5. Kapitel. Träger und Organe der Sozialpolitik. 67 worden sind. Immerhin muß anerkannt werden, daß derartige An gaben nur vereinzelt gemacht sind. Der sachliche Erfolg der Arbeitersekretariate könnte gesteigert werden, wenn ihnen alles fern gehalten wird, was mit ihrer eigent lichen Aufgabe des Rechtsschutzes und der Rechtsbelehrung nichts zu tun hat. Dahin gehört zunächst die Ablösung von Aufgaben, die auf einem anderen Gebiete liegen. Aus der schon erwähnten Statistik für 32 Arbeitersekretariate geht hervor, daß 13 dieser Sekretariate sich mit statistischen Erhebungen sowohl allgemeiner als auch beruflicher Art, befaßt haben, und daß es sich dabei zum Teil um umfangreiche Arbeiten gehandelt hat. Derartige Arbeiten waren bei der Errichtung des Arbei ter- sekretariates in Nürnberg, von dem die neuerliche Verbreitung dieser Ein richtungen ihren Ausgangspunkt nahm, schon mit ins Auge gefaßt. Er hebungen über Lohn- und Arbeiterverhältnisse, Lebensmittelpreise und Wohnungszustände waren u. a. als Aufgaben des Nürnberger Arbeiter sekretariates bezeichnet worden. An sich wäre es selbstverständlich un begründet, die Vornahme solcher Arbeiten durch die Arbeitersekretariate schlechthin als ungeeignet zu bezeichnen. Wenn ein Arbeitersekretariat wie das in München eine besondere Abteilung für Statistik unterhalten kann, wird es durch statistische Erhebungen in der Erfüllung seiner eigentlichen Aufgabe nicht gestört und beeinträchtigt werden. Aber die weitaus überwiegende Mehrzahl der Sekretariate ist mit Mitteln und Arbeitskräften nicht so ausgerüstet, daß ihre Tätigkeit auf dem Gebiete des Rechtsschutzes und der Rechtsbelehrung nicht durch um fangreiche Arbeiten anderer Art gestört und beengt werden sollte. Eine gewisse Selbstbeschränkung ist deshalb in der Regel durch die Verhältnisse geboten. Ein weiteres, ebenfalls bereits bei der Errichtung des Nürnberger Arbeitersekretariates in Aussicht genommenes Arbeitsgebiet, nämlich die Arbeit für Ausbreitung der Gewerkschaften und die Übernahme gewisser gewerkschaftlicher Funktionen, wird noch bei einer ganzen Reihe von Sekretariaten betrieben. Von den mehrerwähnten 32 Sekre tariaten vermittelten (1902) 18 die Aufnahme neuer Mitglieder in die Gewerkschaften, und eines besorgt auch die Erhebung der Gewerk schaf tsbeiträge und die Zustellung der Fachorgane. Die Abstreifung dieser Arbeiten empfiehlt sich für die meisten Sekretariate schon aus dem eben besprochenen Grunde. Dazu kommt noch eine andere Er- wägung. Nach Lage der Sache werden durch die Übernahme gewerk schaftlicher Arbeiten der besprochenen Art die Sekretariate bis zu gewissem Grade mit der sozialdemokratischen Organisation verknüpft. Dieser politische Beisatz kann es Unternehmern und Behörden unter Umständen erschweren, mit den Sekretariaten diejenige Fühlung zu unterhalten, die im Hinblick auf deren sachliche Aufgabe erwünscht