89 Anlagen eintreten zu lassen. Diese anscheinend ganz harmlose Bestimmung hat im Ruhrgebiete eine Revolution in der Beurtei lung des Syndikats hervorgerufen. Es bildete sich nämlich fol gende Technik: Die grossen Werke kauften kleinere auf, d. h. sie kauften damit deren Beteiligungsziffern. Bei kleinen Betrie ben wurde die Beteiligungsziffer ganz auf den andern grossen über tragen d. h. der kleine Betrieb wurde stillgelegt. Grössere an gekaufte Zechen behielten einen Teil ihrer Beteiligungsziffer, d. h. sie förderten in beschränktem Masse weiter 1 ). Jetzt war zuviel des Morphiums gekommen, womit jedoch, wenn auch »humaner«, derselbe Effekt wie bei brutaler Tötung in folge freier Konkurrenz erzielt ward und wird. »An die Stelle der Erdrosselung tritt der Morphiumtod.« (Brentano.) Auf diese Weise ging jetzt die Expansion der Mächtigen vor sich. Allen voran die Gelsenkirchener Bergwerks-A.-G., die Harpener Bergbau-A.-G. und die Hibernia 1 2 ). »In ihrer Produktion ist z. B. Gelsenkirchen von 4 auf 7 Millionen t. gestiegen, nicht bloss durch Entwicklung, sondern dadurch, dass es Zechen, die schon im Syndikat waren, aufgekauft hat« 3 ). Solche Erscheinungen regten natürlich die Gemüter der Be teiligten auf. Und wie so oft, so war auch hier der erste Ruf der nach dem Gesetzgeber, dem Allhelfer. Er kam und legte einen »Gesetzentwurf betreffend Abänderung der §§ 65, 156 bis 162, 207a des allgemeinen Berggesetzes vom 24. Juni 1865/92 und des dritten Abschnittes des Ausführungsgesetzes zum Reichs gesetz über die Zwangsversteigerung und die Zwangsverwaltung vom 23. September 1899« vor 4 ), die sog. Stilllegungsnovelle, die jedoch nicht Gesetz geworden ist. Die Vorschriften dieser No velle gelten nun, was nicht klar genug hervorgehoben ist, sowohl für bereits betriebene Bergwerksfelder als auch für noch nicht be triebene. Dies letzte ist die Erscheinung der sog. präventiven Stilllegung, die uns in ihrer ungeheuren volkswirtschaftlichen Be deutung später noch beschäftigen wird. 1) Jahresbericht des Bergbauvereins 1903. I. 7. 2) Vgl. Metschke, Bergbau und Industrie in Westfalen und im Ruhrgebiete der Rheinprovinz unter der Herrschaft der Caprivischen Handelsverträge. Münch. Inaug. Diss. Breslau 1905. Seite 29: Tabelle. 3) Verhandl. über das Kolilensynd. Kartellrundschau 422. 4) Drucksachen des Hauses der Abg. 20. Legislaturperiode I. Session 1904/5, Nr. 703 u. Zu Nr. 703.