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müssen  Verkürzung  der  Arbeitszeit  und  Aufbesserung  der  Löhne
die  Arbeiterschaft  ohne  weiteres  auch  moralisch  heben;  Bücher
und  Kunstsinn  verdrängen  die  Trunksucht,  und  eine  bessere  Schulbildung ­
  der  Kinder  sorgt  für  die  Zukunft.  Das  gleiche  gilt  für
die  Arbeiterschutzbestrebungen.  Es  gibt  nichts  demoralisierenderes
als  dauernde  Lebensgefahr.  Die  Gewerkschaften  haben  den  Menschen ­
  über  die  Ware  gestellt  und  ihn  an  Stelle  der  Maschine  in
den  Mittelpunkt  der  wirtschaftlichen  Betrachtungen  gestellt.
Früher  war  der  Arbeiter  eine  belebte  Maschine  mit  möglichst
geringen  Betriebskosten;  nur  Hand  und  Ware  und  ohne  Seele,
—  spricht  man  doch  in  der  Fabrik  von  so  und  so  viel  „Händen“.
Die  Arbeit  war  eine  Ware  wie  jede  andere,  —  ohne  Rücksicht
darauf,  dass  es  den  Verkäufer  von  Getreide  wenig  kümmert,  wie,
wo  und  wann  es  verwendet  wird,  während  für  den  Arbeiter  diese
Umstände  Lebensfragen  sind.  Das  Ergebnis  der  Klugheit  der
Staatsmänner  dreier  Jahrhunderte  war  die  Maxime,  dass  man  um
die  Produktion  zu  erhöhen,  sparen  müsse  und  möglichst  wenig
verzehren  dürfe.  Die  Krisen,  die  das  Wirtschaftsleben  der  Kulturvölker ­
  in  den  letzten  50  Jahren  heimsuchten,  haben  gezeigt,  wie
töricht  es  ist,  die  Produktion  anzutreiben  und  gleichzeitig  den
Konsum  einzuschränken.  Sie  haben  damit  die  auf  Steigerung
des  Konsums  gerichtete  Gewerkschaftspolitik  gerechtfertigt.
Die  Gewerkschaft  setzt  am  Arbeiter  das  Werk  der  Schule,
Disziplin  und  Erziehung,  weiter  fort.  Hier  lernt  er  seinen  Willen
dem  der  Mehrheit  unterordnen  und  der  Ausführung  dieses  Mehrheitswillens ­
  dienen.  In  der  Praxis  mag  die  Gewerkschaft  keine
so  ideale  Schule  sein,  wie  in  der  Theorie,  aber  im  ganzen  weckt
sie  Verstand  und  Herz,  die  den  guten  Menschen  und  Bürger  ausmachen. ­
  Der  Einzelne  sieht  gar  bald,  dass  er  seine  Genossen
nicht  mit  Gewalt  zu  seinen  Anschauungen  bekehren  kann,  sondern ­
  durch  Kenntnis  der  Tatsachen  überzeugen  muss.  Selbst
in  der  einfachsten  Gewerkschaftsversammlung  gilt  eine  Art
parlamentarischer  Geschäftsführung,  und  auch  dem  Gegner  hört
man  höflich  zu.  Man  lernt  seinen  Standpunkt  achten,  und  besonders ­
  in  völkischen  Fragen  Toleranz  üben.  Der  Erfolg  der
Erziehung  zeigt  sich  auch  darin,  dass  nicht  die  organisierten
Arbeiter  gegenüber  den  Unternehmern  die  unbilligsten  Forderungen ­
  stellen,  denn  diese  selbst  ziehen  die  älteren  Organisationen ­
  den  jüngeren  wegen  ihrer  grösseren  Ruhe  vor.  Wie  die
Kirche,  so  lehrt  auch  die  Gewerkschaft  Brüderlichkeit.  Ehe  die  Be ­