78

recht  wohl  als  „eine  Fügung  Gottes“,  als  unzertrennlich  mit  dem
normalen  Betrieb  bezeichnen.
Aber  trotzdem  gibt  es  unzweifelhaft  eine  Unzahl  unnötige
und  leicht  vermeidbare  Verletzungen  der  Arbeiter.  Wenn  auch
geringer  in  der  Intensität,  so  ist  dieses  Übel  doch  seit  dem  Beginn ­
  des  Fabriksystems  an  Ausdehnung  immer  mehr  gewachsen.
Der  Versuch,  die  Fabriken  der  zivilisierten  Völker  aus  einem
Kerker  in  reinlichere,  gesundere  Werkstätten  verwandelt  zu
haben,  ist  das  Verdienst  der  organisierten  Arbeiter.  Allerdings
gab  den  Anstoss  eine  Zeitlang  eine  andere  Gesellschaftsklasse,
aber  sobald  die  Gewerkschaften  stark  genug  geworden  waren,
nahmen  sie  selbst  die  Sache  energisch  auf.  Sowohl  in  England
wie  auch  hier  in  einigen  Staaten  hat  man  von  der  Regierung  in
dieser  Richtung  mehr  erreicht,  als  in  der  Verkürzung  der  Arbeitszeit. ­
  Die  Gesetze  gestatteten  weder  hier  noch  in  England  die
Festsetzung  eines  Durchschnittslohnes  und  mit  wenigen  Ausnahmen
wurde  die  Regelung  der  Arbeitszeit  für  erwachsene  männliche
Arbeiter  als  verfassungswidrig  erklärt.  Aber  von  Anfang  an
stand  die  Sympathie  der  Öffentlichkeit  auf  seiten  des  Arbeiters
beim  Versuche,  sicherere  und  gesundere  Zustände  zu  erreichen;
man  sah  hier  auch  eher  ein,  dass  der  Einzelne  keine  Abmachungen
über  diese  Dinge  in  seinen  Vertrag  einschliessen  konnte.  Und
dazu  fürchtete  man  durch  Infizierung  der  Arbeiterschaft  eine
allmähliche  Übertragung  der  Krankheiten  auf  andere  Gesellschaftsklassen. ­

Von  den  englischen  Gewerkschaften  wurde  vor  1840  kein  Versuch ­
  der  Besserung  der  Gesundheitszustände  unternommen,  und  erst
seit  30  Jahren  sind  diese  Bestrebungen  allgemein  in  ihre  Politik
eingereiht  worden.  Das  damals  gegen  Schutzvorrichtungen  vorgebrachte ­
  Argument  der  Unfrömmigkeit  wurde  auch  hier  ins  Feld
zu  führen  versucht;  Krankheit  und  Tod  seien  „in  der  Hand
Gottes“,  die  man  nicht  hindern  solle.  Und  die  Nationalökonomen,
die  damals  alle  auf  Seite  der  Kapitalisten  standen,  behaupteten,
dass  mit  der  Unsicherheit  des  Gewerbes  der  Lohn
steige,  eine  Besserung  der  Zustände  mehr  Arbeiter  heranziehen
und  die  Löhne  drücken  müsse!
Aber  allmählich  drang  die  Einsicht  doch  durch,  dass  viele
von  den  Unglücksfällen  zu  vermeiden  seien  und  der  Arbeiter  dadurch ­
  auf  eine  höhere  Stufe  gehoben  werde.  Die  Fabrikgesetze
der  amerikanischen  Staaten  wurden  allgemein  als  verfassungs ­