160

unsere  Richter  noch  so  ehrbare  Männer  sein;  gewählt  aus  einer
bestimmten  Gesellschaftsklasse,  gibt  die  berufliche  Gruppierung
ihren  Anschauungen  eine  gewisse  einseitige  Richtung,  und  wenn
wir  von  den  niederen  zu  den  höheren  Gerichten  aufsteigen,  von
kurzen  zu  den  langen  Amtsfristen,  von  gewählten  zu  ernannten
Richtern,  so  sehen  wir  das  Vorurteil  gegen  die  Arbeiterschaft
wachsen  und  das  Verständnis  für  Wünsche  und  Bedürfnisse  des
Volkes  abnehmen.  Dazu  kommt  die  unbewusste  Beeinflussung  verschiedener ­
  Herren  durch  ihre  ehemaligen  Dienste  im  Interesse  von
Gesellschaften,  in  die  sie  vielleicht  auch  zurückzukehren  gedenken. ­

Man  braucht  die  Ehrbarkeit  und  Tüchtigkeit  der  Richter
nicht  anzuzweifeln,  wenn  man  die  praktischen  Ergebnisse  der
Rechtsprechung  in  Frage  stellt.  Die  Taten,  nicht  die  Worte  der
Richter,  erregen  die  Arbeiterschaft,  aber  in  welchem  Sinne  ein
solcher  Einhaltsbefehl  benutzt  wird,  kann  man  doch  vielleicht  aus
dem  Ausspruch  des  Distriktsrichters  John  J.  Jockson  von  Südwest-Virginien
  gegenüber  der  Verteidigung  der  Bergleute  ersehen,
sie  und  die  Beamten  der  Gewerkschaften  seien  „eine  gewerbsmässige ­
  Rotte  von  Agitatoren,  Vampire,  die  sich  von  der  ehrlichen ­
  Arbeit  der  anderen  Bergleute  mästeten“.
Es  gibt  keinen  Arbeiterführer,  welcher  mit  diesen  Einhaltsbefehlen ­
  nicht  seine  bitteren  Erfahrungen  gemacht  hätte.  Der
erste  derselben  bei  Arbeitsstreitigkeiten  wurde  gegen  die  Zigarrenmacher ­
  bei  ihrem  Streik  in  Burghamton  N.  Y.  erlassen  und  verbot
den  Streikenden  und  ihren  Freunden  den  Aufenthalt  in  der  Nachbarschaft ­
  der  Fabrik,  in  der  Strasse  wo  diese  stand,  und  die  Auszahlung ­
  von  Geld  an  Unorganisierte.  Die  Aufhebung  dieses  Befehls
im  Appellwege  brachte  keinen  Nutzen  mehr,  und  die  Torheit  des
unverantwortlichen  Richters  hatte  einen  nicht  wieder  gutzumachenden ­
  Schaden  angerichtet.  Der  Befehl  gegen  die  Vereinigung  der
Eisen-  und  Stahlarbeiter  verbot  sogar  jedes  Gespräch  mit  Arbeitenden, ­
  und  der  gegen  die  Typographen  im  Streit  mit  dem
Buffalo  Express  verbot  den  Boykott  und  irgend  ein  Gespräch,
welches  das  Geschäft  dieser  Zeitung  betraf.  Vor  der  Industriellenkommission
  wurden  viele  solche  Befehle  bezeugt,  welche  die  Achtung ­
  vor  unseren  Gerichten  zu  schänden  machen.
Um  jeden  Anschein  von  Parteilichkeit  zu  vermeiden,  gebe
ich  lieber  statt  einer  eigenen  Aufstellung  eine  Flugschrift  wieder,