8 7 nicht hat an Abzehrung sterben lassen, wie es sonst hätte ge schehen müssen. Ja ihr Lebenslämpchen ist infolge ihres Eintrittes in das Syndikat noch einmal aufgeflammt. Sie bestrebten sich »ihre Anlagen technisch zu vervollkommnen und auszubauen«, tiefere Sohlen aufzusuchen und die Kohle besser zu verarbeiten 1 ). Betrachten wir dieses Streben einmal näher. Zum Abbau mit Bergeversatz (anstatt Pfeilerbau) sind die Werke im Süden allgemein nicht vorgeschritten, trotzdem er die Betriebe rentabler macht. Ferner befördert der alte Vertrag des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats das Abteufen oder das Einrichten von Förderschächten (sog. Syndikatsschächte, die uns später noch beschäftigen werden), weil die Zechen sich hierdurch eine grössere Beteiligungsziffer verschaffen konnten. Dies war ein Nachteil für die südlichen Zechen. Denn taten sie es auch, so ward relativ zur Produktion viel zu viel Kapital investiert und damit die Kohle weiter verteuert. So ist es wohl erklärlich, dass sich »die kleinen Zechen hinsichtlich Erlangung höherer Beteili gungsziffern zurückgesetzt« fühlten 2 ). Es finden sich also im Syndikat Werke mit oft nicht mo derner Technik, mit hohen Selbstkosten und mit geringen Felder- komplexen. Aber auch wenn diese Anlagen vollkommen neu zeitlich ausgerüstet sind, müssen sie mit höheren Selbstkosten arbeiten, »weil die kostspieligen, zur Erreichung der Kohlenlager stätten erforderlichen Aufschlussarbeiten sich auf eine geringere Kohlenmenge verteilen, damit wird die Lebensdauer der einzel nen Bausohlen kürzer und in viel rascherer Folge die Vorrichtung neuer Sohlen erforderlich, was wiederum die Verstärkung oder Erneuerung der Förderanlagen etc. rascher bedingt als bei Zechen mit grossem Felderbesitz« 3 ). Eine solche in wirtschaftlicher Hinsicht vernichtende Kritik, die bewusst und ostentativ auf die durch nichts zu beseitigende Unterlegenheit der südlicheren Zechen hinweist, ertönt immer stärker aus den Kreisen der unter gleichem Dache Sitzenden. Obige Ausführungen sind ja ihre eigenen Worte. Wie ist diese Härte, die im Hinweis auf die Unwirtschaft lichkeit eines Teiles der im Kartell befindlichen Betriebe liegt, zu erklären, da doch im Wesen des Kartells das Mitleid für An- 1) Kartellrundschau I. 334. 2) Kartellrundschau I. 334. 3) Jahresbericht des Bergbauvereins 1903. I. 7.