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Will  man  sich  das  Eingehen  der  Arbeiterschaft  auf  das  Zeitlohnprämiensystem ­
  erklären  —  und  einer  solchen  Erklärung  bebedarf ­
  es  wohl  im  Hinblicke  auf  das  bezüglich  des  Fallens  der  Lohnquote ­
  gesagte  —  so  ist  in  dieser  Mindestlohnzusicherung  jedenfalls
ein  Hauptmotiv  zu  erkennen.  Das  Wachsen  des  Zeiteinheitsverdienstes ­
  mit  steigender  Arbeitsintensität  ist  der  Unterschied
vom  reinen  Zeitlohnsystem  und  gibt  ihm  gegenüber  diesem  den
Vorzug 1 ).  Insofern  also  die  Arbeiterschaft  vom  Werklohn-  zum
Zeitlohnsystem  übergehen  will,  geht  sie  daher  einen  ganz  richtigen ­
  Weg,  wenn  sie  den  Uebergang  mit  diesem  Zeitprämiensystem ­
  annimmt.  Vielleicht  entspricht  es  den  Wünschen  einer
grossen  Vielheit  von  Arbeitern  wohl  auch  ,  wenn  dabei  der  wesentlichste ­
  Missstand  des  Zeitlohnsystems  auch  hier  zur  Geltung
kommt,  nämlich  der,  dass  der  energische,  rasche  und  geschickte
Arbeiter  im  Vergleich  zu  den  minder  tüchtigen  Arbeitern  beim
Prämiensystem  zwar  mehr  verdient,  aber  doch  um  so  schlechter
gezahlt  ist,  je  mehr  Energie,  Schnelligkeit  und  Geschicklichkeit
er  aufwendet.  Das  heisst  also  dann  tatsächlich,  mit  einer  geringen ­
  Abschwächung  gegenüber  dem  reinen  Zeitlohnsystem,  B  egünstigung
  und  Schutz  der  Leistungsschwachen
und  Förderung  des  Schlendrians,  also  gerade  dasjenige,  wogegen ­
  die  gesunde  und  logisch  konsequente  Denkweise  Bernstein's
sich  wendet.  Diesen  für  das  Zeitlohnsystem  charakteristischen
Mangel  des  Zeitprämiensystems  hat  Bernstein,  wenn  nicht  übersehen, ­
  so  doch  zu  wenig  gewürdigt,  als  er  von  diesem  schrieb:
die  Form  des  Zeitlohnes  wird  festgehalten,  aber  dem  Wesen
nach  ist  der  Lohn  bereits  Stücklohn  2 ).
Noch  entschiedener  muss  widersprochen  werden,  wenn  man,
wie  Bernstein  dies  im  selben  Zusammenhänge  zu  tun  geneigt
scheint,  auch  das  amerikanisch-englische  Zeitprämiensystem  bezeichnet ­
  als  »Lohnform,  die  in  ihren  Hauptpunkten  grosse  Aehnlichkeit
  mit  dem  Rodbertus'sehen  Werkarbeitstag  aufweist«.  Für
die  Vereinbarung  der  Schuhmacher  in  Leicester  trifft  es  vielleicht ­
  zu.  Gerade  das  eigentliche  Zeitprämiensystem  ist  aber  davon ­
  weit  entfernt.
Das  Werklohnsystem  soll  nach  der  Meinung  der  Mehrzahl
der  Unternehmer  die  Schwäche  haben,  dass  der  Arbeiter  bei
dieser  Lohnbemessung  zu  viel  verdienen  kann.  Diesem  Uebel
1)  Vgl.  oben  die  Zusammenstellung  S.  50  letzte  Spalte.
2)  Im  erwähnten  Aufsatze  in  Braun’s  Archiv,  Bd.  XVII.  S.  311.
Zeitschrift  für  die  ges.  Staatswissensch.  Ergänzungsheft  14.  C