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Unternehmer,  mehr  zu  differenzieren  und  Mehrleistungen  gebührend
zu  bezahlen,  argwöhnen  die  Arbeiter,  er  wolle  die  Vertragsbedingungen ­
  zu  seinen  Grünsten  ändern.
Der  Vorwurf,  dass  sich  ein  Erfolg  der  Organisation  nicht
aufrecht  erhalten  lasse,  da  höhere  Löhne  mehr  Leute  aus  benachbarten ­
  Gewerben  anziehen,  trifft  nur  die  Unvollständigkeit  der
Organisation.  So  wirkt  im  Anfang  die  Organisation  oft  nur  auslesend, ­
  bis  die  Organisation  der  Masse  dann  in  sich  einen  festen
schützenden  Halt-  birgt,  wie  wir  das  bei  den  Ungelernten  gezeigt
haben.
Ebenso  drängt  uns  zur  Erweiterung  der  Organisation  der
Vorwurf,  die  Organisierten  bereicherten  sich  auf  Kosten  der
Nichtorganisierten.  Wenn  durch  Organisierung  der  Schneider  und
Schuster  Kleider  und  Schuhe  im  Preise  steigen  und  die  nichtorganisierten
  Kellner  für  ihr  Geld  weniger  davon  kaufen  können,
so  würden  wohl  die  Organisierten  sich  nicht  so  eifrig  bestreben,
ihre  Brüder  zu  organisieren  und  sich  selbst  deren  Produkte  zu
verteuern.  An  anderer  Stelle  ist  gezeigt,  dass  die  Arbeiter  nicht
auf  Kosten  der  Konsumenten,  sondern  mittels  Hebung  der  eigenen
und  fremden  Kaufkraft  ihre  Lage  verbessern.
Wer  die  Gewerkschaftler  als  Materialisten  ohne  Ideale  hinstellt, ­
  der  sei  nur  auf  die  Aufopferung  für  die  Brüder  bei  einem
Symathiestreik  hingewiesen.  Aber  sie  glauben  allerdings,  dass
die  Hebung  ihres  Standes  am  besten  dadurch  erreicht  werde,  dass
jeder  sein  eigenes  Gewerbe  zu  heben  sucht.
Die  Nachteile  der  Gewerkschaften  mögen  dem  Fernerstehenden ­
  sichtbarer  sein;  ihr  Wert  aber  ist  tief  und  fest  gebettet  in
den  Herzen  der  Millionen,  die  sie  zu  neuem  und  höherem  Leben
erweckt  haben.
Gerade  jetzt,  wo  ihnen  Hunderttausende  Fremder  Zuströmen,
sollte  man  ihnen  gegenüber  toleranter  sein.  Neue  Mitglieder
müssen  mehr  Eifer  als  Verstand  haben  und  mehr  Fehler  und  Ausschreitungen ­
  begehen.  Aber  statt  Leute  anzugreifen,  die  im
Eifer  für  eine  gute  Sache  Dummheiten  machen,  sollte  Irian  sich
den  Bericht  der  Industriellenkommission  an  den  Präsidenten  zu
Herzen  nehmen:  „Leute,  die  aus  industrieller  Unterjochung  zur
Selbstverwaltung  aufsteigen,  zeigen  die  gleichen  Schwächen,  wie
die  aus  dem  politischen  Absolutismus  hervorgehenden;  nur  Erfahrung ­
  kann  den  guten  Kern  entwickeln,  der  in  der  Demokratie
steckt“.