verbrechen  an  Gouverneur  Semple
  wurde  gutgeheissen.
Selkirk  nahm  unterdessen  noch  andere  Posten  des  Nordwester: ­
  Michipicoton,  Fond  du  Lac,  Lac  la  Pluie,  und
im  Frühling  1817  war  er  zum  Weitermarsch  bereit.
Die  englische  Regierung  fand  es  jetzt  endlich  doch
nötig,  sich  in  die  Sache  einzumischen.  Der  Gouvernor-General
  von  Canada  erhielt  gemessenen  Befehl,  dafür  zu
sorgen,  dass  wieder  geordnete  Verhältnisse  einträten  und
ein  jeder  das  seine  erhielte.
Demgemäss  wurde  denn  auch  eine  Kommission  ausgesandt, ­
  die  sich  bestrebte,  möglichst  unparteiisch  zu  sein
und  sich  daher  bei  beiden  Teilen  verhasst  machte.  Fort
William  wurde  nartürlich  sogleich  den  Nordwestern  zurückgegeben. ­

Als  Lord  Selkirk  am  Redriver  angekommen  war,  berief ­
  er  die  bedeutendsten  Indianerhäuptlinge  der  Umgegend ­
  zu  sich,  und  schloss  mit  ihnen  einen  Vertrag,  gemäss ­
  dem  gegen  die  jährliche  Auszahlung  von  200  Pfd.
Tabak  zu  gleichen  Teilen  an  die  Assiniboine-  und  Creeindianer
  der  Redriverkolonie  das  Gebiet  des  Assiniboineund
  Redriver  überlassen  werden  sollte.
Die  Urkunde  wurde  unterzeichnet  von  Selkirk,  acht
seiner  Offiziere  und  fünf  Indianerhäuptlingen.
Dann  sorgte  er,  dass  wieder  überall  Ordnung  in  der
Kolonie  eintrat  und  kehrte  durch  die  Vereinigten  Staa-
        <pb n="103" />
        102  —

ten  über  New-  York  nach  England  zurück.
Damit  waren  aber  die  Streitigkeiten  noch  nicht  aus
der  Welt  geschafft.
Auf  Fort  Vermillion,  einen  Posten  der  Hudsonsbay-Company
  wurde  ein  zwar  erfolgloser  Angriff  gemacht,  es  gelang ­
  aber  dann  den  Nordwestern,  Colin  Robertson  bei
Fort  Athabasca  gefangen  zu  nehmen.  Dieser  Verlust  ward
wieder  wettgemacht  durch  einen  andern  Fang,  den  der
neue  Gouverneur  der  Redriverkolonie,  Williams,  bei  den
Grand  Rapids  des  Saskatchewan  machte.  Die  Nordwester,
die  man  hier  auffing,  wurden  nach  York-Factory  gesandt,
hier  aber  wieder  freigelasscn,  da  sich  John  Franklin,  der
gerade  hier  zu  einer  arktischen  Expedition  eingetroffen
war,  für  sie  verwandte.
Einer  unter  ihnen,  Frobisher,  der  schwer  verwundet
war,  und  in  York-Factory  bleiben  sollte,  nahm  heimlich
die  Flucht,  erlag  aber  unterwegs  der  Kälte  und  den  Wunden. ­

Der  Tod  Frobishers  gab  der  North-West-Company  Grund
zu  neuen  Klagen  gegen  ihre  Gegner.  Das  veranlasste
die  canadische  Regierung,  an  die  Hudsonsbay-Company
den  Befehl  zu  senden,  weitere  gesetzlose  Handlungen  zu
unterlassen;  die  Folgen  hätten  sie  sich  selbst  zuzuschreiben. ­

Zugleich  begann  eine  gerichtliche  Untersuchung  der
Freveltaten  der  letzten  Jahre,  die  aber  zu  Gunsten  der
Nordwester  sehr  parteiisch  war.
Die  Redriverkolonie  konnte  noch  immer  nicht  recht
aufleben.  Im  Winter  1817  mussten  die  Ansiedler  wieder
nach  Pembina  zurückkehren,  weil  es  an  Nahrung  mangelte. ­
  Im  folgenden  Jahre  frassen  Heuschreckenschwärme
alles  Grüne  ab,  und  erst  1822,  erlangte  die  Kolonie  eine
gewisse  Blüte.
        <pb n="104" />
        103

Die  Nachricht  davon  erreichte  aber  den  Grafen  Selkirk
  nicht  mehr.  Die  ausgestandenen  Strapazen  und  die
Erregung  über  die  erfahrenen  Ungerechtigkeiten  hatten
seinen  Körper,  der  solchen  Anstrengungen  nicht  gewachsen ­
  war,  tödlich  angegriffen.  Er  starb  in  Südfrankreich,
wo  er  Heilung  suchte,  im  Jahre  1820.
Er  war  ein  vortrefflicher  Mann,  von  hoher  edler  Gesinnung; ­
  aber  zu  zart  für  dieses  wilde  und  rauhe  Land,
das  Männer  von  chirnem  Körper  und  eisernen  Nerven
erforderte.
Ihm  vor  allem  verdankt  die  Hudsonsbay-Company,  dass
sie  ihrer  Rivalin  weiter  Widerstand  leisten  konnte,  dass
sie  innerlich  gekräftigt  wurde  und  dass  durch  Männer
wie  Robertson  und  Semple  ein  neuer  Geist  in  ihre  Leute ­
  zog,  der  sie  ihren  Gegnern  gewachsen  machte.
Die  Niederlagen  einer  der  beiden  Parteien  war  jetzt
nicht  mehr  vorauszusehen,  wohl  aber  der  Ruin  des  Handels ­
  und  die  immer  weiter  um  sich  greifende  Demoralisation ­
  der  Indianer.  Daher  machte  sich  nun  allgemein
eine  Sehnsucht  nach  Frieden  geltend,  der  aber  jetzt  nur
noch  durch  einen  Vergleich,  einen  Kompromiss,  zu  erlangen ­
  war.
Der  erste  Anstoss  dazu  ging  vom  Lager  der  Nordwester
aus.  Einer  ihrer  besten  Agenten,  Edward  Ellice,  ein  vortrefflicher ­
  Parlamentarier  und  Kaufmann,  brachte  es  zustande, ­
  die  Einigung  in  die  richtigen  Wege  zu  leiten.
Er  und  die  Gebrüder  Mac  Gillivray  unterhandelten  täglich ­
  in  London  mit  den  dortigen  Häuptern  der  Hudsonsbay-Company, ­
  während  in  Fort  William  eregte  Debatten ­
  stattfanden,  ohne  dass  man  sich  einigte.  Als  im  Herbst
1821  eine  Delegation  von  Fort  William  in  London  eintraf, ­
  stand  sie  vor  der  erledigten  Tatsache:  Die  Einigung
war  zustande  gebracht.
        <pb n="105" />
        —  104  —

Ellice  zeigte  den  Delegierten  die  Urkunde  darüber,  die
er  „Deed  Poll"  nannte.
Nach  der  Deed  Poll  vereinigten  die  beiden  Parteien
ihr  Handelskapital 57 )  unter  dem  Namen  und  Charter  der
Hudsonsbay  -Company.  Der  Betrieb  des  Pelzhandels  sollte ­
  der  einzige  Zweck  der  Korporation  sein.  Für  Kolonisation ­
  sollten  keine  Ausgaben  gemacht  werden.
Die  North-West-Company  hatte  dem  Namen  nach  aufgehört ­
  zu  existieren.  Das  ganze  ungeheure  Landgebiet
vom  Atlantischen  bis  zum  Grossen  Ozean,  vom  Missouri
bis  zu  den  arktischen  Eiswüsten  war  jetzt  das  Reich  der
Hudsonsbay-Gesellschaft,  der  „Great-Company.”
5.  Blütezeit  der  Hudsonsbay-Company
bis  zum  Verlust  des  Charter  (182  1  -  1870)  und
heutige  Verhältnisse.
o
Die  Organisation  der  neuen  Company  war  folgende:
Der  Gewinn  wurde  zu  ioo  Anteilen  berechnet,  6o  fielen ­
  auf  die  Proprietors  in  London,  40  auf  die  Winterers
  in  Canada,  die  Chieffactors  (Obergeschäftsführer)und
Chieftraders  (Oberhändler.)  von  den  erstem  wurden  25
von  den  letztem  28  ernannt.  Die  40  Anteile  der  Winterers
wurden  wiederum  in  85  Aktien  geteilt;  davon  erhielten
die  Chieffactors  je  2/85  und  die  Chieftraders  ji  1/85.  Die
noch  übrig  bleibenden  7  Aktien  wurden  zurückgelegt  zur
Belohnung  alter  und  verdienter  Teilnehmer.  Die  Chieffactors ­
  hatten  die  oberste  Geschäftsleitung  auf  den  einzelnen ­
  Stationen,  die  Chieftraders  mussten  den  Handel
mit  den  Indianern  leiten.  Die  dritte  Klasse  war  die  der
Clerks,(Handelsgehülfen.)  die  je  nach  Alter  und  Führung
zu  Traders  und  Faktors  steigen  konnten.  Ihr  Gehalt  stieg
von  20  Pf.  bis  100  Pf.  pro  Jahr.  In  jedem  Jahre  erhiel-57
 )  Dieses  neue  Grundkapital  betrug  4O000O  Pf.  und  wurde  ztt
gleichen  Teilen  von  beiden  Seiten  aufgebracht.
        <pb n="106" />
        —  105  -

ten  zwei  Chieffactors  und  zwei  Chieftraders  zwölf  Monate
  Urlaub.  Wenn  einer  von  ihnen  drei  Jahre  in  Amerika ­
  im  Dienst  gewesen  war,  konnte  er  sich  zurückziehen ­
  und  behielt  seinen  vollen  Gewinnanteil  für  ein  Jahr
und  den  halben  Gewinnanteil  für  die  vier  folgenden  Jahre.
Bei  längerm  Dienst  dauerte  natürlich  auch  der  Genuss
des  Gewinns  entsprechend  länger.  Die  obersteGeschäftsleitung
  in  Amerika  hatte  der  Governor-  in-  chief  of  Rupertsland ­
  (Generalgouverneur)  und  sein  Rat,  der  aus  Chieffactors ­
  und  einzelnen  Chieftraders  bestand.  In  Fort  William ­
  fanden  in  der  ersten  Zeit  gewöhnlich  die  Zusammenkünfte ­
  statt.Zum  Governor-in-Chief  wurde  GeorgeSimps
  o  n  ernannt,  mit  einem  Gehalt  von  600  Pf.  Die  Aufgabe,
die  er  vorfand,  war  nicht  leicht,  aber  er  ging  mit  Energie ­
  an  die  Arbeit.
Es  war  nun  endlich  erreicht,  was  die  Company  seit  nunmehr ­
  150  Jahren  erstrebte.  Sie  besass  das  ganze  Land,
soweit  es  sich  zwischen  den  Ozeanen  ausdehnte  und  soweit ­
  es  nicht  im  Besitze  der  Untertanen  einer  andern
Macht  war;  Rivalen  waren  zwar  noch  vorhanden,  aber
nicht  mehr  zu  fürchten  und  vor  allem:  sie  hatte  eine
Verfassung,  die  ihr  einen  günstigen  und  soliden  Fortgang ­
  des  Handels  verbürgte.
Ihre  Blütezeit  brach  an.  Aber  nun  trat  ein  neuer  Gegensatz ­
  auf:  der  Widerstreit  des  Handels  mit  der  Kolonisation. ­
  Die  Koloniebildung  in  ihren  Gebieten  war  zu  fürchten ­
  und  daher  nach  Möglichkeit  zu  verhindern.  Darauf
deutete  auch  die  Bestimmung  der  Deed-Poll,  welche  besagte ­
  :  für  Kolonisation  sollten  keine  Ausgaben  gemacht
werden.  Diese  Bestimmung  genügte  allerdings,  um  in  den
ersten  Jahrzehnten  keine  Ansiedlung  aufkommen  zu  lassen, ­
  aber  mit  der  fortschreitenden  Zeit  war  eine  ernstere ­
  Kollision  mit  der  Landesregierung,  in  deren  Interesse ­
  die  Koloniebildung  lag,  unvermeidlich.
        <pb n="107" />
        —  106  —

Es  war  nun  ein  erstes  Erfordernis,  den  Charter  zu
erweitern,  d  .  h.  das  Privileg  des  ausschliesslichen  Handels ­
  auch  für  die  Gebiete  zu  erlangen,  die  nicht  unter
dem  Namen  „Rupertsland”  zusammengefasst  wurden,  sondern ­
  im  allgemeinen  das  „North-West-  oder  Indianerterritorium”
  Messen.
Das  Königliche  Privileg  wurde  denn  auch  für  21  Jahre ­
  erlangt,  und  es  sei  hier  gleich  vorweggenommen,  dass
es  vor  dem  Verlauf  dieser  Zeit,  1838  noch  einmal  auf
21  Jahre  erneuert  wurde.
Dann  galt  es,  der  neuen  Konkurrenz  zu  begegnen,  im
Nordwesten  den  Russen,  im  Südwesten  den  Amerikanern.
Es  gelang  dem  energischen  Eingreifen  Simpsons  zwischen
diesen  beiden  Gegnern  das  Gebiet  vom  Skeena-  bis  zum
Columbiariver  zu  behaupten.  Hier,  in  dem  westlichen  Teil
des  Landes,  in  den  Rocky  Mountains  und  an  der  Meeresküste, ­
  blühte  der  Handel  besonders  auf.  1835  besass  die
Company  auf  dem  Stillen  Ozean  fünf  Schiffe,  und  Fort
Vauoouver  war  von  grossen  Farmen  mit  reichen  Rinderund ­
  Pferdeherden  umgeben.
Es  ist  keine  Frage,  dass  das  tatkräftige  Eingreifen  der
Hudsonsbay-Company  Grossbritannien  den  Besitz  von  Britisch ­
  Columbia  gerettet  hat,  und  damit  die  Verbindung
zwischen  dem  Atlantischen  und  Grossen  Ozean.
Die  Vereinigten  Staaten  hätten  gar  zu  gern  sich  weiter ­
  an  der  Küste  ausgebreitet  und  betrachteten  die  Fortschritte ­
  der  Engländer  mit  missgünstigen  Blicken.  Sie
beanspruchten  mindestens  noch  den  Oregondistrikt,  aber
die  Company  wehrte  sich  dagegen,  da  sie  diesen  Gebietsteil ­
  zuerst  durchstreift  und  ausgenutzt  hatte.
Die  „boundary  question”  (Grenzfrage)  war  nun  durch
verschiedene  Jahrzehnte  der  Gegenstand  mehrfacher  Beratungen ­
  und  Kongresse.  Auch  der  Redriverdistrikt  -  wurde
zum  Teil  von  den  Amerikanern  beansprucht.  1783  war
        <pb n="108" />
        —  i07  —
die  Grenze  festgesetzt  worden,  aber  in  völliger  Unkenntnis ­
  der  geographischen  Verhältnisse.  So  hiess  es  u.  a.  in
dem  Vertrage,  die  Grenzlinie  ziehe  sich  vom  Lake  of
the  Woods  westlich  bis  zum  Mississippi,  der  aber  bekanntlich ­
  direkt  südlich,  z.  T.  sogar  südöstlich  vom  Wäldersee ­
  fliesst.
Konferenzen  in  London  1824  und  1827  zwischen  Amerika ­
  und  England  führten  zunächst  nur  zu  dem  Beschluss,
ein  jeder  Teil  solle  vorläufig  im  Besitze  der  Territorien
bleiben,  die  er  gerade  besetzt  halte.
Die  Streitigkeiten  mit  den  Russen  wurden  1825  dahin
geregelt,  dass  Prince-of-Wales-Island  als  südlichste  russische ­
  Besitzung  a'ngesehn  sein,  und  von  da  die  Grenze
über  den  Kamm  der  Gebirgskette  der  Küste  entlang  bis
zum  141.  Meridian  sich  erstrecken  und  diesem  bis  zum
Eismeer  folgen  sollte.  Damit  waren  aber  die  Differenzen ­
  noch  nicht  völlig  aus  der  Welt  geschafft.
Ein  Artikel  des  Vertrags  gestattete  den  Engländern  die
Einfahrt  'durch  die  Flüsse,  die  bei  ihrer  Mündung  auch
durch  russisches  Gebiet  fliessen.
Die  russische  Company  beklagte  sich  über  diese  Bestimmung ­
  und  wünschte  eine  Aenderung.
Ein  russischer  Offizier  besetzte,  ohne  die  Entscheidung
der  Regierung  abzuwarten,  die  Mündung  des  Stikeenriver
  mit  zwei  armierten  Schiffen,  baute  ein  kleines  Fort
und  hinderte  ein  Schiff  der  Company,  unter  Drohung
der  Beschiessung,  an  der  Einfahrt.  Es  folgten  nun  Verhandlungen ­
  mit  der  Regierung,  und  1839  einigte  man
sich  dahin,  dass  die  Hudsonsbay-Company  das  Land  zwischen ­
  Kap  Spencer  und  der  südlichen  Grenze  pachtete
gegen  Zahlung  einer  jährlichen  Rente  von  2  000  Landotterfellen ­
  an  die  russische  Pelzgesellschaft.
Dies  waren  während  der  ersten.Jahre  der  Blütezeit  der
Company  die  hauptsächlichsten  Ereignisse  nach  aussen
        <pb n="109" />
        —  108  —
hin.  Innerlich  hatten  sich  schnell  alle  Wunden  früherer
Kämpfe  wieder  ausgeheilt,  und  der  frische  Unternehmungsgeist, ­
  der  jetzt  die  Leute  beseelte,  zeigte  sich  nicht  zum
wenigsten  in  den  Forschungsreisen  nach  der  arktischen
Küste.
Das  Problem  der  Nordwestpassage  war  im  zweiten  Jahrzehnt ­
  des  19.  Jahrhunderts  wieder  aufgetaucht,  und  diesmal ­
  bemühten  sich  berühmte  Nordpolfahrer,  es  zu  lösen.
Ross  und  Perry  machten  ihre  Fahrten  zur  See  und  Franklin ­
  zu  Lande.  Er  erbaute  1819  Fort  Enterprisse  am  Winter-Lake ­
  und  erforschte  von  hier  aus  die  Küste  des  Eismeers ­
  am  Coronation-Golf.  1822  kam  er  wieder  in  York
Fäctory  an.
1825  brach  er  zum  zweiten  Mal  auf  in  Begleitung  von
Dease,  einem  Chieftrader  der  Hudsonsbay-Company,  Back,
Richardson  und  andern.  Bei  dieser  zweiten  Expedition
ging  er  von  der  Mündung  des  Mackenzieriver  aus,  untersuchte ­
  die  Küste  östlich  bis  zum  Copperminefluss  und
westlich  bis  Returnreef.  Der  geplante  Anschluss  an  Kapitän ­
  Beechey,  der  von  der  Beringsstrasse  aus  nach  Osten ­
  operierte,  misslang.  Ein  kleiner  Teil  der  Küste  (160
Meilen)  blieb  hier  noch  für  die  spätere  Forschung  liegen. ­
  Back  entdeckte  1832/33  den  grossen  Fischfluss  und
untersuchte  dessen  Mündungsgebiet,  sowie  King-Williams-Land.
  Ross  hatte  inzwischen  Boothia-Felix  entdeckt  und
die  Küstenlinien  a  ufgenommen.
Nun  waren  nur  noch  verhältnismässig  kürze  Küstenstrecken ­
  Nord-Amerikas  unbekannt.:  von  Point  Barrow,
dem  östlichen  von  Beechey  erreichten  Punkt  bis  Returnreef; ­
  ferner  von  Kap  Turnagain  bis  zum  grossen  Fischflüss
  und  der  Boothia-Gulf  bis  zur  Repulsebay.
Diese  Aufgabe  zu  lösen  blieb  der  Hudsonsbay-Company
Vorbehalten  Sie  ha.tte  unter  ihren  Offizieren  einen  der
bedeutendsten  arktischen  Forscher,  Thomas  Simpson,  einen ­
  Vetter  des  Governor-in-chief.
        <pb n="110" />
        —  109  -

Im  Aufträge  der  Company,  die  einsah,  dass  sie,  um
Angriffe  ihrer  Gegner  in  London  zu  verhüten,  bei  den  vielen ­
  Unternehmungen  der  letzten  Jahre  nicht  Zurückbleiben ­
  durfte, 68 )  machte  sich  der  junge  Mann  1837  in  Begleitung ­
  von  Dease  auf  den  Weg.  Man  wandte  sich  den
Mackenzie  abwärts  und  von  seiner  Mündung  westlich  der
Küste  entlang.  Am  4.  August  erreichte  Simpson  Point-Barrow,
  damit  war  westwärts  vom  Mackenzie  die  ganze
Küstenlinie  vermessen.  Im  folgenden  Jahre  wurde  der
zweite  Teil  der  Aufgabe  ausgeführt.  Die  beiden  Forscher
erbauten  Fort  Cdnfidence  am  Great-Bear-Lake  und  fuhren
von  hier  den  Deaseriver  aufwärts  und  den  Coppermineriver ­
  abwärts  zur  Küste.  Simpson  entdeckte  Victorialand
und  erforschte  die  Küste  ostwärts  bis  Kap  Alexander.
Dann  kehrte  er  über  den  Coppermineriver,  den  Great-Bear-Lake
  und  den  Mackenzieriver  nach  Fort  Garry  zurück, ­

Die  Royal  Geographical  Society  verlieh  dem  jungen
Forscher  die  goldene  Medaille  und  die  britische  Regierung
gewährte  ihm  eine  Pension  von  100  Pf.
Leider  fand  er  im  Jahre  1840  einen  tragischen  Tod
im  Lande  der  Dakothas,  die  auf  dem  Kriegspfade  waren.
Die  nähern  Umstände  seines  Todes  sind  nie  ganz  aufgeklärt ­
  worden,  wahrscheinlich  wurde  er  von  den  Sioux
erschossen.
Die  Sioux  wohnten  zum  grössten  Teil  auf  amerikanischem ­
  Gebiet,  und  hier  waren  Indianeraufstände  und  Plünderungszüge ­
  gar  nicht  selten.  Dagegen  hörte  man  in  Canada
  nichts  von  solchen  Unruhen,  und  das  lag  nur  an
der  geordneten  Verwaltung  und  Geschäftsführung  der  Hudsonsbay-Company.
  In  kurzer  Zeit  hatte  sich  ein  völliger  58  *  *  *
58 )  Fitzgerald  S.  110:  And  the  Company  »ppears  to  have  acted  on
the  same  prii.ciple  on  which  they  had  acted  in  1719,  viz.,  to  delay
performing  tiieir  duty,  untilit  was  manifest,  that  it  would  be  performed
  by  others,  and  that  their  Privileges  might  thereby  incur  risk.
        <pb n="111" />
        —  110  —

Umschwung  vollzogen.  In  Montreal  hörte  und  sah  man
bald  nicht  viel  mehr  von  Pelzhändlern.  Der  Schwerpunkt
des  Handels  hatte  sich  wieder  nach  der  Bai  verlegt.  Der
Nordwesten  wurde  für  das  alte  Canada  bald  ein  Buch
mit  sieben  Siegeln.  Die  Redriverkolonie  ging  zurück,  und
man  machte  nur  geringe  Versuche,  sie  zu  heben.  Das
Land,  wo  heute  wogende  Getreidefelder  stehn,  galt  für
eine  Schneewüste. 69 )
Aber  der  Pelzhandel  blühte.  1821-24  wurden  50/0  Dividenden ­
  bezahlt, 59  60 )  von  da  ab  bis  1828  100/0,  bis  1832  5%,
mit  einer  Prämie  von  10%,  bis  1837  5%,  mit  einer  durchschnittlichen ­
  Prämie  von  6°/o.
Nach  Ballatyne 61 )  war  das  Land  in  4  Departements
eingeteilt:'  das  North-Departement  mit  York-Factory,  das
South-Departement  mit  Moose-Factory,  das  Montreal-  Departement ­
  mit  Lachine,  (bei  Montreal)  Columbia  mit  Fort
Vancouver.
Die  Versammlung  zu  den  alljährlichen  Beratungen  fand
für  den  nördlichen  Teil  in  Norway  -  House  statt,  für
den  südlichen  in  Michipicoton.
Ueber  die  Lebensweise,  wie  sie  damals  in  dem  Lande
herrschte  und  über  das  Betreiben  des  Handels,  findet
sich  bei  Ballantyne  etwa  Folgendes:  Gemäss  der  ungeheuren ­
  Ausdehnung  des  Landes  ist  die  Lebensweise  der
Pelzhändler  verschieden.  In  der  Prärie  oder  den  Wäldern
der  Ebene  herrscht  meistens,  Fleisch  als  Speise  vor,  weil
liier  der  Aufenthaltsort  für  Tausende  von  Hirschen  und  Bisons ­
  ist.Da,  wo  derartigesW r ild  rar  ist,  fängt  man  Fische  von
allen  möglichen  Sorten;  in  einigen  abgelegenen  Posten  des
Nordens  müssen  denLeuten  der  Company  oft  Flechten  und
Moose  als  einzige  Nahrung  dienen,  wenn  die  Vorräte  aufgezehrt
  sind.Die  eigenllicheNationalspeise,wenn  man  so  sagen
59 )  Dawson  S.  442.
60 )  Hind  II,  207.
61 )  Ballantyne  S.  31(32.
        <pb n="112" />
        -111  -

darf,  ist  „Pemmikan,”  d.h.  getrocknetes  Büffelfleisch.  Die
Zubereitung  ist  sehr  einfach  :  das  Büffelfleisch  wird  in
kleine  Streifen  geschnitten,  an  der  Sonne  getrocknet,  mit
Fett  vermischt  und  in  ledernen  Säcken  aufbewahrt.
Von  Geld  ist  meistens  im  Lande  nichts  zu  sehen.  Der
Castor  ist  die  Münzeinheit:  Wenn  ein  Indianer  auf  das
Fort  kommt,  um  Handel  zu  treiben,  so  wird  er  von  dem
Chieftrader  in  den  Handelsraum  geführt.  Dort  besichtigt
der  Händler  die  mitgebrachten  Felle  und  teilt  sie  in
verschiedene  Haufen,  diese  bezeichnet  er  mit  dem
ständigen  Preiswert,  zählt  die  Beträge  zusammen  und  erklärt ­
  dem  Indianer,  wieviel  Castors  er  gut  hat;  darauf
händigt  er  ihm  ebensoviele  Stäbchen  ein,  damit  er  leichter ­
  rechnen  kann,  wenn  er  seine  Castors  in  die  Dinge
umwechselt,  die  er  eintauschen  will.  Die  Waren,  mit  denen
der  Handelsraum  angefüllt  ist,  haben  ihren  festen  Wert,
sodass  die  Indianer  ehrlich  und  preiswürdig  bezahlt  werden. ­
  Der  Wert  eines  Castors  ist  ein  bis  zwei  Schilling.
Die  Wilde»  besuchen  die  Handelsposten  zweimal  im
Jahr:  Einmal  im  Oktober,  dann  bringen  sie  die  Ergebnisse ­
  ihrer  Herbstjagden,  und  einmal  im  März,  dann  legen
sie  vor,  was  sie  im  Winter  erlegt  haben.  Die  Zahl  der
Castors,  die  ein  Indianer  bei  den  Winterjagden  erreicht,
schwankt  zwischen  50  und  200,  je  nach  seiner  Ausdauer ­
  und  Tätigkeit  und  nach  dem  Teil  des  Landes,  in
dem  er  jagt.  Die  meisten  Tiere  werden  in  eisernen  oder
hölzernen  Fallen  oder  auch  in  Schlingen  gefangen,  Hirsche ­
  und  Büffel  geschossen,  die  letztem  auch  wohl  zu
Pferde  niedergerannt,  wenn  sie  nicht  allzugross  sind,  und
dann  auf  irgend  eine  Weise  getötet.  Nachdem  im  Frühling ­
  die  Felle  auf  allen  Aussenposten  gesammelt  sind,
werden  sie  in  Ballen  von  'zweckmässiger  Grösse  verpackt
und  mittilst  Booten  und  Canoes  zu  den  drei  Depots  befördert. ­
  (York-Factory,  Moose-Factory,  Vancouver.)  Von
        <pb n="113" />
        dal  bringen  die  Schiffe  der  Company  sie  nach  England.
Die  einzelnen  Abteilungen  aus  den  verschieden  Distrikten ­
  heissen  Brigaden;  sie  kommen  im  Frühling  in  ihren
leichten  Canoes  aus  allen  Gegenden  des  Landes  nach
den  Hauptplätzen  herangefahren.  Die  Canoes  bestehen
aus  einem  leichten  Holzgestell,  das  mit  Birkenrinde  bekleidet ­
  ist.  Die  geringe  Schwere  dieser  Fahrzeuge  ist
ein  notwendiges  Erfordernis,  denn  die  Flüsse  haben  viele
Wasserfälle  und  Stromschnellen,  bei  denen  die  Boote  zum
Teil  aus  dem  Wasser  gehoben  und  über  Land  getragen
werden  müssen,  (Portagen)  oder  nach  Ausschiffung  der  Besatzung ­
  mit  Seilen  gezogen  werden.  (Dechargen.)  Diese
Fahrten  sind  mit  unglaublichen  Mühen  und  Gefahren
verknüpft,  aber  das  Canoe  ist  das  einzige  Verkehrsmittel,
ausser  dem  Schlitten  im  Winter.
Der  Winnipegsee  ist  ein  Knotenpunkt  in  dem  verwirrenden. ­
  Netz  von  Wasserstrassen.  Der  Weg  von  Montreal ­
  nach  Norway-House  führt  den  St.-Lawrencestrom  und
dann  den  Ottawariver  aufwärts,  bei  Mattawa  durch  einzelne ­
  Portagen  in  den  Nipissing-,  den  Huron-  und  Superior-Lake, ­
  den  Kaministiquiariver  aufwärts  durch  Portageh, ­
  Seen  und  Flüsschen,  die  hier  nicht  im  einzelnen
genannt  zu  werden  verdienen,  in  den  Rainy-Lake  und
den  Lake  of  the  Woods,  von  hier  durch  den  Winnipegriver ­
  in  den  gleichnamigen  See,  an  dessen  Nordende
Norway-House  in  vortrefflicher  Lage  auf  einer  Insel  aufgebaut ­
  ist.  Der  Weg  von  hier  zur  Hudsonsbay  führt
durch  den  Hill-  und  Hayesriver,  denn  der  Nelsonriver
hat  zu  viele  Stromschnellen.  Zum  Mackenzie  kommt  man
durch  den  Saskatchewan,  den  Great  River,  der  bei  Cum
berland-House  mündet  und  über  Frog-Portage  in  den  Churchill. ­
  mit  seinen  unzähligen  Seen;  von  diesen  leitet  die
Portage  Ia  Loche  zum  Clearwater-  und  Athabascariver
über.  Abseits  von  diesem  System  liegt  Labrador  und  das
        <pb n="114" />
        —  113

Land  westlich  der  Rocky-Mountains.  Labrador  aber  -ist ;
ein  wenig  ergiebiger  Distrikt  und  steht  ja  auch  mit  der
Hudsonsbay  in  direkter  Verbindung.  Britisch-Columbia  hat
sein  Depot  in  Vancouver.
Unter  dieser  vortrefflichen  Organisation  ging  der  Han-;
del  seinen  ruhigen  und  geregelten  Gang.  Im  Jahre  1839
dagegen  erlitt  die  Company  noch  eine  ganz  unerwartete;
schwere  Einbusse.  Bisher  waren  die  Biberfelle  der  begehrteste ­
  Artikel  der  Pelzhändler  gewesen,  denn  die  Biberhaare ­
  wurden  verwandt  zur  Verfertigung  der  „Castorhüte,”
  die  bis  dahin  sehr  Mode  waren.
Zu  jener  Zeit  fand  man  aber  in  der  Seide  ein  viel,
billigeres  ünd  besseres  Ersatzmittel  zur  Bereitung  der  Zylinderhüte; ­
  daher  fiel  alsbald  der  Preis  der  Biberfelle
ganz  bedeutend.  In  einigen  Jahren  war  indessen  der  Verlust ­
  wieder  ausgeglichen.
In  der  äusseren  Politik  brachte  das  Jahr  1846  einewichtige ­
  Entscheidung;  die  „boundary  question”  fand  ihren
Abschluss  durch  den  Oregonvertrag.  : s &amp;gt;b
Amerika  hatte  es  durchgesetzt,  dass  die  internationale'.
Grenze  auf  den  49  Parallel  verlegt  wurde.  Die  Schiffahrt ­
  auf  dem  Columbiariver  und  der  Handel  im  Ozeangebiete ­
  sollten  dagegen  vorläufig  noch  der  Company  frei'
und  offen  stehn. 62 )  Die  Proteste  der  Hudsonsbay  Gesellschaft ­
  hatten  nichts  genützt,  aber  ihre  Forderungen  um'
Entschädigung  wurden  doch  in  Erwägung  gezogen.  Statt!
der  „Boundary-question  zog  sich  nun  die  Entschädigungs-•
8J )  Im  Art.  I  heisst  es  (nach  Willson  II,  251)  wörtlich:  „From  the
point  at  which  the  fortyninth  parallel  of  north  latilude  sh  all  he  fouhd
to  interseet  the  great  iiQrtliern  brauch  of  the  Columbia  River,  the
navigation  of  the  said  brauch  of  the  river  to  the  point  where  the
said  branch  meets  the  main  stream  of  the  said  river  shall  be  freeand
  open  to  the  I  Iudsonsbay-Company  and  to  all  British  sübjects^
trading  with  the  same,  and  thence  down  the  said  main  stream  to  the
ocean  with  free  aceess  into  and  through  the  said  river  or  rivers,  it
being  nnderstood  that  all  the  usual  portages,  along  the  line  thus  described
  shall,  in  like  manner,  be  free  and  open.“  u.  s.  v.
        <pb n="115" />
        —  114

frage  lange  Zeit  hin.  Erst  1857  wurde  eine  Kommission
ernannt,  die  sich  über  die  Ansprüche  schlüssig  werden
sollte,  und  erst  1869  war  die  Arbeit  dieser  Kommission
henedet  und  die  Entschädigungssumme  von  650000  Dollar
festgesetzt,  die  Amerika  an  die  Company  bezahlte.
Der  Oregonvertrag  sollte  aber  noch  andere  weittragende
Folgen  haben.  Er  leitete  eine  neue  Zeit  ein,  denn  sobald ­
  das  Land  an  die  Vereinigten  Staaten  gefallen  war,
wurde  es  von  Einwandrern,  besonders  von  Goldsuchern
überschwemmt,  und  nun  ergab  sich  die  drohende  Frage:
Sollten  Britisch-Columbia  und  Vancouver  nicht  ebensogut
zu  besiedeln  sein  ?
Die  Company  war  sich  der  nahenden  Gefahr  wohl  bewusst, ­
  aber  sie  wusste  ihr  zu  begegnen,  denn  sie  bot  dem
Kolonialminister  Grey  an,  sie  wolle  selbst  die  Kolonisation ­
  aller  der  Gebiete  übernehmen,  die  in  Amerika
der  Krone  gehörten,  wenn  man  ihr  den  Auftrag  dazu  gäbe.
Dieser  Vorschlag  machte  noch  einmal  wieder  alle  Neider ­
  und  Gegner  in  England  wach.  Die  Company  wurde
zwar  aufs  beste  unterstützt  von  Lord  Eigin,  dem  Governor-General ­
  von  Canada,  der  ihr  das  beste  Zeugnis
ausstellte,  sodass  Grey  erklärte,  nach  allen  seinen  Nachforschungen ­
  halte  er  die  Gesellschaft  für  durchaus  fähig,
die  Kolonisation  auszuführen,  aber  sie  hatte  auch  mächtige ­
  Gegner.  Der  bedeutendste  Wortführer  der  Gegenpartei ­
  war  Gladstone.  Ihm  widmete  Fitzgerald  daher  auch
sein  Werk:  „An  examination  of  the  Charter  and  proceedings
  of  the  Hudson’s  Bay  Company,”  das  ein  Jahr  später
(1849)  herauskam.
Der  Verfasser  greift  in  seinem  Buche  die  Company
in  folgenden  Punkten  an:  Zuerst  sucht  er  die  völlige
Ungültigkeit  des  Charter  darzulegen  und  zu  beweisen,
dass  das  Privileg  des  Bodenbesitzes  von  Rupertsland  auf
einer  ganz  fingierten  rechtlosen  Grundlage  beruhe,  eben-
        <pb n="116" />
        115  —

so  wie  das  des  exklusiven  Handels  in  Rupertsland  und
dem  Indianerterritorium.  Dann  behauptet  er,  die  Anerkennung ­
  des  Charter  (durch  das  Parlament  und  öffentliche ­
  Dokumente  habe  ebensowenig  Rechtsgültigkeit  für
sich.  Endlich  tut  er  dar,  die  Company  gewähre  dem  Miitterlande
  keinen  Nutzen,  sondern  schade  ihm,  da  durch
sie  die  Indianer  der  Zivilisation  und  das  Land  der  Kolonisation ­
  verschlossen,  und  der  Handel  so  betrieben  würde, ­
  öass  nur  wenige  Aktionäre  in  London  sich  daran
bereicherten.  Auf  diese  Punkte  im  einzelnen  einzugehen,
dürfte  zu  weit  führen,  auch  sind  die  wichtigsten  bereits
an  den  betreffenden  Stellen  behandelt. 63 )
Es  war  jedenfalls  etwas  Wahres  daran:  Es  nahte  allmählich ­
  die  Zeit,  die  Länder  zu  kolonisieren,  soweit  dies
63 )  Interessant  ist  der  Schluss  der  Einleitung  von  Fitzgcralds  Werk,
der  in  pathetischen  Worten  die  Angriffe  etwa  folgendermassen  zusammenfasst: ­
  »Die  L't.beizengdigen,  denen  ich  hier  Ausdruck  verleihe,
haben  sich  mir  anfgezwungen  auf  Grund  von  Nachforschungen,  die
ich  gemacht  habe,  weil  ich  entrüstet  war,  dass  allgemein  das  geglaubt
wird,  was  die  Company  als  Tatsache  ausgibt  Es  sind  Ueberzeugungen,
die  sich  verstärkt  und  vertieft  haben  bei  jedem  weiteren  Nachforschen,
die  Ueberzeugungen  nämlich,  dass  das  System  der  H.  B.  Co.  Elend
und  Verdeiben  über  Tausende  im  Lande  ausgestreut  hat,  die  unter
ihier  Herrschaft  dahin  welken  Ueberzeugungen,  dass  sie  1.)  die  Energie ­
  und  Unternehmungskraft  Englands  gehemmt  und  verkrüppelt  hat,
die  Energie,  die  wohl  Wege  gefunden  hätte,  die  Landerstrecken  zu
occupieren,  von  denen  sie  jetzt  ausgeschlossen  ist,  2.)  der  Ausbreitung
der  Zivilisation  Grenzen  gesetzt  und  das  Licht  der  religiösen  Wahrheit
ausgeschlossen  hat,  B.)  die  Gesinnung  aller  derer  entfremdet  und
vaterlandsfeindücli  gemacht  hat,  die  unter  ihrer  Unterdrückung  lebten,
4.)  dass  ihr  ganzer  Aufbau  auf  einer  total  falschen  und  fingierten
Grundlage  beruht  und  keinen  Schatten  von  Gesetzeskraft,  von  Recht
und  Gerechtigkeit  hat,  dass  es  überhaupt  nicht  die  kleinste  gesetzliche
Autorität  gibt  für  eins  von  den  Rechten,  welche  diese  Korporation
beansprucht.  Diese  Ueberzeugung  hat  mich  gedrängt,  die  Angaben
und  Argumente  vorzulegen,  die  in  den  folgenden  Seiten  enthalten  sind
zur  Erwägung  des  Staates  und  zur  Anklage  [vor  dem  Tribunal,  vor
dem  es  heute  kein  Entfliehen  mehr  gibt,  vor  dem  Urteil  der  öffentliche ­
  i  Meinung]  gegen  diese  Körperschaft,  die  unter  der  Autorität  ihres
Charter,  der  ge&amp;gt;ztzlich  überhaupt  gar  keine  Kraft  hat,  ein  Handelsmonopol ­
  erhielt  und  einen  Despotismus  in  ihrer  Regierung  ausübte
und  noch  ausübt,  ihre  Macht  aber  dazu  missbraucht  hat,  um  die  Erde
der  Erkenntnis  der  Menschen  zu  verschhessen  und  die  Menschen  der
Erkenntnis  Gottes,«
        <pb n="117" />
        —  116  —
möglich  war,  und  es  war  natürlich,  dass  die  Company
der  Kolonisation  entgegenwirken  musste.  Das  Mutterland
würde  seinen  Willen  durchsetzen,  das  war  klar,  und  darum ­
  galt  es  dafür  zu  sorgen,  mit  der  Regierung  möglichst
gut  auszukommen.
Governor  Pelly  wusste  wohl,  dass  er  sich  und  den
Aktionären  eine  schwere  Bürde  auf  den  Nacken  lud,  als
er  der  Regierung  anzeigte,  die  Gesellschaft  wolle  selbst
die  Besiedelung  und  Bebauung  in  die  Hand  nehmen,
aber  dies  war  zunächst  der  einzige  Weg,  um  fü&amp;amp;  einige ­
  Jahre  gesichert  zu  sein.  Lord  Russell  verteidigte
vor  dem  Parlament  diesen  Ausweg  gegen  Gladstone,  u.a.
mit  dem  Hinweis  darauf,  dass  das  Land  ja  bereits  bis
1859  der  Company  von  der  Krone  übertragen  sei,  das
könne  nicht  rückgängig  gemacht  werden.  Zu  warten  bis
zu  dieser  Zeit,  sei  aber  deshalb  nicht  möglich,  weil  dann
die  Gefahr  einer  amerikanischen  Einwanderung  drohe.
Schliesslich  triumphierte  die  Company  wieder:  Die  Urkunde, ­
  der  Uebertragung  der  Kolonisation  von  Vancouver-Island
  an  die  Hudsonsbay-Company  wurde  am  13.
Januar  1849  unterzeichnet,  aber  dieser  Erfolg  regte  die
Gegner  noch  einmal  zu  erneuten  Anstrengungen  an,  und
im  Jahre  1857  glaubten  sie  endlich  der  Verwirklichung
ihrer  Wünsche  nahe  zu  sein.
Sie  hatten  es  durchgesetzt,  dass  das  Parlament  ein  „Select
  Committee”  von  19  Parlamentsmitgliedern  beauftragte, ­
  den  Zustand  der  britischen  Besitzungen  zu  untersuchen,
die  unter  der  Administration  der  Hudsonsbay-Gesellschaft
ständen  und  die,  über  welche  sie  Handelsrecht  besässe.
Das  Ergebnis  der  Untersuchungen  des  Committees  war,
dass  beschlossen  wurde,  die  Administration  über  das  Redriver- ­
  und  Saskatchewan-Gebiet  der  Company  zu  nehmen
und  das  Land  unter  die  Regierung  von  Canada  zu  stellen,
dagegen  sollte  ihr  das  Privileg  des  exklusiven  Handels
im  Interesse  von  Recht  und  Ordnung  weiter  verbleiben.
        <pb n="118" />
        Die  nue  Zeit  war  schnell  hereingebrochen.  Einwandrer ­
  von  Amerika  und  Canada  kamen  ins  Land,  ohne
dass  die  Company  es  hindern  konnte.  Die  Redriverkolonie
erlangte  eine  gewissen  Blüte,  und  der  Westen,-Vancouver
und  Britisch-  Columbia-  wurde  von  Ansiedlern  überschwemmt. ­

Gerade  in  der  glänzendsten  Zeit  des  Pelzhandels  nahte
unaufhaltsam  die  ihm  verderbliche  Zivilisation  und  Kolonisation. ­

1856  hatte  die  Gesellschaft  152  Etablissements  mit  16
Chieffaktors  und  29  Chieftraders  unter  dem  Beistand  von
5  Aerzten,  87  Handelsgehilfen,  67  Postmeistern,  500  Voyageurs ­
  und  1200  permanenten  Dienern,  im  ganzen  über
3000  Mann,  und  ihr  ungeheures  Gebiet  war  in  5  Departements ­
  mit  33  Distrikten  und  152  Posten  eingeteilt:

Zahl  der

Departements.

Distrikte.

Posten.

Athabasca

4

Mackenzieriver

11

English  River

5

North-Saskatchewan



9

Cumberland

3

Departement

Swanriver
Redriver

6
6

Rainy  Lake

7

Norway  Ilse.

3

York

5

Albany

4

Kmogumisse

2

South-Lake

  Superior

9

Lake  Huron

5

Departement

Sault  St.  Marie

1

Moose

4

East  Main

3

Rupertsriver

8

Temiscamingue

4
        <pb n="119" />
        118  —

Monti  eal

Oregon  (U.  S.)

I

Ft.  Coulogne
Lac  des  Sahles
Lacluire
St.  Maurice
Kings  Post
Mingan
Esquimaux  Bay
Columbia
Colville
Snake  Country

3
2
1
3
6
3
4
8
5
3

Western
Departement

(  Vancouver
)  |  North,West-Coast
t  !  Thompson  river
t,1  New  Caledonia

3
1
1
8

Ueber  den  Stand  der  Aktien  zu  jener  Zeit  findet  sich
folgendes  angegeben  : ei )(  1847-49  betrugen  die  Dividenden
100/0  pro  Jahr,  1850  20°/ 0 ,  wovon  10%  zum  Kapital ­
  geschlagen  wurden,  1854  -  56  100/0  pro  Jahr.
Der  Gewinn  wurde  unter  239  Proprietors  verteilt.
Die  Company  versorgte  die  ganze  Welt  mit  ihren  Pelzen, ­
  selbst  Russland  bezog  einen  grossen  Vorrat  von  ihr,
und  Deutschland  halte  alljährlich  in  Leipzig  einen  grossen
Markt,  von  dem  aus  die  Pelzwaren  wieder  nach  andern
Ländern  wanderten.
Mit  der  Regsamkeit  im  Handel  ging  eine  Unternehmungslust ­
  im  Entdeckungswerke  Hand  in  Hand.  Dies
war  allerdings  weniger  ein  Verdienst  der  Gesellschaft,  es
traf  sich  vielmehr  für  sie  glücklich,  dass  sich  nach  Simpsons ­
  Tode  ein  Mann  fand,  der  bereit  war,  für  die  arktische
Forschung  sein  Leben  zu  wagen:  Dr.  John  Rae.
Im  Jahre  1846  entdeckte  er  den  nach  ihm  genannten
Isthmus  zwischen  Repulsebay  und  Boothia-Gulf  und  er-6&amp;lt;

 )  BeijHind.il,  S.  208.
        <pb n="120" />
        119

forschte  die  südlichen  Küsten  des  Golfes.  Im  Frühjahr
1847  brach  er  von  neuem  von  Fort  Hope  auf,  dass  er  an
der  Rupulsbay  errichtet  hatte  und  erforschte  die  letzten ­
  noch  (unbekannten  Strecken  der  arktischen  Küste.
Im  Anfang  der  fünfziger  Jahre  beteiligte  er  sich  an
der  Aufsuchung  Franklins.  Er  durchsuchte  1851  Wollaston-
  und  Victorialand,  1854  entdeckte  er  an  der  Pellybay
  Spuren  der  Franklinschen  Expedition,  und  am  Grossen ­
  Fischfluss,  wo  er  auf  die  Aussagen  von  Eskimos
hin  nachforschte,  fand  er  die  ersten  sichern  Beweise  vom
Tode  des  Nordpolfahrers  und  seiner  Gefährten;  er  verdiente ­
  sich  dadurch  die  10000  Pf.  die  auf  die  erste  sichere
Nachricht  vom  Schicksal  der  Expedition  ausgesetzt  waren.
In  den  vierziger  Jahren  war  auch  der  Yukondistrikt  von
Leuten  der  Company  erforscht  worden. 65 )  1840  wurde
Robert  Campbell  den  Liardriver  aufwärts  geschickt,
um  hier  womöglich  einen  Fluss  ausfindig  zu  machen,
der  nach  Westen  in  den  Ozean  münde.  Er  entdeckte  und
benannte  den  Francis-  und  Finlayson-Lake.  Dann  ging
er  über  zum  Pellyriver,  dem  er  den  Namen  gab.  1843
entdeckte  er  den  von  ihm  benannten  Lewesriver,  und
1847  wurde  am  Zusammenfluss  der  beiden  Ströme  Fort-Selkirk
  erbaut.  Inzwischen  hatte  James  Bell  den  Porcupinefluss
  gefunden  und  erforscht;  1847  kam  er  zum  Yukon
und  erbaute  hier  Fort  Yukon.  Campbell  fuhr  den  Pellyriver ­
  abwärts  bis  zum  Hauptstrom,  andere  folgten,  und
man  fand  den  Tananariver,  ehe  die  Russen  dazu  kamen,
diese  .Gebiete  zu  erforschen.  Erst  1867  zeigte  es  sich,
dass  Fort  Yukon  auf  russischem  Gebiet  liege,  die  Company ­
  musste  also  den  Platz  verlassen.  In  den  Jahren
1838/39  durchkreuzte  der  eiste  weisse  Mann,  ein  Offizier ­
  der  Hudsonsbaygesellschaft,  M’  Lean,  Labrador  von
der  Ungawabay  aus  bis  zur  Hamilton-Einfahrt.

65 )  Pawson  S.  571,
        <pb n="121" />
        —  120  —

Auf  dem  Yukonriver  und  in  den  Gewässern  Labradors,
auf  den  arktischen  Flüssen  und  den  südlichen,  dem  Columbiariver ­
  und  St-  Lawrence,  fuhren  die  Fahrzeuge  der
„Great-Company.”  Sie  fühlte  sich  als  die  wahre  Herrscherin ­
  des  ganzen  Landes,  und  ihr  Governor-in-chief  regierte ­
  ein  grösseres  Reich,  als  die  meisten  Kaiser  und  Könige
der  Erde.
George  Simpson,  der  vierzig  Jahre  lang  diese  Regierung ­
  geführt  hatte,  starb  im  Jahre  1860.  Er  hatte  die
Freude  gehabt,  während  der  ganzen  Blütezeit  die  Geschicke ­
  der  Company  in  Amerika  zu  leiten,  und  hat  sein
Amt  mit  grosser  Energie  und  Geschäftskenntnis  verwaltet. ­

Unter  seinem  Nachfolger,  A.  E.  Dallas,  taucht  der
Plan  auf,  dessen  Verwirklichung  die  Kolonisation  mit  einem ­
  Schlage  ins  Land  brachte,  die  Auflösung  des  Charter
herbeiführte  und  den  Anstoss  gab  zur  Gründung  der  „Dominion ­
  of  Can»da,”  nämlich  das  Projekt  der  transkontinentalen ­
  Eisenbahn.
Wenn  dieser  Plan  ausgeführt  wurde,  so  war  dem  Lande ­
  der  Lebensnerv  gegeben,  der  seinen  südlichen  Teil
in  kurzer  Zeit  zu  einem  reichbebauten  und  bewohnten,
modernen  Territorium  machen  musste,  dann  hatte  es  mit
dem  Pelzhandel  ein  Ende.  Es  galt  also,  beim  Aufkommen
dieses  Projektes,  die  Company  so  schnell  als  möglich  zu
verkaufen,  damit  sie  sicher  stände  und  in  Ruhe  der  kommenden ­
  Kolonisation  entgegensehn  könnte.
Vorläufig  schien  aber  das  Werk  noch  schwer  ausführbar, ­
  denn  wo  sollte  sich  der  Mann  und  wo  das  Geld  zu
diesem  geradezu  verwegenen  Unternehmen  finden!
Aber  der  Unternehmer  war  schon  da.  Mr.  Edward  Watkin,
  ein  Mann  von  aussergewöhnlicher  Tatkraft,  hatte
sich  vorgenommen,  das  Wagnis  unter  allen  Umständen
auszuführen,  ohne  sich  die  bedeutenden  Schwierigkeiten
        <pb n="122" />
        zu  verhehlen.  Er  gewann  zuerst  das  Interesse  des  damaligen ­
  Kolonial  Sekretärs,  des  Herzogs  von  Newcastle
für  sein  Vorhaben,  dann  galt  es,  mit  den  Aktionären  der
Hudsonsbay-Company  einig  zu  werden.  Der  Herzog  von
Newcastle  konferierte  über  die  Angelegenheit  mit  dem
Gouverneur  Berens  und  fragte  ihn,  wie  hoch  die  Gesellschaft ­
  ihre  Rechte  verkaufen  würde.  Berens  taxierte  11/2
Mill.  Pfund.  Es  folgten  nun  Verhandlungen  mit  dem  Kolonialamt, ­
  dies  wollte  aber  die  Gelder  nicht  bewilligen.
Watkin  sah  sich  also  pekuniär  vom  Staate  nicht  unterstützt;
darum  gab  er  seinen  Plan  aber  nicht  auf.
Nach  längeren  Verhandlungen  mit  dem  Committee  der
Company  in  London  gewann  er  schliesslich  von  Berens
die  bestimmte  Zusicherung,  die  .Gesellschaft  sei  bereit,
Land  für  die  Eisenbahn  zu  bewilligen,  wenn  das  nötige
Geld  zur  Sicherung  ihrer  Zukunft  aufgebracht  würde,
auf  keinen  Fall  würde  sie  Kredit  gewähren.  Nun  war
also  nur  noch  die  Geldfrage  zu  erledigen,  und  auch  für
dieses  schwierige  Problem  fand  sich  schliesslich  eine  Lösung. ­

Zu  jener  Zeit  hatte  sich  nämlich  die  „International-Finance-Association”
  organisiert, 66 )  die  eine  bedeutende
Unternehmung  suchte,  um  vor  die  Oeffentlichkeit  zu  treten. ­
  Watkin  und  seine  Leute  setzten  sich  mit  ihr  in
Verbindung,  und  nun  kam  das  Geschäft  schnell  zum  Abschluss ­
  :  Die  Finanz  -  Assoziation  kaufte  die  Aktien  an
für  die  besagte  Summe,  aber  die  Proprietors  übernahmen ­
  sie  wieder  aus  den  Händen  der  Finanz-Assoziation,
die  also  nur  die  Agenten  darstellte.  Tatsächlich  setzten
also  die  alten  Eigentümer  das  Geschäft  wieder  fort,  nur
hatten  sie  jetzt  ihre  Anstrengungen  auch  auf  die  Kolonisation ­
  des  Landes,  das  Schaffen  von  Verkehrswegen  etc.
zu  pichten. 67 )
66 )  So  erzählt  wenigstens  Willson.
81 )  Willson  II  276.
        <pb n="123" />
        122  —

Gleich  nach  diesem  Manöver  fielen  die  Aktien  von
201  auf  130,  innerhalb  zwanzig  Jahren  waren  sie  aber
schon  wieder  auf  241  gestiegen.
Merkwürdig  ist  das  plötzliche  Entstehen  der  Finanz-Assoziation, ­
  die  nachher  nichts  mehr  von  sich  hören  lässt.
Da  in  Wirklichkeit  die  Company  nachher  in  der  Gewalt ­
  des  Staates  ist,  so  sieht  es  fast  so  aus,  als  wenn
die  ganze  Finanzgesellschaft  eine  Mache  der  Regierung
gewesen  sei  und  nur  deshalb  ins  Leben  gerufen,  damit
das  Geld  für  den  Auskauf  einkäme,  gleichgültig,  ob
nachher  die  Gesellschaft  Bankrott  machte.  Dass  die  Regierung ­
  zu  einem  solchen  Mittel  greifen  musste  und  nicht
energischer  gegen  die  Company  vorging,  könnte  sich  daraus ­
  erklären,  dass  .viele  der  höchstgestellten  Personen
und  Parlamentsmitglieder  selbst  Aktionäre  der  Gesellschaft
waren.
1863  kamen  die  Verhandlungen  zum  Schluss,:  Die  Company ­
  hatte  ihre  Rechte  verkauft.  Es  erübrigte  jetzt  noch,
sie  für  ihr  Land  zu  bezahlen,  das  ihr  als  Eigentum  gehörte.
Nun  folgten  natürlich  wieder  lange  Verhandlungen,  denn
die  Eigentumsfrage  war  ja  immer  strittig  gewesen.  Die
Hudsonsbay-Gesellschaft  verlangte  1000000  Pf.  für  ihre
Besitzungen,  die  sich  gemäss  dem  Charter  Karls  II.  über
das  ganze  Gebiet  erstreckten,  dessen  Flüsse  sich  in  die
Hudsonsbay  ergiessen.  Dagegen  wurde  von  gegnerischer
Seite  eingewandt,  es  stehe  aber  in  dem  Charter  die  Einschränkung ­
  :  ,,Which  are  not  now  actually  possessed  by
any  of  our  subjects  or  by  the  subjects  of  any
other  Christian  Prince  or  State,”  und  der  Redriver- ­
  und  Saskatchewandistrikt  habe  zu  jener  Zeit
tatsächlich  den  Franzosen  gehört.  Es  dürfte  zu  weit  gehn,
die  ganze  Streitfrage  hier  im  einzelnen  zu  behandeln,  wie
sie  sich  mehrere  Jahre  hindurch  ohne  Entscheidung  fortsetzte. ­
        <pb n="124" />
        —  133  -
1865  kam  unterdessen  der  Vertrag  Amerikas  mit  Russland ­
  zustande,  der  1867  bestätigt  wurde:  Alaska  wurde
gegen  7200000  Dollar  den  Amerikanern  übergeben.
Ein  weit  wichtigeres  Ereignis  vollzog  sich  am  1.  Juli
1867:  Die  Konföderation  der  Provinzen  Britisch-Nord-Ameirikas
  zu  der  „Dominion  of  Canada”.  Das  Parlament  wurde ­
  von  den  Bedingungen  der  Einigung  in  Kenntnis  gesetzt. ­
  Es  hiess  in  Art.  V.  ; GS )  die  Königin  möchte  geruhen,
auch  Rupertsland  und  das  Nordwestterritorium  mit  der
Dominion  of  Canada  zu  vereinigen,  dabei  sollten  aber
nach  Art.  VI.  die  Rechte  irgend  einer  Korporation,  Company ­
  oder  Person  respektiert  werden.  In  zweifelhaften
Fällen,  bei  Meinungsverschiedenheiten  über  diese  Rechte, ­
  sollte  gerichtlich  entschieden  werden. 68  69 )
Im  folgenden  Jahre  kam  eine  Deputation  nach  England, ­
  um  die  Einführung  von  Rupertsland  und  des  Nordwestens ­
  in  die  Dominion  of  Canada  vom  Parlament  bestätigen ­
  zu  lassen.  Die  Unterhandlungen  rückten  aber
nur  langsam  vorwärts,  denn  die  Interessensphären  waren
sehr  verwickelt.  Die  Delegierten  Canadas,  naturgemäss
der  Company  durchaus  nicht  wohlgesinnt,  drängten  auf
eine  energischere  Politik  dieser  gegenüber  und  vertratet!
frei  die  Interessen  Englands  und  Canadas.  Für  die  Minister ­
  aber,  die  z.T.  selbst  Aktien  besassen,  war  es  schwer,
68 )  Art.  V.  (Willson  V.  289):  „That  it  is  aceordingly  expeuient
to  address  her  Majesty  that  she  would  be  graciously  pleased,  by  and
witli  the  advice  ofher  Most  Honourable  Piivy-Council,  to  unite  Rupcrtsland
  and  the  North-West-Territoiy  with  the  Dominion  of  Canada,  and
to  grant  to  the  Parliament  of  Canada  authority  to  legislative  for  their
future  welfare  and  good  government.
G9 )  Art.  VI  That  in  the  event  of  the  Imperial  Government  agreeing
to  transfer  to  Canada  the  jurisdiction  and  control  over  this  region,
it  would  be  expedient  to  provide  that  the  legal  rights  of  any  corpos
ralion,  Company  or  individual  within  the  same  will  be  respected;  and
that  in  case  of  difference  of  opinion  as  to  the  extent,  nature  or  value
of  these  rights,  the  same  shall  be  subinitted  to  judicial  decision,  to
be  deterinmed  by  mutual  agreement  hetween  the  Government  of  Canada
and  the  partie*  interested.  Such  agreement  to  have  no  effect  or
validity  until  first  sanctioned  by  the  Parliament  of  Canada.«
        <pb n="125" />
        —  124

eine  der  Company  und  den  Staatsinteressen  gleich  genehme ­
  Entscheidung  zu  treffen.  Die  Schwäche  dieser  Zwitterstellung ­
  forderte  die  Delegierten  zu  um  so  grösserer
Energie  auf,  und  die  Company  war  ja  auch  nicht  mehr
so  unabhängig  wie  früher.  Sie  musste  schliesslich  nachgeben ­
  und  nahm  die  von  Lord  Granville,  dem  Kolonialsekretär, ­
  vorgeschlagenen  Bedingungen  an.  Es  waren  folgende ­
  : 10  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  *  * )
1)  Die  Hudsonsbay-Company  übergibt  der  Königin  alle
Rechte  der  Regierung,  des  Eigentums,  etc.  in  Ruperts-10
 )  1)  The  Hudsonsbay-Company  to  surrender  to  her  Majesty  all
the  rights  of  governmcnt,  property  etc.  in  Rupertsland,  wbich  ar  specified
  in  31  and  32  Victoria,  clause  105,  section  4;  and  also  all  similar
  rights  in  any  other  part  of  British-North  Amerika,  not  comprised
in  Rupertsland,  Canada,  or  British-Columbia.
2)  Canada  is  to  pay  to  the  Company  300  000  Pf.  when  Rupertsland
is  transferred  to  the  Dominion  of  Canada.
3)  The  Company  may  within  twelve  months  of  the  surrender,  select
a  block  of  land,  adjoining  each  of  its  stations,  within  the  limits  specified
  im  Artiele  I.
4)  The  size  of  the  blocks  is  not  to  exceed  acres  in  the
Redriver=country,  nor  3000  acres  beyond  that  territory,  and  the
aggregate  extent  of  the  blocks  is  not  to  exceed  50000  acres.
5)  So  far,  as  the  configuration  of  the  country  admits  the  blocks  are  to  be
in  the  shap  of  parallelograms,  of  wich  the  length  is  not  more  than
double  the  breadth.
6)  The  H.  B.  Co.  may  for  fifty  years  alter  the  surrenders,  Claim
in  any  township  or  district  within  the  Fertile  Belt;  in  which  Land
is  set  out  for  Settlement,  grants  of  land  not  exceeding  one  twentieth  of
the  land  so  set  out.  The  blocks  so  granted  to  be  determined  by
lot,  and  the  H.  B.  Co.  to  pay  h  ratable  share  of  the  survey  expenses,
not  exceeding  ....  an  acre.
7)  For  the  purpose  of  the  present  agreement,  the  Fertile  Belt  is  to
be  bounded  as  follows:  On  the  south  by  the  United  States  Boundary
on  the  west  by  the  Rocky  Mountains;  on  the  north  by  the  northern
branch  of  the  Saskatchewan;  on  the  east  by  the  Lake  Winnipeg,  the
Lake  of  the  Woods  and  the  waters  connecting  them.
8)  All  titles  to  land  up  to  the  8th  of  March  1869  conferied  by
the  Company  are  to  be  confirmed.
9)  The  Company  to  be  at  libcrty  to  carry  on  its  trade  without
hindranco  in  its  corporate  capacity,  and  no  exceptional  tax  is  to  be
placed  on  the  Company’s  land,  trade  or  servants,  nor  an  import  duty
or  goods  introduced  by  them  previous  to  the  surender.
10)  Canada  is  to  take  over  the  materials  of  the  Electric  Telegraph
at  cost  price,  such  price  including  interest  for  money,  and  subject  to
a  deduction  for  ascertained  deteriorations.«
        <pb n="126" />
        —  125  —

land  und  den  andern  Gebieten  von  British-Nord-Amerika. ­

2)  Canada  zahlt  der  Company  300  000  Pf.,  wenn  Rupertsland ­
  in  den  Besitz  der  Dominion  of  Canada  übergegangen ­
  ist.
3)  Die  Company  kann  innerhalb  zwölf  Monate  nach
der  Abtretung  eine  Landparzelle  bei  jeder  ihrer  Stationen
auswählen,  innerhalb  der  in  Art.  I.  festgelegten  Grenzen. ­

4)  Die  Grösse  der  Parzellen  darf  im  Redriverdistrikt
nicht  .  ...  a  eres  übertreffen  und  nicht  3  000  acres
ausserhalb  dieses  Landes.  Der  Gesamtbetrag  darf  nicht
50  000  acres  übersteigen.
5)  Soweit  es  möglich  ist,  müssen  die  Parzellen  die
Gestalt  von  Rechtecken  haben,  deren  Länge  nicht  mehr
als  doppelt  so  gross  ist,  wie  die  Breite.
6)  Die  Company  kann  fünfzig  Jahre  nach  der  Abtretung ­
  in  einem  Distrikt  innerhalb  des  Fertile  Belt, 71 )  in
dem  Land  zur  Kolonisierung  ausgeschrieben  wird,  Bodenprivilegien ­
  beanspruchen  die  nicht  1 / 20  des  ausgeschriebenen ­
  Landes  übersteigen.  Diese  Landparzellen  werden
ausgelost,  und  die  Company  bezahlt  einen  Teil  der  Vermessungskosten. ­

7)  Der  Fertile  Belt  hat  folgende  Grenzen:  Im  S.  die
Vereinigten  Staaten,  im  W.  die  Rocky  Mountains,  im
N.  den  nördlichen  Arm  des  Saskatchewan,  im  O.  den  Lake
Winnipeg,  Lake  of  the  Woods  und  die  verbindenden  Gewässer. ­

9)  Die  Company  führt  ihren  Handel  ohne  Hindernis
fort  in  ihrer  Eigenschaft  als  Korporation.
10)  Canada  übernimmt  die  Kosten  der  Telegraphenlinie
und  die  eventuellen  Reparaturen.
Das  waren  die  Grundlagen  zur  neuen  Aera  in  Canada.

71 )  Das  fruchtbare  Redriver-  und  Saskatchewan-Gebiet.
        <pb n="127" />
        126  —

Abei  nicht  ohne  blutige  Kämpfe  sollte  der  Umschwung
eintreten:  Einer  Unzufriedenheit  ihrer  „Winterers”  hatte
die  Company  zwar  schon  1863  vorgebeugt;  diese  glaubten
sich  darals  verraten  und  beim  Auskauf  der  Rechte  der
Gesellschaft  übervorteilt,  da  man  um  ihren  Rat  sich  nicht
bemüht  hatte.  Um  sie  zu  beruhigen,  hatte  man  die  Deed-Poll
  bis  1871  in  voller  Kraft  gelassen.  Von  dem  Gelde,  das
nun  die  Company  für  ihr  Land  erhielt,  wurden  107  000
Pf.  angewandt,  um  die  Winterers  für  ihre  Ansprüche  zu
bezahlen.
Aber  auch  die  Halfbreeds,  die  nicht  wussten,  um  was
es  sich  handelte,  und  auch  weder  von  der  Company  noch
von  der  canadischen  Regierung  darüber  aufgeklärt  wurden, ­
  waren  schon  lange  der  fruchtlosen  Verhandlungen
müde  und  leisteten  nun,  nachdem 1  sie  sich  zu  einer  Truppe ­
  organisiert  hatten,  unter  Anführung  von  Louis  Riel,
dem  Beschlossenen  bewaffneten  Widerstand.
Sie  nahmen  Fort'  Garry  ein,  und  Louis  Riel  erliess
von  da  aus  Proklamationen,  berief  eine  Versammlung  und
fertigte  eine  „Bill  of  Rights”  aus.  Das  bewaffnete  Eingreifen ­
  Colonel  Wolseleys  war  nötig,  um  die  Ordnung
wiederherzustellen.  Im  März  1885  brach  aber  der  Aufstand ­
  noch  einmal  aus,  diesmal  gefährlicher,  denn  auch
einige  Indianerstämme  schlossen  sich  an,  und  es  kam
zu  verschiedenen  für  die  Regierungstruppen  verlustreichen
Gefechten.  Aber  Louis  Riel  wurde  schliesslich  nach  einem
verlornen  Gefecht  gefangen  und  gehenkt.  Damit  hatte
die  Rebellion  ein  Ende.
Canada  ist  seitdem  in  friedlicher  Entwicklung  stetig
fortgeschritten,  1886  wurde  die  grosse  Eisenbahn  vollendet, ­
  und  am  28.  Juni  fuhr  der  erste  Zug  von  Montreal
nach  Vancouver.
Nun  ging  es  mit  der  Kolonisation  schnell  vorwärts,
Städte  wuchsen  aus  dem  Boden,  wo  vor  wenigen  Jahren
        <pb n="128" />
        -  125  —

erst  die  Blockhäuser  der  Händler  und  die  Zelte  der  Indianer ­
  standen:  am  Lake  Superior  Port  Arthur,  am  Redriver ­
  Winnipeg,  das  1896  bereits  30  000  Einwohner  zählte,
weiter  nach  Westen  an  der  Eisenbahn  Brandon,  Regina,
Calgary,  Prince  Albert,  am  Saskatchewan  Victoria  und
Edmonton.
Die  bedeutendsten  Ressourcen  Canadas  sind  heute
der  Holzhandel,  der  Ackerbau  und  Bergbau,  aber  der  Pelzhandel ­
  bringt  auch  immer  noch  viel  ein.  Dawson  gibt
vom  Jahre  1896  1822689  Dollar  als  Wert  an. 72 )Jedenfalls
steht  Canada  inbezug  auf  diesen  Handel  heute  noch  immer ­
  oben  a‘n.  Russland  käme  als  nächstes  Land  dabei  in
Betracht,  aber  es  werden  viele  Pelze  von  London  iiber
Leipzig  nach  Nowgorad  geführt.  Nord-Canada  wird  daher ­
  mit  Recht  „the  last  great  fur-preserve  of  the  world”
genannt, 73 )  wenn  auch  einzelne  Tierarten  zweifellos  dem
Aussterben  nahe  sind.  Die  folgende  Tabelle,  „Parkin,  the
Great  Dominion”  entnommen  (S.  178)  gibt  eine  Uebersicht
  über  die  Erträge  von  vier  Jahrzehnten,  die  zeigt,
dass  seit  einem  halben  Jahrhundert  eher  ein  Aufschwung
als  ein  Rückgang  im  Pelzhandel  zu  beobachten  ist.
72 )  Dawson  ■ J .  97.
7ä )  Parkin  S.  179.
        <pb n="129" />
        128

Pelztiere.

(Englisch)

(Deutsch)

1853

1863

1873

1883

1893

Badger

Dachs

1  754

l  545

2  705

1  510

2518

Bear

Bär

7  484

7  571

8  172

11188

11  775

Beaver

Biber

55  456

114  149

149  163

109  +62

56  508

Ermine

Hermelin

2  002

1  178

4  012

5112

9120

Fischer

Pekan

5  861

6  053

3  639

4  (  40

4  828

Fox-blue

Blau-Fuchs

46

29

90

37

51

Fox-cioss

Kreuz-Fuchs

2  307

1  946

2  315

1  762

2  673

Fox-kitt

Kitt-Fuchs

2  563

5  542

6  930

491

299

Fox-red

Rot-Fuchs

6  869

6  402

8  339

5  S69

11  964

Fox-silver

Silber-Fuchs

847

588

694

506

615

Fox-white

Weiss-Fuchs

3  966

3  36f&amp;gt;

7  325

5  886

4  708

Lynx

Luchs

5  361

4  44.8

5  123

7  599

8  659

Marten

Marder

73  055

79  979

66  841

62  711

100  257

Mink

Mink

25  152

43  961

44  740

47  508

58171

Musquash

Moschusratte

493  952

357  060

767  996

1069  183

806103

Musk-Ox

Moschus  ochs.

368

888

Qtter.Land

Landotter

8991

13  331

11  262

11  992

8  671

Otter-See

Seeotter

214

106

99

7

8

Porpoise

Delphin

5

176

323

Rabbit

Kaninchen

54  858

39  510

10  064

17  830

50  281

Racoon

Waschbär

1  695

3  883

3  336

841

194

Seal-Fur

Seehund-Pelz

403

2  073

652

404

Seal-Hair

Seehund-Haar

1  +25

16  933

9  862

3  888

1  366

Skunk

Stinktier

16i9

1  969

1  759

7  178

9  214

Swan

Schwan

1016

877

338

222

28

Welt

Wolf

s  508

3  932

6  413

2121

1577

Wolverine

Wolverene

1  302

1  426

2  095

1883

1  0i7
        <pb n="130" />
        —  129

Die  Hudsonsbay-Company  ist  noch  immer  eine  machtvolle ­
  Gesellschaft  mit  weitreichendem  Einfluss,  v.  Hesse-Wartegg
  sagt  im  Jahre  1888  von  ihr:  „Die  Hudsonsbai-Gesellschaft
  beherrscht  auch  heute  noch  den  ganzen  Handel ­
  im  Nordwesten,  obschon  sie  ihr  Privilegium  längst
an  d  ie  canadische  Regierung  verkauft  hat.”  Auch  wird
in  einem  grossen  Teile  des  Landes  noch  der  Transport
in  den  Canoes  fortgesetzt,  aber  die  Waren,  die  früher
über  York-Factory  und  Norway-House  zum  fernen  Westen ­
  befördert  wurden,  transportiert  man  jetzt  grösstenteils ­
  durch  die  Eisenbahn  von  Montreal  nach  Winnipeg,
das  ein  Hauptzentrum  für  die  nördlichen  Distrikte  ist.
Im  Sommer  befährt  ein  Dampfboot  den  Saskatchewan
und  ein  anderes  den  Winnipegsee  zum  Transport  der
Pelze.  Auf  den  Flüssen  Athabasca  und  Mackenzie  sind
drei  Dampfboote  stationiert.  Auf  diese  Weise  werden  jetzt
volle  2  000  Meilen  die  Waren  zu  Schiffe  befördert,  wo
früher  nur  das  Ruder  des  Voyageurs  die  Wege  bahnte.
Der  Schiffsverkehr  zwischen  London  und  der  Hudsonsbay
  besteht  noch  fort,  die  Ladung  enthält  nicht  nur  Felle, ­
  sondern  auch  Fische,  die  besonders  an  der  Labradorküste ­
  gefangen  werden.
Die  Company  fährt  also  fort,  einen  bedeutenden  Faktor ­
  in  der  Handelsentwicklung  Canadas  abzugebsn  und
übt  in  praxi  noch  die  Territorialrechte  in  jenem  ungeheuren ­
  Gebiet,  nördlich  des  55.  Parallels  aus,  wo  nur
wilde  Indianerstämme  hausen  und  Trapper  und  Fischer
bisher  erst  wagten,  das  Land  zu  besiedeln.
Schlussbetrachtung.
Ueberblickt  man  nun  die  Geschichte  der  Company  im
ganzen,  so  fragt  es  sich:  War  die  Politik,  die  sie  verfolgt ­
  hat,  ihr  selbst  günstig  und  welche  Bedeutung  hat
        <pb n="131" />
        —  f30  —
die  Gesellschaft  überhaupt  für  Canada  und  England  gehabt ­
  ?
Die  Hudsonsbay-Company  ist  von  Anfang  an  eine  echte ­
  Handelsgesellschaft  gewesen,  d.h.  völlig  nüchtern  und
praktisch  denkend,  ohne  ideale  Ziele  im  Auge  zu  haben,
kalt  und  vorsichtig  ihren  Vorteil  und  Nachteil  berechnend
und  sparsam  jede  Ausgabe  bis  ins  kleinste  erwägend.
Das  sind  Eigenschaften,  die  ein  guter  Kaufmann  haben ­
  muss,  wenn  er  weiterkommen  will.  Aber  die  Company ­
  war  nicht  nur  sparsam,  sondern  auch  geizig,  und
das  ist  ihr  schädlich  gewesen.
Ihr  Unternehmen  war  ein  kühnes  und  verlangte  unerschrockene, ­
  tatkräftige  Männer,  um  es  weiterzuführen.
Aber  ihre  Geschichte  hat  gezeigt,  wie  sehr  der  Geiz  ihre
Fortschritte  hemmte.  Obwohl  ihr  Gewinn  in  den  ersten
Jahren  2000/0  betrug,  war  sie  doch  zu  geizig,  um  sich
zuverlässige  Leute  für  ihren  Dienst  anzuschaffen;  und
später,  als  dies  doch  notgedrungen  geschehen  war,  konnte ­
  sie  sich  nicht  entschliessen,  ihren  Winterers  einen  Anteil ­
  am  Gewinn  zu  gönnen,  um  den  Unternehmungsgeist
zu  heben.  Auch  hier  verstand  sie  sich  erst  zu  der  Aenderung,
  als  die  äusserste  Not  dazu  zwang.  &amp;gt;
Es  ist  nun  eine  müssige  Frage,  was  geschehen  wäre,
wenn  die  Aktionäre  von  Anfang  an  eine  einsichtsvollere
Praxis  ausgeübt  hätten,  doch  das  dürfte  .sicher  sein:  ein
Lord  Douglas  wäre  1811  nicht  nötig  gewesen.
Aber  als  1821  neue  Elemente  aufgenommen  waren  und
mit  der  neuen  Verfassung  ein  andrer  Geist  die  Leute
beseelte;  da  änderte  sich  auch  die  Politik  der  Company
Von  nun  an  ist  der  weite  Blick  zu  bewundern,  mit  dem
sie  ihre  Massregeln  ergreift,  die  Tatkraft  in  der  Ausführung ­
  und  die  Ordnung  und  Einigkeit  im  Ganzen.  Jeder
erhält  das  Seine,  und  jeder  arbeitet  mit  Lust  und  Liebe
an  seinem  Teile,  —  dieser  Geist  spricht  ganz  besonders
aus  dem  Werke  Ballantynes.
        <pb n="132" />
        —  13.'  —
Prüft  man  nun  andrerseits,  welche  Bedeutung  die  Hudsonsbay-Company
  für  Canada  und  im  weitern  Sinne  für
England  gehabt  hat,  so  wäre  zunächst  zu  erwägen,  ob
die  Anklagen  ihrer  englischen  Gegner  gegen  sie  mit
Recht  erhoben  wurden.  Dabei  ist  von  vorneherein  vorauszusetzen, ­
  dass  es  den  Aktionären  zu  allen  Zeiten  durchaus
fremd  war,  in  ihrer  Korporation  eine  Einrichtung  zum
Wohle  ihres  Vaterlandes  zu  sehn,  ihnen  lag  nur  ihr  eignes ­
  Handelsinteresse  am  Herzen.  Man  hat  also  nur  zu
betrachten,  inwieweit  die  Gesellschaft  an  sich  dem  Staate
nützlich  oder  schädlich  war.
Man  forderte  von  ihr  die  Verfolgung  des  Entdeckungswerkes ­
  und  hat  sie  oft  getadelt,  dass  sie  dieser  Forderung ­
  nicht  genüge.  Zweifellos  hätte  sie  mehr  dafür  tun
und  dem  Staate  dadurch  manche  Kosten  sparen  können,
aber  deswegen  kann  man  sie  nicht  tadeln,  denn  diese
Pflicht  stand  nur  auf  dem  Papier;  sie  widersprach  ganz
dem  eigentlichen  Wesen  der  Korporation.  Es  ist  im  Gegenteil ­
  zu  bewundern,  dass  sie  neben  ihrem  Handel  noch
Zeit  fand,  in  so  ausgiebigem  Masse  der  ihr  lästigen  Pflicht
zu  genügen,  dass  die  Vorwürfe,  die  ihr  dennoch  gemacht
wurden,  niemals  für  sie  wirklich  belastend  wurden.  Jedenfalls ­
  haben  ihre  Forschungen  wichtige  und  grosse  Ergebnisse ­
  gezeitigt  und  insofern  ist  ihr  Verdienst  nicht
zu  verkennen.
Es  wurde  ferner  an  ihr  getadelt,  dass  sie  die  Mission ­
  unter  den  Indianern  nicht  nur  nicht  unterstütze,  sondern ­
  sogar  hindere. ,4 )  Das  mag  wohl  war  sein,
aber  die  Company  wusste  wohl,  dass  solche  Bestrebungen ­
  ihr  nicht  den  geringsten  Nutzen  bringen ­
  konnten,  denn  wozu  sollte  sie  den  Wilden  einen  andern ­
  Glauben  aufoktroyieren,  wenn  sie  ihnen  nicht  zugleich ­
  die  Kultur  geben  konnte,  der  dieser  Glaube  ent-7
 *)  Schon  Kapt.  Coats  sagt  S.  34  seines  Werkes:  »The  Company
is  unpardonable  in  lea*ing  such  swarms  of  Gods  people  in  the  hands
of  the  devill,«  etc.
        <pb n="133" />
        132  —

stammt.  Als  ein  Bischof  von  Rupertsland  eingeführt  wurde, ­
  da  geschah  dies  wohl  nur,  um  einerseits  den  besagten ­
  Vorwürfen  aus  dem  Wege  zu  gehn  und  andrerseits, ­
  weil  man  davon  eine  günstige  moralische  Einwirkung ­
  auf  die  eignen  Leute  erhoffte.  Offenbar  wäre  es
ganz  verfehlt,  wenn  man  den  Worten  Martins  Glauben
schenken  wollte,  der  den  „Christian  conduct”  der  Company ­
  hervorhebt. 75 )  Es  ist  aber  auch  nicht  einzusehh,
inwiefern  ihre  ablehnende  Stellung  zur  Mission  dem  Staate ­
  irgendwie  Schaden  gebracht  hätte.
Man  hat  ihr  auch  Vorwürfe  gemacht,  dass  sie  überhaupt ­
  die  Indianer  schlecht  behandle  und  besonders  durch
Verkauf  von  Spirituosen  demoralisiere.  Der  Handel  brachte ­
  aber  im  Gegenteil  eine  gute  und  loyale  Behandlung
der  Indianer  mit  sich,  |und  seit  1836  war  es  streng  verboten,
„Feuerwasser”  den  roten  Leuten  zu  verkaufen.  Das  geschah ­
  allerdings  auch  nur  im  Interesse  des  Geschäfts,
denn  man  sah  ein,  dass  der  Alkohol  die  Indianer  zur
Jagd  tu  ntüchtig  machte  und  Schlägereien  und  Streitigkeiten ­
  hervorrief,  die  gefährlich  werden  konnten.
Die  Ansicht,  dass  das  Monopol  der  Company  nationalökonomisch ­
  unvorteilhaft  gewesen  sei,  mag  etwas  Wahres ­
  für  sich  haben,  aber  dann  war  das  Monopol  eben
ein  notwendiges  Uebel;  denn  der  Pelzhandel  konnte  wirksam ­
  nur  durch  seine  Korporation  betrieben  werden,  aber
eine  Handelsgesellschaft  ohne  das  Privileg  des  Monopols
war  undenkbar.
Endlich  ist  es  ja  eine  Tatsache,  dass  der  Pelzhandel
sich  nicht  mit  der  Kolonisation  vertrug,  dass  also  die  Company ­
  der  Besiedelung  entgegenwirken  musste,  wie  sie  .es  ja
auch  tatsächlich  getan  hat,  indem  sie  Sorge  trug,  dass
über  die  Fruchtbarkeit  einzelner  ihrer  Gebiete  nichts  bekannt ­
  wurde  und  ihr  Land  ängstlich  gegen  alle  Ein-76

 )  Martin,  S.  111.
        <pb n="134" />
        —  \33  —

dringlinge  verschloss.  Aber  dabei  bleibt  auch  zu  bedenken, ­
  dass  eine  Besiedlung  schwerlich  einen  bedeutenden
Erfolg-  versprechen  konnte,  solange  nicht  Schienenweg  die
Verbindung  mit  den  Städten  jm  Osten  und  in  Amerika
herstellte.
Gegenüber  den  Anklagen  ist  es  aber  auch  verfehlt,
der  hartnäckigen  und  energischen  Politik  der  Gesellschaft
uneingeschränktes  Lob  zu  zollen,  denn  man  muss  immer ­
  bedenken,  dass  oft  die  höchsten  Diener  des  Staates
unter  ihren  Aktionären  waren  und  dass  ihr  so  ein  Haltgegeben
  war,  der  sie  befähigte,  leicht  einer  gefährlichen
Opposition  Trotz  zu  bieten.
Sollte  die  Company  dem  Staate  irgendwie  schädlich ­
  gewesen  sein,  so  verschwindet  dieser  Schade  jedenfalls ­
  völlig  vor  den  grossen  vorteilhaften  Wirkungen,
die  ihre.  Einrichtung  mit  sich  brachte.  Vor  allem  ist  es
zweifellos  ihr  Zu  danken,  wenn  England  heute  Britisch-Columbia
  und  damit  die  Verbindung  der  Ozeane  besitzt;
denn  ohne  ihr  tatkräftiges  Eingreifen  würde  dieser  Landteil ­
  den  Amerikanern  oder  Russen  zugefallen  sein.
Der  Betrieb  des  Pelzhandels  führte  dazu,  dass  das  ganze ­
  Land  in  verhältnismässig  kurzer  Zeit  im  Innern  erschlossen, ­
  geographisch  durchforscht  und  von  England
tatsächlich  besetzt  und  gegen  äussere  Angriffe  behauptet ­
  wurde.
Der  Pelzhandel  zog  einen  unternehmenden  und  kräftigen ­
  Volksschlag  gross  und  gab  allen  Einwohnern  des
Landes  eine  gesunde  und  nutzbringende  Beschäftigung,
die  Organisation  des  Ganzen  brachte  es  aber  mit  sich,
dass  die  ganze  Bevölkerung  dieses  ungeheuer  grossen
Landes  unter  eine  grosse  Aufgabe  gestellt  war;  offenbar
ein  Musterbild  eines  staatlichen  Gemeinwesens,  wie  es
wohl  einzigartig  sein  ,dürfte.  Die  loyale  Und  gerechte
Behandlung  der  Indianer  endlich  führte  dazu,  dass  diese
        <pb n="135" />
        _  J34  _

Völker  die  englische  Rasse  schätzen  lernten,  und  dass
so  der  Weg  geebnet  war  für  die  spätere  Kolonisation
unter  der  Herrschaft  der  Regierung.
Dies  ist,  kurz  betrachtet,  die  grosse  Bedeutung  der
Hudsonsbay  -  Company  für  Canada  und  für  England.  Jedenfalls ­
  ist  daraus  ersichtlich,  dass  die  Pelzhändler  in
Wirklichkeit,  wenn  la  uch  vielleicht  gegen  ihren  Willen,
waren  „the  pioneers  of  civilisation  in  the  Far-West, 7ß )
und  dass  sie  so  mithalfen  am  Aufbau  der  grossen  „Dominion ­
  of  Canada.”
1li )  Lord  Strathcona  and  Mount  Koyal,  der  heutige  Gouverneur  der
Co.  sagt  dies  in  der  Einleitung  zn  der  »Great  Campany"  von  ii.=Willson.
        <pb n="136" />
        —  135  —

Literatur.
S.  E.  Dawson,  Canada  and  New-Foundland,  London
*897.
Hind,  Narrative  ofdie  Suskatchewan-andtlie  Canadian
Red-River  Exp.,  London  1860.
P.  de  CharlevoiN,  Journal  dun  voyage  fait  par
ordre  du  roi  dans  l 1  Amerique  septentrionale,  Paris  1744.
R.  M.  Ballantyne,  Hudsonsbay,  London  f848.
B  e  ekles  Willson,  The  Great  Company,  London  1900.
J.  E.  Fitzgerald,  An  Examination  of  the  Charter  and
Proceedings  of  the  Hudsons-Bay-Co.  Lond.  1849.
Robson,  An  account  of  six  years  residente  in  Hudsons-Bay,
  London  J752.
Martin,  The  Hudsonsbay  Territories  and  Vancouvers-Island.
  London  1849.
John  Barrow,  Geography  of  Hudsons-ßay,  being  the
remarks  of  Captain  W.  Coats  .  .  Hakluyt-Society,
London  1860.
A.  Mackenzie,  Voyages  from  Montreal  through  the
Continent  of  North  America,  London  fSOf.
Nederkorn,  Dissertation  über  die  Entdeckungs-Besiedelungs*
  und  Entwicklungsgeschichte  Canadas,  Bonn
1899.
Parkin,  The  Great  Dominion—Studies  of  Canada,London
1895.
A.  Lach  mann,  Die  Pelztiere  —  ein  Handbuch  für
Kürschner  und  Rauchwarenhändler,  Leipzig  1852.
Lembcke,  Canada  Land  und  Leute,  Leipzig  J887.
        <pb n="137" />
        136  —

Hassel,  Vollständiges  Handbuch  der  neuesten  Erdebschreibung.
  Weimar  1822.
E.  v.  Hesse  Wartegg,  Kanada  und  Neufundland,
Krciburg  1888.
Beschreibung  von  Neu-Schottland,  aus  dem  Engl,
übersetzt,  Erfurt  f750.
Petermanns  Mitteilungen
Globus.
Her  Majesty's  Colonics,  London  1886.
Histoire  generale  des  Vovnges,  Paris-1757.
Henry  Hudson,  (he  Navigator,  Hakluyt-S.ociety,  London
1860.
Allgemeine  Deutsche  Biographie.
Dictionary  of  National  Biography,  London  1897.
AppletonsCyvlopuediaof  American  Biography,  New-York
1888.
J.  Bonwick,  The  British  Colonies  and  their  :esources
London  1886.
Dr.  G.  Wendt,  England,  seine  Geschichte,  Verfassung
und  staatliche  Einrichtungen,  Leipzig  1892.
Macaulay,  History  of  England.
Racke,  Englische  Geschichte.
Audubon  and  Bachmann,  Qua  Iruped.s  of  North-America,
  N.-York  1892.
Brehms  Tierleben.
Berichte  der  Senckebergischen  Naturforscher-Gesellschaft, ­
  Frankfurt  a.  M.  1900.
Dr,  Job.  L  e  u  n  i  s,  Synopsis  der  drei  Naturreiche,
Hanuovei  1883.
G.  C  u  v  i  e  r,  Regne  Animal.  Les  Mammiferes,  avec  un
Atlas,  Paris.
George  Shaw,  General  Zoology,  London  1800
        <pb n="138" />
        Thesen

1.  Die  Hudsonsbay  -  Company  verdankt  ihr  langes  Bestehn ­
  den  geographischen  Verhältnissen  des  Landes  und
dem  Einflüsse  hochgestellter  Aktionäre.
2.  Die  H.  B.  Co.  war  die  beste  Vorbereitung  auf  die
spätere  Herrschaft  Englands  über  Canada.
3.  Die  Hypothese,  welche  Prof.  Gunkel  aufstellt,(Deutsche ­
  Litt.  Zeitg.  1903  No.  50.)  dass  der  2.  Mos.  19
beschriebene  Berg  Sinai  ein  Vulkan  gewesen  sei,  ist
geologisch  nicht  annehmbar.
4.  Die  plötzliche  Abkühlung,  die  man  wahrnimmt,  wenn
vorüberziehende  Wolken  die  Sonne  bedecken,  ist  eine
Folge  der  Verdunstung.
5.  Die  Theerfarben  der  chemischen  Industrie  haben
eine  Verarmung  und  starke  Auswandrung  der  kanarischen
Inseln  zufolge  gehabt.
        <pb n="139" />
        Lebenslauf.

Ich,  August  Herkenrath,  ev.  Konfession,  bin  am  7.  April
1881  zu  Düsseldorf  als  Sohn  des  Lehrers  Aug.  Herkenrath ­
  geboren.  Ich  besuchte  das  Kgl.  Gymnasium  meiner
Vaterstadt  von  Ostern  1891  bis  Ostern  1900  und  verliess
  es  mit  dem  Reifezeugnis.  Von  Ostern  1900  bis  jetzt
studierte  ich  in  Bonn  Deutsch,  Geschichte  und  Geographie.
Meine  akademischen  Lehrer  waren  die  Herren:
Bender,  v.  Betzold,  Giemen,  Erdmann,  Frank,  Hampe,
Jaeger,  Küppers,  Litzmann,  Loeschke,  Meyer,  Philippson,
Pohlig,  Rauft.  Rein,  Ritter,  Trautmann,  Weinel,  Wilmanns.
Meinen  Lehrern  schulde  ich  vielen  Dank,  besonders
fühle  ich  mich  Herrn  Geh.  -  R.  Rein,  verpflichtet  für  die
Hülfe  und  Förderung,  die  er  mir  bei  dieser  von  ihm
angeregten  Arbeit  zuteil  werden  liess.
        <pb n="140" />
        the  scale  towards

;Oi

1  2
I  &amp;gt;

o

W
^1

&amp;gt;

o
00

03
00

&amp;gt;
00

O
CO

CD
CO

ISPIsp

I

—  21  —
.n  den  Rocky-Mountains  trifft  man  die  Rocky-M.-  Ziege
-  i  das  Rocky-  Mountainschaf  oder  Dickhorn  an,  in  den
irieebenen  die  gabelhörnige  Antilope.
Der  virginische  Hirsch  wird  noch  gejagt  in  den  mehr
glichen  Wäldern  von  Neu-Braunschweig,  Quebec  und
tario,  seltener  in  Columbia.  Hauptsächlich  in  Centralla
 da  bis  in  die  Küstenketten  von  Britisch  -  Columbia
r  -
:;iet  man  den  grossohrigen  Hirsch.
Der  amerikanische  Elk  oder  Wapitihirsch  ist  im  Os-**
  schon  ganz  ausgerottet  und  kommt  nur  noch  in  Bri-■h
  -  Columbia  vor.
ä|  tm  weitesten  verbreitet  ist  das  Elen,  dessen  franzö-;
 he  Bezeichnung  „orignal”  in  Canada  wohl  fast  ebenbekannt
  ist  wie  die  englische  „morosedeer.”  Es  wird
Neu  -  Schottland  und  Neu-Braunschweig,  im  Mackenale
  und  im  nördlichen  Columbiadistrikt  gejagt.
Das  Wald-CaFibu  ist  in  Neu  -  Schottland  jetzt  fast  ganz
gestorben,  aber  von  da.  bis  in  die  Wälder  des  Felsen--
  irges  noch  häufig  anzutreffen.  Das  Barren  -  Ground  -
*bu  bewohnt  in  starken  Herden  die  nördlichen  baum-'
 n  Ebenen  der  Barren  -  Grounds  und  Labradors.  Es
"Ungefähr  identisch  mit  dem  Rentier  von  Lappland,
fitschleder  war  immer  ein  gesuchter  Artikel  Cana-■
  Die  Indianer  verfertigten  daraus  ihre  Jagdhemden,
gins  und  Mokassins.
jf  usser  diesen  Pelztieren  ist  Canada  auch  noch  sehr
h  an  jagdbaren  Vögeln.  Auf  den  zahllosen  Seen  sieht
k  1  Enten,  Gänse,  Schwäne,  Möven,  Schnepfen,  Reiher
l -  ni.  Man  nimmt  an,  dass  alljährlich  in  dem  Gürtel
die  Hudsonsbay  an  8o  ooo  Gänse  geschossen  werden.
ie  weiten  Ebenen  sind  die  Heimat  vieler  Hühnerf.sl:
  Rebhühner,  Haselhühner,  Tauben,  die  früher  in
eheuren  Schwärmen  das  Land  bevölkerten,  sind  jetzt
J  mer  geworden.
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
