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29.  KAPITEL.

Beschränkung  der  Produktion.
Vor  etwa  zwei  Jahren  erschienen  in  der  Londoner  Times
eine  Reihe  von  Artikeln,  die  die  englischen  Gewerkschaften  wegen
ihrer  Politik  der  Arbeitseinschränkung  angriffen. 1 )  Der  Verfasser
versicherte,  dieselben  hätten  sich  verschworen,  so  wenig  wie
möglich  zu  leisten  und  davon  rühre  der  Rückgang  der  englischen
Industrie  mit  her.  Es  ist  seitdem  nachgewiesen  worden,  wie
übertrieben  diese  Behauptungen  waren  und  dass  kaum  ein  Lüftchen ­
  der  grossen  aufgewirbelten  Staubwolke  zugrunde  lag,  aber
diese  Frage  ist  seitdem  auf  der  Tagesordnung  geblieben,  denn
es  kann  für  die  Arbeiterschaft  und  ihre  Stellung  zum  Publikum
keine  wichtigere  geben,  als  diese.
Die  Quantität  der  Arbeitsleistung  ist  die  Quelle  ebenso  des
Arbeitslohnes,  wie  des  Güterreichtums,  und  die  Gewerkschaften
müssen  entschieden  Stellung  nehmen  gegen  eine  Beschränkung
derselben,  so  weit  es  sich  nicht  nur  um  Übergangserscheinungen
bei  Verkürzung  des  Arbeitstages  oder  augenblickliche  Kampfmittel
gegen  schlimmere  Übel  handelt.
Die  Forderung  der  Arbeiter  lautet:  gute  Leistung  für  hohen
Lohn.  Aber  die  Frage  wirft  ein  scharfes  Licht  auf  das  Lieblingsthema ­
  organisationsfeindlicher  Unternehmer,  die  sich  immer  gegen
das  Eindringen  sentimentaler  Träumereien  in  wirtschaftliche  Fragen
verwahrten:  „Geschäft  ist  Geschäft;  wenn  der  Arbeiter  mit  Lohn
und  Arbeitszeit  nicht  zufrieden  ist,  mag  er  anderswohin  gehen;
ich  muss  versuchen,  für  möglichst  wenig  Bezahlung  möglichst  viel
zu  erhalten,  will  ich  mein  Geschäft  nicht  zu  einer  Wohltätigkeitsanstalt ­
  machen“.  Aber  die  moralische  Seite  des  Arbeitskontraktes
wird  plötzlich  zum  erstenmale  anerkannt,  wenn  der  Arbeiter  von
seinem  Vorteile  etwas  zu  profitieren  sucht.  Er  müsste  nach  jener
Logik  antworten:  „Wir  suchen  so  viel  zu  erhalten  und  so  wenig
zu  geben,  als  möglich;  unser  Geschäft  ist  keine  Wohltätigkeitsanstalt ­
  für  euch,  wenn  es  euch  nicht  passt,  sperrt  uns  aus  oder
schliesst  eure  Fabrik“.
Eine  solche  Haltung  wäre  der  grösste  Fehler  für  die  Arbeiterschaft, ­
  die  stets  auf  einem  höheren  Standpunkt  gestanden  hat,
')  Deutsch  als  Broschüre  von  G.  v.  Heiswitz  unter  dem  Titel  „Ca’canny“
(Nur  immer  hübsch  langsam)  herausgegeben.