34 Beiderlei Zahlenreihen zeigen, dass die Ertragssteigerung bis in die Gegenwart in erfreulicher Weise anhält. Zum Schluss müssen wir noch eine Frucht besonders erwähnen, die neben der Kartoffel wohl den meisten Einfluss auf die technische Ent wickelung der Landwirtschaft ausgeübt hat, das ist die Zuckerrübe. Der Zuckerrübenbau und die Rübenzuckerindustrie sind bekanntlich erst im vorigen Jahrhundert aufgekommen, denn obwohl Marggraf schon 1747 den Zuckergehalt der Runkelrübe nachgewiesen hatte, führten erst die von Achard wieder neu aufgenommenen Versuche 1801 zu dem Bau der ersten Rübenzuckerfabrik in Cunern in Schlesien. Hat somit die Rübenzucker fabrikation in Deutschland ihren Ursprung genommen, so hat sie auch iu Deutschland bis jetzt die glänzendste Entwickelung gehabt, wie die folgende Zusammenstellung 1 ) zeigt: Es wurden mit V nn 1 li n Im ganzen Zu 1 D.-Ztr. Roh Zuckerrüben V DU X .11«/ wurden ver zucker wurden bebaut wurden geerntet arbeitet Rüben verbraucht Rüben ha 2 ) D.-Ztr. 2 ) t D.-Ztr. 1871/72 . . 73690 204 2250918 12,07 1876/77 . . 98725 252 3550037 12,27 1881/82 . . . 121265 283 6271984 10,46 1886/87 . . . 147782 300 8306671 8,43 1891/92 . . . 164774 282 9488002 7,92 1892/93 . . . 352015 279 9811940 7,97 1896/97 . . . 424881 323 13721601 7,53 1900/01 . . . 447606 296 13253909 6,70 1901/02 . . . 478749 334 16012867 6,96 Während Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts vollständig auf die Einfuhr von Kolonialzucker angewiesen war, konnte es im Jahre 1900 nicht nur den einheimischen Bedarf befriedigen, sondern noch über 1 Mill. Tonnen Rübenzucker ausführen. — Fassen wir nun die Entwickelung des Ackerbaues kurz zusammen. Die zu Beginn des Jahrhunderts vorhandene Möglichkeit, das Ackerland ohne besondere Schwierigkeiten bedeutend zu erweitern, wird schon in der ersten Hälfte des Jahrhunderts stark ausgenutzt. Bei gleichzeitiger Steigerung der relativen Erträge befindet sich daher Deutschland in der Lage, nicht nur den Bedarf der wachsenden Bevölkerung zu befriedigen, sondern vorübergehend sogar bedeutendere Überschüsse von Getreide an das Ausland abzugeben. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wird es dagegen immer schwieriger, neues Land in Kultur zu nehmen; es ist nur noch schlechter Boden übrig, dessen Kultivierung bei dem ständigen Sinken der Getreidepreise seit den 70 er Jahren keine Rentabilität verspricht. 9 9 Zusammengestcllt nach Stat. Jahrb. f. d. D. R. Jahrg. 1890, S. 29; 1893, S. 24; 1902, S. 40 und 1903. 2 ) In den beiden ersten Kolonnen beziehen sich die Zahlen von 1871/72—1891/92 nur auf die von den Fabriken selbst angebauten Rüben, alle übrigen Zahlen betreffen die in Deutschland überhaupt erzeugten bezw. verarbeiteten Rüben.