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        <title>Der Steinkohlenbergbau in Preussen und das Gesetz des abnehmenden Ertrages</title>
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            <forname>Alfred</forname>
            <surname>Bosenick</surname>
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        </author>
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            <idno>876560443</idno>
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        ZEITSCHRIFT
FÜR  DIB
GESAMTE  STAATSWISSENSCHAFT
Herausgegeben  von
Dr.  K.  Bücher,
o.  Professor  an  der  Universität  Leipzig.

JErgänzungsheft  XIX.

Der
Steinkohlenbergbau
in  Preussen
und  das

Gesetz  des  abnehmenden  Ertrages.

Von

Dr.  Alfred  Bosenick.

TÜBINGEN
VERLAG  DER  H.  LAUPP’SCHEN  BUCHHANDLUNG
1906.

Preis  im  Einzelverkauf  M.  3.—••
Preis  für  die  Abonnenten  der  „Zeitschrift  für  die  gesamte  Staatstvissenschaft“
  oder  der  „Ergänzungshefte“  M.  2.50.
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        Verlag  der  ET.  L  aupp’schen  Buchhandlung  in  Tübingen.

Bernhard  Harms:
Soeben  erschien  :

Hrbeifskammern  und  Kaufmannskammern.
Gesetzliche  3nleressenperfrefungen
der  Unternehmer,  Angestellten  und  Arbeiter.
8.  1966.  80  Pfg.

Früher  erschienen:
Deutsche  Arbeitskammern.
Untersuchungen  zur  Frage  einer  gemeinsamen  gesetzlichen  Interessenvertretung ­
  der  Unternehmer  und  Arbeiter  in  Deutschland.
Gross  8.  1904.  M.  1.80.
„Die  Schrift  verdient  aktuelles  Interesse.  Bekanntlich  hat  am  30.  Jan.
1904  der  Staatssekretär  des  Innern  Graf  von  Posadowsky-Wehner  im  Reichstag ­
  in  Aussicht  gestellt,  dass  entsprechend  dem  Erlass  Kaiser  Wilhelms  vom
4.  Febr.  1890  nunmehr  die  Existenz  von  Arbeitskammern  seitens  des  Reichs
in  Erwägung  gezogen  wird,  in  denen  die  Arbeiter  Gelegenheit  haben,  ihre
Wünsche  und  Interessen  gegenüber  Arbeitgebern  und  Behörden  in  friedlicher
Weise  zu  vertreten.  Harms  schildert,  welche  Versuche  bisher  im  Auslande
auf  diesem  Gebiete  gemacht  sind,  erörtert  die  bezüglichen  Vorschläge,  die
deutscherseits  seither  empfohlen  wurden,  und  kommt  selbst  zum  Ergebnis,
dass  Arbeitskammern  am  besten  als  selbständige  Organisationen  errichtet
werden.  Wie  diese  Organisationen  im  einzelnen  durchgeführt  und  welche
Aufgaben  ihnen  zugewiesen  werden  sollen,  möge  aus  der  beachtenswerten
Schrift  selbst  entnommen  werden.“
Literarisches  Zentralblatt  für  Deutschland.  1904.  Nr.  31.

Verlag  von  J.  C.  B.  Mohr  (Paul  Siebeck)  in  Tübingen.

Bernhard  llarms:
Die
holländischen  Arbeitskammern.
Ihre  Entstehung,  Organisation  und  Wirksamkeit.
Gross  8.  1903.  M.  5.—.
„Der  Verfasser  hat  die  Tätigkeit  der  Kammern  längere  Zeit  an  Ort  und
Stelle  studiert  und  ist  dadurch  in  die  Lage  gesetzt,  ein  selbständiges  Urteil
über  sie  abzugeben  Die  Lehren,  welche  der  Verfasser  aus  den  Verhältnissen ­
  der  holländischen  Arbeitskammern  abstrahiert,  können  bei  der  eventuellen ­
  Errichtung  solcher  Kammern  in  Deutschland  gute  Dienste  leisten  “
Liter.  Mitteilungen  d.  Knnalen  d.  Deutschen  Reichs.  XVI.  Jahrg.  Nr.  5.
        <pb n="3" />
        ZEITSCH  RI  FT

FÜR  DIE  GESAMTE
STAATS  WISSENSCHAFT

In  Verbindung  mit

Oberbürgermeister  Dr  F.  ADICKES  in  Frankfurt  a./M.,  Prof.  Dr  G.  COHN  in
Göttingen,  Prof.  Dr  K.  V.  FRICKER  in  Leipzig,  Oberbürgermeister  a.  D.  Dr
v.  HACK  in  Urach,  Ober-Verw.-Ger.-Rat  Prof.  Dr  F.  v.  MARTITZ  in  Berlin,
Kaiserl.  Unterstaatssekretär  z.  D.,  Prof.  Dr  G.v.  MAYR  in  München,  Prof.  Dr  Fr.
J.  v.  NEUMANN  in  Tübingen,  Minister  d.  Innern  Dr  K.  SCHENKEL  in  Karlsruhe,
Staatsrat  Kanzler  Prof.  Dr  G.  v.  SCHÖNBERG  in  Tübingen,  Prof.  Dr  A.  VOIGT
in  Frankfurt  a.  M.,  Geh.  Reg.Rat  Prof.  Dr  A.  WAGNER  in  Berlin,  Dr  Freiherr
v.  WEICHS  bei  d.  Direkt,  d.  k.  k.  Staatsbahnen  in  Innsbruck
HERAUSGEGEBEN
VON
Dr  K.  BÜCHER
o.  Professor  an  der  Universität  Leipzig.

Ergänzungsheft  XIX.
Der  Steinkohlenbergbau  in  Preussen
und  das
Gesetz  des  abnehmenden  Ertrages.

Von
Dr.  Alfred  Bosenick.

TÜBINGEN
VERLAG  DER  H.  LAUPP’SCHEN  BUCHHANDLUNG
1906.
        <pb n="4" />
        Der

Steinkohlenbergbau
in  Preussen

und  das

Gesetz  des  abnehmenden  Ertrages.
o

Von

Dr.  Alfred  Bosenick.

TÜBINGEN
VERLAG  DER  H.  LAUPP’SCHEN  BUCHHANDLUNG.
1906.

(k
        <pb n="5" />
        Alle  Rechte  Vorbehalten.

Druck  von  H.  Lau  pp  jrin  Tübingen.
        <pb n="6" />
        —  V

Die  folgende  Abhandlung  zerfällt  in  drei  Teile,  von  denen
sich  die  beiden  ersten  in  der  Hauptsache  mit  der  Darstellung  der
tatsächlichen  Betriebsverhältnisse  des  Steinkohlenbergbaues  in
Preussen  beschäftigen  und  sowohl  die  zum  Verständnis  notwendigen ­
  technischen  Tatsachen  anführen,  als  auch  die  wirtschaftlichen ­
  Erfolge  und  ihre  Gründe  klarlegen.  Das  erste  Kapitel  handelt ­
  so  von  dem  wichtigen  Betriebszweige  der  Förderung  der  Steinkohle ­
  und  den  dabei  wirkenden  Gesetzmässigkeiten.  Im  zweiten
Kapitel  ist  über  die  mit  dem  Ausbau  der  unterirdischen  Räume
und  die  mit  dem  Niederbringen  der  Schächte  verbundene  Kapitalimmobilisation
  gesprochen.  Auf  Grund  dieser  Unterlagen  ist
dann  endlich  im  dritten  Kapitel  das  Gesetz  des  abnehmenden
Ertrages,  unter  dem  unser  Okkupationsgewerbe  die  Kohle  gewinnt, ­
  in  seinen  Wirkungen  auf  die  Gestaltung  des  technischen
und  wirtschaftlichen  Betriebes  dargestellt,  und  es  ist  gezeigt,  wie
jeweils  vorübergehend  Wirkungen  des  Gesetzes  des  abnehmenden
Ertrages  wirtschaftlich  suspendiert  sind  oder  werden  können.
        <pb n="7" />
        VII

Inhalt.
Seite
1.  Kapitel:  Ueber  die  Technik  und  die  Oekonomie  der  Förderung  .  .  i
A.  Die  Fördermaterialien  I
1.  Die  Förderwagen  i
2.  Die  Förderbahnen  2
B.  Die  einzelnen  Förderungen  3
1.  Die  Grubenförderung  3
a.  Die  Streckenförderung  4
1.  Die  Schlepper-  und  Pferdeförderung  4
2.  Die  mechanische  Streckenförderung  7
3.  Die  Lokomotivförderung  14
b.  Die  Bremsberg-  und  Bremsschachtförderung  16
II.  Die  Schachtförderung  16
III.  Die  Tagesförderung  22
2.  Kapitel:  Ueber  den  Grubenausbau  und  die  Schächte  25
I.  Der  Grubenausbau.  .  26
II.  Die  Schächte  30
3.  Kapitel:  Die  Ursachen  und  die  Wirkungen  des  Gesetzes  des  abnehmenden ­
  Ertrages  40
Analyse  der  Produktionskosten  42
I.  Einfluss  der  natürlichen  Verhältnisse  43
1.  Die  Abbauwiirdigkeit  der  Kohle  44
2.  Die  Teufengrenze  46
II.  Arbeit  47
III.  Kapital  47
Das  Gesetz  des  zunehmenden  Ertrages  47
Konzentration  des  technischen  Betriebes  60
Tatsachen  von  Produktionskosten,  Preisen  und  Gewinnen  63
Wirtschaftliche  Betriebsformen,  Geschichte  und  Theorie  .  80
Anhang:  Verhältnis  zwischen  Lohn  und  Kohlenpreis  ....  108
        <pb n="8" />
        I

Erstes  Kapitel.
Ueber  die  Technik  und  die  Oekonomie  der  Förderung.
Die  Förderung 1 )  umfasst  den  Transport  der  durch  die
Häuerarbeiten  gewonnenen  Kohle,  und  zwar  den  Transport  vom
Gewinnungsorte  bis  zu  den  oberirdischen  Weiterverarbeitungsoder ­
  Weitertransport-Einrichtungen.  Wir  wollen  zuerst  die  hierbei
verwendeten  F  ördermaterialie  n  betrachten  und  dann  die
einzelnen  Förderungen.  Bei  diesen  ergibt  sich  eine  natürliche ­
  Teilung  in  Grubenförderung  (I),  d.  h.  die  Förderung  in  der
Grube  bis  zum  sog.  Füllorte,  d.  h.  dem  unteren  Ende  des  Schachtes,
weiter  in  Schachtförderung  (II),  d.  h.  die  (senkrechte  =  saigere)
Förderung  vom  Füllorte  bis  zur  Hängebank,  dem  oberirdischen
Endpunkte  des  Schachtes,  zuletzt  in  Tagesförderung  (III),  also
dem  Abtransporte  von  der  Hängebank.
A.  Die  Fördermaterialien.
Sie  setzen  sich  zusammen  aus  den  Förderwagen  (i)  und
den  Förderbahnen  (2).
I.  Bei  geringer  Entfernung  wird  die  Kohle  mit  Handkarren
transportiert,  bei  grösserer  mit  den  sog.  Hunden  d.  h.  Förderwagen ­
  mit  Spurkranzrädern,  die  auf  Schienen  laufen.  Diese
letzteren  sind  weitaus  die  wichtigsten,  sie  sollen  daher  im  folgenden
allein  in  Betracht  gezogen  werden.  Die  Förderwagen  bestehen
teils  aus  Holz,  teils  aus  Eisen,  ihr  Gewicht  ist  verschieden.  In
Saarbrücken  schwankt  es  zwischen  265  bis  346  kg  mit  ca.  0,57
1 '  Vgl.  allgemein  z.  B.  Köhler,  Katechismus  der  Bergbaukunde  (Webers  Katechismen) ­
  4.  Abschnitt  S.  123  ff.  Sodann  für  das  Ruhrgebiet  speziell  den  V.  Bd.  des
grossen  Werkes  über  die  Entwicklung  des  niederrheinisch-westfälischen  Steinkohlenbergbaues ­
  in  der  zweiten  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts  (Berlin  bei  Springer);  zitiert
im  folgenden  als  »Entw.«.
Zeitschrift  für  die  ges.  Staatswissensch.  Ergänzungsheft  19.  I
        <pb n="9" />
        2

Kubikmeter  Inhalt 1 ).  In  Westfalen  schwankt  das  Eigengewicht
eiserner  Wagen  bei  500  kg  Nutzlast  zwischen  275  und  350  kg,
meist  beträgt  es  300  kg;  bei  600  kg  Nutzlast  steigt  das  Eigengewicht ­
  auf  350  kg.  Solch  ein  Wagen  kostet  durchschnittlich
80—110  Mk. 1  2 ).  Im  Ruhrgebiete  gehören  Wagen,  die  weniger
als  500  kg  Kohle  zu  fassen  vermögen,  zu  den  Seltenheiten.
500  kg  Nutzlast  ist  das  Normale,  55°  kg  scheint  es  zu  werden.
Ja,  auf  Zeche  Deutscher  Kaiser,  Schacht  III,  sind  schon  Wagen
mit  750  kg  Ladegewicht  im  Gebrauche.  (Bedingung  ihrer  Anwendung ­
  ist  aber,  dass  die  Strecken  geräumig  genug  sind  und  dass
sie  nicht  in  zu  starken  Druck  geraten  oder  eine  quellende  Sohle
haben).  Man  sucht  demnach  die  Nutzlast  möglichst  gross,  die
tote  Last  aber  möglichst  gering  zu  machen  und  ferner  den  Reibungskoeffizienten ­
  zu  verringern  3 ).
Die  Bauart  der  Wagen  ist  verschieden:  teils  länger,  teils
höher.  Es  ist  jedoch  für  den  Betrieb  einer  Zeche  von  Vorteil,
wenn  das  System  gleich  ist.  Im  Süden  des  Ruhrgebietes,  also
dem  ältest  gebauten  Teile,  finden  sich  sogar  noch  Wagen  aus
Holz  ohne  Spurkranzräder  (sog.  deutsches  System).  Bezeichnend
ist,  dass  die  Förderung  dieser  Zechen  aber  auch  nur  im  Landdebit ­
  4 )  Absatz  findet.  Was  die  Zahl  der  zur  Förderung  notwendigen ­
  Wagen  anlangt,  so  sei  bemerkt,  dass  man  bei  einer  täglichen ­
  Doppelschicht  im  Durchschnitt  auf  je  1  t  Förderung  unter
normalen  Verhältnissen  einen  Förderwagen  rechnet 2 ).
2.  Das  Material  der  Förderbahnen  ist  heute  fast  allgemein ­
  die  Stahlschiene  in  verschiedenen  Profilen.  Die  Schwellen
sind  zum  grossen  Teile  noch  aus  Holz,  das  namentlich  bei  Pferdeförderung ­
  manche  Vorteile  hat.  Vielleicht  wird  auch  hier,  wenn
einmal  die  mechanische  Streckenförderung  verbreiteter  ist,  der
Stahl  den  Siegeszug  antreten.  Die  Anlage  der  Bahn  hat  sich
1)  Köhler,  Kat.  126.  2)  Entw.  Bd.  V,  30.
3)  Vgl.  den  Aufsatz:  »Ueber  Förderung  auf  annähernd  horizontaler  und  auf  geneigter ­
  Bahn  abwärts«  in  der  amtlichen  Zeitschrift  für  das  Berg-,  Hütten-  und  Salinenwesen ­
  im  Preussisclien  Staate  (im  folgenden  zitiert  als  »Preuss.  Zeitschr.«)  Jahrg.
1S89.  Zur  Verringerung  des  Reibungskoeffizienten  dient  das  Schmieren.  Köhler  (Kat.
129)  hält  es  bei  zäher  Schmiere  pro  Schicht  mindestens  einmal  für  nötig.  Das  Streben,
an  diesem  Material  (Schmierverbrauch  z.  B.  pro  t  Saarkohle  1871:  0,27  kg,  187$:
0,58  kg,  1889/90:  0,28  kg)  und  an  der  bei  der  Förderung  ganz  besonders  kostbaren
Zeit  zu  sparen,  hat  zur  Anschaffung  von  Patentachsen  geführt,  die,  einmal  gefüllt,
4—8  Wochen  anhalten.
4)  Entw.  Bd.  V.  5.
        <pb n="10" />
        3

*

I

natürlich  nach  der  Neigung  und  der  Richtung  (ob  gerade  oder
gebogen)  der  Strecken  zu  richten.  Die  Bahnen  sind  einspurig
oder  doppelspurig,  sie  sind  mit  Weichen  und  Wechseln  versehen,
deren  Anlage  lokale  Verhältnisse  bedingen.  Schwere  Sorgen
und  grosse  Reparaturkosten  verursacht  bei  den  Grubenbahnen
ein  etwa  vorhandenes  quellendes  Sohlengebirge.  Was  die  A  nlage
  kosten  von  Förderbahnen  anlangt,  so  teileich  aus  einer
Reihe  von  für  das  Ruhrgebiet  genannten  Zahlen  jeweils  das  Maximum ­
  und  das  Minimum  mit 1 ).  Es  betrugen  nämlich  die  Kosten
pro  laufenden  Meter  in  M.,  und  zwar  für

Schienenmaterial ­


sonstiges
Eisenzeug

Schwellen ­


Löhne

Summe

bei  doppelspuri

gerSch

ienenbah

n  :

auf  Zeche  Hibernia  und  Amalie  7,00

0,44

1,84

1,50

u,55

»  »  Gneisenau  3)86

0,16

0,57

0,60

5,19

bei  einspurige

r  Schienenbahn:

auf  Zeche  Konsolidation  1,90

0,05

0,78

o,35

3,o8

»  »  Eintracht  Tfb.  0,92

0,06

0,25

0,50

1,73

Wir  betrachten  jetzt
B.  die  einzelnen  Förderungen
und  zwar
I.  die  Grubenförderung.
Ich  will  mich  hierbei  nicht  beschäftigen  mit  der  sog.  tragenden ­
  Förderung,  die  an  solchen  Stellen  stattfindet,  an  denen
man  nicht  einmal  mit  der  Schaufel  hantieren  kann;  auch  nicht
mit  der  sog.  schleppenden,  die  mit  Schlitten  in  wenig
mächtigen  Flötzen  stattfindet.  Beide  spielen  eine  untergeordnete
Rolle  gegen  die  sog.  rollende  Förderung,  deren  Material  eben
geschildert  ist.  Nach  der  Neigung  der  Strecken  unterscheidet
man  bei  der  Grubenförderung  einmal  die  Streckenförderung  (a),
d.  h.  die  Bahnen  sind  annähernd  horizontal,  sodann  die  Förderungen ­
  bei  starkem  Flötzfallen,  hier  besonders  die  sog.  Bremsberg- ­
  und  Bremsschachtförderung  (b).
a.  Die  Streckenförderung.
Bei  dieser  Förderung  ist  nach  den  Förder  k  r  ä  f  t  e  n  auseinanderzuhalten ­
  :  i.  die  Schlepper-  und  Pferdeförderung,  2.  die  me-1)

  Entw.  Bd.  V.  35.
        <pb n="11" />
        4

chanische  Streckenförderung,  3.  die  Lokomotivförderung  (unterirdische). ­

I.  Die  Schlepper-  und  Pferdeförderung.
Die  Schlepperförderung  besteht  darin,  dass  man  die  Kraft
des  Menschen  zum  Stossen  oder  Ziehen  benutzt.  Hierbei  hat
die  Erfahrung  gezeigt,  »dass  die  beste  Leistung  dann  erzielt
wird,  wenn  man  die  menschliche  (und  tierische)  Arbeitskraft
nicht  bis  zur  Erschöpfung  in  Anspruch  nimmt,  und  dass  eine
grössere  Anstrengung  stets  mit  einer  geringeren  wechseln  soll«  x ).
Infolgedessen  hat  man  sog.  Wechsel  errichtet.  Auf  der  Gräfin
Lauragrube  in  Oberschlesien  wurden  z.  B.  die  Wechsel  für  die
Füller  auf  77  m,  für  die  Wagenstösser  auf  165  m  und  für  Pferde
auf  455  m  festgesetzt.  Das  Resultat  war  eine  Vermehrung  der
Leistung  um  80—100%  x ).  Nun  wurden  die  Strecken  länger  und
man  brauchte  gerade  zu  Zeiten  einer  intensiven  Hausseförderung
mehr  Menschen.  Aber  eben  dann  war  auch  der  Preis  der  Arbeitskraft ­
  teuer,  oft  war  Arbeitermangel  vorhanden  oder  das
Feiern  einiger  Schlepper  rief  Betriebshemmungen  hervor.  Man
kann  allerdings  durch  bessere  Organisation  der  Schlepperarbeit
(indem  man  z.  B.  die  Schlepper  zu  einer  Kameradschaft  vereinigt,
also  Arbeitsteilung  einführt) 1  2 ),  die  Leistungen  bei  der  Förderung ­
  erhöhen,  wie  das  Beispiel  der  Kons.  Fuchsgrube  in  Waldenburg ­
  (1883)  zeigt 3 ).  Auch  die  zweckmässige  Herstellung  und
vorzügliche  Erhaltung  des  Transportmaterials  trägt  dazu  bei.
Aber  die  Ausdehnung  der  Grubenstrecken  und  die  Menge  der
Förderung  drängte  die  Anwendung  der  Menschenkraft  doch  zurück. ­
  So  finden  wir  im  Ruhrgebiete  nur  noch  in  den  Abbaustrecken
  fast  durchweg  Schlepperförderung.  Jedoch  haben  diese
Schlepper,  die  ins  Gedinge  der  Kohlenhauer  eingeschlossen  sind,
noch  andere  Aufgaben:  Kohleneinladen,  Bergeversatz  u.  a.  Man
weiss  oft  nicht,  was  Haupt-  was  Nebenbeschäftigung  ist.  In  den
Hauptförder  strecken  dagegen  ist  die  Schlepperförderung  fast
bedeutungslos,  es  sei  denn,  dass  eine  unregelmässige  oder  ge-1)

  Köhler-,  Kat.  136.
2)  Arbeitsteilung  bedeutet  die  Vereinigung  der  Schlepper  zu  einer  Kameradschaft ­
  insofern,  als  der  Schlepper  jetzt  nicht  mehr  zur  Aushilfe  z.  B.  bei  der  Kohlengewinnung ­
  benutzt  wird,  sondern  nur  noch  mit  der  Förderung  zu  tun  hat.
3)  Vogel,  Ueber  den  Ersatz  der  Pferde  bei  der  unterirdischen  Streckenförderung
ausgedehnter  Bergwerke.  Preuss.  Zeitschr.  1883.  S.  399  ff.
        <pb n="12" />
        5

ringe  Förderung  bestehe.  Die  Masse  der  Kohlen  und  die  Länge
der  Wege  brachte  zuerst  die  Pferdeförderung,  dann  seit  etwa  den
letzten  io  Jahren  vielerorts  eine  der  unter  2  zu  behandelnden
mechanischen  Förderungen.  Zu  diesen  Gründen  tritt  noch  hinzu
der  Einfluss  der  Preise,  die  für  die  Ueberlassung  der  Nutzung
der  Kräfte  der  Pferde  oder  Menschen  gezahlt  werden  mussten.
Im  Ruhrgebiete  trat  die  Pferdeförderung  im  Anfänge
der  1850er  Jahre  an  die  Stelle  der  menschlichen:  der  Grossbebetrieb ­
  erwachte.  Im  Jahre  1899  befanden  sich  in  der  Hauptförderschicht ­
  4259  Pferde  unter  Tage;  da  heute  fast  überall  2
Förderschichten  vorhanden  sind,  hat  man  also  mit  7—8000  Pferden ­
  unter  Tage  zu  rechnen 1 ).  In  den  letzten  Jahren  fällt  die
Zahl  etwas,  da  die  mechanische  Kraft  mehr  benutzt  wird.  Die
uns  interessierenden  Leistungen  der  Pferde  sind  für  verschiedene
Gruben  bekannt.  Sie  sind  sehr  verschieden 2 ).  Sie  schwanken
pro  Förderschicht  zwischen  16,41  Tonnenkilometer  (Grube  Zollern)
und  54,74  tkm  (Schacht  Emscher).  Die  Kosten  stehen  im
umgekehrten  Verhältnis,  sie  betragen  nämlich  34,60-bez.  13,04  Pf.
pro  tkm.  Einmal  liegt  dies  an  der  relativ  geringen  Förderung
auf  kurze  Strecken,  sodann  aber  bringt  in  diese  Förderung  der  Faktor
»lokale  Verhältnisse«  ein  unsicheres  Moment  hinein.  Niedrige
Strecken,  quellendes  Liegende,  Niveauveränderungen  der  Förderbahn, ­
  viele  Anschlagpunkte,  schlechter  Zustand  der  Schienenwege ­
  und  der  Wagen  erhöhen  allgemein  die  Kosten.  Als  Durchschnitt ­
  rechnet  man  bei  der  Pferdeförderung  im  Ruhrbezirke  21  bis
22  Pf.  pro  tkm.
Nach  diesen  Andeutungen  wollen  wir  die  Geschichte  einer
Pferdeförderung  durch  mehrere  Jahre  hindurch  verfolgen.  Der
Zusammenhang  zwischen  Leistungen  und  Kosten
wird  uns  wichtige  Aufschlüsse  erteilen.  (S.  Tabelle  S.  6.)
Betrachten  wir  die  Leistungen,  so  sehen  wir,  dass  mit
der  Zunahme  der  Tonnenzahl  und  der  Länge  der  Förderwege
die  im  Jahr  (=  300  Arbeitstagen)  geleisteten  tkm  auf  Grund  einer
grösseren  Anzahl  Pferde  natürlich  gestiegen  sind.  Der  absoluten  Zunahme ­
  steht  aber  eine  relative  (=  pro  Pferd  und  Schicht)  Abnahme
der  Leistung  bei  zunehmender  Menge  und  Länge  entgegen  s ).
1)  Entw.  Bd.  V.  44.  2)  Entw.  Bd.  V.  51  f.
3)  Unser  Beispiel  zeigt  natürlich  keine  Regelmässigkeit  in  dieser  Erscheinung,  da
im  Zusammenhänge  mit  Konjunktur  etc.  eine  wechselnde  intensive  Ausnützung  des
Pferdematerials  stattgefunden  haben  wird.
        <pb n="13" />
        Kölner  Bergwerksverein,  Schacht  Emscher  1 ).

Leistung  bei

Pferdefö

r  d  e  r  11  n  g,

Anzahl
der  Pferc

T  PMcHvncr

Mittlere  Länge

Geleistete  tkm  Leistung  pro

Jahr

ie  in  t

der

Wege  in
m

bei  300  Arbeitstagen ­


Pferd  u.Schicht
tkm

1884

6

140  104

780

109  245

60,69

1885

5

130  662

831

108  589

72,39

1886

5

102  826

861

88  580

59,05

1887

6

110  322

955

105  345

58,52

1888

?

127  401

1013

129  078

—

1889

?

132  446

1052

139  399

—

1890

11

139  575

r  107

154  473

46,81

1S91

11

150  334

1123

168  820

5LI5

1892

13

141810

1136

161  028

41,28

1893

?

162187

1125

182  546

—

1894

14

152  367

1114

169  770

40,42

1895

17

200  081

1138

227  604

44,62
60,46

1896

16

262  139

1338

290  226

1897

22

290  595

1369

33 1  592

50,24

1S98

22

307  484

1401

361  277

54,74

Kosten

pro  t

km  in  Pfennigen.

Amortisation ­


Löhne

Geschirr

Arznei

Jahr

Fourage

StallPferde ­

 ­

  Reparaund ­

  Huf-  Sa.

knecht

treiber

turen

beschlag

1884

4,45

0,98

0,85

2,65

0,40

0,21

9,54

1885

4,20

o,99

o,8S

2,45

o,39

0,17

9,08

1886

4,73

1,22

1,07

2,56

0,60

0,22

10,40

1887

4,21

1,29

0,92

2,68

0,28

0,19

9,57

1888

4,46

o,74

o,73

2,86

o,37

0,22

9,38

I  889

5,56

0,69

0,78

3,78

0,74

0,20

11,75

I  890

5,2°

0,62

0,82

4,05

0,84

0,22

11,75

1  891

5,74

1,18

o,79

3,98

0,66

0,26

12,61

I  892

6,54

1,49

0,78

3,80

0,71

0,32

13,64

1893

5,8i

J,3 1  2

0,62

3,45

o,59

0,29

12,08

1894

6,50

1,42

0,78

2,92

o,59

0,30

12,51

1895

5,0°

1,05

0,84

3,40

0,76

0,25

11,30

I  896

4,29

1,25

0,82

3,65

o,79

0,24

11,04

1897

5,07

1,81

o,77

3,51

0,76

0,24

12,16

1898

5,65

1,66

o,74

4,08

0,64

0,27

13,04

Was  die

Kosten

2 )  der

Pferdeförderung  anlangt,

so  sehen

wir,  dass  sie  (in  Pf.  pro  tkm)  bei  Fourage,  bei  Geschirr  und  Reparaturen, ­

  bei  Arznei  und  Hufbeschlag  wenig  gestiegen  sind.
Was  aber  in  die  Augen  fällt  ist  das  starke  Steigen  der  Löhne
der  Pferdetreiber  bei  gleichzeitiger  Verringerung  der  Schicht-1)
  Entw.  Bd.  V.  53.
2)  In  diesen  Kosten  sind  noch  nicht  enthalten  die  Aufseherlöhne  und  die  Kosten ­
  für  Reinigen  und  Instandhalten  der  Strecken.  Die  Aufsicht  würde  in  Westfalen
(auf  5  Pferde  1  Aufseher  mit  3,50—4  M.)  pro  I  tkm  1,5  Pf.  kosten,  das  Reinigen
und  Instandhalten  der  Strecken  bei  Pferdeförderung  pro  tkm  0,2—2,5  Pf.  (1,5  Pf.  im
Durchschnitt).  Vgl.  Entw.  Bd.  V.  53.
        <pb n="14" />
        7

pferdeleistung.  Die  Veränderung  in  der  Amortisationsquote  rührt
daher,  dass  jetzt  pro  Pferd  und  Jahr  272  M.,  früher  nur  180  M.
gerechnet  worden  sind.  Die  Löhne  machen  also  etwa  30%  des  tkm-Satzes
  aus.  Sie  schwanken  lokal.  Um  ihren  relativen  Anteil  zu  verringern, ­
  hat  man  die  Anzahl  der  Wagen,  die  ein  Pferdetreiber  in
einem  Pferdezug  begleitet,  zu  erhöhen  versucht,  indem  man  2
Pferde  hintereinander  davor  spannte.  Aber  dies  verursacht  ziemliche ­
  Schwierigkeiten  beim  Umspannen  und  Begegnen.
Wir  sehen  demnach,  wie  die  Pferdeförderung  sich  nur  für
eine  gewisse  Stufe  der  Menge  und  der  Länge  der  Förderung
eignet,  wie  aber  dann—jedoch  unter  Berücksichtigung  des  Faktors ­
  »lokale  Verhältnisse«  —  sich  die  Tendenz  der  abnehmenden ­
  Leistung  bei  zunehmenden  Kosten  zeigt.
2.  Die  mechanische  Streckenförderung 1 ).
Das  eben  Gesagte  gibt  die  Gründe  an,  die  zur  Einführung
der  mechanischen  Streckenförderung  drängten.  Das  Wesen  dieser ­
  Forderung  besteht  darin,  dass  eine  feststehende.  Antriebsmaschiene
  vermittelst  eines  Zugsmittels  (Seil  oder  Kette)  die  Förderwagen ­
  in  den  Strecken  bewegt,  also  die  vollen  zum  Füllorte
die  leeren  zu  den  Abbauen.  Dieses  Problem  hat  dem  Techniker
viele  schwierige  Aufgaben  gestellt,  die  heute  meistens  gelöst  sind.
Worüber  aber  im  Kreise  der  Interessenten  debattiert  wird,  ist  die
Frage  der  Wirtschaftlichkeit  solcher  Anlagen  die  manche  für  »Sport«
zu  erklären  versuchen.  Damit  wir  zu  einem  Resultate  kommen,
wollen  wir  uns  bei  den  folgenden  Beispielen  aus  verschiedenen
Gegenden  genau  die  konkreten  Verhältnisse  dieser  Förderungen
ansehen.  Wir  wollen  uns  also  vor  Allgemeinheiten  hüten,  was
jedoch  der  Bestimmtheit  der  zu  ziehenden  Schlüsse  keinen  Abbruch ­
  tun  soll.
In  England 1  2 )  herrschte  schon  sehr  früh  das  Bestreben,  die
Verwendung  von  Menschen-  und  Tierkräften  bei  der  Förderung
auf  das  geringste  Mass  zu  beschränken,  hervorgerufen  durch  die
grösseren  Fördermengen  und  die  grösseren  Förderlängen.  Eng-1)

  Will  man  diese  mechanische  Streckenförderung  und  die  Pferdeförderung  bezüglich ­
  ihrer  Kosten  vergleichen,  so  muss  man  gleiche  Strecken  zugrunde  legen.
Da  nämlich  die  maschinelle  Streckenförderung  die  für  sie  geeignetsten  Strecken  besetzt, ­
  so  erhöhen  sich  bei  ihrer  Einführung  die  Kosten  für  die  Pferdeförderung  oft
absolut,  soweit  diese  jetzt  in  für  sie  nicht  so  günstige  Strecken  verbannt  wird.
2)  Vgl.  Nasse  in  seinen  »Notizen«  in  der  Preuss.  Zeitschr.  1891.  S.  308  f.
        <pb n="15" />
        8

land  hat  jedoch  einen  natürlichen  Vorteil,  der  sich  auch  hier  geltend ­
  macht:  die  Flötze  sind  flach  gelagert.  Nicht  ungewöhnlich
sind  Längen  von  3—6  km.  Die  Resultate  sind  sehr  günstig,  betragen ­
  doch  z.  B.  auf  einem  Werke  bei  einer  täglichen  Leistung
von  330  t  die  Kosten  für  eine  Tonne  und  eine  Meile  einschl.
Amortisation
bei  Schlepperförderung  ca.  34  Pf.
bei  Pferdeförderung  »  21  »
bei  elektrischer  Förderung  »  17  »

In  Deutschland  sei  zuerst  das  Saargebiet  betrachtet.
Auf  der  staatlichen  Steinkohlengrube  Von-der-Heydt*•)  genügte ­
  die  bis  dahin  benutzte  Seilförderung  den  hohen  Ansprüchen
nicht  mehr,  bezw.  bei  der  erforderlichen  grösseren  Geschwindigkeit ­
  nur  bei  Gefahr  von  Entgleisungen  und  damit  für  das  Leben
der  Bedienungsmannschaften.  Man  schritt  zur  Anlage  einer
Kettenförderung.  Rechnungen  ergaben,  dass  das  Anlagekapital
bereits  nach  7  Jahren  durch  Betriebsersparnisse  gedeckt  sei.
Einer  andern  Quelle 1  2 ),  die  sich  sehr  eingehend  mit  den
Förderanlagen  auf  derselben  Grube  beschäftigt,  entnehme  ich
einige  typische  Zahlen.  Es  betrugen  die  Förderkosten  für
IOO  Ztr.

100  m

in  Pfg.:

Bei  Seilförderung  Bei  Kettenförde-  Bei  Kettenförderung

in

rung  a.  d.  Halde

im  Burbachstollen

Bei  der

Krug-Lanrpen-





mit

ohne

mit

Pferdeförderung

schacht

nest

Kettenkosten

Kettenkosten

1872

3,86

3,45

6,11

6,13

1,96  (1875)  2,27

io,57

1880

2,00

2,16

2,84

2,97

1,41

1,60

10,00

Hier  sehen  wir,  wie  im  Gegensatz  zu  der  unter  1  behandelten
Pferdeförderung  und  wie  auch  der  hier  angeführte  Einheitssatz
von  etwa  10  Pfg.  zeigt,  die  Kosten,  auf  die  Einheit  bezogen, ­
  beträchtlich  gesunken  sind.  Sehr  günstig  ist
das  Resultat  bei  der  Kettenförderung  im  Burbachstollen.  Die
Seilförderung  hat  relativ  ungünstig  gearbeitet,  sie  ist  nicht  die
Förderung  des  Saargebietes,  das  im  Gegensatz  zum  Ruhrgebiete
die  Kette  als  Zugmittel  bevorzugt.
Neben  dem  Fallen  der  relativen  Betriebskosten  findet  sich

1)  E.  Braun,  Die  Kettenförderung  im  Von-der-Heydt-Stollen  der  Königlichen
Steinkohlengrube  Von-der-Heydt  bei  Saarbrücken.  Preuss.  Zeitschr,  1891.  B.  1  ff.
2)  Vollert,  Die  Seil-  und  Kettenförderungsanlagen  der  kgl.  Steinkohlengrube
Von-der-Heydt  bei  Saarbrücken  in  Bd.  30  der  Preuss.  Zeitschr.
        <pb n="16" />
        9

oft  auch  ein  Fallen  der  absoluten  (Zeit  hier  1871—1880).  Ich
greife  ein  Beispiel  heraus:  die  Seilförderung  nach  den  Krugschächten. ­
  Hier  finden  wir

im  Jahre
1871
1880

ein  gefördertes  Quantum
Ztr.  1000  m-Z.
3  210  900  6  561  728
5025700  8895489

Betriebskosten
in  M.

eine  Förderlänge
in  m

20561  2180  bezw.  1740
17831  1740

Diese  Seilförderung  ist  infolge  von  Kurven  und  Niveaudifferenzen ­
  besonders  schwierig.  Die  Gründe  des  Fallens  geben
folgende  Sätze.  »Die  wesentliche  Ersparnis  in  den  Anschlägerund ­
  Zugführerlöhnen  ist  hauptsächlich  einer  stetig  zunehmenden
Gewandtheit  dieser  Arbeiter  zuzuschreiben,  welche  gestattet,  die
relative  Anzahl  derselben  zu  vermindern.  Die  Verringerung  der
Ausgaben  für  Löhne,  Material  und  Kohlen  beim  Maschinenbetriebe ­
  zeugt  ebenso  wie  der  geringere  Seilverschleiss  dafür,  dass
die  zahlreichen  Erfahrungen,  welche  während  eines  Jahrzehntes
im  Betriebe  gemacht  wurden,  zu  mancher  Verbesserung  der  ursprünglichen ­
  Einrichtungen  führten.«
In  Oberschlesien  ist  man  verhältnismässig  spät  der
maschinellen  Streckenförderung  näher  getreten  1 ).  Trotz  günstiger
Versuche  trat  man  erst  Ende  der  1880er  Jahre  lebhafter  dafür
ein.  Warum  suchte  man  »die  seit  Jahrzehnten  beliebte«  Schlepper- ­
  und  Pferdeförderung  zu  verdrängen  ?  Die  Gründe  werden
uns  nicht  mehr  überraschen.  Man  hatte  einmal  genügend  Förderleute, ­
  deren  Lohn  nicht  zu  hoch  war.  Aus  Oesterreich  und
Russland  kam  ferner  billiges  Pferdematerial.  Ganz  besonders
aber  trug  zu  jener  »Beliebtheit«  bei,  dass  die  P'örderlängen  nicht
allzu  bedeutend  waren;  sie  blieben  es  lange  Zeit,  »da  man  bei
der  geringen  Teufe  der  Flötze  lieber  einen  neuen  Förderschacht
abteufte,  als  dass  man  die  Förderlänge  zu  gross  werden  liess.«
Doch  dies  änderte  sich.  Die  obere  Sohle  ist  abgebaut,  und  so
wächst  die  Teufe  der  Schächte,  und  damit,  wie  das  folgende
Kapitel  zeigt,  auch  das  Anlagekapital.  Hiezu  kamen  hohe  Grundund
  Bodenpreise.  Auch  der  P'ördermann  meldete  sich,  besonders ­
  1889.  Sein  Lohn  stieg.  Weiter  stiegen  die  Preise  für  Pferdematerial. ­
  Da  nun  Oberschlesien  von  grossen  Konsumtionszentren
entfernt  liegt,  die  hohe  Fracht  aber  preiserhöhend  wirkt,  so
musste  man,  falls  man  nicht  niederkonkurriert  werden  wollte,  die
1)  Vgl.  Heimann,  Die  maschinellen  Streckenförderungen  auf  den  oberschlesischen
Steinkohlengruben.  Preuss.  Zeitschr.  1900.  B.  18  f.
        <pb n="17" />
        IO

Produktionskosten  zu  Hause  drücken.  Ein  Mittel  hierzu  war  die
Einführung  der  maschinellen  Streckenförderung.
Von  einigen  Seil  förderungen  z.  B.  hatte  die  Grube  Hedwigswunsch ­
  1897  —  8  mit  14,7  Pf.  pro  tkm.  das  ungünstigste
Resultat.  Hier  sind  nämlich  zahlreiche  Krümmungen  und  grosse
Höhendifferenzen  zu  durchfahren.  So  kam  es,  dass  bei  29027  M.
Anlagekosten  (Maschinen,  Dampf,  Signale  u.  s.  w.)  und  bei
5280  M.  Seilkosten  die  Betriebskosten  vom  1.  November  1897
bis  31.  Oktober  1898  28452  M.  (Löhne,  Material,  Reparaturen,
Seilverschleiss,  io°/ 0  Amortisation  des  Anlagekapitals)  ausmachten.
Andere  günstigere  Resultate  waren  5,3  Pf.  pro  tkm  im  Ostfelde ­
  der  Königin-Luise-Grube;  7,5  Pf.  pro  tkm  auf  der  Kons.
Florentine-Grube  und  1,96  Pf.  pro  tkm  im  Westfelde  der
Königin-Luise-Grube.  Das  letzte  ausserordentlich  günstige  Resultat ­
  ist  einmal  in  der  guten  Beschaffenheit  und  Geeignetheit  der
Förderstrecken  zu  suchen,  sodann  aber  darin,  dass  die  Anlage,
»so  gut  wie  vollständig«  ausgenutzt  wurde.
Im  Ruhrbezirke  ging  man  erst  im  letzten  Jahrzehnte
des  vorigen  Jahrhunderts  x )  dazu  über,  bei  der  Grubenförderung
die  organisch  erzeugte  Kraft  in  ausgedehnterem  Masse  durch  die
mechanische  zu  ersetzen.  Es  dürfte  von  Interesse  sein,  dem  das
entsprechende  Jahr  1850  in  England  und  1862  im  Saarbrückenschen
  entgegenzusetzen.  Nun  weisen  die  Berichte  unter  den
Gründen  des  langen  Festhaltens  an  der  »bewährten«  Pferdeförderung ­
  den  Einfluss  des  »Herkommens«  von  sich.  Man  begründet ­
  es  vielmehr  mit  den  zahlreichen  Kurven  in  den  Strecken,
ja  selbst  in  den  Querschlägen  und  mit  dem  gebrächen  und
quellenden  Gestein.  Als  Gründe  für  Einführung  der  mechanischen
Förderung  werden  angeführt:  die  Lasten  der  sozialpolitischen
Gesetzgebung 1  2 )  und  der  in  den  Betrieb  oft  tief  eingreifenden
Bergpolizei-Vorschriften;  der  hohe  Lohn  (besonders  seit  1889)
der  Schlepper  und  Pferdeführer;  endlich  die  Krankheiten  der
1)  Vgl.  Entw.  Bd.  V.  56  f.
2)  Hieran  ist  richtig,  dass  die  pro  Kopf  der  Belegschaft  steigenden  Kosten
der  sozialpolitischen  Gesetzgebung  ein  Teurerwerden  der  menschlichen  Arbeitskraft
bedeuten,  also  in  verstärktem  Masse  zu  ihrer  Ersetzung  beitragen.  Inwieweit  diese
Kosten  jedoch  eine  »Last«  bilden,  lässt  sich  durch  Berechnung  pro  Kopf  nicht  erledigen ­
  ,  sondern  nur  durch  Berechnung  pro  Tonne  Förderung.  Diese  letzte
richtige  Methode  ist  jedoch  nicht  sehr  beliebt,  denn  sie  ergibt  nur  kleinere  Beträge,
denen,  wie  z.  B.  weiter  unten  für  das  Saargebiet  gezeigt  ist,  wachsende  Ueberschüsse
auch  pro  Tonne  gegenüber  stehen.
        <pb n="18" />
        Grubenpferde  (Rotz).  So  kam  es,  dass  von  1889  bis  1898  71  Neuanlagen ­
  errichtet  wurden,  die  die  Hauptbedingung  erfüllten,  nämlich ­
  die  Möglichkeit,  Kurven  zu  durchfahren,  ohne  die  Wagen  vom
Zugmittel  lösen  zu  müssen.  Sonst  wären  ja  an  jeder  Kurve
2  Arbeiter  erforderlich.  Im  Jahre  1898  betrug  die  Bahnlänge  im
Ruhrgebiete  83  119  m,  davon  als  Maximum  2680  m  im  Schacht  II
der  Zeche  Zentrum.  Bahnlängen  von  weniger  als  1000  m  sind
wenige  vorhanden,  die  meisten  schwanken  zwischen  1000  bis
2000  m  x ).
Die  Geschwindigkeit  bei  der  Streckenförderung  beträgt  0,5
bis  1,0  m  pro  Sekunde.
Nach  der  geforderten  Geschwindigkeit  aber,  sowie  nach  der
Fördermenge  und  der  Länge  der  Strecken  und  den  bekannten
lokalen  Faktoren  muss  sich  die  Stärke  der  Antriebs  mas
  c  h  i  n  e  n  2 )  für  die  unterirdischen  Förderungen  richten.
Im  Ruhrgebiete  sind  Maschinen  mit  20  und  30  P.S.  am  gebräuchlichsten. ­
  Bei  kleinen  Betrieben  kommen  solche  bis  zu  7  P.S.
vor;  Maschinen,  die  mehrere  Antriebe  zu  bewegen  haben,  haben
bis  zu  60  P.S.  Als  Betriebskraft  verwendet  man  Dampf,  Pressluft, ­
  Elektrizität  und  Druckwasser.  In  Westfalen  wurden  42  Seilförderungen ­
  betrieben,  davon  11  mit  Dampf,  21  mit  Luft,  8  elektrisch ­
  und  2  mit  Druckwasser.  Die  Verwendung  der  Elektrizität,
über  deren  Einfluss  später  noch  mehr  gesprochen  wird,  hat  viele
Vorteile:  leichte  Leitung,  Beweglichkeit  in  der  Leitung,  gleichzeitige ­
  Lichtquelle,  Möglichkeit,  Ventilatoren  zu  treiben,  Rotationsbewegung ­
  statt  der  hin  und  her  stossenden  Zylindermaschinen.
Wenn  sie  trotzdem  noch  relativ  wenig  verbreitet  ist,  so  liegt  das
daran,  dass  die  meisten  Gruben  bereits  andere  Kraftübertragungsmittel ­
  hatten,  deren  Leistung  ausreichte  oder  doch  leicht  vergrössert
  werden  konnte.
Was  die  wichtige  Frage  nach  den  Leistungen  und  den
Betriebskosten  der  mechanischen  Streckenförderungen  anlangt, ­
  so  existiert  darüber  für  das  Ruhrgebiet  auf  Grund  eines
Materials  von  36  Förderungen  eine  eingehende  Untersuchung 3 ).
Es  wurde  dabei  ein  ganzes  Betriebsjahr  mit  möglichst  wenigen
Störungen  zugrunde  gelegt.  »Die  niedrigsten  Kosten  weist  die
1)  Entw.  Bd.  V.  66.  2)  Vgl.  Entw.  Bd.  V.  124.  130.  142.
3)  Vgl.  Glückauf,  Berg-  und  Hüttenmännische  Zeitschrift.  Essen  (zitiert  Gl.A.).
1900.  S.  141—154.  W.  M.:  Die  Betriebskosten  der  unterirdischen  Seilförderungen  auf
den  Zechen  des  Ruhrkohlengebietes.
        <pb n="19" />
        12

mit  glattem  Seil  und  Anschlusskettchen  arbeitende  Streckenförderung ­
  I  mit  5,501  Pf.  pro  tkm  auf,  die  Leistung  dieser  Bahn
beträgt  1204  tkm  (pro  Schicht);  am  teuersten  arbeitet  die  Streckenförderung ­
  35/36  mit  33,265  Pf.  und  einer  Leistung  von  276  tkm
pro  Schicht.«  Die  Leistungen  selbst  schwanken  bei  den  36  Förderungen ­
  zwischen  1430  und  89  tkm  pro  Schicht.  Aus  diesen
Zahlen  geht  deutlich  die  Tendenz  des  Einhergehens
grösserer  Leistungen  mit  niedrigeren  Kosten
pro  Einheit  (tkm)  hervor,  die  von  lokalen  Verhältnissen  durchkreuzt ­
  wird.
Folgende  Zahlen  J )  zeigen  es  noch  deutlicher,
die  Kosten  pro  tkm  in  Pf.,  und  zwar
Pf.  5  7  9  "
bis  bis  bis  bis
7  9  11  13
I.  Bahnen  mit  hoher  Leistung  (über  700
tkm  pro  Schicht)  Zahl:  3  —  2  1
II.  Bahnen  mit  mittlerer  Leistung  (450  bis
700  tkm  pro  Schicht)  Zahl:  —  612
III.  Bahnen  mit  geringer  Leistung  (250  bis
450  tkm  pro  Schicht)  Zahl:  —  —  —  3
IV.  Bahnen  mit  sehr  geringer  Leistung  (unter ­
  250  tkm  pro  Schicht)  Zahl:  —  —  —  —
Bei  I  und  II  arbeiten  beidemale  die  letzte  und  bei  IV  die
erste  Förderung  unter  Ausnahmebedingungen.  Streckenkurven,
Niveaudifferenzen,  zahlreiche  Anschlagpunkte,  schlechte  Anordnung ­
  der  Gesamtanlage,  Untüchtigkeit  der  Arbeiter  u.  a.  m.  erhöhen ­
  die  Betriebskosten  und  verringern  die  Leistungen  der
Förderungen.  Von  den  z.  T.  in  der  Natur  der  unterirdischen  Förderung ­
  beim  Bergbau  in  erster  Linie  begründeten  konkreten  Faktoren ­
  abgesehen,  zeigt  sich  aber  an  allen  Beispielen  dieses  Abschnittes ­
  die  Tendenz  der  zunehmenden  Leistung  bei  zunehmender ­
  Fördermenge  und  Förderlänge.
Woher  kommt  dies?
Mit  dem  Wachsen  der  letzten  Grössen  muss  auch  die  Leistungsfähigkeit ­
  der  Kraftmaschinen  wachsen.  Dies  bedeutet  eine
zunehmende  Kapitalkonzentration.  Diese  aber  führt  dazu,  dass  die
gewerbliche  Arbeit  des  Kohlentransportes  pro  Einheit,  also  pro
tkm,  infolge  der  verschiedenen  noch  zu  erörternden  »Ersparnisse«
und  infolge  der  Möglichkeit,  etwas  fortwährend  mechanisch  zu
wiederholen,  billiger  geschehen  kann,  und  zwar  umso  billiger,  je  1

Es  betrugen

*3  *5  über
bis  bis
15  17  17

1)  Entw.  V.  149.
        <pb n="20" />
        13

grösser  die  Voraussetzungen  der  Konzentration:  der  längere  Weg,
die  kürzere  Zeit  und  die  grössere  Menge  vorhanden  sind.  D  i  e
mechanische  Streckenförderung  steht  unter
dem  Gesetze  des  zunehmenden  Ertrages  bei  z  unehmenderKapitalkonzentration,
  dessen  Wirkungen
sich  am  deutlichsten  zeigen,  wenn  eine  Maschine  ihr  Konstruktionsmaximum ­
  auch  stetig  leistet.  Leistet  sie  aus  irgend  welchen
Gründen  weniger,  so  heisst  dies  Betriebsverteuerung,  und  aus
dem  Uebersehen  der  Voraussetzungen  einer  mechanischen  Streckenförderung, ­
  der  genügenden  Masse  bei  genügender  Länge  unter
geeigneten  lokalen  Verhältnissen  resultieren  die  sich  entgegenstehenden ­
  Anschauungen  über  ihre  Wirtschaftlichkeit.  Im  Karlsstollen ­
  bei  Diedenhofen  war  die  Seilförderung  1902  4637  m  lang,
in  Westfalen  betrug  die  grösste  Länge,  wie  erwähnt,  2680  m.
Die  erste  Anlage  leistete  in  einer  Schicht  6285  tkm  bei  einem
Kostensätze  von  2,8  Pf.  pro  tkm;  die  zweite  Anlage  leistete  pro
Schicht  1430  tkm  bei  einem  Satze  von  im  günstigsten  Falle
5,5  Pf.  pro  tkm  *)!
Um  noch  zu  sehen,  woraus  sich  die  Betriebskosten  zusammensetzen, ­
  sei  der  Durchschnitt  aus  den  36  Förderungen  des  Ruhrgebietes ­
  angeführt,  der  natürlich  mit  der  für  einen  »Durchschnitt«
notwendigen  Vorsicht  aufzunehmen  ist.  Es  entfielen  auf

24.4  %
17,6  »
15.8  »

I.  Betriebskraft
II.  Instandhaltung  der  maschinellen  Ausrüstung
III.  Aufsicht
IV.  Bedienung  des  Seils
V.  Amortisation  und  Verzinsung

30,0  »

12,2  »

Was  die  Kosten  für  Erzeugung  der  Betriebskraft  (I)  anlangt,
so  schwankt  der  Satz  ausserordentlich.  Dies  kann  zum  Teil  in
formellen  Gründen  liegen,  denn  die  Berechnung  für  einen  aus
dem  Gesamtbetriebe  losgelösten  Betriebsteil  ist  sehr  schwierig.
Zum  grossen  Teile  liegt  das  Schwanken  jedoch  in  der  Art  der
verwendeten  Betriebsmittel.  Und  hier  tritt  uns  etwas  entgegen,
was  uns  im  letzten  Kapitel  noch  eingehender  beschäftigen  wird.
Die  koksproduzierenden  Zechen  haben  eine  billige  Betriebskraft ­
  in  den  sonst  unnütz  entweichenden  und  obendrein  schädlichen ­
  Abgasen  der  Koksöfen.  Aehnlich  verhält  es  sich  mit  den
Hochofengasen.  Unter  Instandhaltung  der  maschinellen  Ausrüstung ­
  (II)  sind  vor  allem  Reparaturen  zu  verstehen.  Unter

1)  Gl.A.  1900.  W.M.  Die  Betriebskosten  ...  1.  c.
        <pb n="21" />
        14

diesen  Posten  fällt  aber  besonders  der  Seilverschleiss,  den  man
durch  Konstruktion  und  Methode  des  Betriebes  (z.  B.  nicht  zu
schneller  Antrieb)  möglichst  zu  verringern  sucht.  Die  Schwierigkeit ­
  der  Aufsicht  (III)  wächst  mit  der  Länge  der  Strecke,  der
Anzahl  der  Kurven  und  der  Zahl  der  Anschlagpunkte.  Bei
unsern  Beispielen  schwanken  die  Kosten  zwischen  o  und  5,215  Pf.
pro  tkm.  Die  Bedienungskosten  (IV)  richten  sich  nach  den  Lohnverhältnissen, ­
  nach  den  bei  III  erwähnten  Streckenverhältnissen
und  nach  der  Zahl  der  geförderten  Wagen.  Ueber  Zins  und
Amortisation  ist  nichts  hinzuzufügen.
3.  Die  Lokomotivförderung.
Gegen  die  mechanischen  Streckenförderungen,  die  wir  soeben
nach  den  verschiedensten  Richtungen  hin  beschrieben  haben,
werden  nun  manche  Nachteile  geltend  gemacht.  Man  sagt  1 ),
sie  seien  gewissermassen  schwerfällig,  da  sie  sich  den  vielfachen
Streckenwindungen  nicht  anzupassen  verstünden;  weiter  sei  von
den  Zwischenstationen  die  Förderung  schwierig  und  die  Strecken
würden  für  andere  Transporte  gesperrt.  Dies  hat  zur  Konstruktion ­
  und  zu  Versuchen  mit  beweglichen  Maschinen,  mit  Grubenlokomotiven ­
  geführt.  Die  P'rage  der  Lokomotivförderung  findet
sich  noch  im  Stadium  der  Versuche.  Da  es  sich  jedoch  um  ein
interessantes  Problem  handelt,  so  wollen  wir  kurz  etwas  darauf
eingehen  1  2 ).  Dampflokomotiven  sind  ungeeignet,  da  Dampf  und
Rauch  belästigt,  die  Grubenluft  verdirbt  und  ihr  Feuer  eine  Gefahr
für  Wetterexplosionen  bildet.  Die  Natronlokomotive  ist  zu  teuer
und  zu  schwer;  es  haben  nur  vereinzelte  Versuche  stattgefunden.
Bei  den  Pressluftlokomotiven  ist  der  Betrieb  ebenfalls  teuer,  weil
sich  trotz  starker  Pressung  Verluste  und  damit  geringere  Nutzeffekte ­
  ergeben.  Von  den  elektrisch  getriebenen  Lokomotiven
sind  die  mit  Akkumulatoren  noch  zu  schwer,  die  mit  Oberleitung
bei  Schlagwettern  eine  grosse  Gefahr,  wenn  auch  die  Schwierigkeiten ­
  nicht  einfach  als  »unüberwindlich«  bezeichnet  werden
können.  Es  verbleiben  die  Explosionsmotoren  (Benzin,  Spiritus),
über  die  gleich  noch  gesprochen  wird.  Das  Ideal  ist,  da  z.  B.
die  elektrische  Lokomotive  eine  kostspielige  Anlage  erfordert,
natürlich  eine  Lokomotive,  die  dem  Wechseln  der  Betriebspunkte
1)  Vgl.  Vogel,  Ueber  den  Ersatz  der  Pferde  bei  der  unterirdischen  Streckförderung ­
  ausgedehnter  Bergwerke.  Preuss.  Zeitschr.  1883.  B.  399  f.
2)  Vgl.  dazu  Köhler,  Kat.  142  f.  und  Entw.  Bd.  V.  174  f.
        <pb n="22" />
        —  15  —
sofort  folgen  kann,  die  also  an  keine  stationäre  Anlage  gebunden ­
  ist.
In  Oberschlesien  hat  man  den  elektrischen  Lokomotivbetrieb
 ] )  da  ,  wo  die  Strecke  nicht  allzu  lang  ist  oder  wo  sie  eng
ist  oder  wo  sie  fast  ausschliesslich  aus  Kurven  besteht,  wo  also
eine  Ketten-  oder  Seilförderung  technisch  fast  unmöglich  ist.
Ist  aber  die  Strecke  nass  oder  sind  Schlagwetter  und  Kohlenstaubmengen ­
  vorhanden,  so  ist  auch  hier  die  elektrische  Lokomotivförderung ­
  ausgeschlossen.
Interessant  sind  die  Ergebnisse  eines  Versuches  mit  den
sehr  beweglichen  Benzinlokomotiven:  die  Deutzer  Gasmotorenfabrik ­
  1  2 )  hat  eine  solche  mit  abnehmbarem  Benzinbehälter  konstruiert. ­
  Sie  entwickelt  6—8  P.S.  In  hygienischer  Beziehung
(Reinheit  der  Grubenluft)  ergibt  sich  durch  mitgeteilte  Berechnungen, ­
  dass  der  Benzinbetrieb  in  dieser  Beziehung  »nicht  ungünstiger« ­
  ist  als  der  Pferdebetrieb.  Wir  geben  gleich  das  Resultat
in  Zahl  und  Mass,  da  die  spezifizierten  Berechnungen  für  uns
zu  eingehend  sind.  Bei  voller  Ausnutzung  der  Leistungsfähigkeit
betrugen  die  Betriebs-  und  P'örderkosten  pro  Tag

bei  einer  Förderlänge  von

1000  m

2000  m

und  zwar  für

Lohn  des  Lokomotivführers

M.

4,00

M.

4,00

Verbrauchtes  Benzin

»

3.96

»

4.75

Schmieröl,  Putzwolle,  Unterhaltung

»

1,00

»

1,00

Abschreibung  12,5  ü / 0  =  jährlich  812  M.,  bei  300  Arbeitstagen

  pro  Tag  also

»

2,71

*

2,71

M.

11,67

M.

12,46

Die  tägliche  Förderleistung  ist  tkm

200

240

Also  sind  die  Förderkosten  in  Pf.  pro  tkm

Ln
CO

5U9

Die  Kosten  der  Förderung  sind  im  ungünstigsten  Falle  58%
billiger  als  die  der  Pferdeförderung,  diese  zu  14  Pf.  pro  tkm  angenommen. ­
  Auch  bei  halber  Ausnutzung  der  Lokomotivkraft
beträgt  die  Ersparnis  gegen  Pferdeförderung  noch  immer  36%.
Nun  liegt  es  aber  in  der  Natur  des  Betriebes  begründet,  dass  man
keine  riesigen  Maschinen  bauen  kann,  um  eine  grosse  Förderung ­
  zu  bewältigen.  Werden  grössere  Leistungen  erfordert,  so
müssen  mehrere  Maschinen  eingestellt  werden.  Dies  bedeutet
aber  ein  verhältnismässig  grösseres  Kapital,  und  so  erscheint
ein  in  Lokomotiven  investiertes  Kapital  bei
1)  Heimann  1.  c.  48.
2)  Braun,  Benzinlokomotiven  für  Grubenbetrieb  (ausgeführt  von  der  Deutzer  Gasmotorenfabrik). ­
  Preuss.  Zeitschr.  1899.  B.  374.
        <pb n="23" />
        1)  Köhler,  Kat.  144.

2)  Entw.  Bd.  V.  175

3)  1.  c.  189.

—  i6  —
einer  gewissen  Kohlenmasse  gleichsam  weniger
konzentriert  als  das  einer  stationären  Anlage.
Dementsprechend  ist  auch  der  wirtschaftliche  Erfolg.  Die  Lokomotivförderung ­
  eignet  sich  für  kleinere  Fördermengen,  besonders
bei  den  geschilderten  schwierigen  Streckenverhältnissen.  Hier
ist  sie  eine  wahlverwandte  Kapitalkonzentration,  für  die  im  übrigen ­
  das  bei  der  mechanischen  Streckenförderung  Gesagte  in  Betracht ­
  kommt.
Wir  haben  von  der  Grubenförderung  noch
b.  die  Bremsberg-  und  Bremsschachtförderung
kurz  zu  betrachten.
Was  ist  ein  Bremsberg?  »Unter  Bremsberg  versteht  man
eine  schiefe  Ebene,  auf  welcher  die  Förderung  an  einem  Seile
oder  einer  Kette  herabgelassen  und  die  leere  Last  mit  Hilfe  des
Herabgleitungstriebes  entweder  direkt  oder  durch  ein  Gegengewicht ­
  aufwärts  gezogen  wird« 1 ).  Bei  steilem  Einfallen  werden
diese  Bremsberge  zu  Bremsschächten.
In  Westfalen  2 )  findet  bei  flachem  Flötzfallen  (bis  zu  30 0 )
die  Förderung  fast  durchweg  vermittelst  Wagen-  oder  Laufbremsen ­
  auf  2  Geleisen  statt,  bei  stärkerem  Flötzfallen  jedoch  mit
unterlaufendem  Gegengewichte  im  eintriimmigen  Bremsberge.  Die
Wagen  laufen  dann  nicht  mehr  direkt  auf  der  Bahn,  sondern  sie
befinden  sich  auf  Gestellen,  auf  die  sie  neben-  oder  hintereinander
geschoben  werden.  Dies  tut  der  Schlepper.  Damit  der  Betrieb
gut  funktioniert  wird  durch  Signalvorrichtungen  der  verschiedensten ­
  Art  zwischen  diesem  und  dem  Bremser  die  Verständigung
ermöglicht.  In  den  Bremsbergen  findet  (z.  B.  im  Ruhrgebiete)
auch  Förderung  mit  Seil  ohne  Ende  statt.  Es  ermöglicht  dies
einen  kontinuierlichen  Betrieb,  sodass  die  Leistung  eine  ausserordentlich ­
  hohe  ist  3 ).
Was  die  Förderung  in  den  Bremsschächten  anlangt,  so  ist
sie  der  Schachtförderung  ähnlich,  sie  ist  aber  einfacher  als  diese.
II.  Die  Schachtförderung.
Ehe  wir  die  hierbei  wirkenden  Gesetzmässigkeiten  formulieren ­
  können,  müssen  wir  einige  Details  besprechen.
Zuerst  die  Seile,  an  denen  die  Fördergefässe  hängen.  Sie
        <pb n="24" />
        17

waren  in  älterer  Zeit  aus  Hanf.  Dies  Material  wurde  bald  zu
teuer;  dann  nahm  man  Eisenketten,  bei  denen  aber  infolge  des
grossen  Eigengewichtes  die  Gefahr  des  Zerreissens  sehr  gross
war.  Darauf  verwendete  man  die  1834  zu  Klausthal  erfundenen
Drahtseile  und  zwar  Eisendrahtseile 1 ).  Später,  seit  Mitte  der  1860er
Jahre,  ging  man  zu  Gussstahldrahtseilen  über.  Diese  haben  nämlich ­
  ein  bedeutend  geringeres  Seilgewicht,  womit  die  tote  Last
und  der  Anteil  von  Kohle  und  Dampf  an  den  Betriebskosten
verringert  wird.  Ausserdem  sind  Gussstahldrähte  bei  gleicher
Stärke  mehr  als  doppelt  so  tragfähig  wie  Eisendrähte.  Aus  diesen ­
  Gründen  werden  seit  1895  im  Ruhrgebiete  keine  Eisendrahtrundseile ­
  mehr  benutzt 1  2 ).  Die  Ausgaben  für  Förderseile  spielen ­
  im  Grubenhaushalte  eine  grosse  Rolle,  die  Summen  sind  oft
doppelt  bis  dreifach  so  hoch  wie  die  für  Dampfkessel 3 ).  Bei  dem
grossen  Bedarfe 4  5 )  an  Förderseilen  ist  ihr  Preis  sehr  wichtig.  Da  ist
es  nun  interessant,  dass  aus  den  Reiben  der  Bergbauunternehmer
mitgeteilt  wird,  dass  seit  Gründung  des  Drahtsyndikats  die  absoluten ­
  Seilkosten  sich  erhöht  haben  6 ).  Für  die  Preispolitik  a  nderer
  Syndikate  und  ihre  Folgen  hat  man  einen  sehr  scharfen
Blick.  Die  ökonomischen  Leistungen  der  Seile  sind  bedingt
durch  die  Masse  der  Kohle,  die  Tiefe  der  Schächte  und  die
Geschwindigkeit  der  Förderung.  Und  zwar  nimmt  bei  gleicher
Geschwindigkeit  und  gleicher  Fördermenge  mit  zunehmender  Tiefe
die  Leistung  ab.  So  hoffte  Zeche  Preussen,  Schacht  II  °)  unter
Zugrundelegung  einer  mittleren  Fördergeschwindigkeit  von  10  m
pro  Sekunde  bei  der  vorhandenen  Nutzlast  von  4400  kg  mit
jedem  Zuge  zu  fördern  aus  einer  Teufe  von:
t  pro  Stunde:
600  m  198
800  »  158
1000  »  132
1200  »  112
1)  Entw.  Bd.  V.  251.  2)  1.  c.  274.
3)  Wenderoth,  Ueber  Schachtförderseile  und  Seilkosten.  Preuss.  Ztschr.  1886.  B.  314.
4)  Dieser  Bedarf  ist  noch  grösser,  wenn  mit  den  Seilen  ausser  Kohle  etc.  auch
Menschen  gefördert  werden.  Seit  1872  besteht  für  den  O.B.B.  Dortmund  eine  Statistik ­
  der  Schachtförderseile.  Hiernach  wurden  1872  bis  Ende  1899  6461  Förderseile
abgelegt.  Im  Jahre  1872  waren  von  den  114  abgelegten  Seilen  22  =  19,3  %  plötzlich ­
  gerissen.  1899  dagegen  von  388  nur  2  =0,52  °/ 0 .  Man  sieht,  wie  die  Verbesserung ­
  in  der  Struktur  der  Seile  ,  die  Verbesserung  in  den  Betriebseinrichtungen,  sowie ­
  die  Prüfung  der  Seile  gewirkt  hat.
5)  Entw.  Bd.  V.  277.
6)  Entw.  Bd.  V.  407.
Zeitschrift  für  die  ges.  Staatswissensch.  Ergänzungsheft  19.  2
        <pb n="25" />
        18

Ebenso  wie  die  Seilleistungen  absolut  je  nach  den  konkreten
Bedingungen,  unter  denen  sie  auf  den  einzelnen  Gruben  arbeiten,
variieren,  so  auch  die  absoluten  Seilkosten.  Sie  richten  sich
vor  allem  zuerst  nach  der  Güte  und  Geeignetheit  des  Materials
und  nach  dessen  Behandlung;  so  waren  z.  B.  im  Ruhrbezirke
die  Seilkosten  pro  tkm  Nutzleistung  bei  Stahlrundseilen  wesentlich ­
  billiger  als  bei  den  Bandseilen.  Sodann  richten  sie  sich  nach
der  »Dienstzeit«  des  Seiles.  Hieraus  erklärt  es  sich,  dass  z.  B.
in  Saarbrücken  trotz  gleicher  Qualität  und  gleicher  Behandlung
der  Seile  ihre  Kosten  grösser  sind  als  in  Westfalen 1 ).  Denn
die  Seile  werden  dort  gleichzeitig  zur  Seilfahrt  für  die  Mannschaft
benutzt  und  oft  schon  nach  einem  Jahre  abgelegt,  wenn  auch
anderweitig  verwendet  2 ).
Beachten  wir  jedoch  die  relativen  Seilkosten,  also
die  Seilkosten  nach  der  Höhe  der  zu  hebenden  Nutzlast,  so  zeigt
unter  gleichbleibenden  Verhältnissen  der  Satz  pro  tkm  die  Tendenz, ­
  mit  der  Tiefe  zuzunehmen.
Wir  konstatieren  demnach,  dass  bei  dem  aus
der  Gesamtförderung  isolierten  (d.  h.  der  ganze
andere  Betrieb  bleibt  gleich)  Seilbetriebe  sich  die  Tendenzzeigt, ­
  dass  mit  der  Tiefe  der  Seilkostensatz ­
  pro  tkm  steigt,  die  Seilleistung  aber  fällt.
Als  zweites  wichtiges  Detail  bei  der  Schachtförderung  ist
der  »Förderkorb«  zu  betrachten.  In  ihm  wird  das  zu  Fördernde ­
  bewegt.
Bei  einer  Förderung  mit  8  Wagen  und  zylindrischen  Trommeln ­
  ergab  sich  unter  Berücksichtigung  der  Unterseilkosten  pro
tkm  ein  Satz  von  2,49  Pf.  Seilkosten,  bei  der  gleichen  Berechnung ­
  für  4  und  weniger  Wagen  aber  ein  Satz  von  2,96  Pf.  2 ).
Aus  diesem  Beispiel  erhellt,  dass  eine  geringere  Nutzlast  mit  einem
grösseren  Seilkostensatze  einhergeht.  Die  Art  des  mitgeteilten ­
  Versuches  zeigt  schon,  wie  man  dem
unter  sonst  gleichbleibenden  Verhältnissen  mit
1)  In  Westfalen  z.  B.  hat  die  gute  Qualität  der  Seile  und  ihre  sachgemässe  Behandlung ­
  im  Betriebe  im  Laufe  der  Zeiten  dazu  geführt,  dass  die  Zahl  der  Seile  mit
geringer  Nutzleistung  prozentual  ständig  zurückgegangen  ist.  Es  hei  nämlich  z.  B.  die
Nutzleistung  von  o—5°  looo-tkm  von  71,54  %  (1882)  auf  35,63  °/ 0  (1899)  &amp;gt;  und  es
stieg  der  Anteil  der  Nutzleistung  über  400  1000-tkm  von  0,51  %  auf  2,18  %  (1890
bis  1899).  Vgl.  Entw.  Bd.  V.  277.  Auch  in  Saarbrücken  sind  z.  B.  in  den  Jahren
1881—1884  die  Nutzleistungen  gegen  1877—1880  erheblich  gestiegen.  Vgl.  Wenderoth,
Ueber  Schachtförderseile  und  Seilkosten.  Preuss.  Ztschr.  1882.  97.
2)  Entw.  Bd.  V.  287.
        <pb n="26" />
        19

der  Tiefe  wachsenden  Seilkostensatze  zu  begegnen ­
  suchte:  durch  Vergrösserung  der  Nutzlast.
Die  Betrachtung  der  Entwicklung  des  Förderkorbes  im  Ruhrgebiete ­
  wird  dies  anschaulich  machen.
Bei  geringer  Teufe  finden  wir  bei  noch  gleichzeitig  kleiner
Fördermenge  den  2-Wagen-Förderkorb.  Mit  dem  4-Wagen-Korb
fördern  im  Ruhrgebiete  etwa  50%  der  in  Förderung  stehenden
Hauptschächte.  Daneben  kommen  6-  und  selten  3-Wagen-Körbe
vor.  Die  Anordnung  der  Wagen  auf  den  Körben  ist  verschieden
und  für  das  Be-  und  Entladen  von  Wichtigkeit.  Bei  den  8  Wagen ­
  fassenden  Körben  finden  wir  z.  B.  8  getrennte  Etagen  oder
4  Etagen  mit  je  2  Wagen  neben-  oder  hintereinander.  Die  Vergrösserung ­
  der  Leistungsfähigkeit  der  Förderkörbe,  je  weiter  wir
im  Ruhrgebiete  nach  Norden  kommen,  entspricht  den  grösser
werdenden  Abteufkosten,  die  man  aufwenden  muss,  um  zu  den
tiefer  liegenden  Flötzen  zu  gelangen.
Schacht  IV  der  Zeche  Shamrock  fördert  täglich  in  2  Schichten ­
  ca.  3400  t  aus  273  m  Teufe.  Es  ist  nun  leicht  erklärlich,  dass
man  die  tote  Last,  d.  h.  das  Eigengewicht  des  Förderkorbes  möglichst ­
  zu  vermindern  sucht.  Zuerst  waren  die  Körbe  aus  Eisen;
die  Zechenschmiede  stellte  sie  oft  selbst  her.  Dann  kam  der
Stahl  als  Material,  der  noch  in  anderer  Weise  den  Vorteil  des
»Grossen«  zeigt:  Bei  einem  Korbe  mit  einem  Wagen  Nutzlast
ist  die  tote  Last  oft  noch  100  kg  schwerer  als  die  zu  hebende
Nutzlast.  Die  Zeche  Prosper  aber  hat  einen  Förderkorb  mit  8
Etagen  der  4300  kg  wiegt  und  bei  dem  das  Verhältnis  der  Nutzlast ­
  zum  Korbgewicht  wie  1  :  1  (ohne  Seil)  ist 1 ).
Die  Förderkörbe,  in  denen  sich  die  Fördergefässe  (»Hunde«)
befinden,  werden  im  Schachte  an  sog.  Schachtleitungen  (Eichenholz, ­
  Profileisen,  das  in  der  Schachtwand  befestigt  ist)  auf-  und
niederbewegt.  Eine  solche  Leitung  ist  besonders  nötig,  seitdem
die  Fördergeschwindigkeit  bedeutend  gewachsen  ist.  Während
man  früher  mit  durchschnittlich  2—6  m  pro  Sekunde  die  Kohle
förderte,  geschieht  dies  heute  mit  10—11  m  1  2 )  3 );  ja  bei  der  Zeche
Preussen  II,  Schacht  I  der  Harpener  Bergbau-Akt.-Ges.  in  Dortmund ­
  beträgt  die  Geschwindigkeit  bei  der  Lastfahrt  16  m 4 ).
1)  Entw.  Bd.  V.  299.  2)  Entw.  Bd.  V.  418.
3)  Die  Fahrgeschwindigkeit  bei  der  Mannschaftsfahrt  ist  geringer.  Sie  beträgt
4—5  m  pro  Sekunde.
4)  Dies  Resultat  ist  mit  einer  elektrischen  Förderanlage  erreicht.  Es  dürfte
2  *
        <pb n="27" />
        20

An  letzterStelle  sind  noch  einige,  ich  möchte  sagen,  oberirdische ­
  Details  zu  betrachten.  Die  wachsende  Förderlänge
sucht  man  durch  Vergrösserung  der  Fördermenge  auszugleichen
und  die  Fördermenge  sucht  man  möglichst  schnell  emporzuheben. ­
  So  sahen  wir  bisher.  Dieses  Streben  führte  zur  Veränderung ­
  der  Erscheinung  einer  oberirdischen  Bergwerksanlage.
Statt  der  alten  hölzernen  Fördertürme  sehen  wir  die  modernen ­
  eisernen  »Eifeltürme«,  in  denen  sich  die  die  heutige  Geschwindigkeit ­
  bedingenden  Seilscheiben  (Fördertrommeln)  befinden. ­
  Die  Seilscheiben  sind  oft  1,5  m  breit  bei  einem  Durchmesser ­
  von  7—8  m;  sie  heben  also  mit  wenig  Umdrehungen
sehr  hoch.
Bei  der  Bedienung  der  Förderkörbe  an  Füllort  und  Hängebank ­
  hat  das  Automatische  der  schiefen  Ebene  den  Menschen
zum  grössten  Teile  verdrängt:  Zeit  und  Lohn  wird  gespart.
Wie  stellt  sich  zum  Schluss  der  Gesamt  Zusammenhang
zwischen  Förder  kosten,  Fördertiefe  undFördermenge?

Hierüber  sind  mir  Zahlen  eines  Betriebes  nicht  bekannt,
wir  müssen  also  die  Förderkosten  der  Schächte  verschieden  tief
bauender  Gruben  betrachten.  Es  ist  dabei  zu  beachten,  dass
diese  natürlich  unter  verschiedenen  Bedingungen  arbeiten,  und
dass  wir  bei  den  etwa  zu.  findenden  Resultaten  nur  von  Tendenvon

  Interesse  sein,  hier  kurz  (vgl.  weiter  das  letzte  Kapitel)  die  Entwicklung  zur  elektrischen
  Förderanlage  zu  schildern:  Zuerst  ist  auf  die  Zunahme  der  Fördertiefe  hinzuweisen. ­
  Vor  20  —  30  Jahren  gewöhnlich  bis  zu  300  m.  Heute  bei  den  nördlicheren
Zechen  meistens  500  m.  Seit  Anfang  der  1890er  Jahre  Schächte  mit  700—800  m
Teufe.  Mit  der  Teufe  musste  die  Leistungsfähigkeit  der  Fördermaschinen  gewaltig
wachsen.  Zu  dem  Zweck  trennte  man  Wasserhaltung  und  Förderung.  Aber  trotz  aller
Oekonomie  bei  der  bisherigen  Förderung  mit  Dampf,  trotz  des  Strebens  und  der  Ermahnung ­
  der  Fachleute,  durch  verbesserte  Anlage  und  verbesserten  Betrieb  an  Dampfverbrauch ­
  noch  mehr  zu  sparen  (Entw.  Bd.  V.  414)  scheint  die  elektrische  Förderung
immer  mehr  zu  siegen.  (Vgl.  Gl.A.  1902.  701.  f.  0.  Lasche,  P’örderanlagen  mit  elektrischem ­
  Betrieb;  Gl.A.  1902.  307  :  K'öttgen,  Ueber  elektrische  Schachtförderungen.)
Sie  ist  wirtschaftlich,  betriebssicher,  einfach.  Sie  ermöglicht  eine  Zentralisation  des
ganzen  Betriebes.  Vor  allem  aber  löst  die  Elektrizität  ein  grosses  Problem  der  Schachtförderung ­
  besser  als  der  Dampf,  nämlich  das:  bei  der  Schachtförderung  wird  die
Kraft  der  Maschine  stets  verschieden  in  Anspruch  genommen  je  nach  der  Höhe  der
Förderung  im  Schachte  und  dem  damit  veränderten  Seilgewichte.  Hienach  muss  die
Maschine  reguliert  werden,  d.  h.  von  gewisser  Höhe  ab  muss  infolge  Seiliibergewicht
gebremst  werden.
        <pb n="28" />
        21

7.eil  reden  können.  Das  mir  bekannte  Beispiel 1 )  hat  die  Förderkosten ­
  von  io  Schächten  von  8  staatlichen  Steinkohlengruben
bei  Saarbrücken  untersucht.  Ich  trenne  gleich,  um  manche  Erscheinung ­
  augenscheinlicher  zu  machen,  nach  der  Anzahl  der
Wagen,  die  sich  auf  dem  Förderkorbe  befinden.  Es  betrugen
in  Pf.  pro  t.:

Maschinenwartung  Kesselwartung
und  Rep.,  einschl.  und  Rep.,  ein-Löhne


der  Anschläger ­

und
SignalSumme ­


der
Förderkosten ­


Grube

Teufe

Material  u.  Unter-  schliessl.  Ma-  Seile
haltung  terial  u.  Kesselder
  Schachtleitung  kohle

m

geber

2

Wagen

auf  dem  Korbe

König

122

1,8

6,2  0,2

3&amp;gt;°

11,2

Burbachstollen

176

2,8

7,0  4,9

5&amp;gt; i)  2

19,9

Gerhard

2 39

3.0

8,2  2,3

3,6

Von-der-Heydt

258

4,4

6,6  1,8

4,2

17,0

Gerhard

283

2.3

8,6  1,3

3,3

15,5

4

Wagen

auf  dem  Korbe

Dechen

130

1,1

5,i  0,5

1,7

s,4

Heinitz

190

1,8

11,4  0,7

3,2

17,1

Heinitz

190

1,8

14,3  o,7

3,2

20,0

Dud  weder

285

1.9

13,3  1,2

5,3

21,7

6

Wagen

auf  dem  Korbe

Camphausen

496

3,5

19,5  7,2

4,4

34,6

Formell  ist  zu  diesen  Zahlen  zu  bemerken,  dass  es  sehr
schwer  ist,  den  Anteil  eines  Betriebsteiles,  der  mit  anderen  verknüpft ­
  ist,  zahlenmässig  festzustellen.  Aus  diesem  Grunde  ist
besonders  der  Posten  für  Kesselwartung  und  Kohle  vorsichtig
aufzunehmen.
Bei  Betrachtung  der  einzelnen  Posten  zeigt  sich,  dass  die
Kosten  für  Maschinenwartung  nicht  so  sehr  von  der  Tiefe,
als  vielmehr  von  der  Masse  der  Kohle,  auf  die  sich  der  Kostenanteil ­
  verteilt,  abhängig  sind:  da  ein  Arbeiter  ebenso  sehr  eine
Maschine  für  ioo  t  Förderung  wie  eine  für  iooo  t  Förderung  zu
warten  vermag,  so  wird  der  Kosteneinheitssatz  pro  Kohlentonne
bei  zunehmender  Menge  geringer.  Anders  ist  es  mit  den  Kosten
für  Kessel  Wartung  und  dem  dazu  gehörigen  Posten  Material ­
  und  Kohle:  hier  wiederholt  sich  nicht  fortwährend
etwas,  sondern  es  muss  bei  mehr  Krafterfordernis  mehr  Stoff  umgesetzt ­
  werden,  d.  h.  die  Kosten  wachsen  mit  der  Menge  und
i)  Nasse,  Der  technische  Betrieb  der  kgl.  Steinkohlengruben  bei  Saarbrücken.
Preuss.  Zeitschr.  1885.  213.
        <pb n="29" />
        22

der  Tiefe.  Die  Seil  kosten  wachsen  (wie  wir  bereits  oben
feststellten)  mit  der  Tiefe,  nehmen  aber  mit  der  Masse  ab.  Der
Anteil  der  Löhne  an  den  Gesamtkosten  richtet  sich  nach  der
Höhe  des  Lohnsatzes  und  der  Grösse  der  erforderlichen  Arbeiterzahl. ­
  Die  Masse  der  geförderten  Kohle  ermöglicht  eine  intensivere ­
  Nutzung  der  menschlichen  Arbeitskraft,  womit  (vgl.  Tabelle)
die  Tendenz  eines  sinkenden  Einheitslohnsatzes  bei  wachsender
Menge  angedeutet  ist.
Die  Gesamtförder  kosten  endlich,  die  sich  aus  den
eben  besprochenen  einzelnen  Posten  zusammensetzen,  zeigen  —
was  besonders  die  Zahlen  für  den  4-Wagenkorb  veranschaulichen
—  die  Tendenz  unter  sonst  gleichen  Verhältnissen  mit  der  Tiefe
zuzunehmen,  dagegen  mit  der  Masse  abzunehmen.  Dies  letztere
tritt  in  unseren  Zahlen  nicht  sehr  deutlich  hervor,  da  es  bei  den
verschiedenen  Betrieben  äusserst  schwer  ist,  gleiche  Intensität  der
Förderung  zu  erzielen.  Wie  aber  eine  aus  irgend  welchen  Gründen ­
  gestörte  Förderung  sofort  teuer  arbeitet,  zeigt  in  unseren
Ziffern  Grube  Kamphausen  mit  dem  6-Wagenkorbe  (pro  t  34,6
Pf.,  d.  h.  der  höchste  Satz  von  allen  10  Förderungen).  Hier  rief
eine  geringe  Förderung  dies  ungünstige  Resultat  hervor.  Umgekehrt ­
  dagegen  führt  die  Intensität  der  Förderung  bei  Grube  Dechen
dazu,  dass  diese  (mit  4-Wagenkorb)  aus  grösserer  Tiefe  billiger
fördert  als  Grube  König  (mit  2-Wagenkorb)  aus  geringerer.
Formulieren  wir  nach  diesen  Untersuchungen  das  Ergebnis:
Bei  der  Schachtförderung  zeigt  sich  das  Gesetz
des  zunehmenden  Ertrages  bei  zunehmender
Kapitalkonzentration  in  der  Weise,  dass  die
Förder  kosten  zum  mindesten  in  einem  geringeren ­
  Verhältnisse  wachsen  als  die  Fördertiefe 1 ).
III.  Die  Tagesförderung.
Bei  der  Betrachtung  der  unterirdischen  Schlepper-  und  Pferdeförderung ­
  zeigte  sich,  dass  von  gewisser  Kohlenmenge  und  Förderlänge ­
  an  die  Verwendung  organisch  erzeugter  Kraft  unrentabel
wurde.  Dies  gilt  auch  für  die  entsprechende  Tagesförderung.
Daher  hat  z.  B.  in  Oberschlesien 1  2 )  die  Cons.  Florentinengrube
an  Stelle  der  bisherigen  Pferdeförderung  3  schmalspurige  Loko1) ­
  Mehr  lässt  sich  aus  dem  vorhandenen  Material  trotz  Dechen-Iiönig  nicht
schliessen.  Vgl.  auch  Nasse,  1.  c.  215.
2)  Versuche  und  Verbesserungen  beim  Bergwerksbetriebe.  Preuss.  Ztschr.  1883.
        <pb n="30" />
        23

motiven  zu  je  20  P.S.  in  Betrieb  genommen;  einsehl.  15  %  irinortisation
  erzielte  man  dabei  gegen  die  Pferdeförderung  eine  Ersparnis ­
  von  32—33  %.  Aber  auch  für  die  oberirdische  Lokomotivförderung ­
  treffen  viele  von  den  Mängeln  zu,  die  wir  bei  der
unterirdischen  erwähnten,  wenn  auch  über  der  Erde  die  Forderung ­
  der  Reinhaltung  der  Luft  nicht  die  Rolle  spielt  wie  unter
der  Erde.
Im  Ruhrbezirke  *)  befindet  sich  die  Lokomotivförderung  noch
im  Stadium  der  Versuche.  Dagegen  finden  wir  hier  in  wachsender ­
  Anzahl  bei  der  Tagesförderung  Anlagen  mit  stabilen  Maschinen ­
  :  Ketten-  und  Seilbahnen  und  Drahtseilbahnen.  Die
Kettenförderung  arbeitet  über  der  Erde  im  Gegensatz  zu  der
unterirdischen  oft  vorteilhaft.  1900  z.  B.  waren  30  Kettenförderungen ­
  vorhanden,  das  Maximum  einer  Bahnlänge  betrug  etwa
400  m.  Seile  werden  benutzt,  wenn  krumme  oder  lange  Strecken
zu  durchfahren  sind.  Drahtseilbahnen  sind  wenig  vorhanden.  Sie
empfehlen  sich  wohl  da,  wo  ungünstige  Terrainverhältnisse,  Flüsse
u.  a.  zu  überwinden  sind.  »In  jüngster  Zeit  haben  die  durch  die
Syndikate  veranlassten  Bestrebungen  zur  Vereinigung  von  Hüttenwerken ­
  und  Gruben  gleichfalls  zur  Ausführung  grösserer  Drahtseilbahnen ­
  geführt«  1  2 ).
Wie  wir  bei  der  unterirdischen  Streckenförderung  sahen,  geht
bei  ihr  mit  zunehmender  Leistung  ein  sinkender  Kostensatz  einher. ­
  Diese  Erscheinung  sucht  man  sich  auch  bei  den  oberirdischen, ­
  eben  erwähnten  Förderungen  mit  stabilen  Maschinen  zu
nutze  zu  machen.  Man  konnte  es  aber,  weil  eine  Zentralaufbereitungsanlage ­
  ganz  besonders  zur  Errichtung  einer  Förderung  mit
feststehenden  Maschinen  reizte.  Die  heute  aus  dem  Schachte
kommende  Förderung  wird  nämlich  nicht  mehr,  wie  etwa  um  die
1870er  Jahre,  gleich  an  die  Eisenbahn  geschafft  und  verladen,
sondern  kommt  in  die  sog.  Aufbereitung.  Es  ist  dies  eine  oft
sehr  grosse  Anlage,  in  der  die  Kohle  auf  Lesebändern  von  den
»Bergen«  gereinigt  und  sodann  automatisch  nach  Korngrössen
gesondert,  ev.  noch  gewaschen  wird.  In  die  Aufbereitungsanlage
führen  die  Eisenbahngeleise,  oft  für  jede  Korngrösse  eins.  Dadurch ­
  werden  dem  Betriebe  viel  F'örderwagen  und  viele  Bedienungsmannschaften ­
  erspart,  aber  gleichzeitig  hat  sich  wegen  der
Eisenbahnwagen  ein  grosses  Rangierbedürfnis  herausgestellt,  ge1) ­

  Entw.  Bd.  V.  475  f.
2)  Entw.  Bd.  V.  501.
        <pb n="31" />
        24

fordert  durch  die  Vorteile  der  Kontinuität,  der  Schnelligkeit  und
der  Beweglichkeit.  Diese  Forderungen  erfüllen  unter  den  vorhandenen ­
  Umständen  die  Lokomotiven  bei  gleichzeitig  grösserer
Billigkeit.  »Bei  der  gegenwärtig  erhöhten  Förderung  und  der
Länge  der  Entfernungen  von  den  Ladeeinrichtungen  bis  zum
Rangierbahnhofe  ist  der  Lokomotivführer  mit  dem  Rangierarbeiter
zusammen  mehr  zu  leisten  imstande  als  mindestens  4  Führer  mit
Zugtieren.  Am  schwersten  sodann,  aber  in  Geld  nicht  auszudrücken, ­
  wiegt  der  Gewinn  an  Zeit  beim  Rangieren,  da  bei  dem
langsamen  Betriebe  mittels  Zugtieren  das  Verladen  mit  jedem
Wagenwechsel  stets  viel  länger  unterbrochen  ist  als  beim  Lokomotivbetriebe«
  x ).
Auch  bei  der  Tagesförderung  hat  sich  demnach  gezeigt,  dass
mit  zunehmender  Masse  oder  mit  zunehmender  Länge  oder  gar
mit  Zunahme  beider  die  Kräfte  der  Organismen  ungeeignet  werden ­
  ;  denn  sie  sind  nur  zu  steigern,  indem  man  mehr  lebende
Kraftträger  einstellt!  Aber  diese  fordern  einen  (zum  Werte  der
Kohle)  relativ  hohen  Preis  für  die  Ueberlassung  der  Nutzung  ihrer
Arbeitskraft.  Da  greift  der  Unternehmer  zu  einem  Kraftträger,
den  er  grösser,  stärker  machen  kann,  der  dabei  aber  doch
möglichst  einer  bleibt:  er  greift  zur  Maschine,  zum  Kapital,
das  er  konzentrieren  kann,  und  dessen  zunehmende  Konzentration
unter  dem  Gesetze  des  zunehmenden  Ertrages  steht.
1)  Dütting,  Ueber  Rangierbetrieb  auf  Bergwerken.  Preuss.  Ztschr.  1889.  197  f.
        <pb n="32" />
        25

Zweites  Kapitel.
Ueber  den  Grubenausbau  und  die  Schächte,
Wir  beschäftigen  uns  in  diesem  Kapitel  mit  den  Grundlagen ­
  dessen,  was  man  die  Kapitalimmobilisation
der  schweren  Industrie,  hier  also  des  Steinkohlenbergbaues,  nennt.
Wird  Kapital  darauf  verwendet,  um  in  Schächten  und  Strecken
einmal  und  dauernd  den  Kohlenflötzen  nachzugehen,  so  bedeutet
dies  eine  Kapitalaufwendung,  die  nicht  beliebig  wieder  zurückzuziehen ­
  ist  und  die  sich  nur  dann  »rentiert«,  wenn  die  Kohle
auch  erreicht  und  gefördert  wird.  Nur  durch  diese  Kohlenförderung ­
  ist'das  Kapital  nach  und  nach  zurückzugewinnen.  Ist
diese  nicht  möglich,  so  ist  das  Kapital  vernichtet:  die  Arbeitslöhne ­
  sind  ausgegeben,  und  mögen  auch  die  zum  Ausbau  der
Schächte  z.  B.  verwendeten  Materialien  wiedergewonnen  werden
können,  so  können  (besonders  bei  sog.  schwerem  Ausbau)  die
auf  die  Wiedergewinnung  verwendeten  Kosten  vielleicht  gar  noch
den  Erlös  aus  dem  gewonnenen  Material  übersteigen.  Das  Anlagekapital ­
  beim  Steinkohlenbergbau  hat  also  etwas  Starres  an
sich,  es  steht  und  fällt  mit  der  Aussicht  auf  Erreichung  einer
einzigen  Zwecksetzung.
Ich  muss  gleich  vorweg  bemerken,  dass  der  Leser  nicht  erwarten ­
  darf,  nun  schön  in  Zahl  und  Mass  angeführt  zu  finden:
so  gross  ist  da  und  da  die  Kapitalimmobilisation.  Hierzu  fehlen
jegliche  Unterlagen.  Formell:  es  schweigen  die,  die  da  berufen
wären  zu  reden.  Materiell:  die  Berechnung  ist  äusserst  schwierig, ­
  eine  einwandfreie  fast  unmöglich.  Man  denke  z.  B.  an  eine
Gewerkschaft,  die  aus  ihren  Ueberschüssen  einen  neuen  Schacht
baut  an  die  in  und  mit  dem  Betriebe  getriebenen  Strecken,  an
die  Schwierigkeiten  bei  der  Frage  der  Amortisation  u.  a.
Wir  können  hier  an  der  Hand  der  Technik  des  Grubenaus-
        <pb n="33" />
        2Ö

baues  und  des  Niederbringens  der,  Schächte  nur  einige  Beispiele
anführen,  die  aber  ungefähr  einen  Begriff  von  der  Grösse  der
notwendigen  Kapitalien  geben  und  die  auch  zeigen,  dass  die  von
den  Unternehmern  heute  so  in  den  Vordergrund  der  »prinzipiellen« ­
  Betrachtungen  gerückte  Gewerbefreiheit  beim  Steinkohlenbergbau ­
  darin  besteht,  dass  die  meisten  Menschen  dieses  Gewerbe
eben  nicht  betreiben  können.
I.  Der  Grubenausbau.
Er  findet  statt,  um  das  Einstürzen  offener  unterirdischer
Räume  zu  verhüten;  er  besteht  in  Zimmerung,  eisernem  Ausbau
und  Mauerung.  Unterirdische  Räume  aber  können  sein:  vor  allem
Strecken,  dann  andere  grosse  Hohlräume  (Füllort,  Pferdestall),
blinde  Schächte  und  Bremsberge,  die  Abbaue  selbst.  Was  diesen
Räumen  gefährlich  wird,  ist  der  Gebirgsdruck,  der  sich  verschieden ­
  bemerkbar  macht.  Dass  er  mit  der  Tiefe  wächst,  ist  höchst
wahrscheinlich,  wenn  auch  noch  nicht  einwandfrei  festgestellt r ).
In  Strecken,  die  im  Kohlenflötze  getrieben  sind,  spürt  man  ihn
mit  dem  Iierannahen  der  Abbaue  oft  200—300  m  diesen  voraus.
Von  besonderer  Wichtigkeit  ist  die  Art  des  Nebengesteins  :  der
Sandstein  hält  mehr  Druck  aus,  der  Schieferton  dagegen  ist
plastisch,  die  Kohle  selbst  bei  ihrer  geringen  Festigkeit  spröde.
Der  Streckenausbau 2 )  hat  sich  in  Stärke,  Material  und  Art
der  Ausführung  nach  verschiedenen  Umständen  zu  richten:  nach
den  Druckverhältnissen  der  Strecke,  nach  der  Beschaffenheit  der
hindurchziehenden  Grubenwetter,  nach  der  Lebensdauer  des  betreffenden ­
  Baues  und  seiner  Bedeutung  für  den  Betrieb  (möglichste ­
  Vermeidung  von  Betriebsstörungen  infolge  Reparaturen).
Auch  bei  stärkstem  Drucke  findet  Ausbau  in  Holz  statt,  der,
zerdrückt,  einfach  neu  gebaut  wird.  Eisenausbau  verwendet  man
nur  bei  mässigem  Drucke.  Beim  Holzausbau  spielen  die  Materialkosten ­
  gegen  die  Kosten  des  Einbauens  bei  weitem  die  grösste
Rolle.  Die  Plolzpreise  aber  sind  in  den  letzten  10  Jahren  vielleicht ­
  um  50  %  gestiegen  und  Eichenholz  kostet  gewöhnlich  doppelt ­
  soviel  wie  Tannenholz.  1  cbm  geschältes  Tannenholz  kostete
1901  17—20  M.  3 ),  sein  Preis  wächst  mit  Stammstärke  und  Länge
schnell.  Werden  nun  2  Stämme  senkrecht  aufgestellt  und  ein
dritter  Stamm  darüber  gelegt,  so  nennt  man  dies  einen  Türstock,
1)  Entw.  Bd.  II.  351.  2)  Entw.  Bd.  II.  353  f.
3)  1-  c.  366.
        <pb n="34" />
        27

den  die  Wirklichkeit  natürlich  noch  verschieden  anders  baut,  als
er  eben  beschrieben  ist.  Bei  druckhaftem  Gebirge  findet  sich
ein  Türstock  dichter  neben  dem  andern  als  sonst.  Nach  Stärke
des  Holzes  und  Weite  des  Querschnittes  werden  zu  einem  Türstocke ­
  für  3—7  M.  Tannenholz,  bezw.  für  5—12  M.  Eichenholz
verwendet.  Dazu  kommen  noch  3—4  M.  für  das  Zurichten  des
Holzes  für  den  Einbau  und  der  Arbeitslohn.  Ein  solcher  Türstock ­
  wird  aber  alle  Meter  einmal  gesetzt,  und  die  dazwischen
befindlichen  Felder  werden  mit  Brettern  verbaut.  Das  Holzmaterial ­
  ist  Eiche  und  Tanne.  Heute  erkennt  man  für  die  Eiche
eine  absolute  Ueberlegenheit  nicht  mehr  an,  wohl  aber  ist  sie
widerstandsfähiger  gegen  Moderung  und  Fäulnis  und  gegen  Zersetzung ­
  durch  ausziehende  Wetter  als  die  Tanne,  deren  Holz  man
zu  imprägnieren  versucht,  was  aber  ziemlich  teuer  ist.
Bei  breiten  Strecken  griff  man  zum  Ausbau  mit  eisernen
Kappen  (1875  Ruhrgebiet).  Hierzu  benutzte  man  zuerst  die
schweisseisernen  Eisenbahnschienen.  Diese  aber  wurden  ein  seltenes ­
  Altmaterial  und  dazu  noch  von  anderer  Seite  (Eisenindustrie) ­
  gefragt.  Die  Eisenbahnstahlschiene  aber  war  für  Ausbauzwecke ­
  nicht  zu  gebrauchen,  da  sie  den  Druck  nicht  durch  Biegung ­
  anzeigte,  sondern  mit  einem  plötzlichen  Knalle  zersprang.
So  fertigte  die  Eisenindustrie  besondere  I-Träger  aus  weichem
Flusseisen  an,  die  teurer  waren  als  alte  Schienen,  für  die  aber
der  Bergbau  ein  grosses  Absatzgebiet  wurde.  Diese  Schienenkappen ­
  werden  nicht  nur  gerade,  sondern  auch  gebogen  hergestellt, ­
  sodass  sie  dem  Druck  mit  einer  Wölbung  begegnen.  Die
einzelnen  Holzteile  oder  Holz  und  Eisen  sind  leicht  zu  verbinden.
Anders  ist  es  bei  völligem  Eisenausbau,  der  schwer  und  massig
ist,  und  dessen  Reparatur  schwierig  ist.  Wo  aber  günstige  Bedingungen ­
  sind,  also  in  erster  Linie  nicht  zu  starker  Druck,  und
wo  kein  Salzwasser  vorhanden  ist,  da  hat  der  Eisenausbau  bei
oft  höheren  Anlagekosten  doch  einen  grossen  Vorteil.  Es  ist
seine  Dauerhaftigkeit.  So  war  z.  B.  vor  1885  in  Saarbrücken  je
nach  Qualität  des  Holzes  zu  Türstöcken  das  eiserne  Gestell  um
39—161  %  für  einspurige,  um  17—128  %  für  zweispurige  Strecken
teurer  als  das  hölzerne  1 ).  Aber  der  Eisenausbau  war  doch  rentabler, ­
  wenn  die  Strecken  lange  offen  gehalten  werden  sollten.
Der  ursprüngliche  Eisenausbau  mit  eisernen  Ringen  und  Bogen

1)  Nasse,  Technischer  Betrieb.  1.  c.  29.
        <pb n="35" />
        28

ist  im  Ruhrgebiete  im  Aussterben,  ebenso  der  viereckige  aus
I-Eisen  ,  da  die  Ringe  entweder  zu  schwach  oder  zu  unhandlich
sind  *).  Der  Ringausbau  findet  heute  nur  in  allerschwerster  Form
Anwendung,  z.  B.  wenn  sehr  starker  Druck  von  allen  Seiten  wirkt.
Solcher  Ausbau  kostete  z.  B.  im  Ruhrgebiete  einmal  105  M.  pro  m.
Im  Zwickauer  Steinkohlenreviere 2  3 )  kostete  —  hier  ist  starker
Druck  und  Gefahr  der  Selbstentzündung  der  Kohle  —  je  1  m
eines  Vieleckausbaues  in  Holz  45,38  M.,  eines  U-Eisenringausbaues
mit  Holzverzug  315  M.,  eines  Eisenpfeilerausbaues  mit  Beton
494,06  M.!  Die  Kosten  für  den  im  Ruhrbezirke  am  meisten  verwendeten ­
  Eisenausbau,  der  eisernen  Türstockzimmerung,  sind  natürlich ­
  nicht  so  hoch,  überragen  jedoch  den  besten  Holzausbau
noch  oft  beträchtlich.  Eine  eiserne  Kappe  kostete  1900/1901  je
nach  Länge  und  Profilstärke  6—9  M.  =  3—6  M.  mehr  als  gute
Eichenkappen.  Alte  schweisseiserne  Schienen  kosteten  70—90  M.
pro  t,  Träger  bis  zu  145  M.  Da  die  Arbeitskosten,  wie  schon
erwähnt,  beim  Ausbau  selbst  die  geringere  Rolle  spielen,  so  richtet
sich  die  Verwendung  des  Materials  oft  —  unter  normalen  natürlichen ­
  Verhältnissen  —  nach  dem  Preise  des  Materials;  je  nachdem ­
  verwendet  man  Zimmerung  in  Holz,  Eisenausbau  oder  Mauerung ­
  8 ).  Diese  letzte  haben  wir  noch  zu  betrachten.  Sie  wird
heute  nicht  mehr  als  der  gegen  den  stärksten  Druck  widerstandsfähigste ­
  Ausbau  anerkannt,  da  es  vorkam,  dass  in  den  Füllörtern
oft  Mauern  von  2  m  Stärke  in  wenigen  Monaten  zerdrückt  wurden ­
  4 ).  Aber  die  Mauerung  hat  doch  den  Vorteil  einer  längeren
Widerstandsfähigkeit  ohne  Reparaturen.  Diese  Widerstandsfähigkeit ­
  hat  man  erhöht,  indem  man  nachgiebiges  Holz  eingefügt  hat;
bei  massigem  Drucke  ist  dieser  Ausbau  äusserst  vorteilhaft,  er
erfordert  fast  keine  Reparaturen  und  ermöglicht  eine  gute  Wetterführung. ­
  Feste  Mauerung  wird  als  Ausbau  z.  B.  verwendet  in
der  Nähe  der  Schächte  und  Querschläge.  Das  Material  bilden
feste  Grubenziegel.  Im  Ruhrgebiete  rechnet  man  bei  dieser  Ziegelsteinmauerung ­
  pro  Kubikmeter  nicht  unter  15  M.  an  Kosten,  demnach ­
  kostet  das  Ausmauern  eines  Querschlages  von  5  qm  Querschnitt ­
  schon  bei  nur  i 1 / 2  Steinen  Stärke  rund  45  M.  pro  laufenden ­
  Meter.
Mauerung  ist  auch  der  Ausbau  grosser  Hohlräume:  für  die
unterirdischen  Maschinen,  die  Füllörter  und  die  Pferdeställe  unter
I)  Entw.  Bd.  II.  364.  2)  Gl.A.  1904.  S.  647.
3)  Entw.  Bd.  II.  353.  4)  1.  c.  369.
        <pb n="36" />
        29

der  Erde.  Hierbei  ist  sie  oft  gar  nicht  zu  entbehren,  weil  sie  ja
wenig  Reparatur  erfordert  und  für  lange  Zeitdauer  bestimmt  ist.
Bei  den  blinden  Schächten  und  den  Bremsbergen  kommt  es
darauf  an,  den  Ausbau  so  vorzunehmen,  dass  keine  Veränderung
des  Querschnittes  stattfindet.  Dieser  würde  die  darin  stattfindende
Förderung  und  die  Fördergefässe  selbst  sehr  gefährden.  So  verwendet ­
  man  hier  Bolzenschrotzimmerung.  Es  sind  dies  starke
Holzgevierte,  die  je  nach  der  Festigkeit  des  Gesteins  auseinanderliegen. ­
  In  den  4  Ecken,  wenn  nötig  auch  noch  in  den  Seiten
selbst  werden  diese  Gevierte  durch  »Bolzen«  auseinandergehalten
(»abgestrebt«),  sodass  sie  nicht  zusammenfallen  können  (wir  befinden ­
  uns  ja  in  nichthorizontalen,  und  senkrechten  Strecken).  Ist
starker  Druck  vorhanden,  so  liegt  oft  ein  Geviert  auf  dem  andern,
wir  haben  dann  die  sehr  kostspielige  »ganze  Schrotzimmerung«.
Solche  Schrotzimmerungen  haben  vor  der  Mauerung  den  Vorteil
der  Elastizität  voraus.  Sie  sind  aber  teuer,  man  verwendet  dazu
das  beste  Eichenholz  zu  80—100  M.  pro  cbm.
Der  Ausbau  in  den  Ab  bauen  selbst  dient,  dazu,  das
freigewordene  Hangende  zu  stützen.  Er  ist  das  sog.  Stempelsetzen ­
  in  den  Kohlenflötzen,  das  im  Ruhrreviere  der  Kohlenhauer
selbst  vornimmt.  Der  Ausbau,  das  Sichsichern  gegen  Kohlenfall ­
  also,  findet  bei  der  Kohlengewinnung  meistens  mit  Holz  statt.
Bei  manchen  Abbaumethoden,  z.  B.  Pfeilerrückbau,  geht  jedoch
viel  Holz  verloren  oder  wird  zerdrückt.  Diese  Stempelzimmerung
im  Abbau  wird  in  letzter  Zeit  auch  versuchsweise  mit  Eisen  vorgenommen ­
  r ).  Nach  mannigfachen  Versuchen  hat  man  diese
Stempel  aus  Eisen  handlich  gemacht  (z.  B.  durch  einen  daran
befindlichen  Griff).  Ein  solcher  Stempel  kostet  heute  aber  noch
durchschnittlich  15  M.,  einer  aus  Tannenholz  nur  0,50  M.  Aber
der  eiserne  hat  den  Vorteil,  dass  er  öfter  benutzt  werden  kann,
er  ist  stehendes  Betriebskapital.  Weitere  Vorteile  sind,  dass  jetzt
die  unterirdischen  Holztransporte  z.  T.  erspart  werden,  und  dass
der  Arbeiter  besser  vor  der  Gefahr  des  Kohlenfalls  geschützt
wird.  Vor  allem  aber  wird  die  Verwendung  eiserner  Stempel
desto  rentabler,  je  mächtiger  die  Kohlenflötze  sind,  je  grössere
Abbauräume  also  gesichert  werden  müssen.  Aber  ein  relativ
gutes  Dach  ist  erforderlich.
Wir  haben  gesehen,  dass  der  Grubenausbau  grosse  Kosten
1)  Gl.A.  1904.  333  f.  Middendorf',  Ausbau  von  Abbaubetrieben  mit  eisernen
Stempeln.
        <pb n="37" />
        30

verursacht;  der  Gesamtverbrauch  der  benötigten  Materialien  ist
leider  nicht  festzustellen.  Wir  haben  aber  auch  gesehen,  dass
der  Ausbau  mit  der  Anlage  nicht  beendet  ist,  sondern  dass  seine
Erhaltung  je  nach  den  konkreten  Verhältnissen  schwankende  Reparaturkosten ­
  (Löhne)  verursacht.  So  kostet  der  Umbau  eines
Bremsberges  oft  4-—5  mal  so  viel  an  Löhnen  als  der  erste  Einbau
des  Holzes,  und  in  einem  Querschlage  einer  Grube  des  Ruhrbezirkes, ­
  der  stark  quellende  Sohle  hat,  sind  Nacht  für  Nacht
40  Reparaturhauer  tätig.  Der  Anteil  dieser  Arbeiterkategorie  an
der  Belegschaft  beträgt  im  Ruhrgebiete  durchschnittlich  10  %,
schwankend  von  etwa  8  %  (Hibernia  z.  B.)  bis  20—25  %  x ).  Um
diese  verschiedenen  Unterhaltungskosten  zu  verringern,  erheben
sich  an  fachmännischen  Forderungen  :  gute  Ausrichtung  im  Gestein, ­
  Verkürzung  der  Betriebsdauer  der  Baue  (namentlich  i  m
Flötze),  Verkleinerung  der  Abbaufelder  und  rascher  Verhieb
dieser  2 ).
II.  Die  Schächte.
Die  erste  Kohlengewinnung  fand  durch  Graben  im  Ausgehenden ­
  statt.  Man  denke  an  die  Tongewinnung  für  die  Ziegeleien,
wie  sie  in  den  sog.  Tongruben,  also  Tagebauen,  stattfindet.
Später  trieb  man  dann,  vom  Fusse  eines  Hügels  aus,  einen  geneigt-horizontalen ­
  Stollen,  der  zur  Förderung  und  zur  Entwässerung ­
  der  über  seinem  Niveau  gebauten  Kohle  diente.  Als  dann
die  Kohle  oberhalb  des  Stollens  abgebaut  war,  —  das  18.  Jahrhundert ­
  war  das  Jahrhundert  des  vorherrschenden  Stollenbaues  —
da  zwang  die  steigende  Nachfrage  zu  neuen  Wegen,  um  zur  Kohle
zu  gelangen.  ■  Dies  geschah  durch  Schächte,  d.  h.  durch  senkrechte ­
  Einschnitte  in  die  Erde.  Im  Ruhrgebiete  3 )  finden  wir  die
ersten  »Schächte«  nach  Art  von  Brunnen  gebaut.  Gegen  Zerdrückung
  der  Wände  schützte  man  sich  durch  Einbauen  von
Reisig,  dann  raubte  man  so  viel  Kohle  wie  möglich  und  —  grub
einen  neuen  »Schacht«.  Es  war  dies  die  Zeit  der  Dunkelbaue,
die  bis  ins  18.  Jahrhundert  reichte.  Dann  kam  die  Zeit  der
Stollen  und  danach  die  Zeit  der  sich  nach  und  nach  zu  gewaltigen ­
  Anlagen  entwickelnden  modernen  Schächte.  Zu  Zeiten  der
Grafschaft  Mark  betrug  bei  30—35  m  Teufe  der  lichte  Querschnitt
der  Schächte  1,5  mal  0,75  m,  bis  etwa  60  m  Teufe  1,90  mal  1,00  m.
1)  Entw.  Bd.  II.  377.  2)  Entw.  Bd.  II.  378.
3)  Entw.  Bd.  III.  15.
        <pb n="38" />
        3i

Sie  waren  in  ihrer  Form  4eckig;  zu  dem  runden  Schachte  griff
man  erst  Anfang  der  1870  er  Jahre.  Wie  es  in  unseren  Tagen
mit  diesen  Verhältnissen  bestellt  '  ist,  zeige  folgendes:  Um  die
Wende  des  letzten  Jahrhunderts  betrug  der  Gesamtflächeninhalt
aller  Schächte  Westfalens  5770  qm,  d.  i.  13,67  qm  als  Durchschnitt ­
  pro  Schacht  =  4,18  m  durchschnittlicher  Durchmesser,
auf  Rundschacht  berechnet.  Die  grösste  Schachttiefe  aber  war
774  m  (Monopol,  Schachtanlage  Grünberg).
Ehe  ich  zu  einer  Schilderung  der  Kosten,  die  solche  Schachtanlagen ­
  verursachen,  übergehe,  muss  ich  der  Technik  des  Schachtabteufens ­
  noch  einige  Worte  widmen,  und  zwar  soll  die  Methode
der  Herstellung  der  Schächte  und  die  Methode  ihres  Ausbaues  *)
wegen  des  engen  Zusammenhanges  ungetrennt  dargestellt  werden.
Unter  normalen  Verhältnissen,  also  bei  festem  wasserlosen
Gebirge  findet  das  »Schachtabteufen  von  Hand«  statt.  Die  mehr
oder  minder  unterstützte  Hand  der  Menschen,  der  Schachthauer,
teuft  den  Schacht  ab.  Der  Ausbau  bei  dieser  Methode  kann
sein  aus  Holz,  Eisen  oder  aus  Ziegelsteinen.  Bei  der  Zimmerung
findet  der  Ausbau  mit  der  uns  bereits  bekannten  ganzen  Schrotoder ­
  Bolzenschrotzimmerung  statt;  dieser  ähnlich,  nur  statt  Holz
Eisen,  ist  der  Eisenausbau.  Bei  diesen  Methoden  haben  die
Schächte  meist  ein  4  eckiges  Profil.  Bei  der  Mauerung  dagegen
ist  es  leicht  rund  zu  gestalten.  Die  Mauerung  ist  dauerhaft  und
fest,  aber  bei  grossen  Schachttiefen  erfordert  sie  eine  grosse
Weite  des  Schachtdurchschnittes.  Diese  Methoden  bewähren  sich
jedoch  nicht  bei  grossen  Wasserzuflüssen  oder  bei  schwimmendem ­
  Gebirge.  Sind  diese  beiden  Zustände  nur  in  geringem  Masse
vorhanden,  so  wendet  man  wohl  die  sog.  Getriebezimmerung  oder
Abtreibearbeit  an.  Sie  besteht  darin,  dass  man  Pfähle  oder  auch
ein  aus  dicht  zusammenschliessenden  Brettern  verfertigtes  Schachtmodell ­
  in  die  lockeren  oder  nassen  Massen  vorantreibt  und  diese
dann  daraus  entfernt.  Bei  festem  Gebirge  mit  grossen  Wassermengen ­
  aber  verwendet  man  Bohrschächte,  bei  grösseren  Schichten ­
  schwimmenden  Gebirges  Senkschächte  oder  auch  das  Gefrierverfahren. ­
  Es  sind  dies  vom  Standpunkte  der  Technik  aus  staunenswerte ­
  Methoden,  auf  deren  technische  Einzelheiten  wir  jedoch ­
  nur  ganz  kurz  eingehen  können.
Das  Schachtbohren  1  2 )  besteht  darin,  dass  man  mit  einem

1)  Vgl.  allgemein  Köhler,  Kat.  192  ff.
2)  Gl.A.  1S99.  1000:  Die  Bohrtechnik  in  ihrer  historischen  Entwicklung  bis  zu
        <pb n="39" />
        32

kleineren  Bohrer  (oft  z.  B.  8000  kg  Gewicht)  ein  sog.  Vorbohrloch
herstellt  und  dann  mit  dem  grossen  Bohrer  die  ganze  Schachtweite ­
  auf  einmal  ausbohrt.  Ein  solcher  Riesenbohrer  ist  z.  B.
4,30  m  breit  und  wiegt  15  000  bis  25000  kg  und  mehr.  Dementsprechend ­
  sind  Bohrturm  und  die  (oft  elektrisch  getriebenen)
Maschinen.  In  den  ausgebohrten  Schachtraum  wird  dann  als  Ausbau ­
  die  mit  der  Druckstärke  an  Dicke  zunehmende  eiserne  Cuvelage
  (d.  h.  geschlossene  eiserne  z.  B.  1,5  m  hohe  Ringe)  eingesenkt. ­
  Da  diese  Cuvelage  schwer  zu  handhaben  ist,  setzt  man
sie  wohl  auch  erst  aus  einzelnen  Teilen  (Tübbings)  zusammen.
Beim  Senkschachtverfahren  wird  der  Senkschacht  z.  B.  in  den
Schwimmsand  hineingepresst,  und  das  Eingesunkene  durch  Aufbauen ­
  über  Tage  ergänzt.  Ist  das  schwimmende  Gebirge  durchsunken, ­
  so  hat  man  nach  Erreichung  festen  Gebirges  auf  Herstellung ­
  des  B'usses  des  Senkschachtes  grosse  Sorgfalt  zu  verwenden ­
  ;  jetzt  kann  natürlich  etwa  von  Hand  weiter  abgeteuft
werden.
Das  Gefrierverfahren  besteht  darin,  dass  man  die  nassen
Schichten  gefrieren  lässt  und  sie  dann  wie  festes  Gebirge  abteuft.
Mit  der  Weite  und  der  Tiefe  der  Schächte  und  mit  der
Schwierigkeit  der  zu  durchteufenden  Schichten  hat  also  die  Technik ­
  glänzende  Triumphe  gefeiert.  Aber  gewaltig  sind  auch  die
Summen,  die  die  Schachtanlagen  kosten.  Wir  wollen  zwei  an
Kosten  äusserst  verschiedene  Beispiele  voranstellen  und  dann  zu
zusammenhängenden  Angaben  für  den  Ruhrbezirk  übergehen.
Der  Kirschheckschacht  Nr.  3  der  Grube  Von-der-Heydt  bei
Saarbrücken  x )  wurde  niedergebracht,  weil  die  beiden  vorhandenen
Schächte  zur  Menschenförderung  nicht  geeignet  waren,  der  alte  Weg
der  Mannschaft  zur  Arbeitsstätte  durch  den  Burbachstollen  aber
zu  weit  wurde.  Der  Schacht  hatte  rechteckige  Form,  es  wurde
ein  lichter  Raum  von  3,75  mal  2,5  m  gefordert,  bei  zweisteinstarker
Mauer  musste  der  Schacht  also  4,8  mal  3,7  m  weit  sein.  Da  das
Gebirge  sehr  günstig  war  (Schiefer  und  weicher  Sandstein)  brauchte
ihrer  gegenwärtigen  Vervollkommnung  und  Bedeutung;  auch  Gl.A.  1901.  641:  Schneiders, ­
  Zukunft  und  Ziele  der  Schachtbohrtechnik;  ferner  Gl.A.  1902.  553:  L.  Hoffmann,
  Das  Stossbohrverfahren  von  Pattberg  und  seine  Anwendung  beim  Abteufen
der  Schächte  IV  und  V  der  Zeche  Rheinpreussen  in  lockerem  Gebirge.  Dies  Verfahren ­
  wird  nach  II.  wegen  seiner  Kostenersparnis  in  lockerem  Gebirge  die  andern
Methoden  verdrängen.
1)  Klose,  Der  Kirschheck-Schacht  Nr.  3  des  königl.  Steinkohlenbergwerks  Vonder-Heydt
  bei  Saarbrücken.  Preuss.  Ztschr.  1895.  B.  10  f.
        <pb n="40" />
        33

man  für  229,5  m  Teufe  etwa  I  Jahr.  Dies  zu  329  Arbeitstagen
gerechnet,  wurde  pro  Tag  demnach  durchschnittlich  0,7  m  geleistet.
Die  Kosten  des  Abteufens  stellten  sich  auf  rund  96852  M.  =  341  M.
pro  m,  die  des  Schachtausbaues  auf  rund  116630  M.  =  382  M.
pro  m'.  Insgesamt  kostete  also  1  m  Schacht  rund  705  M.
Am  Niederrhein  dagegen  x )  setzten  sich  anfänglich  dem
Schachtabteufen  ganz  enorme  Schwierigkeiten  entgegen.  Im  Gegensatz ­
  zum  eigentlichen  Deckgebirge  Westfalens,  dem  Kreidemergel, ­
  decken  hier  Diluvialschichten  und  tertiäre  Bildungen  oft
schwimmender  Natur  das  Kohlengebirge.  Diese  Schwierigkeiten
musste  man  aber  erst  überwinden  lernen.  So  waren  20  Jahre
harter  Arbeit  notwendig  gewesen,  bis  im  Jahre  1877  Schacht  I
der  Zeche  Rheinpreussen  das  Steinkohlengebirge  erreicht  hatte.
Auch  das  Niederbringen  der  Schächte  der  Zeche  Deutscher  Kaiser
bei  Hamborn  war  schwierig  und  kostspielig.  Schacht  II  z.  B.
hatte  bei  Beginn  einen  lichten  Durchmesser  von  8,5  m,  später
musste  er  auf  5,5  m  verringert  werden,  ähnlich  bei  Schacht  III.
Die  Kosten  für  Absenken  des  Schachtes  II  bis  95,52  m.  Teufe  beliefen ­
  sich  auf  insgesamt  734621,03  M.  =  7691  M.  pro  m.  (Darin
Ausgaben  für  Vorrichtungen,  unter  andern  Erwerb  von  4  ha  Land
zu  je  6000  M.;  Bohrturm  etc.,  Senkmauer,  Material  und  Löhne.)
Bei  Schacht  III  kostete  das  Abteufen  bis  126,7  m  726060,69  M.
—  5730  M.  pro  m.
Für  das  Ruhrgebiet  hat  Hoffmann  im  Jahre  1901  für  120  in
den  10  Jahren  davor  niedergebrachte  Schächte  eine  Kostenberechnung ­
  angestellt 1  2 ),  aus  der  die  uns  interessierenden  Ergebnisse
hier  mitgeteilt  seien.  Schächte,  bei  denen  das  Abteufen  mit
aussergewöhnlichen  Schwierigkeiten  zu  kämpfen  hatte,  sind  in  die
Durchschnittsberechnungen  nicht  einbezogen.
Beim  Abteufen  auf  gewöhnliche  Weise,  d.  i.  unser  Abteufen
von  Hand,  betrugen  die  Leistungen  einschliesslich  definitiven
Ausbaues  durchschnittlich  im  Mergel  22  m,  im  Steinkohlengebirge
20  m  pro  Monat.  Der  Ausbau  bestand  im  Mergel  aus  Mauerung
und  Cuvelage,  im  Steinkohlengebirge  ausschliesslich  aus  Mauerung. ­
  Wurde  gleichzeitig  abgeteuft  und  ausgemauert,  so  wurde
die  Leistung  erhöht.  Aber  bei  Wasserzufluss  sank  die  Leistung,
1)  E.  Locke,  Das  Abteufen  der  neuen  Schächte  auf  Zeche  Deutscher  Kaiser  bei
Hamborn  und  die  bei  demselben  anwendbaren  Methoden.  Preuss.  Ztschr.  1893.  216  f.
2)  Gl.A.  1901.  775  f.:  L.  Hoffmann  ,  Leistungen  und  Kosten  beim  Schachtabteufen ­
  im  Ruhrbezirke;  hiernach  auch  »die  Angaben  in  Entw.  Bd.  III.  148  f.
Zeitschrift  fiir  die  ges.  Staatswissensch.  Ergänzungsheft  19.  3
        <pb n="41" />
        34

bei  i  —  2  cbm  Wasserzufluss  pro  Minute  im  Mergel  z.  B.  auf  13  m
pro  Monat.  Einige  Zahlen  für  einzelne  Schächte  geben  ein  anschauliches ­
  Bild  von  der  Verschiedenheit  der  Kosten.

Dauer

Leistung

Kosten

Schacht

des  Abteufens

pro  Monat

pro  laufenden  Meter

Monate

m

M.

General  Blumenthal  IV

u“&amp;gt;
CO

7,3

5  246

»  *  III

IO

6,3

5036

A.  von  Hansemann  II

13

5,°

10113

König  Ludwig  I

6

4,7

14714

Hansa  II

6

3,7

8727

Viktor  II

5,5

3,o

5  620

A.  v.  Hansemann  I

46

0,8

84  567

Das  Abteufen  des  letzten  Schachtes  hat  mit  den  hier  nicht  eingerechneten ­
  Pausen  wegen  riesiger  Wasserzuflüsse  21  Jahre  gedauert.
Doch  wie  ist  neben  dem  Schwanken  der  Kosten  infolge  der
vorhandenen  konkreten  Verhältnisse,  dem  Monopol  infolge  Gunst
oder  Ungunst  des  Gebirges,  wie  ist  neben  diesen  die  Gestaltung ­
  der  Kosten  nach  Weite  und  Teufe  der  Schächte?  Es  betragen ­
  bei  unserer  Methode  die  berechneten  Durchschnittskosten

(auf  Grund  der  Unterlage
in  M.  pro  lfd.  m.

der  120

Schächte)  je  nach  Durchmesser

Durchmesser
m

im  Mergel

im  Steinkohlengebirge

3,°—3,5

724

621

3,5—4,0

808

675

4,o—4,5

907

768

4,5—5,°

1017

841

5,o-5,5

1138

935

5,5-6,0

1201

996

Wir  sehen,  wie  mit  zunehmendem  Durchmesser
auch  die  Kosten  zu  nehmen  und  wie  sie  wegen  Wasserzufluss ­
  im  Mergel  höher  sind.  Der  Ausbau  hierbei  ist  gusseiserne
Cuvelage.  Bei  diesen  Berechnungen  ist  überall  wegen  Berechnung ­
  der  Kosten  für  die  Einrichtungen  die  Teufe  =  400  m  angenommen. ­
  Der  Teufe  nach  veranschaulichen  sich  die  Kosten
folgendermassen  :  Sie  betragen  in  M.  pro  lfd.  m  fertigen  Schachtes:

bei  m  Teufe

bei  4  cbm  bei  8  cbm
durchschnittlichem  Wasserzufluss  pro  Minute

5°

5  ooo

6  000

GO

7500

10  500

250

10  000

15  000

400

13  000

21  000

600

17  000

29  000

Die  letzten

Zahlen  sind

veranschlagt.

Wir  sehen  —

Durchmesser

stets  als

gleich  angenommen  —  wie  die
        <pb n="42" />
        35

Kosten  stetig  pro  Einheit  mit  derTiefe  wachsen
und  wie  bei  grösseren  Teufen  schon  eine  geringe  Wassermenge
sehr  kostspielig  zu  heben  ist.
Bei  dem  Schachtbohren  (Methode  Kind-Chaudron)  betrug ­
  die  durchschnittliche  Leistung  pro  Monat  mit  dem  kleinen
Bohrer  12m,  mit  dem  grossen  3,5m;  eine  Abnahme  der
Leistung  mit  der  Zunahme  der  Teufe  ist  bisher
nicht  zu  verzeichnen  gewesen.  Als  Grund  dafür  wird  Verbesserung ­
  der  Einrichtungen  und  Apparate  angegeben.  Aber
Durchmesser  und  Leistung  stehen  bei  dieser
Methode  im  umgekehrten  Verhältnisse.  Bei  dem
ganzen  Verfahren,  also  Bohren  und  Ausbauen,  schwankt  der
monatliche  Durchschnitt  zwischen  1,66  m  und  2,72  m,  im  Mittel
beträgt  er  2,26  m.  Die  Kosten  schwanken  bei  unserm  Material
zwischen  6474  M.  und  9633  M.  pro  m,  der  Durchschnitt  beträgt
8156  M.  Bei  einem  Durchmesser  von  ca.  4,40  m  und  gleicher
Höhe  des  abgebohrten  Schachtteiles  betragen  die  Kosten  dieses
Verfahrens  (in  den  letzten  Teufen  geschätzt)  :

bei  einer  mittleren  Bohrteufe
von  m
50
150
^00
450
600

pro  lfd.  m,  wenn  der  abzubohrende

Schachtteil

hoch  ist

100  m

50  m

M.  6  000

M.  7  000

»  6  500

»  7  600

»  8  700

»  10  000

»  12  500

»  14  000

»  iS  5oo

»  17  000

Dieses  Schachtbohrverfahren  ist  also  bei  nicht  mehr  als  50  m
Teufe  und  bei  Wasserzuflüssen  von  weniger  als  8  cbm  pro  Minute
teurer  als  das  soeben  geschilderte  Abteufen  auf  gewöhnliche
Weise.  Dagegen  ist  es  bei  grösserer  Wassermenge  oder  grösserer
Mächtigkeit  der  wasserreichen  Schichten  rentabler.
Die  Senkarbeit  findet  statt  bei  lockerem  Gebirge,  also
meistens  im  Anfänge  des  Abteufens.  Aber  am  Rheine  und  im
Norden  des  Ruhrgebietes  benötigt  das  Gebirge  sie  auf  grössere
Tiefen,  so  teufte  z.  B.  Schacht  Hugo  bei  Holten  178  m  damit
ab  1 ).  Wo  das  lockere  Gebirge  mit  nur  einem  Senkzylinder  zu
durchteufen  ist,  also  gering  ist,  rechnet  man  mit  ca.  12  m  Leistung ­
  pro  Monat;  in  der  Nähe  des  Rheins  jedoch  ist  wegen  der
toten  Wasser  die  Leistung  ausserordentlich  gering.  Ich  führe
folgende  Zahlen  an:

1)  Entw.  Bd.  III.  299,
        <pb n="43" />
        36

Schacht

Dauer  der  Senkarbeit
Monate

Leistung  pro  Monat
m

Rheinpreussen  X

246

0,51

»  II

84

L5 2

Ruhr  und  Rhein

91

0,87

Neumühl  II

6

5.00

An  der  Zeit  sieht  man  die  riesigen  Schwierigkeiten,  die  technisch ­
  zu  überwinden  waren,  die  aber  im  Laufe  der  Zeit  überwunden ­
  sind  und  so  zu  einer  Steigerung  der  Leistung  geführt
haben.  Mit  der  Mächtigkeit  des  lockeren  Gebirges
und  mit  der  Teufe  nehmen  allgemein  die  Leistungen ­
  infolge  wachsender  Schwierigkeiten
ab,  und  zwar  rechnet  man  bei  heutiger  Technik
bei  25—  50  m  Teufe  mit  5  m  Leistung  pro  Monat
»  150—200  »  »  »  2,5  »  »  »  »
»  250—300  »  »  »  1,5  *  »  »  *

Die  Kosten  der  Senkarbeit  betrugen  bei  massigen  Wasserzuflüssen ­
  und  bei  4,5  bis  7  m  Durchmesser  der  Senkmauer  z.  B.
bei  Schacht  Hugo  IV  945  M.,  bei  Schacht  Werne  I  2227  M.  pro
lfd.  m.  Als  Durchschnitt  bei  ähnlichen  Verhältnissen  und  bei  geringerer ­
  Mächtigkeit  des  lockeren  Gebirges  ergibt  sich  1615  M.
pro  lfd.  m.  Die  Kosten  schwanken  jedoch  ausserordentlich.  So
kostete  in  der  Nähe  des  Rheins  1  lfd.  m  Senkarbeit  (im  Maximum ­
  und  Minimum  einiger  Beispiele)  bei  Schacht  Hugo  12  799  M.
(noch  dazu  nur  Schachtabteufen)  und  bei  Schacht  Neumühl  I
3351  M.  Im  Durchschnitt  wird  man  die  Kosten  für  Teufen  von
25—300  m  wie  folgt  annehmen  können:

Teufe  in  m
25-  50
100  -  150
200—250
250—300

Kosten  pro  lfd.  m  in  M.
3  500
11  000
17  000
20  000

Bei  dem  etwa  300  m  mächtigen  lockeren  Gebirge  am  Westrande ­
  des  Ruhrkohlenbeckens  in  der  Nähe  der  Lippe  würde,  falls
die  Technik  des  Verfahrens  mit  Senkschächten  sich  nicht  ändert,
das  Durchteufen  17  Jahre  dauern  und  damit  ganz  gewaltige  Kosten
verursachen.
Bei  solchen  Schwierigkeiten  tritt  das  letzte  hier  zu  besprechende ­
  Verfahren,  das  Gefrierverfahren  (von  Poetsch)
ein,  das  bei  grösseren  Leistungen  unter  den  schwierigsten  Verhältnissen ­
  rentabler  als  das  heutige  Senkschachtverfahren  arbeitet.
        <pb n="44" />
        37

Im  Ruhrgebiete  ist  bis  1900  erst  1  Schacht  damit  niedergebracht 1 ).
Bei  5  m  lichtem  Durchmesser  betrugen  die  monatlichen  Leistungen
4  m  im  lockeren  Gebirge,  6  m  im  festen.  Die  Kosten  beliefen
sich  auf  4684  M.  durchschnittlich  im  lockeren  Gebirge  und  4163  M.
pro  m  im  wasserreichen  Gebirge.  Das  Wasser  ist  ja  auch  die
Domäne  des  Gefrierverfahrens.
Dieser  Abschnitt  über  die  Schächte  wäre  unvollkommen,
wenn  ich  nicht  der  wichtigen  Frage  der  Schachtreparaturen  einige
Worte  widmen  wollte.
Im  Süden  des  Ruhrgebietes  besteht  der  Schachtausbau  aus
Holz,  nur  bei  Wasser  aus  Mauerung;  ebenso  war  es  bis  gegen
Ende  der  1860er  Jahre  mit  den  Schächten  im  mittleren  und  nördlicheren ­
  Teile  des  Beckens.  Später  trat  hier  dann  die  kreisrunde
Mauerung  und  eiserne  Cuvelage  die  Herrschaft  an.
Die  neueren  Schächte  mit  Mauerung  und  gusseiserner  Cuvelage ­
  sind  in  ausgezeichnetem  Zustande  2 ).  Die  Reparaturen,  die
von  den  Schachthauern  in  Nachtschicht  vorgenommen  werden,
belaufen  sich  nur  auf  5—7  M.  pro  lfd.  m  saigere  Schachttiefe  und
weniger.  Bei  Ausbau  mit  Holz  oder  Schmiedeeisen  dagegen
ist  der  Schacht  (namentlich  bei  nahem  Abbau)  oft  nur  mit  grössten ­
  Anstrengungen  im  Betriebe  zu  halten;  ja  oft  sind  die  Unterhaltungskosten ­
  so  gross,  dass  fast  ein  Neubau  geraten  scheint.
Von  welchem  Einflüsse  aber  die  Art  des  Ausbaues  auf  die  Höhe
der  Unterhaltungskosten  ist,  zeigen  folgende  Zahlen:  Es  betrugen
bei  Holzausbau  (Durchschnitt  aus  58  Schächten)  die  Kosten  (Löhne
und  Materialien)  pro  m  37,04  M.,  bei  Schmiedeeisen  (Durchschnitt
aus  22  Schächten)  23,17  M.,  bei  Mauerung  und  Cuvelage  (aus  81
Schächten)  11,37  M.  Es  haben  also  die  Schächte,  deren  Ausbau
»modern«  ist,  in  denen  jedoch  viel  Kapital  investiert  ist,  bei  den
Unterhaltungskosten  einen  grossen  Vorteil.  Es  ist  aber  zu  bedenken, ­
  dass,  wenn  sie  einmal  eine  grössere  Reparatur  erfordern,
diese  ausserordentlich  schwierig  ist.
Wie  steht  es  zum  Schluss  mit  der  Zahl  und  der  Art  der
Schächte?  Verschiedene  Schächte  oder  Schachtanlagen  bilden
eine  Grube,  ein  Werk  oder  eine  Zeche.  Diese  Worte  weisen  auf
etwas  örtlich  und  betriebstechnisch  Zusammenhängendes  hin 3 ).

I)  Entw.  Bd.  III.  533.  2)  Entw.  Bd.  III.  538.
3)  Hier  wird  nur  der  technische  Betrieb  betrachtet,  die  Formen  des  w  i  r  t-
        <pb n="45" />
        38

Bei  einer  gewissen  Grösse  des  Betriebes  bezw.  bei  einer  gewissen ­
  Höhe  der  Förderung  finden  wir  nun  aus  betriebstechnischen ­
  Gründen  mehrere  Schächte,  durch  die  sich  gleichzeitig  die
ökonomischen  Vorteile  der  Arbeitsteilung  erreichen  lassen.
Hauptzwecke,  denen  Schächte  dienen  können,  sind  Förderung, ­
  Wasserhaltung,  Fahrung,  Bewetterung,  auch  das  Hinablassen
von  Versatzmassen.  Es  leuchtet  ein,  dass  sich  theoretisch  —
die  jeweils  nötige  intensive  Massenförderung  vorausgesetzt  —  die
grössten  Vorteile  ergeben,  wenn  für  jeden  Hauptzweck  ein  besonderer ­
  Schacht,  also  Arbeitsteilung,  vorhanden  ist.  Einmal  fällt
dann  eine  gefährliche  Interessenkollision  fort,  bei  der  die  Förderung ­
  nicht  immer  zum  Vorteile  des  Gesamtbetriebes  oder  der
beschäftigten  Arbeiter  den  Sieg  davon  tragen  kann.  Sodann  aber
ermöglicht  die  Arbeitsteilung  nach  Schächten  eine  dem  bestimmten ­
  Zwecke  möglichst  entsprechende  Anpassung  in  Anlage  und
Betrieb;  sie  vermeidet  ferner  Aenderungen  und  Pausen  des  Betriebes, ­
  steht  doch  bei  gleichen  Schächten  z.  B.  während  der  Mannschaftsfahrt ­
  der  Förderbetrieb  stille.  Kurz  die  Arbeitsteilung  bietet ­
  die  Vorteile  der  kontinuierlichen  Intensität  der  mechanischen
Bewegung.  Doch  diesem  setzen  die  Kosten  die  Grenze.  Wollte
man  glauben,  diesem  dadurch  gerecht  werden  zu  können,  dass
man  in  möglichst  wenigen  Schächten  möglichst  viel  vereinigt,  so
ist  dagegen  auf  die  hierbei  entstehende  Unsicherheit  und  Kompliziertheit ­
  des  Betriebes  hinzuweisen.  Seit  1887  muss  übrigens,
wie  sonst,  so  auch  im  O.  B.  B.  Dortmund,  jeder  Betrieb  zwei
fahrbare  Ausgänge  haben.
Man  ist  in  Wirklichkeit  zu  einem  gemischten  Systeme  gelangt: ­
  möglichste  Arbeitsteilung  nach  Schächten,  —  soweit  es
die  Kosten  erlauben.  So  finden  wir  um  1900  im  Ruhrgebiete  von
422  betriebenen  Schächten  279  Förderschächte,  139  Wetterschächte
und  4  lediglich  Fahrschächte.  Die  Wasserhaltung  befindet  sich
im  jeweils  tiefsten,  also  wohl  meistens  dem  Förderschachte.  Was
Bewetterung  anlangt,  so  hat  man  im  Norden  des  Ruhrgebietes
noch  keine  getrennten  Ein-  und  Ausziehschächte.  Es  wird  jedoch
daraufhingewiesen,  dass,  wenn  hier  erst  die  Schlagwetterflötze
erreicht  sind,  sogar  die  Zechen  dazu  übergehen  müssen,  die  die

schaftlich  en  Betriebes,  in  die  die  »Zechen«  eingegliedert  sind,  werden  im  folgenden ­
  Kapitel  besprochen.
        <pb n="46" />
        39

mächtigen  Schwimmsandschichten  des  Rheintals  zu  durchteufen
haben  J ).
Es  war  ein  weiter  Weg  vom  alten  Dunkelbau  bis  zu  einer
modernen  Grubenanlage.  Ein  Weg  ausgedehnter  Spezialisation,
bei  dem  das  technische  integrum  bis  jetzt  allgemein  gewahrt  blieb.

)  Entw.  Bd.  II.  io.  12.
        <pb n="47" />
        40

Drittes  Kapitel.
Die  Ursachen  und  die  Wirkungen  des  Gesetzes  des
abnehmenden  Ertrages.
Die  Erfahrung  hat  gelehrt,  dass  die  Kohlenvorräte  eines  einzelnen ­
  Beckens  sowohl,  wie  die  der  Erde  überhaupt  in  unvermehrbarer ­
  Menge  vorhanden  sind.  Demnach  müssen  sie  sich  einmal
infolge  des  Abbaues  erschöpfen.  Wann  dies  eintreten  wird,  ist
verschiedentlich  geschätzt.  Bis  weit  in  das  vorige  Jahrhundert
hinein  herrschte  in  dieser  Frage  etwas,  was  ich  naiven  Optimismus ­
  nennen  möchte.  Man  sah  schier  unergründliche  Kohlenschätze, ­
  besonders  in  dem  Becken,  in  dem  man  gerade  ansässig
war.  Dann  kam  eine  Periode  des  verzweifelnden  Skeptizismus,
in  welcher  man  den  Zusammenbruch  des  »Zeitalters  des  Dampfes« ­
  schon  ganz  nahe  sah.  Endlich  kam  die  Epoche  des  kalten
Kritizismus.  Man  sammelte  die  beim  Erbohren  von  Kohlenfeldern ­
  gemachten  Erfahrungen,  und  mit  diesen  Unterlagen  rechnete
man.  So  schätzte  Nasse  im  Jahre  1893  den  Steinkohlenvorrat
Deutschlands  ] )  auf  109  Milliarden  Tonnen.  In  Mitteleuropa  sind
nach  ihm  360  Milliarden  t  abbauwürdig,  deren  Erschöpfung  sich
in  Oesterreich,  Frankreich  und  Belgien  nach  spätestens  500  Jahren, ­
  dann  in  Grossbritannien  und  zuletzt  in  Deutschland,  hier
vielleicht  erst  nach  800  —1000  Jahren  fühlbar  machen  werde.  Bei
einer  stärkeren  Steigerung  der  Produktion  werde  die  Frist  verkürzt ­
  werden.
Vor  allem  hat  man  in  England,  in  dem  die  moderne  industrielle ­
  Entwicklung  zuerst  sich  anbahnte,  der  Frage  der  Erschöpfung ­
  der  Kohlenvorräte  besonderes  Augenmerk  zugewendet  und
die  Kohlenvorräte  des  öfteren  auf  ihre  Menge  untersuchen  lassen. ­
  Nach  dem  Berichte  der  letzten  Untersuchungskommission

1)  Nasse,  ICohlenvorräte  .  .  .  34.  36,
        <pb n="48" />
        41

aus  dem  Jahre  1904  enthalten  die  bereits  untersuchten  und  abbaufähigen ­
  Kohlenfelder  -—  Felder  bis  zu  4000  Fuss  Tiefe  und
1  Fuss  Mindestdicke  —•  rund  101  Milliarden  t  Kohle.  In  mehr
als  4000  Fuss  Tiefe  sind  rund  weitere  5  Milliarden  t.  Bei  der
jetzigen  jährlichen  Ausbeute  wäre  England  also  noch  für  ein
»knappes  Jahrtausend«  mit  Kohle  versorgt l ).
Mögen  in  allen  diesen  Berechnungen  auch  manche  Fehler
sein,  deren  Quelle  darin  liegt,  dass  es  den  Menschen  nicht  gegeben ­
  ist,  das  Zukünftige  zu  erkennen,  so  sehen  wir  doch,  dass  einmal ­
  die  Kohlenschätze  zu  Ende  gehen.  Was  dann  geschieht,
darüber  schon  heute  sich  den  Kopf  zu  zerbrechen,  wollen  wir  prophetisch ­
  veranlagten  Menschen  überlassen.
Ferner  ist  das  Kohlenvorkommen  sowohl  nach  den  Becken,
als  auch  innerhalb  des  einzelnen  Beckens,  wie  dem  Leser  hinlänglich ­
  bekannt  ist,  äusserst  verschieden.  In  den  verschiedenen
natürlichen  Verhältnissen,  unter  denen  die  Kohle  gelagert  ist,
und  in  der  ein  für  allemal  gegebenen  Lage  der  Werke  zum  Markte
drückt  sich  die  Unvertretbarkeit  der  abzubauenden  Kohlenschätze ­
  aus.  Die  abgebaute  Kohle,  das  Handelsobjekt,  gehört ­
  jedoch  innerhalb  der  einzelnen  Sorten  zu  den  nach  Typen
gehandelten  fungiblen  Waren.  Wie  die  Kartellenquete  zeigte,
wollen  die  Kartelle  bisweilen  eine  Art  absolute  Vertretbarkeit
herbeiführen  und  die  aus  natürlichen  Gründen  bedingte  Verschiedenheit ­
  der  einzelnen  Kohlensorten  mit  Gewalt  modifizieren,  indem ­
  sie  sich  die  Dringlichkeit  der  Nachfrage  seitens  des  Konsumenten ­
  bei  der,  wenn  auch  nicht  völlig  fehlenden,  so  doch
äusserst  beschränkten  anderweitigen  Beschaffungsmöglichkeit  zu
Nutze  machen  und  mit  der  gewünschten  Qualität  eine  oft  weniger ­
  geeignete  Qualität  mitliefern.  Dieses  gewaltsame  Stabilieren
geht  gegen  die  Natur  der  Dinge  und  schädigt  den  Konsumenten.
Es  lässt  sich  auf  die  Dauer  nicht  halten.
Der  Steinkohlenbergbau  sucht  die  unter  diesen  Voraussetzungen ­
  :  Unvermehrbarkeit  und  Unvertretbarkeit  vorkommenden
Kohlen  zu  gewinnen,  sein  Betrieb  fällt  somit  unter  die  Kategorie ­
  »Rohstoffproduktion«.  Für  diese  gilt  das  Gesetz  des  abnehmenden ­
  Ertrages,  d.  h.  die  Gewinnungskosten  steigen  unter
sonst  gleichbleibenden  Verhältnissen  mit  der  Tiefe,
aus  der  die  Kohle  gewonnen  werden  muss,  oder  mit  der  Abnahme

1)  Zeitungsnotizen  vom  Februar  1905.
        <pb n="49" />
        42

der  Flötzmächtigkeiten;  damit  sinken  die  Erträge  im  Verhältnis ­
  zum  aufgewendeten  Kapital.
Für  England 1 )  zeigen  folgende  Zahlen  sehr  deutlich  den  Zusammenhang ­
  zwischen  den  Gesamtproduktionskosten  und  den
Flötzmächtigkeiten.  Es  betrugen  nämlich  die  Selbstkosten  beim
Bau  dünner  Flötze  in  den  Bezirken  von  Airdrie  und  Slamanann
unter  Zugrundelegung  eines  Lohnes  von  6  s.  pro  Schicht.

Flötzmächtigkeit


Hauer-  und
Schlepperlöhne ­


Sonstige
Kosten
unter  Tage

Holzkosten ­


Kosten
über  Tage
und  allgemeine ­

Kosten

Lasten
und
Abgaben ­


Gesamtkosten ­

pro  t

35.5-38,1  cm

5  s  2  d

1  s

3  d

10  d

10  d

8  s  1  d

38,1—45,7  »

4  »  4  »

I

3  »

10  »

10  »

7  »  3  »

45&amp;gt;7—6i,o  »

3  »  5  »

I  »

3  »

10  »

10  »

6  »  4  »

61,0—76,2  «•

2  &amp;gt;  9  »

I  »

3  »

10  »

10  »

5*8»

Wenn

es  nun  keine  Möglichkeit

gäbe,  das

Gesetz

des  abnehmenden



Ertrages,

das  sich

bei

der  Kohlen  ge-winnung

geltend  macht,  zu  suspendieren,  so  hätte  der  Steinkohlenbergbau
entweder  erliegen  müssen  oder  aber  bei  bleibender  Nachfrage
hätten  die  Preise  enorm  steigen  müssen,  was  eine  ökonomische
Erschöpfung  der  Kohlenvorräte  bedeutet  hätte.  Dies  ist  jedoch
nicht  der  Fall.  Wohl  sind,  wie  wir  später  sehen  werden,  die
Kohlenpreise  im  Laufe  der  Zeiten  gestiegen;  aber  der  Steinkohlenbergbau ­
  ist  nicht  erlegen,  sondern  hat  sich  zu  grosser
Blüte  entfaltet.
Was  sind  die  Gründe  hierfür  f
Die  Produktionskosten  der  Kohle  setzen  sich  zusammen  aus
den  Gewinnungskosten,  d.  h.  den  Kosten  für  Loslösen  der  Kohle
aus  der  natürlichen  Lagerstätte  bis  zu  ihrem  Eintritt  in  die  Förderwagen. ­
  Dieser  Teil  der  Kohlenproduktion,  also  die  Kohlengewinnung, ­
  ist  in  obenerwähnter  Weise  dem  Gesetze  des  abnehmenden ­
  Ertrages  unterworfen.  Der  Rest  der  Produktionskosten,
den  vor  allem  die  Förderkosten  bilden,  findet  aber  (als  maschineller ­
  Transport)  unter  dem  Gesetze  des  zunehmenden  Ertrages
bei  zunehmender  Kapitalkonzentration  statt  (vgl.  das  I.  Kapitel).
Es  gibt  beim  preussischen  Bergbau  keine  irgendwie  vergleichbare ­
  oder  gar  spezialisierte  Produktionskosten-Statistik,  die  das
eben  Gesagte  zahlenmässig  erkennen  liesse.  Wir  müssen  uns
also  in  dieser  äusserst  wichtigen  Frage  damit  bescheiden,  wiederum
i)  Aus  dem  First  report  of  the  Royal  Commission  of  Coal  Supplies.  cit.  Gl.A.
I903-  1235  f.
        <pb n="50" />
        43

nur  die  Art  der  Einflüsse,  nicht  jedoch  die  Grösse  des  Anteils
der  einzelnen  Faktoren  eingehend  festzustellen.  Am  Schlüsse
der  Ausführungen  über  diese  Anteile  sollen  dann  mir  erreichbar
gewesene  Produktionskosten  x )  mitgeteilt  werden.
Beeinflusst  werden  die  Produktionskosten  durch  die  bereits
erwähnten  natürlichen  Bedingungen,  unter  denen  die  Kohle  vorkommt ­
  (I),  sie  selbst  zerfallen  der  Hauptsache  nach  in  die  Kosten
für  Verwendung  von  menschlichen  Arbeitskräften  (II)  und  in  Kosten ­
  für  die  Aufwendungen,  die  die  verschiedenen  Arten  der
Kapitalien  verursachen  (III).
Wir  wollen  die'  einzelnen  Anteile  zuerst  unter  der  Fiktion
besprechen,  dass  die  andern  jedesmal  gleich  bleiben.  Hiernach
wollen  wir  zu  der  Kombination  daraus  übergehen,  die  ja  die
reale  Wirklichkeit  bildet.
I.  Die  natürlichen  Verhältnisse,  also  vor  allem  die  Mächtigkeit, ­
  die  Beschaffenheit  und  die  Lagerung  der  Flötze,  bedingen
bis  zu  einem  gewissen  Grade  die  Abbautechnik  und  damit  die
Gewinnungskosten  der  Kohle.  Der  Preis  der  Kohle  wird  sich
bei  freier  Konkurrenz  danach  bestimmen,  wie  hoch  die  Produktionskosten ­
  des  fördernden  Werkes  sind,  das  zur  Deckung  einer
vorhandenen  Nachfrage  noch  herangezogen  werden  muss  und
das  unter  den  ungünstigsten  Bedingungen  produziert.  Alle  übrigen
Werke  haben  Monopolrenten,  die  sich  noch  weiter  nach  Qualität ­
  der  Kohle  und  Lage  der  Produktionsstätte  zum  Absatzmärkte ­
  verschärfen.  Auf  die  Wirkungen  dieser  Differentialrenten
werden  wir  später  noch  ausführlich  zu  sprechen  kommen.
Wenn  nun  die  Nachfrage  weiter  wächst,  und  die  jeweils  am
billigsten  zu  bauenden  Flötze  abgebaut  sind,  so  müssen  entweder ­
  schwieriger  zu  bauende  Flötze  in  Angriff  genommen  werden, ­
  d.  h.  die  Gewinnungskosten  und  damit  die  Preise  müssen
steigen,  oder  aber,  wenn  fremde  freie  Konkurrenz  vorhanden  ist,
die  nicht  duldet,  dass  die  Preise  den  Gewinnungskosten  des  betreffenden ­
  Gebietes  entsprechen,  muss  hier  der  Bergbau  erliegen,
da  auf  die  Dauer  mit  Verlust  zu  arbeiten  nicht  möglich  ist;  es  sei
denn,  dass  die  Gesamtheit  der  Volksgenossen  ihn  auf  sich  verteile.
Die  jeweiligen  technischen  und  wirtschaftlichen  Betriebsbei)
  Wie  die  Kartellenquete  (vgl.  kontradiktorische  Verhandlungen  über  deutsche
Kartelle.  Berlin  1903.  Bd.  I.  323)  zeigt,  hat  man  die  Produktionskosten,  in  deren
Kenntnis  das  wichtigste  Moment  zur  Beurteilung  der  Preispolitik  der  Werke  bezw.
Kartelle  liegt,  mit  dem  dichten  Schleier  des  »Geschäftsgeheimnisses«  bedeckt.
        <pb n="51" />
        44

dingungen  bestimmen  demnach  die  Grenzen  des  Bergbaues.  Damit ­
  bestimmen  sie
I.  die  sog.  Abbauwürdigkeit  der  Fiötze,  d.  h.  die  Mindestmächtigkeit, ­
  bei  welcher  jeweils  der  Abbau  noch  lohnt.  Je  tiefer  ein
Schacht  ist,  desto  schwieriger  ist  allgemein  schon  der  Abbau
an  sich:  der  Gebirgsdruck,  die  Temperatur  des  Gebirges,  die  Schlagwetterentwicklung ­
  nehmen  zu.  Damit  wird  die  Bewetterung  schwieriger. ­
  Gleichzeitig  ist  ein  grösseres  Anlagekapital  erforderlich.
Und  so  werden  in  der  Tat  »auch  viele  Lagerstätten,  die  in  mittleren ­
  Teufen  noch  mit  Vorteil  ausgebeutet  werden  können,  in
grosser  Tiefe  unbauwürdig  allein  durch  die  bedeutend  gesteigerten ­
  Kosten  des  Abbaues« 1 ).  Die  Gewinnbarkeit  als  solche  ist
infolge  des  grösseren  Gebirgsdruckes  vielleicht  leichter  1  2 ).  Somit
ist  der  Begriff  der  Bauwürdigkeit  ein  äusserst  relativer.  Neben
natürlichen  Verhältnissen  spielt  die  jeweilige  Abbautechnik  eine
grosse  Rolle.  Das  zu  erstrebende  Ziel  dieser  muss  sein,  die  Abbauwürdigkeit ­
  der  Fiötze  auszudehnen,  d.  h.  schwieriger  zu  bauende ­
  Fiötze  ohne  zu  grosse  Preissteigerungen  auch  abzubauen,
damit  die  Kohlenvorräte  nicht  verloren  gehen.  Ich  erwähne  hier
die  volkswirtschaftlichen  und  privatwirtschaftlichen  Vorteile  des
Schlammversatzverfahrens  3 ).  »Das  Spülverfahren  wird  einen  eminenten ­
  staatswirtschaftlichen  Nutzen  mit  sich  bringen,  weil  damit
auch  z.  Z.  als  unbauwürdig  in  der  Grube  belassene  Fiötze  für
die  spätere  Gewinnung  reserviert  bleiben,  während  nach  dem  gegenwärtigen ­
  Stande  der  Technik  die  auf  einer  Sohle  nichtgewinnbaren ­
  Kohlenvorräte  für  alle  Zukunft  als  verloren  gelten  müssen« ­
  4 ).
Ferner  ist  der  Einfluss  der  Qualität  der  Kohle  auf  die  Bauwürdigkeit ­
  zu  beachten.  Die  für  gute  Sorten  gezahlten  Preise
ermöglichen  den  Abbau  geringerer  Fiötze.
Es  bleibt  uns  noch  übrig,  für  die  Bauwürdigkeiten  der  Fiötze

1)  Hraback-Tietze,  Ueber  die  Möglichkeit  des  Abbaues  in  grossen  Tiefen.  Gl.A.
1901.  277.
2)  Gl.A.  1904.  1240.
3)  Dies  besteht  darin,  dass  in  die  abgebauten  Hohlräume  durch  Röhrenleitungen
eine  breiigflüssige  Masse  (Sand,  Lehm,  gemahlene  Hochofenschlacke)  gespült  wird,
wodurch  die  mit  den  unterirdischen  Hohlräumen  verbundenen  Gefahren  (Einsturz  des
darüber  befindlichen  Hangenden,  oberirdische  Brüche)  fast  beseitigt  werden.
4)  Jahresbericht  des  Vereins  für  die  bergbaulichen  Interessen  im  Oberbergamtsbezirk ­
  Dortmund  1903.  I.  66.
        <pb n="52" />
        —  45  —
in  den  letzten  Jahren  einige  allgemeine  Durschnittszahlen  anzuführen. ­

In  Oberschlesien  gelten  Plötze  unter  r,5  m  als  unbauwürdig 1 ).
Für  1893  berichtet  Nasse  2 )  folgendes:  »In  Oberschlesien  ist  ähnlich ­
  wie  in  Nordamerika  der  Kohlenreichtum  gegenwärtig  noch
so  gross,  dass  trotz  der  dortigen  niedrigen  Arbeitslöhne  Flötze
unter  1  m  nirgends,  auf  manchen  Gruben  nicht  einmal  Flötze
unter  1,50  m  gebaut  werden«.  Mitte  der  1890er  Jahre  war  von
den  ganzen  hangenden  Flötzen  kein  einziges  mit  Nutzen  zu  bauen  3 ).
Aber  auch  allzumächtige  Flötze  sind  teuer  zu  gewinnen.  So
steigen  bei  über  4  m  Mächtigkeit  die  Gewinnungskosten  und  die
Abbauverluste 4 ).  Diese  betragen  oft  25—35%  5  * ).
Im  Ruhrbezirke  wurden  um  die  Mitte  der  1890er  Jahre  etwa
70  Flötze  von  durchschnittlich!  m  Mächtigkeit  als  bauwürdig ­
  angesehen  °).  Es  sind  jedoch  Mächtigkeiten  von  50  cm
noch  bauwürdig,  wenn  sie  auch  »nicht  mehr  gern«  gebaut  werden ­
  7 ).  Nasse 9 )  sah  60  cm  als  unbauwürdig  an,  auch  im  Saargebiete. ­

In  Frankreich  und  Belgien 9 )  sind  Flötze  von  40  cm  noch
bauwürdig;  in  den  1880er  Jahren  hielt  Demanet  Flötze  unter
40  cm  nur  bei  besonderer  Qualität  für  bauwürdig  10  11 ).
Die  Bauwürdigkeit  in  England  ist  minimal  im  Durchschnitt
50  cm 11 ).  In  Durham  und  Northumberland  galten  um  1893  Flötze
unter  70  cm  als  unbauwürdig  8 ).  Heute  besitzen  die  bisher  in  grossen ­
  Tiefen  gebautenFlötze  fast  durchweg  Mächtigkeiten  über9i,4cm.
Nur  als  Ausnahmen  werden  Flötze  von  56,6  und  90  cm  gebaut 12 ).
Es  ist  jedoch  zu  bemerken,  dass  gerade  die  stärksten  Flötze
besonders  zum  schädlichen  Raubbau  reizen.  So  sagt  Gutmann:
»Es  ist  eine  traurige  Erscheinung  und  steht  mit  unserem  gegenwärtigen ­
  bergtechnischen  Wissen  und  angesammelten  Erfahrungen
durchaus  nicht  im  Einklänge,  dass  man  allgemein  nur  in  jenen
1)  Müller-Hussmann,  Gl.A.  1903.  917.  2)  Nasse,  Kohlenvorräte  7.
3)  Vgl.  Festgabe  für  den  V.  allgemeinen  deutschen  Bergmannstag.  Breslau  1892.
4)  Wachsmann,  Das  neue  Schlammversatzverfahren  beim  oberschlesischen  Steinkohlenbergbau ­
  Gl.A.  1903.  81.
5)  1.  c.;  auch  Wiskott,  Die  neueren  Aufschlüsse  in  Oberschlesien  Gl.A.  1903.  98.
6)  Leo  Cremer,  Gl.A.  1893.  900.
7)  Gutmann,  im  Berg-  und  Hüttenmännischen  Jahrbuche  1899.  207.
8)  Nasse,  Kohlenvorräte  7.  9)  1.  c.  Anm.  5.  u.  6.
10)  Demanet,  Der  Steinkohlenbergbaubetrieb  11.
11)  Gutmann,  1.  c.  208.  12)  Gl.A.  1903.  1235  f.
        <pb n="53" />
        46

Gruben  reinen  Abbau  treibt,  in  welchen  die  Natur  mit  den  Mächtigkeiten ­
  der  F'lötze  sparsam  war,  und  dass  man  den  unvollständigen
Abbau  überall  und  in  allen  Ländern  antrifft,  wo  die  Natur  freigebig ­
  war« 1 ).  Er  kann  darauf  hinweisen,  dass  z.  B.  eine  englische
Grube  im  Zentralbecken  bei  7  m  reiner  Kohlenmächtigkeit  65  %
Abbauverlust  habe.
Die  jeweiligen  technischen  und  wirtschaftlichen  Betriebsbedingungen ­
  bestimmen
2.  die  Teufengrenzen.
Ich  verweise  hierbei  auf  das  im  2.  Kapitel  über  die  Schächte
Gesagte.  Wie  sich  die  Teufengrenze  in  einigen  Hauptkohlenbezirken ­
  stellt,  zeigen  folgende  Zahlen  1  2 )  :
Südwales  677  m,  Westfalen  800  m,  Lancashire  1061  m,  Manchester ­
  778  m,  Schottland  823  m,  Belgien  1150  m.  Man  sieht,
aus  wie  grossen  Tiefen  ein  altes  Bergbauland  wie  Belgien  fördert,
und  wie  günstig  die  Werke  in  den  Vereinigten  Staaten  daran
sind,  die  sich  heute  in  dieser  Beziehung  in  derselben  Lage  befinden, ­
  wie  England  vor  50  bis  60  Jahren 3 ).
Die  Schwierigkeiten,  die  grosse  Teufen  schon  an  sich  bilden, ­
  liegen  einmal  darin,  die  Steinkohle  überhaupt  zu  erreichen,
was,  wie  wir  sahen,  schon  unter  normalen  Verhältnissen  grosse
Kapitalaufwendung  erfordert.  Dann  sind  wiederum  der  zunehmende ­
  Gebirgsdruck,  die  schwierigere  Wasserhaltung  und  der
Wetterwechsel  mit  seinen  Kosten  in  Betracht  zu  ziehen.  Diese
Einflüsse  verschärfen  sich  bedeutend,  wenn  Wirkungen,  die  in
geringerer  Bauwürdigkeit  (1)  der  Flötze  begründet  sind,  hinzutreten. ­
  Vor  allem  aber  liegt  die  Hauptschwierigkeit  in  der  Förderung ­
  aus  sehr  grossen  Teufen.  Um  diese  zu  ermöglichen,  ist  es
unerlässlich,  im  Falle  intensiven  Betriebes  wie  beim  Steinkohlenbergbau ­
  von  1200  m,  in  allen  übrigen  Fällen  aber  sicher  von
1500  m  an  zwei  Fördermaschinen  zu  verwenden,  von  denen
die  eine  zu  der  andern  hebt,  sei  es,  dass  nun  beide  über  Tage
stehen  oder  dass  die  eine  unter  Tage  aufgestellt  ist 4 ).
Eine  andere  Methode  ist  die  pneumatische  Forderung.  Hierbei ­
  fällt  jedes  Seil  fort.  In  dem  Schachte  wird  ein  Gestell,  auf
dem  sich  die  Förderwagen  befinden,  durch  Luftdruck  emporge1) ­
  Gutmann,  im  Berg-  u.  Hüttenm.  Jahrb.  1899.  207.
2)  Gl.A.  1903.  1235  f.
3)  Berg-  und  Hüttenmännische  Ztg.  1899.  233:  Zur  Steinkohlenfrage.
4)  Hraback-Tietze,  I.  c.  Gl.A.  1901.  277.
        <pb n="54" />
        47

presst.  Notwendig  ist  äusserste  Stabilität  des  Schachtrohres,  damit ­
  der  Kolben  immer  dicht  anschliesst.  Diese  Förderung  ist
jedoch  wegen  starken  Kohlenverbrauches  sehr  kostspielig 1 ).
Ich  erwähne  diese  Beispiele,  um  zu  zeigen,  wie  mit  der  wirtschaftlichen ­
  Notwendigkeit  sich  stets  das  Streben  zeigt,  auch  Abhilfe ­
  zu  schaffen.  Damit  ist  nicht  gesagt,  dass  gleich  das  Ziel  vollkommen ­
  erreicht  zu  sein  braucht.
II.  Wir  werden  noch  sehen,  dass  die  eigentlichen  Kohlengewinnungskosten ­
  einen  sehr  grossen  Teil  der  Produktionskosten
der  Kohle  ausmachen  und  dass  sie  zur  Hälfte  und  mehr  in  dem
für  die  Arbeit  gezahlten  Gedinge  bestehen,  d.  h.  also  in  Arbeitslöhnen. ­
  Es  leuchtet  ein,  dass  damit  alles  das,  was  eine  grössere
Leistung  der  Arbeiter  hervorruft,  die  Produktionskosten  mindern
kann.
Für  die  Arbeitsleistung  beim  Steinkohlenbergbau,  die  heute
in  Preussen  bei  der  Kohlengewinnung  noch  meistens  durch  Handarbeit, ­
  sehr  wenig  durch  Maschinenarbeit  stattfindet,  aber  gilt  die
Lehre  vom  Verhältnis  von  Arbeitslohn  und  Arbeitszeit  zur  Arbeitsleistung, ­
  d.  h.  höhere  Löhne  und  kürzere  Arbeitszeit  können
grössere  Leistung  bedeuten  1  2 ).  Damit  können  sozial  günstig  wirkende ­
  Einrichtungen  auch  ökonomisch  günstige  Folgen  haben:
dieMöglichkeit  nämlich,  ein  gegebenesFlötz  wirtschaftlicher  zu  bauen
oder  bei  einem  ungünstigeren  Flötze  das  sich  geltend  machende
Gesetz  des  abnehmenden  Ertrages  wirtschaftlich  zu  suspendieren.
Roscher 3 )  sagt,  eine  wachsende  Volkswirtschaft  könne  durch  Geschickterwerden ­
  der  Arbeitsdienste  gar  wohl  eine  Verteuerung
der  Naturdienste  aufwiegen.
III.  Der  Anteil  des  Kapitals  an  den  Produktionskosten.  Wir
gehen  davon  aus,  dass  eine  ständige,  eine  wachsende  Nachfrage
seitens  der  Kohlenverbraucher  das  Bestreben  unternehmender
Männer  hervorrief,  diese  Nachfrage  auch  zu  befriedigen.
Um  1819  bauten  die  Steinkohlenzechen  in  Westfalen  meist
noch  über  den  Talsohlen,  ebenso  wurde  bis  1820  im  Saargebiete
1)  Köhler,  Katechismus  170.
2)  So  sagt  z.  B.  v.  Festenberg-Packisch,  Der  deutsche  Bergbau  1886.  42:  »Der
Bergmann  gewöhnte  sich  mehr  und  mehr  an  intensive  Arbeit,  wobei  ihm  der  durch
die  Gedingestellung  zugewiesene  Mehrverdienst  als  Sporn  diente«.  Für  die  Gültigkeit ­
  der  Brassey-Brentajioschen  Proportionalitätstheorie  beim  .Steinkohlenbergbau  vgl.
Bosenick,  Ueber  die  Arbeitsleistung  beim  Steinkohlenbergbau  in  Preussen.  Stuttgart ­
  1906.
3)  Nationalökonomik  des  Plandels  und  Gewerbfleisses  1892.  823.
        <pb n="55" />
        48

ausschliesslich  über  den  nächsten  Talsohlen  gebaut 1 ).  Den  ständigen ­
  grossen  Feind  des  Bergmannes,  die  Wasser,  wältigte  man
durch  Entwässerungsstollen.  Hierzu  aber  waren  bereits  Kapitalmengen ­
  nötig,  die  die  Eigenlöhner  nicht  aufzubringen  vermochten.
Und  so  finden  wir  die  Erbstöllner,  d.  h.  Kapitalisten,  die  wettend
und  wagend  Kapital  zur  Wasserlösung  liehen.
Von  welcher  Ausdehnung  die  Stollen  waren,  zeigt  sich  beim
tiefen  Saarstollen«,  der  1 1 / 2  Meilen  lang  war  und  von  1832  bis
1860  weitergetrieben  wurde 1 ).  Aber  auch  durch  Stollen  konnte
man  die  Nachfrage  nicht  mehr  befriedigen,  und  so  kam  die  Periode
der  Schächte.  Was  für  Kapitalmengen  diese  verschlingen,  ist  im
2.  Kapitel  mitgeteilt.  Die  Zeit  der  Stollen  ist  vorüber.  Im  Jahre
1880  wurden  von  den  377  betriebenen  Steinkohlenbergwerken  in
Preussen  nur  noch  43  Gruben  lediglich  durch  Stollen  gebaut,
deren  Förderung  1,1  %  der  ganzen  Förderung  Preussens  betrug 1  2  3 ).
Zu  der  Wasserlösung,  der  Förderung  und  der  Bewetterung  ward
die  Kraft  des  Dampfes  benutzt.  Mit  der  Tiefe  der  Schächte  und
mit  der  Kohlenmenge  wuchs  die'  Stärke  der  mechanischen  Kraftquellen, ­
  worüber  die  folgenden  Zahlen  (z.  T.  nach  Betriebszweigen ­
  getrennt)  Auskunft  geben  ®).  Die  Zahl  der  verwendeten  Pferde
ist  des  Interesses  halber  beigefügt.
Es  betrug  in  Oberschlesien

die  Zahl  der

Pferde

der  Dampfmaschinen
Zahl  P.S.

also  pro  Dampfm.
P.S.

1871  33s

318

14743

46,4

1882  1061

558

43  074

73.3

1902  2739

1267

145  274

114,6

d.i.  gegen  1871-|-  710%

298  %

885  %

&amp;lt;46  o/ 0

F'erner  betrug  in  Niederschlesien

die  Zahl  der

Pferde

der  Dampfmaschinen
Zahl  P.S.

also  pro  Dampfm.
P.S.

1871  2

92

4  637

5°&amp;gt;4

1882  49

236

10  170

43.1

1902  439

468

42  906

9Ö7

d.  i.  gegen  1871

409  o/ 0

82s  %

82&amp;lt;y 0

Wir  sehen  hieraus,  dass  im  Jahre  1871  die  durchschnittliche

1)  Vgl.  H.  Laspeyres,  Heinrich  von  Dechen,  ein  Lebensbild.  Preuss.  Zeitschr.
1889.  151  f.
2)  Preuss.  Zeitschr.  1883.  B.  17.
3)  Sie  sind  im  statistischen  Teile  des  betreffenden  Jahrganges  der  Preuss.  Zeitschr.
zu  finden;  diese  relativen  Zahlen  sind  von  mir  berechnet,  ebenso  fast  alle  folgenden
        <pb n="56" />
        49

Zahl  der  Pferdekräfte  pro  Dampfmaschine  in  Niederschlesien  noch
grösser  war  als  in  Oberschlesien,  dass  dann  aber  absolut  und
relativ  die  Zentralisation  der  Dampfkräfte  in  Oberschlesien  überwiegt. ­


Bei  dem  staatlichen  Steinkohlenbergbau  bei  Saarbrücken  betrug ­
  der  Dampfmaschinen  Zahl  und  Pferdekräfte

beim  Aufbebeim
  Bergwerksbetrieb  reitungs-  resp.
über  Tage  unter  Tage  Kokereibetriebe ­


bei  sonstigen
Nebenbetrieben ­


Summe

1867

Zahl  P.S.

Zahl  P.S.

Zahl  P.S.

Zahl  P.S.

Zahl  P.S.
104  4872

1882

118  13787

40  2069

5  2 4i

147  3  640

310  19738

1902

168  37  576

96  7110

19  1237

489  17723

772  63  646

1867

Demnach  kam

auf  eine

Maschine  an

P.S.

46,8

1882

116,8

5 1 .7

48,2

24,8

63,7

1902

223,6

74,1

65,1

36,2

82,4

d.i.-j-  gegen
1882  91  %

43%

35%

46%

29%

1867

—

—

—

—

76  0/ 0

Wir  finden  die  grösste  Zahl  der  P.S.  pro  Maschine  im  Jahre
1902  beim  Bergwerksbetriebe  über  Tage;  hier  zeigt  sich  auch  die
stärkste  Steigerung.  Daneben  zeigt  sich  jedoch,  wie  der  Einbau
von  Maschinen  unter  Tage  zugenommen  hat.  In  der  Entwicklung ­
  der  maschinellen  Kräfte  beim  Aufbereitungs-  bezw.  Kokereibetriebe ­
  zeigt  sich  keine  so  starke  Ausbildung  dieses  Betriebszweiges ­
  wie  etwa  im  Ruhrgebiete.
Es  sei  noch  die  Zahl  der  an  der  Saar  beim  Staatsbergbau
verwendeten  Pferde  angeführt,  sie  betrug

insgesamt

davon  unter  Tage

1867

—

389

1882

693

656

1902

1438

1227

und  ist  demnach  bei  weitem  nicht  so  gross  wie  in  Oberschlesien.
Die  Mehrzahl  der  Pferde  wird  unterirdisch  verwendet.
Zum  Schlüsse  dieser  zur  Beurteilung  der  Entwickelungstendenzen ­
  nötigen  tatsächlichen  Unterlagen  seien  noch  einige  Angaben ­
  über  die  im  Maschinenkapital  des  O.B.B.  Dortmund  steckenden ­
  Kräfte  gemacht.
Der  Zeit  nach  zeigt  sich  folgendes.  Es  betrugen 1 ):
1)  Die  Zahlen  1851—1860  gelten  für  den  Bochumer  und  Essener  Bezirk.  Seit
1860  für  sämtliche  Steinkohlenbergwerke  des  Oberbergamtsbezirkes.
Zeitschrift  für  die  ges.  Staatswissensch.  Ergänzungsheft  19.  A
        <pb n="57" />
        im  Jahre

die  Anzahl  der

deren  effektive

die  P.S.

Maschinen

P.S.

pro  Maschine

1851

142

9  845

69.3

1860

361

30  777

85,3

1870

746

61  778

82,8

1880

2070

146  910

71,0

1890

3215

228  432

71,0

1902

5865

636  938

108,6

Von  1860  bis  1890  hat  die  Kräftezentralisation  pro  Maschine
stetig  abgenommen.  Seit  dem  Jahre  1890  jedoch  zeigt  sich  eine
rapide  Zunahme  der  P.S.  pro  Maschine,  zusammenhängend  mit
dem  Aufblühen  des  Bergbaues  in  der  zweiten  Hälfte  des  Jahrzehnts, ­
  mit  dem  dadurch  ermöglichten  Vorrücken  des  Bergbaues
in  den  nördlicheren  Teil  des  Beckens  und  nicht  zuletzt  mit  dem
das  Wagnis  solcher  »Kapitalkonzentrationen«  deckenden  »breiten
Schultern«  des  rheinisch-westfälischen  Kohlensyndikats.
Weiteren  Einblick  geben  uns  folgende  Zahlen:  Nach  Betriebszweck ­
  geordnet  betrug  die  Zahl  der  effektiven  Pferdestärken  beim
Steinkohlenbergbau  in  den  Regierungsbezirken
Osnabrück  Münster  Minden  Arnsberg  Düsseldorf

1867  1902

1867

1902

CO
Cn

1902

1867  1902

1867

1902

Wasserhaltung

—

486

—

14  192

—

150

—  106  826

—

30376

Förderung
Wasserhaltung

—

156

39  066

80

—  127282

—

48  787

u.  Förderung

—

—

—

—

—

75

220

—

48

Kabel

—

18

—

1  415

—

—

—  4  702

—

I  401

Ventilatoren

—

—

—

8  532

—

—

—  34  944

—

9  763

Separation

—

—

—

722

—

—

—  5737

—

2  258

Wäsche

—

—

—

1  231

—

—

—  19225

—

6  380

Kesselspeisung

—

6

—

I  102

—

12

—  5  245

—

1  86S

Fahrkünste
Sonst.  Vorrich-—



—

115

*

—

—  4067

160

tungen
Koksausdruck-—



44

—

15096

—

22

—  76  362

—

20613

maschinen

—

—

—

256

—

—

—  3  977

—

I  102

Ziegeleien
Lokomotiven  u.

—

—

—

I  O24

—

—

—  1  097

—

1  688

mobilen

—

—

—

6015

—

408

21  ü86

—

5  5°i

Summe  P.S.

U4

710

1336  88  766

83

747

42  420  4IO  77O

7178

135  945

Zahl  d.  Maschinen
d.  i.  pro  Maschine

9

22

20

651

2

l6

484  3  645

55

1  531

P.S.:

12,7

32.3

66,8

136,3

41,5

46,7

87,6  112,6

130,5

88,8

Lassen  wir  die  Regierungsbezirke  Osnabrück  und  Minden
ausser  Betracht,  so  ergibt  sich,  dass  sowohl  1867  wie  1902  der
Reg.-Bez.  Arnsberg  die  grösste  absolute  Zahl  an  P.S.  aufweist;
es  folgen  Düsseldorf  und  Münster.  Ebenso  ist  es  mit  der  Zahl
der  Maschinen.
Ein  anderes  Bild  bekommen  wir  jedoch,  wenn  wir  uns  die
        <pb n="58" />
        —  5i  —

Gestaltung  der  P.S.  pro  Maschine  ansehen.  Hier  ist  die  Reihenfolge ­
  :

1867
Düsseldorf  mit  130,5
Arnsberg  »  87,6
Münster  »  66,8

1902
Münster  mit  136,6
Arnsberg  »  112,6
Düsseldorf  »  88,8

Im  Reg.-Bez.  Münster,  dem  nördlichsten  Teile,  liegen  die
Werke,  die  allgemein  später  in  Betrieb  genommen  sind  als  die
der  anderen  Bezirke.  Ausserdem  ist  hier  ein  mächtigeres  Deckgebirge ­
  zu  durchteufen.  So  finden  wir  hier  im  Jahre  1902  eine
mit  der  Konzentration  des  technischen  Betriebes  einhergehende
maschinelle  Kräftezentralisation.  Im  Reg.-Bez.  Düsseldorf,  dem
südwestlichen  Teile  des  Beckens,  der  z.  T.  südlich  der  Ruhr  liegt,
sehen  wir  im  Jahre  1902  gegen  1867  eine  Dezentralisation  in  den
Maschinen.  Dies  liegt  in  dem  historischen  Werden  des  dortigen
Bergbaues.  Mit  der  im  Laufe  der  Zeiten  infolge  des  Vorrückens
in  die  Tiefe  zunehmenden  Schwierigkeit  des  Bergbaues  wurden
neue  Maschinenkräfte  notwendig,  die  man  sich  durch  entsprechende
Einstellung  neuer  Maschinen  verschaffte.  Aber  es  entstand  ein
Zellenkonglomerat,  jedoch  kein  Organismus.  Und  dies  ist  ein  in
der  Natur  der  Dinge  begründeter  wirtschaftlicher  Nachteil  der
südlicheren  Gebiete,  da,  wie  wir  noch  zeigen  werden,  die  dortigen
Werke  so  manche  »Ersparnisse«  nicht  machen  können.
Die  eben  geschilderten  Tendenzen  erhellen  aus  den  prozentualen ­
  Berechnungen  noch  weiter.  Es  stieg  nämlich  von  1867
bis  1902  in  den  Regierungsbezirken

Münster  Arnsberg
die  Summe  der  P.S.  um  6544  868
»  Zahl  der  Maschinen  um  3155  743
»  P.S.  pro  Maschine  um  104  29

Düsseldorf
1  794  %
2683  »
—  32  »

Demnach  hat  sich  in  dem  Zeiträume  die  Zahl  der  P.S.  pro
Maschine  mehr  als  verdoppelt  im  Reg.-Bez.  Münster;  etwa  um
den  vierten  Teil  zugenommen  in  Arnsberg  und  um  fast  1 / 3  abgenommen ­
  in  Düsseldorf!
Was  die  einzelnen  Betriebszweige  anlangt,  so  sind  die  absoluten ­
  Zahlen  aus  der  vorhin  mitgeteilten  Tabelle  ersichtlich.  Der
Menge  nach  prädominiert  die  Zahl  der  P.S.  auch  bei  den  einzelnen ­
  Betriebszweigen  im  Reg.-Bez.  Arnsberg;  es  folgen  Düsseldorf
und  Münster.  Ein  anderes  Bild  bekommen  wir  jedoch,  wenn  wir
uns  den  prozentualen  Anteil  der  bei  den  einzelnen  Betriebszweigen
4*
        <pb n="59" />
        52

verwendeten  P.S.  als  Verhältnis  der  jeweiligen  Gesamtpferdekräfte
bei  den  einzelnen  Bezirken  betrachten.

Es  betrug  nämlich  der  Anteil  in  °/ 0

der

im  Reg.Bez.  Münster

Arnsberg

Düsseldorf

Wasserhaltung

16,0

26,0

22,3

Förderung

44,0

31,0

35,9

Wasserhaltung  und  Förderung

—

0,1

0,1

Kabel

1,6

M

1,0

Ventilatoren

9.6

8,5

7,2

Separation

0,8

i,4

1,7

Wäsche

1,4

4,7

4,7

Kesselspeisung

1,2

i,3

1,4

Fahrkünste

0,1

1,0

0,1

Sonstigen  Vorrichtungen

17,0

18,6

19,6

Koksausdruckmaschinen

0.3

0,9

0,8

Ziegeleien

i» 2

o,3

1,2

Lokomotiven  und  Lokomobilen

6,8

5,i

4,0

IOO

IOO

IOO

Bei  der  Wasserhaltung  finden  wir  den  grössten  Anteil
mit  26  %  in  dem  südöstlichen  Teile  des  Beckens,  der  dem  Reg.-Bez.
  Arnsberg  angehört,  dann  folgt  der  südwestliche  Teil  im  Reg.-Bez.
  Düsseldorf.  Am  geringsten  ist  der  Anteil  (16  %)  im  nördlichen ­
  Teile,  also  dem  Reg.-Bez.  Münster.  Dagegen  ist  bei  der
Förderung  der  Anteil  im  Norden  wegen  der  Tiefe  der  Gruben
am  grössten,  ebenso  ist  es  bei  den  Ventilatoren,  also  den  Bewetterungsanlagen. ­
  Unter  den  sonstigen  Vorrichtungen
ist  wohl  die  mechanische  und  chemische  Weiterverarbeitung  der
Kohle  zu  verstehen.  Man  sieht,  ein  wie  grosser  Teil  der  P.S.
diesem  Betriebszweige  gewidmet  wird.  Er  ist  im  Süden  grösser.
Schon  1887  wies  man  darauf  hin,  dass  für  die  meisten  Fettkohlenzechen ­
  der  Kokereibetrieb  eine  wichtige  Quelle  des  Gewinnes  sei
und  man  der  Koksfabrikation  den  hauptsächlichsten  Anteil  des
erzielten  Ueberschusses  zuzuschreiben  habe 1 ).

Die  Ursachen  der  ständigen  Vermehrung  bezw.  der  zunehmenden ­
  Konzentration  des  Maschinenkapitals  waren  einmal,
sich  bei  der  von  diesem  zu  leistenden  Arbeit  die  gleich  zu  analysierenden ­
  Vorteile  des  Gesetzes  des  zunehmenden  Ertrages  zu
nutze  zu  machen.  Zum  andern  zwang  die  zunehmende  Tiefe  des
Bergbaues  noch  zu  einer  stärkeren  Kapitalvermehrung  wegen  der
dadurch  um  so  mehr  benötigten  Stärke  der  maschinellen  Arbeitskräfte. ­
  Und  eben  weil  z.  B.  im  Norden  des  Ruhrbezirkes  die
1)  Simmersbach,  Die  Koksfabrikation  im  O.B.B.  Dortmund  mit  Berücksichtigung
des  fremden  Wettbewerbes.  Preuss.  Zeitschr.  1887.  B.  329.
        <pb n="60" />
        53

schwierige  Tiefe  zu  überwinden  war,  finden  wir  hier  die  starke
Kapitalkonzentration  beim  Maschinenkapital.  Die  Not  schuf  eine
wirtschaftliche  Tugend.  Hand  in  Hand  hiermit  zeigt  sich  eine
Zunahme  der  Kapitalimmobilisation  (vgl.  2.  Kap.).  An  sich
hat  deren  Grösse  mit  der  Kapitalkonzentration  auf  Grund  des
Gesetzes  des  zunehmenden  Ertrages  nichts  zu  tun.  Denn  angenommen, ­
  im  Ruhfbezirke  betrüge  das  Deckgebirge  überall
200  m,  so  hätten  unweigerlich  auch  hierbei  nach  und  nach  die
Vorteile  des  Gesetzes  des  zunehmenden  Ertrages  in  den  Betriebszweigen, ­
  die  ihm  unterworfen  sind,  zu  einer  Kapitalkonzentration
geführt.  Dieser  Prozess  ist  wegen  der  erforderlichen  tieferen
Schachtanlagen  nur  beschleunigt.  Was  für  Erscheinungen  die
deswegen  im  verstärkten  Masse  stattgefundene  Kapitalimmobilisation ­
  beim  Steinkohlenbergbau  hervorgerufen  hat,  wird  weiter
unten  erörtert.  Hier  wollen  wir  zunächst  das  Wesen  und  die
Vorteile  des  Gesetzes  des  zunehmenden  Ertrages,  dessen  tatsächliche ­
  Erscheinungen  wir  in  den  verschiedenen  Kapiteln  bisher
mitgeteilt  haben,  besprechen.  Die  Vorteile  sind  vor  allem:
1.  die  Generalkosten,  d.  h.  die  Kosten  für  den  Leitungsprozess ­
  u.  a.,  die  »Handlungsunkosten«  sind  relativ  geringer,  da  sie
sich  auf  eine  grössere  Produktion  verteilen;
2.  eine  billigere  Beschaffung  des  für  Anlage  und  Betrieb  notwendigen ­
  Kapitals.
Hier  zeigen  sich  z.  B.  die  Vorteile  des  »Einkaufs  im  grossen«
oder  etwa  der  Beschaffung  notwendiger  Sachkapitalien  aus  Unternehmungs-
  oder  gar  Betriebskombination  in  ganz  augenscheinlicher ­
  Weise.
3.  die  grösstmögliche  Durchführung  der  Arbeitsteilung  in
technischer  wie  wirtschaftlicher,  in  psychischer  wie  physischer
Hinsicht.  Ich  erinnere  nur  an  die  wichtigen  Betriebszweige  Abbau, ­
  Ausbau,  Abteufen,  Wetterung,  Wasserhaltung  und  Förderung.
Was  die  letztere  betrifft,  so  werden  im  O.B.B.  Dortmund  die
pro  Arbeitstag  gewonnenen  Kohlen  teils  in  doppelter,  teils  in
I x /a  facher,  teils  in  einfacher  Förderschicht  zutage  gehoben 1 ).
Im  ersten  Halbjahre  1898  förderten  von  176  selbständigen  Betriebsanlagen, ­
  die  an  die  Staatsbahn  angeschlossen  waren,  71,1  %
in  doppelter,  9,6%  in  H^facher,  19,3%  in  einfacher  Schicht.  Die
1)  33ergassessor  Pieper,  Vorteile  und  Nachteile  der  doppelten  Förderschicht  auf
Steinkohlengruben  auf  Grund  der  auf  den  grösseren  Gruben  des  Oberbergamtsbezirkes ­
  Dortmund  gemachten  Erfahrungen.  Preuss.  Zeitschr.  1900.  52  f.
        <pb n="61" />
        54

Gründe,  die  dies  bewirkten,  waren  wirtschaftlicher  Natur.  Es
wurden  nämlich  die  Mehranlagekosten,  die  infolge  des  einschichtigen ­
  Betriebes  erwuchsen,  für  die  1000  t-Grube  auf  eine  halbe
Million  Mark  veranschlagt.  »Sie  dürften  nur  bei  wesentlich  kleineren ­
  Gruben  geringer  sein,  dagegen  bei  grösseren,  sobald  die
Anlage  neuer  Schächte,  sowie  zweiter  Separations-  und  Wäscheeinrichtungen ­
  erforderlich  ist,  eine  Flöhe  erreichen,  welche  vor
der  Anwendung  des  Einschachtsystemes  geradezu  abschreckt.
Ausserdem  muss  es  bei  grossen  Förderziffern  technische  und
daher  wirtschaftliche  Schwierigkeiten  bereiten,  die  durch  den  einschichtigen ­
  Betrieb  bedingte  hohe  Anzahl  Betriebsabteilungen  in
der  Grube  zu  schaffen.  Was  zweitens  den  Betrieb  der  Grube
angeht,  so  können  hier  die  mögliche  höhere  Flauerleistung  sowie
die  durch  eine  kleinere  Belegschaft  bei  der  Förderung  unter  Tage
herbeizuführenden  Ersparnisse  für  die  einfache  Schicht  sprechen,
dagegen  dürften  diese  Vorteile  der  einfachen  Förderschicht  in
den  meisten  Fällen  durch  die  geringeren  Kosten  für  Reparaturarbeiten, ­
  Aus-  und  Vorrichtung,  Aufrechterhaltung  der  Förderund ­
  Wetterstrecken,  sowie  den  kleineren  Selbstverbrauch  an  Kohlen
bei  der  doppelten  Förderschicht  mehr  als  aufgewogen  werden«.
»Dass  die  Ueberlegenheit,  welche  die  doppelte  Förderschicht
über  die  einfache  meistens  besitzt,  in  der  Praxis  anerkannt  wird,
beweist  ihre  hervorragende  Verbreitung,  besonders  auf  grösseren
Betriebsanlagen«.  Dieser  Satz  deutet  an,  was  wir  später  noch
klarlegen  werden:  dass  nämlich  die  Arbeitsteilung,  also  ein  Vorteil ­
  des  Gesetzes  des  zunehmenden  Ertrages  erst  dessen  Vorteile
zeigt,  wenn  den  dadurch  geschaffenen  Leistungsmöglichkeiten
auch  eine  genügende  zu  leistende  Masse  gegenübersteht.  Daher
jenes  »meistens«,  also  nicht  immer  »überlegen«.
4.  die  Möglichkeit,  den  jeweils  am  besten  organisierten  Gesamtproduktionsprozess ­
  in  einem  Betriebe  zu  schaffen,  d.  h.  möglichst ­
  grosse,  aber  möglichst  billige  Leistungen  in  den  verschiedenen ­
  einzelnen  Betriebszweigen  zu  erzielen.  Es  soll  hier  speziell
nur  die  äusserst  wichtige  Anordnung  der  zu  den  Arbeitsbetätigungen
  notwendigen  Kraftquellen,  also  die  Organisation ­
  der  Kraft  e  r  z  e  u  g  u  n  g  behandelt  werden.
Zörner  *)  erzählt  uns,  wie  die  Kosten  des  Maschinenbetriebes
»im  allgemeinen  infolge  des  Eindringens  in  immer  grössere  Teu-1)
  R.  Zörner,  Belastung  und  Verbilligung  des  eigentlichen  Grubenbetriebes  durch
den  Maschinenbetrieb.  Preuss.  Zeitschr.  1875.  2 57-  z 68.  281.
        <pb n="62" />
        55

fen,  infolge  Verbesserung  der  Wetterführungseinrichtungen,  sowie
insbesondere  infolge  des  vermehrten  Ersatzes  menschlicher  und
tierischer  Kräfte  durch  maschinelle  in  noch  stärkerem  Masse  gewachsen ­
  (sind),  als  es  die  Steigerung  der  Förderung  bedingte.
Die  Kosten  des  Maschinenbetriebes  betragen  bei  mittleren  Werken
oft  20—25  °/o  der  Bruttoausgaben  an  Löhnen  und  Materialien.
Für  kleine  Betriebe  mit  ungünstigen  Verhältnissen  sind  sie  aber
zu  einer  drückenden,  mitunter  die  Ertragsfähigkeit  in  Frage  stellenden ­
  Last  geworden«.  Wir  wollen
a)  betrachten,  durch  welche  Mittel  von  solchen  von  der  Natur
stiefmütterlich  behandelten  Werken  »der  Steigerung  dieser  drückenden ­
  aber  notwendigen  Last  (eben  Kosten  für  Maschinenkapital)
tunlichst  entgegengearbeitet  werden  kann«.  Es  handelt  sich,  kurz
gesagt,  hierbei  darum,  etwas  Vorhandenes  rationeller  zu  gestalten. ­
  Dies  ist  einfach  eine  Forderung  des  Wirtschaftlichkeitsprinzipes
  und  so  nicht  erst  bei  zunehmender  Kapitalkonzentration
möglich.  Da  es  jedoch  bei  gleichzeitigem  Eintritt  die  Vorteile
dieser  potenziert,  sei  es  zuerst  hier  erwähnt.
Die  grössere  Wirtschaftlichkeit  wurde,  wie  Versuche  zeigten,
herbeigeführt  z.  B.
a.  durch  Verminderung  der  Dampferzeugungskosten.  Diese
hervorgerufen  z.  B.  durch  Ersatz  der  Förderkohle  durch  Grieskohle, ­
  Aenderung  der  Schürmethode,  Schulung  der  Schürer,  Verbesserung ­
  vorhandener  Einrichtungen,  Zentralisation  der  Kesselanlage; ­

ß.  durch  zweckmässige  Ausnutzung  des  Dampfes,  als  da
ist:  vorteilhafte  Expansion,  Heizung  mit  Abdampf,  Umhüllung
der  Dampfleitungsrohre  (Ersparnis  infolgedessen  auf  Grube  König
an  der  Saar  12—14000  M.  pro  Jahr).  Da  Förderung  und  Wasserhaltung ­
  ca.  5°  %  der  Gesamtmenge  an  Dampf  erfordern,  leuchtet
ein,  wie  wichtig  gerade  bei  ihnen  »Ersparnisse«  sind.  Auf  Grube
König  haben  sich  »die  Kosten  für  den  gesamten  Maschinenbetrieb ­
  (ohne  Grubenhaspel  und  Ventilatoren)  trotz  erhöhter  Leistung, ­
  die  nachstehend  angegeben  ist,  um  ca.  10000  M.  ermässigt.
Hierbei  sind  die  im  gleichen  Zeiträume  bei  gleichem  Kohlenpreis
und  gleichem  Wasserverbrauche  erzielten  Ersparnisse  im  Kesselbetrieb ­
  =  80000  M.  nicht  berücksichtigt;  mit  diesen  zusammen
würde  sich  also  die  ersparte  Summe  auf  90000  M.  steigern«.
So  betrugen  die  Leistungen  und  die  relativen  Betriebskosten 1 )  bei

1)  Zöi'ner,  1.  c.  271.
        <pb n="63" />
        56

der  Förderung  der  Wasserhaltung

I.  Quart.

II.  Ouart.

I.  Quart.

II.  Quart.

1892

1894

1892

1894

Ist-Förderung  in  1  Stunde  in  mt:
Kosten  für  1  Stunde  P.S.  Nutz20 ­

  167

25182

68  940

77  343

leistung  in  Pf.:

I7.3I

13,75

4,69

3.i°

y.  durch  ausgedehnte  Ausnutzung  vorhandener  Dampf-  und
Maschinenanlagen  durch  ihre  Verwendung  zur  Kraftübertragung
über  und  unter  Tage.  Hierbei  ist  zu  erwähnen,  dass  der  Dampf
auf  grosse  Entfernungen  wegen  hoher  Kondensationsverluste  nicht
zu  gebrauchen  ist.  Auch  über  Tage  wird  bei  einer  Entfernung
von  600—1000  m  diese  Kraft  besser  indirekt  durch  vorgewärmte
Luft,  für  grosse  Entfernungen  aber  durch  Elektrizität  ersetzt 1 ).
Jedoch  ist  der  Wirkungsgrad  der  Kraftträger  nicht  allein  entscheidend, ­
  da  »allerlei  Zweckmässigkeitsgründe«,  z.  B.  Löhne  bei
seiner  Verwendung  mitsprechen.
Hierbei  finden  wir  häufig  schon  Ausgaben  für  »Neuanschaffungen, ­
  die  anfangs  die  Selbstkosten  naturgemäss  belasten,  nachher ­
  aber  auf  Jahre  erhebliche  Vorteile  bringen«.
Damit  kommen  wir
b)  dazu,  dass  nicht  mehr  bei  den  Kraftquellen  Verbesserung
von  etwas  Herkömmlichem  stattfindet,  sondern  neue  Methoden
angewendet  werden,  die  allerdings  den  Vorteil  haben,  dass  sich
die  mechanische  Kraft  fortlaufend  billig  beschaffen  lässt,  die  jedoch ­
  einmalig  mehr  oder  minder  gewaltige  Kapitalaufwendung
erfordern.
Hier  ist  vor  allem  die  Verwendung  von  Koks-  und  Hochofengasen ­
  zur  Erzeugung  von  Kraft  zu  erwähnen,  worin  in  letzter
Zeit  grosse  Fortschritte  gemacht  sind.
Schon  1887  wird  mitgeteilt,  dass  im  O.B.B.  Dortmund  bei
Verwendung  von  Koksofengasen  zur  Kesselheizung  die  Kohlenersparnis ­
  bei  der  Kesselheizung  bis  auf  25  %  der  Verkokungsmenge ­
  gestiegen  wäre  ,  und  dass  das  Gaskesselsystem  ein  sehr
bedeutender  Fortschritt  auf  dem  Gebiete  des  Bergbaues  sei 1  2 ).
Ein  Hochofen  aber  von  gewöhnlichem  Typus  mit  einer  Tagesproduktion ­
  von  100  t  Roheisen  ist  imstande  »eine  Gasmenge  zu
geben,  welche  zur  Erzeugung  von  2000  P.S.  notwendig  ist,  sodass,
  den  Preis  der  Tonne  Kohle  mit  nur  12,50  frs  gerechnet  eine
Brennstoffersparnis  von  180000  frs  pro  Tag  gegenüber  den  Dampf-1)
  1.  c.  288.
2)  Simmersbach,  Die  Koksfabrikation  im  Oberbergamtsbezirk  Dortmund  mit  Berücksichtigung ­
  des  fremden  Wettbewerbes.  Preuss.  Zeitschr.  1887.  B.  291  f.
        <pb n="64" />
        —  57  —
maschinen  resultiert«  x ).  Und  die  gesamte  Koksproduktion  in  We,
falen  ergibt  eine  mit  dem  Gasüberschuss  zu  erzielende  Leistun
von  etwa  iooooo  P.S. 2 ).
Nun  hat  man  gewiss  keine  Hochöfen  gebaut,  um  ihre  Abgase
in  Gasmotoren  auszunutzen.  Was  die  Werke  veranlasste,  sich
Hochöfen  anzugliedern,  was  also  die  sog.  vertikale  Konzentration
der  Industrie  hervorrief,  ist  in  den  verschiedensten  technischen
und  wirtschaftlichen  Momenten  begründet,  wie  es  Hans  Gideon
Heymann  in  seinem  Buche  über  die  gemischten  Werke  im  deutschen ­
  Grosseisengewerbe  so  trefflich  dargestellt  hat  und  worauf
hier  verwiesen  wird.  Aber  dem,  der  da  Hoch-  und  Koksöfen
hatte,  ergaben  sich  in  den  sonst  in  die  Luft  gehenden  Abgasen
wichtige  Kraftquellen,  deren  Grösse  eben  angedeutet  ist.  Die  Umsetzung ­
  von  Gas  in  Kraft  braucht  jedoch  nicht  notwendig  in  einer
Betriebs-  oder  Unternehmungskombination  vor  sich  zu  gehen,  obwohl ­
  dies  besonders  vorteilhaft  ist  und  den  Anlass  zur  Verwirklichunggegeben ­
  hat.  Sie  kann  auch  derart  geschehen,  dass  die  »wohlfeile ­
  Betriebskraft«  der  Abgase  in  Gasmotoren  in  Zentralkraftstellen
ausgenutzt  wird,  die  zur  Erzeugung  von  Elektrizität  verwendet
werden 3 ).  Hierin  hat  man  grosse  Fortschritte  gemacht  und  ist
zu  einer  planmässigen  Ausnutzung  der  Maschinen  gelangt 4 ).
So  kann  man  wohl  sagen:  zu  Anfang  vorigen  Jahrhunderts  revolutionierte ­
  der  Dampf,  am  Ende  die  Elektrizität  den  Bergbau.
»Für  den  Bergbau  eignet  sich  die  Elektrizität  als  Kraftübertragungsmittel ­
  besonders  deshalb,  weil  sie  den  örtlichen  Verhältnissen ­
  leicht  angepasst  werden  kann 5 ).«  Nun  erfordert  Strom
von  hoher  Spannung,  der  nötig  ist,  allerdings  Vorsicht,  da  durch
Berühren  der  Drähte  Unfälle  stattfinden,  ausserdem  ist  bei  unterirdischer ­
  Verwendung  von  Elektrizität  Explosionsmöglichkeit  vorhanden. ­
  »Allein  die  Elektrotechnik  bietet  genügend  Mittel,  alle
diese  Gefahrenquellen  unschädlich  zu  machen«  °).
In  Amerika  finden  wir  schon  1891  Elektrizität  beim  Bohren,
Schrämen,  zur  Förderung  und  Wasserhaltung  und  bei  unterirdi-1)

  Berg-  und  Hüttenm.  Ztg.  1900.  431.
2)  Gl.A.  1901.  905:  Goetze,  Anwendung  der  Elektrizität  im  Bergbau.  Auch  Festgabe ­
  VIII.  Allg.  deutschen  Bergmannstag.  100  f.
3)  Gl.A.  1903.  487.
4)  Gl.A.  1901.  905.  Goetze,  1.  c.
5)  Gl.A.  1898.  90.  Vogel,  Die  Elektrizität  im  Bergbau  und  Hüttenbetrieb.
6)  Friedemann,  Die  Verwendung  der  Elektrizität  beim  Bergbau,  im  besonderen
in  Schlagwettergruben.  Sächsische  Zeitschrift  1897.  IO  f.
        <pb n="65" />
        58

sehen  Ventilatoren.  Die  Speisung  der  Arbeitsmaschinen  geschieht
von  einer  Hauptquelle  aus,  die  zu  Kraft  und  Licht  gleichzeitig  dient*)■
Es  hat  also  die  Verwendung  von  Elektrizität  fast  in  allen
Zweigen  des  Bergbaues  eminente  technische  und  wirtschaftliche
Vorteile.  Ich  erinnere  nur  daran,  dass  man  bei  der  Schachtförderung ­
  die  Eigentümlichkeit  des  Dampferfordernisses  beim  Treiben ­
  (vgl.  Schachtförderung)  durch  elektrische  Förderung  immer
mehr  zu  umgehen  sucht 1  2 ),  und  dass  damit  die  Elektrizität  der
Wichtigkeit  der  Förderung  entsprechend  ein  besonders  grosses
Verwendungsgebiet  erhalten  hat.
Wenn  aber  die  Elektrizität  im  Bergbau  den  angetretenen
Siegeszug  fortsetzt,  so  wird  die  damit  verbundene  technisch-wirtschaftliche ­
  Verkettung  die  beteiligten  Werke  noch  näher  aneinander ­
  bringen.  Ist  es  doch  äusserst  beachtenswert,  wie  gerade
den  Kohlengruben,  also  Werken,  die  die  Kohle  fördern  und  die
von  ihrem  Verkaufe  bezw.  ihrer  Verwendung  leben,  die  Achtung
vor  dem  Wert  der  Kohle  immer  mehr  gestiegen  ist,  und  wie  sie
daher  stetig  versuchten,  die  für  den  Betrieb  benötigten  Kräfte
möglichst  billig  zu  erlangen.  Zuerst  durch  alle  möglichen  »Ersparnisse« ­
  und  Verwendung  geringer  Kohlenqualitäten.  Dann  aber
gab  eine  gewaltige  Kapitalkonzentration  die  Möglichkeit,  an  der
Stelle  von  Kohle  ein  Surrogat  zu  verwenden,  das  sich  in  seinen
Vorteilen  zur  Kohle  verhält  wie  etwa  die  Eisenindustrie  mit  Kohle
zur  Eisenindustrie  mit  Holz.  Auch  die  Voraussetzung,  die  bei  der
Eisenindustrie  zur  Verwendung  von  Kohle  statt  Holz  führte:  der
Massenmarkt  für  Massenabsatz  hat  ja  bei  der  neuen  Erscheinung
eine  wahlverwandte  Grösse  erreicht.
Hand  in  Hand  damit,  den  Produktionsprozess  möglichst  dem
Gesetze  des  zunehmenden  Ertrages  entsprechend  zu  gestalten,
ging  die  Zunahme  der  Einrichtungen  einher,  die  der  Veredelung ­
  der  gewonnenen  Kohle  dienten.  Sie  bestehen  darin,
die  Kohle  von  dem  Gestein  zu  reinigen  und  ev.  zu  waschen.
Für  Niederschlesien 3 )  wird  für  1895  berichtet:  »die  Kosten
der  Sortierung  und  Aufbereitung  betragen  gegenwärtig  einschliesslich ­
  aller  damit  verbundenen  Nebenarbeiten,  wie  Wegschaffen  der
1)  Poech,  1.  c.  Berg-  und  Hiittenm.  Jahrbuch  1891.  431.
2)  Lasche,  Förderanlagen  mit  elektrischem  Betriebe  Gl.A.  1900;  ferner  Bergund
  Hiittenm.  Ztg.  1900.  431.
3)  Stolz,  Die  neue  Förder-  und  Verladeeinrichtung  auf  den  G.  v.  Kramsta’schen
Gruben  bei  Konradsthal  in  Niederschlesien.  Preuss.  Zeitsclir.  1891.  B.  75  f.
        <pb n="66" />
        59

ausgelesenen  Berge,  Beschaffung  aller  Materialien,  Beleuchtung
u.  s.  w.,  sowie  einschl.  des  Schmierens  der  Förderwagen  16,4  Pf.
auf  die  Tonne  Kohlen,  welche  Kosten  mit  zunehmender  Förderung ­
  sich  selbstverständlich  noch  wesentlich  ermässigen  werden,
da  das  Personal  hierbei  nicht  vermehrt  zu  werden  braucht«.  Im
Saargebiete  *)  zwang  die  Konkurrenz  neben  der  mechanischen
Aufbereitung  durch  Rätter  noch  zu  einer  weiteren  Veredelung
durch  Wascharbeit.
Im  Ruhrbezirke  1  2  3 )  führte  auch  in  dieser  Beziehung  die  Eisenbahn ­
  eine  Aenderung  herbei:  jetzt  machte  die  Fracht  es  rentabel,
möglichst  reine  Kohle  ohne  Ballast  zu  liefern.  So  finden  wir
2  Jahre  nach  Erbauung  der  Cöln-Mindener  Bahn,  also  1849,  die
erste  Wäsche.  Sie  hatte  geringen  Erfolg.  Aber  trotz  technischer
Schwierigkeiten  und  trotz  der  Vorurteile  der  Bergwerksbesitzer
breiteten  sich  1860  bis  1870  diese  Anlagen  allmählich  aus.  1870
bis  1880  schwanden  die  Hemmungen,  und  so  wurden  die  Aufbereitungsanlagen ­
  immer  zahlreicher  und  vollkommener,  besonders
da  auch  die  Ansprüche  der  Konsumenten  an  Reinheit  der  Kohle
stiegen.  Wie  weit  heute  die  Spezialisation  der  auf  Lesebändern
von  Bergen  gereinigten,  gewaschenen  und  automatisch  in  den
grossen  Zentralaufbereitungsanstalten  nach  Korngrössen  sortierten
Kohlensorten  geht,  kann  der  Leser  erfahren,  wenn  er  einmal  ein
Preisverzeichnis  zur  Hand  nimmt.  Bei  den  vom  Rheinisch-Westfälischen ­
  Kohlensyndikat  jeweilig  festgesetzten  sog.  »Richtpreisen«
werden  6  Kohlensorten:  Fettkohlen,  Gas-  und  Gasflatnmkohlen,
Esskohlen  (östliches  Revier),  Magerkohlen  (östliches  Revier),  Esskohlen ­
  (westliches  Revier),  halbmagere  Kohlen,  Magerkohlen  unterschieden, ­
  von  denen  jede  wieder  20  Unterabteilungen  im  Durchschnitt ­
  enthält  8 ).
Es  sei  noch  erwähnt,  dass  in  England  die  Kohlenaufbereitung
eine  relativ  untergeordnete  Rolle  spielt  wegen  der  hohen  Reinheit
der  dortigen  Kohle.  Wenn  Kohlenseparation  stattfindet,  so  ist  es
in  der  Regel  die  trockene  4  * ).

1)  Retny,  Die  Kohlenaufbereitung  und  Verkokung  im  Saargebiete.  Preuss.  Zeitschr.
1S90.  B.  101  f.
2)  Jungeboldt,  Kohlenseparation  und  -Wäsche  im  O.B.B.  Dortmund.  Preuss.
Zeitschr.  1902.  584.
3)  Vgl.  die  Tabelle  in  den  »Kontradiktorischen  Verhandlungen«  Bd,  I.  282.
4)  Kubale,  Mitteilungen  aus  dem  Bergbaubetrieb  Englands  und  Schottlands.
Preuss.  Zeitschr.  1901.  B.  43  f.
        <pb n="67" />
        6o

Die  Vorteile  des  Gesetzes  des  zunehmenden  Ertrages,  wie  wir
sie  bis  jetzt  analysiert  haben,  haben  nun  mit  gesetzlicher  Notwendigkeit ­
  dahin  gedrängt,  in  die  Erscheinung  zu  treten.  Heisst
doch  kapitalistische  Wirtschaft  E  rw  erb  s  Wirtschaft.
Die  wichtigste  äussere  Erscheinungsform,  gleichsam  die  Inkorporation ­
  des  Gesetzes,  ist  die  im  Laufe  der  Zeiten  beim  Steinkohlenbergbau ­
  eingetretene  Konzentration  des  technischen
Betriebes.
Im  Jahre  1862  waren  beim  preussischen  Steinkohlenbergbau
434,  im  Jahre  1902  nur  272  Werke  im  Betriebe.  Wie  gross  die
auf  die  einzelne  Grube  in  verschiedenen  Gebieten  entfallende  Fördermenge ­
  ist,  zeigen  folgende  Zahlen 1 ):
Es  kamen  durchschnittlich  auf  1  Grube  in  t  in

Saargebiet

Oberschlesien

Ruhr

Niederschlesien

Aachen

1882

428  552

99  892

137  00S

64  506

70  357

1902

736  281

437  239

357  479

285  605

153  237

+  %

71

337

160

372

H7

Somit  entfällt  auf  eine  Grube  im  Saargebiete  die  grösste  Förderung. ­
  In  diesem  Gebiete  ist  eigentlich  nur  ein  Steinkohlenbergbauunternehmer ­
  :  der  preussische  Staat,  der  hier  konzentriert
und  planmässig  wie  ein  Trust  wirtschaftet.  Sodann  folgt  Oberschlesien, ­
  wo  die  starke  prozentuale  Steigerung  zu  beachten  ist.
Es  ist  das  Gebiet,  in  dem  von  jeher  die  gemischten  Werke  vorherrschten. ­
  Es  folgt  das  Ruhrgebiet,  was  unten  noch  näher  behandelt ­
  wird,  und  darauf  Niederschlesien  mit  der  grössten  Steigerung. ­
  Aachen  mit  den  wenigen  unter  schwierigen  Verhältnissen
bauenden  Zechen  bildet  den  Schluss.
Im  Jahre  1792  waren  in  der  Mark  154  Gruben  im  Betriebe,
sie  förderten  176  676  t,  d.  i.  pro  Grube  1147  t.
Im  ganzen  O.B.B.  Dortmund  1  2 )  betrug  die  Zahl  der  betriebenen ­
  Steinkohlenbergwerke
1850:  203  1903:  166
die  Förderung  pro  betriebenes  Werk  in  1000  t
1850:  9,8  1903:  389,7.
Speziell  im  Ruhrgebiete  3 )  betrug  1850  die  Förderung  1,5  Mill.  t,

1)  Vgl.  dafür  die  betr.  Jahrg.  des  stat.  Teiles  der  Preuss.  Zeitschr.
2)  Entw.  Bd.  X.  1.  58*
3)  Entw.  Bd.  II.  4.
        <pb n="68" />
        6i

1900  jedoch  60  Mill.  t.  Sie  ist  also  um  das  40  fache  gestiegen.
Die  Zahl  der  betriebenen  Bergwerke  fiel  in  dieser  Zeit  von  198
auf  172.  Seit  1900  ist  sie  noch  weiter  gefallen.  Zu  den  172  betriebenen ­
  Bergwerken  gehörten  225  selbständige  Förderanlagen.
»Jede  einzelne  Anlage  leistet  demnach  heute  unter  schwierigeren
Verhältnissen  im  Durchschnitt  30—40mal  so  viel,  wie  ein  Bergwerk ­
  im  Jahre  1850«.  Die  Zechen  mit  höchster  Förderung 1 )
waren
1850:  Gewalt  mit  35  709  t
1900:  Zollverein  »  1  752  946  »
1903:  Deutscher  Kaiser  »  1  689077  »

Im  Jahre  1900  leistete  allein  die  Förderanlage  Prosper  II
969  120  t.
Die  sich  in  solchen  Zahlen  zeigende  technische  Betriebskonzentration ­
  hat  nun  ihrerseits  wieder  verschiedene  Erscheinungen
gezeitigt.
Einmal  erscheint  der  Anteil,  den  die  einzelnen  juristischen
Formationen  an  der  Förderung  im  rheinisch-westfälischen  Bezirke
haben,  infolge  der  zu  jener  Betriebskonzentration  nötigen  Kapitalkonzentration ­
  verändert;  wie  folgende  Tabelle  zeigt,  waren  nämlich ­
  im  rheinisch-westfälischen  Bezirke  beteiligt 1  2 )  mit

1850

1903

1.  Die  Aktien-Gesellschaften  :

t

%

t

%

a)  Bergbau-Aktien-Ges.
b)  Akt.Ges.,  die  ausser  Bergbau ­
  noch  andere  wichtige
Unternehmungen  (Hütten

2  387

0,12

3°  ”4  593

46,03

etc.)  betrieben

—

—

10424  783

15,93

2.  Krupp,  Essen  (1900)
3.  die  Firmen  Stumm  und  de

—

—

(  1  579  220)

(  2,63)

Wendel

—

—

299  353

0,46

4.  der  Preuss.  Bergfiskus

—

—

3*7  °43

0,48

5.  die  Mansfeldische  Gewerksch.
6.  die  Gewerkschaften  (ohne
Mansfeldische)  und  sonstige

394  905

0,60

Eigentümer

1  958  454

99,88

23  882775

36,50

Sa.

1  960  841

IOO

65  433  452

IOO

Wir  sehen,  wie  1850  fast  allein  die  juristische  Betriebsform
der  Gewerkschaft  bestand.  Mit  der  zunehmenden  Konzentration
der  Kapitalien  ward  es  jedoch  immer  schwieriger,  die  grossen

1)  Entw.  Bd.  X.  1.  58.
2)  Entw.  Bd.  X.  1.  279.
        <pb n="69" />
        62

Kapitalmengen  durch  eine  Vereinigung  von  Personen  (Gewerkschaft) ­
  aufzubringen.  Es  entstand  die  Vereinigung  von  Kapitalien,
die  Aktiengesellschaft,  die  1861  umfassend  gesetzlich  geregelt
wurde.  Um  welche  Summen  es  sich  handelt,  zeigt  folgende  Uebersicht
  über  diejenigen  Aktiengesellschaften,  die  Ende  1900
im  niederrheinisch-westfälischen  Becken  Steinkohlenbergbau  betrieben ­
  x ):
a.  Nur  Bergwerksbetrieb.
22  Gesellschaften  mit  273413400  Mk.  Aktienkapital  ohne
Genussscheine.  Die  Förderung  der  Zechen  dieser  Gesellschaften
betrug  1900  28  320  948  t.
16  Gesellschaften  hatten  Ende  1900  daneben  noch  Anleihen
und  Hypotheken  von  66,6  Milk  M.
b.  Neben  Bergbau  noch  sonstige  Hauptbetriebe  (also  die  sog.
gemischten  Werke  in  Form  von  Aktiengesellschaften).
Hier  war  Ende  1900  ein  Aktienkapital  von  260478000  M.
vorhanden  bei  einer  Förderung  (1900)  von  7  688  683  t.  II  Gesellschaften ­
  hatten  Ende  1900  Anleihen  und  Hypotheken  im  Betrage
von  80,5  Milk  M.
Somit  haben  wir  Ende  1900  im  niederrheinisch-westfälischen
Becken  allein  bei  den  Aktiengesellschaften  rund  533,9  Mill.  M.
Aktien  -  Kapital  und  147,1  Milk  M.  Anleihen  und  Hypotheken.
Hierin  sind  noch  nicht  enthalten  die  Kommanditgesellschaften,  die
Alleineigentümer  und  der  preussische  Fiskus.
Es  zeigte  sich,  dass  die  Förderung  der  Aktiengesellschaften
1903  rund  62  %  der  Förderung  ausmachte,  während  der  Anteil
der  Gewerkschaften  seit  1850  um  etwa  2 / 3  fiel.  Wir  machen  hierbei ­
  die  auch  auf  anderen  Gebieten  beobachtete  Erfahrung,  dass
die  wirtschaftlich  so  eminent  vorteilhafte  Kapitalkonzentration  in
ihrer  stärksten  Ausbildung  zu  einem  verteilenden  Prinzipe,  wie  es
die  Aktiengesellschaften  in  ihren  Aktien  darstellen,  die  Zuflucht
nehmen  muss.  Damit  ist  dem  einzelnen  Gelegenheit  gegeben,  an
den  Vorteilen  der  Kapitalkonzentration  teilzunehmen,  wenn  auch
das  »Mitregieren«  des  einzelnen,  wie  es  in  den  Generalversammlungen ­
  stattfinden  kann,  heute  noch  etwas  merkwürdig  aussieht,
besonders  wenn  Aktionäre  ihrem  Bankier  die  Ausübung  des  Stimmrechts ­
  übertragen,  und  dies  Recht  sich  von  diesen  dann  wieder
bei  den  wenigen  Grossbanken  konzentriert,  an  die  die  Werke  in

)  Entw.  Bd.  X.  Teil  1.  270.
        <pb n="70" />
        —  63  —
Zeiten  der  Not  noch  um  Obligationsanleihen,  den  so  wenig  beliebten, ­
  appellieren  müssen.
Hat  man  die  oben  mitgeteilten  Zahlen  mit  denen  der  Tabelle
davor  verglichen,  so  wird  man  gefunden  haben,  dass  von  1900
bis  1903  bei  den  Aktiengesellschaften  die  Förderung  der  gemischten ­
  Werke  stärker  gestiegen  ist,  als  die  der  reinen  Werke.  Es
stieg  nämlich  die  Förderung  der  reinen  Werke  von  1900  auf  1903
von  28,3  auf  30,1  Mill.  t,  d.  h.  um  8,8  %,  die  der  gemischten
Werke  jedoch  von  7,7  auf  10,4  Mill.  t,  d.  h.  um  35  %.  Dabei  ist
zu  beachten,  dass  die  gemischten  Werke  nicht  bloss  in  der  Form
von  Aktiengesellschaften,  sondern  z.  B.  auch  in  der  wichtigen  Form
der  Gewerkschaft  betrieben  werden.  Leider  zeigt  die  Tabelle  hier
keine  Spezialisation.
Solche  Erscheinungen  zeigen  schon  äusserlich  die  heute  existierende ­
  Expansionsfähigkeit  der  Kohlengruben,  die  den  gemischten ­
  Werken  mit  ihren  gewaltigen  Kapitalkonzentrationen  angehören.
Wir  kommen  zum  Schlüsse  darauf  zurück.
Unser  ersehntes  Ziel  war  bis  jetzt,  dem  Leser  die  dem  Steinkohlenbergwerksbetriebe ­
  als  solchem  innewohnenden  Entwickelungstendenzen ­
  klarzulegen.  Der  Natur  der  Sache  nach  mussten
vor  allem  die  technischen  Probleme  (als  Spiegelbild  der  Wirtschaftsorganisation ­
  aufgefasst)  eingehend  erörtert  werden.  Wir
haben  den  Betrieb  im  einzelnen  analysiert  und  gefunden,  dass
alles  Fortschreiten  darin  begründet  war,  den  grösstmöglichen  Nutzen
zu  erzielen:  hier  also  das  Gesetz  des  abnehmenden  Ertrages  durch
das  Gesetz  des  zunehmenden  Ertrages  jeweils  zu  suspendieren.
Wir  verlassen  nun  einen  Augenblick  den  aus  solcher  Zwecksetzung
entstandenen  Riesenbetrieb  und  fingieren  ihn  isoliert  dastehend.
Die  so  gewonnene  Zeit  wollen  wir  benutzen,  um  einiges  aus  dem
kärglichen  Material  über  die  Produktionskosten,  sowie  die  Preise
und  die  Gewinne  mitzuteilen.

Es  betrugen  in  Oberschlesien 1 )  bei  der  staatlichen
1)  Vgl.  Die  Nachrichten  bezw.  Uebersichten  von  der  Verwaltung  der  preussischen
  Staatsbergwerke,  -Hütten  und  -Salinen  jeweils  in  dem  betr.  Jahrgange  der
Drucksachen  des  Preussischen  Abgeordneten-Hauses.
        <pb n="71" />
        64

Königsgrube  Königin  Luise-Grube

im  Jahre

die

Selbstkosten

die  durchschnittlichen ­


die  Selbstkosten ­
  pro

die  durchschnittlichen ­


pro

t-Förderung
in  M.

Verkaufspreise

t-Förde-Verkaufspreise



pro  t  in  M.

rung  in  M.

pro  t  in  M.

1869

pro  Ztr.  1  Sgr.  11,39  Pf.

5,10

?

5,48

1870

»  »

1  »  10,11  »  ■)

5,24

?

5,0°

1871

?

6,00

p

6,24

1872

?

8,22

?

8,70

1873

f

8,94

?

9,54

1874

f

8,70

?

8,90

1875

?

6,54

?

7,00

1876

?

5,16

?

5,74

1877/8

5

4,53

p

5,12

1878/9

?

4,02

?

4,44  6 )

1879/80

3,32

3,98 6 )

3,30

4,16

1880/1

3,29

3,92

3,38

4,33

1881/2

3.09

3,79

3,29

4,42

1882/3

?

3,86

?

4,34

1883/4

3.o8

3,84

3,i9

4,35

1884/5

3&amp;gt; 21  ■)

3,95

3,i5

4,39

1885/6

3.29 s )

3,86

2,87  7 )

4,40

1886/7

3-03  4 )

3,74

2,77

4,26

1  887/8

2,88

3,63

3,12

4,29

1888/9

2,86

3,69

3,09  8 )

4,38

1889/90

3.37

3,87

3,5°

4,72

1890/1

4,14

5,9o

4,69

6,69

1891/2

4,29

6,21

5,oi  9 )

6,63

1892/3

4.64

5,93

4,78

6,5°

1893/4

4,00

5,87

4,10

6,20

1894/5

3.75

5,63

4,12

6,15

1895/6

3.71

?

4,n

J

1S96/7

3.7i

?

3,79

?

1897/8

3.75

?

4,02

?

1898/99

4,02  “)

5,92

4,05

6,76

1899/1900

4.34

6,48

4,03

7,41

1900/01

4,75

7,68

4,82

8,30

Bemerkungen:
1)  »Infolge  der  herbeigeführten  Verminderung  der  Ausgaben  in  Betriebslöhnen
und  Materialien  und  des  erhöhten  Arbeitseffektes«  fand  die  Minderung  der  Selbstkosten ­
  statt.
2)  »Die  Steigerung  des  Erlöses  aus  dem  Kohlenverkaufe  ist  durch  die  Erhöhung
der  Selbstkosten  mehr  als  absorbiert.«
3)  Steigerung  »infolge  der  Ausführung  grosser,  für  die  Betriebszwecke  notwendiger ­
  Bauten«.
4)  Minderung  »durch  verstärkten  Betrieb  der  eigentlichen  Abbauarbeiten«.
5)  Erhöhung  infolge  höherer  Löhne  und  Materialien.
6)  Bis  hieher  Angaben  in  Pf.  pro  Ztr.  1  t  =  20  Ztr.
7)  Sinken  »infolge  Beendigung  der  kostspieligen  Ausrichtungsarbeiten«.
8)  Sinken  infolge  Steigerung  der  Gesamtförderung.
9)  »Umfangreiche  Reparaturen  der  Schachtanlagen,  die  Verstärkung  der  Wasserhaltungsmaschinen, ­
  der  Ersatz  einer  grossen  Anzahl  betriebsunfähig  gewordener  Dampfkessel, ­
  der  Brand  der  Rätteranlage  im  Westfelde  und  ein  Haldenbrand  im  Ostfelde
brachten  Störungen  des  Betriebes  mit  sich.«
        <pb n="72" />
        65

Im  Durchschnitt  der  2  bezw.  3  staatlichen  Steinkohlenbergwerke ­
  König,  Königin  Luise  und  Bielschowitz  betrugen

im  Jahre
1897
1898
1899
1900
1901
1902

die  durchschnittl.  Selbstkosten
pro  t  in  M.
3,88
4,04
4,37
5.05
4,48
5,39

der  Durchschnittserlös
pro  t  in  M.
6,19
6,47
7,06
8,06
8,84
8,25

Wir  wollen  diese  Zahlen  (unter  Berücksichtigung  der  bereits
dazu  gegebenen  Bemerkungen)  zuerst  einmal  vertikal,  d.  h.  von
Jahr  zu  Jahr  des  einzelnen  Gebietes  betrachten.
Bei  den  beiden  Werken  Königsgrube  und  Königin-Luise-Grube
in  Obe  r  s  c  h  les  i  e  n  zeigen  die  S  elbstk  o  st  e  n  pro  t  Förderung
in  M.  in  den  Jahren  1879—1888  eine  ziemlich  ruhige  Entwicklung,
ja  1881  bis  1886  fallen  sie  sogar  bei  der  Königin-Luise-Grube  und
sind  1884  bis  1886  niedriger  als  die  der  Königsgrube,  was  in  diesem ­
  Zeiträume  nur  1899  wieder  eintrat.  Von  1889  bis  1891  steigen ­
  die  Selbstkosten,  um  dann  bis  1895  (besonders  Königsgrube)
zu  fallen  und  im  Laufe  der  zweiten  längeren  Hausse  dieser  Periode,
also  seit  1895,  wieder  zu  steigen.  Dies  zeigt  sich  besonders  in
den  durchschnittlichen  Selbstkosten,  wie  sie  im  Durchschnitt  der
3  staatlichen  Steinkohlenbergwerke  Oberschlesiens  seit  1897  angegeben ­
  sind.  Was  die  Preise  anlangt,  so  zeigen  diese  (sie  sind
1879—1900  stetig  höher  bei  der  Königin-Luise-Grube  als  bei  der
Königsgrube)  ebenfalls  bis  1888  bezw.  1889  eine  stetige  Entwicklung. ­
  Im  Jahre  1890  schnellen  sie  jedoch  in  die  Höhe,  sodass
(besonders  bei  der  Königin-Luise-Grube)  die  Spannung  zwischen
Durchschnitt  des  Verkaufspreises  und  der  Selbstkosten  pro  t  Förderung ­
  sich  jetzt  verstärkt.
Ueber  die  betreffenden  Verhältnisse  bei  den  staatlichen  Werken ­
  an  der  S  a  a  r  gibt  die  Tabelle 1 )  Auskunft,  die  auf  folgender
Seite  mitgeteilt  ist.  Ich  bitte  die  dazu  gehörigen  Bemerkungen
zu  beachten.
Hiernach  steigen  an  der  Saar  die  durchschnittlichen
Selbstkosten  pro  t  geförderte  Kohle  von  5,61  M.  (1869)  auf
7,80  M.  (1874);  sie  fallen  dann  bis  1879  auf  5,42  M.,  halten  sich

1)  Wegen  der  Quellen  vgl.  das  bei  Oberschlesien  Gesagte.
Zeitschrift  für  die  ges.  Staatswissensch.  Ergänzungsheft  19.

5
        <pb n="73" />
        66

Es  betrugen
die  Selbstkosten  pro  geförderte  t  '•  £  der  rechnungsmäs-  der  Schicht-(ausschl.
  der  auf  reservierte  Fonds  -g  &amp;gt;■  ^  sige  Ueberschuss  a )  verdienst  28 )
im  geleisteten  Ausgaben)  in  M.  j2  o  ,—n  0  der  Förderung  pro  Kopf  der
Jahre 4 )  davon  auf  H  in  eigentl.Bergr
Summe  Löh-  Materia-  Q  : o  *5  JS  1000  M.  M.  arbeiter 3 )

ne

lien

•  t:  &amp;lt;3
H3  &amp;lt;U  rX

Summe

pro  t

ii\  M.

1869

5.6!

—

—

—

7,77  ")

7  010

—

2,59

1870

?

—

—

—

7,80  ”)

?

—

2,64

1871

f

—

—

—

9,°5  ”)

p

—

2,83

1872

6,19

—

—

—

11,25  21 )

19  345

—

3&amp;gt; : 9

1873

7,04

—

—

—

16,84”)

37  901

—

3.50

1874

7,80

—

—

—

i5,25

25  382

—

3,58

1875

7,04

—

—

—

I  1,20

14990

—

3,32

1876

6,83

—

—

—

9,73

10  065

—

3,13

1877/78

?

—

—

—

8.25

5817 13 )

—

3,04

1878/79

?

—

—

—

7,69

5  513 14 )

—

3,02

1879/80

5,42

—

—

—

7,27

6  621

—

2,99

1880/81

5,76

—

—

—

7,54

6  266  16 )

—

3,1°

1881/82

5,67

—

—

—

7,40

6  033  16 )

—

3,12

1882/83

5,56

—

—

—

7,48

7  496  lr )

—

3,22

1883/84

5,73 5 ) 6 )

—

—

—

7,61

7  799  ,8 )

—

3,3°

1884/85

5,76 7 )

—

—

—

7,48

7  216  ’)

—

3,28

1885/86

5,59

—

—

—

7,40

7  775  19 )

—

3,24

1886/87

5.61

—

—

—

7,29

6  898  ; »)

—

3,22

1887/88

5,43 6 )  bezw.

5,7i

8 )  -

—

7,13

6  576  2 ‘)

—

3,26

1888/89

5,46

5,7i

—

—

7,31

8  084  '”)

—

3,3i

1889/90

6,70°)  »

6,91

—

—

8,78

8  892  2S )

—

3,6i

l8qo/qI

7,98

8,3°

—

—

10,91

12  547  24 )

—

4,18

l8ql/q2

—

8,39

—

—

10,30

7  589  26 )

—

4,36

1892/93

—

«,03

10 )  -

—

9,73

6  707

1,113

4,13

1893/94

—

7,29

u )  -

—

8,94

5915

0,958

3,8o

1894/95

—

7,i3

—

—

8,81

6  323

o,954

3,68

1895/96

—

6,94

—

—

8,90

8  474

1,189

3,7°

1896/97

—

6,85

—

—

8,94

9  324

1,196

3,72

1897/98

—

6,87

—

—

9,28

1  2  368

1,463

3,78

1898/99

—

7&amp;gt;*4 ia )  4,44

1,30

9,53

12  352  Z6 )

1,403

3,85

I899/I9OO

7,5i

4,54

1,49

io,35

15  945

1,739

3,93

I  900/0  I

—

7,94

4,72

1,65

n,99

25  437

2,71  I

4,06

1901/02

—

8,34

4,87

1.65

12,47

24  988

2,69

3,54  2a )

1902/03

—

8,22

4,81

i,5°

n,54

19  020

1 ,96

3,57

Bemerkungen:
1)  Bei  diesem  Erlöse  sind  also  Selbstverbrauch  und  die  unentgeltlich  abgegebenen ­
  Mengen  nicht  berücksichtigt.
2)  Unter  Berücksichtigung  des  Wirtschaftsergebnisses  der  Bergfaktorei  Kohlwaage
und  des  Hafenamtes  zu  Malstatt,  sowie  der  Verwaltungskosten  der  Bergwerksdirektion ­
  zu  Saarbrücken.
3)  Ausgeschlossen  die  Beamten.
4)  Seit  1877  ist  das  zu  berücksichtigende  Jahr  von  April  zu  Oktober  zu  rechnen.
5)  D.  i.  ohne  Ausgaben  für  Betriebsanlagen  und  für  Landankäufe.  Diese  Bemerkung ­
  gilt  bis  1890—1  inkl.
6)  Diese  Steigerung  ist  zurückzuführen  auf  »die  unabweisbar  gewordene  verstärkte ­
  Aus-  und  Vorrichtung  überhaupt,  sowie  insbesondere  auch  auf  die  Beschleunigung ­
  der  Tagesanlagen  für  die  neuen  Tiefbaue«.
7)  »Dieses  minder  günstige  Ergebnis  des  Berichtsjahres  findet  seine  Erklärung
hauptsächlich  in  dem  Umstande,  dass  der  durchschnittlich  erzielte  Verkaufspreis  für
eine  abgesetzte  Tonne  Kohlen  gegen  den  veranschlagten  Absatzpreis  um  0,02  M.
zurückgeblieben  ist,  und  ferner  darin,  dass  die  Selbstkosten  wegen  der  .  .  notwendig
        <pb n="74" />
        67

5*

gewordenen  Ausdehnung  der  Aus-  und  Vorrichtungsarbeiten  die  dem  Voranschlag  zugrunde ­
  gelegte,  sowie  die  vorjährige  Ziffer  überstiegen  haben.«
8)  D.  i.  einschl.  Ausgaben  für  Betriebsanlagen  und  für  Landkäufe.
9)  »Gleichzeitig  sind  die  Selbstkosten  infolge  der  Erhöhung  der  Arbeiterlöhne
und  der  durch  den  Rückgang  der  Leistung  verursachten  Steigerung  der  Generalkosten
ansehnlich  gewachsen.«
10)  »Diese  Herabminderung  beruht  vorwiegend  auf  Minderausgaben  für  Betriebslöhne, ­
  welche  herbeigeführt  wurden  einerseits  durch  Einstellung  aller  nicht  dringlichen ­
  Aus-  und  Vorrichtungsarbeiten,  andererseits  durch  teilweise  Ermässigung  der
Gedinge.«
11)  »Diese  Ermässigung  ist  vorwiegend  erzielt  worden  durch  tunlichste  Einschränkung ­
  der  Ausgaben  für  Bauten,  durch  Minderausgaben  bei  der  Materialienbeschaffung
und  durch  eine  dem  Niedergange  der  Kohlenpreise  entsprechende  Herabsetzung  der
Arbeiterlöhne.«
12)  Höher  infolge  Lohn  und  Materialpreissteigerung.
13)  Ein  Vergleich  mit  den  Vorjahren  geht  wegen  Veränderung  des  Etatjahres
nicht  an.
14)  »Was  den  technischen  Betrieb  der  Gruben  betrifft,  so  hatte  derselbe  unter
den  ungünstigen  Absatzverhältnissen  eine  Reihe  von  Schwierigkeiten  zu  bekämpfen.
Die  fortdauernden  Preisrückgänge  der  Kohle  mussten  auf  eine  entsprechende  Herabminderung' ­
  der  Selbstkosten  und  demgemäss  in  erster  Linie  auf  eine  möglichste  Einschränkung ­
  der  Aus-  und  Vorrichtungsarbeiten,  sowie  der  Neuanlagen  hindrängen.«
15)  »Während  das  Mehr  gegen  den  Etat  in  dem  grösseren  Absätze  und  den  erzielten ­
  hohem  Verkaufspreisen  seine  Erklärung  findet,  ist  der  Grund  zu  dem  Zurückbleiben ­
  des  Ueberschusses  gegen  das  Vorjahr  einerseits  in  wesentlichen  Mehrausgaben ­
  für  Meliorationen,  Landankäufe  und  Beschaffung  von  Material  Vorräten,  andererseits ­
  in  der  notwendig  gewordenen  stärkeren  Wiederaufnahme  der  Aus-  und  Vorrichtungsarbeiten ­
  und  den  infolgedessen  gestiegenen  Betriebs-  und  Materialkosten  zu
suchen.«
16)  Geringer  lediglich  infolge  Sinkens  der  Verkaufspreise.
17)  Die  günstigen  Ergebnisse  begründet  »einerseits  in  dem  erhöhten  Absätze  von
Produkten  bei  durchschnittlich  höheren  Verkaufspreisen,  andererseits  in  einer  weiteren
Ermässigung  der  Selbstkosten.«
18)  Erhöhung  infolge  stärkeren  Absatzes  und  höherer  Verkaufspreise.
19)  »Das  Schlussergebnis  ist  zwar  gegen  den  Voranschlag  zurückgeblieben,  stellt
sich  aber  doch  trotz  des  Minderabsatzes  und  trotz  weiteren  Herabgehens  der  Kohlenpreise ­
  noch  immer  erheblich  günstiger  als  im  Jahre  1884/5,  da  sich  die  Selbstkosten
ermässigt  hatten.«
20)  »Die  Ursachen  dieses  Minderertrages  sind  einerseits  in  den  gedrückten
Preisverhältnissen  und  dem  verringerten  Absätze,  anderseits  in  den  durch  die  Einschränkung ­
  der  Förderung  etwas  gestiegenen  Selbstkosten  zu  suchen.«
21)  Sinken  infolge  des  »unerwarteten  weiteren  Herabgehens«  der  Verkaufspreise
»trotz  günstiger  Gestaltung  der  Selbstkosten«.
22)  »Dieser  sehr  günstige  Erfolg  ist  vor  allem  dem  Steigen  der  Verkaufspreise,
in  zweiter  Linie  der  stärkeren  Förderung  zu  verdanken.«
23)  »Diese  günstige  Gestaltung  (sc.  im  Verhältnis  zum  Steigen  der  entsprechenden
Selbstkosten)  des  Schlussergebnisses,  welches  trotz  des  Ausfalls  in  Förderung  und
Absatz  nicht  nur  die  Annahme  des  Etats,  sondern  auch  die  Ergebnisse  des  Vorjahres
übertrifft,  hat  ihren  Grund  lediglich  in  der  Besserung  der  Verkaufspreise,  durch  welche
die  Steigerung  der  Selbstkosten  ausgeglichen  wurde.«
24)  »Dieser  günstige  Erfolg  ist  lediglich  dem  hohen  Stande  der  Verkaufspreise
zuzuschreiben,  deren  Aufwärtsbewegung  diejenige  der  Selbstkosten  noch  übertraf.«
25)  »Dieses  ungünstige  Ergebnis  ist  in  der  Hauptsache  auf  den  Rückgang  der
Kohlen  Verkaufspreise  zurückzuführen.«
26)  »Veranlasst  ist  dieser  Minderertrag  einmal  durch  die  allgemeine  Steigerung
der  Betriebslöhne  und  Materialienpreise  und  ferner  durch  die  ....  Uebernahme  der
Pferdeförderung  auf  den  Gruben  Gerhard  und  Pleinitz  in  fiskalische  Verwaltung  und
•die  hiermit  zusammenhängenden  nicht  unbedeutenden  einmaligen  Ausgaben.«
27)  Ungefähr  der  mittlere  Fettkohlenpreis.
28)  Bis  1900  inkl.  der  Schichtverdienst  einschl.  der  Gefälle  und  bei  unterirdi-
        <pb n="75" />
        68

sehen  Arbeiten  einschl.  io  Pf.  für  Oel  in  der  Schicht.  Vgl.  der  Steinkohlenbergbau
des  preuss.  Staates  in  der  Umgebung  von  Saarbrücken  VI.  Teil  154.  155.  Berlin  1904.
Springer.
29)  Reiner  Schichtverdienst  auf  die  Arbeiter  ohne  Werksbeamte,  Pferdeknechte
und  Hafenabeiter.
ungefähr  auf  gleicher  Höhe  bis  1888/9  mit  5,46  M.*).  1889/90
und  1890/1  (vgl.  Tabelle)  steigen  die  Selbstkosten  sehr,  sie  erreichen ­
  1891/2  die  Höhe  von  8,39  M.,  dann  aber  fallen  sie  auf
6,85  M.  (1896/7),  um  allmählich  auf  8,34  M.  (1901/2)  zu  steigen.
Die  Löhne,  die,  wie  die  Jahre  1898/9—1902/3  der  Tabelle
zeigen  (wir  werden  es  später  noch  weiter  sehen)  einen  wichtigen
Teil  der  Selbstkosten  ausmachen,  zeigen  eine  verhältnismässig
ruhige  Entwicklung.  Der  Schichtverdienst  pro  Kopf  steigt  bis
1874  auf  3,58  M.,  er  fällt  bis  1879  auf  2,99  M.,  um  (mit  Ausnahme ­
  der  Jahre  1884/5  bis  1886/7)  allmählich  stetig  auf  4,36  M.
1891/2  zu  steigen.  Dann  fällt  er  bis  1894/5  auf  3,68  M.,  um  abermals ­
  bis  1900  auf  4,06  M.  zu  steigen.  Darauf  sinkt  er  wieder.
Wir  sehen  also,  dass  in  den  Jahren  1869  bis  1902/3  im  Jahre
'  1891/2  mit  4,36  M.  pro  Schicht  der  höchste  Lohn  erreicht  wurde.
Ganz  anders  entwickeln  sich  die  Preise  (d.  h.  hier  die  Durchschnittserlöse ­
  pro  t  verkaufter  Kohlen).  Sie  steigen  von  7,77  M.
im  Jahre  1869  auf  die  enorme  Höhe  von  16,84  M.  im  J.  1873.
Dann  fallen  sie  bis  1879/80  auf  7,27  M.;  sie  betragen  1883/4  7,61  M.
und  sinken  bis  1887/8  auf  7,13  M.,  halten  sich  also  in  dieser  Zeit
ziemlich  stabil.  Dann  jedoch  steigen  sie  rapide  bis  10,91  M.  im
J.  1890/1  ,  um  bis  1894/5  auf  8,8t  M.  zu  fallen.  Darauf  beginnt
ein  erst  langsames,  dann  schnelles  Steigen  auf  12,47  M.  1901/2.
1902/3  beträgt  der  Preis  11,54  M.  —  Es  ist  von  Interesse,  diesen
3  Kurven  die  des  »re  chnu  n  g  s  m  ässig  en  Ueberschusses
der  Förderung«  entgegenzustellen.  Dieser  wird  jedoch  bis
1891/2  nur  in  absoluter  Höhe  angegeben,  lässt  also  gerade  das
für  uns  Wichtige,  den  Gewinn  pro  t,  nicht  erkennen;  denn  dieser
kann  ja  sinken  und  jener  trotzdem  z.  B.  infolge  vergrösserter  Förderung ­
  steigen.  Bis  1891/2  verweise  ich  also  auf  die  in  dieser
Hinsicht  vielfach  belehrenden  Bemerkungen,  die  sich  unter  der
Tabelle  befinden,  die  auch  wichtige  Einflüsse  auf  die  absolute
Höhe  der  Selbstkosten  bereits  andeuten  mögen.  Seit  1892/3  werden
jedoch  auch  die  relativen  Selbstkosten,  also  die  pro  t,  angegeben;
1)  Seit  1887/8  werden  Selbstkosten  angegeben,  in  die  sonderbarerweise  »Landankäufe« ­
  und  »Betriebsanlagen«  eingerechnet  sind.  Dies  erschwert  natürlich  —  von
der  nicht  einwandfreien  Berechnung  abgesehen  —  den  Vergleich  sehr.
        <pb n="76" />
        69

sie  finden  sich  in  der  Tabelle.  Sie  zeigen,  dass  im  Saargebiete
der  rechnungsmässige  Ueberschuss  pro  t  Förderung  seit  1894/5
stetig,  wenn  auch  schwankend,  gestiegen  ist,  und  dass  er  1900/1
die  ganz  ansehnliche  Höhe  von  2,71  M.  pro  t  erreicht,  absolut
also  insgesamt  (vgl.  Tabelle)  rund  25 1 / 2  Millionen  M.  beträgt.
Nach  diesen  Ausführungen  ist  es  nicht  angebracht,  die  Steigerung ­
  der  Selbstkosten  seit  1896/7  mit  den  Lohnsteigerungen  zuerst ­
  zu  begründen  und  dementsprechend  hiermit  die  Preissteigerungen ­
  zu  motivieren.  Dies  zeigen  folgende  prozentuale  Berechnungen ­
  noch  deutlicher.  Es  betrugen  nämlich,  wenn  die  Zahlen
des  Jahres  1898/9  jeweils  =  100  gesetzt  werden

im  Jahre

die  Selbstkosten  pro  geförderte ­
  t
Sa  davon
Löhne  Materialien

der  Durchschnitlserlös

pro  t
verkaufter
Kohlen

der  rechnungsmässige ­

Ueberschuss
pro;  t

der  Schichtverdienst ­

pro  Kopf
der  Belegschaft ­
  *)

1898/99

100,0

xoo.o

100,0

100,0

100,0

100,0

1899/1900

105,1

102,2

114,6

108,6

I2 3,9

1  oi,7

1900/01

111,2

106,3

126,9

125,8

193,2

104,7

1901/02

116,8

109,6

126,9

130,8

I9L7

•  104,1

1902/03

uSü

108,3

H5,3

121,0

139,7

105,0

Aus  dieser  Berechnung  ergibt  sich  ganz  deutlich,  dass  es  von
den  Selbstkosten  weniger  der  Anteil  »Löhne«  als  vielmehr  der
Anteil  »Materialien«  ist,  der  ihre  Steigerung  hervorgerufen  hat.
Weiter  ergibt  sich,  dass  eine  solche  Preissteigerung,  wie  sie  in
diesem  Zeiträume  an  der  Saar  stattfand,  sich  nicht  mit  den  Gesamtselbstkosten ­
  begründen  lässt.  Will  man  den  Grund  der
Preissteigerung  solcher  Art  angeben,  so  liegt  er  eben  in  der  Steigerung ­
  des  »rechnungsmässigen  Ueberschusses  prot«,  d.  h.  im  Unternehmergewinn. ­

Auf  Grund  des  mitgeteilten  Zahlenmaterials  (sowohl  aus  Oberschlesien ­
  wie  aus  dem  Saargebiete)  ist  es  ferner  nicht  richtig,  von
ständig  steigenden  oder  gestiegenen  Selbstkosten  zu  reden.  Wir
beobachten  gewisse  Schwankungen,  und  zwar  sehen  wir  mit
der  Hausse  allgemein  steigende  Selbstkosten,  die  in  Baisse
dann  wieder  sinken,  die  jedoch  seit  1889/90  bis  jetzt  (1902)  nicht
wieder  so  tief  wie  in  den  Jahren  1880—1888  etwa  gesunken  sind.
Diese  letzte  Erscheinung  (also  die  seit  1889  an  sich  gestiegenen
Selbstkosten)  scheint  in  der  infolge  des  Streiks  stattgefundenen
Erhöhung  der  Nominallöhne  begründet  zu  sein.  Diese  Erhöhung

1)  Die  Zahlen  beziehen  sich  auf  eine  Belegschaft  ohne  Aufsichtspersonal,  sie
lauten  absolut  3,40.  3,46.  3,56.  3,54.  3,57  M.
        <pb n="77" />
        N

—  7°
musste  so  wirken,  weil  einmal  der  Abbau  der  Kohle  (wie  erwähnt)
heute  noch  allgemein  durch  Handarbeit  geschieht  und  hierbei  kein
Arbeiter  mehr  leisten  kann  als  seine  physische  Konstitution  zulässt; ­
  zum  andern  sind  die  natürlichen  Verhältnisse,  unter  denen
die  Kohle,  das  zu  gewinnende  Objekt,  vorkommt,  seit  1889/90
zum  mindesten  im  Durchschnitt  für  den  Abbau  nicht  günstiger
geworden.  Dies  führt  uns  zu  obigen  »gewissen  Schwankungen«
in  den  Selbstkosten  zurück.  Sie  sind  in  der  Natur  des  Bergbaues
begründet.  Es  muss  nämlich 1 )  dem  Abbau  der  Kohlenflötze,
d.  h.  der  eigentlichen  Kohlengewinnung,  vorhergehen  zuerst  die  Ausrichtung, ­
  d.  h.  die  Massnahmen,  die  dazu  dienen,  um  überhaupt  durch
Schächte  oder  Strecken  zum  Flötze  zu  gelangen;  sodann  die  Vorrichtung, ­
  d.  h.  die  Zerlegung  der  Flötze  in  zum  Abbau  geeignete
Felder.  Es  liegt  auf  der  Hand,  dass  die  Selbstkosten  dann  —
unter  sonst  gleichen  Verhältnissen  —  besonders  gering  sind,
wenn  möglichst  wenig  »unproduktive  Arbeiten«  (d.  h.  Arbeiten
bei  denen,  wie  z.  B.  bei  der  Ausrichtung  keine  Kohle  gewonnen
wird)  sich  auf  möglichst  viel  Kohlengewinnung  verteilen.  Diese
Forderung  ist  aber  nur  sehr  relativ  zu  verwirklichen,  denn  man
kann  die  Aus-  und  Vorrichtung  nicht  vorher  bestimmen,  weil  man  die
Dauer  und  die  Intensität  der  die  Förderung  bestimmenden  Hausse
nicht  kennt,  und  so  kann  man  die  unproduktiven  Arbeiten  nicht
ausgleichend  verteilen,  sondern  muss  sie  oft  forciert  betreiben.
Zweitens  werden  in  Haussezeiten  schwerer  zu  bauende  Flötze
in  Angriff  genommen,  die  nur  mit  steigenden  Kosten  zu  gewinnen ­
  sind  (falls  gleiche  Technik  herrscht).  Die  Erscheinung,  dass
im  Anfang  der  Hausse  die  Kosten  einige  Zeit  sinken,  ist  darauf
zurückzuführen,  dass  man  in  ruhigen  Zeiten  Müsse  hat,  sich  auf
eine  bessere  Konjunktur  zu  präparieren,  d.  h.  genügend  aus-  und
vorzurichten,  was  gleich  abgebaut  werden  kann.  Dieser  Abbau
pflegt  dann  sehr  häufig  unter  Zurücksetzung  der  bösen  »unproduktiven ­
  Arbeiten«  erst  einmal  vor  sich  zu  gehen  —  lockt  doch
der  Preis.  Aber  die  »unproduktiven  Arbeiten«  melden  sich  später ­
  wieder  und  oft  nicht  in  geringerem  Masse.
Drittens  pflegen  in  Hausse  die  Materialpreise  für  die  Betriebe
und  für  Betriebserweiterungen,  die  jetzt  häufig  in  leicht  erklärlicher,
1)  Ich  setze  bei  diesen  Erörterungen  den  kontinuierlich-intensiven  Betrieb  voraus
  und  erkläre  bloss,  warum  an  sich  in  Hausse  die  Produktionskosten  steigen  müssen.
Dass  nämlich  diese  noch  besonders  steigen,  wenn  etwa  irgendwelche  Betriebsstörungen ­
  im  Abbau  oder  bei  der  Förderung  hinzutreten,  ist  klar.
        <pb n="78" />
        71

wenn  auch  wenig  volkswirtschaftlicher  Weise  vorgenommen  werden, ­
  zu  steigen.
Viertens  steigen  die  Nominallöhne.
Dies  sind  der  Hauptsache  nach  die  Momente,  die  für  ein
Steigen  der  Produktionskosten  in  Hausse  geltend  zu  machen  sind
und  die  in  Baisse  entsprechend  gelten.  Wie  sie  sich  auf  die  einzelnen ­
  Jahre  verteilen,  zeigen  die  29  Bemerkungen  zur  »Saartabelle«. ­
  Bei  sonst  gleicher  Technik  kann  also  eine  Steigerung
der  Preise  an  sich  nur  die  notwendige  Folge  der  Erhöhung  der
Produktionskosten  sein,  was  natürlich  eine  kritische  Prüfung  der
Grösse  der  Preissteigerung  nicht  überflüssig  macht.
Wir  gehen  jetzt  zu  dem  horizontalen  Vergleiche  der  Produktionskosten ­
  über,  also  zu  den  Gründen,  die  ihre  verschiedene
Höhe  zu  gleicher  Zeit  an  verschiedenen  Orten  bedingen. ­

Im  Jahre  1893  ')  hat  der  Bergwerksdirektor  Kleine  die  folgende ­
  Tabelle  über  die  Selbstkosten  der  westfälischen  Kohlen  im
Jahre  1892  veröffentlicht.  Als  Grundlage  der  Berechnung  diente
ihm  das  Verhältnis  der  gezahlten  Löhne  zu  den  gesamten  Ausgaben: ­
  »eine  bessere  Grundlage  lässt  sich  nicht  finden«.  Dies  ist
bedauerlich,  da  die  »gesamten  Ausgaben«  ein  etwas  weiter  Begriff ­
  sind.  Das  Resultat  war:  für  den  O.B.B.  Dortmund  7,25  M.
durchschnittliche  Selbstkosten.  Ein  wegen  Absatzmangel  und
Feierschichten  dieses  Jahres  hoher  Betrag.  Kleine  teilt  nun  die
Zechen  in  3  Gruppen  von  annähernd  gleicher  Jahresförderung
und  findet  folgendes  :

Zahl
der
Zechen

Leistung

Brutto-Förderung

1000  t

Zahl

durch-Selbst

 ­



Gruppe

proArbeiter.
  u.  Jahr

der
Arbeischnittl. ­


Leistung

kosten
pro  t

Förderung
pro  Jahr

t

ter

t

M.

t

1

3°

über  290

12  322

37  669

327

5,74

410747

2

44

248—290

12  142

46  726

259

7,25

275  969

3

69

unter  248

11  878

54  348

219

8,57

172148

Aus  diesen  Zahlen  ergibt  sich,  dass  durchschnittliche  Leistung
(besser  Förderung  pro  Kopf)  und  Selbstkosten  annähernd  im  umgekehrten ­
  Verhältnisse  stehen.  Die  Leistung  beim  Steinkohlenbergbau ­
  aber  ist  bedingt  durch  die  Leistungsfähigkeit  des  Arbeiters
und  durch  die  Leistungsmöglichkeit  in  Kohle.  Diese  letztere  wird
durch  die  sog.  natürlichen  Verhältnisse  des  Kohlenflötzes,  d.  h.
1)  Kleine,  Die  Selbstkosten  der  westfälischen  Kohlen  im  Jahre  1892.  Gl.A.  1893.
s.  1339.
        <pb n="79" />
        72

seine  Reinheit,  Mächtigkeit,  Regelmässigkeit  u.  a.  gegeben.  Und
zwar  bildet  die  Gunst  der  natürlichen  Verhältnisse  den  ausschlaggebenden ­
  Faktor  im  Bunde  mit  dem  zweckentsprechendsten  Betriebszustande. ­
  Wenn  wir  also  aus  vorstehenden  Zahlen  entnehmen, ­
  dass  1892  an  der  Ruhr  fast  die  Hälfte  der  Zechen  mit  den
höchsten  Selbstkosten  arbeitete  (bei  gleichzeitig  höchster  Arbeiterzahl ­
  und  geringster  Bruttoförderung  als  anderen  Erscheinungsformen ­
  hoher  Selbstkosten),  so  sehen  wir  bei  der  Kohlengewinnung ­
  klar  das  Monopol  innerhalb  eines  Monopols.  Nur  etwas
mehr  als  ein  Viertel  der  Zechen  arbeitete  mit  den  relativ  billigsten ­
  Selbstkosten.  Es  dürften  dies  die  Werke  sein,  deren  Dividenden ­
  besonders  in  die  Augen  fallen.
Die  günstigen  natürlichen  Verhältnisse  sind  auch  der  Grund,
warum  vor  allem  Oberschlesien  so  geringe  Selbstkosten  hat.
Wie  verschieden  weiter  die  Gestehungskosten  innerhalb  eines
einzelnen  Gebietes  sind,  und  wie  irreführend  die  Schlüsse  sind,  die
auf  solch  zersplittertem  Materiale 1 )  aufgebaut  sind,  zeigen  noch
einige  Zahlen  aus  dem  Ruhrbezirke.
Es  betrugen  nämlich  pro  t  in  M.  2 )  bei
Concordia  Bgb.A.Gesellsch.  Gelsenkirchen  B.G.

die  Selbstkosten

der  Erlös

die  Selbstkosten

der  Erlös

1896

6,27

7.72

S  &amp;gt;33

7,43

1899

6,68

8,92

6,55

8,89

1900

7,3i

10,22

7,i3

10,39

+%

16,6

32,3

33&amp;gt;7

39,8

Wir  sehen,  wie

bei  diesen

beiden  Werken  in

der  letzten

Hausseperiode  die  Selbstkosten  z.  Zt.  sehr  beträchtlich  gestiegen
sind,  wie  aber  auch  die  Erlöse  mehr  oder  minder  zugenommen  haben.
Um  noch  an  einigen  andern  Werken  die  Verschiedenheit  von
Erlös  und  Gestehungskosten  anzuführen:

so  betrugen  1896  3 )

bei

die  Gestehungskosten

der  Erlös

Bochumer  Bgw.Akt.Ges.

5.7°

6,64

Bonifacius

6,40

7,72

Dannenbaum

6,09

7,08

Dortmund  Bgb.Akt.Ges.

8,18

6,05

Harpener  Bgb.Akt.Ges.

5,70

7,89

Rheinische  Anthrazit

4,99

5,08

1)  Aber  ebenso  vorsichtig  sind  auch  die  Schlüsse  aus  dem  nichts

sagenden

»Durchschnitte«,  der  wegen
beliebt  ist,  zu  behandeln.

seiner  nivellierenden  Eigenschaften

oft  ganz

besonders

2)  Gl.A.  1896.  400.  cit.

nach  Köln.  Ztg.  445;  und  Pieper,

Die  Lage  der  Bergarbeiter

  im  Ruhrrevier  108.
3)  Gl.A.  1896.  400.
        <pb n="80" />
        73

Alles  pro  t  in  M.  Hiernach  schwanken  die  Erlösdifferenzen  selbst
zwischen  7,89  und  5,08  M.  pro  t.  Die  Spannung  zwischen  Erlös
und  Gestehungskosten  ist  ein  Gewinn  von  2,19  M.  pro  t  und  ein
Verlust  von  2,13  M.  Zur  Zeit  des  Höhepunktes  der  letzten  Hausse
aber  betrugen  *)  bei

Verkaufspreis  pro  t

Selbstkosten

pro  t.

1899

1900

1899

1900

M.

M.

M.

M.

Langenbrahm

10,48

11,34

7,80

8,06

Alte  Hansa

7,24

8,16

6,87

7,27

Bickefeld  Tiefbau

9, 1 7

9,58

8,74

8,64

Blankenburg

8,22

8,71

7,08

6,65

Dahlbusch

9&amp;gt;°5

10,20

6,97

7,13

Deutschland

8,24

9,3°

6,83

6,29

Harpen

8,64

9,52

6,49

7,33

Anthrazit  Kupferdreh

7,34

8,15

5,97

5,96

König  Ludwig

9,72

11,80

8,12

9,i7

Man  sieht  Selbstkosten  von  verschiedenster  Höhe,  die  zum
Teil  von  1899  auf  1900  gefallen  sind,  während  die  Verkaufspreise
gestiegen  sind.
Soviel  über  die  Produktionskosten  in  den  3  Hauptsteinkohlenbergbaubezirken ­
  Preussens.
Es  bleibt  uns  noch  übrig,  das  wenige  verwertbare  Material
über  den  Unternehmergewinn  im  Ruhrgebiete  zu  betrachten.
Folgende  Aufstellung 2 ),  die  allerdings  nur  die  Jahre  1873  bis
1890  umfasst,  zeigt  die  Ueberschüsse  von  Bergwerksgesellschaften
mit  1873  12,2  Mill.  t  =  74,36  %  Förderanteil
»  1890  29,6  »  »  =  83,57  »  »
von  der  Gesamtförderung  des  O.B.B.  Dortmund.
Es  betrugen  —  wir  erwähnen  nur  die  Jahre,  die  in  der  Kurve
jeweils  einen  Gipfel  oder  ein  Tal  bilden  —  absolut  in  Mill.  M.
und  relativ  in  Prozenten  des  Kapitals:

die  Dividende  bezvv.
Ausbeute

die  Abschreibungen

die  Rücklagen

1S73

47,4  —  18,20  %

16,7  =  6,40  o/ 0

7,3  =  2,80  o/ 0

1877

4,2  =  1,51  •

1,5  —  °&amp;gt;53  »

0,7  =  0,23  &amp;gt;

1883

h,3  =  3,83  »

5,°  =  1,35  »

2,2  =  0,37  »

1885

8,3  =  2,13  »

2,9  =  0,75  »

i,3  =  °,33  *

1890

60,6  —  13,64  »

21,3  =  4,80  »

9,3  =  2 , 10  »

In  den  Jahren  1873—1900  ergibt  sich  eine  durchschnittliche
Verzinsung  von  4,55%,  Abschreibung  von  1,6%,  Rücklagen  zu
Fonds  o,7%.  Da  Effertz  selbst  mit  einer  3%igen  durchschnitt-1)
  Pieper,  1.  c.  108.
2)  Generaldirektor  Effertz,  Was  sind  »normale«  Kohlenpreise?  Essen  1891.
        <pb n="81" />
        74

liehen  Abschreibung  sowie  mit  I  %  Rücklage  rechnet  (pro  Jahr),
so  ist  dieser  Satz  nicht  erreicht.  Es  wäre  jedoch  sehr  wünschenswert, ­
  Zeiten  von  18  bezw.  i3°/ 0  durchschnittlicher  Dividende ­
  zu  starken  Abschreibungen  bezw.  Rücklagen  zu  verwenden,
da  gerade  beim  Steinkohlenbergbau  das  »Unvorhergesehene«
eine  grosse  Rolle  spielt  und  im  Falle  verhängnisvolle  Wirkungen
in  wirtschaftlicher  Hinsicht  zeitigen  kann.  Dann  wird  mit  beredten ­
  Worten  über  die  mageren  Jahre  geklagt,  der  fetten  jedoch
nicht  gedacht.

Für  die  Jahre  1878,  1885  un d  1894  (Baissejahre)  besitzen  wir
etwas  eingehendere  und  vergleichbare  Zahlen,  die  vielleicht  manche ­
  Tendenzen  erkennen  lassen.  Die  Zahlen  sind 1 ):

Selbstkosten  inkl.  Abschrei-Erzielter

  DurchschnittsJahr ­



Förderung

bungen

erlös

t

Sa.  M.

pro  t  M.

Sa.  M.  pro  t  M.

1878

11  448  709

56  609  403

4,944

60  617414  5&amp;gt; 1  2 94

1885

19  108  700

91997136

4,814

102262670  5,351

1894

32  422  354

206  939  641

6,382

234165572  7,222

Mithin  Ilehprsrhnss  Aufgewendetes  Anlage-  Mithin  verzinste

Jahr

kapital

sich  das  Anlagepro ­

  t  M.

pro  t  M.

kapital  mit  0/ 0

1878

0,35°

21,84

1,602

1885

o,537

18,98

2,829

1894

0,840

20,09

4,i8i

Sie  zeigen  wie  die  Selbstkosten  pro  t  gestiegen  sind,  wie
aber  auch  die  durchschnittliche  Verzinsung  des  Anlagekapitals
sich  gehoben  hat;  dies  ist  besonders  auffällig  1894,  wo  bereits  die
Kartellierung  vorhanden  war.  Andererseits  ist  eine  Verzinsung
von  1,6%  im  Jahre  1878  und  von  2,8  %  im  Jahre  1885  für  investierte ­
  Bergwerkskapitalien  so  enorm  niedrig,  dass  es  wohl
lockte,  unter  den  Kartellhut  zu  schlüpfen  2 ).
Wenn  wir  den  eben  mitgeteilten  Zahlen  die  folgenden  3 )  entgegensetzen ­
  :
Gezahlte  Löhne

Jahr

Selbstkosten
wie  vorhin

Summe

pro  t

Anteil  an
Selbstkosten

pro  Kopf  und
Schicht  der
Belegschaft

pro  t  M.

M.

M.

%

M.

1878

4,944

31  490  810

2,75°

55,628

2 &amp;gt;°3—3,7i

1885

4,814

54  397  278

2,846

59,129

2,25—3,18

1894

6,382

118  851  956

3,665

57,433

2,80-3,91

1)  Effertz,  Die  niederrheinisch-westfälische  Kohlenindustrie  in  ihren  Existenzbedingungen ­
  —  früher  und  jetzt.  Essen  1895.  cit.  nach  Entw.  Bd.  X.  3.  366.
2)  Vogelstein,  Industrie  der  Rheinprovinz  schreibt  Seite  60:  »Tatsächlich  arbeiteten
aber  die  gesamten  Zechen  auch  während  der  Zeit  der  stärksten  Depression  mit  ansehnlichem ­
  Gewinne.«  Auf  Grund  des  mitgeteilten  obigen  Materials  lässt  sich  dieser.
Satz,  zumal  in  solcher  Allgemeinheit,  nicht  aufrecht  erhalten.
3)  Gl.A.  1895.  5*6.
        <pb n="82" />
        75

so  finden  wir  bei  einem  Vergleiche  der  gesperrt  gedruckten  Zahlen ­
  die  Tendenz,  dass  einem  fallenden  Anteil  der  Löhne  an  den
Selbstkosten  ein  Steigen  des  pro  Tonne  aufgewendeten  Anlagekapitals ­
  entspricht.  Und  wenn  wir  hören,  dass  der  Prozentsatz
der  Löhne  an  den  Ausgaben  beim  Stollenbetriebe  80  war,  in  den
6oer  Jahren,  als  der  Tiefbau  vorherrschte,  etwa  66 1  2 / 3  und  1890
60 1 ),  so  können  wir  daraus  schliessen,  dass  das  stehende  Kapital ­
  relativ,  d.  h.  im  Verhältnis  zu  dem  auf  Löhne  und  Materialien ­
  verwendeten  umlaufenden  Kapital  stetig  gestiegen  ist:  wie
die  stattgefundene  Verdrängung  von  Menschenarbeit  durch  Maschinerie ­
  war,  haben  wir  ja  gesehen.  Dabei  gab  die  Anwendung
mechanischer  Kräfte  die  Möglichkeit,  pro  Kopf  der  Belegschaft
den  Lohn  allmählich  zu  erhöhen,  wobei  trotz  Maschine  a  b  s  o-1
  u  t  bis  jetzt  die  Zahl  der  Arbeiter  beim  Steinkohlenbergbau  sich
ebenfalls  allgemein  erhöhte.
Die  Einführung  der  Schrämmaschine 2 ),  also  eine  Vergrösserung
  des  stehenden  Betriebskapitals,  wird  aber  das  Verhältnis  des
stehenden  Kapitals  zum  umlaufenden  noch  stärker  zu  Ungunsten
des  letzten  verschieben.
Was  die  Frage  anlangt,  wie  viel  Aktienkapital  auf  1  t  Förderung ­
  entfällt,  so  haben  wir  aus  den  Jahren  1873—1890  darüber
Berechnungen 3 ).  Sie  gelten  für  Werke  in  Rheinland-Westfalen,
deren  Förderung  74,36  bezw.  83,57%  der  Gesamtförderung  ausmachte. ­
  Es  betrug  das  Aktienkapital  bezw.  die  Zubusse
1873  260,3  Mill.  M.  =  21,32  pro  t  Förderung
1890  444,3  »  »  =  14,99  »  »  »
Es  ist  also  absolut  gestiegen,  relativ  gefallen.
Die  Hypotheken  betrugen
1873  30,1  Mill.  M.  =  2,47  pro  t  Förderung
1890  92,1  »  »  =  3,11  »  »  *
Sie  sind  also  absolut  und  relativ  gestiegen.  Es  wird  dies  als
Folge  der  ertragslosen  Jahre  angesehen.  (Der  Betrag  war  noch
höher,  er  ist  jedoch  in  den  Jahren  1873—1890  um  26,8  Mill.  M.
=  0,07  M.  pro  t  herabgesetzt  und  zwar  1877,  1886,  1887,  1889,
1890,  also  den  günstigeren.)

1)  Kleine,  Gl.A.  1893.  I 339-2)
  D.  h.  die  teilweise  Ersetzung  des  Abbaues  der  Kohle  durch  Hand  durch  eine
Maschine.
3)  Effertz,  Was  sind  »normale«  Kohlenpreise?  Essen  1891.
        <pb n="83" />
        76

1)  Vgl.  Entw.  X.  1.  270.

Es  betrug  somit  die  Summe  des  Gesamtkapitals
1873  290,4  Mill.  M.  =  23,79  M.  pro  t  Förderung
1890  537,8  »  »  =  18,14  »  »  »  »
Absolut  ist  es  stetig  gestiegen,  relativ  hat  der  Satz  unregelmässig ­
  abgenommen.
Auf  Grund  des  unten  x )  zitierten  Quellenmaterials  habe  ich
mir  für  1900,  jedoch  nur  für  die  reinen  Werke  in  Form  von  Aktiengesellschaften ­
  das  Aktienkapital  pro  t  errechnet.  Es  beträgt
9,7  M.  für  sie,  also  für  46%  der  Förderung  Rheinland-Westfalens.
Rechnet  man  die  Anleihen  und  Hypotheken  hinzu,  so  ist  der
Betrag  12,0  M.  pro  t.
Die  sich  in  diesen  Zahlen  ausdrückende  Tendenz  dürfte  so
zu  erklären  sein:
Einmal  zeigen  die  Wellenberge  —  das  Aktienkapital  pro  t
in  Kurvenform  gezeichnet  gedacht  —  die  Zeiten  an,  in  denen
das  Aktienkapital  pro  t  hoch  ist:  Es  sind  Zeiten,  in  denen  viele
aus  irgend  welchen  Gründen  »unproduktive«  Anlagen  vorhanden
sind,  oder  viele  wenig  fördernde,  technisch  vielleicht  obendrein ­
  weniger  vollkommene  Werke  betrieben  werden.  Dagegen
müssen  sich  Wellentäler  zeigen,  wenn  alle  Betriebe  nicht  bloss
fördern,  sondern  möglichst  intensiv  fördern.
Zum  andern:  wenn  sich  aus  den  mitgeteilten  Zahlen  auf  eine  im
grossen  Durchschnitt  fallende  Tendenz  des  pro  t  aufgewendeten
Aktienkapitals  schliessen  lässt,  so  zeigt  sich  hierin  ein  Weichen
der  Einflüsse,  die,  wie  eben  erwähnt,  die  Wellenlinie  in  die  Höhe
treiben.  Es  überwiegen  wenige  viel  fördernde  Werke,  die
infolge  technischer  Fortschritte  das  im  Aktienkapital  investierte
Anlagekapital  einer  grösseren  Förderung  gegenüber  stellen  können.
Wenn  sie  auch  (z.  B.  wenn  sie  es  in  Hausse  tun)  sich  die  nötigen
Materialien  nicht  billiger  zu  verschaffen  brauchen  können,  so  haben ­
  sie  doch  die  dauernde  Existenz.  Da  man  nun  nicht  von
einem  Schachte  aus  das  ganze  Ruhrbecken  abbauen  kann,  so
setzt  die  Technik  des  Bergbaubetriebes  jeweils  die  Grenze,  unter
die  das  pro  t  aufgewendete  Kapital  nicht  sinken  kann:  sie  ist  da,
wo  jeweils  die  Leistungsfähigkeit  einer  bestimmten  Kapitalkonzentration ­
  in  sich  selbst  die  Grenze  hat,  oder  wo  die  Leistungsmöglichkeit ­
  aufhört:  sei  es  infolge  natürlicher  oder  wirtschaftlicher
Erschöpfung  der  Kohlenvorräte.  Damit  läuft  das  Problem,  die
        <pb n="84" />
        77

Kapitalkosten  pro  t  so  niedrig  wie  möglich  zu  halten,  darauf
hinaus,  mit  der  modernsten  Technik  ausgerüstet  den  technischen
und  wirtschaftlichen  Betrieb  planmässig  zu  regeln,  damit  sowohl
die  vorhandenen  Anlagen  stetig  und  intensiv  fördern  als  auch
für  die  abgebauten  Betriebe  neue  in  Angriff  genommen  werden
können.  Bei  solcher  Planmässigkeit  werden  sich  Neuanlagen  wie
in  einer  Versicherung  verteilen.  —
Wir  haben  bis  jetzt  gefunden,  dass  man  beim  Bergbau  immer
fortschreitend  das  Anlagekapital  absolut  vergrösserte,  und  dass
beim  Betriebskapital  immer  mehr  das  stehende  dem  auf  Löhne
und  Material  verwendeten  umlaufenden  gegenüber  die  Oberhand ­
  gewann.  Dies  waren  die  Mittel,  das  Gesetz  des  abnehmenden ­
  Ertrages  zu  suspendieren.  Wir  konnten  wohl  ihre
Art,  nur  für  kurze  und  etwas  ferner  liegende  Zeiten  jedoch  ihre
Grösse  vergleichen.  Es  ist  wissenschaftlich  äusserst  beklagenswert, ­
  dass  sich  seit  1894  kein  Effertz  mehr  gefunden  hat.
Es  bleibt  uns  noch  übrig,  kurz  unter  Berücksichtigung  des
bereits  am  Eingänge  dieses  Abschnittes  Gesagten  vergleichend  zu
zeigen,  wie  die  Entwickelung  des  Produktionsprozesses  sich  in
den  Kohlen  preisen  geäussert  hat.
Im  Saargebiete  finden  wir  in  den  Jahren  1862—1870  einen
durchschnittlichen  mittleren  Fettkohlenpreis  von  etwa  8  M.  Er
schnellt  dann  1870  von  7,80  M.  auf  16,84  M.  1873.  Dann  kommt
das  jähe  Fallen  bis  1879  auf  etwa  7,30  M.  Die  Preise  halten
sich  bis  1888  auf  ungefähr  gleicher  Höhe  und  steigen  1889  und
1890  bis  auf  10,90  M.  Sie  fallen  bis  1894  auf  ca.  8,10  M.,  um
von  1894—-1901  auf  12,50  M.  pro  t  zu  steigen.  Bis  1903  fallen  sie 1 ).
An  der  Ruhr  betrug  im  Jahre  1850  2 )  der  Durchschnittspreis
für  alle  Kohlensorten  9  Sgr.  10  Pf.  =  4,09  M.  pro  t.  Es  findet
dann  bis  1858  3 )  ein  allmähliches  Steigen  auf  7,71  M.,  darauf  bis
1863  ein  F'allen  auf  5,50  M.  Durchschnittsjahrespreis  pro  t  Förderkohle ­
  statt.  Im  Jahre  1873  haben  wir  den  Maximalpreis  von
15  M.  pro  t  Förderkohle.  Im  Jahre  1878  beträgt  er  noch  5  M.
Für  die  folgenden  Jahre  zeigt  folgende  Tabelle  einige  spezifizierte
Durchschnittsjahrespreise  in  M.  pro  t:
1)  Vgl.  der  Steinkohlenbergbau  des  Preuss.  Staates  in  der.  Umgebung  von  Saarbrücken ­
  VI.  Teil.  Anlage  2.  Der  oben  angegebene  Preis  bezieht  sich  nur  auf  Fettkohlen, ­
  er  ist  darum  mit  den  weiter  oben  erwähnten  Preisen  nicht  zu  vergleichen.
2)  Entw.  Bd.  X.  Teil  1.  190.
3)  Entw.  X.  I.  230  f.
        <pb n="85" />
        78

Jahr

Flammkohle  Fettkohle

Magerkohle

.  Gaskohle

1881

5,82  5,48

5,43

—

1882

6,14  5.77

5,19

7,16

1883

6,29  5,88

5,28

7,45

1884

6,64  5.22

4,74

7,34

1885

5.89  5.63

4,70

7,33

1886

5.85  5,60

4,90

7,i9

1887

5.72  5.62

4,88

7,10

1888

6,32  6,04

5-3°

7,52

1889

9,29  8,48

8,26

11,04

1890

12,36  10,72

11,00

14,58

1891

11,02  9,86

9,73

12,91

1892

9,75  8.5°

7,75

ii,75

1893

7,58  7,29

7,5°

9,79

1894

8,70  8,00

7,5°

10,50

189S

8,33  8,00

7,5o

10,12

1896

8,03  8,25

7,67

10,17

1897

8,57  8,85

8,32

11,17

1898

8,84  9,08

8,59

11,46

1899

9,i3  9,37

8,88

ii,75

1900

10,00  10,25

9,50

12,75

Für

die  Jahre  1893—1903,  die

unter  das

straffe  Kartell

regime  fallen,  zeigen  sich  die  Preise  für  die  drei  grössten  deut
sehen  Steinkohlenbezirke  in  folgenden  Zahlen*):
Durchschnittlicher  Erlös  Durchschnittspreise
pro  t  verkaufter  Kohlen  ,  der  Königinbeim
  Rheinisch-Westfäli-  (  ü e  S  len  Luise-Grube  in
sehen  Kohlensyndikat  a  r&amp;amp;1  Oberschlesien
M.  M.  M.

1893

7,33

8,94

6,20

1894

7,83

8,81

6,15

1895

8,02

8,90

6,06

1896

8,14

8,94

6,23

1897

8,45

9,28

6,45

1898

8,62

9-53

6,76

1899

9,14

10 ,35

7,4i

1900

10,56

ii,97

8,3°

1  901

11,01

12,47

9,04

1  902

10,28

1  i,45

—

1 9°3

9,84

io,95

—

Man  sieht,  wie  igoo/i  beim  Rheinisch-Westfälischen  Kohlensyndikat ­
  die  Preise  nicht  die  Höhe  von  1873  erreicht  haben,  wie
sie  dafür  aber  auch  nicht  mehr  so  tief  sinken:  der  Ausfluss  des
Bestrebens  der  Syndikate  »stetige«  Preise  zu  garantieren  ,  was
besonders  1901,  dem  Baissejahr,  heftigen  Widerspruch  hervorgerufen ­
  hat.  Sogar  im  Saargebiete,  wo  wir  von  den  drei  Gebieten
1901  die  absolut  höchsten  Preise  finden,  hat  ihre  Höhe,  wenn  auch
die  von  1890  überschritten,  so  doch  die  von  1873  nicht  erreicht.

)  Entw.  X.  1.  232  und  IContradikt.  Verhandl.  I.  279.  Anlage  II.
        <pb n="86" />
        79

Wenn  wir  der  relativen  Massigkeit  im  Preise,  wie  sie  die
letzten  Haussejahre  zeigten,  die  oft  recht  beträchtlichen  Gewinne 1 )
der  Werke  entgegensetzen,  so  finden  wir,  dass  diese  Gewinne
vor  allem  von  Werken  erzielt  werden,  die  mehr  nach  dem  Innern
des  Ruhrbeckens  zu  bauen  und  die  den  Hauptvorteil,  nämlich
den  gut  zu  bauender  Plötze  besitzen  und  die  auch  einmal  den
Vorteil  der  Einführung  der  Schrämmaschine  haben  werden.  Diese
Werke  haben  die  grossen  Tiefen  zu  überwinden,  aber  :  »Ich  baue
lieber  tiefliegende  und  günstige  als  hochliegende  und  ungünstige
Flötze«  heisst  es  bei  den  Fachleuten.  Dieses  letzte  aber  müssen
die  Zechen  im  Süden,  also  den  ausgehenden  Teilen  des  Ruhrbeckens, ­
  und  so  ist  es  leicht  erklärlich,  wie  gerade  sie  das  Gesetz ­
  des  abnehmenden  Ertrages  —  durch  Kartellschutz  zu  überwinden ­
  suchen.  Sie  beneiden  die  grossen  Brüder  um  das  natürliche ­
  Monopol,  das  so  klingend  auszumünzen  ist.  Sie  wollen  auch
gerne  an  dem  Segen  teilnehmen,  indem  sie  auch  für  das  am  ungünstigsten ­
  produzierende  Werk  nicht  bloss  einen,  sondern  einen
möglichst  grossen  Ertrag  zu  erhaschen  suchen.  Und  so  ist  auch
die  Mässigung  im  Preise  in  der  letzten  Hausse  nicht  ihnen,  sondern, ­
  wie  die  Kartellenquete  zeigte,  dem  Leiter  des  Rheinisch-Westfälischen
  Kohlensyndikats  zuzuschreiben,  der  gegen  die
»Kleinen«  einen  schweren  Stand  hatte.
Sind  aber  »heute  an  der  Ruhr  die  Kohlenpreise  doppelt  so
hoch  als  in  den  70  er  und  80  er  Depressionsjahren,  so  bedarf  man
heute  zur  Tonne  Schienen  oder  Träger  nur  noch  2—3  t  Kohle,
während  man  damals  deren  5  bedurfte«  2 ).  Es  ist  also  möglich,
dass  weiterverarbeitende  Industrien  die  Preissteigerung  eines  von
1)  Für  die  an  der  Berliner  Börse  gehandelten  Kohlenaktien  betrug  die  Durchschnittsdividende
  des  Nominalbetrages  des  Aktienkapitals  z.  B.
1896  1897  1898  1899  1900  1901  1902  1903  1904
7)93  9,94  10,22  10,79  14,62  9,66  7,14  10,52  10,53
Vgl.  Brust,  Der  Bergarbeiterstreik  im  Ruhrrevier  im  Archiv  f.  Sozialvv.  und  Sozialp.
II.  Bd.  N.  F.  481.  Aus  formell-statistischen  Gründen  sind  jedoch  Schlüsse  zwischen
Gewinnen  nicht  aller  Unternehmungen  und  z.  B.  Durchschnittslöhnen  nicht  einwandfrei. ­
  Ich  habe  deshalb  im  Texte  solches  Material  nicht  berücksichtigt.  Das  gilt
auch  für  das  Material,  das  die  KarteiIenquete  (vgl.  Kontrad.  Verh.  I.  91/2)  mit  Mühe
an  den  Tag  gebracht  hat:  die  Rentabilität  von  9  Gesellschaften.  Und  doch  wäre
gerade  die  Beantwortung  der  Frage  nach  der  Rentabilität  der  Werke  seit  dem  Entstehen ­
  des  mächtigen  Syndikates  äusserst  wichtig  gewesen,  zumal  seit  dieser  Zeit  ein
dichter  Schleier  über  diesem  Gebiete  liegt.  Aber  wie  in  manchen  Beziehungen,  so
hat  auch  hier  die  Enquete  gerade  das  Wichtigste  nicht  an  den  Tag  gebracht.
2)  Hans  Gideon  Heymann,  Die  gemischten  Werke  1.  c.  27.
        <pb n="87" />
        8o

ihnen  benötigten  Rohmaterials  überwinden  können.  Man  darf
jedoch  nicht  zu  optimistisch  über  die  heute  so  viel  berufene  »Anpassungsfähigkeit« ­
  der  Industrie  denken,  da  die  zur  Ueberwindung
  von  Preissteigerungen  des  benötigten  Materials  notwendigen
technischen  Fortschritte  zur  Verwirklichung  eine  »Zeitdauer«  beanspruchen ­
  und  sich  obendrein  natürlich  nicht  bis  ins  Unendliche
fortsetzen  lassen.

Wir  gehen  zum  Schlüsse  unserer  Ausführungen  über,  in
welchem  wir  noch  die  wirtschaftliche  Organisationsform  der
aus  den  geschilderten  Entwickelungstendenzen  hervorgegangenen
weniger  gewordenen  konzentrierten  technischen  Betriebe  im  Werden
und  Sein  zu  untersuchen  haben.  Wir  beschränken  uns  hierbei
auf  Rheinland-Westfalen.  Denn  im  Saargebiet  regiert  tatsächlich ­
  nur  ein  Unternehmerwille:  der  des  Fiskus.  Er  liefert  den
Beweis  für  die  Existenz  des  Staatskapitalismus,  der  in  dem  Staatssozialismus ­
  seinen  grössten  Feind  erblickt.  Und  wie  so  häufig,
so  verwechseln  auch  hier  die  Anhänger  der  Verstaatlichung  das
etwas  theoretische  »Ding  an  sich«  mit  seinen  oft  minder  zu  begrüssenden
  praktischen  Erscheinungsformen:  hier  technischer,  sozialer ­
  und  wirtschaftlicher  Natur.  Von  der  politischen  Seite  der
durch  eine  Verstaatlichung  des  Kohlenbergbaues  dem  Staate  gegebenen ­
  Macht,  auch  bei  grösster  parlamentarischer  Kontrolle,
noch  ganz  zu  schweigen.  Georg  Gothein  *)  hat  erst  kürzlich  in
einem  Vortrage  die  Gefahren  der  Verstaatlichung  des  Kohlenbergbaues ­
  wieder  nach  allen  Seiten  hin  beleuchtet.
Wir  berücksichtigen  auch  nicht  Oberschlesien  mit  seinen
wenigen  konzentrierten  Betrieben.  Diese  wenigen  Unternehmer
verstehen  sich  schon  so,  daher  die  relativ  lockere  Fügung  der
oberschlesischen  Kohlenkonvention.
Anders  in  Rheinland-Westfalen.  Zum  Verständnis  der  heutigen ­
  Zustände  müssen  wir  die  Geschichte  zu  Rate  ziehen.
Unter  dem  Direktionsprinzipe  regelte  die  Bergbehörde  Produktion ­
  und  Preis:  ihr  überwiegend  bürokratischer  Unternehmerwille ­
  regelte  den  technischen  und  wirtschaftlichen  Betrieb  2 ).  Die
der  Zeit  eines  vorwiegend  lokalen  Marktes  entsprechenden  jährlichen ­
  Preistaxen  sollten  die  natürlichen  Verhältnisse,  besonders
1)  G.  Gothein,  Die  Verstaatlichung  des  Kohlenbergbaues.  Berlin  1905.  Volkswirtschaftliche ­
  Zeitfragen.
2)  Der  Gewerke  hatte  nur  Zubusse  zu  leisten  oder  Ausbeute  zu  empfangen.
        <pb n="88" />
        8i

die  Gunst  der  Lage  zum  Markte  ausgleichen  1 ).  Ferner  wurde  der
Lohn  durch  die  Bergbehörde  geregelt.  Aber  auch  die  »schützende
Hand«  des  Staates  konnte  damals  ebensowenig  wie  heute  Interessengegensätze ­
  vermeiden,  und  so  gab  es  auch  unter  dem
Direktionsprinzipe  schon  Streiks 2 ).  Um  1850  gab  es  schon  »Ueberproduktion«,
  und  um  diese  abfliessen  zu  lassen,  wurden  u.  a.  Ausfuhrprämien ­
  nach  Holland  gewährt,  ebenso  für  den  Absatz,  der
mit  der  Köln-Mindener  Bahn  über  Bielefeld  hinauskam  3 ).
Die  alten  verwickelten  Bergordnungen  aus  dem  17.  und  18.
Jahrhundert,  der  alte  Bruttozehnte 4 ),  die  gesamte  staatliche  Bevormundung, ­
  zu  der  jetzt  die  Vormundschaft  geworden  war,  dies
alles  schwand  vor  der  Berggesetz-Reform  der  Jahre  1851  bis
24.  Juni  1865.  Das  sog.  Freizügigkeitsgesetz  von  1860  machte
den  Arbeiter  aus  einem  Beamten  zu  einem  Lohnarbeiter  mit
(formell)  freiem  Arbeitsvertrage.  Dem  Staate  blieb  nur  die
Sicherheits-  und  Gesundheitspolizei,  die  durch  die  Novelle  von
1892  noch  weiter  ausgedehnt  wurde.
So  schuf  der  infolge  der  Nachfrage  (Eisenindustrie  und  Verkehrswesen) ­
  sich  erweiternde  Markt  ein  dem  alten  diametral  entgegengesetztes ­
  Recht,  das  dem  Expansionsstreben  des  einzelnen
keine  Grenze  setzte.  Aber  schon  1857,  gleich  nach  dem  Fallen
der  ärgsten  Fesseln,  noch  während  der  Umgestaltung  der  Berggesetzgebung ­
  begann  ein  Sinken  der  Konjunktur,  die  neben  den
Vorteilen  auch  schon  manche  Nachteile  der  neuen  Zustände  erkennen ­
  liess.  Denn  »es  waren  nun  allerdings  die  kleineren  Zechen
gegen  ehemals  (sc.  beim  Direktionsprinzip)  im  Nachteile,  insofern ­
  als  sie  mit  den  grossen  nicht  mehr  konkurrieren  konnten;
aber  dieser  Umstand  nötigte  wiederum,  auf  Fortschritte,  sei  es
durch  Zusammenlegung  der  kleinen  Werke,  sei  es  durch  Einführung ­
  technischer  Verbesserungen  u.  dgl.  bedacht  zu  sein« 5 ).  Das
konnte  natürlich  die  Ueberproduktion  nur  verschärfen,  waren  doch
1858  in  der  Mark  48,  im  Essen-Werdenschen  17  neue  Tiefbauanlagen ­
  in  Angriff  genommen.  So  erkannten  schon  um  1858  die
Unternehmer,  dass  die  neue  Freiheit  nur  das  unerbittliche  Recht
des  Stärkeren  geschaffen  hatte,  und  dass  doch  die  grösste  Freiheit ­
  der  neuen  rechtlichen  Verhältnisse  die  sei,  dass  man  sich
koalieren  könne.  Und  man  griff  »wegen  des  schreienden  Miss-1)
  Entw.  X.  I.  190.  2)  Entw.  X.  3.  312.  3)  Entw.  X.  I.  190.
4)  1862  gefallen.  Vgl.  Art.  Bergwerksabgaben,  Handw.  d.  Staatsw.  2.  Aufl.
5)  Entw.  X.  1.  2.  Kap.  39.
Zeitschrift  für  die  ges.  Staatswissensch.  Ergänzungsheft  19.  (5
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        82

Verhältnisses  zwischen  Produktion  und  Absatzmöglichkeit  zur  Vereinigung, ­
  die  die  Absatzmöglichkeit  in  Gestalt  des  Exportes  erweitern ­
  sollte«  J ).  Diese  Vereinigung  war  der  1858  gegründete
»Verein  für  die  bergbaulichen  Interessen  im  Oberbergamtsbezirke
Dortmund«,  kurzweg  Bergbauverein  genannt.
Pis  kann  nicht  unsere  Aufgabe  sein,  all  die  verschiedenen
folgenden  Koalitionen  in  ihrem  geschichtlichen  Tatsachenmaterial
vorzuführen.  Den  Leser,  der  sich  eingehend  über  dies  tatsächliche ­
  Material  orientieren  will,  verweise  ich  vor  allem
auf  den  10.—12.  Band  des  von  seiten  der  Beteiligten  veröffentlichten ­
  grossen  Werkes  über  die  Entwickelung  des  niederrheinischwestfälischen ­
  Steinkohlenbergbaues  in  der  zweiten  Hälfte  des  19.
Jahrhunderts  (Berlin,  Julius  Springer).  Im  folgenden  wollen  wir
die  Entwicklung  zum  heutigen  Rheinisch-Westfälischen  Kohlensyndikat ­
  nur  in  grossen  Zügen  schildern  und  dafür  die  theoretischen ­
  Gesichtspunkte  um  so  mehr  hervorheben.
Die  Entwicklung  der  Koalitionen  lässt  sich  am  besten  unter
dem  Gesichtspunkte  der  jeweils  vorwiegenden  Zwecksetzung,  aus
der  sie  entstanden  sind,  darlegen  ä ).
1.  Die  Bestrebungen  zur  Vergrösserung  des  Absatzgebietes.
Im  Jahre  1877  wurde  von  23  Gas-  und  Flammkohlenzechen
im  Bochumer  und  Gelsenkirchener  Revier  der  westfälische  Kohlenausfuhrverein ­
  gegründet,  der  hauptsächlich  gegen  die  englische
Kohle  gerichtet  war.  Hierbei  half  der  Bergbauverein,  der  ja
ebenfalls  einer  Baisse  seine  Existenz  verdankte,  mit,  indem  er
besonders  Tarifermässigungen  erstrebte.  Doch  alles  beseitigte
die  Ende  der  70  er  Jahre  bestehende  Ueberproduktion  nicht.
Darum  ging  man  dem  Uebel  näher  zu  Leibe,  man  organisierte
2.  die  Förderung.
Schon  1877  hatte  der  auf  dem  Gebiete  seiner  Interessen  stets
besonders  tätige  Bergbauverein  eine  Vereinigung  von  141  Zechen
mit  95,1  %  der  Gesamtförderung  des  O.B.B.  Dortmund  zustande
gebracht,  die  1880  als  Förderkonvention  zusammentrat  und  eine
direkte  Einschränkung  der  Förderung  erstrebte.  Aber  die  Vereinigung ­
  war  sehr  locker;  es  gab  viele  Ausnahmen  und  besonders ­
  waren  nur  niedrige  Strafen  festgesetzt,  die  eigentlich  nur
für  die  schwachen  Werke  ein  Hemmnis  bildeten,  während  die
1)  Entw.  Bd.  X.  Teil  2.  41.
2)  Vgl.  für  das  folgende  Sarter,  Syndikatsbestrebungen  im  niederrheinisch-westfälischen
  Steinkohlenbezirke.  Jahrb.  f.  Nat.  u.  Stat.  1894.  III.  Folge  7.  Bd.
        <pb n="90" />
        83

6*

starken  sie  gerne  zahlten,  wenn  sie  grösseren  Gewinn  dadurch
hatten.  Diese  und  die  folgenden  Förderkonventionen  fielen  also
zusammen,  auch  die  dritte  von  1887,  deren  Organisation  aber
schon  straffer  war.  So  gab  im  Jahre  1887  der  Bergbauverein
die  freie  Vereinbarung  als  Weg  zur  Hilfe  auf.  Es  fand  noch  ein
Versuch  der  Organisation  der  Förderung  mit  Hilfe  einer  Aenderung
  der  Statuten  der  Berggewerkschaftskasse 1 )  statt.  Trotzdem
stieg  die  Förderung,  und  als  die  Satzungsänderungen  (Abgaben
der  Mitglieder  an  die  Kasse  wegen  »Mehrförderung«)  angewendet ­
  werden  sollten,  da  wurde  der  Kasse  das  Recht,  solche
Abgaben  vorzunehmen,  bestritten  —  und  die  Streiter  siegten.
Das  war  der  letzte  derartige  Versuch  einer  Organisation  der
Förderung.
3.  Die  Preisregulierungen.
Sie  fanden  gleichzeitig  mit  den  Versuchen  der  Organisation
der  Förderung  statt  und  zwar  von  Vereinigungen  aus,  die  sich
nach  den  einzelnen  Kohlensorten  bildeten  :  die  Vereine  der  Gaskohlenzechen, ­
  der  Gasflammkohlenzechen,  der  Fettköhlenzechen
und  der  Magerkohlenzechen.  Auch  sie  waren  lose  geordnet  und
hatten  wenig  Erfolg.
4.  Die  Organisation  des  Verkaufsgeschäftes,  also  ein  gemeinschaftlicher ­
  Verkauf  der  Förderung  der  W’erke  durch  eine  zu
gründende  dritte  Gesellschaft.  Dies  war  das  Projekt,  das  1887
Hammacher  vor  allem  vertrat.  Es  scheiterte  damals  an  der  Unmöglichkeit, ­
  die  Förderung  der  einzelnen  Werke  zu  kontingentieren. ­
  Gleich  darauf  kam  ja  die  kurze  Hausseperiode,  und  in
ihr  war  von  Verwirklichung  der  Pläne  zu  strafferer  Organisation
keine  Rede.  Nach  1889/90  finden  wir  die  verschiedenen  lokalen,
fest  geschlossenen  Verkaufsvereine,  die  dann  1892  zu  einer  Zechengemeinschaft ­
  zusammentraten,  die  aber  am  Interessengegensatz
und  wegen  lockerer  Fügung  sofort  zerfiel.
1893  entstand  das  Rheinisch-Westfälische  Kohlensyndikat,  das
1903  auf  12  Jahre  neu  geschlossen  wurde.  Es  ist  eine  vollständige ­
  Produktions-,  Preis-  und  Vertriebskartellierung,  es  vereinigt
also  jene  4  Teile  in  sich.
Wir  konstatieren  demnach  eine  Entwicklung  von  einfachen
Vereinen  mit  freier  Produktionsverabredung  und  lockerer  Organisation ­
  zu  einem  solchen  mit  Produktionskontingentierung  durch
1)  Sie  ist  eine  Bergbauhilfskasse  zu  wissenschaftlichen  Zwecken,  zur  Ausbildung
von  Beamten  u.  a.,  zu  der  die  Zechen  Beiträge  leisten.
        <pb n="91" />
        8 4

Zwang  auf  Grund  eines  Majoritätsbeschlusses.  Wir  haben  nun
zum  ersten  diese  Entwickelung  zu  begründen  und  zum  andern
die  Rückwirkungen  der  Unternehmerkoalition  auf  den  technischen
und  wirtschaftlichen  Betrieb  zu  prüfen.
Wir  finden  jedesmal  nach  dem  Rückgang  der  Konjunktur,
also  1858,  1874  und  1891  die  Bestrebungen,  sich  zu  koalieren  und
wir  finden  dabei  die  historische  Erscheinung,  dass  anfänglich
beim  Aufsteigen  der  Konjunktur  diese  Koalitionen  zerfallen,  dann
nur  sich  lockern,  und  dass  sie,  wie  in  der  letzten  grossen  Hausse
nach  1895,  fest  bestehen  bleiben  und  dass  der  tobende  Kampf
an  der  eisernen  Fügung  des  Syndikats  sich  bricht.
Woher  kommt  dies  ?
Die  gesamten  bisherigen  Ausführungen  zeigten,  dass  das
Streben,  einmal  das  Gesetz  des  abnehmenden  Ertrages  durch  das
Gesetz  des  zunehmenden  Ertrages  zu  suspendieren,  sodann  aber
bei  den  dem  Gesetze  des  zunehmenden  Ertrages  überhaupt  unterworfenen ­
  Zweigen  des  Betriebes  dieses  Gesetz  auszumünzen,  dass
dieses  Streben  eine  gewaltige  Kapitalkonzentration  beim  Steinkohlenbergbau ­
  hervorgerufen  hat,  die  im  Bunde  mit  der  zu  überwindenden ­
  schwierigen  Tiefe  eine  grosse  Kapitalimmobilisation
bedeutet,  die  zum  allergrössten  Teile  überhaupt  nicht  wie  etwa
flottierendes  Kaufmannskapital  zurückgezogen  werden  kann  und
die  andererseits  sehr  schwer  neu  aufzubringen,  schwer  vermehrbar ­
  ist.  Um  wie  grosse  Werte  es  sich  handelt,  zeigt,  dass  im
August  1904  der  Marktpreis  für  56  Kohlenwerke  x )  im  Ruhrgebiete
mit  1447,14  Mill.  M.  angegeben  wurde,  wovon  auf  19  Aktiengesellschaften ­
  918,06  Mill.  M.  und  auf  36  Gewerkschaften  529,08
Mill.  M.  entfielen.  Unter  Berücksichtigung  der  beiden  Kohlengesellschaften ­
  im  Aachener  Becken  (dem  Eschweiler  Bergwerksverein ­
  und  der  Vereinigungsgesellschaft  im  Wurmrevier)  stellten
die  Kohlenunternehmungen  in  Rheinland-Westfalen,  soweit  sie
nicht  im  Besitze  des  Staates  oder  von  Privatleuten ­
  oder  in  den  Händen  von  Hüttenwerken
sind,  August  1904  einen  Wert  von  fast  genau  1500  Mill.  M.  dar.
Bedenken  wir  weiter,  wie  verschieden  die  Art  des  Produktionsmonopols ­
  eines  Gewerbes  ist,  welches  an  sich  schon  ein
Monopol  besitzt,  so  sehen  wir,  unter  welch  verschiedenen  Bedingungen ­
  die  einzelnen  Betriebe  arbeiten.  Von  den  isolierten  Betrie-1)

  Frankfurter  Ztg.  9.  August  1904.  Handelsblatt.
        <pb n="92" />
        85

ben  wird  aber  der  am  meisten  Absatz  und  damit  intensive  Beschäftigung ­
  haben,  der  bei  freiem  Markte  den  billigsten  Preis  für
die  gleiche  Qualität  stellen  kann.  Dieser  Betrieb  dient  zuerst
zur  Befriedigung  der  jeweils  begrenzten  Nachfrage,  und  so  geht
es  fort  bis  zu  dem  Betriebe,  dessen  Förderung  zuletzt  die  Nachfrage ­
  befriedigt  und  der  unter  den  ungünstigsten  Bedingungen  arbeitet. ­
  Seine  Betriebsbedingungen  bestimmen  den  Preis,  und  die
andern  Werke  haben  eine  natürliche  Differentialrente.  Wenn  nun,
wie  in  den  Jahren  1871—73,  immer  neue  Werke  in  Betrieb  gesetzt ­
  werden,  die  grosse  Anlagekapitalien  erfordern,  die  aber
unter  günstigeren  Bedingungen  als  die  früheren  produzieren,  so
haben  möglicherweise  die  nichtbegünstigten  bezw.  weniger  begünstigten ­
  Werke  in  Haussezeiten  noch  eine  Nachfrage  zu  befriedigen, ­
  in  Baisse  aber  werden  sie  aus  dem  sich  verengenden
Kreise,  den  die  sinkende  Nachfrage  hervorruft,  hinausgedrängt;
denn  sie  können  ja  einen  solchen  Preis  nicht  stellen,  wie  die
dabei  am  Leben  bleibenden  monopolisierten  Betriebe.  -
Da  das  Gesetz  des  zunehmenden  Ertrages  sich  wirtschaftlich ­
  dann  am  deutlichsten  zeigt,  wenn  der  Betrieb  in  den  Grenzen ­
  seiner  Anlage  kontinuierlich  intensiv  arbeitet,  so  entbrennt
unter  den  übrig  gebliebenen  Werken,  die  zur  Befriedigung  der
zurückgehenden  Nachfrage  noch  in  Betracht  kommen,  der  Kampf
um  den  möglichst  grossen  Teil  vom  Absatz.  Zeigt  sich  doch
jetzt  die  Lösung  des  letzten  Rätsels  grossbetrieblicher  Produktion ­
  in  kapitalistischer  Unternehmung:  der  möglichst  grosse  absolute ­
  Nutzen  bei  oder  vielmehr  trotz  geringsten  Nutzens  pro
Einheit  des  Verkaufsobjektes.
Solche  Kämpfe  der  letzten  Betriebe  untereinander  enden
aber  häufig  wie  jenes  siamesische  Duell,  bei  dem  beiden  Kämpfern ­
  die  Füsse  zusammengebunden  werden,  die  also  nicht  von
einander  und  nicht  von  der  Stelle  können,  und  denen  man  unter ­
  diesen  Umständen  scharfe  Dolche  in  die  Hände  gibt:  zum
mindesten  bekommen  beide  schwere  Wunden.
So  droht  dem  zersplitterten  Bergbau  das  Gespenst  der  Konkurrenz ­
  in  ganz  besonders  starkem  Masse.  Sie  ist  der  grösste  Feind  einer
»angemessenen  Rentabilität«  der  investierten  Kapitalien  :  hieraus
resultiert  das  Streben,  die  »innere  ungesunde«  Konkurrenz  der
zersplitterten  Betriebe  zu  beseitigen,  hieraus  das  Streben,  zum
mindesten  durch  Tarife  die  äussere  Konkurrenz  zu  erschweren
und  durch  Begünstigungstarife  die  »Ueber  Produktion«  abfliessen
        <pb n="93" />
        86

zu  lassen.
Um  dies  zu  erreichen  werden  mit  zunehmender  Kapitalkonzentration ­
  und  -immobilisation  die  Verträge  der  Interessenten  immer ­
  straffer:  das  gegebene  Wort  genügt  allein  nicht  mehr,  divergierende ­
  Interessen  werden  durch  abschreckende  Konventionalstrafen ­
  gebändigt  und  so  wird  (wenigstens  äusserlich)  die  Interessenharmonie ­
  hergestellt.
So  bildet  die  grosse  Kapitalimmobilisation  und  die  damit
einhergehende  Schwerübertragbarkeit  und  Schwervermehrbarkeit
der  Kapitalien  den  letzten  Grund  für  die  Entstehung  kartellartiger ­
  Gebilde.  Ein  Zusammenhang,  den  Brentano  zuerst  aufgestellt ­
  hat 1 ).
Praktisch  ist  nach  diesen  Ausführungen  also  der  Schutz  der
Schwachen  die  Aufgabe  echter  Kartelle.  Sie  treiben  »Mittelstandspolitik« ­
  im  Sinne  der  Hemmung  technischen  und  wirtschaftlichen
Fortschrittes.  Wir  haben  die  Gefahren  charakterisiert.  So  hat
das  Rheinisch-Westfälische  Kohlensyndikat  tatsächlich  die  Magerkohlenzechen ­
  an  der  Ruhr  am  Leben  erhalten,  obwohl  man  schon
Ende  der  1880er  Jahre  glaubte,  dass  »der  eigentliche  alte  Ruhrbergbau ­
  dem  Ende  entgegengehe  1  2 )«.  Ihre  obere  Sohle  ist  erschöpft,  und
ausserdem  ist  die  Förderung  hochwertiger  Kohle  bei  anderen
Zechen  vermehrt 3 ).  Die  Selbstkosten  dieser  kleineren  Zechen
sind  »wesentlich  höher  als  die  der  grösseren  Unternehmungen,  und
zwar  in  dem  Masse,  dass,  während  die  grösseren  Unternehmungen
jetzt  höhere  Erträgnisse  liefern,  die  kleineren  vielfach  entweder ­
  nur  gerade  ihre  Selbstkosten  decken,  oder  sogar  noch  Zubussen ­
  für  die  Aufrechterhaltung  des  Betriebes  und  nicht  etwa
für  neue  Anlagen  einziehen  müssen«! 4  5 )
Damit  wäre  die  »gewisse  Rente«,  die  zum  »rationellen  Betriebe« ­
  nötig  ist,  nicht  einmal  trotz  des  Kartells  vorhanden.  Nach
Kirdorfs  Worten  bilden  diese  kleinen  Zechen  ein  Hemmnis,  sodass
ein  Herabsetzen  der  Preise  die  Magerkohlenzechen  an  der  Ruhr
töten  würde 6 ).  Man  hat  also  durch  das  Syndikat  das  Prinzip
der  Wirtschaftlichkeit  verletzt,  indem  man  die  südlichen  Zechen
1)  Lujo  Brentano,  Die  beabsichtigte  Neuorganisation  der  deutschen  Volkswirtschaft. ­
  Süddeutsche  Monatshefte  I.  Jahrg.  4.  Heft.
2)  Kartellrundschau  I.  334.  (Verhandl.  über  das  Kohlensyndikat).
3)  1-  c.  334.
4)  Jahresbericht  des  Bergbauvereins  1903.  I.  8.
5)  Kartellrundschau  I.  340.  auch  400.
        <pb n="94" />
        8 7

nicht  hat  an  Abzehrung  sterben  lassen,  wie  es  sonst  hätte  geschehen ­
  müssen.  Ja  ihr  Lebenslämpchen  ist  infolge  ihres  Eintrittes
in  das  Syndikat  noch  einmal  aufgeflammt.  Sie  bestrebten
sich  »ihre  Anlagen  technisch  zu  vervollkommnen  und  auszubauen«,
tiefere  Sohlen  aufzusuchen  und  die  Kohle  besser  zu  verarbeiten 1 ).
Betrachten  wir  dieses  Streben  einmal  näher.
Zum  Abbau  mit  Bergeversatz  (anstatt  Pfeilerbau)  sind  die
Werke  im  Süden  allgemein  nicht  vorgeschritten,  trotzdem  er  die
Betriebe  rentabler  macht.  Ferner  befördert  der  alte  Vertrag  des
Rheinisch-Westfälischen  Kohlensyndikats  das  Abteufen  oder  das
Einrichten  von  Förderschächten  (sog.  Syndikatsschächte,  die  uns
später  noch  beschäftigen  werden),  weil  die  Zechen  sich  hierdurch
eine  grössere  Beteiligungsziffer  verschaffen  konnten.  Dies  war
ein  Nachteil  für  die  südlichen  Zechen.  Denn  taten  sie  es  auch,
so  ward  relativ  zur  Produktion  viel  zu  viel  Kapital  investiert  und
damit  die  Kohle  weiter  verteuert.  So  ist  es  wohl  erklärlich,  dass
sich  »die  kleinen  Zechen  hinsichtlich  Erlangung  höherer  Beteiligungsziffern ­
  zurückgesetzt«  fühlten  2 ).
Es  finden  sich  also  im  Syndikat  Werke  mit  oft  nicht  moderner ­
  Technik,  mit  hohen  Selbstkosten  und  mit  geringen  Felderkomplexen.
  Aber  auch  wenn  diese  Anlagen  vollkommen  neuzeitlich ­
  ausgerüstet  sind,  müssen  sie  mit  höheren  Selbstkosten
arbeiten,  »weil  die  kostspieligen,  zur  Erreichung  der  Kohlenlagerstätten ­
  erforderlichen  Aufschlussarbeiten  sich  auf  eine  geringere
Kohlenmenge  verteilen,  damit  wird  die  Lebensdauer  der  einzelnen ­
  Bausohlen  kürzer  und  in  viel  rascherer  Folge  die  Vorrichtung
neuer  Sohlen  erforderlich,  was  wiederum  die  Verstärkung  oder
Erneuerung  der  Förderanlagen  etc.  rascher  bedingt  als  bei  Zechen
mit  grossem  Felderbesitz«  3 ).
Eine  solche  in  wirtschaftlicher  Hinsicht  vernichtende  Kritik,
die  bewusst  und  ostentativ  auf  die  durch  nichts  zu  beseitigende
Unterlegenheit  der  südlicheren  Zechen  hinweist,  ertönt  immer  stärker
aus  den  Kreisen  der  unter  gleichem  Dache  Sitzenden.  Obige
Ausführungen  sind  ja  ihre  eigenen  Worte.
Wie  ist  diese  Härte,  die  im  Hinweis  auf  die  Unwirtschaftlichkeit ­
  eines  Teiles  der  im  Kartell  befindlichen  Betriebe  liegt,
zu  erklären,  da  doch  im  Wesen  des  Kartells  das  Mitleid  für  An-1)
  Kartellrundschau  I.  334.
2)  Kartellrundschau  I.  334.
3)  Jahresbericht  des  Bergbauvereins  1903.  I.  7.
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        88

gehörige  liegt,  das  obendrein  die  Monopolrente  des  Bemitleidenden ­
  steigert?
Die  modernen  Kartelle  etwa  in  der  Form
des  Rheinisch-Westfälischen  Kohlen  Syndikats
von  heute,  sind  gar  keine  echten  Kartelle  mehr.
Sie  sind  zwitterhafte  Uebergangsgebilde,  aus  denen  sich  etwas
Neues  herausschält,  das  die  menschlichen  Satzungen,  wie  sie
in  den  Statuten  des  Syndikats  niedergelegt  sind,  nur  noch  beschleunigen. ­

Wie  schon  erwähnt,  gab  im  alten  Syndikatsvertrage  das
Niederbringen  eines  neuen  Schachtes  oder  die  Ausrichtung  eines
bereits  vorhandenen  zur  Förderung  das  Recht  zur  Vergrösserung
  der  Beteiligungsziffer  des  so  handelnden  Werkes.  So  entstanden ­
  während  des  alten  Vertrages  viele  Schachtanlagen.  »Man
darf  billig  bezweifeln,  ob  die  in  den  letzten  Jahren  (vor  1903)  neu
entstandenen  Förderanlagen  sämtlich  bergwirtschaftlich  tatsächlich ­
  begründet  waren,  ob  sie  nicht  vielmehr  z.  T.  eine  Rückversicherung ­
  gegen  erhebliche  Fördereinschränkungen  zu  bilden  bestimmt ­
  gewesen  sind«  1 ).  Bedeutete  doch  damit  möglichst  grosse
absolute  Beteiligungsziffer,  dass  eine  Fördereinschränkung  nicht
so  fühlbar  war.  Der  alte  Vertrag  beförderte  demnach  eine  extensive ­
  Expansion  der  nördlicheren  Zechen,  die  die  kleinen  im
Süden  fast  völlig  unberührt  Hess,  ja  ihre  Lebensgeister  durch  eine
kleine  »Morphiumeinspritzung«  noch  etwas  hob.
Der  neue  Vertrag  von  1903  hat,  um  der  »Jagd  nach  der  Beteiligungsziffer« ­
  ein  Ende  zu  machen,  die  Bestimmung,  dass  ein
Schacht  immer  zur  Mehrförderung  berechtige,  aufgehoben  und  dafür ­
  die  Beteiligungsziffer  fest  fixiert.  Auf  Grund  dieser  wird  dann
die  Förderung  prozentual  im  gleichen  Verhältnisse  für  die  Zechen
festgesetzt.  (Man  nennt  dies  nicht  ganz  richtig  eine  Fördereinschränkung, ­
  da  die  tatsächliche  Beteiligungsziffer  zu  fördern,  vielen
Werken  einfach  unmöglich  wäre,  weil  sie  eben  auf  Grund  des
früheren  »Versicherungsstrebens«  entstanden  ist.)
Wir  haben  nun  die  Folgen  zweier  für  uns  wichtiger  Statutsbestimmungen ­
  zu  besprechen:
1.  Nach  dem  neuen  Syndikatsvertrage  besteht  bei  der  festen
Beteiligungsziffer  für  ein  Mitglied,  das  mehrere  Schächte  besitzt,
das  Recht,  Verschiebungen  in  der  Förderung  zu  gunsten  einiger

1)  Jahresbericht  des  Bergbauvereins  1903.  I.  6;  auch  1902.  I.  8.
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        89

Anlagen  eintreten  zu  lassen.  Diese  anscheinend  ganz  harmlose
Bestimmung  hat  im  Ruhrgebiete  eine  Revolution  in  der  Beurteilung ­
  des  Syndikats  hervorgerufen.  Es  bildete  sich  nämlich  folgende ­
  Technik:  Die  grossen  Werke  kauften  kleinere  auf,  d.  h.
sie  kauften  damit  deren  Beteiligungsziffern.  Bei  kleinen  Betrieben ­
  wurde  die  Beteiligungsziffer  ganz  auf  den  andern  grossen  übertragen ­
  d.  h.  der  kleine  Betrieb  wurde  stillgelegt.  Grössere  angekaufte ­
  Zechen  behielten  einen  Teil  ihrer  Beteiligungsziffer,  d.  h.
sie  förderten  in  beschränktem  Masse  weiter  1 ).
Jetzt  war  zuviel  des  Morphiums  gekommen,  womit  jedoch,
wenn  auch  »humaner«,  derselbe  Effekt  wie  bei  brutaler  Tötung  infolge ­
  freier  Konkurrenz  erzielt  ward  und  wird.  »An  die  Stelle
der  Erdrosselung  tritt  der  Morphiumtod.«  (Brentano.)
Auf  diese  Weise  ging  jetzt  die  Expansion  der  Mächtigen  vor
sich.  Allen  voran  die  Gelsenkirchener  Bergwerks-A.-G.,  die  Harpener
Bergbau-A.-G.  und  die  Hibernia 1  2 ).  »In  ihrer  Produktion  ist  z.  B.
Gelsenkirchen  von  4  auf  7  Millionen  t.  gestiegen,  nicht  bloss  durch
Entwicklung,  sondern  dadurch,  dass  es  Zechen,  die  schon  im
Syndikat  waren,  aufgekauft  hat«  3 ).
Solche  Erscheinungen  regten  natürlich  die  Gemüter  der  Beteiligten ­
  auf.  Und  wie  so  oft,  so  war  auch  hier  der  erste  Ruf
der  nach  dem  Gesetzgeber,  dem  Allhelfer.  Er  kam  und  legte
einen  »Gesetzentwurf  betreffend  Abänderung  der  §§  65,  156  bis
162,  207a  des  allgemeinen  Berggesetzes  vom  24.  Juni  1865/92
und  des  dritten  Abschnittes  des  Ausführungsgesetzes  zum  Reichsgesetz ­
  über  die  Zwangsversteigerung  und  die  Zwangsverwaltung
vom  23.  September  1899«  vor 4 ),  die  sog.  Stilllegungsnovelle,  die
jedoch  nicht  Gesetz  geworden  ist.  Die  Vorschriften  dieser  Novelle ­
  gelten  nun,  was  nicht  klar  genug  hervorgehoben  ist,  sowohl
für  bereits  betriebene  Bergwerksfelder  als  auch  für  noch  nicht  betriebene. ­
  Dies  letzte  ist  die  Erscheinung  der  sog.  präventiven
Stilllegung,  die  uns  in  ihrer  ungeheuren  volkswirtschaftlichen  Bedeutung ­
  später  noch  beschäftigen  wird.

1)  Jahresbericht  des  Bergbauvereins  1903.  I.  7.
2)  Vgl.  Metschke,  Bergbau  und  Industrie  in  Westfalen  und  im  Ruhrgebiete  der
Rheinprovinz  unter  der  Herrschaft  der  Caprivischen  Handelsverträge.  Münch.  Inaug.
Diss.  Breslau  1905.  Seite  29:  Tabelle.
3)  Verhandl.  über  das  Kolilensynd.  Kartellrundschau  422.
4)  Drucksachen  des  Hauses  der  Abg.  20.  Legislaturperiode  I.  Session  1904/5,
Nr.  703  u.  Zu  Nr.  703.
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        90

Der  gesetzgeberische  Grundgedanke  der  ganzen  Stilllegungsfrage ­
  ist  in  den  beiden  §  65  alten  und  neuen  Textes  enthalten.
Wir  lassen  je  die  beiden  ersten  Absätze,  die  den  uns  angehenden ­
  wirtschaftlichen  Kern  enthalten,  hier  folgen.
Alte  Fassung:
»Der  Bergwerks  b  e  s  i  t  z  e  r  ist  verpflichtet,  das  Bergwerk  zu
betreiben,  wenn  der  Unterlassung  oder  Einstellung  des  Betriebes
nach  derEntscheidung  desOberbergamtes  überwiegende ­
  Gründe  des  öffentlichen  Interesses  entgegenstehen.«
Neue  Fassung:
»Der  Bergwerks  eigentümer  ist  verpflichtet,  das  Bergwerk ­
  zu  betreiben,  wenn  derBetrieb  Gewinn  verspricht
und  der  Unterlassung  oder  der  gänzlichen  oder  teilweisen ­
  Einstellung  des  Betriebes  überwiegende  Gründe  des
öffentlichen  Interesses  entgegenstehen.«
Da  sowohl  nach  dem  alten  Gesetze  wie  auch  nach  dem  neuen
Entwürfe  unr  en  t  ab  1  e  Gruben  dem  Betriebszwange  nicht  unterworfen ­
  sind,  es  sich  nach  Ansicht  von  Fachleuten,  sowde  nach  dem
Berichte  der  Untersuchungskommission  bis  jetzt  aber  nur  um  unbauwürdig ­
  gewordene  Gruben  gehandelt  hat,  so  fallen  diese  aus
dem  Bereich  unserer  Betrachtungen.  Es  wäre  in  wirtschaftlicher
Hinsicht  ja  auch  geradezu  Wahnsinn,  solche  Gruben  zu  betreiben,
und  liesse  sich  auch  wohl  aus  dem  ganz  besonderen  ,  dem  verliehenen ­
  Bergwerkseigentum  rechtlich  nicht  ableiten.  Wenn
also  bis  jetzt  die  an  den  Ausserbetriebsetzungen  Interessierten
sich  die  Augen  über  diese  Erscheinungen  reiben,  so  dürfte  dies
weniger  wegen  der  in  jeder  Beziehung  (auch  vom  Standpunkte
der  Arbeiter)  zu  rechtfertigenden  Art,  als  vielmehr  wegen  des
Tempos  geschehen.  Hat  doch,  obwohl  auch  unter  dem  alten
Vertrage  bereits  Werke  stillgelegt  wurden,  dieser  Prozess  unter
dem  neuen  Vertrage  sich  etwas  treibhausartig  entwickelt,  indem
binnen  wenigen  Monaten  etwa  ein  Dutzend  Betriebe  aufgekauft
sind,  um  sie  früher  oder  später  stillzulegen 1 ).
Was  sind  »überwiegende  Gründe  des  öffentlichen  Interesses«  ?
Die  Motive  zum  alten  Gesetze  von  1865,  die  auch  im  neuen
Gesetzentwürfe  Verwendung  finden,  erläutern  sie  mit  den  Worten:
»wenn  die  öffentliche  Sicherheit  gefährdet  ist  oder  die  allgemei-1)
  Jutzi,  Die  deutsche  Montanindustrie  auf  dem  Wege  zum  Trust.  Jena  1905.
17.  Ferner  Weidtmann  (Beilage  zu  Gl.A.  Nr.  26  vom  25.  Juni  1904).  Er  führt  Seite  2
aus  dem  »Laufe  der  letzten  Monate«  10  Zechen  an.
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        9i

nen  Bedürfnisse  der  Konsumenten  darunter  leiden.«
Wir  dürfen  uns  nicht  wundern,  wenn  wir  gerade  hierbei  sehr
allgemein  gehaltene  Redensarten  finden,  war  doch  das  Berggesetz
von  1865  einer  Art  »Negation  der  Negation«  entsprungen:  Von
Staatsbevormundung  zum  äussersten  Individualismus,  dem  der
Staat  ein  Greuel  war.  Aber  nur  so  lockte  es  das  nötige  Kapital  an.
Wenn  wir  den  Sinn  jener  Erläuterungen  nun  auf  die  Stilllegung ­
  bereits  betriebener  Werke  anwenden,  so  kann  es  nicht
»öffentliches  Interesse«  sein,  minder  rentable,  von  unrentablen
Betrieben  zu  schweigen,  zu  erhalten,  wo  obendrein  ja  leicht  die
Bedürfnisse  der  Konsumenten  im  Süden  durch  die  mehr  nördlichen ­
  Produzenten  zu  befriedigen  wären.  Denn  alle  die  Betriebe,
die  ausser  dem  letzten  zur  Bedürfnisbefriedigung  noch  Heranzuziehenden ­
  künstlich  erhalten  werden,  erhöhen  die  Preise.  Dies
verstösst  aber  gegen  die  Forderung  der  Wirtschaftlichkeit.  Von  diesem ­
  Standpunkte  aus  ist  es  viel  besser,  worauf  auch  die  Denkschrift ­
  der  Kommission  hinweist,  dass  jetzt  eingestellte  Betriebe
erst  später  bei  höheren  Kohlenpreisen  wieder  aufgenommen  werden, ­
  mögen  auch  manche  Jahrzehnte  darüber  vergehen.  Dann
auch  ist  es  möglich,  die  Felder  zu  konsolidieren  und  auf  Grund
moderner  Technik  in  Betrieb  zu  setzen  und  Gewinn  zu  erzielen.
Weiter  hat  der  neue  Entwurf  den  Passus  :  »wenn  der  Betrieb
Gewinn  verspricht«  aufgenommen 1 ).  Wann  tut  er  dies?  Vor  allem,
wenn  er  planmässig  rationell  betrieben  wird.  Dies  ist  Grundbedingung. ­
  Aber  gerade  dem  ist  das  Interesse  des  neuen  Käufers
entgegengesetzt.  Was  ist  überhaupt  ein  wirtschaftlich  lohnender
Betrieb?  Man  sage,  jeweils  eine  Kommission  solle  es  festsetzen.
Nichts  ist  schwerer  als  gerade  die  Rentabilität  eines  Bergwerksbetriebes ­
  zu  taxieren,  ganz  besonders,  wenn  noch  das  Interesse
des  Betreibenden  das  ist,  was  es  nicht  sein  soll.  Man  sieht,  wie
gerade  dieser  Passus  grosse  Streitigkeiten  hervorrufen  kann  und
damit  wird.
An  dritter  letzter  Stelle  sind  hier  die  Worte  »wenn  der  gänzliehen
  oder  teilweisen  Einstellung  des  Betriebes  über-  i)

i)  Dieser  Passus  und  der  folgende  soll  eben  die  Handhabe  geben,  einen  Betriebszwang ­
  herbeizufiihren,  was  ja  mit  der  oben  erwähnten  bisherigen  Interpretation ­
  des  »öffentlichen  Interesses«  nicht  möglich  war.  Vgl.  über  die  juristische  Seite
dieser  Materie  G.  Gothein,  Die  preussischen  Berggesetznovellen.  I.  Der  Gesetzentwurf
gegen  das  Stilllegen  der  Zechen  im  Arch.  f.  Sozialw.  u.  Sozialp.  N.  F.  III.  Bd.  Seite
162—177.
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        92

wiegende  Gründe  des  öffentlichen  Interesses  entgegenstehen«  zu
betrachten.  Wenn  auch  die  Begründung  des  Entwurfes  darauf
hinweist,  dass  diese  Worte  dem  Sinne  des  alten  Gesetzes  entsprechen ­
  ,  so  scheinen  sie  sich  doch  ganz  besonders  gegen  jene
oben  erwähnten  Praktiken  des  Syndikats  zu  richten.  Wir  dürfen
annehmen,  dass  teilweise  eingestellte  Betriebe  solche  sind,  die
noch  Gewinn  in  zum  mindesten  stärkerem  Masse  als  gänzlich  eingestellte, ­
  meistens  kleine  Betriebe  erzielen.  Durch  die  mit  diesen ­
  Handlungen  einhergehende  Verschiebung  wird  nun  der  Gewinn ­
  zu  gunsten  der  Zeche  verschoben,  die  eben,  um  rentabler
zu  wirtschaften,  einen  Teil  des  Kontingents  auf  sich  übernimmt.
Der  beschränkte  Betrieb  arbeitet  aber,  weil  er  beschränkt  ist,
teurer  als  vorher;  damit  hat  der  neue  Besitzer,  wenigstens  solange
das  Syndikat  besteht,  kein  Interesse  an  einer  Preisherabsetzung;
will  er  doch  auch  noch  eine  Rente  seines  minder  begünstigten
Werkes  erreichen.
Durch  eine  teilweise  Einstellung  eines  teurer  produzierenden
Werkes  wird  also  in  erster  Linie  ein  privatwirtschaftlicher  Vorteil ­
  erzielt.  Dieselben  Worte  gelten  für  die  gänzliche  Einstellung
des  Betriebes,  der  noch  einen  Gewinn  abwirft  und  dessen  Beteiligungsziffer
  übertragen  wird,  ohne  dass,  dem  jeweils  ausgeschalteten ­
  ungünstigsten  Betriebe  entsprechend  die  Syndikatspreise
herabgesetzt  werden.
Es  spricht  eine  Vermutung  dafür,  dass  das  Syndikat  eine
solche  Preispolitik  nicht  einschlagen  wird.  Damit  aber  ist  der
Ausweg  vorhanden,  einer  infolge  Syndikatsstatuts  revolutionierenden ­
  Stilllegung  ein  Gegengewicht  zu  geben:  Es  besteht ­
  darin,  den  durch  das  plötzliche  Ausfallen  einer  starken  Einnahmequelle ­
  bedrohten  Gemeinden  das  Recht  zu  geben,  eine  Abfindungssumme ­
  seitens  der  Werke  zu  verlangen 1 ).  Dies  wäre  bei  i)
i)  So  zahlte  z.  B.  die  Gewerkschaft  Mont  Cenis,  die  die  Zeche  Bommerbänker
Tiefbau  seit  dem  i.  Mai  1904  übernahm,  auf  Grund  einer  bis  zum  I.  April  1906  gültigen ­
  Vereinbarung  der  Gemeinde  Bommern  eine  Steuer  von  M.  10  000  pro  Jahr  (die
Steuerbeträge  der  Beamten  und  Arbeiter  sollen  etwa  9339  M.  betragen).  Ausserdem
fliesst  den  Gemeinden  ja  die  Umsatzsteuer  aus  solchen  Transaktionen  zu,  hier  betrug
sie  11  000  M.  (Weidtmann,  1.  c.  3).  Dass  übrigens  auch  die  Gemeinden  sich  zu
helfen  wissen,  zeigt  Weidtmanns  Mitteilung  (1.  c.  5)  über  die  Gemeinden  Schüren
und  Hörde,  die  noch  »vor  Toresschluss«  die  Umsatzsteuer  auf  2  Proz.  erhöht  haben.
»Diese  Summe  allein  deckt  schon  den  ganzen  Steuerausfall  für  mehrere  Jahre.«  —
Die  Gemeinde  Höntrop,  die  den  Zustand  der  Zeche  Maria,  Anna  und  Steinbank
kannte,  rechnete  damit,  dass  diese  in  absehbarer  Zeit  still  gelegt  werden  würde.  Sie
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        93

einem  natürlichen  Erliegen  des  Bergbaues  nicht  berechtigt,  da
es  hierbei  die  Pflicht  der  Gemeinden  wäre,  sich  auf  die  neuen
Verhältnisse  einzurichten.
Und  wie  steht  es  mit  den  durch  die  Stilllegungen  betroffenen
Arbeitern  ?
Einmal  kann  bei  einem  natürlichen  Erliegen  des  Bergbaues
die  Forderung,  die  Arbeiter  unter  allen  Umständen  zu  beschäftigen, ­
  gar  nicht  aufrecht  erhalten  werden.  Denn  es  sind  nach  und
nach  im  Süden  des  Ruhrbezirkes  schon  manche  Zechen  stillgelegt ­
  und  die  Arbeiter  haben  neue  Beschäftigung  gefunden 1 ).
Nun  sind  allgemein  im  Süden  des  Ruhrbezirkes  die  Löhne
niedriger  als  im  Norden,  wohin  der  Bergbau  allmählich  wandert.
Das  Interesse  der  Arbeiter  ist  aber  durchaus  an  hohe  Löhne  geknüpft, ­
  und  so  bestände  die  Möglichkeit,  die  Arbeiter,  die  im  Süden ­
  durch  die  Stilllegungen  frei  werden  und  deren  Zahl  relativ  gering ­
  ist,  auf  anderen  Gruben  zu  beschäftigen.  Die  Möglichkeit
dazu  dürfte  bei  dem  ständigen  Arbeitermangel  nicht  schwer  sein.
Diesen  Ausführungen  steht  jedoch  manches  entgegen,  was  bei
einer  oft  plötzlichen  Katastrophe  gewiss  gerade  die  Uebergangszeit
Arbeitern  wie  auch  kleinen  Gewerbetreibenden  in  den  betroffenen
Gemeinden  hart  macht.  So  besitzen  z.  B.  im  Süden  die  Bergleute ­
  ein  eigenes  Heim,  etwas  Land,  das  ihnen  die  Heimat  besonders ­
  lieb  macht.  Sie  können  obendrein,  was  den  Jungen  möglich ­
  ist,  die  Arbeit  in  »den  heissen  Löchern«  im  Norden  nicht
mehr  ertragen  lernen.  Diesen  Arbeitern  sucht  man  durch  Errichtung ­
  von  Arbeiterzügen  Arbeitsgelegenheit  auf  benachbarten
noch  betriebenen  Zechen  zu  geben.  Dass  andere  Industrien  z.  B.
die  benachbarte  Textilindustrie  näher  an  oder  in  die  verlassenen
Gebiete  rückt,  wie  bis  jetzt  in  früherer  Zeit  zu  bemerken  war,  ist
möglich,  dauert  jedoch  längere  Zeit  und  würde  dann  nur  für  die
Jugend  in  Betracht  kommen.
Man  sieht,  dass,  auch  von  den  vielen  persönlichen  Klagen 2 )
abgesehen,  solche  schnell  aufeinander  folgenden  Ausserbetriebsammelte

  also  für  diese  Eventualität  290  000  M.  an  (mit  Entgegenkommen  der  Zeche)
und  hat  nun  jährlich  an  Zinsen  10—11  000  M.  (Weidtmann  1.  c.  8.  9).
1)  Weidtmann  (vgl.  Beilage  zu  »Glückauf«  Nr.  26  vom  25.  Juni  1905)  nennt
aus  »früherer  Zeit«  (vor  dem  neuen  Syndikatsvertrage)  18  aus  dem  Ruhrgebiete.
2)  Vgl.  die  Interpellation  der  Abgg.  Stölzel  und  Brust  betreffend  die  Behandlung ­
  der  kleinen  Zechen  im  Ruhrrevier  durch  das  Kohlensyndikat.  54.  Sitz,  des
Preuss.  Abg.Hauses  16.  April  1904.
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        94

Setzungen  manche  Härten  mit  sich  bringen,  und  dass  vielfach  nur
der  gute  Wille  der  Syndikatsleute  sie  mildern  kann.  Sie  versprechen ­
  da  vieles.  Wollte  man  die  Zechen  etwa  zwingen,  die
Arbeiter  stets  weiter  zu  beschäftigen,  so  würde  wohl  bald  die
Erscheinung  einer  grossen  »freiwilligen«  Abkehr  sich  zeigen,  womit ­
  die  Arbeiter  in  derselben  Lage  wären,  wie  bei  der  Abkehr
infolge  Stilllegung.
2.  Eine  zweite  für  die  Entwicklung  der  wirtschaftlichen  Betriebsform ­
  wichtige  Bestimmung  des  neuen  Syndikatsvertrages  ist
die,  dass  der  Selbstverbrauch  der  Zechen  von  Einschränkungen
und  Umlagen  seitens  des  Syndikats  befreit  ist.  Unter  den  Selbstverbrauch ­
  wird  aber  auch  die  Förderung  gerechnet,  die  die  sog.  Hüttenzechen ­
  zum  Betriebe  der  Hütten  nötig  haben.  §  I  Absatz  2
letzter  Satz  des  neuen  Syndikatsvertrages  besagt  nämlich:  »Für
diejenigen  Zechenbesitzer,  welche  bei  Abschluss  dieses  Vertrages
gleichzeitig  Eigentümer  von  Hüttenwerken  sind,  gelten  auch  die
zu  den  eigenen  Verbrauchszwecken  ihrer  Hüttenwerke  und  deren
Zubehör  erforderlichen  Produkte  als  Selbstverbrauch.«  Nur  durch
diese  Konzession  konnte  man  die  mächtigen  gemischten  Eisenwerke ­
  mit  ihren  Kohlenzechen  zum  Eintritt  in  das  Syndikat  bewegen. ­
  Diese  sind  nun  die  eigentlichen  Hechte  im  Karpfenteiche.
Denn  während  die  reinen  Eisenwerke  höhere  Kohlenpreise  zahlen
müssen,  haben  die  gemischten  Werke  alle  Vorteile  der  Unternehmungs-
  oder  gar  Betriebskombination.  Damit  werden  die
reinen  Werke  der  Eisenindustrie  fast  vernichtet  und  müssen  sich
ebenfalls  vertikal  konzentrieren  bezw.  sich  angliedern.  So  wird
durch  die  Erscheinungen  der  horizontalen  Konzentration  in  der
Kohlenindustrie  und  den  ersten  Eisenproduktionsprozessen  die
vertikale  Konzentration  im  Eisengewerbe,  wenn  auch  nicht  geschaffen, ­
  so  doch  eminent  beschleunigt 1 ).  Wir  haben  ihr  rapides
Wachsen  schon  oben  an  dem  Gegenüberstellen  der  Steigerung
der  Förderziffern  gezeigt.  Die  Hüttenzechen  aber  sind  ihrerseits
wieder  der  Keil,  der  einmal  das  Kartell  auseinandertreibt.  Denn
sie  fördern  fortdauernd  intensiv,  um  ihren  ganzen  Bedarf  aus
ihren  eigenen  Zechen  zu  bestreiten,  d.  h.  den  reinen  Kohlenzechen
ein  grosses  Absatzgebiet  zu  nehmen.  So  fördern  einige  Werke
überaus  angestrengt,  andere  mit  Feierschichten.  Das  erste  sind
die  früher  aussenstehenden,  die  grosse  Vorteile  bekamen,  das

1)  Vgl.  Hans  Gideon  Heymann,  Die  gemischten  Werke  .  .  .  .
        <pb n="102" />
        95

letzte  die  alten,  »wiewohl  sie  durch  das  Verlassen  der  bisherigen
Praxis  bei  der  Bewilligung  der  Mehrbeteiligung  in  ihrem  Betriebe
empfindlich  berührt  wurden,  ja  zum  Teil  schon  weit  in  dieser
Richtung  fortgeführte  Arbeiten  als  nunmehr  zwecklos  erkennen
mussten«  1 ).
Aber,  um  das  Syndikat  zu  erneuern,  liessen  die  reinen  Kohlenzechen ­
  ihre  Ansprüche  auf  Vermehrung  des  Kontingents  fallen.
»Dem  Gebote  der  Fürsorge  für  ihre  natürliche  Entwicklung  werden ­
  sie  nunmehr  auf  dem  Wege  der  Angliederung  anderer  Zechen ­
  gerecht.«
So  wird,  was  Wirkung  ist,  neue  Ursache.  Wie  rapide  aber
die  Zahl  der  Unternehmungen  sich  verringert  hat,  zeigen  folgende
Zahlen.  Im  Jahre  1893  waren  96  Syndikatsmitglieder  vorhanden
mit  33,5  Mill.  t  Gesamfbeteiligung.  Nun  traten  unter  der  Herrschaft ­
  des  alten  Vertrages  noch  eine  ganze  Anzahl  Zechen  bei,
es  hätte  also  die  Zahl  der  Mitglieder  steigen  müssen.  Wir  finden
jedoch  1903  nur  noch  84  mit  53,8  Mill.  t  Gesamtbeteiligung 1  2 ).
Damit  kam  1893  349114  t  Beteiligung  auf  die  Zechen,  1903  jedoch ­
  640739  t.  Eine  solche  Verschmelzung  hatte  schon  der  alte
Vertrag  hervorgerufen.  Der  neue  Vertrag  fand  84  Zechen  vor.
20,  besonders  Hüttenzechen  traten  hinzu.  Schon  innerhalb  des
ersten  Jahres  ist  jedoch  die  Zahl  der  Mitglieder  wieder  auf  84
gesunken!
Das  ist  die  intensive  Expansion,  die  die  Mächtigen  unter
dem  neuen  Vertrage  vornehmen.  Mit  wenig  Worten,  aber  mit
viel  Taten  schaffen  sie  sich  freie  Bahn.  Damit  aber  hört  die
Freundschaft  im  Kohlensyndikate  auf.  Und  so  erleben  wir  die
merkwürdige  Erscheinung,  dass  gerade  von  den  Werken  im  Süden, ­
  die  eigentlich  ihre  Ertragsfähigkeit  nur  dem  Syndikate  verdanken, ­
  der  staunenden  Menschheit  verkündet  wird,  dass  sie  noch
lange  nicht  am  Ende  ihrer  Existenzfähigkeit  angelangt  seien 3 ).
Die  Ironie  dabei  ist,  dass  jetzt,  wo  die  aggressiven  Kartelle  auch
nach  Innen  zu  ihren  Charakter  völlig  ändern,  dass  jetzt  die  Grossen ­
  kalt  mitteilen,  wie  gross  eigentlich  die  Zahl  der  bis  jetzt  am

1)  Jahresbericht  des  Bergbauvereins  1903.  I.  6  u.  7.
2)  Jutzi  1.  c.  14.
3)  Vgl.  in  der  Frankfurter  Ztg.  vom  1.  Mai  1905  den  Protest  des  Vorsitzenden
des  Aufs.R.  der  Akt.Ges.  Zeche  Margarethe  gegen  die  Behauptung  des  Abg.  Schmieding, ­
  dass  die  im  südlichen  Bezirke  von  Dortmund  belegenen  Zechen  am  Ende  ihrer
Existenzfähigkeit  angelangt  seien.
        <pb n="103" />
        96

Leben  erhaltenen  unwirtschaftlichen  Betriebe  ist.  Das  Selbstinteresse ­
  bringt  jetzt  die  Wahrheit  an  den  Tag.  Diskret  und  mit
süssem  Zucker  versehen  zeigt  sie  sich  in  folgenden  Worten:
&amp;gt;Das  Rheinisch-Westfälische  Kohlensyndikat  würde,  um  auch  diese
kleinen  Zechen  (sc.  im  Süden)  ertragbringend  zu  machen,  zu  einer
wesentlichen  Steigerung  der  Kohlenpreise  übergehen  müssen  und
damit  seine  stets  auch  die  Gesamtheit  berücksichtigende  Politik
aufzugeben  gezwungen  sein«.
Heute  wagt  man  noch  nicht  P'arbe  zu  bekennen,  dass  die
mächtigen  Gesellschaften  eigentlich  gar  kein  Interesse  mehr  am
Schutz  der  Schwachen  haben.  Das  Feld  ist  ja  auch  noch  nicht
ordentlich  ausgejätet.  Man  sucht  demnach  den  Egoismus  mit
Altruismus  zu  verdecken.  Folgende  Worte  zeigen  dies 1 ).  »Ohne
ein  Syndikat  würde  allerdings  eine  Uebertragung  von  Beteiligungsziffern ­
  nicht  stattfinden,  würde  aber  auch  der  Bergbau  auf  einer
Reihe  von  Zechen  schon  seit  Jahren  zum  Erliegen  gekommen  sein,
deren  ungünstige  Grundbedingungen  sie  allerdings  auch  unter  dem
Syndikate  auf  die  Dauer  nicht  zu  einer  Rentabilität  haben  kommen
lassen«.
Und  schon  verlassen  die  Ratten  das  sinkende  Schiff.  Um
sich  im  Falle  der  Auflösung  des  Kohlensyndikats  bezw.  seiner
Nichterneuerung  die  Vorteile  vertikaler  Konzentration  zu  verschaffen,
hat  die  Gelsenkirchener  Bergwerksgesellschaft,  die  Seele  des  Kohlensyndikats, ­
  mit  dem  Schalker  Gruben-  und  Hüttenverein  und
dem  Aachener  Flüttenaktien-Verein  zu  Rothe  Erde  eine  Interessengemeinschaft ­
  geschlossen.  De  Fakto  ein  kleiner  Trust.  Statt
19  ursprünglich  selbständiger  Unternehmungen  eine  einzige  mit
(inkl.  Anleihen  und  Rücklagen)  181,9  Mill.  M.  Kapital 2 ).  Aus
dem  Knaben  wird  ein  Mann  werden.
Stetig  durch  Menschensatzung  noch  forciert,  geht  die  Konzentration ­
  der  schweren  Industrie  im  Kohlensyndikat,  im  Roheisensyndikat ­
  und  im  Stahlwerksverbande  vor  sich.  Immer  weniger ­
  werden  der  Unternehmungen,  der  Betriebe.  Die  Schwachen
schwinden,  die  Starken  aber  achten  sich  gegenseitig,  ihre  Interessen ­
  sind  die  gleichen.  Und  wenn  die  Technik  des  Steinkohlenbergbaues ­
  nicht  rosten  wird,  so  ist  es  nicht  deshalb,  weil  man
es  wollte,  sondern  weil  man  es  nicht  wollte.  Die  Löcher  des
Netzes  waren  das  Unglück  der  Kartellpolitik  ;  vom  Standpunkte
1)  Jahresber.  d.  Bergbauvereins  1903.  I.  89.
2)  Jutzi  1.  c.  33.
        <pb n="104" />
        97

der  Wirtschaftlichkeit  aus  betrachtet  sind  sie  ein  Glück;  denn  sie
führen  in  beschleunigtem  Tempo  einer  höheren  Organisation  der
Wirtschaft,  dem  tatsächlichen  Trust  (nach  deutschem  Sprachgebrauche)
  zu,  dem  Feinde  behäbigen  Vegetierens.
Dies  sind  die  Tendenzen,  die  sich  aus  den  bis  jetzt  stattgefundenen ­
  Konzentrationen  und  Kombinationen  der  technischen  und
wirtschaftlichen  Betriebe  ergeben.  Aber  neben  der  intensiven  Tätigkeit ­
  auf  dem  Gebiete  des  Bestehenden  hat  man  auch  das  Zukünftige ­
  nicht  vergessen.
Die  Handhabe  dazu  bot  das  preussische  Bergrecht.  Ich
habe  weiter  oben  erwähnt,  dass  nach  geltendem  Rechte  der  Betriebszwang ­
  eines  verliehenen  Bergwerkes  nur  dann  eintreten  kann,
wenn  der  Unterlassung  oder  Einstellung  des  Betriebes  nach  der
Entscheidung  der  oberen  Bergbehörde  die  (oben  definierten)  überwiegenden ­
  Gründe  des  öffentlichen  Interesses  entgegenstehen.  Es
konnte  infolge  der  bisherigen  Interpretation  diese  Rechtsbestiminung
  bis  jetzt  also  nicht  angewendet  werden.  Der  neue  Entwurf ­
  der  fürs  erste  begrabenen  »Stilllegungsnovelle«  sollte  sich
nun  auch  einmal  darauf  erstrecken,  den  Betriebszwang  für  verliehene, ­
  aber  noch  nicht  betriebene  Bergwerke  einzuführen; ­
  denn  bis  jetzt  hat  die  lediglich  formale  Auslegung  des
geltenden  Rechtes  zu  einer  Monopolisierung  der  besten  im  Norden ­
  des  Ruhrgebietes  befindlichen  unverritzten  Kohlenfelder  geführt. ­

In  den  Jahren,  in  denen  das  heutige  Bergrecht  entstand,
konnte  man  nämlich  annehmen,  dass  das  Erbohren  der  Felder
lediglich  Mittel  zur  Erlangung  des  Bergwerkseigentums  war,
und  dass  man  dann  das  Bergwerkseigentum  auch  in  Betrieb
setzte:  dies  regelte  der  freie  Markt  mit  Angebot  und  Nachfrage.
Dies  änderte  sich  jedoch,  als  kapitalkräftige  Gesellschaften 1 )
entstanden  waren  und  ausserdem  die  zunehmende  Tiefe  grosse  technische ­
  Vorrichtungen  erforderte.  Jetzt  entstanden  Bohrgesellschafi)
  Einen  lehrreichen  Grund  über  den  Zusammenhang  zwischen  Akt.Ges.  und
Felderbesitz  gibt  G.  Gothein  im  Arch.  f.  Sozialw.  u.  Sozialp.  N.  F.  III.  Bd.  S.  166.
»Die  Gewerkschaft,  die  kein  festes  Kapital  hat,  findet  mit  der  Aufzehrung  der  Substanz ­
  ihr  naturgemässes  Ende.  Die  Aktiengesellschaft  dagegen  muss  ständig  dafür
Sorge  tragen,  dass  ihrem  auf  der  Passivseite  der  Bilanz  zu  buchenden  Aktienkapital,
Obligationen  und  Reservefonds  entsprechende  Werte  (der  Fundus)  auf  der  Aktivseite
gegenüber  stehen;  sie  erreicht  ihrem  Wesen  nach  überhaupt  kein  natürliches  Ende;
sie  muss  daher,  wo  der  Bergbau  ihr  Zweck  ist,  möglichst  seine  unbeschränkte  Nachhaltigkeit ­
  erstreben  und  sie  erreicht  dies  durch  Erweiterung  ihres  Bergwerksbesitzes.«
Zeitschrift  für  die  ges.  Staatswissensch.  Ergänzungsheft  19.  7
        <pb n="105" />
        9 8

ten,  die  glänzende  technische  Leistungen 1 )  vollführten,  weil  das
Erbohren  der  Felder  nicht  mehr  Mittel  zum  Zweck  war,  sondern
Selbstzweck  ward.
In  Preussen  besteht  eine  fast  absolute  Schürffreiheit,  d.  li.
P'reiheit  zum  Suchen  nach  verleihbaren  aber  noch  nicht  verliehenen ­
  Mineralien  mit  der  Absicht,  deren  Verleihung  nachzusuchen ­
 2 ).  Durch  Schürfen  (z.  B.  Erbohren  tiefliegender  Kohlenflötze)
  kann  ich  aber  fündig  werden,  und  der  nachgewiesene  Fund
ist  Vorbedingung  jeder  bergrechtlichen  Verleihung.  Bin  ich  fündig ­
  geworden,  so  kann  ich  muten,  d.  h.  den  Antrag  auf  Verleihung ­
  des  Bergwerkseigentums  stellen.  Nach  preussischem  Rechte
muss  der  Finder  innerhalb  einer  Woche  nach  der  Entdeckung
Mutung  einlegen,  da  sonst  sein  Vorrecht  erlischt;  sodann  hat  er
erstmalig  6  Wochen  Zeit  bis  zur  Feldesstreckung.  Für  jede
Mutung  muss  ein  bestimmtes  Feld  begehrt  werden,  nämlich  bis
zu  500000  Quadratlachter  =  218,9  ha.  »In  dieser  Ausdehnung
kann  dem  Felde  jede  beliebige,  den  Bedingungen  des  §  26  entsprechende ­
  Form  (soweit  es  die  Oertlichkeit  gestattet,  Felder  von
geraden  Linien  an  der  Oberfläche  und  von  senkrechten  Ebenen
in  die  ewige  Teufe  begrenzt)  gegeben  werden.  Jedoch  muss  der
Fundpunkt,  bezvv.  der  frühere  Aufschluss  des  Mineralvorkommens
eines  verlassenen  Bergwerks  stets  in  dieses  Feld  eingeschlossen
werden.  Auch  dürfen  je  2  Punkte  der  Begrenzung  ....  bei  500  000
Quadratlachtern  nicht  über  2000  Lachter  (=  4184,8  m)  von  einander ­
  entfernt  liegen.«  (§  27  Abs.  2  Allg.  Preuss.  Bergg.)
Nun  kann  der  Muter  bis  zur  Verleihung  auf  Teile  des  gemuteten ­
  Feldes  beliebig  verzichten,  er  kann  auf  die  Mutung  (also
auf  das  gemutete  F'eld)  überhaupt  Verzicht  leisten  und  auf  den
seiner  Mutung  zugrunde  liegenden  Fund  neu  muten  und  ein  ganz
neues  Feld  begehren.  Dies  kann  er  so  oft  tun,  wie  er  will 3 ).
Damit  kann  er  in  einem  Kreise  von  ca.  4  km  das  Konkurrenzbohren ­
  unmöglich  machen,  da  er  den  Fundpunkt  eines  andern
einfach  durch  entsprechende  Feldesstreckung  überdecken  würde.
So  kann  der  fündig  Gewordene  in  Ruhe  weiter  bohren,  um  sein
Feld  zweckentsprechend  abzurunden.  Solches  fand  wohl  besonders ­
  statt,  seitdem  die  tiefen  Bohrungen  sehr  kostspielig  wurden.
1)  Vgl.  das  gleich  in  Anm.  5  Seite  99  über  die  Internationale  Bohrgesellschaft
Gesagte.
2)  Arndt,  Bergbau  und  Bergbaupolitik.  40.
3)  Arndt  1.  c.  44.
        <pb n="106" />
        99

Man  benutzte  die  Lücken  des  Gesetzes  ,  um  die  Kosten  zu  verringern, ­
  indem  man  mit  möglichst  wenig  Bohrungen  möglichst
günstige  Kohlenfelder  zu  erlangen  suchte.  Muss  doch  für  jedes
Normalfeld,  also  ca.  200  ha  ein  Fund  nachgewiesen  werden,  während ­
  man  rechnet,  dass  zum  rentablen  Betriebe  bei  den  schwierigen ­
  kostspieligen  Schachtanlagen  im  Norden  des  Ruhrgebietes
4  Normalfelder,  also  ca.  800  ha  nötig  seien 1 ).
Hat  man  sich  in  Ruhe  arrondiert,  so  lässt  man  sich  das
Bergwerkseigentum  verleihen.  Das  kostet  pro  Normalfeld  1,50  M.
Der  so  Beliehene  behält  dieses  Recht,  ohne  Steuern  zu  entrichten,
auch  wenn  er  keine  Anstalten  zur  Gewinnung  der  Kohle  trifft 2 ).
Bei  solchem  Rechte  liessen  es  sich  die  grossen  Gesellschaften
wohl  sein;  das  Kohlensyndikat  als  solches  hat  den  Ankauf  von
Kohlenfeldern  in  den  Bereich  seiner  Tätigkeit  aufgenommen.
Im  Jahre  1900  hatte  die  Gewerkschaft  Deutscher  Kaiser  ca.
93,1  Mill.  qm  Berechtsame  3 )  =  9310  ha;  Hibernia  10900  ha,  Harpener
  Bgw.Akt.-G.  14  300  ha  und  Gelsenkirchen  hatte  August
1904  23300  ha  Kohlenberechtsame  (Felder,  bei  denen  die  Gesellschaft ­
  mindestens  Dreiviertel-Majorität  besitzt) 4 ).
So  wurde  auf  Grund  des  Preussischen  Bergrechts  die  Zukunft
monopolisiert 5 ).  Jetzt,  in  letzter  Stunde,  will  man  die  letzten
1)  Gutachten  des  Bergmeisters  Engel.
2)  Art.  Bergbau,  Handw.  d.  Staatswissensch.
3)  Entw.  Bd.  X.  1.  255.  4)  Entw.  X.  i.  168.
5)  Es  geschah  dies  besonders  durch  die  sog.  Bohrgesellschaften,  im  Norden  des
rheinisch-westfälischen  Kohlenbeckens  vor  allem  durch  das  »grösste  und  bedeutendste ­
  Bohrunternehmen  Europas«  :  die  Internationale  Bohrgesellschaft  zu  Erkelenz.
Welch  riesige  technische  Vollkommenheit  diese  erreicht  hat,  zeigen  Gesamtbohrleistungen ­
  pro  Jahr,  die  sie  in  Zeitungsannoncen  mitteilt:  1901/2  rund  28  000  m,  1904/5
84689  m!  Die  grösste  Monatsleistung  betrug  9572  m.  Die  grösste  Tagesleistung
von  einem  Bohrkran  wiederholt  200  m  und  darüber  in  22  Stdn.!  —  Diese  Gesellschaft
trat  bereits  im  Herbst  1903,  als  die  Erneuerung  des  Rheinisch-Westfälischen  Kohlensyndikats ­
  im  Werden  war,  mit  diesem  wegen  Verkauf  ihrer  Kohlenfelder  in  Verbindung. ­
  Laut  Syndikatsstatut  darf  nämlich  die  Syndikatsleitung  3  Proz.  der  Jahresrechnungen ­
  des  Syndikats  für  solche  Erwerbungen  verwenden,  ohne  die  Zechenbesilzer
  befragen  zu  müssen.  Zu  dem,  was  darüber  hinausgeht,  ist  die  Zustimmung  von
°/io  der  Zechenbesitzer  erforderlich.  Bei  (1904)  40,32  Mill.  t  Gesamt-Syndikatsversand ­
  a  10  M.  pro  t  betrüge  also  der  Erlös  rund  400  Mill.  M.,  davon  3  Proz.  Umlage ­
  macht  ca.  12  Mill.  M.  zum  Erwerb  neuer  Felder.  Nun  soll  die  »Internationale«
etwa  150—170  000  M.  pro  Normalfeld  fordern;  bei  280  Normalfeldern  langt  also
obiger  Betrag  nicht.  Das  Syndikat  als  solches  aber  hat  Bedenken  gegen  die  Investierung ­
  solcher  Summen  gehabt.  Da  hat  sich  aus  Mitgliedern  des  Syndikats  die
»Rheinisch-Westfälische  Kohlengesellschaft«  gebildet,  die  die  Felder  erworben  hat.
7*
        <pb n="107" />
        IOO

Reste  der  im  Ruhrbezirk  noch  nicht  verliehenen  Kohlenfelder
retten,  indem  der  Plan  besteht,  auf  einige  Jahre  die  Mutung  zu
sperren  (der  sog.  Antrag  Gamp),  um  Müsse  für  eine  den  heutigen ­
  Zuständen  angemessene  Regelung  des  Bergrechtes  zu  bekommen. ­
  Sie  ist  gewiss  angebracht.  Darüber  täusche  man  sich  nach
obigen  Zahlen  jedoch  nicht,  dass  vorerst  die  besten  Kohlenflötze,
die  den  lohnendsten  Abbau  versprechen,  in  den  festen  kapitalkräftigen ­
  Händen  der  Syndikatsleute  sind,  die  sich  damit  für  eine
lange,  lange  Zukunft  ihr  Monopol  erweitert  haben.
Hat  doch  von  den  bereits  betriebenen  Gruben  im  Recklinghauser
  Reviere  nur  eine  Grube  weniger  als  9  Maximalfelder,  die
andern  haben  durchschnittlich  12—15,  im  Osten  besitzt  die  Zeche
Monopol  41  Maximalfelder 1 ).  Nun  ist  gewiss  richtig,  dass  bei
dem  im  Norden  von  Rheinland-Westfalen  erforderlichen  Anlagekapital ­
  sich  dieses  bei  e  i  n  e  m  Normalfelde,  wenn  überhaupt,  so
doch  nur  bei  starkem  Kohlenreichtum  verzinst.  Auch  mit  der
unveränderlichen  Grösse  des  Normalfeldes  ist  das  Bergrecht  verknöchert ­
  und  hat  zu  unwirtschaftlichen,  weil  zu  vielen  eigentlich  unnützen ­
  Bohrungen  geführt.  Bei  grösseren  Tiefen  oder  »je  geringer
die  Kohlenmenge  oder  je  teurer  der  Schacht  ist,  eines  desto
grösseren  Feldes  bedarf  man,  um  dieselbe  Verzinsung  zu  erzielen«  2 ).
»Man«  —  infolge  der  auch  hier  beliebten  Heimlichkeit  ist  es  nicht  genau  bekannt
—  man  also  sagt,  es  handle  sich  um  Objekte  im  Werte  von  rund  35  Mill.  M.  Ob
nun  das  Syndikat  den  Besitz  erwarb  oder  nur  einige  Mächtige  daraus,  ist  gleich,  de
facto  dieselbe  Monopolisierung.  Ja,  falls  das  Syndikat  sich  auflöst  oder  nicht  erneuert ­
  wird,  sind  die  Mächtigen,  die  schon  heute  am  Syndikate  keine  grosse  Freude
mehr  haben,  noch  besser  daran.  Dem  Syndikat  gegenüber  hat  die  neue  Gesellschaft ­
  keine  Verpflichtungen  wegen  der  Ausnutzung  des  Besitzes  übernommen.  —  Der
Staat  bekommt  ganze  10  Proz.  ab!  Nach  der  Nordd.  Allg.  Ztg.  will  er  sich  mit
dieser  Beteiligung  einverstanden  erklären,  »um  in  der  Lage  zu  sein,  ebenso  wie  es
beim  Kohlensyndikat  beabsichtigt  ist,  eventuell  (!)  der  gemässigten  Partei  den  Rücken
zu  stärken  und  selbstsüchtigen  Absichten  einzelner,  die  übertriebene  Preiserhöhungen
etwa  durchzusetzen  versuchen  würden,  mit  Erfolg  entgegenzutreten.«  Bei  diesen
guten  Absichten  dürfte  es  sich  also  empfehlen  z.  B.  Verwaltungsbeamte  der  staatlichen
Saarkohlenwerke  nicht  ins  Ruhrgebiet  zu  schicken.  (Für  die  tatsächlichen  Unterlagen ­
  dieser  Anm.  vgl.  die  Frkf.  u.  Köln.  Ztg.  von  Aug./Sept.  1905.)  Ich  mache
an  dieser  Stelle  auch  darauf  aufmerksam,  wie  sehr  die  Ankäufe  solcher  von  andern
okkupierten  Gerechtsame  durch  Amortisation  und  Verzinsung  des  festgelegten  Kapitals
die  Gestehungskosten  der  Kohlen  belasten.  Wird  doch  ,  da  diese  Felder  nicht
gleich  betrieben  werden  sollen  ,  durch  die  aufgelaufenen  Zinsen  das  Kapital  s.  Z.
noch  grösser  sein.
1)  Entw.  II.  6.
2)  Entw.  II.  9.
        <pb n="108" />
        IOI

Ausserdem  vermindert  ja  die  Vereinigung  einer  Mehrzahl  von
Schachtanlagen  zu  gemeinschaftlichem  und  einheitlichem  Betriebe
»die  mit  der  Natur  des  Kohlenbergbaues  verbundenen  Wagnisse,
sie  gewährleistetauch  bei  eintretenden  Unglücksfällen  die  Aufrechterhaltung ­
  des  Betriebes  und  eine  gewisse  Rentabilität,  sie  erleichtert  die
vorteilhafteste  Inangriffnahme  und  den  Abbau  der  Kohlenflötze«  1 ).
Was  die  einzelnen  Förderanlagen  betrifft,  so  wird  das
Feld  jeder  einzelnen  heute  wieder  beschränkt.  Es  tritt  die  im  2.  Kapitel ­
  erwähnte  technische  Spezialisation  auch  im  Norden  des  Bezirkes ­
  infolge  technischer  Fortschritte  beim  Schächteabteufen  mehr
auf.  Wird  doch  bei  zu  langen  Strecken  die  F'örderung  und  die
Wetterführung  (Hitze  und  Menge)  zu  schwierig 2 ).  Hiermit  ist  also
die  Grenze  der  Konzentration  des  technischen  Betriebes  gegeben.  —
Wenn  sich  nun  heute  bereits  die  Ansätze  zum  Trust  zeigen,  wie
ist  dann  die  Beziehung  zwischen  Trust  und  Gesetz  des  abnehmenden ­
  Ertrages?  Allgemein  kann  man  sie  so  ausdrücken:-während
kartellartige  Gebilde  den  Schwerpunkt  ihrer  Politik  in  den  Preis
ihrer  Produkte  verlegen,  legen  ihn  trustartige  Gebilde  in  die
Gestaltung  des  Produktions  prozesses.  Dies  letzte  wollte
man  im  Ruhrbezirke  bereits  einmal  tun  und  zwar  Mitte  der
1880er  Jahre 8 ).  Dieser  Plan  der  Vertrustung  kleidete  sich  in
die  Form  einer  gemeinsamen  Wasserhaltung.  Man  wollte  also
die  nicht  enden  wollende  Zeit  der  Depression  seit  1873
durch  eine  höhere  Wirtschaftsform  lindern.  Aber  die  Zeit
war  noch  nicht  erfüllet,  wohl  instinktiv  ahnten  die  Beteiligten,  dass
ihre  noch  so  geliebte  Selbständigkeit  dann  vollends  verloren  sei.
Es  kam  dann  bald  der  Aufschwung  der  Konjunktur  und  darauf
die  Zeit  des  Rheinisch-Westfälischen  Kohlensyndikats,  das  stets
betonte,  der  innere  Betrieb  sei  selbständig,  damit  habe  es  nichts
zu  tun,  es  sei  eine  Vereinigung  selbständiger  Unternehmer.  Gerade ­
  heute  wird  dies  wieder  ganz  besonders  stark  betont,  während ­
  gleichzeitig  in  Zeitschriften  der  Plan  einer  Zentralisation  der
Wasserhaltung  im  Ruhrkohlenbecken  an  Interesse  gewinnt 4 ).
Wie  ist  die  Technik  dieser  Zentralisation  und  wie  sind  die
wirtschaftlichen  Ergebnisse  ?
Aehnlich  wie  schon  beim  alten  Stollenbetriebe  gemeinsame
Wasserhaltung  stattfand,  so  sollte  bei  jenem  Plane  die  Lösung
der  Wasser  durch  eine  gemeinsame  tiefste  Sohle  (man  rechnete
1)  Jutzi  1.  c.  3.  2)  Entw.  Bd.  II.  9.  3)  Entw.  IV.  117.
4)  Vgl.  z.  B.  die  Erörterung  in  der  Berg-  u.  Hiittenm.  Ztg.  1900.  607  ff.
        <pb n="109" />
        102

damals  539  m)  stattfinden.  Auf  diese  sollten  die'  Wasser  durch
verschiedene  Hauptlösungslinien  und  Querschläge  gesammelt  und
dann  zutage  gehoben  werden.  Statt  der  1885  benötigten  265
Wasserhaltungsmaschinen  würden  dann  nur  13  grosse  nötig  sein 1 ),
damit  aber  würde  eine  grosse  Verminderung  der  sog.  unproduktiven ­
  Selbstkosten,  die  in  erster  Linie  von  der  Wasserhaltung  verursacht ­
  werden,  eintreten.  War  doch,  um  ev.  Reservekräfte  zu
haben,  die  Leistungsfähigkeit  der  vorhandenen  Maschinen  3—4  mal
grösser,  als  für  die  eigentlich  zu  hebenden  Wasserzuflüsse  nötig
war.  Dazu  kommt,  dass  mit  der  Zunahme  der  Fördermenge  der
einzelnen  Zechen,  noch  dazu  aus  tieferen  Sohlen,  die  Wältigung
der  Grubenwasser  immer  schwieriger  und  kostspieliger  wird,  noch
verschärft  durch  die  Dezentralisation,  die  eintritt,  wenn  neue  Maschinen ­
  eingestellt  werden.
Im  Jahre  1900  gab  es  im  Ruhrkohlenbezirke  424  betriebene
Wasserhaltungen 2 ).  Es  entfielen  im  Jahre  1885  in  Westfalen  auf
1  cbm  minütlichen  Wasserzufluss  130000  t  Jahresproduktion,  1899
170  000  t.  Im  Saarbezirke  kamen  1885  auf  1  cbm  min.  Wasserzufluss ­
  schon  260000  t  und  in  England  brauchen  manche  Gruben
fast  gar  keine  künstlichen  Vorrichtungen  zur  Wasserhaltung 8 ).
Man  sieht,  wie  gerade  durch  eine  wirtschaftlichere  Organisation
dieses  wichtigen  Betriebszweiges  unter  sonst  gleichen  Verhältnissen
die  Produktionskosten  sehr  verringert  werden  würden,  gleiche
Produktionskosten  also  eine  Suspension  des  Gesetzes  des  abnehmenden ­
  Ertrages  bereits  bedeuten,  wenn  dabei  schwierigere
Flötze  gewonnen  werden.  Bis  jetzt  hat  man  sich  noch  immer
mit  Verbesserungen  geholfen,  die  im  Prinzip  nur  Fortschritte  von
etwas  bereits  Vorhandenem  sind.  Statt  der  langsam  laufenden  und
für  den  Schacht  nicht  ungefährlichen  Gestängemaschinen  hat  man
die  unterirdisch  betriebenen  schnell  laufenden  Rotations-Dampfmaschinen ­
  zum  Betrieb  der  Druckpumpe  eingeführt,  die  geringere
Anschaffungs-  und  geringere  Betriebskosten  bedeuten.  Ausserdem
gewähren  sie  eine  grössere  Betriebssicherheit.  Es  gibt  Wasserhaltungsanlagen ­
  mit  Dampfbetrieb:  Maschinen  über  und  unter
Tage;  es  gibt  hydraulische  Wasserhaltungen  und  es  gibt  elektrisch
betriebene  Wasserhaltungen 4 ).  Namentlich  diese  letzten  bedeuten
einen  grossen  Fortschritt,  so  dass  sie  z.  B.  im  Ruhrbezirke  seit
Anfang  der  1890er  Jahre  den  Siegeszug  angetreten  haben.  Bis
1)  Entw.  Bd.  IV.  117.  2)  Entw.  IV.  145.
3)  Entw.  IV.  113.  4)  Entw,  IV.  243.
        <pb n="110" />
        103

1900  war  die  grösste  Wasserhaltung  hier  die  1898  in  Betrieb  gesetzte
Anlage  der  Zeche  Ver.  Maria,  Anna  und  Steinbank  mit  752  P.S.
Motorleistung.  Die  elektrische  Wasserhaltung  bedeutet  für  die
tiefen  und  hochbelasteten  Schächte  einen  grossen  Vorteil  hinsichtlich ­
  Wirtschaftlichkeit,  Betriebssicherheit  und  Raumersparnis 1 ),
erfordert  jedoch  auch  manche  neue  Vorsicht.  Heute  werden  nur
noch  unterirdische  Wasserhaltungsmaschinen  gebaut 2 ).
Um  noch  einige  Zahlen  anzuführen,  die  jedoch  nicht  allgemeine ­
  Gültigkeit  haben,  sei  erwähnt,  dass  bei  einer  Anzahl  Wasserhaltungen ­
  im  Ruhrbezirke  die  Gesamtbetriebskosten  (10%  Amortisation ­
  und  Verzinsung,  Dampf  und  Unterhaltungskosten)  pro
P.S.  in  gehobenem  Wasser  sich  belaufen  auf:
bei  Dampfwasserhaltungen  2,57—9,66  Pf.  Die  Anlagekosten
betrugen  (Maschinenraum  und  Maschine  inklusive  Rohrleitungen)
385704  bezw.  134000  M.;
bei  hydraulischer  Wasserhaltung  z.  B.  auf  5,46  Pf.  bei  M.
326  500  Anlagekosten  und
bei  elektrischer  Wasserhaltung  z.  B.  5,67  Pf.  bei  218  000  M.
Anlagekosten s ).  (Alle  absoluten  Zahlen  stehen  infolge  der  Maschinenpreise ­
  bei  diesem  Betriebszweige  ganz  besonders  unter
dem  Einflüsse  der  Konjunktur;  es  ist  aber  das  Verhängnis  dieses
Betriebszweiges,  dass  gerade  in  Blütezeiten  grosse  Neuanschaffungen ­
  4 )  nötig  werden.)
Bei  der  Wichtigkeit  einer  möglichst  billigen  Wasserhaltung
für  lohnenden  Betrieb  wird  aber  einmal  jenes  geschilderte  gewaltige ­
  Projekt  einer  gemeinsamen  Wasserhaltung  für  den  grössten
Teil  eines  ganzen  Kohlenbeckens  sich  verwirklichen 6 ):  es  wird
der  Weg  dann  der  umgekehrte,  aber  in  der  Entwicklung  notwendig ­
  begründete  sein.  Man  wollte  durch  eine  gemeinsame
Wasserhaltung  die  Betriebe  (technisch  und  wirtschaftlich)  näher
aneinander  bringen.  Aber  die  dargelegte  Entwicklung  schafft
erst  einmal  wenige  oder  eine  grosse  Bergwerksgesellschaft,  und
erst  hierbei  wird  jener  grosse  kostensparende  Fortschritt  ermöglicht ­
  sein:  ein  Unternehmerwille  ist  zu  dem  Plane  notwendig,
1)  Entw.  IV.  316.  2)  Entw.  IV.  367.
3)  Entw.  IV.  370.  4)  Entw.  IV.  144.
5)  Werden  dann  unrentable  Zechen  (z.  B.  im  wasserreichen  südlichen  Ruhrrevier) ­
  stillgelegt,  so  scheidet  ihre  Wasserhaltung  nicht  mehr  aus  dem  Gesamtbetriebe ­
  aus.  Bei  isolierten  Betrieben  kann  eine  mit  der  Stilllegung  einhergehende
Ausserbetriebsetzung  einer  Wasserhaltung  diese  Last  einer  oder  mehreren  Nachbarzechen ­
  aufladen  und  sie  so  technisch  und  wirtschaftlich  schwer  schädigen.
        <pb n="111" />
        104

die  Integrität  auch  der  technischen  Betriebe  zu  vernichten.  Wohl
ist  im  Anfänge  des  19.  Jahrhunderts  der  Kleinbetrieb  infolge
Schwierigkeit  der  Wasserlösung  und  des  Betriebes  überhaupt  geschwunden, ­
  wohl  sind  im  Laufe  der  ersten  Jahrzehnte  desselben
Jahrhunderts  zahlreiche  Vereinigungen  der  einzelnen  kleinen  Gruben
ebenfalls  zu  gemeinschaftlicher  Lösung  und  zu  gemeinschaftlichem
Betriebe  entstanden  1 ),  aber  die  damals  gemachte  Erfahrung,  dass
solche  Gemeinsamkeit  zur  Konsolidation  benachbarter  Felder  auch
ein  einheitliches  wirtschaftliches  Ganze  hervorgebracht  hat,  wird
man  heute  nicht  mehr  wegen  des  durchaus  noch  sehr  grossen
Einflusses  der  Wasserhaltung  auf  den  Betrieb  machen.
Was  heute  prädominierend  auf  die  Konzentration  einwirkt,  ist  in
allererster  Linie  in  der  Förderung  begründet;  machte  doch
der  Anteil  der  bei  der  Förderung  investierten  Pferdestärken  im
Reg.-Bez.  Arnsberg  31,0%,  im  Reg.-Bez.  Düsseldorf  35,9  %  und
im  Reg.-Bez.  Münster  gar  44,0  %  der  jeweiligen  Gesamtpferdestärken ­
  aus,  während  die  Sätze  bei  der  Wasserhaltung  26,0;  22,3
und  16,0%  waren.
Doch  das  wichtigste,  was  ein  einheitlicher  Unternehmerwille
nur  lösen  könnte,  wäre  ein  vollständig  plan  massiger  Abbau. ­
  Auch  hierhin  drängt  die  historische  Entwicklung.
Heute  werden  schon  nicht  mehr  einfach  die  durch  die  Vorrichtung ­
  geschaffenen  Wege  zur  Förderung  zum  Schachte  benutzt; ­
  denn  diese  Planlosigkeit  hat  auf  schnellen  Gewinn  erpichte
Gesellschaften  oft  zum  völligen  Aufgeben  des  Betriebes  gezwungen ­
  2 ),  darum  wird  heute  allgemein  eine  gute  Ausrichtung  als
selbstverständlich  gefordert.  Die  Natur  des  Bergbaues  hat  sich
einmal  zu  gunsten  der  Volkswirtschaft  selbst  korrigiert.  Eine
Ausrichtung,  die  nicht  einfach  der  Kohle  nachgeht,  sondern  möglichst ­
  alles  gewinnen  will,  bedeutet  damit  einen  völligeren  Abbau
der  Kohlenschätze.  »Flötzstärken  namentlich  an  den  Feldesgrenzen, ­
  auf  deren  Abbau  man  früher  verzichtete,  da  die  Kohlen
wegen  der  schlechten  Verbindung  dieser  Strecken  mit  dem  Schachte
zu  teuer  geworden  wären,  werden  heute  ohne  Anstand  gewonnen«;
sodann  wird  nicht  jedes  Flötz  einzeln  ausgerichtet,  sondern  das
Feld  bis  zu  ewiger  Teufe,  und  so  werden  auch  kleine  Flötze  bei
der  Ausrichtung  gewonnen  3 ).
Weiter  findet  heute  der  Abbau  von  der  Feldesgrenze  zum
1)  Entw.  IV.  117.
3)  Entw.  Bd.  II.  13.  32.

2)  Entw.  Bd.  II.  13.
        <pb n="112" />
        —  105  —
Schacht  bereits  Eingang.  Dieser  erfordert  aber  grosse  Kapitalkraft ­
  1 ),  müssen  doch  die  Unternehmer  nach  dem  Anfahren  des
Flötzes  etwa  noch  2—3  Jahre  warten,  um  regelrecht  mit  der  Ausrichtung ­
  die  Feldesgrenze  zu  erreichen.  Dann  aber  sind  hiermit
eminente  Vorteile  erreicht  z.  B.  bei  der  Förderung.  Besonders
aber  fällt  die  kostspielige  Erhaltung  des  »alten  Mannes«  fort.
Rechnet  man  hinzu,  welche  Vorteile  bereits  heute  die  Bergewirtschaft ­
  dem  Grubenhaushalte  bringt,  die  durch  eine  darin
befindliche  Planmässigkeit  für  einen  grossen  Bezirk  noch  sehr
stark  sich  vergrössern  würden,  so  sieht  man  schon  am  Kinde,
wie  gewaltig  der  Mann  sich  einmal  auszeichnen  wird.
Ein  grosser  planmässiger  Abbau  wird  dann  weiter  wirtschaftlich ­
  die  Kohlenschätze  geradezu  vermehren.  Heute  müssen  nämlich ­
  sehr  viele  sog.  Sicherheitspfeiler  in  Kohle  stehen  bleiben,
deren  Gewinnung  z.  B.  an  den  Feldesgrenzen  so  gut  wie  ausgeschlossen ­
  ist.  Ein  planmässiger  Abbau  eines  grossen  ganzen  Gebietes ­
  aber  hätte  seine  Grenzen  ja  nur  an  dem  natürlichen  Kohlenvorkommen. ­
  Bei  ihm  könnte  man  innerhalb  des  Gebietes  die
Schächte  jeweils  an  dem  Orte  niederbringen,  von  dem  aus  der
Abbau  am  geeignetsten  möglich  wäre.
Ein  Trust  würde  also  die  grösstmögliche  Planmässigkeit  im
technischen  Betriebe,  verbunden  mit  den  Vorteilen  grösster  Kapitalkonzentration, ­
  ermöglichen,  er  würde  ferner  die  zu  einer  solchen
Planmässigkeit  notwendigen  Kapitalien  (man  denke  nur  an  Schächte
und  Strecken)  verteilen  nach  dem  Prinzipe  einer  Versicherung
und  damit  den  Hunger  nach  Früchten,  der  heute  im  isolierten
Betriebe  die  Planmässigkeit  beim  Abbau  erschwert,  befriedigen
können.  Bei  seinem  Absätze  aber  würde  ein  Trust  die  Vorteile
einer  horizontalen  »Kombination«  haben  :  er  könnte  den  Abbau
jeweils  entsprechend  der  Nachfrage  nach  den  einzelnen  Kohlensorten ­
  regeln  und  den  Konsumenten  auch  in  dieser  Beziehung
etwas  mehr  zu  Worte  kommen  lassen,  als  es  heute  das  Kartell
tut.  Und  obendrein  könnte  ein  Trust  die  notwendige  Kohlenmenge ­
  aus  weniger  aber  dafür  kontinuierlich-intensiv  fördernden
Betrieben  gewinnen,  als  heute  möglich  ist.
So  wird  ein  Trust  das  Gesetz  des  abnehmenden  Ertrages
wirtschaftlich  suspendieren  können:  nicht  mehr  jedoch  im  Preise
wie  die  Kartelle,  sondern  im  Produktionsprozesse.  Er  hat  gar

1)  Entw.  Bd.  II.  47.
        <pb n="113" />
        —  io6  —
kein  Interesse,  den  Betrieb,  der  ungünstiger  lebt,  als  der  Preis  es
zulässt  und  die  Nachfrage  erfordert,  am  Leben  zu  erhalten.  Denn
mit  dem  Trust  ist  die  innere  Konkurrenz  ausgeschaltet.
Den  Arbeitern  gegenüber  würde  der  Trust  nicht  mehr  die
den  Ertrag  schädigende  Zersplitterung  der  Bergbaubetriebe  bei
der  Lohnregulierung  geltend  machen  können,  und  den  Kohlenkonsumenten ­
  gegenüber  wäre  ja  das  Interesse  durch  den  jeweils
billigsten  Produktionsprozess  gewahrt.  Ja,  der  Trust  kann  seinen
Kohlenpreis  billiger  stellen,  als  den  Produktionskosten  seines  am
ungünstigsten  produzierenden  technischen  Betriebes  entspricht;
denn  die  Dififerentialrente  wirkt  nun  innerhalb  eines  wirtschaftlichen ­
  Betriebes  und  ermöglicht  so  bei  einer  der
Epoche  entsprechenden  Rentabilität  der  im  Steinkohlenbergbau
investierten  Kapitalien  (im  Kreise  der  jeweiligen  Nachfrage)  eine
Kohlengewinnung  schwierigerer  Plötze  »auf  Kosten«  der  mit  grösster ­
  Rente  zu  gewinnenden  ’).
i)  Aus  dem  Gesagten  erhellt  auch  die  Absurdität  eines  Vorschlages,  den  einmal ­
  der  Bergrat  Triebei  gemacht  hat  (vgl.  seinen  Aufsatz:  die  Wahrung  der  Nachhaltigkeit ­
  des  Steinkohlenbergbaues  im  Wege  der  Steuergesetzgebung  in  den  Jahrb.
f.  Nationalök.  u.  Stat.  N.  F.  XVIII.  Bd.  287  f.).  Er  will  im  Wege  der  Steuergesetzgebung ­
  durch  eine  Flötzsteuer  die  Nachhaltigkeit  des  Abbaues  erzwingen,  d.  h.
künstlich  die  geringeren  bezw.  teurer  zu  bauenden  Flötze  durch  progressive  Belastung ­
  der  billiger  zu  bauenden  zur  Gewinnung  »rentabler«  machen.  Die  Bruttosteuer,
an  die  dieser  Vorschlag  sich  knüpfte,  ist  (bis  auf  die  Privatregale)  gefallen  und  damit ­
  auch  die  einzige  Stärke  dieses  Vorschlages  aus  dem  Jahre  1889.  Denn  die  Bruttosteuer ­
  machte  schon  an  sich  das  Gesetz  des  abnehmenden  Ertrages  eher  geltend.
Setzen  wir  nämlich  einen  Preis  von  10  M.  pro  t  und  2  Proz.  Bruttosteuer,  so  bedeutet
dies  eine  Belastung  von  20  Pf.  pro  t,  d.  h.  ein  Flötz  kann  ohne  solche  Belastung
noch  gewonnen  werden,  jedoch  macht  sich  mit  ihr  das  Ges.  des  abn.  Ertrages
»um  20  Pf.  eher«  geltend.  Und  dies  ist  sehr  einflussreich,  denn  trotz  aller  Phantasien ­
  eines  mehr  oder  weniger  »geschlossenen  Handelsstaates«  konkurriert  heute
noch  die  Kohle  sowohl  selbst  auf  dem  Weltmärkte,  als  auch  ihr  Preis  ein  sehr  wichtiges ­
  Moment  ist,  das  bei  der  Konkurrenzmöglichkeit  der  auf  sie  angewiesenen  Industrie ­
  in  Betracht  zu  ziehen  ist.  —  Es  möge  hier  auch  unter  Plinweis  auf  die  obigen
textlichen  Ausführungen  über  die  Vorteile  des  Trusts  ein  Vorschlag  Schmollers  (vgl.
sein  Jahrbuch  1891:  1028:  die  geschichtliche  Entwickelung  der  Unternehmung)  abgelehnt ­
  sein.  Schmoller  variiert  nämlich  in  concreto  einen  Lieblingsgedanken,  indem
er  unter  Verkennung  der  ganz  anderen  Betriebsbedingungen  und  Betriebszwecke ­
  den  Bergwerken  eine  Stellung  wie  etwa  der  Reichsbank  geben  will,  d.  h.  der
Reinertrag  soll,  soweit  er  4  oder  5  Proz.  überschreitet,  zwischen  Staat  und  Privatgesellschaft ­
  »in  irgend  welcher  Form«  geteilt  werden.  Warum  sollte  der  Staat,  da  er
konsequent  auch  einen  bestimmten  Reinertrag  garantieren  müsste,  dann  nicht  einfach
die  Gesellschaften  expropriieren  und  sie  mit  entsprechend  verzinslichen  Obligationen
abfinden?
        <pb n="114" />
        All  das  Erwähnte  kann  eintreten  bei  einem  Trust,  bei  einem’
Kartell  jedoch  nie.  Ob  es  eintreten  wird  bezw.  dass  es  eintreten ­
  soll,  kann  wohl  kein  Gesetzgeber  im  Gesetze  bestimmen.
Und  nur  balanzierte  Machtverhältnisse  werden  dazu  zwingen,  dass
das  dem  Truste  Innewohnende  auch  ausgelöst  wird.  Sie  sind
in  sozialer  Hinsicht  bedingt  durch  kräftige  Koalitionen  der
Arbeiter,  denen  ein  den  Unternehmerkoalitionen  völlig  gleiches
Recht  zu  geben  ist.  Ausserdem  hat  ihnen  der  Staat  mit  seiner
Arbeiterschutzgesetzgebung  zu  Hilfe  zu  kommen,  auf  dass  nicht
die  in  ihren  Herzogtümern  residierenden  mächtigen  modernen
Lehensherren  eine  neue  Hörigkeit  über  einen  grossen  Teil  des
Volkes  bringen.
In  wirtschaftlicher  Hinsicht  ist  es  der  fremde  Konkurrent, ­
  der  davor  schützt,  dass  ein  Trust  mit  seinen  Produkten
einen  Handel  treibt,  der  an  die  Zeiten  erinnert,  in  denen  Handel
und  Raub  noch  wesensverwandte  Begriffe  waren.  Dieses  Problem
aber  läuft  auf  eine  Umgestaltung  der  heutigen  deutschen  Handelspolitik ­
  hinaus,  gegen  die  sich  eine  zum  Trust  verschmolzene
schwere  Industrie  eigentlich  seinerzeit  nicht  mehr  wehren  kann  ;
denn  es  gibt  ja  keine  »schwachen«  Betriebe  mehr  zu  schützen.
        <pb n="115" />
        io8

Anhang.

Es  handelt  sich  hier  lediglich  darum,  in  den  5  Gebieten:
Oberbergamtsbezirk  Dortmund,  Oberschlesien,  Niederschlesien,
Saar-  und  Aachener  Gebiet  das  Verhältnis  zwischen
Lohn  und  Kohlenpreis  in  den  das  Material  nur  liefernden
Jahren  1886—1902  festzustellen.  Es  sind  eingehendere  Berechnungen ­
  um  so  mehr  nötig,  als  sehr  häufig  einzelne  Jahre  herausgegriffen ­
  werden,  was  dann  zu  falschen  Schlüssen  führt.  Dies
erklärt  sich  vielleicht  daraus,  dass  die  amtliche  Statistik  sich
meistens  begnügt,  absolute  Zahlen  zu  geben,  und  es  natürlich  kein
Vergnügen  für  den  Prüfenden  ist,  viele  trockene  Zahlen  rechnerisch ­
  zu  bewältigen.
Wir  schicken,  bevor  wir  zu  den  Resultaten  übergehen,  eine
Zahlenmasse  als  statistische  Unterlage  voraus,  von  der  die  absoluten ­
  Zahlen  jeweils  in  dem  betreffenden  Jahrgange  der  Preuss.
Zeitschrift  zu  finden  sind;  die  relativen  Berechnungen  daraus  sind
vom  Verf.  gemacht.

Es  betrug':

Jahr

die
Produktion

der
Erlös

die
Löhne

der  Anteil
der  Löhne
am  Erlös

der  Lohn
pro  t
Kohlenproduktion ­


der  Preis
pro  t
(Haldenwert) ­


in  1000  t

in  1000  M.

in  1000  M.

•  %

M.

M.

Oberberga

im  tsb  ezir

ic  D  0  r  t  m  u

n  d.

1886

28497

133  747

77  iss

57,7

2,71

4,66

1887

30  iS°

140038

78  430

56,0

2,60

4,62

1888

33  2 24

1 59  459

88  211

55,3

2,66

4,78

1889

33  855

184  971

105  476

57,0

3.12

5,45

1890

35  469

282  442

'3 2  339

46,9

3,73

7,94

I  891

37  402

312  780

146  172

46,7

3,9i

8,34

1892

36  854

271  664

1  34  930

49,7

3,66

7,35

1893

38613

247  557

134  616

54)4

3,49

6,40

1894

40  613

258  847

142  480

55.0

3,5i

6,36

lS95

41  146

273  933

145  456

53.i

3,54

6,65

1896

44  893

3°4  005

162  705

53.5

3.62

6,77

1897

48  424

340  571

192  945

56,7

3,99

7,03

1898

51  002

373  036

218  539

58,6

4,29

7,32
        <pb n="116" />
        109

Jahr

die
Produktion

der
Erlös

die
Löhne

der  Anteil
der  Löhne
am  Erlös

der  Lohn
pro  t
Kohlender ­

  Preis
pro  t
(Haldenproduktion ­



wert)

in  1000  t

in  1000  M.

in  1000  M.

%

M.

M.

1899

54641

418374

249  965

59,8

4,58

7,66

1900

59  619

508  797

293  008

57,6

4,92

8,53

1901

58  448

512  185

289  791

56,6

4,96

8,76

1902

58039

486  775

267  6x4

54,9

4,61

8,39

seit  1886

+  •03.6%

+  263,9  %

+246,7%

—4,9%

+70,1%

+  80,0%

Oberschlesien.

1886

13  0I 8

50698

19  638

38,7

1,51

3,89

1887

i3°93

49  601

19659

39,6

1,50

3,79

1888

14449

54461

21098

38,7

1,46

3,77

1889

15  753

61825

24  810

40,  X

1,58

3,92

1890

16  870

84  651

32  429

38,3

1,92

5,02

1891

17  726

99  726

37  059

37,1

2,09

5,63

1892

16  437

92  663

36052

38,9

2,19

5,64

1893

17  110

95  799

34992

36,5

2,05

5,6o

1894

17  207

93  812

34729

37,0

2,02

5,45

189S

18  866

98  816

35  374

35-8

1,88

5,47

1896

19613

107  871

38  049

34,5

1,94

'  5,50

1897

20  628

115  369

40  661

35,2

1,97

5,59

1898

22  490

I3 1  301

45  359

34,5

2,02

5,84

1899

23  470

146  097

49676

34,o

2,12

6,22

1900

24  829

184  586

59  995

32,5

2,42

7,43

1901

25  252

213054

67  312

31,6

2,67

8,44

1902

24485

»95  318

64  947

33,2

2,65

7,98

seit  1886

+  884%

+  286,0%

+  230-7%

—  »4,2%

+75,5%

+  105,1%

N

iedersclilesien.

1886

2  978

17  638

7  727

43,8

2,59

5,92

1887

3  094

18  152

8  494

46,7

2,72

5,87

1888

3  193

iS  551

8  800

47,4

2,75

5,8i

1889

3  248

20  668

9  856

47,7

3,03

6,36

1890

3205

25  565

11  650

45,6

3,63

7,98

1891

3  386

28  004

1  2  649

45,2

3,73

8,27

1892

3412

26  810

12  9x0

48,1

3,78

7,86

1893

3  596

26  652

&amp;gt;2  553

47,1

3,49

7,4i

1894

3687

26  043

12  487

47,9

3,39

7,06

&amp;gt;895

3  877

27  274

13  150

48,2

3,39

7,03

1896

4  066

28  434

13  932

49,0

3,43

6,99

1897

4  147

29  243

14839

50,7

3,58

7,05

1898

4  366

3»  584

15  861

50,2

3,63

7,23

1899

4489

34  389

17  307

50,3

3,86

7,65

1900

4767

43  825

20  145

45,9

4,23

9,i9

1901

4709

48  251

20  996

43,5

4,46

10,25

1902

4  57°

4i  936

19214

45,8

4,20

9,iS

seit  1886

+  53.4%

+  137,7%

+  148,6%

+  4,5  %

+62,1%

+  55,o%

Saargebiet.

1886

6003

44  394

19  982

45,0

3,33

7,40

1887

6  154

44  336

19  725

42,5

3,21

7,20

1888

6  4t9

46  726

20  543

43,9

3,20

7,28

1889

6  276

50  575

23  948

47,4

3,82

8,06

1890

6  389

69  563

30  676

44,1

4,80

10,89

1891

6552

69  0x9

32  859

47,6

5,02

10,53

1892

6  393

63  748

3»  072

48,7

4,86

$.97
        <pb n="117" />
        I  IO

Jahr

die
Produktion

der
Erlös

die
Löhne

der  Anteil
der  Löhne
0  m  rf  rlöc

der  Lohn
pro  t
Kohlender

  Preis
pro  t
(Haidend.111

  I5UU5

produlction

wert)

in  1000  t

in  1000  M.

in  1000  M.

%

M.

M.

1893

6  024

55  077

25  641

46,4

4,25

9,H

1894

6  723

59  512

27  682

46,5

4,11

8,83

1895

7  023

62  506

28  424

45,5

4,05

8,90

1896

7  821

70  296

3'  3°5

44,5

4,00

8,99

1897

8.358

77  419

33  647

43,5

4,03

9,26

1898

8883

83  9S8

36  397

43,3

4,10

9,45

1899

9  127

92  262

38  779

42,0

4,25

IO,I  1

1900

9491

1  io  491

42  057

38,1

4,43

11,64

1901

9  460

II9  73I

43  703

36,5

4,62

12,66

1902

9  572

112  071

44  247

39,4

4,62

1 1,71

seit  1886

+  59,4%

+  152,4%

+■  121,4%

—  12,4%

+  32,4%

+  58,2%

Geb

ie  t  bei  A

a  c  h  e  n.

1889

1412

8  342

5887

70,6

4,17

5,9i

1890

1  4S5

9762

6  973

71,4

4,7°

6,57

1891

1  485

9  603

7  607

79,2

5,12

6,47

1892

1  405

8  263

7  054

85,4

5,02

5,88

1893

■  438

8441

6  954

82,4

4,84

5,87

1S94

1  528

8  95&amp;gt;

6  946

77,6

4,55

5,85

1895

1  607

9971

7  422

74,4

4,62

6,21

1896

1  669

12  867

7  843

61,0

4,7°

7.7i

1S97

1  763

12  238

8  773

71,7

4,98

6,94

1898

1  804

13  321

9637

72,3

5,34

7,38

1899

1  764

I48I4

10  710

72,3

6,07

8,40

1900

1  771

16  662

12  521

75,1

7,07

9,41

1901

1893

17  609

13  6 47

77,5

7,21

9,3°

1902

1  992

17  904

13  833

77,2

6,94

8,99

seit  1886

+  41,0%

+  H4,6%

+134,9%

+9,3%

+  66,4  %

+  52+/0

Für  die  in  den  folgenden  Zeilen  mitzuteilenden  Ergebnisse
genügt  es,  die  3  Zahlenreihen  rechts  zu  betrachten.

Die  Preise.
In  dem  Zeiträume  1886—1902  finden  wir  die  höchsten  Preise
im  Saargebiete.  Der  Uebersichtlichkeit  halber  seien  die
höchsten  bezw.  niedrigsten  Preise,  also  die  Eckpunkte  der  Kurven
aus  obigen  Zahlen  noch  einmal  angeführt.
1886  1887  1890  1894  1901  1902
7,40  7,20  10,89  8,83  12,66  11,71.
Es  folgen  dann  die  Preise  in  Niederschlesien,  O.B.B.  Dortmund ­
  und  im  Aachener  Gebiete.
Die  Reihenfolge  ist  1886:  Niederschlesien  5,62  M.
pro  t,  Aachen  5,45,  Dortmund  4,66.  Seit  1888  steigen  in
allen  Gebieten  die  Preise  und  zwar  in  Dortmund  und  Niederschlesien ­
  bis  1891.  Jetzt  aber  hat  der  Preis  pro  t  in  Dortmund
        <pb n="118" />
        111

(8,34)  den  von  Niederschlesien  (8,27)  überholt.  Der  Preis  im
Aachener  Gebiete  steigt  nur  bis  1890  auf  6,57  M.  pro  t.  1891
ist  demnach  die  Reihenfolge:  Dortmund,  Nieder  Schlesien,
Aachen.  In  allen  3  Gebieten  fallen  dann  bis  1894  die  Preise
und  zwar  1892  und  1893  in  Dortmund  besonders  stark.  Jetzt
(1  894)  ist  die  Reihenfolge:  Niederschlesien  7,06  M.  pro  t,
Dortmund  6,36  M.  und  Aachen  5,85  M.  Von  1894—1897
zeigt  sich  ein  allmähliches  Anziehen  der  Preise  (Aachen  schnellt
1896  auf  7,71  M.  pro  t),  sodass  1897  sich  folgendes  Bild  ergibt:
Nieder  Schlesien  7,05  M.,  Dortmund  7,03  M.  und
Aachen  6,94  M.  pro  t.  Nun  steigen  die  Preise  stetig:  Niederschlesien ­
  1901  auf  10,25  M.,  Aachen  1900  auf  9,41  M.
und  Dortmund  1901  auf  8,76  M.  Bis  1902  fallen  die  Preise  :
Nieder  Schlesien  auf  9,18  M.,  Aachen  8,99  M.  und  Dortmund ­
  8,39  M.
Der  Preis  im  O.B.B.  Dortmund,  dem  grössten  deutschen
Bergbaubezirke,  hat,  was  absolute  Höhe  anlangt  sowie  die  Bewegung ­
  von  Jahr  zu  Jahr,  im  Verhältnis  zu  allen  andern  Bezirken
eine  ruhige  Entwicklung  gezeigt.  Er  war  1901  nur  42  Pf.  höher
als  1891,  in  Niederschlesien  dagegen  1,98  Pf.,  im  gleich  zu  behandelnden ­
  Oberschlesien  gar  um  2,35  M.  Aber  1902  war  ja
auch  der  Preissturz  im  O.B.B.  Dortmund  nicht  so  stark.  Es  dürfte
jedoch  ratsam  sein,  über  die  im  Vordergründe  des  Interesses
(und  mit  Recht!)  stehende  Preispolitik  des  Rheinisch-Westfälischen
Kohlensyndikats  die  Zustände  der  Preise  in  den  andern  Kohlenbezirken ­
  nicht  zu  übersehen.  Denn  nicht  immer  beherrscht  der
Schüler  sich  so  wie  der  Meister.
Tief  unten  steht  im  Jahre  1886  mit  3,89  M.  der  Preis  pro  t
Kohle  in  Oberschlesien.  Er  sinkt  bis  1888,  um  dann  1891
auf  5,63  M.  zu  steigen.  Dann  beobachten  wir  bis  1894  ein  ganz
geringes  Fallen  auf  5,45  M.  Der  Preis  steigt  darauf  langsam  bis
1897  auf  5,84  M.,  um  dann  stark  bis  1901  auf  8,44  M.  emporzuschnellen. ­

Somit  ist  1902  die  Reihenfolge  in  den  Preisen:  Saargebiet ­
  11,71  M.,  N  i  e  d  e  r  s  c  h  1  e  s  i  e  n  9,18  M.,  Aachen  8,99  M.,
O.B.B.  Dortmund  8,39  M.  und  Oberschlesien  7,98  M.  pro  t.
Der  Lohn  pro  t  Kohlen.
Er  ist  mit  Ausnahme  des  Jahres  1890  am  grössten  beim
Steinkohlenbergbau  bei  Aachen.  Er  beträgt  hier
        <pb n="119" />
        1  12

1889  1891  1894  1896  1901  1902
447  542  4.5  5  4,7°  7.21  6,94.

Es  folgen  dann  die  Gebiete  O.B.B.  Dortmund  und  an  der  Saar,
bei  denen  die  Lohnkurven  sich  schneiden.  Im  Jahre  1886  finden
wir  an  der  Saar  3,33  M.  Lohn  pro  t,  im  O.B.B.  Dortmund
2,71  M.  Seit  1888  steigt  der  Satz  in  beiden  Gebieten  rapide  bis
1890,  langsamer  1891,  sodass  er  in  diesem  Jahre  an  der  Saar
5,02  M.,  im  O.B.B.  Dortmund  jedoch  nur  3,91  M.  beträgt.  Bis
1893  fallen  dann  wieder  die  Löhne  pro  t  und  zwar  an  der  Saar
auf  4,25  M.;  im  O.B.B.  Dortmund  auf  3,49  M.  Seit  1893  gehen
nun  in  beiden  Gebieten  die  Wege  auseinander.  Es  fällt  der  Lohnsatz ­
  an  der  Saar  bis  auf  4,00  M.  1896,  im  O.B.B.  Dortmund
dagegen  steigt  er  in  diesem  Zeitraum  (1893—1896)  auf  3,62  M.
pro  t.  Seit  1896  steigt  der  Lohnsatz  für  den  O.B.B.  Dortmund
stetig  bis  auf  4,96  M.  pro  t  1901.  Er  hat  1896  den  bis  dahin
stets  höheren  Satz  im  Saargebiete  überholt.  In  diesem  Gebiete ­
  beträgt  er  1901  4,62  M.  Aber  1902  sinkt  der  Lohn  pro  t
im  O.B.B.  Dortmund  auf  4,61  M.  pro  t,  er  ist  damit  1  Pf.
unter  dem  des  Saargebietes.
Am  niedrigsten  ist  der  pro  t  Kohle  gezahlte  Lohn  in  Oberschlesien. ­
  Er  betrug  1886  1,51  M.  pro  t.  Er  steigt  dann  von
1888  (1,46  M.)  auf  2,19  M.  im  Jahre  1892,  fällt  bis  1895  auf  1,88  M.,
um  bis  1901  auf  2,67  M.  zu  fallen  und  1902  2  Pf.  niedriger  zu  sein.
Es  war  demnach  im  Jahre  1902  die  Reihenfolge  der  Preise
und  der  Löhne  pro  t  der  Grösse  nach  folgende  :

Preise
M.  11,71  Saargebiet
»  9,18  Niederschlesien
»  8,99  '  Aachen
»  8,39  O.B.B.  Dortmund
»  7,98  Oberschlesien

L  ohne
M.  6,94  Aachen
»  4,62  Saargebiet
»  4,61  O.B.B.  Dortmund
»  4,20  Niederschlesien
»  2,65  Oberschlesien.

Es  ist  also  nicht  richtig  zu  sagen,  dass  da,  wo  der  Verkaufspreis ­
  am  höchsten  ist,  es  auch  der  Lohnanteil  sei.  Die  in  obigen
Tabellen  mitgeteilten  Zahlen  über  den  Anteil  der  Löhne  am
Erlös  zeigen  dies  noch  deutlicher.
Wir  nehmen  Aachen  vorweg,  da  der  Anteil  hier  grossen
Schwankungen  unterworfen  ist.  Er  ist  jedoch  in  den  Jahren  1889
bis  1902  am  höchsten  von  den  5  Gebieten.  Er  beträgt
1889  1892  1896  1901  1902
70,6  %  85,4  %  61,0  %  77,3  %  77,2  %,
        <pb n="120" />
        er  zeigt  also  infolge  seiner  Abhängigkeit  vor  allem  von  den  (ebenfalls ­
  schwankenden)  Preisen  dieses  Gebietes  starke  Differenzen.
Anders  bei  den  übrigen  4  Gebieten.
Hier  war  der  absoluten  Höhe  des  Anteils  nach  im  Jahre
1886  die  Reihenfolge:  O.B.B.  Dortmund  (57,7%),  Saargebiet
(45,0  %),  Niederschlesien  (43,8  %)  und  Oberschlesien  (38,7  %).
Dann  sinkt  der  Anteil  im  O.B.B.  Dortmund  und  im  Saargebiete
etwas  im  Jahre  1887,  in  den  beiden  Schlesien  dagegen  steigt  er.
Im  Jahre  1889,  dem  Streikjahr,  steigt  dagegen  in  allen  Gebieten
der  Anteil,  er  beträgt  nämlich  jetzt  im  O.B.B.  Dortmund  57,0%,
in  Niederschlesien  47,7%,  an  der  Saar  47,4%  und  in  Oberschlesien ­
  40,1%.  In  den  Jahren  1890  und  1891  sehen  wir  überall ­
  (mit  Ausnahme  vom  Saargebiete  1891)  mit  der  starken  Preissteigerung ­
  ein  Fallen  des  Anteils  der  Löhne  am  Erlös  einhergehen, ­
  und  zwar  besonders  stark  im  Jahre  1890.  Im  O.B.B.  Dortmund ­
  steigt  dann  in  den  Baissejahren  1892—94  der  Anteil  der
Löhne  am  Erlös,  ebenso  mit  Ausnahme  des  Jahres  1893  in  den
andern  3  Gebieten.  Die  Jahre  1895  und  1896  sind  mit  dem  Anziehen ­
  der  Preise  die  Jahre  des  fallenden  Anteils  der  Löhne  am
Erlös.  Und  während  1897—1898  der  Anteil  im  O.B.B.  Dortmund
steigt,  fällt  bezw.  hebt  er  sich  fast  nicht  in  den  3  übrigen  Gebieten. ­
  Die  Jahre  1900  und  1901,  die  Jahre  derhohenPrei.se,
sehen  in  allen  4  Gebieten  ein  starkes  Fallen  des  Anteils
der  Löhne  am  Erlös.  Im  Jahre  1902  dagegen  hebt  er  sich  (mit
Ausnahme  O.B.B.  Dortmund)  wieder,  so  dass  wir  folgende  Reihenfolge ­
  haben  :  Dortmund  54,9  %  ;  Niederschlesien  45,8  %  ;  Saargebiet ­
  39,4  %;  Oberschlesien  33,2  %.
Ein  Gegenüberstellen  der  Preise  mit  dem  Anteil  der  Löhne
am  Erlös  1902  gibt  folgendes  Bild:

Preise
M.  11,71  Saargebiet
»  9,18  Niederschlesien
»  8,99  Aachen
»  8,39  O.B.B.  Dortmund
*  7,98  Oberschlesien

Anteil  der  Löhne  am  Erlös
%  77&amp;gt; 2  Aachen
»  54,9  Dortmund
»  45,8  Niederschlesien
»  34,9  Saargebiet
»  33,2  Oberschlesien.

Es  hat  also  das  Saargebiet  (da  Oberschlesien  sich  ausgleicht)
die  höchsten  Preise,  aber  den  niedrigsten  Lohnanteil  am  Erlös,
während  O.B.B.  Dortmund  beim  niedrigsten  Preise  den  zweithöchsten ­
  Lohnanteil  hat.
Wollen  wir  an  der  Hand  der  zuletzt  mitgeteilten  Tatsachen
einen  Schluss  über  das  Verhältnis  von  Kapital  und  Arbeit  am
Zeitschrift  für  die  ges.  Staatswissensch.  Ergänzungsheft  19.  8
        <pb n="121" />
        Preise  ziehen,  so  können  wir  sagen,  dass  besonders  die  Jahre,  in
denen  die  Preise  schnell  steigen,  die  Gewinnjahre  für  das  Kapital
sind,  dass  dagegen  in  den  Baissejahren  die  Arbeit  einen  relativ
höheren  Anteil  am  Preise  hat.  Dies  zeigt  sich  ganz  klar  im  O.B.B.
Dortmund,  auch  noch  in  Mederschlesien.  In  Oberschlesien,  ganz
besonders  an  der  Saar  aber  fällt  dagegen  seit  1894—1901  der
Anteil  der  Löhne  am  Erlös  stetig.  Es  ist  dies  bei  der  Preispolitik ­
  einerseits  und  der  Lohnpolitik  andererseits  nicht  wunderbar.
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        .T.  C.  B.  Mohb  (Paul  Sisbeck)  in t  TPbingex.
Volkswirtschaftliche  Abhandlungen  der  Badischen  Hochschulen.
Herausgegeben  von  Carl  Johannes  Fuchs,  Heinrich  Herkner,  Karl  Rathgen,
Gerhard  von  Schulze-Gävernitz,  Max  Weber.
I.  Band.  i.  Heft:  Die  Unternehmerverbände  (Konventionen,  Kartelle),
Ihr  Wesen  u.  ihre  Bedeutung.  Von  Dr.  R.  Liefmann.  1S97.  Im  Abonn.  M.  4.—.
im  Einzelv.  M.  5.—.  2.  Heft:  Colberts  politische  u.  volkswirtschaftliche  Grundanschauungen. ­
  Von  Dr.  G.  H.  Hecht.  1898.  Im  Abonn.  M.  1.60,  im  Einzelv.
M.  2.—.  3.  Heft:  Genueser  Finanzwesen  mit  besonderer  Berücksichtigung  der
Casa  di  S.  Giorgio:  I.  Genueser  Finanzwesen  vom  12.  bis  14.  Jahrhundert.
Von  Dr.  Heinrich  Sieveking.  189S.  Im  Abonn.  M.  5.—,  im  Einzelv.  M.  6.—.
II.  Band:  1.  Heft:  Mannheim  und  die  Entwickelung  des  südwestdeutschen ­
  Getreidehandels.  I.  Geschichte  des  Mannheimer  Getreidehandels.
Von  Dr.  Walter  Borgius.  1899.  Im  Abonn,  M.  5.—,  im  Einzelv.  M.  6.—.
2.  Heft:  Mannheim  und  die  Entwicklung  des  südwestdeutschen  Getreidehandels. ­
  2.  Heft:  Gegenwärtiger  Zustand  des  Mannheimer  Getreidehandels.  Von
Dr.  Walter  Borgius.  1899.  Im  Abonn.  M.  2.50,  im  Einzelv.  M.  3.—.  3.  Heft:
Die  Feldbereinigung  auf  der  Gemarkung  Merdingen.  Eine  agrarpolitische  Studie.
Von  Ernst  Blum.  Mit  3  lithographischen  Tafeln  und  2  Abbildungen  im  Text.
1899.  Im  Abonn.  M.  2.—,  im  Einzelv.  M.  2.50.
III.  Band.  1.  Heft:  Ueber  Wesen  und  Formen  des  Verlags  (der  Hausindustrie). ­
  Ein  Beitrag  zur  Kenntnis  der  volkswirtschaftlichen  Organisationsformen
von  Dr.  R.  Liefmann.  1899.  Im  Abonn.  M.  2.80,  im  Einzelverkauf  M.  3.40.
2.  Heft:  Zehentwesen  und  Zehentablösung  in  Baden.  Von  Adolf  Kopp.  1899.
im  Abonn.  M.  3.50,  im  Einzelv.  M.  4.20.  3.  Heft:  Genueser  Finanzwesen.
II.  Die  Casa  di  S.  Giorgio.  Von  Dr.  Heinrich  Sieveking.  1899.  Im
Abonn.  M.  6.—,  im  Einzelv.  M.  7.—.
IV.  Band.  1.  Heft:  Die  gesetzlich  geschlossenen  Hofgüter  des  badischen ­
  Schwarzwaldes.  Von  Dr.  Georg  Koch.  1900.  Im  Abonn.  M.  3.—,
im  Einzelv.  M.  4.  —.  2.  Heft:  Agrargeschichte  und  Agrarwesen  der  Johanniterherrschaft ­
  Heitersheim.  Ein  Beitrag  zur  Wirtschaftsgeschichte  des  Breisgaus.  Von
Dr.  Joseph  Elirler.  1900.  Im  Abonn.  M.  2.—,  im  Einzelv.  M.  2.50.  3.  Heft:
Fichte’s  Sozialismus  und  sein  Verhältnis  zur  Marx’schen  Doktrin.  Von  Marianne ­
  Weber.  1900.  Im  Abonn.  M.  3.—,  im  Einzelverk  M.  4.—.  4.  Heft:
Beiträge  zur  Sozialstatistik  der  deutschen  Buchdrucker.  Von  Dr.  Walter
Abelsdorff.  Mit  einer  Vorbemerkung  von  Prof.  Dr.  Max  Weber  und  vielen
Tabellen.  1900.  Im  Abonn.  M.  2.So,  im  Einzelv.  M.  4.—.  5.  Heft:  Konfession
und  soziale  Schichtung.  Studie  über  die  wirtschaftliche  Lage  der  Katholiken  und
Protestanten  in  Baden.  Von  Dr.  Martin  Offenbacher.  Mit  4  in  den  Text
eingedruckten  Karten  u.  mit  Tabellen.  1900.  Im  Abonn.  M.  2.80.  im  Einzelv.  M.  4.  —.
V.  Band:  1.  Heft:  Die  Entwicklung  des  Sparkassenwesens  im  Grossherzogtum ­
  Baden.  Von  Dr.  Friedrich  Schulte.  1901.  Im  Abonn.  M.  2.40,
im  Einzelv.  M.  3.50.  2.  Heft:  Beitrag  zur  Geschichte  des  Stadtwaldes  von
Freiburg  im  Breisgau.  Von  August  Gerber.  Mit  vielen  Tabellen.  1901.  Im
Abonn.  M.  3.60,  im  Einzelv.  M.  5.—.  3.  Heft:  Die  Entwickelung  des  Handels  mit
gebrauchsfertigen  Waren  von  der  Mitte  des  18.  Jahrhunderts  bis  1866  zu
Frankfurt  a.  M.  Von  Hugo  Kanter.  Mit  Tabellen.  1902.  Im  Abonn.  M.  4.—,
im  Einzelv.  M.  5.—.  4.  Heft:  Das  Postwesen  in  der  Kurpfalz  im  17.  und  18.
Jahrhundert.  Von  R.  Grosse.  1902.  Im  Abonn.  M.  2.50,  im  Einzelv.  M.  3.—.
5.  Heft:  Die  Allmenden  im  Grossherzogtum  Baden.  Eine  historische,  statistische ­
  und  wirtschaftliche  Studie.  Von  Dr.  Bernhard  Ellering.  Mit  5  Tabellen
und  1  Karte.  1902.  Im  Abonn.  M.  3.—,  im  Einzelv.  M.  4.-—.
VI.  Band.  1.  Heft:  Die  Wirkung  der  Handelsverträge  auf  Landwirtschaft, ­
  Weinbau  und  Gewerbe  in  Elsass-Lothringen.  Von  Leo  Berkholz.
Mit  einer  Vorbemerkung  von  Prof.  Dr.  C.  J.  Fuchs  und  vielen  Tabellen.  1902.
Im  Abonn.  M.  5.50,  im  Einzelv.  M.  7.—.  2.  Heft:  Die  russische  Naphtaindustrie
und  der  deutsche  Petroleummarkt.  Von  Hellmuth  Wolff.  Mit  Tabellen  und
2  Kartogrammen.  1902.  Im  Abonn.  M.  2.80,  im  Einzelv.  M.  3.60.
Boi  Bezug  von  Bund  I—-VI  auf  einmal  werden  die  Hefte  zum  Abonnementspreis  berechnet.
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        Veklag  dee  H.  L  a  u  p  r  ’  schen  Buchhandlung  in  Tübingen.

1889  ift  erfcfjieneit:
Trennung  mm  gtmtt  mb  IMImuhrtfrijttft
mts  Jtnlaß  iiuuilU'it  Hrlu'ttsmnf('«mni5)imtbjö
im  |toi)l£iilm*gbftM.
S3on  •!
Dr.  gdjäffTc.
8.  5m.  3—.
SctmnUnbbrint  auf!  bei-  ^eitfrfirift  fi«i‘  bic  flcfnmtc  gtnnt^wiflcufrfinft.
Yeelag  yon  J.  C.  B.  Mohk  (Paul  Siebeck)  in  Tübingen.
Archiv
für
Sozialwissensehaft  und  Sozialpolitik,
Neue  Folge  des  Archivs  für  Soziale  Gesetzgebung  und  Statistik.
(Begründet  von  Heinrich  Braun.)
Herausgegeben  von
Professor  Werner  Sombart  Professor  Max  Weber
in  Breslau  in  Heidelberg
und
Dr.  Edgar  Jaffe
in  Heidelberg.
Alle  2  Monate  erscheint  ein  Heft  im  Umfang  von  etwa  if  Druckbogen ­
  gross  S.  —  Drei  Hefte  bilden  einen  Band.
Preis  eines  Bandes  IÖ  Mark,  eines  einzelnen  Heftes  f  Mark.
Ein  Heft  der  neuen  Folge  liefert  jede  gut  geleitete  Buclihandlung  auf
Verlangen  zur  Ansicht.
Von  den  im  „Archiv“  enthaltenen  Aufsätzen  seien  hier  folgende
hervorgehohen:
Aus  Bd.  XX,  Heft  3  :  Der  Bergarbeiterstreik  im  Ruhrrevier.  Von  August
Brust  in  Altenessen,  Landtagsabgeordneter,  ehern.  Vorsitzender  des  Gesamtverbandes ­
  der  christl.  Gewerkschaften  Deutschlands.
Aus  Bd.  XXI,  Heft  1:  Die  preussischen  Berggesetznovellen.  Von  Georg
Gothein  in  Breslau,  Bergrat  a.  D.,  Mitgl.  d.  R.
Aus  Bd.  XXI,  Heft  2:  Die  Konzentration  im  Kohlenbergbau  und  das
prenssisehe  Berggesetz.  Von  demselben.  •
Ausführliche  Prospekte  über  das  „Archiv  für  Sozialwissensehaft
stehen  zur  Verfügung.

Druck  von  H.  Laupp  jr  in  Tübingen.
        <pb n="124" />
        103

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die  grösste  Wasserhaltung  hier  die  1898  in  Betrieb  gesetzte
ir  Zeche  Ver.  Maria,  Anna  und  Steinbank  mit  752  P.S.
}ung.  Die  elektrische  Wasserhaltung  bedeutet  für  die
“  hochbelasteten  Schächte  einen  grossen  Vorteil  hinsichtächaftlichkeit,
  Betriebssicherheit  und  Raumersparnis 1 ),
edoch  auch  manche  neue  Vorsicht.  Heute  werden  nur
rirdische  Wasserhaltungsmaschinen  gebaut 2 ),
loch  einige  Zahlen  anzuführen,  die  jedoch  nicht  allgetigkeit
  haben,  sei  erwähnt,  dass  bei  einer  Anzahl  Wasen ­
  im  Ruhrbezirke  die  Gesamtbetriebskosten  (10%  Amornd
  Verzinsung,  Dampf  und  Unterhaltungskosten)  pro
hobenem  Wasser  sich  belaufen  auf:
»ampfwasserhaltungen  2,57—9,66  Pf.  Die  Anlagekosten
(Maschinenraum  und  Maschine  inklusive  Rohrleitungen)
,ezw.  134000  M.;
ydraulischer  Wasserhaltung  z.  B.  auf  5,46  Pf.  bei  M.
.nlagekosten  und
|Elektrischer  Wasserhaltung  z.  B.  5,67  Pf.  bei  218000  M.
jten 8 ).  (Alle  absoluten  Zahlen  stehen  infolge  der  Maise
  bei  diesem  Betriebszweige  ganz  besonders  unter
sse  der  Konjunktur;  es  ist  aber  das  Verhängnis  dieses
eiges,  dass  gerade  in  Blütezeiten  grosse  Neuanschafnötig
  werden.)
ler  Wichtigkeit  einer  möglichst  billigen  Wasserhaltung
iden  Betrieb  wird  aber  einmal  jenes  geschilderte  geojekt
  einer  gemeinsamen  Wasserhaltung  für  den  grössten
ganzen  Kohlenbeckens  sich  verwirklichen 5 ):  es  wird
dann  der  umgekehrte,  aber  in  der  Entwicklung  notegründete ­
  sein.  Man  wollte  durch  eine  gemeinsame
ltung  die  Betriebe  (technisch  und  wirtschaftlich)  näher
r  bringen.  Aber  die  dargelegte  Entwicklung  schafft
_al  wenige  oder  eine  grosse  Bergwerksgesellschaft,  und
ei  wird  jener  grosse  kostensparende  Fortschritt  ermög-:
  ein  Unternehmerwille  ist  zu  dem  Plane  notwendig,
‘  ■  IV.  316.  2)  Entw.  IV.  367.
'■  IV.  370.  4)  Entw.  IV.  144.
len  dann  unrentable  Zechen  (z.  B.  im  wasserreichen  südlichen  Ruhr-_älegt,
  so  scheidet  ihre  Wasserhaltung  nicht  mehr  aus  dem  Gesamtbe-Bei
  isolierten  Betrieben  kann  eine  mit  der  Stilllegung  einhergehende
isetzung  einer  Wasserhaltung  diese  Last  einer  oder  mehreren  Nachbarden ­
  und  sie  so  technisch  und  wirtschaftlich  schwer  schädigen.
        <pb n="125" />
        ﻿
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
