4. Johann Friedrich Cotta. 7 4. Johann Friedrich Cotta. Von Albert Schäffle. Schaffte, Lotta. Berlin, Ernst fjoflfmanu & <Lo., (895. S. 2—3, 5. (T(—(72, 5. (?H und S. (83 — 185. Johann Friedrich Cotta war nicht bloß Buchhändler und Dichterfreund, er war auch Kunsthändler und Kunstfreund. Cr hat furchtlos opponiert, mit Königen verkehrt, Kronprinzen Vorschüsse an Geld, nicht bloß an Rat erteilt. Cr hat bedeutende diplomatische Sendungen, zuletzt 1828 bei der Vereinbarung der Zolleinigung zwischen Preußen einerseits und Württemberg und Bayern andrerseits, als gemeinschaftlicher Vertreter der zwei süddeutschen Staaten, vorher beim Wiener Kongreß glücklich erfüllt und noch früher in zwei Sendungen nach Paris (1799 und 1801) in erfolgreicher Weise für sein Land und Lohenzollern-Lechingen gewirtt. Sodann hat er sich bei der Einleitung der Verfassungsunterhandlung in Württem berg im Jahre 1815 als hervorragender Staatsmann bewährt, er reklamierte 1815 unter den Ersten eine paktierte Verfassung. Er ist der eigentliche Arheber der Ein richtungen der heutigen Württembergischen Staatsschuldcntilgungskasse. Nach dem Ab schlüsse der Verfassungskämpfc von 1815—1819 hat er die Württembergische Verfassungs urkunde vom 25. September 1819 mitunterzeichnet und gehörte als erster Votant der Ritterschaft, später als Vizepräsident der Württembergischen Abgeordnetenkaminer an, in welcher er die staats- und volkswirtschaftlichen Interessen seines engeren Vaterlandes als strenger Rechner und mit einem damals noch seltenen staatsökonomischen Weitblick vertreten hat. Cotta hat die erste Dampfschnellpresse in Süddeutschland aufgestellt und ist obenan gestanden bei der Einführung der Dampfschiffahrt auf dem Bodcnsee. Er gründete verschiedene industrielle Geschäftsuntcrnehmungen und blieb selbst überseeischen Anter- nehmungen nicht fremd. Auch bewährte sich Cotta auf den großen Gütern, die er erwarb, als hervor ragender Agronom und Musterwirtschafter. Bei der Hungersnot von 1816—1817 hat er seinem Lande großartig geholfen. Er hat die Gründung einer Los bank, die „Natioualbank" werden sollte, und die Einrichtung einer allgemeinen Sparkasse angeregt oder mit angeregt. Es war nicht übertrieben, wenn Leine die Worte aus „Egmont" auf ihn an wendete: „Das war ein Mann, der hatte die Land über die ganze Welt". Als Vertreter der Buchhändler aus dem Wiener Kongreß 1815 hatte Cotta die Forderung der Preßfreiheit an die Spitze aller Wünsche des Buchhandels gestellt: „Wenn es" — so begann seine Eingabe an den Kongreß — „vor allem das wichtigste ist und durch Verfassung gesetzlich begründet werden muß, daß Deutschland in seinem Inneren Festigkeit und gegen das Ausland eine geschlossene Laltung erlange, so erscheint uns kein Mittel für diesen Zweck so gemäß zu sein als bedingte Preß freiheit, wodurch die Fürsten von den Gebrechen des einzelnen, sowie von dem, was für das Ganze notwendig ist, auf das sicherste und wahrste in Kenntnis gesetzt werden können". Er hegte auch den damals nicht unpraktischen Gedanken, Leipzig zum Mittel- puntt der Buchhandelspolizei, sowie des Schutzes der Schriftsteller und der Gläubiger gegen unredliche Verleger zu machen, indem der Straf- und Entschädigungsangriff durch das Organ des Buchhändlervereins auf die in Leipzig konzentrierten Lagervorräte ge macht werden sollte. Cotta sollte die allgemeine Preßfreiheit nicht erleben. Ihm war die widerlichste Behandlung durch die Zensur bis an sein Lebensende beschieden. Anter den Preßscherereien der Leiligen Allianz und des Deutschen Bundestages hat Cotta