mm — 4 — mit Oesterreich der Fabrikatzoll auf 7 Thlr. herabgesetzt wurde. Bei der damals völlig unentwickelten Chokolade-Industrie in Oesterreich würde diese Maßnahme noch nicht so von verhängnißvoller Wirkung für die diesseitigen Kreise gewesen sein, wenn nicht die Vergünstigung unter dem 28. Mai 1868 auf die Einfuhr aller Länder ausgedehnt ­ worden wäre. Daß unter dem 1. Oktober 1870 der Zoll für Rohkakao auf 5 Thlr. 25 Ngr. herabgesetzt wurde, konnte einen genügenden Ausgleich gegenüber den ungünstigen Fabrikat-Einfuhrzöllen selbstverständlich noch nicht schaffen. Unter dem Drucke dieser Verhältnisse unternahni zur Anstrebnng besserer Zustände, hauptsächlich auf Anregung der Firma Gebr. Stollwerck in Köln, der Fabrikant E. O. Moser in Stuttgart den ersten Schritt, indem er sich, Rath suchend, an den damaligen Sekretär der dortigen Handelskammer, Dr. Landgraf, wandte. Dr. Landgraf hatte nun zunächst noch die übrigen fünf Stuttgarter ­ Fabrikanten, die sich bis dahin, mit einer einzigen Ausnahme, ganz fremd und wohl auch wenig freundlich gegenüber gestanden hatten, zu einer Besprechung eingeladen. Das Ergebniß dieser Vereinigung war der Beschluß, sämmtliche Chokolade-Fabrikanten Deutschlands zu einer baldmöglichst in Frankfurt am Main abzuhaltenden Versammlung einzuladen, doch machte das Herannahen ­ der Weihnachtsgeschäfte erst eine Einigung für den 6. Januar 1877 möglich. Bereits im Laufe des Nachmittags des 5. Januar traf ein Theil der Eingeladenen ein, die sich Abends unter Dr. Landgraf im Frankfurter ­ Hof zu einer Vorbesprechung versammelten. Wenn wir jetzt in unseren Versannnlungen das Walten eines kollegialen Geistes mit Freuden zu begrüßen haben, so kann der Historiker nicht verschweigen, daß es beim ersten Anfang nicht so war. Nicht den Kollegen, sondern den Konkurrenten erblickten die Betheiligten untereinander, ­ namentlich aber machte sich eine Scheidung in zwei Lager, das norddeutsche und das süddeutsche, sehr bald geltend. — Schon in dieser ersten Vorversammlung platzten die Geister lebhaft aufeinander, was am nächsten Tage in noch erhöhtem Maaße der Fall war. Doch der glücklichen ­ Leitung von Dr. Landgraf gelang es, die Wogen etwas zu ebnen, so daß sich langsam das Verständniß dafür Bahn brach, wie nothwendig ­ es sei, gemeinsame Ziele gemeinsam zu verfolgen und daß für den anderen Tag eine vorläufige Tagesordnung aufgestellt werden konnte. Die Noth war eben groß, die Klage über ein schlechtes und unlohnendes Geschäft ­ war eine allgemeine und so kam es, daß unter dem Zeichen des Traumes von besseren künftigen Tagen der Kongreß deutscher Chokolade-Fabrikanten im Frankfurter-Hof in Frankfurt a. M. den 6. Januar 1877 gegen ID/2 Uhr eröffnet wurde.