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Auszahlung  von  Werklöhnen  da  und  dort  vorgegangen  wird,  um
der  Gefahr  der  Lohnsatzkürzung  vorzubeugen,  ist  aus  der  im  Anhang ­
  II  mitgeteilten  Organisation  der  Akkordlöhnung  zu  ersehen; ­
  dort  begegnet  man  dem  zielbewussten  klaren  Bestreben,
die  aus  der  Steigerung  der  Arbeitsleistung  resultierenden  Differenzen ­
  der  Akkordarbeitserträge  gegenüber  den  durchschnittlichen
Zeitlohnsätzen  (als  welche  dort  die  ohnehin  schon  etwas  höher
gehaltenen  Akkordabschlagszahlungen  erscheinen)  einigermassen
zu  verschleiern 1 ).
Auf  der  anderen  Seite  ist  die  Arbeiterschaft  gerade  in  der
Verfolgung  desselben  Zieles  (Kampf  gegen  die  Lohnsatzkürzung)
in  das  ganz  verfehlte  Fahrwasser  der  Ca’canny-Politik  (»Hübsch
sachte  1«)  geraten,  ohne  dass,  soviel  bis  jetzt  verlautet,  die  überaus ­
  sachlichen  und  gerade  auch  vom  sozialistischen  Standpunkte
aus  ganz  logischen  Warnungen  Sidney  Webb’s  und  Bernstein’?, 2 )  dieselbe ­
  vollständig  zu  verhindern  vermocht  hätten.  Dass  das  Zurückhalten ­
  mit  der  Arbeitskraft  seitens  des  Werklöhners  keine
besonders  grossen  Hoffnungen  für  die  Zukunft  rechtfertigt,  dass
der  erfindungsreiche  Unternehmergeist  doch  immer  wieder  einen
Ausweg  findet,  um  zur  Intensivierung  der  Arbeitsleistung  seiner
Werklöhne  zu  gelangen,  wird  im  nächsten  Abschnitt  zu  zeigen  sein.
Alle  diese  Bestrebungen  erhalten  übrigens  umso  grössere  Bedeutung, ­
  als  das  Verständnis  dafür,  dass  die  Werklohnbemessungsmethode ­
  die  gerechtere,  »feinere«,  »höherstehende«  ist,  durchaus
nicht  fehlt.  Ich  hatte  in  jüngster  Zeit  Gelegenheit,  wie  ein  eingelerntes ­
  Schlagwort  die  folgende  Charakteristik  aus  dem  Munde
verschiedener  Arbeiter  zu  hören:  »Akkord  ist  ein  Mittel,  die  Arbeitskraft ­
  zu  Gunsten  des  Kapitales  auszubeuten«.  Es  steckte
immer  nur  die  Angst  vor  der  Lohnsatzkürzung  dahinter,  im  übrigen ­
  gab  man  mir  immer  zu,  dass  diese  Bemessungsmethode  weit
mehr  den  Interessen  des  Arbeiters  entspreche  als  Zeitlohnbemessung.
Wohl  eine  der  wichtigsten  Erscheinungen  im  Arbeitsverhältnisse,
  die  mit  als  eine  Folge  dieser  Herabsetzung  der  Werklohnsätze ­
  erkannt  werden  muss,  ist  die  Ausbildung  eines  neuartigen
1)  Anderseits  erstaunliche  Nachgiebigkeit  gegenüber  dem  Akkorddrücken;  vgl.
die  von  G'öhre  herausg.  »Denkwürdigkeiten«  des  Arbeiters  Fischer.  Bd.  I.,  insbes.
S.  308  ff.
2)  Vgl.  Sidney  Webb's  offenen  Brief  über  das  unten  zu  besprechende  Prämienbonussystem ­
  (deutsch  veröffentlicht  in  Bernstein’s  erwähntem  Aufsatze  Soz.  Monatshefte ­
  1902,  12.  Heft).