1.  KAPITEL.
Philosophie  des  Gewerkschaftsgedankens.
Dem  gewöhnlichen  Geschäftsmann,  der  in  seinen  Angelegenheiten ­
  und  dem  täglichen  Lebenslauf  aufgeht,  mag  der  Gewerk  -
schaftsgedanke  wie  ein  Gewirr  von  widersprechenden  Ideen  und
Doktrinen  Vorkommen.  Wenn  ein  solcher  Mann  kein  unmittelbares ­
  Interesse  an  der  Sache  hat,  wird  er  sich  vielfach  seine
Meinung  nach  allerhand  zerstreuten,  oft  unglaubwürdigen  Erzählungen ­
  bilden.  Bald  liest  er  von  Gewerkschaftlern,  die  in
einer  Fabrik  die  Löhne  zu  erhöhen  oder  die  Arbeitszeit  herabzusetzen ­
  trachten,  die  die  Anerkennung  der  Gewerkschaft  fordern,
zum  Sympatiestreik  drängen,  oder  einem  Bundesgesetz  widerstreben ­
  oder  es  anschwärzen;  bald  scheint  die  Gewerkschaft  in
Fragen  aufzugehen,  wie  die,  ob  der  Vorarbeiter  zu  ihr  gehören  soll
oder  nicht,  ob  man  mit  nichtorganisierten  Arbeitern  Zusammenarbeiten ­
  dürfe  oder  nicht,  ob  eine  bestimmte  Fabrik  den  gesundheitlichen ­
  Anforderungen  genüge,  ob  eine  bestimmte  Maschine  zu
schnell  oder  zu  langsam  laufe,  ob  die  Temperatur  einer  gegebenen
Fabrik  die  Gesundheit  der  Arbeiter  gefährde,  was  für  Lohnänderungen ­
  bei  Einführung  neuer  Maschinen  eintreten  sollen  usw.;
bald  wieder  liest  er,  dass  die  Leute  unvollendete  Arbeit  mit  dem
Stundenschlag  verlassen,  die  Abschaffung  des  Trucksystems  fordern,
auf  dem  Wiegen  und  Messen  ihrer  Arbeitsstücke  bestehen,  sich
weigern,  an  Stücken  zu  arbeiten,  die  von  unorganisierten  Leuten
hergestellt  sind,  oder  dass  man  bestimmte  Personen  oder  Waren
boykottiere.  Bald  scheinen  die  Gewerkschaftler  auf  dem  Stücklohn ­
  zu  bestehen,  bald  wieder  wollen  sie  nichts  mit  ihm  zu  tun
haben.  Hier  befehdet  man  sich  untereinander  oder  die  Unternehmer, ­
  dort  trifft  man  sich  freundschaftlich  in  mächtigen  Ver-1
