5. Kapitel. Träger und Organe der Sozialpolitik. 65 da das Sekretariat an das städtische Arbeitsvermittlung^- und Wohnungs amt angegliedert ist, in Kaiserslautern ein Ausschuß von 11 Personen umfassend den Bürgermeister als Vorsitzenden, 5 Stadträte und 5 ebenfalls vom Stadtrat gewählte Arbeiter. Die städtischen Arbeiter sekretariate sind in der erwähnten Statistik nicht berücksichtigt. Im übrigen handelt es sich bei den deutschen Arbeitersekretariaten um Privatorgane, die entweder von den Gewerkschaftskartellen selbst oder von besonderen, teils durch das Gewerkschaftskartell und die be teiligten Vereine, teils in freier Versammlung gewählten Aufsichts kommissionen verwaltet werden. Die Unterhaltungskosten werden eben falls entweder — was die .Regel ist — von Gewerkschaftskartellen allein oder von diesen und anderen gewerkschaftlichen Organen be stritten. Bei einer kleinen Zahl sind auch parteipolitische Organisa tionen an der Deckung der Kosten beteiligt. In den meisten Fällen werden von den angeschlossenen Organisationen nach Maßgabe der Mitgliederzahl Beiträge geleistet. Vereinzelt kommen noch Zuwen dungen von Vereinen, Redaktionen und Einzelpersonen hinzu. Die Einnahmen aus Gebühren sind gering. Der allgemeine Grundsatz ist, daß die Auskünfte den Arbeitern unentgeltlich geleistet werden. Nur wenige und unbedeutende Abweichungen kommen vor. Von den 26 Sekretariaten, die auch Nichtmitgliedern der gewerkschaftlichen oder politischen Organisationen ihre Dienste leisten, haben 13 auf diese Personen die Unentgeltlichkeit ausgedehnt; eins hält die nicht- organisierten Arbeiter zu freiwilligen Beiträgen an, 6 lassen sich für schriftliche Arbeiten und Auskünfte, 3 nur für schriftliche Arbeiten — 2 auch für Zeitversäumnis bei Rechtsvertretung — von den nicht- organisierten Arbeitern geringe Gebühren zahlen. Weitere 3 erheben für Schriftsätze sowohl von organisierten wie von anderen Arbeitern Gebühren. Die Gebühren sind so niedrig, daß kein Gewinn dabei erzielt wird. Die Gesamteinnahmen sind sehr verschieden. Sie waren 1902 bei 3 Sekretariaten unter 1000 M. bei 5:1000—2000 M. bei 10:2000—5000 M., bei 6:5000—10000 M., bei 6 über 10000 M. Die Ausgaben zeigen ebenfalls große Abweichungen, je nach dem Auf wand für Besoldung des Sekretärs, für Bureauräume usw. Einige Sekretariate in 5 kleinen Orten haben nur nebenamtlich beschäftigte Sekretäre und zudem nur unzulängliche Räumlichkeiten. Meist aber sind besoldete Sekretäre im Hauptamt mit einem Gehalt von 800 bis 2500 M. jährlich angestellt; in einigen größeren Sekretariaten sind mehrere Sekretäre tätig. Mit der Auskunftserteilung verbindet sich von selbst die Anfertigung von Schriftsätzen; meist werden auch Be schwerden über Arbeiterschutzangelegenheiten an die Gewerbeaufsichts- beamten vermittelt. Eine Rechtsvertretung vor den Instanzen über nehmen einige 20 Sekretariate. van der Bokqht, Grundz. d Sozialpolitik. 5